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1 - I c h i

Reviewed 20.9.03

Japan 2003 Shiroichi (Nao Omori), genannt Ichi, ist ein Schwächling und ein Versager. Die Karateschüler machen ihn fertig, in der Schule wird er verprügelt, Freunde hat er keine. Nur der beste Kämpfer der Schule, Mr. Dai (Teah), interessiert sich für ihn. Er spürt, dass hinter dem Feigling Ichi mehr steckt, als man denkt. Tatsächlich: Als der Transferstudent Onizame die Schule zu terrorisieren beginnt, kommt ihm auch Ichi in die Quere. Ichi zeigt unglaubliche Kampfkünste und Onizame will ihn herausfordern, da er in ihm den einzigen würdigen Gegner sieht.
Masato Tanno, ein Freund und Mitarbeiter von Takashi Miike, drehte mit "1-Ichi" ein Prequel zu Miikes Ichi the Killer. "1-Ichi" hält sich näher an die Manga-Vorlage von Hideo Yamamoto, dafür ist er weit weniger blutrünstig als Miikes Film. Und weniger gelungen. Von Vorteil ist, dass Tanno gar nicht recht versucht, an Miikes Film anzuknüpfen, sondern einen anderen visuellen Ansatz wählt und viele Aspekte von Ichi the Killer weglässt. Nur eine Konstante bleibt: Ichi-Darsteller Nao Omori. Wie er in die Rolle Ichis hineinwächst und vom schüchternen Schwächling zum mörderischen Ichi wird, das hat durchaus seinen Reiz. Omoris letztes Grinsen ist denn auch eine wunderbare Überleitung zu Ichi the Killer. Neben Nao brilliert ein weiterer Miike-Darsteller: Teah, der Hauptdarsteller aus City of Lost Souls. Er prügelt sich recht derb durch den Film. Es ist weniger das Blut, das den Film brutal macht, sondern die Soundeffekte. In einer Szene bricht Onizamo Dais Freund den Arm und man krümmt sich richtig, weil es fast schon beim Zuschauen weh tut. Erst zum Schluss gibts eine richtige Blut-Fontäne, und auch damit (sowie der begleitenden Errektion) leitet Tanno zu Ichi the Killer über: Will sagen, Ichis Kindertage sind vorbei, nun metzelt er im grossen Stil.
Aber all dies will nicht so richtig zünden. Der Digital-Look wirkt sehr billig, das Blut-Level ist für einen Ichi-Film einfach etwas niedrig, und die Story des unterdrückten Bubis, der zum Killer wird, gibt nicht so viel her. Deshalb konzentriert sich auch 1/3 des Films auf Schlägereien - und die laufen sich mal tot. "1-Ichi" ist kein schlechter Film, aber in Vergleich zu seinem Vorgänger
Ichi the Killer einfach ein laues Lüftchen. Auch für sich betrachtet bietet der Film nicht viel an. Nur Fans von Miikes Film freuen sich, weil sie ihren Helden Ichi in einem neuen Abenteuer erleben dürfen. Schade einfach, dass es kein besseres ist.  
Hier auf DVD erhältlich
Alternative Titel: 1/Ichi; Ichi 1
Regie: Masato Tanno

Actiondrama

Gewalt * *

Action * *

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9   S o u l s

Reviewed 21.9.03

Japan 2003 Der junge Zimmerhocker Michiru Kaneko (Ryuhei Matsuda, Taboo) tötet seinen Vater, wofür er in den Knast wandert. Dort findet er neun andere Insassen vor, von denen der eine (Jun Kunimura) kurz nach seiner Ankuft verlegt wird. Mit den acht anderen wagt er bald darauf die Flucht. Mit dabei sind Torakichi (Yoshio Harada), der seinen Sohn getötet hat, der Zuhälter Kiyoshi Saruwatari (Kee), der Kriminelle Shishido (Onimaru), der kleinwüchsige Ausbruchskönig Shiratori (Mame Yamada), der Pornokönig Fujio Kamei (Itsuji Itao), der brutale Biker Kazuma (Koji Chihara), der gewalttäitge Ushiyama (Genta Dairaku) und der Bomber Innui (Takuji Suzuki). Die neun klauen einen Kleinbus und reisen damit durchs Land. Jeder von ihnen hat ein eigenes Ziel, damit er mit seiner Vergangenheit abschliessen und seine Träume verwirklichen kann.
Toshiaki Toyada entwickelt sich zu einem dieser Regisseure, die an mir vorbeigehen. Ein überwältigender Grossteil der Asien-Kritiker hat  "9 Souls" gelobt, mehr noch als Toyodas letzten Film Blue Spring, den ich schon massiv überschätzt fand. "9 Souls" führt diese Tradition weiter. Toyoda arbeitet sich damit zum Meister der coolen Melancholie empor, dreht Filme von ästhetisch-inszenatorischer Brillanz, die aber eigentlich völlig nichtssagend und lebensfremd sind. Filme, die mich auf keiner anderen, als auf einer analytisch-filmtechnischen Ebene ansprechen. Wenn ich ihn vergleichen müsste, dann fiel er qualitativ und wirkungsmässig mit zwei anderen von der Kritik masslos überschätzten Filmen zusammen: Blue Spring und Kiyoshi
Kurosawas Bright Future. Aber keinesfalls mit den Werken von Sabu, die manche Kritiker sonst herbeiziehen. Die strotzen nämlich vor Ironie und Leben.
"9 Souls" ist inhaltlich nicht mit den zwei genannten Streifen vergleichbar, aber er ruft in mir das selbe "so what?"-Gefühl hervor wie die beiden. "9 Souls" schafft ein paar Dinge gut, und das ist der Wechsel von Komödie zu Drama. Er hat auch umwerfende Bildkompositionen, die eine japanische Strenge mit urbaner Coolness verbinden. Nicht zuletzt sind auch die Schauspieler talentiert und ein paar Einzelszenen wirken sehr gewagt - zu erwähnen wäre die Schaf-Vergewaltigung, die seltsam surreale Eröffnungssequenz und das brutale Ende, das in einen spirituellen Abschluss gleitet. Überhaupt wird der Film gegen Schluss ein wenig besser, vor allem mit den Plots von Innui und Michiru. Aber den Rest kann man kaum gebrauchen. Toyoda hat in meinen Augen ein paar gravierende Fehler begangen.
Der grösste ist die Charakterisierung. Wieso müssen es Schwerverbrecher sein? Ich habe nichts dagegen, Schwerverbrecher zu humanisieren und zum Zentrum einer Geschichte zu machen. Doch der Effort, den ein Filmemacher aufwenden muss, um Kriminelle für die Zuschauer greifbar zu machen, ist hoch. Toyoda muss im Verlauf des Films aber satte neun Charaktere näherbringen und das schafft er nicht. Wie soll man mit einem vierfachen Mörder mitfühlen, den man im Laufe des Filmes kaum kennenlernt? Toyoda kommt nicht einmal einen Schritt weit. Seine Charaktere sind Stereotypen aus schlechten Gefängnis-Storys, ihre Backgrounds so tiefgründig wie ein Groschenroman.
Und trotzdem verlangt der Regisseur vom Zuschauer, sich in diese eindimensionalen Figuren hineinzuversetzen, mit ihnen irgendeine Form von Verbindung aufzubauen. Noch schlimmer: Einige Voice-Over-Dialoge und Bildkonstruktionen suggerieren, dass diese Figuren mehr sind, als Toyoda uns vorgegeben hat, das irgend ein Tiefgang hinter dem ganzen Konstrukt steckt - doch dem ist nicht so. "9 Souls" ist ironischerweise sehr seelenslos und nichtssagend. Nur wenige Momente im Film gingen mir in einer Form an ein Organ (Herz, Niere, Magen, Hirn). Zum Beispiel das Treffen des kleinwüchsigen Shiratori mit der schönen Stripperin Yarina oder das Ende von Ushiyama. Damit habe ich wenig gespoilert, denn jedem Charakter in dem Film ergeht es letztendlich schlecht. Das kann man von Anfang an erahnen. Toyoda kommt sich schliesslich mächtig cool vor, wenn er seine fatalistische Melancholie in ein so hippes inszenatorisches Setting lädt. Was daran so wahnsinnig genial sein soll, entgeht mir völlig.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Japanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Regie: Toshiaki Toyoda

Tragikomödie

Humor * *

Gewalt * *

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A m b i g u o u s

Japan 2003 Ausführliche Kritik: hier.

 

A r a g a m i

Reviewed 13.3.04

Japan 2003 Zwei Samurai suchen blutüberströmt Hilfe in einem abgelegenen Tempel. Beide sind durchbohrt mit Pfeilen. Doch zwei Tage später wacht der eine Samurai (Takao Osawa) gesund wieder auf. Er findet sich in der Gesellschaft eines kultivierten Mannes (Masaya Kato) und einer stillen Frau (Kanae Uotani) wieder. Die Frau bekocht die zwei, sie reden, trinken, essen. Doch dann beginnt sich der Samurai Fragen zu stellen: wer ist sein Gegenüber? Wo ist sein verletzter Freund? Was planen seine Gastgeber mit ihm? Die Antworten darauf kann er kaum glauben.
2002 wurde das "Duel Project" iniziiert, bei dem zwei Filmemacher 7 Tage Zeit, das selbe Budget und das selbe Leitthema (Duell der Waffen und Köpfe) bekommen, und daraus einen Film drehen mussten. Gegeneinander traten an: Yukihiko Tsutsumi und Ryuhei Kitamura, die schon beim Episodenfilm Jam Films je einen Beitrag beigesteuert haben. Die Filme der beiden: 2LDK und "Aragami".
Und Kitamura unterliegt, denn "Aragami" hat mich nicht gross angesprochen. Es ist eine hübsche Fingerübung mit ein paar tollen Momenten, doch als Ganzes eine stilisierte Nichtigkeit mit einigen visuelle Problemen. Der Versus-Regisseur macht fast die gleichen Fehler, die er beim bei mir ziemlich verhassten Heat After Dark gemacht hat: Stilisierung, Vereinfachung, Reduktion. Bei "Aragami" funktioniert das zugegebenermassen besser als bei seinem 96er-Film, doch eine Enttäuschung bleibt. Drei Leute in einem Raum. Reden, Kämpfen, Reden, Kämpfen. Klar, das war auch die Vorgabe, aber die nur 79 Minuten kommen einem so schrecklich lang vor. Und der Plot ist nun wirklich nicht innovativ. Die "Enthüllungen" sind obwohl sie aus dem Fantasy-Bereich stammen, vorhersehbar und die Entwicklung des Ganzen eigentlich auch. Zudem habe ich Mühe mit dem Spiel von Takao Osawa, der hie und da overacted.
"Aragamis" Plus liegt definitiv in den Fightszenen. Die werden immer wuchtiger, die Musik immer härter, Wire-Effekte werden subtil eingesetzt und die Hiebe und Schläge werden immer abstrahierter, bevor zum Schluss der Kampf wie ein Strobo-Effekt daherkommt. Auch die letzten paar Minuten, die einen epischen Fatalismus suggerieren und verdammt cool gefilmt sind, heben den Film aus der Masse. Doch eben, die Idee gibt zu wenig her, der eingeflochtene Humor ist zwar hübsch, aber von Osawa nicht so überzeugend gespielt. Da sind die Dialoge über Wodka und Waffen ("Ninja stars are for losers") schon gelungener. Und nicht zuletzt funktioniert Kitamuras visueller Ansatz für mich nicht. Der Raum, in dem alles spielt, ist getränkt von violettem, dunkelrotem und dunkelblauem Licht, was ihm eine Künstlichkeit verleiht und jegliche historische Komponente relativiert. Dies ist ein Set, kein realer Ort - und das merkt man stets. Damit erzeugt Kitamura eine Theatralik, die dem Film nicht zu Gute kommt. Wenn am Ende Tageslicht in den Raum strömt, kommt das geradezu erlösend, denn vorher sahen die Bilder aus wie aus einem Neon-80's-Film. Oder kurz gesagt: hässlich. Bei diesem Look war ich nie ganz in der Story drin. Beim Duell 2LDK vs. "Aragami" ist jedenfalls mein Gewinner sternenklar: 2LDK.
Hier noch eine hübsche Website, die das Duell in Bild und Text zeigt (anklicken)

Hier auf DVD erhältlich
Alternativer Titel: Duel Project: Aragami; Duel: Aragami
Regie: Ryuhei Kitamura

Historien-
Actionfilm

Action * * *

Humor *

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A z u m i

Reviewed 2.12.03

Japan 2003 Nach einer siegreichen grossen Schlacht der Tokugawa-Herrscher, ringt der Priester Tenkai im 17. Jahrhundert dem weisen Gessai ab, er werde Killer ausbilden, um mit ihnen alle Kriegsherren zu töten, die erneut einen Krieg starten wollen. Gessai rekrutiert zehn Kinder, zieht sie gross und trainiert sie zu Kampfmaschinen. Als die Zeit für ihre Mission gekommen ist, lässt er seine Schützlinge jeweils ihren besten Freund im Team töten. Dies ist ihr letzter Test. Fünf bleiben übrig - darunter die schnelle Azumi (Aya Ueto). Zusammen mit Gessai brechen die Killer auf, die Kriegsherren Nagamasa, Kiyomasa (Naoto Takenaka) und Masayuki zu erledigen. Doch beim zweiten Opfer regt sich massiver Widerstand.
In nur zwei Jahren
drehte Ryuhei Kitamura (Versus) fünf Filme, einer davon ist "Azumi". Der Japaner beweist, dass er stilistisch immer noch Fortschritte machen kann, obwohl er bereits einer der Topshots im Land der aufgehenden Sonne ist. Schon die ersten Sequenzen machen klar, dass Kitamura ein Auge für starke Einstellungen hat. Manchmal erinnern das (nur selten verwendete) Color Grading sowie die gewaltigen Ausblicke über die Hügellandschaften Japans leicht an Peter Jacksons "The Lord of the Rings" - aber "Azumi" ist ein Baby aus einer ganz anderen Familie.
Er ist ein Mix aus Samurai-Action, Splatter-Fun und Martial-Arts-Epos, ein blutiger "Jidaigeki", wie die historischen Actionfilme genannt werden. Das alleine macht ihn schon interessant. Dann ist die Hauptdarstellerin die japanische Pop-Prinzessin Aya Ueto und sie trägt den halben Film hindurch ein knappes Kleid. Junges Mädchen mit grossem Schwert - damit reiht sich "Azumi" nahtlos in die Reihe jüngerer "sexy Girls schlachten ab"-Reihe à la Princess Blade ein. Das Blut spritzt bei den vielen Einschlägen, manche abstrusen Stunts finden statt und vor dem Kampf werden ehrenvoll böse Blicke ausgetauscht. Sagen wir so: Kitamura revolutioniert das Genre nicht, aber er spielt mit all seinen Zutaten hervorragend. "Azumi" sieht blendend aus und unterhält. Zudem ist die erste halbe Stunde mit dem "tötet eure Freunde"-Befehl derb und erinnert an Battle Royale und Naked Weapon (ich bin noch immer der Meinung, die Idee ist alberner Materialverschleiss, aber sie macht sich gut).
Nur wann lernt der Regisseur, sich kürzer zu fassen? "Azumi" ist 142 Minuten lang und leidet am selben Problem wie Versus: Mit der Zeit wird er repetitiv. 10-20 Minuten wegschneiden aus den Fights und der Film hätte einen besseren Fluss. Seltsam ist dies, weil Kitamuras ersten zwei Filme bloss 50 Minuten lang waren (Down to Hell, Heat After Dark) - und nun nimmt er sich soviel Zeit, obwohl er sie nicht braucht. "Azumi" ist nicht ausgesprochen überlang, aber mit ein bisschen Straffen und Rumbasteln hätte der Film noch viel besser sein können. So ist er immerhin noch sehr gut.
Fortsetzung: Azumi 2
Hier auf DVD erhältlich (SK)
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Meine Disk (J): Code 2 NTSC. Japanisch DTS & 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Azumi: The Movie
Regie: Ryuhei Kitamura

