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C o n v e n t   o f   t h e   S a c r e d   B e a s t

Reviewed 9.5.04

Japan 1972 Maya Takigawa (Yumi Takigawa) geniesst das Leben mit Bars und Männern. Nachdem sie den feschen Kenta ins Bett gekriegt hat, geht sie ins Kloster. Die 18-Jährige bekommt schnell zu spüren, wie hart die Regeln im Konvent "St. Clore" sind. 73 Regeln gibt es, wobei es drei Kardinalsregeln gibt: keine Erotik, kein Mord, kein Diebstahl. Maya sind diese Regeln letztendlich egal, denn sie will in den Gemäuern etwas anderes: den Tod ihrer Mutter "Mary" Michiko, einer Nonne, untersuchen. Dabei kommen Maya und die rebellische Hisako den Oberen gehörig in die Quere. Maya entdeckt dennoch, dass Reverend Kakinuma ihre Mutter vergewaltigt hat - und dass er ihr Vater ist!
Nunsploitation-Filme haben eine lange Tradition, vorwiegend in Europa. Ob Italien, Deutschland oder Schweiz - überall gibt es Filme à la "Flavia, La Monaca Musulmana". Japan darf da natürlich nicht hinten anstehen. Regisseur Norifumi Suzuki (
Girl Boss Guerilla, Terrifying Girls' High School: Lynch Law Classroom) greift das Thema auf und liefert einen kurzweiligen, nicht sonderlich hintersinnigen, aber sehr schön gemachten Nunsploitation-Streifen à la Nippon ab.
Es gibt viel zu mögen an dem Streifen: Hauptdarstellerin Yumi Takigawa (Graveyard of Honor) ist bildschön, Szenen wie die Auspeitschung mit Rosen sind von surrealer schöner Qualität und es gibt genügend nackte Haut für den kleinen Voyeur in uns. Nicht genug? Wie wärs mit mannigfaltiger Blasphemie? Pinkeln auf ein Jesus-Symbol, Vergewaltigung durch einen Priester, Folterung durch Nonnen, Beleidigung Marias und Gottes, Lesbensex unter Nonnen, gequälte Nonnen und nicht zu vergessen: Inzest zwischen einem Priester und einer Nonne - die auch noch seine eigene Tochter ist. Oh ja, was will man mehr? Diesbezüglich ist "Convent of the Sacred Beast" für sein Genre durchaus gelungen und ich kann ihm einen grossen Unterhaltungswert nicht abstreiten.
Doch etwa fehlt. Die Kritik an der Kirche. Die Szenen, die die Nonnen beim Quälen zeigen, sind so übersteigert, dass sie nicht ernst zu nehmen sind. Und die Kontrastierung von religiöser Lehre mit den Ereignissen im Konvent ist nur cineastisches Mittel, nicht soziale Botschaft. Das Kloster wird wirklich nur als Background genommen, weil es cool aussieht, wenn Nonnen meucheln, foltern und sich ausziehen müssen. Muss ein Nunsploitationfilm denn kirchenkrisisch sein? Nicht unbedingt - aber "Convent" versucht mit seiner Bildsprache offensichtlich tiefere Bedeutung zu erlangen, schafft dies aber nie und nimmer. Das ist sein eigentlicher Fehler: er verfehlt sein Ziel. Wäre er nur auf Fun aus, er wäre etwas besser. Aber was solls, letztendlich ist das wohl Haarspalterei. "Convent od the Sacred Beast" wird jeden Fan von Nunsploitation-Filmen mehr als befriedigen.
Hier auf DVD erhältlich (Japanisch mit englischen Untertiteln)
Hier auf DVD erhältlich (Japanisch mit französischen Untertiteln)
Alternative Titel: School of the Holy Beast; Sei ju gakuen
Regie: Norifumi Suzuki

Nunsploitation

Erotik * *

Gewalt * * *

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D e l i n q u e n t   G i r l   B o s s :   W o r t h l e s s   t o   C o n f e s s   ~    Z u b e k ô   b a n c h ô

Reviewed 20.12.05

Japan 1971 Rika (Reiko Oshida) sitzt mit ihrer Gang in einem Jugendgefängnis. Als sie entlassen wird, arbeitet sie für den alten Mechaniker Muraki (Junzaburo Ban) im Shinjuku-Quartier. Muraki ist der Vater von Rikas Mitgefangener Midori (Yumiko Katayama), die mit einem Yakuza zusammenlebt und die sich nicht in die Gesellschaft einfügen lassen will. Sie und ihr Lover treiben Midori in die Verschuldung bei Boss Ohya (Nobuo Kaneko). Rikas andere Freundinnen Yuki, Senmitsu und Choko versuchen sich als Hostessen, während die schwangere Mari (Yukie Kagawa) als Nacktmodel arbeitet, um ihren kranken Gatten Arai (Ichiro Nakatani) zu versorgen. Erst als Boss Ohya das Geld bei Midori einzutreiben beginnt, treten die Mädels wieder gemeinsam in Aktion.
Als das japanischen Kino in den 70ern beinahe zum Erliegen kam, stieg das vormalige Actionstudio Nikkatsu auf seine sogenannten "Roman Porno" um. Diese billigen Softsexfilme waren so erfolgreich, dass das gegnerische Studio Toei mit einer ähnlichen Reihe reagierte: Den "Pinky Violence"-Filmen. Zugkräftige Stars waren Frauen wie die von Nikkatsu abgeworbene Meiko Kaji (Female Prisoner #701, Lady Snowblood). Diese Stars wurden eingesetzt als Opfer brutaler Knastfilme, als Rächerinnen oder in Sukeban-Filmen als toughe Weibsbilder. Eine Sukeban-Serie war "Delinquent Girl Boss", deren vierter Teil als der beste angesehen wird: "Worthless to Confess".
Der Streifen ist deutlich ein Frühwerk des Subgenres, da er noch klassische Gangsterfilm-Elemente beibehält und weniger auf der anarchistischen Schiene fährt. Auch bei Sex und Gewalt hält er sich zurück - doch Spass macht der Film allemal. Temporeich inszeniert, schrill ausgestattet und versehen mit wohl dosierten Ausbrüchen von Gewalt und nacktem Fleisch weiss "Delinquent Girl Boss" Genre-Fans zu entzücken. Genial ist besonders das Finale, bei dem es endlich richtig abgeht und ein grandioser Kill von unten durch einen Glasboden gefilmt ist. Leider reissen die Ereignisse davor zu deutlich weniger euphorischen Ausbrüchen hin, da ihnen das gewisse Etwas fehlt.
Kazuhiko Yamaguchi präsentiert den Film zwar durchaus cool und souverän, doch an die besten Sukeban-Werke wie Zero Woman: Red Handcuffs kommt er nie heran. Zu wirr die Story, zu wenig Aufregend der Inhalt. Man könnte fast sagen, für einen Sukeban-Film ist er zu brav. Für 86 Minuten knalligen Spass mit cooler Musik von Kinji Fukasaku-Komponist Toshiaki Tsushima, einem Genre-üblich eingängigen Titellied, sexy Girls und roher Action ist aber gesorgt. Genug für eine Empfehlung!
"Delinquent Girl Boss" ist Teil der Pinky-Violence-Box von Panik House. Das schicke, pinke Set beinhaltet neben einem Booklet eine Audio-CD sowie vier Filme. Neben DGB sind dies Girl Boss Guerilla, Terrifying Girls' High School: Lynch Law Classroom und Criminal Woman: Killing Melody.
Kritik des ersten Delinquent-Girl-Boss-Films namens "Blossoming Night Dreams": hier.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Japanisch mono mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Zubeko bancho: zange no neuchi mo nai; Delinquent Girl Boss 4
Regie: Kazuhiko Yamaguchi

Actiondrama

Gewalt * *

Spannung * *

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E c s t a s y   o f   t h e   A n g e l s

Japan 1972 Ausführliche Kritik: hier.

 

T h e   F e a r l e s s   A v e n g e r

Japan 1972 Ausführliche Kritik: hier.

 

F e m a l e   C o n v i c t   S c o r p i o n :   J a i l h o u s e   4 1   ~    J o s h u u   s a s o r i :   D a i - 4 1   z a k k y o - b ô