Historien-
Actionfilm

Action * * *

Gewalt * * *

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B a t t l e f i e l d   B a s e b a l l

Reviewed 19.3.04

Japan 2003 Seido High ist in Panik: Die Schule soll beim Baseballspiel gegen die Gedo High antreten. Deren Team ist dafür bekannt, das Spielfeld als legale Tötungsarena zu missbrauchen und alle Spieler der anderen Mannschaft zu killen! Als Seidos Spieler um den bulligen "Gorilla" niedergemäht werden, kann nur noch einer helfen: Jubei Yakyu (Tak Sakaguchi, Versus), was übersetzt Jubei der Baseball heisst. Doch weil er einst aus Versehen beim Spielen seinen Vater getötet hat, weigert sich der Superspieler wieder aufs Spielfeld zu treten. Können der Coach und "Four Eyes" (Atsushi Ito) ihn dennoch überreden?
Yudai Yamaguchi, der Drehbuchautor und Regieassistent von
Versus, gibt mit "Battlefield Baseball", den sein Kumpel Ryuhei Kitamura produziert hat, sein Regiedebüt. Mit voller Absicht drehte er einen Genre-Cocktail der absurdesten Art. Ein Sportfilm mit Zombies und groteskem Humor. Oder anders gesagt Shaolin Soccer via Takashi Miike. Bloss nicht halb so genial. Denn während einige den Low-Budget-Streifen als Kultfilm des schlechten Geschmacks feiern, kam ich bei dem Werk nie auf Touren. Er ist schlecht und ist auch absichtlich schlecht, zudem sind einige satirische Seitenhiebe auf andere Genres (Musicaleinlage, Farbfilterwechsel, Applaudieren ...) ganz hübsch geraten - doch "Battlefield Baseball" kommt nie über das Zusammenklauben von Ideen hinaus. Hier ein Zombie mit schlecht sitzendem "Fantomas"-Makeup, da ein rasanter Fight mit Baseball-Schläger, dort ein nihilistisches Niedermähen von unschuldigen Zuschauern. Danach eine kitschige Wiederauferstehung. Der Streifen ist voll mit solchen und ähnlich überzogenenen Ereignissen, die einfach kein zusammenpassendes Ganzes ergeben. Zudem ist das dauernde Geschrei nur noch nervig. Der Film wird dennoch nie so schlecht, dass er wieder gut ist. Dafür ist er schlicht zu doof. Für mich sind die Zahnräder des Films, die allesamt auf "kult" und "schräg" eingestellt sind, allzu sichtbar und der Film erreicht trotz unbestreitbarer Eigenwilligkeit nie eine eigene Dynamik. Schade.
Hier auf DVD erhältlich (USA)
Meine Disk (J): Code 2 NTSC. Japanisch 2.0. & 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Battle Field Baseball
Regie: Yudai Yamaguchi

Sport-
Actionkomödie

Action * *

Humor * * *

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B a t t l e   R o y a l e   I I

Reviewed 22.1.04

Japan 2003 Shuya Nanahara (Tatsuya Fujiwara) und Noriko Nakagawa (Aki Maeda) haben den Horror des "Battle Royale"-Programms überlebt. Nun haben sie eine terroristische Vereinigung namens "Die wilden Sieben" gegründet und Japan mit der Sprengung eines Hochhauses schockiert. Die Regierung genehmigt daraufhin das Programm BR2. 42 Kinder der Klasse B der Shika-no-Toride-Junior Highschool, zu der auch die Tochter (Ai Maeda) von Lehrer Kitano (Takeshi Kitano), werden von der Armee ohne ihr Wissen rekrutiert. Der Lehrer Riki Takeuchi (Riki Takeuchi) erklärt, die Kids müssen innert drei Tagen Shuya und seine Schergen in ihrer Inselfestung töten, sonst verlieren sie. Sie müssen zudem Zweierteams bilden. Wenn einer stirbt, tötet das Halsband den anderen. Wer nicht mitmacht, stirbt auf der Stelle. Und so eilen die Kinder davon - mitten ins Feuer der "wilden Sieben".
Battle Royale war eine Zäsur im japanischen Extremkino. Ein kontroverses "Lord of the Flies"-Szenario, in dem sich Kids abschlachten müssen, um zu leben. So simpel das Konzept, so schockierend die Frage "was würde ich tun?" Daneben war der Film eine Satire auf Gewaltgeilheit und eine Attacke auf das japanische Schulsystem. Und ein sadistischer Spass. Alles in einem. Ich habe den Film kurz vor Beginn des massiven Hypes gesehen und ihm damals 4 Sterne gegeben. Nun, da so viele verkünden, er sei ein Meisterwerk, würde ich ihm immer noch 4 geben, weil er einfach schön derb ist. Meisterwerk? Nicht ganz. Und deshalb war ich zwar enorm gespannt auf die Fortsetzung "Battle Royale 2", aber doch nicht so sehr, dass ich ein "neues Meisterwerk" erwartete. Vielleicht ist das ganz gut so ...
Denn von Anfang an stand die Produktion unter einem schlechten Stern: Regisseur Kinji Fukasaku verkündete vor Drehstart, er leide an Krebs. Und dieser forderte ein paar Tage nach Drehbeginn seinen Tribut: Kinji starb. Die Regie übernahm sein Sohn Kenta, der schon beim ersten Teil und mehr noch beim zweiten Teil am Drehbuch mitgeholfen hat. Auch viele andere Leute aus der BR-Crew waren wieder dabei, weshalb BR2 auch mit dem Credit "Fukasaku-gumi" (Fukasaku-Armee) beginnt. Den Verlust des Meisters Kinji spürt man leider schnell. Aber man sieht auch seinen Input. Ich befürchte, durch seinen Abgang fehlte einfach jemand, der die vielen Ideen des Films destillierte. BR2 sprüht nun nämlich vor Ansätzen, Interpretationen, Handlungsträngen, Satiren, Anklagen und Subtexten. In gewissem Sinne ist er ein heilloses Chaos. Aber eines, das ziemlich Spass macht.
Jedenfalls zu Beginn. Die Macher folgen dem "Aliens"-Motiv: Bigger, badder, more. BR2 ist kein Film mehr über ein paar Teenies, sondern diesmal, so verkündet  die Tagline, herrscht Krieg. Die Zwillingstürme des Tokyo Metropolitan Government Gebäudes stürzen in sich zusammen. Ein genialer Shot, der bereits Erinnerungen an den 11. September wachruft. Dazu später mehr. Doch die Opening Sequenz ist heftig. Der Soundtrack erneut phänomenal, die Bilder krass, der Auftackt ein Knall. Danach stellt sich ein Gefühl von Déjà-vu ein, wenn 42 Kids versammelt werden und ihnen die Regeln erklärt werden. Es gibt kleine Modifikationen, aber das Ganze kennt man aus BR. Takeshi Kitano, der diesmal nur einen Mini-Auftritt hat, fehlt und wird ersetzt durch Dead or Alive-Star Riki Takeuchi. Er ist masslos over the top und nicht halb so effektiv wie Kitanos stiller, malträtierter, aber böser Lehrer. Ganz sadistisch erklärt er auch die beste Neuerung des Films: Die Kids arbeiten im Team. Wenn einer stirbt, explodiert das Halsband des anderen. So gemein, ich sags euch. Mehr von diesen Ideen wären wirklich nötig gewesen. Denn nun kommen bereits die Rückschläge: Die Armee-Uniformen der Kids sind nicht so cool wie Schuluniformen. Und die Logik geht flöten: Wieso sollten ein paar Kids sieben lausige Terroristen attackieren, wenn man die Insel einfach bombardieren könnte? Und was steckt für ein Denken dahinter, wenn man den angreiffenden Kindern Hindernisse in den Weg stellt - die Team-Idee, die ich vorhin genannt habe, aber auch die tödlichen Sektoren, die in Teil eins Sinn machten, dienen nur dazu, die Angreifer zu dezimieren. Das macht überhaupt keinen Sinn! Aber eigentlich: Was solls. BR2 ist so aufgeblasen und so Comic-haft überhöht, das dagegen sogar BR zum durchdachten Verstandsfilm verkommt. BR2 setzt eben primär auf brachialen Spass.
Und der geht weiter, wenn die Kids die Insel attackieren. In bester "Saving Private Ryan"-Manier und eingeführt von Computer-Spiel-artigen Titeln ("Mission 1: Landung") gehen sie an Land. Das Resultat ist ein Blutbad! Schon vorher starben einige Kinder auf extreme Art bei der Vorführung, doch nun wird richtig gemetzelt. Und die Team-Idee spielt voll. Andauernd wird jemand getötet und sein Partner krepiert mit ihm. Schlicht krass. Dann ist die Einstunden-Marke vorbei und der Film, der das Zeug zum guten Streifen gehabt hätte, rutscht ab. Zuvor hatte der Film ein Feeling, das ich mit Starship Troopers vergleichen kann. Ich kann nicht sagen wieso, aber an diesen Film erinnerte mich die erste Stunde am ehesten: Naive Soldaten, martialische Orchestermusik, viel Blut. Und dennoch Fun. Fast wie ein Verhoeven-Film. Doch nach einer Stunde ist dieses Feeling komplett weg.
Die Halsbänder werden eliminiert, öde Rückblenden werden eingeführt. Der Film kommt komplett zum Halt. Und dann wird die politische Botschaft ausgebaut. Da wirds gefährlich ... schon vorher hat Riki Takeuchi Staaten aufgezählt, die von den USA angegriffen wurden und eben die Opening Credits zeigen einen Pseudo-9/11-Anschlag. Plötzlich geht einem ein Licht auf: Die Erwachsenen in Japan sind die USA, die Kids die Terroristen. Sie sprengen das Hochhaus, die Erwachsenen rekrutieren die sozial niedrigsten ihrer Jungen und schicken sie in einen Krieg fürs Vaterland. Die Botschaft wird zementiert, als Shuya dann in einer Rede sagt, die "AK47 Kalaschnikov sei die Waffe der Unterdrückten" und später anfügt "wir 'bösen' Terroristen werden nie aussterben, so lange Erwachsene und Nationen uns sagen, wie Frieden und Freiheit auszusehen haben." Wenn die Erwachsenen die Welt auch noch in Verlierer und Gewinner aufteilen (George Bush: you're with us or against us), dann ist es so offensichtlich wie Steven Segals Schauspielschwäche: BR2 attackiert Amerika aufs Übelste. Kinji war ja nie ein subtiler Regisseur und er liess stets Politik und Polemik in seine Filme einfliessen (v.a. die Yakuza-Streifen), doch hier hätte er an der Aussage feilen müssen. Amerika-Kritik ist ja geil, aber nicht so. Nicht so plump. Und nicht so Terror-freundlich. Wenn man die aufständischen Kids nämlich als Helden des Films ansieht, dann ist BR2 glatt eine Glorifizierung aller Terroristen dieser Welt. Das kann man einfach nicht so stehen lassen. Ich bin sicher, Kinji hätte es auch nicht so stehen lassen. Aber so wie der nun vorliegende Film diesen Punkt anpackt, so ist er absolut misslungen.
Die einzige Rettung ist die, dass man die Kinder nicht als Helden sieht. Und das habe ich gemacht. Für mich ist Shuya ein verblendeter Kerl und seine Gefolgschaft nicht minder durchgeknallt. Sympathien hatte ich in BR2 keine - und das ermöglicht mir vielleicht, die "Satire" besser zu schlucken. Dennoch bleibt die Attacke auf die Kriegspolitik der USA viel zu vereinfacht. Die Inszenierung ist nunmehr ähnlich plump: Die Kids schiessen nonstop, müssen aber nie laden. Ein gutes Dutzend der Kids metzelt Hunderte von angreiffenden Soldaten nieder. Der Plot um Kitanos Tochter verschwindet, dafür darf Riki völlig ausflippen. Und keins, aber auch wirklich keins der Kinder erhält Sympathie oder Charakter. Alles schwache Strichmännchen, die bluten dürfen. Viel bluten, schliesslich ist BR2 ein Gore-Fest. Die Story kommt denn in der zweiten Stunde nicht mehr voran. Sie besteht daraus, dass ein Kid stirbt, ein anderes beugt sich über die Leiche, schreit auf und rennt feuernd in den Tod. Repeat. Repeat. Repeat. Gähn. Gähn. Gähn. Okay, das Gemetzel hat einen sadistischen Reiz, das Blut spritzt fontänenweise und ein finaler "Butch Cassidy and the Sundance Kid"-Shot gegen Ende ist amüsant, doch BR2 hat fast allen Bonus verloren.
Dennoch gebe ich 3 Sterne. Weil die erste Stunde Spass macht, weil die zweite immerhin derb ist. BR2 ist ein heterogenes Getümmel mit einer fragwürdigen politischen Botschaft, die in etwa so raffiniert vermittelt wird wie in "Triumph des Willens". Ja im Ernst. Das ist übelste Propaganda auf dem Niveau der SVP-Parteizeitung. Nein, darunter. Wenn die Satire besser greifen würde, dann wäre BR2 ein toller Film. So hat er viele Ansätze, viel Geniales - und ebenso vieles, was schlicht nicht funktioniert. Kein würdiges Sequel, aber halbwegs sehenswert.