Reviewed 8.3.05

Japan 1972 Seit der Ermordung ihres verräterischen Freundes sitzt Matsu, genannt "Skorpion" (Meiko Kaji), in einer unterirdischen Zelle. Der Wärter Goda (Fumio Watanabe), der wegen ihr ein Auge verloren hat, nutzt jede Gelegenheit, um sie zu misshandeln. Als Goda befördert werden soll, kommt Matsu für die Zeremonie an die freie Luft und attackiert die Gesetzeshüter. Sie wird bestraft, indem die Wärter sie im Steinbruch vergewaltigen. Doch auf der Rückfahrt gelingt es Matsu und sechs weiteren Schwerverbrecherinnen, aus einem Gefangenenwagen zu fliehen.
Die Fortsetzung von Female Prisoner #701 erreicht nicht ganz das künstlerische Niveau des Vorgängers, ist aber ein noch wilderer Exploitation-Ritt. Nach einem unheimlichen Intro und der Reprise des wunderbaren Liedes "
Urami Bushi" (siehe Kill Bill), gesungen von Hauptdarstellerin Meiko Kaji, beginnt Regisseur Shunya Ito erst einen typischen Gefängnisfilm mit Wärter-Brutalitäten und Gefangenen-Terror, wechselt aber bald den Fokus zu surrealem, übersinnlichen und religiösem Stoff. Manche Ereignisse sind extrem bizarr, andere zwar realistisch, aber auf ungemütliche Art und Weise gfeilmt. Rein visuell ist der Film verspielter als der Vorgänger, aber nicht gar so raffiniert.
Kaum zurückstecken muss indes die Gewalt. Einer der deftigeren Shots zeigt einen dicklichen Toten am Boden, ein grosser Holzpfahl in sein Geschlechtsteil gerammt. Noch mehr als bei #701 sind die Frauen hier die Opfer einer Männergesellschaft, die ausnutzt, betrügt und bei jeder sich bietenden Gelegenheit vergewaltigt. Wie es sich für einen feministischen Exploitationfilm dieser Art gehört, macht es danach deshalb doppelt Freude, zu sehen, wie diese Schmierfinken drankommen und deftig leiden dürfen. Das soll nicht heissen, dass die Frauen harmloser sind. Unter den Flüchtigen sind solche, die den Vater gekillt haben, den Lover oder die Kinder. Inklusive dem ungeborenen Baby.
"Female Convict Scorpion" ist denn zweifellos ruppiges Material. Seine surrealen Einlagen machen ihn jedoch nicht unbedingt spannender. Der Film gewinnt zwar Eigenständigkeit, aber nicht Qualität. Meiko Kaji ist diesmal noch stiller (sie sagt zwei Sätze) und beinahe so gut wie im Vorgänger, die restlichen Akteure tun einen überzeugenden Job darin, böse und sadistisch zu sein. Doch der Film gehört Kaji, ihrer Pein, ihrer Rache, ihren Liedern. Sie überzeugt durchs Band. Ich ziehe den ersten Teil zwar vor, doch empfehlen kann man auch diese Folge ohne grosse Vorbehalte.
Die "Scorpion"-Serie:
Female Prisoner #701: Scorpion (1972)
Female Convict Scorpion: Jailhouse 41 (1972)
Female Prisoner #701 Scorpion: Beast Stable (1973)
Female Prisoner #701 Scorpion: #701's Grudge Song (1973)
New Female Convict Scorpion #701 (1976) - ohne Meiko Kaji
New Female Convict: Special Cellblock X (1977) - ohne Meiko Kaji

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Japanisch 2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel:
Joshuu sasori: Dai-41 zakkyo-bô; Scorpion: Female Prisoner Cage #41; Female Prisoner Scorpion 2; Female Convict Scorpion Jailhouse 41
Regie: Shunya Ito

Exploitation

Gewalt * * *

Spannung * *

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F e m a l e   P r i s o n e r   # 7 0 1 :   S c o r p i o n   ~    J o s h u u   7 0 1 - g ô :   S a s o r i

Reviewed 27.2.05

Japan 1972 Weil der korrupte Cop Sugimi (Isao Natsuyagi) sie verraten und erniedrigt hat, will Nami Matsushima (Meiko Kaji) ihn umbringen. Für diese Aktion wandert sie in den Knast, wo sie unter dem Namen Matsu, "Skorpion", den Ruf der knallharten Einzelgängerin verschafft. Als sie nach einem Fluchtversuch mit Yukiko Kida (Yayoi Watanabe) geschnappt wird, foltern sie der Oberwärter (Fumio Watanabe) und seine Männer noch mehr. Doch auch die Mitinsassinnen machen es sich zum Spass, Matsu zu quälen, wenn sie in Einzelhaft sitzt. Sie erduldet alles - denn noch immer will sie nur etwas: Rache. Aus Angst vor ihr, heuert Sugimi die Gefangene Katagiri (Rie Yokoyama) an, Matsu umzulegen.
Mit nur knapp über 20 Jahren avancierte Meiko Kaji Anfang der 70er Dank Filmen wie "
Stray Cat Rock: Sex Hunter" zu einer Ikone des japanischen Exploitationfilms. Doch als ihre Produktionsfirma Nikkatsu nach Fast-Konkurs auf Sex-Filme umstieg, liess sich Kaji von den renommierten Toei-Studios anwerben, bei denen auch Regisseure wie Kinji Fukasaku zuhause waren, mit dem Kaji den zweiten Teil der Battles Without Honor and Humanity-Reihe drehte. Ihren Einstand gab sie 1972 aber in "Female Prisoner #701: Scorpion", dem Regiedebüt von Shunya Ito, einem ehemaligen Assistenten von Teruo Ishii ("Joy of Torture", Hell), mit dem Kaji 1970 Blind Woman’s Curse drehte.
"Female Prisoner" bildet den Auftakt zu einer sechsteiligen Reihe, bei der Meiko Kaji in den ersten vier Episoden die Hauptrolle verkörperte. Die Serie basiert auf dem harten Manga von Toru Shinohara. Anders als dort präsentiert sich Hauptfigur Matsu jedoch nicht als fluchender Rohrspatz sondern als schweigsame Rächerin mit durchdringendem Blick und kühler Schönheit. Nicht unähnlich also Kajis grossartigster Figur, der Lady Snowblood also, die ein Jahr später das Licht des Kinosaals erblickte. Das Titellied aus diesem Film ("The Flower of Carnage") singt Meiko Kaji im übrigen selbst, genauso wie jenes in "Female Prisoner" ("Urami Bushi"). Beide Lieder sind wirklich wunderbar, was sich auch Quentin Tarantino dachte und gleich beide in seiner Asien-Hommage Kill Bill einbaute.
Doch was ausser dem Titellied und der genialen Hauptdarstellerin macht den Film sonst noch gut? Es ist das inszenatorische Niveau. Wie ich bei einem anderen japanischen Exploitation-Klassiker (Zero Woman: Red Handcuffs) beschrieben habe, übertrifft der Look und die dramaturgische Raffinesse dieser Filme jene ihrer westlichen Gegenstücke von Roger Corman & Co. um ein Vielfaches. Die Kamera wird einfallsreich eingesetzt, ebenso wie Fukasaku es für seine Yakzua-Epen getan hat, und die Farbkompositionen erinnern an Filme
Seijun Suzukis. Das Erzähltempo ist eindrücklich, die Figuren erinnerungswürdig. Natürlich ist der Inhalt übertrieben, sexistisch, brutal und sadistisch - aber deswegen schaut man sich solche Filme ja an. Wenn dazu die Präsentation derart gelungen ist, ist der Schritt zu von Kritikern geachteten Exploitation-Filmen à la "Salò o le 120 giornate di Sodoma" nicht weit. Wobei "Female Prisoner" eigentlich besser - aber vor allem unterhaltsamer - ist als Pasolinis Kultfilm.
Die "Scorpion"-Serie:
Female Prisoner #701: Scorpion (1972)
Female Convict Scorpion: Jailhouse 41 (1972)
Female Prisoner #701 Scorpion: Beast Stable (1973)
Female Prisoner #701 Scorpion: #701's Grudge Song (1973)
New Female Convict Scorpion #701 (1976) - ohne Meiko Kaji
New Female Convict: Special Cellblock X (1977) - ohne Meiko Kaji