Hier auf DVD erhältlich (HK-Version)
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Alternative Titel: Battle Royale 2; Battle Royale II: Requiem; BR2; Batoru rowaiaru 2
Regie: Kinji Fukasaku und Kenta Fukasaku

Gewalt-
Groteske

Gewalt * * * *

Action * * * *

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B a y s i d e   S h a k e d o w n   2   ~   O d o r u   d a i s o s a s e n   2 :   R a i n b o w   b r i d g e   w o   f u s a s e y o

Reviewed 14.6.04

Japan 2003 Die Wangan-Polizeistation im trendigen Bayside-Quartier Odaiba von Tokyo wird von der Metropolitan Police unter der toughen Chief Superintendantin Hiromi Okita (Miki Maya) besetzt. Sie und ihre Männer, unter ihnen Ex-Wangan-Cop Superintendant Shinji Muroi (Toshiro Yanagiba) und Negotiator Masayoshi Mashita (Yusuke Santamaria), sollen ein paar bizarre Morde aufklären, die das Viertel in Unruhe versetzt haben. So wurden mehrere Business-Leute ermordet und ein Vampir treibt scheinbar sein Unwesen. Okita organisiert die Ermittlungen straff und ohne Rücksicht auf kleine Anliegen - was die Wangan-Cops um Sergeant Shunsaku Aoshima (Yuji Oda) und Sumire Onda (Eri Fukatsu) in Rage versetzt. Sie werden abkommandiert, die hübsche Zeugin Ritsuko Edo (Manami Konishi) zu bewachen. Derweil passieren neue Morde - und die Polizistin Yukino Kashiwagi (Miki Mizuni) wird entführt.
Nach der Hit-Serie, den TV-Specials und dem Kassenschlager Bayside Shakedown folgt nun also die lange erwartete Bayside-Fortsetzung. In Japan brach der Film von Katsuyuki Motohiro (Space Travellers) etliche Rekorde, unter anderem schlug er den Startrekord von Spirited Away und avancierte zum erfolgreichsten Film des Jahres 2003 mit einem Einspielergebnis von 158 Millionen Dollar - damit war er in diesem Jahr sogar der kassenträchtigste Streifen weltweit, der nicht in englischer Sprache gedreht wurde. Und um noch eins draufzusetzen: Er wurde für zwölf "Japanese Academy Awards" nominiert, gewann aber letztendlich "nur" jenen für den populärsten Film.
Ist er all dieses Rekorde-Scheffeln wert? Nein. "Bayside Shakedown 2" ist, wie bereits der Vorgänger, ein netter, unterhaltsamer Film, der aber keine neue Wege beschreitet oder sonderlich genial ist. Der Mix von Komödie, Drama und Thrill ist dieses Mal etwas Drama-lastig. Komödie beschränkt sich auf die erste Hälfte - dies bezieht sich auf die internationale, von George Lucas' "Skywalker Sound" aufgepeppte, aber 18 Minuten kürzere Fassung, die ich gekauft habe. Die japanische 138-Minuten-Version hat ev. mehr Insider-Gags. Der Thrill ist jedoch der eigentliche Schwachpunkt: Es ist schon spannend, zu sehen, wie die Cops ermitteln, doch letztendlich lösen sich alle Fälle durch Zufall auf. Die eine Nebenhandlung um den Vampir wird eigentlich gar nicht aufgelöst. Sie endet einfach. Hier hätten die Macher bedeutend mehr Spannung in den Film bringen müssen. Doch die zweite Hälfte konzentriert sich eben wieder auf Drama und Melancholie, wie es bereits der erste Film gemacht hat.
Zentrales Thema aller "Bayside"-Titel ist ja der Kampf der Kleinen gegen die Grossen, ein Kampf gegen die Hierarchie. In Teil 2 wird dies jedoch beinahe übertrieben. Die kitschige Botschaft lautet: "lasst uns alle zusammenarbeiten - oder noch besser: jeder für sich, dann lösen wir den Fall sicher". Ein Aufruch zur Anarchie im Polzeiwesen? In Japan hat dies sicher einen grösseren Einschlag, da nicht nur die Polizei streng hierarchisch geführt wird. Wenn ein hoher Beamter die Hierarchie absichtlich ausser Kraft setzt, macht das Eindruck - aber noch keinen Film. "Bayside Shakedown 2" ist unterhaltsam, hat viele Spezialeffekte und einen tollen Sountrack, liebenswerte Figuren und eine abwechslungsreiche Inszenierung. Doch die Handlung ist etwas diffus, die Projektion der Fehler im Polizeiwesen auf eine Karriere-Frau beinahe sexistisch und die Vielfalt der Ereignisse oft unbefriedigend abgerundet. Kein Knüller. Aber sehenswert.
2005 folgte mit Negotiator: Mashita Masayoshi ein dritter Teil bzw. ein Spinoff.

Hier auf DVD erhältlich (internationale Fassung: 120 Min, THX remastered)
Hier auf DVD erhältlich (einheimische Fassung: 138 Min)
Meine Disk (J): Code 2 NTSC. Japanisch DTS/6.1 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen
Alternative Titel: Odoru daisosasen 2; Bayside Shakedown: The Movie 2; Odoru daisosasen: The Movie 2; Odoru daisosasen - The Movie 2: Rainbow bridge wo fisaseyo; Bayside Shakedown - The Movie 2: Save the Rainbow Bridge!
Regie: Katsuyuki Motohiro

Thriller-
Tragikomödie

Humor * *

Spannung * *

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B r i g h t   F u t u r e    ~   A k a r u i    m i r a i

Reviewed 21.9.03

Japan 2003 Die zwei jungen Männer Yuji (Joh Odagiri) und Mamoru (Tadanobu Asano) sind die besten Freunde und Arbeitskollegen. Eines Tages schenkt Mamoru Yuji sein Haustier, eine Qualle, und tötet danach seinen Arbeitgeber. Er landet im Knast, ihm droht die Todesstrafe. Yuji, der nur wenige Minuten später den Boss selber umbringen wollte, übernimmt die Pflege der Qualle. Als Mamoru in der Zelle Selbstmord begeht und seinem Freund mit der Hand das Zeichen "go" gibt, freundet sich Yuji mit Mamorus Vater Shinichiro (Tatsuya Fuji) an. Die beiden widmen sich auch Mamorus Qualle.
Kiyoshi Kurosawa, bekannt für seine unheimlichen Horrorfilme Cure und Kaïro (Pulse), begibt sich mit "Bright Future" auf die Spuren des Intellektellendramas. Kurosawas besten Filme waren stets hochintellektuell, doch sie spielten in einem Genre, das auch weniger "erleuchteten" Zuschauern den Zugang ermöglichte. Charisma bildete in diesem Feld bereits eine (mysteriös-faszinierende) Ausnahme - und "Bright Future" ist Charisma vielleicht am nächsten. Wieder spielt die Natur eine entscheidende Rolle. Doch über all dem steht die Freundschaft: Die Freundschaft zweier junger Männer, und die eines Vaters mit dem Freund seines toten Sohns.
"Bright Future" wird auf der DVD als Jugenddrama verkauft, und in gewissem Sinne ist das korrekt. Die erste Hälfte schöpft denn auch die meiste Kraft aus der Beziehung der beiden Jungs und der mysteriösen (und schön ins Bild gesetzten) Qualle. Später wendet sich der Film einer Quasi-Vater-Sohn-Geschichte zu und bindet Kurosawa-typische, übersinnliche Elemente ein. So erscheint der tote Mamoru als Geist, doch dies nur einmal und ohne weiteren Sinn. Das ist eigentlich symptomatisch für den Film, denn so sehr ich die Schauspieler und ihre Konstellation sowie die Präsentation des Quallen-Themas mag, so wenig Sinn macht der Film. Er existiert in einem Art luftleeren Raum und philosophiert vor sich hin ins Leere hinaus. Der Schluss kommt abrupt und ohne dem Zuschauer irgend etwas auf den Weg zu geben. Nicht einmal visuell mag der Film überzeugen: Die kühle Präzision aus
Cure, das unhleimliche Atmosphäre aus Kaïro - beides weg. Dafür filmte Kurosawa mit Digitalkamera und präsentiert seinen Film in ausgewaschenen Farben. Ein Stilmittel, das Sinn macht, aber sich einfach langsam totläuft. Das Framing ist speziell, die Distanz, aus der Kurosawa filmt und nur manchmal in Close-Ups übergeht, wird Filmschüler faszinieren. Doch ich als "normaler" Zuschauer war enttäuscht. "Bright Future" ist kein schlechter Film, er hat grenzenlose Ambitionen, tolle Darsteller und mit der Qualle ein fast surrealen Aspekt - doch er langweilt und lässt seine philosophischen Aspekte verpuffen. Unbefriedigend!    
Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (J)
Meine Disk (J): Code 2 NTSC. Japanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Akarui mirai
Regie: Kiyoshi Kurosawa

Drama

Anspruch * * *

Humor *

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C o l l a g e   o f   O u r   L i f e

Japan 2003 Ausführliche Kritik: hier.

   

C o s m i c   R e s c u e :   T h e   M o o n l i g h t   G e n e r a t i o n s

Reviewed 27.4.04

Japan 2003 Im Jahr 2048 soll die Weltraumerforschung privatisiert werden. Da die erhöhte Dichte an Raumschiffen im All zu mehr Unfällen führt, wurde die "Cosmic Rescue Organization" ins Leben gerufen. Drei dieser Space-Retter sind das Team 89: Der Held Satoshi Nanjo (Go Morita), der Maschinist Ryo Eguichi (Ken Miyake) und der Rekrut Azuma Saurada (Junichi Okada). Eines Tages erhält Azuma einen Notruf. Die Jungs gehen dem Signal nach und landen in einer verbotenen Zone, in der das Wrack der Raumstation #3 treibt, die vor vier Jahren zerstört wurde. Team 89 wird abgefangen. Da kein Notsignal registriert wurde, wird die Crew  von Boss Tatsuro Saejima (Kenichi Endo) kurzerhand entlassen. Doch die Jungs ahnen, dass etws faul ist an der Sache. Aber nur die Offizierin Akiko Tachibana (Naho Toda) will ihnen helfen.
Sabu drehte zuletzt mit der Popgruppe V6 den Film Hard Luck Hero. Der Princess Blade-Regisseur Shinsuke Sato tut es ihm beinahe gleich: mit den jüngeren drei Mitgliedern von V6, die sich "Coming Century" nennen (die älteren sind "20th Century"), produzierte er "Cosmic Rescue", ein Sci-Fi-Film, der komplett im All spielt. Die Teenie-Popper tun sich ganz gut in den Titelrollen und der Film ist eigentlich ganz unterhaltsam. Doch bei einer Lauflänge von 84 Minuten kann man nicht allzuviel Substanz erwarten: ein paar schöne Bilder, ein paar kleine Spannungsmomente, ein guter Soundtrack und kompetentes Schauspiel. Nichts, was einen vom Hocker haut. Aber auch nicht so übel wie das, was westliche Popper im Filmbereich so produzieren. Man denke an "Spice World" oder"Crossroads".
Auf der übleren Seite sind die Gutmensch-Moral von "Cosmic Rescue" und die manchmal naiven Dialoge. Doch es steckt Potential in dem Material. Der Untertitel lässt denn auch eine Reihe vermuten. Neue "Cosmic Rescue"-Filme wären sicherlich keine üble Idee. Bloss müsste eine DVD dann bedeutend günstiger sein! Oder der Streifen etwas länger als lausige 84 Minuten.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (J): Code 2 NTSC. Japanisch  5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Cosmic Rescue: The Movie; Cosmic Rescue
Regie: Shinsuke Sato

Sci-Fi-Film

Action * *

Humor *

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D e a d   E n d   R u n

Reviewed 3.6.04

Japan 2003 1) Last Song: Ein Mann (Yusuke Iseya) rennt in eine Sackgasse. Er glaubt, sein Verfolger habe ihn aufgestöbert und schlägt mit einer Eisenstange zu. Nun erkennt er, dass er eine Frau erschlagen hat. Doch plötzlich steht die mit zackigen Bewegungen auf und bedankt sich. Nicht nur das: sie singt auch noch ...
2) Shadows: Ein Mann (Masatoshi Nagase ) rennt in eine Sackgasse. Ein anderer Kerl folgt ihm. Beide sehen in ihrem Gegner jeweils ein Abbild von sich selbst. Als sie sich derart gegenüberstehen, bekommen sie einen Lachanfall und umarmen sich ...
3) Fly: Ein Mann (Tadanobu Asano) flieht vor der Polizei auf ein Dach. Dort sitzt eine Frau, die gedankenverloren in den Himmel schaut. Der Mann nimmt sie als Geisel. Die Situation droht zu eskalieren.
So ein Schrott. Kult- und Punkfilmemacher Sogo Ishii legt nach seinem Electric Dragon 80.000 V diesen Episodenfilm vor, bestehend aus drei Kurzfilmen, die vage miteinander verknüpft sind: sie handeln alle vom Rennen, bei allen spielt Selbstmord eine Rolle und sie sind visuell ähnlich. Will heissen, sie sind allesamt grässlich verwackelt. Sogo Ishii betreibt Stilwichserei in Reinkultur. Kaum eine Nahaufnahme ist ist ruhig, ständig ruckelt die Kamera besoffen in der Gegend rum. Es gibt ja auch nichts Wichtiges abzufilmen, deshalb kann man es verzeihen. Zu diesem Gefuchtel kommen allerlei technische Spielereien von Farbferfremdung über Stakkato-Schnitt und Zeitraffer bis Zeitlupe und Schmier-Effekt. All dies, ohne der Story voranzuhelfen.
Na ja, welche Story. Die erste Episode ist bereits unausstehlich. Was will sie aussagen? Was soll sie auslösen? Als die Frau (das Presseheft spricht von einem Roboter, was auch nicht mehr Sinn macht) zu singen und tanzen anfing, wähnte ich mich im falschen Film. Die zweite Folge will eine Art Parodie auf das gängige Pistolenduell sein, ist jedoch an Peinlichkeit und Prätentiosität kaum zu überbieten. Die dritte Episode ist die beste - aber das heisst nicht viel. Sie mach inhaltlich ein wenig Sinn und Tadanobu Asano sieht man immer gerne. Wenn man ihn überhaupt richtig sehen würde bei dem ständigen Gewackle. Damit wäre ich wieder beim Stil und drehe mich im Kreis ...
Das könnte auch eine Folge von "Dead End Run" sein. Diese sinnentleerte Silblüte aus Anarcho-Ästhetik, lauter Musik und Selbstbeweihräucherhung wurde an einigen Festivals wohlwollend aufgenommen. In solchen Fällen versteh ich die Welt nicht mehr. Wollen Kritiker, dass das Kinoschaffen in diese Richtung geht? Will man eine solche Entwicklung fördern und solche in die Sackgasse manövrierte Künstler noch fördern? Ich kann verstehen, dass man mal "was anderes" sehen will. Aber das? "Dead End Run" grenzt an akkustische und visuelle Vergewaltigung. 59 Minuten künstlerische Orgasmen eines Regie-Punks und Metaphern die schreien "seht her, ich bin eine Metapher, ich will was Wichtiges aussagen". Ich kann mir nur schwer etwas Widerlicheres vorstellen. Einen ganzen statt einen halben Stern gibt es wegen der letzten Episode. Aber das ist eigentlich auch bloss wie das Unterscheiden zwischen Pest und Cholera.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (J): Code 2 NTSC. Japanisch  5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Regie: Sogo Ishii

Episodenfilm

Action * *

Humor *

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D o p p e l g ä n g e r    ~   D o p p e r u g e n g a