Danke an Armin von The Longest Site fürs Aufmerksam-Machen auf dieses Werk sowie einige der Infos.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Japanisch 2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Joshuu 701-gô: Sasori; Sasori 1; Female Prisoner 701
Regie: Shunya Ito

Exploitation

Gewalt * * *

Spannung * * *

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G i r l   B o s s   G u e r i l l a   ~    S u k e b a n   g e r i r a

Reviewed 1.1.06

Japan 1972 Sachiko (Miki Sugimoto) aus Tokyo kommt mit ihrer "Red Helmet"-Motorrad-Gang nach Kyoto. Dort legen sie sich mit den örtlichen weiblichen Bikern an, um deren Revier zu übernehmen. Sachiko setzt sich gegen die Anführerin Rika durch und baut mit Hilfe der alten Anführerin "Gion Bayashi" Nami (Reiko Ike) eine grössere Gang auf. Nami hat sich aus dem Gewerbe so gut wie zurückgezogen, nachdem sie mit ihrem Bruder und dessen Yakuzas aneinander geraten ist. Dasselbe blüht auch Sachiko: Als ihre Geschäfte immer lukrativer werden, will der Tsutsui-Clan sie zurück binden. Das hat Folgen für Sachiko, ihre Bande und den Boxer Ichiro (Masataka Naruse), in den sich Sachiko verliebt hat.
Regisseur Norifumi Suzuki (Sex and Fury,
Terrifying Girls' High School: Lynch Law Classroom) legt mit "Girl Boss Guerilla" einen heissen Genre-Cocktail vor, dessen Sprünge in Stil und Ton man mitmachen sollte - es lohnt sich. Ob Biker-Movie, Yakuza-Film oder Revenge-Drama - Suzuki packt alles in diesen "Pinky Violence"-Streifen und liefert, was man von dem Genre erwartet. Dazu noch viel mehr. So zum Beispiel Attacken gegen bürgerliche Konventionen oder gegen Religion. Dass Suzuki nicht viel von organisierter Religion hält, machte auch sein Convent of the Holy Beast deutlich, hier ist dies nur ein Teil seines Kreuzzugs gegen Moral und Anstand.
Seine Helden sind eben nicht die anständigen Mitbürger, sondern die rebellischen Mädels. Angeführt werden sie von der unvergleichlichen Miki Sugmimoto (
Zero Woman), die ihre Partnerin Reiko Ike (Delinquent Girl Boss) in diesem Film in die zweite Reihe verbannt. Miki, cool dekoriert mit einem Tattoo auf der linken Brust, gibt alles und darf sich auch in neuen Gebieten profilieren. Ihr Part hat erstaunlichen Tiefgang und sie macht sowohl in den leidvollen Sequenzen einen guten Eindruck, wie auch in den harten Rache-Szenen. Ihr zuzuschauen ist einfach eine Freude.
Die anderen Darsteller sind auch nicht übel und jede der Damen ist bereit, alles zu geben, wie diese kleine Galerie (die meisten Bilder zeigen Miki) illustriert. Obwohl auf den ersten Blick mit Sleaze und viel nackter Haut die niederen Instinkte der mehrheitlich männlichen Zuschauer bedient werden, so sind es doch (wie in den meisten Pinky-Violence-Streifen) die Frauen, die den Ton angeben und deren Werte stärkere Resonanz haben. Exploitation trifft auf radikalen Feminismus - dies bekommen die Japaner einfach besser hin als die meisten anderen Filmnationen.
Was "Girl Boss Guerilla" ein wenig abwertet, ist der beigefügte Toiletten- und Slapstick-Humor. Ob gefüllte Kondome, Piss-Fontänen ins Gesicht oder die absichtliche Verbreitung von Tripper - all dies hat durchaus Humor und teilweise subversives Potential, doch es lenkt nach einer gewissen Zeit vom Wichtigen ab. Das merkt auch Suzuki und konzentriert sich in der letzten halben Stunde ganz auf den Hauptplot - und das Drama. Trotz kleinen Defiziten ist "Girl Boss Guerilla" aber ein weiterer höchst gelungener Beitrag zum Sukeban-Genre um starke Frauen-Gangsterbosse. Catfights, heisser Sex, coole Motorräder, sadistische Yakuzas, Mikis Gesangsstimme und jede Menge tätowierte Busen - das erheitert garantiert jeden Liebhaber des japanischen Kultkinos auf Anhieb.