Reviewed 4.5.04

Japan 2003 Hayasaki (Koji Yakusho) ist ein intelligenter aber eigenbrötlerischer Wissenschafter, der mit seinen jungen Assistenten Aoki (Masahiro Toda) und Takano (Hitomi Sato) einen Roboter-Stuhl baut, der vom Hirn Befehle empfängt und ausführt. Eine Revolution für körperlich Behinderte. Sein Vorgesetzter Murahami fordert Fortschritte, weshalb Hayasaki zunehmend unter Druck steht. Da erfährt er von der jungen Yuka (Hiromi Nagasaku), deren Bruder Takashi (Eisuke Suzuki) seinen eigenen Doppelgänger gesehen hat und daraufhin Selbstmord begangen hat. Das Duplikat lebt nun bei Yuka. "I like him better than my real brother. At least he's not such a slacker" meint sie zu Hayasaki. Der hat mittlerweile selbst mit einem Alter Ego zu kämpfen. Eines Tages steht er einfach da. Ein Abbild von ihm, engagierter, willensstärker und impulsiver. Ein Mann, der das sagt und tut, was Hayasaki gerne tun würde. Unter anderem das Büro zertrümmern. Hayasaki wird gefeuert und heuert den durchtriebenen Kimishima (Yusuke Santamaria) an, um den Robo-Stuhl abzuholen und weiterzuentwickeln. Bald kommt es zu Spannungen zwischen den "Zwillingen".
Selbst wenn kein Film von Kiyoshi Kurosawa mich aus den Socken gehauen hat wie Kaïro (Pulse), so muss ich dem Mann eines zugestehen: er schafft es, mich zu überraschen. Nach seinem schnell vergessenen Arthaus-Drama Bright Future findet er mit "Doppelgänger" und seinem Stamm-Schauspieler Koji Yakusho beinahe zu alter Form zurück. Die Themen des Films sind bekannt, der Stil auch, doch die Handlung nimmt eine Drehung, die einfach nur als genial abgetan werden kann. Ich weiss, der Film wir viele Kritiker haben und ich bin mir bewusst, dass "Doppelgänger" Inhaltsleere und Langeweile vorgeworfen kann - doch Kurosawas Spieltrieb hat auf mich anstecken gewirkt.
Das Thema des Doppelgängers steckt in einigen Kurosawa-Filmen drin. Massgeblich Seance, wo einer seinen eigenen Doppelgänger erblickt und anzündet. Auch das Thema der Entfremdung von der Welt und sich selber ist typisch Kurosawa. Und die Frage nach der Grenze zwischen Realität und Illusion hat der Regisseur eh schon oft gestellt. Insofern ist man gar nicht sonderlich überrascht, wenn am Anfang des Films Koji Yakusho seinem anderen Ich gegenübersteht. Na gut, der Titel spielt wohl auch mit. Da erwartet man ja einen Doppelgänger. Die Aussage "if you see your doppelgänger, you die" lässt auf einen Horrorfilm à la Ring schliessen, doch schon bald wird klar, dass es Kurosawa eher um Hayasakis Psyche geht. Und plötzlich erinnerte mich der Film ganz stark an Fight Club. Ein Verlierer mit einem vor Selbstbewusstsein strotzenden Alter Ego, eine Frau, die von beiden begehrt wird, ein Kampf der beiden Männer. Und ein paar Spoiler, die ich nicht verraten kann. Die Parallelen sind frappant.
Und während Fight Club von Anfang an eine knallharte Satire ist, kommt Kurosawa ganz langsam auf die Humor-Spur. In einem Interview erklärte er, er wollte ursprünglich einen Thriller drehen, doch Yakushos Spiel mit sich selbst habe ihn auf immer witzigere Ideen gebracht. Und so sei "Doppelgänger" ganz organisch zur Komödie gewachsen. Diesen natürlichen Wandel, der wirklich ungezwungen und deshalb gleich doppelt überraschend wirkt, kann man als Zuschauer mitverfolgen. Erst ist Yakushos Umgang mit sich selber recht komisch. Dann nimmt selbst die Gewalt groteske Formen an. Eine Person tötet eine andere mit einem Schraubenschlüssel in einer Szene, die irgendwie an "2001" erinnert. Passend, denn nachdem die Menschenaffen die anderen Affen erstmals getötet haben, entwickelt sich die Menschheit weiter - und das gilt auch für Hayasaki.
Nun wandelt sich "Doppelgänger" komplett zur schwarzen Komödie. Over-the-Top-Musik, Slapstick-Einlagen, Ausbrüche von Gewalt und völlig irrationales Handeln der Personen. Yuka meint "I wonder what's coming next" - und diese Aussage ist in der Tat Programm. Als Zuschauer sass ich da und wusste nicht, wohin Kurosawa will und was als nächstes kommt. In gewissem Sinne ist es eine Ansammlung von grotesken Episoden, doch stets mit Kurosawas intelligentem Auge - und ungewohnter Menschlichkeit. Der letzte Shot zeigt Hayasaki und Yuka Chaplin-esk in den Sonnenuntergang gehen. Das krasse Gegenteil zum ultradüsteren Ende von
Kaïro (Pulse). Und genau das ist es, was ich an Kurosawa und speziell an "Doppelgänger" liebe: seine Fähigkeit, mich auf dem falschen Fuss zu erwischen. Mein Konzept des Filmes, das ich mir im Kopf aufgebaut habe, umzustossen. Am ehesten erinnert "Doppelgänger" daher an Kurosawas Charisma, wobei der weniger gut verdaulich ist. "Doppelgänger" steckt voller moralischer und psychologischer Denkanstösse. Doch letztendlich ist er eine schwarze Komödie über einen Schwächling, der dank seinem Doppelgänger ein neues Leben beginnen kann. Fight Club meets Cure meets Adaptation meets Chaplin. Oder so ähnlich.
PS: [Spoiler] Welcher Hayasaki sitzt zum Schluss mit der Metallplatte auf der Nase im Laster? Dies beantwortet Kurosawa in einem Interview: Es ist der Doppelgänger. Der wurde zwar von Hayasaki erschlagen. Doch Hayasaki wird später ja auch von Kimishima überfahren. Sind also beide tot. Bei dieser Überfahr-Szene hatte Kurosawa erst eine Sequenz drin, die zeigt, wie der Doppelgänger Hayasakis Tod beobachtet. Damit wäre klar: der Doppelgänger ist zurück und geht mit Yuka ins Happy End. Durch das Fehlen dieser Szene ist das Ende aber doppeldeutiger. Klar pfeift der Mann im Laster das Lied des Doppelgängers, doch das könnte auch Hayasakis Fortschritt andeuten. Das Ende ist sogar so reizvoller: Hayasaki ist endlich mutig, trifft eigene Entsheidungen und verprügelt den Firmenboss. Wenn es hingegen der Doppelgänger ist, sind wir dieses aufmüpfige Verhalten ja von ihm gewohnt - dafür hätte dieses Ende den Reiz, dass Yuka mit dem falschen Mann ins Happy End geht ...
Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (J)
Meine Disk (J): Code 2 NTSC. Japanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Dopperugenga; Doppelganger
Regie: Kiyoshi Kurosawa

Comedy-
Thriller

Humor * * *

Anspruch * *

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D r a g o n h e a d

Reviewed 16.3.04

Japan 2003 Teenager Teru Aoki (Satoshi Tsumabuki) wacht in einem Schnellzug auf. Um ihn herum ist alles zerstört, die Passagiere sind tot. Er kämpft sich nach draussen und erkennt, dass er in einem Tunnel steckt. Ausser ihm haben nur das Schulmädchen Ako Seto (Sayaka Kanda) und der durchgeknallte Nobuo überlebt. Der wurde vor dem Unfall von Schlägern ins Klo gesteckt und nun spinnt er komplett. Er rächt sich an den Leichen, attackiert Teru und Ako mit einer selbst gemachten Waffe. Sie können in letzter Sekunde durch eine Röhre in die Freiheit entkommen. Doch dort wartet der Schock auf sie: Die ganze Welt ist zerstört. Riesige Vulkane sind ausgebrochen, haben die Städte in Schutt und Asche gelegt und den Himmel zur schwarzen Suppe gemacht, durch die kein Licht scheint. Alles Leben ist zerstört. Erst nach und nach treffen die beiden Kids auf Überlebende, die aber alle dem Wahnsinn nahe sind.
Es ist schwer in Worte zu fassen, wie frustrierend "Dragonhead" für mich war. In dem komplett in Usbekistan gedrehten Film von Jôji Iida (Another Heaven), der auf einem Manga von
Minetaro Mochizuki basiert, steckt Material drin, das für einen 3½-Stern-Film reicht. Es sind Szenen voller surrealer Schönheit, voller albtraumhafter Visionen und verstörendem Inhalt zu sehen. Ein Film mit unglaublicher visueller Wucht und akzeptablen Spezialeffekten. Doch er hat keine Substanz. Nada. Das Drehbuch scheint vom Winde verweht. Konfrontation mit der Katastrophe, Überleben garstiger Situationen, The End. Im Ernst, etwa so läuft das Ganze ab. Kein Ziel, kein Erzählbogen, kein Sinn. Es ist einfach nur frustrierend.
Der Anfang dauert zu lange. Iida verbringt 40 Minuten in dem Tunnel, baut erst ein minimalistisches, dieses Szenario auf, das nie ganz glaubwürdig ist und ein wenig an "Lord of the Flies" erinnert (Kids müssen überleben, drehen durch, schminken sich). Dann erst sehen wir, was mit der Welt passiert ist und die ersten Shots sind einfach eindrücklich. So muss ein apokalyptischer Film sein. Leider kettet uns Iida an zwei absolute Loser, gespielt durch mässig talentierte Teens, doch das hat System. Schliesslich sollen sie keine Helden sein, sondern Alltags-Kids, die eher durch Zzufall überleben. Das Problem dabei ist, dass sie bedeutend dümmer sind, als normale Kids, aber das kann man ignorieren. Dann kommt man zum ersten potentiellen Handlungsstrang: das Magnetfeld der Erde ist ausser Kontrolle geraten, die Leute schlachten sich gegenseitig ab. Geil! Das hat was von einem Pseudo-Zombiefilm à la 28 Days Later oder Romero. Und selbst die Teenies-gegen-Erwachsene-Karte spielt Iida aus. Doch nach ein paar Minuten wird dieses Thema abgehakt. Dann heisst es Flucht vor dem Vulkan. Okay, ein Survival-Film. Das bleibt zwar bis zum Ende präsent, ist aber auch nie das Haupt-Thema. Denn weder erzählt Iida, wie es im Rest der Welt aussehen könnte, noch ob es Rettung geben könnte oder was das Desaster ausgelöst hat. Einer blabbert ein paar absurde Theorien, doch damit hat es sich.
Damit heisst es: weiter zum nächsten Etappenziel. Die Menschen resignieren. Ein verstörender kleiner Subplot über ein Essen, das alle gefühllos macht, hat eine unheimliche Note. Und die Tode der Leute, die einfach nichts spüren, obwohl Felsen auf sie fallen oder sie in Flammen stehen, zeichnen ein grauenhaftes Bild einer Menschheit, die dem Untergang nichts mehr entgegenzusetzen hat. Und dann, dann ist eben einfach fertig. "You can't kill us" sagt Teru - und da ist die Essenz der Story. Die Kids sind nicht tot zu kriegen. Das wars? Soviel Aufwand? So wenig Stoff? So viele lose Enden, so viele falsche Fährten? "Dragonhead" endet plötzlicher und sinnloser als "Jurassic Park 3". Es ist nicht ganz ein Deus Ex Machina, sondern eher ein offenes Ende, aber wie immer man es auch nennen will, es bringt kein Finale, kein Abschluss. Man wird einfach entlassen. 122 Minuten für Nichts, könnte man sagen. Wie erwähnt, es gibt so viel zu lieben an dem Film. Die Optik, das Untergangsszenario, die hirnoperierten, gefühllosen Brüder, die irren Erwachsenen, das Gefühl-tötende Essen und vieles mehr - doch es ist nicht mehr als eine Ansammlung cooler Ideen in einem gigantischen Nichts. Und wenn zum Schluss die Seifenblase platzt wird einem schmerzlich bewusst, dass man eigentlich höchstens den Auftakt zu einem grossen Film gesehen hat. Der Rest ist nicht Schweigen, sondern eben ... Frust.

Hier auf DVD erhältlich (US)
Alternativer Titel: Dragon Head
Regie: Jôji "George" Iida

Katastrophenfilm

Action * * *

Spannung * *

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D r u g s t o r e   G i r l

Japan 2003 Ausführliche Kritik: hier.

 

F a r e w e l l ,   K u r o   ~   S a y o n a r a ,   K u r o

Reviewed 14.5.06

Japan 2003 Der kleine Hund Kuro lebt bei einer Familie auf dem Land. Als diese wegzieht, bleibt Kuro alleine zurück und wandert bald ziellos umher. Er trifft auf den Schüler Ryosuke Kimura (Satoshi Tsumabuki), der ihn mit an seine Schule nimmt. Dort fühlt sich das Tier schnell wohl, nimmt an einer Parade teil und erobert die Herzen von Schülern und Lehrer. Unterschlupf findet Kuro beim Abwart Tokujiro (Hisashi Igawa). Während die Schule sich über das neue Maskottchen freut, stehen Kumura und sein Kumpel Koji (Arai Hirofumi) vor einer harten Entscheidung: Wer von ihnen wird die gemeinsame Freundin Yukiko (Ayumi Ito) bekommen?
 
Grosse Teile von "Farewell, Kuro" sind sehr unglaubwürdig. Sei es die Lovestory, der ein zehnjähriger Unterbruch nichts anhat, sei es das aufgeblasene Finale. Doch überraschenderweise basiert der Film auf Tatsachen. Der Hund Kuro lebte tatsächlich
1961-1972 an der Matsumoto Fukashi High School und wurde zum treuen Freund von Tausenden von Schülern und Lehrern. Als das Tier verstarb, waren Tausende von Trauergästen anwesend. Doch ob wahr oder nicht, mir war das Finale so oder so zu viel. Nichts gegen Tränendrück-Sequenzen, aber Regisseur Joji Matsuoka bemüht wirklich alle nur erdenklichen Klischee-Mittel, um ans Ziel zu gelangen.
 Süsses Tier, schüchterne Liebe, Krankheit, Jugenderinnerung, Tod - nichts wird ausgelassen und zum Glück packt Matsuoka das meiste davon nicht übertrieben sülzig an, sonst wäre ein akutes Zuckerkoma garantiert. Er präsentiert den Film vielmehr relativ relaxed und inszenierte ihn in angenehm unspektakulärer Machart. So gefiel er über weite Strecken auch jemandem wie mir, der Katzen seit je her sympathischer findet als stinkende und anbiedernde Kläffer.

Anteil am Gelingen des Films haben auch die Schauspieler. Der damals 23-jährige Pretty Boy und "Basking Lite"-Sänger Satoshi Tsumabuki (Sabu, Lorelei) ist sowohl als Schüler wie später als Arzt glaubhaft und überzeugt durch seine schüchtern-melancholische Art. Dass er den Hund sofort ins Herz schliesst, ist leicht zu glauben. Als seine heimliche Freundin spielt die gleichaltrige Ayumi Ito (Swallowtail & Butterfly)
das typisch aufopferungsvolle Mädchen vieler nostalgischer japanischer Dramen - und meistert den Job fehlerlos. Ein Szenendieb ist Sansei Shiomi als Hunde-hassender Mathelehrer, dessen Herz im Verlauf des Filmes, so will es das Melodrama-1x1, natürlich erweicht. "Farewell, Kuro" reiht sich damit in eine Reihe klebriger, aber durchaus sympathischer Hundefilme aus Japan ein, dessen populärster Vertreter wohl Quill ist. Freunde knuddeliger Köter kommen beim unschuldigen "Kuro" jedenfalls auch auf ihre Kosten. Und nicht nur die.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (J): Code 2 NTSC. Japanisch 2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen
Alternativer Titel: Sayonara, Kuro
Regie: Joji Matsuoka

Drama

Humor *

Spannung *

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g @ m e .

Reviewed 26.5.04

Japan 2003 Sakuma (Naohito Fujiki) ist der Star einer Werbefirma und soll für die neue Biermarke "Dyna" aus dem Hause Mikado einen Abenteuerpark entwickeln. Doch da beendet der Vizepräsident von Mikado, Katsutoshi Katsuragi, das Projekt aus heiterem Himmel. Sakuma ist verärgert und will dem Manager auflauern. Da sieht er eine junge Frau aus seinem Haus schleichen und fängt sie ab. Es ist Juri (Yukie Nakama), die Tochter von Katsuragi. Sakuma nimmt sie mit in sein Appartement, wo sie ins Gespräch kommen. Juri will von zu Hause ausreissen und sie bittet Sakuma um Hilfe. Da hat sie eine Glanzidee: er solle doch ihre Entführung vortäuschen und von ihrem Dad 300 Mio. Yen erpressen. So kämen beide an Geld - und Sakuma erst noch an seine Rache.
"g@me." ist ein Entführungsthriller, aber eben doch keiner. Die erste Stunde ist edel inszeniert, langsam aufgebaut und in sich scheinbar zielstrebig. Doch dann sehen wir ein Photo, dass das ganze Kartenhaus zusammenstürzen lässt. Aus dem Zum-Spass-Entführungsthriller wird ein Drama. All dies dirigiert Regisseur Satoshi Isaka aus sicherer Distanz, stets in gestylter Atmosphäre, stets unterkühlt und diszipliniert. Niemand flippt aus, niemand rastet aus. Und zum Schluss laufen die Fäden zusammen, verknüpft mit etwas Melancholie und etwas Humor. Doch wirklich aus den Socken reisst das nicht.
Wäre es alleine für Plot und Inszenierung, "g@me." bekäme weniger Sterne. Denn so schön der Film auch gemacht ist und so interessant die Story, basierend auf "Game no Na wa Yuukai" von Bestseller-Autor Keigo Higashino
, auch daher kommt, der Thriller wirkt extrem oberflächlich. Aber eben ... ich sagte "wäre". Was den Streifen nämlich besser macht, was ihn mit Leben füllt, sind die die beiden Hauptdarsteller. Der etwas blasse Naohito Fujiki (Dragon Head) und die niedliche Yukie Nakama entwickeln eine gute Chemie miteinander und bringen etwas Romantik, etwas Liebe und Gefühle in den ansonsten so gelackten Film. Selbst sie schaffen es nicht, aus "g@me." ein komplett befriedigendes Werk zu machen, aber immerhin schaut man ihnen gerne zu. Das gilt insbesondere für die damals 24-jährige Yukie Nakama. Die Seriendarstellerin ist ein aufsteigendes Teenidol bzw. ein waschechter Bubentraum; kein Wunder bei diesem ebenso zerbrechlichen wie kämpferischen Look, den sie blendend in den Film integriert. Wirklich eine Dame, auf die man in Zukunft achten sollte. Ansonsten ist "g@me." für den schnellen Verzehr gedacht. Wer einen besseren japanischen Entführungsthriller will, sollte zu Chaos greifen.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (J): Code 2 NTSC. Japanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Game
Regie: Satoshi Isaka

Thriller

Spannung * *

Humor *

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G h o s t   S y s t e m   ~   G o s u t o s h i s u t e m u

Reviewed 3.2.04

Japan 2003 Die Schülerin Mai ist verschwunden. Als ihr Freund Wataru (Hiroshi Tamaki) und ihre Freundin Misaki (Chikako Sakugari) seltsame SMS-Nachrichten der Verschwundenen bekommen, machen sie sich im Wald auf die Suche nach ihr. Dabei fühlen sie sich bald von einer unsichtbaren Macht verfolgt. Mitten im Wald stossen sie auf ein verfallenes Gebäude, wo eine Wissenschafterin Misaki erklärt, sie habe hier eine Maschine gebaut, die die Toten wieder aufesretehen lasse, damit man mit ihnen kommunizieren kann. Natürlich ist Mai tot, wird wiedererweckt - und will jemanden für ihr Ableben büssen lassen.
Nach einem kryptischen, apokalyptischen Anfang scheint "Ghost System" eine japanische Antwort auf "The Blair Witch Project" zu sein: Teenies verloren im Wald, billig gefilmt, terrorisiert von unheimlichen Dingen. Sobald sich diese jedoch materialisieren, ist klar, dass eher japanischer Horror à la Ring und Kaïro kopiert wird. Und dies nicht gerade gut. Es gibt ein paar kleine Momente, die wirklich cool sind. So etwa, wenn beim SMS-Bild plötzlich eine Geisterfigur auftaucht. Doch alleine schon der Umstand, dass man langsam aber sicher genug von diesen Mädchen-Geistern gesehen hat, denen das schwarze Haar ins Gesicht hängt, hat "Ghost System" danach nicht einmal mehr einen Schock zu bieten, der daran anknüpfen kann. Die Bedrohung dieser schleichenden Geister ist eher mässig - und die Inszenierung zieht alle Spannung aus der Handlung heraus.
Zum einen, weil es riesige Erklärungs-Löcher und Logikfehler hat, die ich hier aus Spoilergründen nur andeuten kann. Regisseur Toshikazu Nagae inszeniert aber eben auch übel mit verschwommenen Bildern, Kamera Schräghalten und Kamerafahrten à la "Evil Dead", bei denen man sich fragt, wen sie eigentlich symbolisieren sollen, schliesslich schleichen die Geister ja und rennen nicht. Aber was solls, bei "Ghost System" ist Logik eh nie anzuwenden.
Zum Glück ist die Gurke bloss 73 Minuten lang, sonst wäre sie noch anstrengender. Miese Inszenierung, schwache Optik, blasse Akteure, die selbst beim deftigsten Thema ("die Menschheit wird untergehen!") kaum eine Miene verziehen. Dass Nagae tatsächlich verkündete, dies sei eine neue grosse Horror-Franchise und daneben Internet-Kurzfilme, TV-Serien, Spiele, Romane und sonstige Begleitwerke schaffen soll, kann man fast nicht glauben. Wer nach diesem Low-Budget-Langweiler mehr vom Selben sehen will, hat 'ne Schraube locker ...
PS: Ich habe, nachdem ich die Kritik geschrieben habe, wie immer nach einem Artikel für "Want to know more?" gesucht. Der beste, den ich gefunden habe, greift beinahe die identischen Dinge auf, die ich geschrieben habe. Mein Text ist kein Plagiat - bei dem Film drängen sich wohl einfach gewisse Aspekte regelrecht auf. Oder: great minds think alike ...
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Japanisch 2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Gosutoshisutemu
Regie: Toshikazu Nagae

Horrorfilm

Spannung * *

Gewalt *

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G l a m o r o u s   L i f e   o f   S a c h i k o   H a n a i

Japan 2003 Ausführliche Kritik: hier.

 

G o   R a s c a l s !   ~   A o z o r a - e - s h o o t !

Reviewed 30.1.05

Japan 2003 Die Jungs und Mädels vom Schul-Fussballteam "Sakuradai Rascals" sind nicht die besten. Sie verlieren all ihre Spiele, trotz heftiger Anfeuerung ihrer Eltern. Da kommt der ehemalige Fussballspieler Imaoka Shinosuke (Kai Shishido) als neuer Lehrer an die Sakuradai Elementary. Er übernimmt als Coach die Leitung des Teams und holt neue Spieler dazu. Darunter den talentierten, aber rebellischen Daisuke (Kento Shibuya) und den schüchternen Satoru Terashima (Yousuke Mitsuhashi). Langsam stellen sich kleine Erfolge ein und das Team wächst zusammen.
"The Bad News Bears" mit Walter Matthau aus dem Jahr 1976 ist sicherlich nicht der einzige Sportfilm, in dem ein paar Aussenseiter-Kinder ein Team auf die Beine stellen und den Wert des Sports und der Freundschaft erkennen. Aber er ist einer der wichtigsten weil typischsten und stilprägensten. Auf der ganzen Welt gibt es mehrere Dutzend Nachahmerwerke. Das neuste Beispiel aus Japan: "Go Rascals!". Der drollige Familienfilm hat keinen grossen künstlerischen Anspruch und versucht schon gar nicht erst, etwas Neues zu versuchen. Das einzige was er will: Auf geradezu penetrante Weise gefallen. Viel anbiedernder freundlich kann man einen Film eigentlich kaum drehen. Nicht einmal Hollywood getraut sich, beim Kitsch so vorbehaltlos dick auftragen.
Aber der Film ist halt gut gemeint, wer kann ihm da schon böse sein. Die Charaktere sind sympathisch, die Botschaften kindertauglich und die Sportszenen halbwegs attraktiv. Obwohl immer die gleiche Musik ertönt und das Schema beinahe jedesmal das Selbe ist. Wie gesagt: Es fehlt an künstlerischen Ambitionen. Selbst die Moral des Films wird deshalb immer wieder ausgesprochen. Und wer sie doch verpasst hat, kann am Ende ganz gross lesen: "nobody is perfect". Wie wahr. Vielleicht wollte Regisseur Junichi Suzuki ja auch nur sich und seinen Film in Schutz nehmen.
"Go Rascals!" erfindet das Genre nicht neu, bietet kaum eine Überraschung und biedert sich beim Zuschauer an. All dies würde auf einen Komplettflop hindeuten. Doch der Film ist sympathisch und wer weiss, dass er auf solche Filme steht, hat hierbei durchaus Freude. "Go Rascals!" ist ganz klar ein Produkt der Fussball-WM in Korea und Japan, die in beiden Ländern die Nachfrage nach dem runden Leder explodieren liess. In einer Szene spielen die Kids mit ein paar Profis. Keine Ahnung, ob dies bekannte nationale Spieler sind, die Szene ist jedenfalls so aufgebaut, als ob dies berühmte Gesichter seien. Mir als Fussball-Laie sagten sie nix. Aber ob es nun Helden der National-Elf waren oder irgendwelche Nobodys: Die Qualität des Films beeinträchtigt dies nur unwesentlich. Und die ist schnell zusammengefasst: Mittelmass. Komplettes Mittelmass.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (Thai): Code 0 NTSC. Japanisch und Thai 5.1 mit engl. Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph)
Alternativer Titel: Aozora-e-shoot!
Regie: Junichi Suzuki

Sportkomödie

Action *

Humor * *

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G o z u   ~   G o k u d ô   k y ô f u   d a i - g e k i j ô :   G o z u

Reviewed 15.9.03

Japan 2003 Der junge Yakuza Minami (Hideki Sone) soll den durchgeknallten Gangster Ozaki (Sho Aikawa, Dead or Alive) zur Beseitigung nach Nagoya bringen. Unterwegs baut er einen Unfall, der Ozaki das Leben kostet. Als Minami kurz ein seltsames Restaurant besucht, verschwindet die Leiche - und Minami macht sich auf eine surreale Odyssee auf der Suche nach seinem Opfer.
Regisseur Takashi Miike und sein Ichi the Killer-Autor Sakichi Satô wandeln mit ihrer neuen Zusammenarbeit "Gozu" auf den Spuren von David Lynch und begeben sich in surreale Gefilde. Miike wäre aber nicht wer er ist, wenn er seiner Fantasie nicht dennoch freien Lauf lassen würde. Man ahnt nie, wohin die Handlung als nächstes gelenkt wird und dieses Element der Unsicherheit, das Miike beim Zuschauer auslöst, ist etwas, was ich an Miike so liebe. Er entzieht sich jeglicher Schubladisierung und schafft es immer, mich zu überraschen. Das ist schon viel wert.
Bei "Gozu" überraschte er mich auch hie und da. Zudem amüsierte er mich, ekelte mich an und verwirrte mich. Alles gut - doch mit welchen Mitteln? Lynch habe ich schon erwähnt, Freud kommt noch dazu. Doch Miike schöpft auch aus einem fragwürdigeren Reservoir: sich selbst. Er zitiert sich selbst und löst hie und da ein Gefühl von déjà-vu aus. Deutlichstes Beispiel ist die Muttermilch-Nebenhandlung, die aus
Visitor Q bekannt ist. Es gibt in dem Panobtikum des Irrwitzes noch immer genug zu entdecken, das völlig fasziniert (ein Hundemord am Anfang, der Höllenwächter Gozu mit Kuhkopf, einen Yakuza-Schrottplatz, eine schleimige Geburtsszene) - aber all dies hat man in irgend einer Form schon gesehen. Das ist nicht wirklich schlimm, aber etwas enttäuschend. Über 129 Minuten konnte mir "Gozu" so jedenfalls nicht konstant gefallen.
"Gozu" ist für Miike-Fans aber dennoch ein Muss. Es gibt viele bekannte Miike-Gesichter zu entdecken, Szenen voller Ekel oder verdrehter Erotik (vor allem das Finale), eine düstere, höllische Stimmung, einen genialen Soundtrack und viel mehr. Eine Wundertüte des Schreckens für alle Miike-Fans. Sicher nicht sein bestes Werk - aber der Kerl dreht so viele Filme, da kann nicht jeder ein
Fudoh oder Dead or Alive sein.
Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Alternative Titel: Gokudô kyôfu dai-gekijô: Gozu; Die grosse Yakuza Horror Show: Gozu
Regie: Takashi Miike

Gangster-
Groteske

Humor * *

Sex * *

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H a r d   L u c k   H e r o

Reviewed 24.3.04

Japan 2003 Asai Takashi (Junichi Okada) wird von Ishii Naoto (Yoshihiko Inohara) dazu gedrängt, für einen verspäteten Thai-Kickboxer in den Ring zu steigen. Keine grosse Sache, schliesslich soll er in der zweiten Runde am Boden liegen. Doch Asai stolpert und haut seinen Gegner beim ersten Schlag k.o. Der Clubbesitzer, ein schiesswütiger Yakuza, findet das gar nicht komisch und eröffnet das Feuer. Asai und Ishii fliehen. Ebenfalls auf der Flucht sind die beiden Yuppies Ikeyama Tadashi (Masayuki Sakamoto) und Kishimoto Kenta (Hiroshi Nagano) sowie die Taugenichtse Fujita Kenji (Go Morita) und Kudo Yuji (Ken Miyake). Auch sie sassen noch ein paar Minuten früher im Club, wo der Kampf stattfand.
Man stelle sich mal vor, Quentin Tarantino würde einen Film mit den "Backstreet Boys" drehen. Das gäbe einen Aufschrei. Nicht so in Japan. Da hat Kultregisseur Sabu mit der Boygroup "V6" ein Video drehen wollen und daraus gleich einen ganzen Film gemacht. Damit nicht genug: der Streifen durfte sogar in Berlin am Festival aufgeführt werden. Der grösste Schock dabei: die sechs V6-Jungs spielen wirklich nicht schlecht! Bloss Sabu hätte etwas mehr Gedanken an den Film verschwenden sollen ...
Das Werk beginnt köstlich und weist bald alle Markenzeichen eines Sabu-Films auf: durch dumme Zufälle in eine gefährliche Situation geschlitterte Männer, makabrer Humor, Verfolgungsjagden und non-lineare Erzählweise mit Rückblenden. Die erste Stunde verkommt so fast zu einem "best of Sabu", doch macht einfach gehörig Spass. Der Soundtrack poltert und treibt die Action voran, die Autos rasen schneller als in
Drive, zuvor wird gerannt wie in Dangan Runner. Sabu inszeniert mit Gusto, mit jugendlicher Frische und ganz auf die Teenie-Popper abgestimmt. Besonders gefallen die Rückblenden: so nimmt er das Ende einer Szene vorweg, danach erfahren wir, was bis dahin passiert ist - und dies geschah eben immer während dem Kickbox-Match, den Sabu dreimal aus anderen Winkeln gefilmt hat und jedesmal auch uns einen anderen Blick auf die Ereignisse erlaubt. Ebenso gut, wie bereits erwähnt, die Musik. Und, ebenfalls schon angedeutet, auch die Akteure sind überraschend souverän. Der Humor ist recht böse. So will ein Cop mal einen Gangster abknallen, trifft als erstes aber einen Unbeteiligten, der still nebendan stand. Der Polizist zielt nochmals seelenruhig und trifft eine ebenso still stehende Frau auf der anderen Seite des bewegungslosen Ziels - erst dann bricht Chaos aus. Typisch Sabu.
Das alles hört sich nach grossem Fun an. Ist es auch. Doch nach der Einstundenmarke schleichen sich Probleme ein. Eine lange Zeitlupen-Sequenz in einem Partylokal, das wohl nur dazu dient, trendige Youngsters beim Abtanzen im letzten Modefummel zu zeigen. Und endlose Traumsequenzen, die die Visionen von drei der Boys aufzeigen. Und dann, nach rund 75 Minuten, gibts den alles verbindenden Crash - und Schluss. Einfach so. Deus ex machina. Anscheinend ging Sabu das Papier fürs Drehbuchschreiben aus, denn so beendet man schlicht und einfach keinen Film. Das ist kein Ende, das ist ein Filmriss. Komplett daneben. Und obwohl dieses Anti-Finale den Spass gehörig ruiniert, gebe ich doch noch knapp 3 Sterne, da man sich am Anfang gut unterhält. Na ja, vielleicht ist's eben doch nur ein aufgeblasenes Video für ein sechs Teenie-Stars. Aber eben eins von Sabu - und das macht's interessant.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (J): Code 2 NTSC. Japanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Regie: Sabu (Hiroyuki Tanaka)

Actionkomödie

Humor * *

Action * *

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J a m   F i l m s   2

Reviewed 17.2.05

Japan 2003 1. Armchair Theory von Junji Kojima
Wie treffen sich Japaner? Wie verlieben sie sich? Eine TV-Sendung zeigt vom ersten Kontakt bis zur Verlobung alles auf und zeigt danach die praktische Anwendung in einem Film.
2. Clean Room von Eiki Takahashi
Das Mädchen Yuka lebt in einem Plastikzimmer, das es nie verlässt, weil es unter etlichen Phobien leidet. Eine Gouvernante hilft ihr jedoch, sich zu befreien. Tatsächlich schöpft Yuka bald Mut.
3. Hoops Men Soul von Hide Inoue
Miku wird entführt. Ihr Freund Hiroshi soll 10 Millionen Lösegeld rausrücken. Um an die Knete zu kommen, verbündet sich Hiroshi mit einer Gang aus Skatern und Hip Hoppern für einen spektakulären Coup.
4. Fastener von Kouki Tange
Ein alter Mann liegt im Sterben. Als seine Frau ihm einen Kuss gibt, erinnert er sich an seinen ersten Kuss und das bizarre Erwachsenwerden mit Sex, Drogen und Superhelden.