"Girl Boss Guerilla" ist Teil der Pinky-Violence-Box von Panik House. Das schicke, pinke Set beinhaltet ein Booklet, eine Audio-CD sowie vier Filme. Neben "Girl Boss Guerilla" sind dies Delinquent Girl Boss: Worthless to Confess, Terrifying Girls' High School: Lynch Law Classroom und Criminal Woman: Killing Melody.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Japanisch mono mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Sukeban gerira
Regie: Norifumi Suzuki

Actiondrama

Gewalt * * *

Erotik * * *

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H a n z o   t h e   R a z o r :   S w o r d   o f   J u s t i c e

Japan 1972 Ausführliche Kritik: hier.

 

H o m e   f r o m   t h e   S e a

Japan 1972 Ausführliche Kritik: hier.

 

L o n e   Wo l f   a n d   C u b :   S w o r d   o f   V e n g e a n c e

Japan 1972 Ausführliche Kritik: hier.

 

L o n e   W o l f   a n d   C u b :   B a b y   C a r t   a t   t h e   R i v e r   S t y x

Japan 1972 Ausführliche Kritik: hier.

 

L o n e   W o l f   a n d   C u b :   B a b y   C a r t   t o   H a d e s

Japan 1972 Ausführliche Kritik: hier.

 

L o n e   W o l f   a n d   C u b :   B a b y   C a r t   i n   P e r i l

Japan 1972 Ausführliche Kritik: hier.

 

M o d e r n    Y a k u z a :   O u t l a w   K i l l e r   /    S t r e e t   M o b s t e r   ~    G e n d a i   y a k u z a :   h i t o - k i r i   y o t a

Reviewed 18.10.03

Japan 1972 Isamu Okita (Bunta Sugawara) ist am 15.8.1945 geboren, an dem Tag, an dem Japan den Krieg verlor. Er will jedoch nicht das selbe Schicksal teilen und plant, zum mächtigsten Yakuza der Stadt zu werden. Als er aus dem Knast entlassen wird, lehnt er sich gegen die beiden kontrollierenden Gangs der Stadt, Yato und Takigawa, auf, und provoziert wo es geht Scharmützel. Um ihn unter Kontrolle zu kriegen, heuert Yato Okita an. Doch der Heisssporn kann nicht lange ruhig bleiben ...
Kinji Fukasaku drehte seine angesehensten Yakuza-Filme nach 1973, angefangen mit Battles Without Honor and Humanity (Yakuza Papers) und weitergeführt mit Cops Vs Thugs oder Graveyard of Honor. "Modern Yakuza: Outlaw Killer" (auch bekannt als "Street Mobster"), der bereits 1973 gedreht wurde, wird dabei oft ignoriert. Die Antwort dafür ist schnell gefunden: Fukasakus Stil war zwar bereits voll entwickelt, doch als Drehbuchautor und Erzähler war er noch nicht ganz so gereift. Dies wird deutlich dadurch, dass die soziale Komponente, die seine späteren Filme oft auszeichnete, komplett fehlt. Und genau das find ich geil an dem Film. Mir gefiel "Modern Yakuza" besser als etwa Battles Without Honor and Humanity, gerade weil er keine politische Botschaft zu haben scheint und bloss einen Gewaltakt im Leben eines Yakuza an den nächsten hängt.
Wenn ich von Fukasakus Filmen einen auswählen müsste, an dem sich Takashi Miike am ehesten orientiert hat, ist es dieser. Gewalt, hysterische Kamerazooms, schräg gehaltene Kamera in Actionszenen, jazzige Musik, leicht offbeater Ton und eine grobe Behandlung von Frauen. Könnte ein Miike-Film sein. Doch Fukasaku drehte den Streifen rund 25 Jahre früher. Die soziale Komponente fehlt? Na und! "Modern Yakuza" ist ein ruppiger, ausgesprochen flotter und mit 88 Minuten Laufzeit auch höchst kurzweiliger Yakuza-Streifen mit Bunta Sugawara in Höchstform. Der Film ist, wie eigentlich kaum anders zu erwarten, nichts für sanfte Gemüter - so wird etwa eine schöne Frau, die Okita und seine Gang vergewaltigt und zur Nutte gemacht haben, zu Okitas Freundin. Zudem wird geschlitzt, geschossen, Finger abgehackt und gestorben. Insbesondere das Finale ist ein Schlag in die Magengegend. Aber eben: So liebe ich meine Yakuza-Filme. Gesellschaftskritik hineinzupacken ist gut und recht (am besten zu sehen im meisterhaften Graveyard of Honor) - aber wer Fun will, ist bei "Modern Yakuza" blendend aufgehoben.
PS: "Modern Yakuza" ist eigentlich der Reihentitel und "Outlaw Killer" der sechste Teil der Serie, an der Kinji Fukasku sonst nicht mitarbeitete. Eine Fortsetzung ohne den "Gendai Yakuza"-Teil dafür mit dem "Hito-kiri yota"-Titel ist Outlaw Killers, den Kinji im selben Jahr drehte. Sozusagen ein Spin-off also.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (UK): Code 2 PAL. Japanisch mono mit englischen UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Gendai yakuza: hito-kiri yota; Street Mobster
Regie: Kinji Fukasaku

Gangsterfilm

Gewalt * * *

Spannung * * *

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N a k e d   R a s h o m o n

Japan 1972 Ausführliche Kritik: hier.

 

O u t l a w   K i l l e r s :   T h e   T h r e e   M a d   D o g   B r o t h e r s

Reviewed 31.10.04

Japan 1972 Der Yakuza Gondo (Bunta Sugawara) verübt ein Attentat auf den Boss der Shinsei-Gruppe. Der Anführer überlebt und Gondo stellt sich der Polizei. Er hofft, wenn er freikommt, würde er in seiner Organisation aufsteigen. Doch sechst Jahre später will seine Murai-Gang mit dem Rebellen nicht mehr viel zu tun haben. Es herrscht Waffenstillstand mit der Shinsei-Gruppe und Gondo wird von beiden Seiten nur als Unruhestifter betrachtet. Mit seinen zwei einzigen Freunden Ohno und Tahi übernimmt Gondo ein kleines Bordell und sorgt damit bald für gehörigen Zündstoff ...
Wenn man ein paar von Kinji Fukasakus Filmen der 70er gesehen hat, beginnen sie sich zu ähneln. Deshalb hab ich von diesem hier mal ein paar Screenshots gemacht. Für die, die Kinji nicht kennen, soll es eine Einladung sein, die fulminante Bildsprache dieses Filmemachers mal unter die Lupe zu nehmen. Und alle anderen erkennen darin genau die Elemente, die Kinjis grösste Hits wie
Battles Without Honor and Humanity  oder Graveyard of Honor auszeichnen. Bloss dass "Outlaw Killers" früher entstanden ist. Bei dem Gangsterfilm handelt es sich um ein Spinoff der "Modern Yakuza"-Reihe, von dem Kinji die sechste Episode namens Outlaw Killer gedreht hat. Die Parallelen sind eher thematischer als inhaltlicher Natur - und der unvergleichliche Bunta Sugawara spielt die Hauptrolle.
"Outlaw Killers" beginnt aber für einen Fukasaku-Film erstaunlich komisch. Ein Kerl, der vor einem Attentat ganz dringend pinkeln muss, ein Shot durch die Beine Buntas - doch dann, wenn das Messer zum ersten Mal zusticht, spritzt das Blut in einer riesigen Fontäne. Von da an sind die Zuschauer im Fukasaku-Land, wo mal wieder gemordet, geprügelt, intrigiert und vergewaltigt wird. Für viele Kritiker markiert ja Battles Without Honor and Humanity die Demontage der Gangster-Ehre im japanischen Kino, aber dieser ein Jahr zuvor entstandene Film tut eigentlich dasselbe. Gangster haben hier nur noch wenig Ehre. Selbst unser "Held" Bunta ist ein Ferkel, der immer wieder vorprellt und dann, wenn er ein Bordell übernommen hat, auch seine Mädchen vergewaltigt.
Eines seiner namenlosen Opfer (ich konnte nicht herausfinden, wer die hübsche Schauspielerin ist) misshandelt er, ohne zu ahnen, dass sie Jungfrau ist. Die Szene ist alles andere als glorifizierend und wenn das Mädchen danach angeknackst das Blut vom Laken wegputzen will, ist alle Sympathie für Gondo verflogen. Später verliebt sie sich zwar in ihn, doch auch dies passiert auf relativ komplexe Art. Fukasakus Filmen wird oft Sexismus vorgeworfen und es gibt solche Tendenzen. Doch er filmt vergleichbare Szenen selten verherrlichend sonden nur, um die Ungehobeltheit der Yakuzas zu unterstreichen - mit einer Spur Voyeurismus dazu, versteht sich. In "Outlaw Killers" macht er das einfach besonders gut und ermöglicht eine recht bewegende Beziehung mit dramatischem Ende.
Der Film hat letztendlich der Fukasaku-Welt wenig Neues hinzuzufügen, doch in knackigen 86 Minuten kriegt der geneigte Fan alles geboten, was er in einem harten Yakuza-Drama sehen will. Und dies erst noch in der visuell überragenden Art, die Kinji so unverwechselbar macht. Blut, verwackelte Widescreen-Kamera, schräg gelegte Kamera (manchmal 90°), pulpiger Soundtrack, dreckig-düsteres Setting. Für alle Yakuza-Film-Freunde absolut sehenswert. Leider gibts die untertitelte DVD bisher nur als semi-legalen "custom made"-Print von Cannibal King (eBay).
Hier auf DVD erhältlich (J, ohne Untertitel)
Alternative Titel: Hito-kiri Yota: Kyoken San-kyodai;
Hitokiri Yota Kyouken 3 Kyoudai; Street Mobster 2
Regie: Kinji Fukasaku