Für die Fortsetzung von Jam Films bot Produzent Shinya Kawai keine bekannten Regisseure auf, sondern vergab die vier Kurzfilm-Jobs an Newcomer. Und wie so oft bei Filmsammlungen ist das Resultat durchzogen. Der erste und letzte Film sind klasse, die anderen kann man spülen. Hier die Kritiken:

1
* * * ½
Ich liebe den Humor dieser Episode. Die Aufmache ist jene einer amerikanischen TV-Show, die jedoch wiederum japanisch synchronisiert ist. So kriegen die Japaner einen Blick auf ihr Land durch die Ami-Brille. Dies wiederum erlaubt Regisseur Kojima, die Marotten der Japaner liebevoll zu karikieren und gleichzeitig die Versuche der Westler, diese zu analysieren, deftig aufs Korn zu nehmen. Anders gesagt: Dem Film ist nichts heilig - und es steckt doch soviel Wahrheit drin. Der hektische Stil mit EInblendungen und Insider-Gags ist anstrengend, aber mit etwas über 20 Minuten ist die Lauflänge ja ideal.
2 * * ½
Diese Episode um Teenie-Mysterien und abgehobene Traumdeutungen kommt einfach nie richtig in Schwung. Die Optik ist schön, vor allem in den Szenen, in denen Yuka ihr Zimmer verlässt oder ihren Geist "frei lässt". Doch zum Schluss bleibt weder Substanz zurück, noch Unterhaltungswert. Eine enttäuschende Fingerübung und die zweitschlechteste Episode in "Jam Films 2".

3 * *
Und dies ist die Schwächste. Die Graffiti-Hiphop-Skater-Ästhetik mutet so anbiedernd an, so Ende-90er, dass es fast schon peinlich erscheint. Regisseur Inoue will in der Tat zeigen, wie cool er ist, doch sein Film ist primär unfreiwillig komisch. Mag sein, dass manche seine Ästhetik noch immer als topaktuelle urbane Coolness anschauen, für mich ist es jedoch abgestanden - und letztendlich auch inhaltlsschwach.
4 * * * ½
Dies ist vielleicht die reifste Episode von einem filmtechnischen Standpunkt her. Nicht so grotesk wie Nummer eins, aber noch viel surrealer. Regisseur Tange nutzt clever visuelle Effekte und freudianische Symbolik, vermischt mit Popkultur und albtraumhafter Bebilderung, um die Odyssee des Buben in der Erwachsenenwelt zu illustrieren. Sex, Drogen und Liebe werden in mysteriösen Bildern wiedergegen und bekommen eine ganz neue Form. Wirklich ein eindrücklicher Film, der einen sehr talentierten Regisseur ankündigt. Ich freu mich aufs Langfilm-Debüt!

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Japanisch 2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Regie: diverse

Episodenfilm

Humor * *

Spannung * *

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J o z e ,   t h e   T i g e r   a n d   t h e   F i s h   ~   J o z e   t o   t o r a   s a k a n a   t a c h i

Reviewed 25.3.05

Japan 2003 Tsuneo (Satoshi Tsumabuki) ist ein gut aussehender Student, der seine Freundinnen öfters mal wechselt. Um Geld zu verdienen, arbeitet er in einem Spiel-und-Speis-Bar. Dort reden die Mah-Jong-Spieler öfters über die schrullige alte Frau (Eiko Shinya), die die Gegend unsicher macht mit ihrem Kinderwagen. Tatsächlich sieht Tsuneo das gefährt eines Tages vorbeirasen. Zu seinem Erstaunen sitzt darin die etwa gleichaltrige Joze (Chizuru Ikewaki). Da Tsuneo ihr "Geheimnis" gelüftet hat, attackiert sie ihn mit einem Messer. Doch Oma lädt den jungen Mann ein. In ihrer kleinen Hütte erklärt die Oma, dass Joze nicht laufen kann. Das behinderte Mädchen lebt deshalb gerne zurückgezogen und bildet sich durch Bücher weiter, die die Nachbarn wegwerfen. Tsuneo fühlt sich seltsam zu Jose hingezogen und besucht sie öfter.
Isshin Inudou verfilmte den Roman von
Seiko Tanabe auf sehr spezielle Weise. Die Geschichte ist verankert in der Realität, doch immer wieder schleicht sich Skurrilität ein, manchmal gar Surrealität. So gibts eine Traumsequenz mit fliegenden Fischen und seltsame Rennen mit dem Kinderwagen. Dazu sogar noch recht offenherzige Erotik inklusive einem kurzen Dialog, der mich an "Cruel Intentions" erinnerte: Did it hurt? - Was it nasty enough for you. "Joze" der Film, aber auch die Figur, mögen es direkt. Das ist einer der Charme-Punkte dieses japanischen Independent-Streifens.
Ein weiterer sind die Akteure. Waterboy Satoshi Tsumabuki gehört mit seinem Strubel-Look ganz klar in die Kategorie "cute" und wird ein paar Teenie-Herzen brechen. Mit seiner Partnerin Chizuru Ikewaki harmoniert er so gut, dass die beiden ein Jahr später für "A Day on the Planet" erneut zusammenkommen durften. Ikewaki spielt hier mit spezieller Eigenart auf, sie schafft es, Mitgefühl für ihre behinderte Figur zu erzeugen, ohne auch nur eine Sekunde melodramatisch zu wirken. So lässt sie sich immer lustlos vom Stuhl fallen - als ob sie ihre Beine noch zusätzlich demütigen will. Sie verzichtet auf einen Rollstuhl und gibt sich beim Sex alles andere als zurückhaltend. Was "Joze" auf keinen Fall macht, ist, Klischees zu bedienen. Deshalb ist er stets überraschend und erfrischend.
Als Ganzes vermittelt der Film ungezwungenen Liebreiz, er ist souverän gespielt und poetisch inszeniert. Zwei Stunden kann man auf jeden Fall auch schlechter verbringen. So ganz drang "Joze" trotzdem nie zu mir durch. Zu luftig ist manchmal das Schicksal der beiden Liebenden, zu banal die Handlung an anderer Stelle. Doch zum Schluss rappelt sich der Film nochmals auf. Nicht etwa, indem er ein schönes Päckchen schnürt und alles abschliesst, sondern weil er überaus bodenständig zu einem Ende findet, das durch seine Unspektakulärheit umso beachtlicher wird. "Joze" ist auf jeden Fall einen Blick wert für alle, die ihre Romantik nicht vorgefertigt kriegen wollen, sondern in die Figuren hineindenken mögen. Die mal schmunzeln können, mal freuen und leiden. Joze lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Der Film auch nicht. Und das lässt ihn ganz klar herausragen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Japanisch 2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Joze to tora to sakana tachi; Josee, the Tiger and the Fish
Regie: Isshin Inudou

Tragikomödie

Humor * *

Erotik * *

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J u - O n :   T h e    G r u d g e

Reviewed 26.8.03

Japan 2003 Ein Mann ermordet seine Frau. Seither ist ihr Haus verflucht. Die Sozialarbeiterin Rika (Megumi Okina) besucht in dem Haus nun eine alte Frau. Im ersten Stock entdeckt sie einen Buben im Schrank. Wenig später beugt sich ein Geist über die alte Frau und tötet sie. Zuvor starben bereits die Katsuya und Kazumi, die im Haus wohnten. Und Katsuyas Schwester Hiromi. Doch das Töten ist noch nicht beendet.
"Ju-on" ist extrem clever verpackt, aber letztendlich muss man sich eingestehen: Das Skript ist ein grosser Bluff. Das soll nicht heissen, dass "Ju-on" keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Der Film funktioniert einfach auf einer anderen Ebene: Auf einer rein visiellen und atmosphärischen. Doch zuerst zum verhunzten Drehbuch. Es ist unterteilt in mehrere kleine Episoden à ca. 10 Minuten. Die Geschichten sind in der Tat verbunden, doch zerbrecht euch nicht den Kopf, wie. Es fehlt Chronologie, es fehlt ein roter Faden. Leute sterben, tauchen wieder auf, sind neu Geister, werden von jemandem erwähnt, verschwinden, tauchen nochmals auf. Die erste Stunde ist ein reines Ärgernis, wenn man versucht, der Sache wirklich zu folgen. Wenn. Denn man sollte nicht. Wenn ihr meine kürzest-Zusammenfassung oben gelesen habt, reicht das eigentlich.
Danach müsst ihr Folgendes tun: Schliesst das Fenster, macht das Licht aus und legt euch aufs Sofa. "Ju-on" funktioniert am besten, wenn man alleine ist. Das Werk ist die logische Weiterentwicklung von
Ring und Kaïro. Ein Nervenkitzler sondergleichen. Es gibt Szenen von solcher Einfachheit, aber solcher Unheimlichkeit, dass einem die Haare zu Berge stehen - "Ju-on" produziert da schlicht und einfach Angst. Keine der Sequenzen kommt ganz an die legendäre TV-Szene von Ring heran, aber viele kommen sehr nahe. Betonung auf viele. Jedes Szenen-Setup dient nur dazu, so schnell als möglich wieder Geister zu zeigen. In jedem Spiegel, jeder Reflektion tauchen sie auf und erschrecken uns. Die Schocks sind sehr einfach platziert und eben aus früheren Filmen zum Teil abgeschaut. Doch sie funktionieren verdammt gut. Schade halt, dass sie in keine brauchbare Handlung gebracht werden konnten. Zum Schluss war ich betreffend der Geschichte schlicht frustriert. Der Autor wollte nicht etwa eine komplex verknüpfte Geschichte schreiben (à la "Pulp Fiction" oder "Traffic"), sondern hackte das Drehbuch in mehrere Stücke, damit er mehr Geister zeigen kann. So simpel! Eine Person wird eingeführt, gerät an die Geister und stirbt. Repeat. Repeat. Repeat. Das ist kein Drehbuch, das ist gaga. Aber eben: Als Gefäss für die Geisterszenen ist es perfekt geeignet und deshalb kriegt der Film ganz knapp 3½ Sterne. "Ju-on" dürfte alle faszinieren, die Ring oder Kaïro mochten. Kaïro-Regisseur Kiyoshi Kurosawa sowie Ring-Autor Hiroshi Takahashi (beide stammen aus der selben Filmschule wie Regisseur Takashi Shimizu) sind übrigens "Creative Consultants" von "Ju-on".
Info: Im Jahr 2000 drehte Shimizu bereits einen Film namens Ju-on mit gleicher Story. Unmittelbar danach entstand eine Fortsetzung Ju-on 2. Es handelt sich um Direct-to-Video-Versionen. Die 2003er-Fassung ist also Shimizus Remake seines eigenen Films. Im selben Jahr folge das Remake der Fortsetzung: Ju-on: The Grudge 2. Unter dem Protektorat von Sam Raimi dreht Shimizu 2004 das US-Remake The Grudge.
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Japanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Ju-On; The Grudge
Regie: Takashi Shimizu

Horrorfilm

Spannung * * *

Gewalt * *

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J u - O n :   T h e    G r u d g e   2

Reviewed 24.3.04

Japan 2003 Im Geisterhaus, in dem ein Mann seine Frau und seinen Sohn getötet hat, dreht Keisuke einen Horrorfilm. Als Star hat er die schwangere Horrorikone Kyoko Harase (Noriko Sakai) verpflichtet. Doch sie und die anderen Crewmitglieder wie die Assistentinnen Tomoka (Chiharu Niyama), Chiharu (Yui Ichikawa) und Megumi werden bald vom Fluch des Hauses heimgesucht. Kyoko verunfallt sogar mit ihrem Freund Masahshi im Auto und scheint ihr Kind zu verlieren. Doch die Geister haben Übleres mit ihr vor.
Hir sitz ich nun und muss
zum vierten Mal erklären, dass das Konzept von "Ju-on" eigentlich ein grosser Beschiss ist. Wie zuvor bei Ju-on, Ju-on 2 und Ju-on: The Grudge dient das Drehbuch nur einem Zweck: so viele Geister-Szenen aneinander zu reihen wie möglich. Abermals ist die "Handlung" unterteilt in mehrere Episoden, die die Namen der Opfer tragen. Klar sind die Episoden untereinander lose verknüpft, was zwar nie "Short Cuts"-Qualität erreicht, aber recht nett ist - doch es bringt keinen Nutzen. Eine Handlung mit Anfang, Ende und Höhepunkt gibt es in den "Ju-on"-Filmen nicht. Der beste in diesem Bezug ist der Kinofilm Ju-on: The Grudge, weil er ein Rätsel aufgibt und es zum Schluss halbwegs aufdeckt. Zudem ist er der spannendste.
Die Fortsetzung "Ju-on: The Grudge 2" ist jedoch nicht spannend. Das episodische Konzept untergräbt Spannung schon einmal von Grund auf, doch Regisseur Shimizu versagt hier noch viel mehr als beim Vorgänger. Es gibt kein Rätsel, keine Lösung, kein Spannungsaufbau. Lediglich "Opfer trifft Geist, Opfer stirbt". Die erste Stunde wollte ich Shimizu noch gratulieren, weil er immerhin die Episoden besser verknüpft hat, die Charaktere einzigartiger und damit unterscheidbarer machte, als beim Vorgänger - doch danach geht alles bachab. "The Grudge 2" verkommt zur Freakshow, die bloss noch lächerlich ist. Eine Geister-Erscheinung jagt die nächste, die eine ist okay, die andere bloss plump. Doch zum Schluss, wenn Shimizu Traum und Realität verbindet, ein paar Shots 1:1 aus
Ring übernimmt und einfach nicht zum Ende kommen will, wird einem perfekt vor Augen geführt, wo der Hund begraben ist. Wo das grosse Problem von "Ju-on" liegt. Es ist eben die besagte episodenhaftigkeit. Keine der kleinen Geschichtchen hat irgendeinen Zweck, ausser, nach 10 Minuten irgendwo in einer Ecke einen Geist zu zeigen. Buhu! Bei Ju-on funktionierte es, weil es einige wirklich unheimliche Geister-Erscheinungen gibt. Doch da sogar die bei diesem Teil fehlen, fällt das ganze Kartenhaus in sich zusammen. Cool ist die Akkustik, cool sind die Episoden Kyoko, Chiharu und Keisuke - doch die anderen sind doof. Besonders jene, in der sich der Geist als Haar-Galgen manifestiert. Und natürlich die letzte, die Schlag auf Schlag neue Höhepunkte bringt und dabei immer tiefer auf der Leiter der Absurdität steigt. Nein, "Ju-on: The Grudge 2" ist nicht spannend. Nein, "Ju-on: The Grudge 2" hat kein brauchbares Skript. Was bleibt? Ein bisschen Grusel. Aber ich habe meinen Grusel gerne verpackt in einer Story. Gefürchige Szenen auszudenken ist keine Kunst. Sie zu verbinden, einzubetten und spannend zu halten aber schon. Und irgendwie ist dieses blöde blaue Kind beim vierten Durchlauf auch gar nicht mehr so unheimlich ...
Hier auf DVD erhältlich
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Meine Disk (SK): Code 0 NTSC. Japanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Ju-On 2; The Grudge 2; Juon 2
Regie: Takashi Shimizu

Horrorfilm

Spannung * *

Action *

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K a r a o k e   T e r r o r

Japan 2003 Ausführliche Kritik: hier.