Gangsterfilm

Gewalt * * *

Action * *

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Japan 1972 Ausführliche Kritik: hier.

 

R i c a

Japan 1972 Ausführliche Kritik: hier.

 

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Japan 1972 Ausführliche Kritik: hier.

 

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Japan 1972 Ausführliche Kritik: hier.

 

S i l e n c e

Japan 1971 Ausführliche Kritik: hier.

 

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Reviewed 11.2.05

Japan 1971 Nach zehn Jahren Knast wird Masuo Gunji (Koji Tsuruta), der Ex-Chief der Hamamura-Familie, entlassen. Er nimmt Kontakt zu seinen alten Kumpels auf und startet eine neue Organisation. Doch das Terrain im Hafengebiet von Yokohama ist zu umstritten. Deshalb hat Gunji eine neue Idee: Sie reisen ins amerikanisch verwaltete Okinawa, wo mit illegalem Handel viel Geld zu machen ist. Schon bald haben sie sich dort etabliert, doch dies weckt den Neid der alten Bosse.
Frisch von seiner internationalen Co-Regie-Arbeit "Tora! Tora! Tora!" erkannte Kinji Fukasaku, dass er mit seinem Yakuzawerken am meisten Erfolg in seinem Heimatland erwarten konnte. Er drehte zuvor bereits mit Filmen wie Blackmail Is My Life oder Japan Organized Crime Boss stilprägende Gangsterfilme. Wegweisend war auch die Übernahme der Regie beim Film "Bakuto Kaisan-shen", Teil er einer seit 1964 laufenden Yakuza-Serie. 1971 widmete sich Kinji erneut dieser Reihe und verfilmte die neunte Episode unter dem Titel "Sympathy for the Underdog".
Der Film gilt als Übergangswerk von klassischen Gangstersstreifen der "Bakuto"-Reihe hin zu den modernen Yakuza-Klassikern der Battles Without Honor and Humanity-Generation. Man sieht ihm eine gewisse Unentschlossenheit an, doch visuell wie inhaltlich ist der Streifen bereits weit entwickelt. Kinji hält das Tempo stets aufrecht, holt erstklassige Darbietungen aus seinem Cast und bettet immer wieder herbe Gewaltausbrüche in die Ereignisse ein. Den Plot siedelt er in Okinawa an, das die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg besetzt hielten und am 17.6.1971 freigaben. Daraufhin begann der zehnjährige Yaukza-Krieg um die Vormacht in der Region. Kinji nahm genau diesen mit dem Film voraus und erweist sich als überraschend prophetisch. "Sympathy for the Underdog" gehört sicherlich nicht zu seinen grössten Werken, doch Fans des Regisseurs ist der solide SStreifen absolut ans Herz zu legen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Japanisch 2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Bakuto gaijin butai; Gamblers: Foreign Opposition; Gamblers in Okinawa
Regie: Kinji Fukasaku

Gangsterfilm

Gewalt * *

Spannung * *

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U n d e r   t h e   F l a g   o f   t h e   R i s i n g   S u n   ~    G u n k i   h a t a m e k u   m o t o n i