 

K i k o k u :   Y a k u z a   D e m o n   ~   K i k o k u

Reviewed 11.6.04

Japan 2003 Seiji Kokubnu (Riki Takeuchi) sass für seinen Boss, den Kopf der Muto-Familie, schon 15 Jahre im Knast und ist ihm loyal ergeben. Ebenso Seijis Blutsbruder Yoshifumi Okamoto (Mickey Curtis). Die drei sind die einzigen Mitglieder der kleinen Familie, die Teil der grossen Date Familie ist. Die fordert Geld von Muto. Da keines vorhanden ist, verkündet der Boss, er werde stattdessen ein Führungsmitglied der rivalisierenden Tendo-Familie umlegen. Seiji sieht darin ein Risiko für seinen Boss. Schliesslich ist dessen Frau (Mikio Ôsawa) schwanger und braucht ihn. Also alarmiert Seiji die Polizei und Muto landet für ein paar Monate im Knast. Nun kann Seiji die blutige Arbeit verrichten. Er und Yoshifumi lauern Boss Michitane Tendo auf, töten seinen Anhang und verletzen ihn schwer. Die 15'000 Mann starke Tendo-Familie startet daraufhin einen Krieg, der etlichen Deto-Köpfen das Leben kostet. Seiji will sich aber nicht den Tendos stellen.
Einige von Takashi Miikes frühen Videoproduktionen sehen aus wie Homevideos. Schäbig, schluddrig, kultig. Heute kann der japanische Regisseur selbst für einen Video-Release auf gutes Material zurückgreifen, weshalb "Kikoku", ein Videorelease, schon mal klasse aussieht. Visuell einer von Miikes routinierteren und ruhigeren Filmen. Inhaltlich gibt es auf den ersten Blick auch nicht viel Neues zu entdecken. Doch darum gehts diesmal auch nicht. Miike ist nicht aus, uns zu schockieren oder etwas zu zeigen, was wir nie gesehen haben. Das nimmt dem Film einen gewissen Druck. Miike kann mit seinem enormen Dreh-Tempo gar nicht mehr immer Überraschungen abliefern. Er muss geradezu Filme drehen können, deren Reiz in einem viel klassischeren Bereich liegt: dem Geschichtenerzählen.
"Kikoku" ist einfach ein gut erzählter Film mit Charakteren, mit denen man mitfühlen kann. "Kikoku" wird es nie in die Reihen der kultigen Miike-Filme schaffen, aber er ist ein überaus sehenswerter Yakuza-Streifen. Beeindrucken konnte mich Riki Takeuchi, der für einmal reservierter spielt. Ebenso gut auch
Blues Harp-Star Mickey Curtis und
Yôko Natsuki in einer reifen Rolle, die viel Sympathie auf sich zieht. Überhaupt ist man den Leuten nahe, weil hier definitiv nicht Machtgier im Vordergrund steht, sondern Überleben und Loyalität. Nur mit Seiji hatte ich nicht sonderlich Mitleid. Er ist in diesem Netz so verstrickt, dass es keinen Ausweg mehr gibt - und es scheint, als habe er selbst sich längst damit abgefunden.
Ein Warmduscherfilm also? Nicht ganz. Es gibt doch einiges an Gewalt zu sehen. Viele Schiessereien, ein paar brutale Exekutionen. Das Blut fliesst realistisch, aber ausgiebig. "Kikoku" ist jedoch nie ein Gore-Fest, das würde nicht passen. Und dann kommt schon bald das wunderbar orchestrierte Finale mit dem geilen Schlusssatz. Auf der DVD gibt es ein Alternativende, das nicht zum Film gepasst hätte. Es ist jedoch der Gaudi: Seiji wird angeschossen und fängt sich mit einem Bein auf. Er greift sich in die Brust und holt eine leuchtene Kugel heraus, die er nach seinen Feinden wirft. Das Bild wechselt zu einer Erd-Ansicht und man sieht ein kleines Leuchten in der Region von Tokyo. Ganz klar: Miikes Hommage an seinen eigenen Dead or Alive, in dem Riki Takeuchi jenes unsterbliche Finale bestritt. Dieses Ende ist wirklich witzig, aber das nun verwendete macht mehr Sinn und rundet das Werk ideal ab. "Kikoku" ist weder Meisterwerk noch Must-See oder Kultstreifen. Er ist einfach ein guter Film.

Hier auf DVD erhältlich (US)
Alternativer Titel: Yakuza Demon
Regie: Takashi Miike

Thriller

Action * *

Spannung * *

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L i k e   a   D e s p e r a d o   u n d e r   t h e   E a v e s

Japan 2003 Ausführliche Kritik: hier.

 

A   L o n e l y   C o w   W e e p s   a t   D a w n

Japan 2003 Ausführliche Kritik: hier.

 

L a s t   D r o p   o f   B l o o d   ~   J u s e i

Reviewed 22.5.04

Japan 2003 Bei einem Treffen mehrerer Yakuza-Bosse richtet ein Killer ein Blutbad an. Etliche Yakuzas sterben, Boss Odanaka kommt mit schweren Verletzungen davon. Er lässt seinen treusten Mann, den 23-jährigen "Shuji" Sakuma, die Sache untersuchen. Er reist nach Osaka, um herauszufinden, ob Clans aus der Stadt etwas mit der Sache zu tun haben. Derweil brodelt es in Tokyo, die Yakuzas der Stadt sind kurz davor, sich zu bekriegen. Dies geht auch an Soichi Hagiwara (Takaaki Ishibashi) nicht spurlos vorbei. Der ehemalige Yakuza aus Odanakas Team wird bedrängt, sein friedliches Leben mit seiner Frau aufzugeben, und in die Reihen der Gangster zurückzukehren. Auch Cop Tsuroka belästigt ihn öfters: er verspottet ihn und meint "einmal ein Yakuza, immer ein Yakuza". Doch Soichi widersteht allen Provokationen.
Das Drehbuch ist sicher nicht die Stärke von "Last Drop of Blood" - aber Regisseur Yasushi Akimoto erzeugt mit seinem Film einen gehörigen Sog. Der Stil ist für einen TV-Film allererste Güte, die Akteure haben Profil und die Action wird von Drama begleitet. Dazu gibts eine heftige Dosis Gewalt. Der Titel kann verschiedenartig gedeutet werden: jeder Tropfen Blut in einem Yakuza ist aufs Gangsterleben eingestellt - oder gekämpft wird bis auf den letzten Tropfen Blut. Angesichts des Blutvergiessens im Film tendiere ich zu letzterer Interpretation. Es gibt tatsächlich eine Vielzahl von Schusswunden zu begutachten: Kopfschüsse, Brustdurchschüsse und (mein Favorit) ein Schuss durch einen offenen Mund in die Zunge. Autsch. Doch das wahre Blutbad kommt am Schluss, als jemand (aus Spolier-Gründen sag ich nicht wer) einen Golf-Club betritt und in bester Heroic-Bloodshed-Manier die Leute umlegt. John Woo hätte es kaum besser orchestrieren können.
Soweit die Männer, doch die Emotionen sind bei den Frauen. Shujis Schwester und Soichis Frau sind zwar nicht sauber ausgearbeitet, aber sie scheinen Hoffnung und Liebe ins Leben dieser harten Yakuzas zu bringen und dafür mag man sie automatisch. Wenn ihre Liebsten scheitern oder sterben, fühlt man mit ihnen. Ganz besonders krass ist die letzte Einstellung von Soichis Frau: sie ist in einem Moment völligen Glücks - doch wir, das Publikum, wissen, dass gerade der Horror passiert ist. Und sie weiss es nicht. So wird aus dem scheinbar glücklichsten Bild des Films das Niederschmetterndste.
Man kann argumentieren, dass Regisseur Akimoto das Ganze etwas gar unterkühlt und schematisch abhandelt, aber das ist mir letztendlich fast egal. Es gibt so viele Szenen, die eine gewisse Einzigartigkeit in sich haben. Ganz besonders trifft dies auf die Eröffnungssequenz zu, in der ein Killer in ein riesiges Aquarium taucht und von dort aus seine Opfer erschiesst. Selbiger Killer hat später einen Tod, der auch sehr frisch wirkt: er sitzt in einer Foto-Kabine, als einer ihm Kugeln durch den Kopf schiesst. Schön festgehalten auf den Bildern, die der Apparat danach ausspuckt. Allein wegen solchen Szenen, wegen den melancholischen Figuren und der doch recht kurzweiligen Inszenierung kriegt "Last Drop of Blood" seine gute Wertung. Für Yakuza-Fans dürfte die Story nichts Neues parat haben, aber sehenswert ist sie alleweil.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (J): Code 2 NTSC. Japanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Jusei; Juusei
Regie: Yasushi Akimoto   

Actiondrama

Action * *

Gewalt * * *

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M o o n   C h i l d

Reviewed 28.3.04

Japan 2003 Mallepa, eine Stadt in der "Asian Special Economic Zone", im Jahr 2014: Zwei Buben rauben einen Geschäftsmann aus. Er stöbert die Jungen in ihrem Versteck aufund will sie töten. Doch ihr Kumpel Sho hat einen verletzten älteren Jungen mitgebracht. Der entpuppt sich als Vampir und beisst den Mann zu Tode. Der kleine Sho ist fasziniert und schliesst sich dem Älteren an. Er heisst Kei (Hideo "HYDE" Takarai). Im Jahr 2015 sind er und Sho (Gackt Camui) ein eingespieltes Team und gute Freunde. Während Sho altert, bleibt Kei aber stets jugendlich. Dafür kann er nur ausserhalb des Sonnenlichts leben und muss sich von menschenblut ernähren, ein Umstand, der ihm zunehmend auf die Seele schlägt. Während Sho mit der stummen Yi-Che (Zeny Kwok), der Schwester ihres taiwanesischen Kumpels Son (Wang Leehom), eine Familie gründet und zum Gangsterboss heranwächst, bleibt Kei ein Aussenseiter. 2045 kreuzen sich ihre Wege wieder. Son ist mittlerweile Handlanger eines chinesischen Gangsterbosses ...
Regisseur Takahisa Zeze, bekannt für seine "Pink Movies" (Sexfilme), drehte mit grossem Budget vorwiegend in Taiwan dieses ziemlich seltsame Gebräu aus Sci-Fi, Melodrama, Gruselfilm, Actionkracher und Lovestory. Die Hauptrolle spielen zwei asiatische Teenie-Pop-Idole:
Gackt, heutiger Solo-Star und ehemaliger Sänger der Band "Malice Mizer" sowie HYDE, Sänger der Grunge-Band "L'Arc En Ciel" und heute ebenfalls Solo-Star. Die beiden erinnern an den jungen David Bowie, ein Grund, weshalb ihre Beziehung ungewollt homoerotisch herüberkommt. Es gibt zwar ein Mädchen im Plot, aber das ist sekundär. Der Regisseur verbringt viel mehr Zeit damit, die Beziehung der beiden Freunde auszuleuchten, sie zusammen beim gegenseitigen Ausloten der Seele zu zeigen und die beiden im androgynen Look auftreten zu lassen. Die damit erzeugte Stimmung kommt der Film jedoch zu Gute.
Insbesondere die erste Stunde von "Moon Child" ist nämlich geil. Nach einer halben Stunde kommt eine exzessive Schiesserei im Hongkong-Stil, mittlerweile etwas abgeschmackt, aber dennoch sehr cool. Das Heranwachsen der Boys wird nicht gezeigt, dafür gibts grosse Zeitsprünge. Vom Sci-Fi-Aspekt sollte man sich nicht zu viel erwarten, denn es gibt keinen Shot, der echt nach Zukunft aussieht, aber das ist egal. Zeze bringt die erste Stunde rasant voran, bevor der Plot in ein Yakuza-Drama mündet. Während der erste Teil auf coole Art die Arroganz der Unsterblichkeit hervorstrich, zeigt der zwiete Teil eher die Melancholie der Unsterblichkeit. Und damit wird der Film schwächer. Den beiden Akteuren, die nicht übel sind und zweifellos ebenso coole wie attraktive Leinwandhelden darstellen, denen die Herzen asiatischer Girls im Nu zufliegen, nimmt man die Schwermut aber nicht ganz ab. Sagen wir so: die Freunde stellen sich auch etwas blöd an - wieso ihre Freundschaft zerbricht, wird nie glaubwürdig transportiert und wieso sie sich in solch fatalistisches, gegenseitiges Töten ergeben, macht auch wenig Sinn. Dieses Töten ist dann auch schwach gefilm. Ganze Magaizne werden entleert, bevor endlich mal jemanden trifft. "Cool" ist hier wichtiger als "glaubwürdig". Wäre die zweite Hälfte straffer, ein wenig Melancholie weggelassen, dann hätte "Moon Child" eine bessere Note verdient. Denn er ist sonst eigentlich recht gut - und zweifellos faszinierend.

Hier auf DVD erhältlich (US)
Meine Disk (J): Code 2 NTSC. Japanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Moonchild
Regie: Takahisa Zeze

Sci-Fi-
Horrordrama

Action * * *

Gewalt * *

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T h e   N e g o t i a t o r   ~   K ô s h ô n i n

Reviewed 21.9.04

Japan 2003 Drei mit Motorradhelmen maskierte Männer überfallen eine Shop. Eine halbe Stunde später wird ihr Wagen vor dem Koida Spital entdeckt. Drinnen erblickt ein Polizist einen der Helmträger. Umgehend wird das Spital von der Polizei umstellt. Vom Gebäude aus melden sich die Gangster (u. a. Yoji Tanaka). Sie haben über 30 Patienten und Spitalarbeiter in ihrer Gewalt. Die Verhandlungsexpertin Maiko Tohno (Mayu Tsuruta) ist die erste, die mit ihnen Kontakt aufnimmt. Wenig später erscheint ihr Ex-Geliebter Inspektor Ishida (Hiroshi Mikami). Er übernimmt die Verhandlung und hat persönliches Interesse am Gelingen der Aktion: Seine krebskranke Frau (Shigemitsu Ogi) ist unter den Geiseln! Alles scheint gut zu laufen: Die Kidnapper entlassen immer mehr Geiseln und die beiden Verhandler drücken das Lösegeld nach unten. Doch der Cop Ando (Sano Shiro) hat seine Zweifel am offiziellen Ablauf der Ereignisse.
"The Negotiator" hat alle
Anzeichen einer Miike'schen Auftragsarbeit, nicht zuletzt weil er den Thriller mit Digitalkamera fürs Fernsehen drehte. Wenn man den Namen Miike nicht im Vorspann sehen würde, es könnte einem ausserdem glatt entgehen, dass das Enfant Terrible ihn gefilmt hat. Es gibt keine Gewaltexzesse, keine bizarren Einlagen, kein Show-off. Einfach nur einen sehr gut gemachten Thriller. Wen juckt es da, ob es eine Auftragsarbeit ist oder nicht?
Der Plot ist der Schlüssel zum Erfolg des Films. Er basiert auf dem Roman von Takahira Igarashi und bietet eine Menge Überraschungen. Die erste Hälfte mutet noch an wie ein Geiselname-Thriller im Stile des US-Namensvettern "The Negotiator" von 1998 oder des Schweizer TV-Thrillers "Spital in Angst". Doch dann kommen Plot-Twists zum Vorschein, die das Ganze in komplett neue Bahnen lenken. Die erste Hälfte ist für sich spannend als solider Kidnapping-Thriller, die zweite ist ebenso spannend als Thriller mit Hang zum Drama. Miike mischt all dies zu einem inhaltlich und technisch überzeugenden Film. Ich gebe die 3½ Sterne etwas zögerlich, weil ich das magische Miike-Händchen gerne sehe - anders gesagt: Ich liebe seine Exzesse. Aber wenn das japanische Ausnahmetalent auch ganz "normale" Filme so überzeugend macht, darf ich dies nicht mit einer Bewertungsreduktion abstrafen.
"The Negotiator" ist für einen TV-Film überdurchschnittlich gut. Er ist sehr gut gespielt, solide inszeniert und packend erzählt. Damit schlägt er den wöchentlichen "Tatort" genauso wie billig produzierte US-Thriller. Miike dreht schnell, aber er dreht nur selten schlampig. Und "The Negotiator" ist dafür ein eindrücklicher Beweis.
Hier auf DVD erhältlich (US)
Alternative Titel: Koshonin; 交涉人
Regie: Takashi Miike

Thriller

Spannung * * *

Action *

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N i n j a   P u s s y   C a t

Japan 2003 Ausführliche Kritik: hier.