Reviewed 23.6.05

Japan 1972 Schon seit vielen Jahren hofft eine Soldatenwitwe (Sachiko Hidari) darauf, dass Japan ihrem Mann den Heldenstatus zuspricht, den andere gefallene Soldaten bekommen haben. Doch Sgt. Katsuo Togashi (Tetsuro Tamba) wurde wegen exekutiert, weil er desertieren wollte - das besagen die offiziellen Berichte. Im Dorf wird die Witwe seither ausgestossen, ein weiterer Grund, warum sie endlich Klarheit will. Gerichtsprotokolle gibt es nämlich keine. Deshalb besucht die Frau vier Männer, die in Togashis letzten Tagen bei ihm waren. Der erste ist der ehemalige Private Tsuguo Terajima, der in den Abfallbergen der Stadt lebt.
Haarscharf reicht es nicht auf vier Sterne, aber "Under the Flag of the Rising Sun" gehört trotzdem zu Kinji Fukasakus besten Filmen. Das dokumentarisch angehauchte Kriegsdrama erntete bei seinem Release 1972 nur positive Kritiken, obwohl manche ihre eigene Agenda hinein interpretieren wollten. Fukasaku, der als 15-Jähriger nach dem Artilleriebeschuss von US-Schiffen beim Wegräumen der Leichen(teile) helfen musste und durch den Krieg deshalb stark geprägt wurde, geht das Thema Krieg auf der einen Seite rabiat, auf der anderen Seite erstaunlich neutral an.
Neutral in dem Sinne, dass er ganz generell zeigt, dass Krieg aus Menschen Bestien macht. Dementsprechend ist der Film deutlich ein Antikriegsstoff. Doch nicht nur das. Fukasaku, dessen Yakuza-Filme der 70er oft auch das Nachkriegs-Japan und seine soziale Ungerechtigkeit angreifen, geht hier mit einigen Aspekten seiner Gesellschaft hart ins Gericht: Er kritisiert die Ausgrenzung der heimgekehrten Soldaten, massgeblich in der Figur des Terajima. Er kritisiert die ausufernde Bürokratie seines Heimatlandes. Und das Wichtigste: Er will nicht einfach zurücklehnen und wie viele Japaner damals diese Schandzeit einfach unter den Teppich kehren. Er will zeigen, dass Japan noch lange nicht verkraftet hat. Und schon gar nicht verarbeitet.
Der Film ist zutiefst persönlich, das wird schnell klar. Fukasaku kaufte denn auch die Rechte an der Vorlage von seinem eigenen Geld, das er für "Tora! Tora! Tora!" kassiert hatte. Er tat dies nur noch einmal in seiner Karriere - für Battle Royale. Die Vorlage für "Under the Flag of the Rising Sun" war Shoji Yukis preisgekrönter Nonfiction-Roman gleichen Titels. Doch Fukasaku reicherte den Stoff mit einigen zusätzlichen Blickwinkeln an und schuf unter anderem eine geniale Rahmenhandlung mit der beeindruckend aufspielenden Sachiko Hidari. Sie spielt die für Fukasaku ungewöhnlich vielschichtige Frauenrolle als Informationssammler. Da sie vom Land kommt, spricht sie direkt und unverblümt. So will sie zur Wahrheit vorstossen und bekommt in bester "Rashomon"-Manier den Hergang aus stets neuen Blickwinkeln geboten. Fukasaku montiert Gegenwart und Rückblenden geschickt, meist unter Einbezug von Schwarzweiss-Bildern (nur der blutigste Moment des Films ist in Farbe - Bildspoiler).
Dabei verstömt Hidari enorme Sympathie und wir fiebern auch in den etwas trägeren Momenten des Films zum Ende des ersten Drittels mit. Die Vergangenheit wiederum bietet brutale Bilder und dient als direkteste Attacke gegen die Gräuel des Krieges. Menschen werden zu Tieren und mit jeder neuen Offenbarung werden die Ereignisse barbarischer (Bildspoiler
). Dadurch, dass Fukasaku on location mit einer Handkamera drehte (das Stilmittel, das seine späteren Filme definierte), entwickelt er ausserdem einen dokumentarisch angehauchten Effekt (Bildspoiler). Der macht besonders die letzten Momente des Films ungemein bewegend. Zum Schluss hin rauft sich der Film nämlich wieder zum 4-Sterne-Werk auf, was die kleineren dramaturgischen Schwächen zuvor leicht vergessen lässt.
Dass das formidabel gespielte und inszenierte Werk nur 96 Minuten lang ist, hilft ihm - Fukasaku scheint jeden Ballast abgeworfen zu haben und konzentriert sich auf die Suche der Witwe, auf echte Kriegsbilder und die stets leicht variierenden Rückblenden. So ergibt sich ein Kriegsdrama irgendwo zwischen Un longe dimanche de fiançailles und "Paths of Glory". Auf jeden Fall ist "Under the Flag of the Rising Sun" ein absolutes Muss für jeden Fukasaku-Fan und ebenso eines für an Japans Geschichte interessierte Filmfans. Der kritische, brutale und in typischer "Fukasaku-Rage" gefilmte Streifen, der trotzdem Momente für beinahe intime Ruhe sowie für ein paar stürmische Liebesmomente findet, dürfte bei manchem Asien-Fan weit oben auf der Bestenliste landen. Wie gesagt: Ich habe kleine Probleme mit dem Erzähltempo im Mittelteil, fragte mich manchmal, woher Charaktere wissen, was sie wissen (vor allem im Fall von Terajima) und war emotional erst am Schluss richtig gepackt - doch ein klasse Film bleibts allemal!

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Japanisch mono mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel:
Gunki hatameku motoni; Under the Fluttering Military Flag
Regie: Kinji Fukasaku

Kriegsdrama

Gewalt * * *

Spannung * * *

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