 

O n e   M i s s e d   C a l l   ~   C h a k u s h i n   a r i

Reviewed 21.9.04

Japan 2003 Yoko Okazaki (Anna Nagata) bekommt einen Anruf auf ihr Handy. Als Anrufer wird ihre eigene Nummer angezeigt und auf der Combox hört Yoko sich selber reden. Das Datum der Nachricht: In zwei Tagen. Yoko und ihre Freundin Yumi Nakamura (Kou Shibasaki) verstehen nicht, was das bedeuten soll. Zwei Tage später. Yoko steht auf einer Brücke und telefoniert mit Yumi als sie die Worte sagt, die auf ihrer Combox waren. Sekunden später stürzt sie vor den Zug und wird in Tausend Stücke zerrissen. Ihr abgerissener Arm wählt eine Nummer. Es ist die von Kenji Kawai (Atsushi Ida). Nun wird Yumi klar, dass eine Art Todes-Telefon umgeht und Kenji das nächste Opfer sein wird. Sie kann ihn nicht mehr retten, genausowenig wie Natsumi Konishi (Kazue Fukiishi). Und dann passiert auch schon das Unvermeindliche: Yumi bekommt einen Anruf. Sie will ihren Tod aufhalten und das Rätsel lüften. Mit Hilfe von Hiroshi Yamashita (Shinichi Tsutsumi) kommt sie dem Mädchen Mimiko Mizunuma auf die Spur, das anscheinend von seiner Mutter Marie (Mariko Tsutsui) misshandelt wurde.
Gab es eigentlich vor Ring keine japanischen Horrorfilme? Die Frage ist natürlich rhetorisch, doch seit 1999 scheinen aus Nippon tatsächlich nur noch Gruselstreifen mit bösen weiblichen Geistern mit langen schwarzen Haaren zu kommen. Das Rezept ist so ausgelutscht, dass es schon fast weh tut. Und ausgerechnet jetzt macht sich Enfant Terrible Takashi Miike an dieses Thema ran. Nicht nur das: Er kopiert Hideo Nakatas Original auf geradezu erschreckende Weise. Doch die Überraschung war bei mir gross, als ich entdeckte, dass "One Missed Call" von allen Ring-Klonen definitiv zu den besten gehört. Miikes erster richtiger Horrorfilm entwickelt eine schauerliche Stimmung, ist an gewissen Stellen wirklich unheimlich und hält (beinahe) bis zum Ende durch.
Von Ring übernimmt Miike ersteinmal den Telefonterror. Diesmal einfach auf Handys umgemünzt. Dann bekommt der Todeskandidat einen Anruf, eine gewisse Zeit später stirbt er. Von seinem Handy aus geht der "Virus" weiter - also auch die Kettenreaktion ist da. Dann wird die Heldin betroffen und das Publikum fiebert mit, weil sie nur noch so und so lange zu leben hat. Um das Rätsel zu lösen verbündet sich die Heldin mit einem Kerl - und sie kommen der Sache auf den Grund: Ein Mädchen und seine Mama sind am ganzen Schuld. Sadako revisited? Was solls, ich habe mich eben trotz diesen viel zu vielen Parallelen gehörig geschaudert.
Eine der besten Sequenzen ist jene im Fernsehstudio. Das Ganze beginnt mit einer Medienschelte, weil die todgeweihte Natsumi als Quoten-Lieferant missbraucht wird. Während die Zuschauer und Macher der Show die Bedrohung nicht erkennen und einfach eine geile Sendung aufziehen wollen, durchleidet Natsumi Seelenqualen. Dieser intime Horror vor den Augen einer riesigen, ahnungslosen Zuschauer-Menge ist sehr clever. Und eben sehr spannend. Miike nimmt das Thema später nicht auf, aber als individuelle Sequenz ist sie vielleicht das Highlight des Films.
Es gibt noch weitere gelungene Momente. Es fehlt der Superschocker à la Fernseher-Krabbelszene in Ring, doch es gibt doch noch genügend Passagen, die einem den Schrecken in die Glieder fahren lassen. Miike inszeniert nämlich ausgesprochen gelassen. Auch hier eine Annäherung an Nakata. Nur ganz selten ist Miikes flashy Style zu erkennen, wenn er etwas kühn schneidet und mysteriöse Inserts verwendet. Aber es fehlen Blutfontänen und bizarre Ereignisse. Würde nicht Miike draufstehen, man würde eigentlich kaum Miike dahinter vermuten. Das ist schade, doch was zählt, ist letztendlich das Endprodukt - und das ist solider Horror mit klasse Soundeffekten, guten Darstellern, raffinierter Kameraarbeit und gut konstruiertem Spannungsbogen.
Erst gegen Schluss scheint Miike das Material etwas zu entgleiten und die eigentliche Auflösung ist nicht halb so geglückt wie jene in Ring. Aber zu dem Zeitpunkt hat "One Missed Call" schon für so viele graue Haare gesorgt, dass einer guten Bewertung nichts mehr im Wege steht. Wie sagt das Sprichwort so schön?
"Wenn die Fahne flattert, ist der Verstand in der Trompete" - nö, Moment, falscher Text: "Lieber gut kopiert als schlecht erfunden". Und deshalb solide 3 Sterne.
Fortsetzungen
One Missed Call 2 (2005)
One Missed Call: Final (2006)

Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Alternative Titel: Chakushin ari; You've Got a Call; The Call
Regie: Takashi Miike

Horrorfilm

Spannung * * *

Action * *

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O n m y o j i   I I

Reviewed 8.5.04

Japan 2003 Minister Fujiwara no Yasumaro versucht mit Riten die Hauptstadt des Heian-Reiches gegen einfallende Dämonen zu schützen. Ohne Erfolg. Es scheint, als haben die Dämonen besonderes Interesse an seiner Tochter Lady Himiko. Der in Himiko verliebte Minamoto no Hiromasa (Hideaki Ito) sucht deshalb seinen Freund, den Yin-Yang-Meister Abe no Seimei (Mansai Nomura) auf und bittet ihn im Hilfe. Der Meister glaubt, dass der Magier Genkadu, der ausserhalb der Stadt lebt, etwas mit den Geschehnissen zu tun haben könnte. Und welches Spiel spielt der junge Susa (Hayato Ichihara), ein Jugendfreund von Minamoto?
Onmyoji war 2001 ein derartiger Hit, dass Regisseur Yojiro Takita (When the Last Sword is Drawn) eine weitere Geschichte nach Baku Yunemakuras populären "Onmyoji"-Romanen auf die Leinwand brachte: "Onmyoji II". Die beiden Hauptpersonen wurden belassen, das etwas gemächliche Erzähltempo auch, die Vermischung von Fantasy, Geschichte und Magie ebenso. "Onmyoji II" ist denn nur auch leicht schwächer als der Vorgänger, vor allem wegen einer schleppenden ersten Hälfte und einer einfacheren, weniger spannenden Story. Die detektivischen Aspekte des ersten Teils werden zu Gunsten einer spirituelleren Handlung aufgegeben.
Mansai Nomura kann als Abe no Seimei erneut überzeugen, hat jedoch nicht gar so viele Momente, die seinen zynischen Charakter unterstreichen. Und von den Nebendarstellern bekommt niemand gross die Chance, zu brillieren - von Kyoko Fukada hätte ich etwa mehr Kampf-Action sehen wollen, wenn sie am Anfang schon als Amazone eingeführt wird, die "kein normaler Mann ehelichen würde". Das hört sich jetzt alles ziemlich negativ an - und tatsächlich hat mich der Film wie schon der Vorgänger leicht enttäuscht. Doch als Ganzes entfaltet "Onmyoji II" eben eine magische Aura. Selbst in seinen langeweiligen Momenten wirkt er von Design und Präsentation her so ur-japanisch, dass man nicht anders kann, als fasziniert zu sein. Die Szenen in der Zwischenwelt etwa oder die Zaubersprüche auf Papier und selbst das kitschige Finale - alles unterstreicht wie kompromisslos asiatisch der Film ist. Der bald 50-jährige Takita hat in seinen "Onmyoji"-Filmen aber auch in When the Last Sword is Drawn bewiesen, dass er sich nicht Hollywood annähern muss, um zu überzeugen. Vielmehr lädt er seine Landsleute ein, Filmkunst zu bestaunen, die stark in der eigenen Kultur verwurzelt ist. Für nicht-Japaner sind seine Werke nicht minder faszinierend, wohl aber aus anderen Gründen: wegen ihrer Fremdheit oder ihrer Zen-haften Ruhe, die sie selbst in einigen Actionszenen ausstrahlen. "Onmyoji II" ist kein Film, der allen gefallen kann - er liess auch mich streckenweise kalt. Doch Takitas Talent als Filmemacher ist nicht zu übersehen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 2 NTSC. Japanisch 5.1. und DTS mit englischen UT. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Onmyoji: The Ying-Yang Master 2; The Yin Yang Master II
Regie: Yojiro Takita

Fantasyfilm

Action * *

Spannung * *

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P l a y g i r l

Reviewed 7.1.04

Japan 2003 Nach einer siegreichen grossen Schlacht der Tokugawa-Herrscher, ringt der Priester Tenkai im 17. Jahrhundert dem weisen Gessai ab, er werde Killer ausbilden, um mit ihnen alle Kriegsherren zu töten, die erneut einen Krieg starten wollen. Gessai rekrutiert zehn Kinder, zieht sie gross und trainiert sie zu Kampfmaschinen. Als die Zeit für ihre Mission gekommen ist, lässt er seine Schützlinge jeweils ihren besten Freund im Team töten. Dies ist ihr letzter Test. Fünf bleiben übrig - darunter die schnelle Azumi (Aya Ueto). Zusammen mit Gessai brechen die Killer auf, die Kriegsherren Nagamasa, Kiyomasa (Naoto Takenaka) und Masayuki zu erledigen. Doch beim zweiten Opfer regt sich massiver Widerstand ...
Das Cover sieht doch sexy aus. Sicher ein cooler BKA-Film (Babes Kick Ass
™) aus Japan. Denkste - die Videoproduktion hat zwar ein hübsches Ensemble und ist anständiger gefilmt als der BKA-Quatsch, der zuletzt aus Hongkong kam (Bsp. Brush Up My Sisters), aber er gibt nichts her. Zu seiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich keinen Deut der Handlung verstanden habe. Ich hab die DVD bei hkdvdstore erstanden, die legales und anscheinend weniger legales Material verkaufen. "Playgirl" gehörte wohl in die zweite Kategorie, denn hier hat definitiv ein Amateur untertitelt. Wie sonst kommen Sätze wie "when the organisation what establishs that starts a split second possesing" [ihre Schreibweise] heraus? Ganz offensichtlich wurde es, dass der Film mit einem Überstzungsprogramm à la altavista übersetzt wurde, als einige Dialoge in Englisch geführt und japanisch untertitelt wurden. Die japanischen Untertitel wurden dann wiederem "übersetzt". Aus dem gesprochenen "tell me the truth, George" wurde "you frank teachings, George". Eben, so versteht man natürlich kein Wort.
Aber ich wage mal zu behaupten, dass "Playgirl" auch bei vollem Verständnis nicht viel besser wäre: Die Action ist in ruckliger Slow-Motion gefilmt, die Schauspieler geben sich cool, sind aber eher peinlich. Die Handlung sieht allzu simpel aus, die technische Aufbereitung ist passabel. Und die Girls sind nicht so heiss. Eine ist alt, eine hat knochige Beine. Und weils im Film dann doch etwas wenig Haut zu sehen gibt, um einen richtigen BKA-Film zu rechtfertigen, gibts während den End Credits noch eine lange Sequenz, die die Damen beim Fitnesstraining zeigt. In Unterwäsche, versteht sich. Oh je ... da lob ich mir einen Film wie Naked Weapon oder So Close: Hübsche Damen versohlen Ärsche. Geil. "Playgirl" ist nicht geil, sondern langweilig. Und die DVD ist wie angetönt eh Schrott. You frank teachings, George!!

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Japanisch mono mit "englischen" Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Regie: -

Actionfilm

Action * *

Erotik *

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S k y   H i g h

Reviewed 3.6.04

Japan 2003 Mina (Yumiko Shaku) und der Polizist Kanzaki (Shosuke Tanihara, Fudoh) wollen heiraten. Doch in der Kirche torkelt Mina plötzlich blutverschmiert auf ihren Fast-Gatten zu und kollabiert. Jemand hat ihr das noch schlagende Herz herausoperiert! Während Kanzaki nach dem Täter sucht, landet Mina vor dem "Tor des Hasses", wo alle Opfer von Mord und Unfällen hinkommen. Die Torwächterin Izuko (Eihi Shiina, Audition) stellt Mina vor die Wahl: 1) den Tod akzeptieren, ins Paradies gehen und wiedergeboren werden. 2) auf die Erde zurückkehren und für alle Zeiten als Geist spuken. Oder 3) eine Person zum Tode verfluchen und dafür in die Hölle kommen. Mina tendiert zum dritten und will wissen, wer sie ermordet hat. Es war der Genforscher Tatsuya Kudo (Takao Osawa, Aragami) mit seiner Kampfnixe und Sekretärin Rei. Die beiden sammeln Herzen. Wofür? Und wieso wollten sie das von Mina? Während sie sich Gedanken darüber macht, kommt Kanzaki den Tätern auf die Spur und will Rache. Doch falls er sie tötet, kommt er in die Hölle. Wie kann Mina ihren Geliebten schützen?
Ryuhei Kitamura (Versus) ist ein fleissiger Filmemacher. Man könnte also annehmen, seine Werke würden zusehends schlampiger. Nix da: Seine jüngsten Filme Azumi und "Sky High" sind seine bisher besten. "Sky High" ist ein Kino-Prequel zur erfolgreichen japanischen Nacht-TV-Serie mit gleichem Namen. Die wiederum basiert auf einem Manga von Tsutomu Takahashi, von dem Kitamura bereits den mässigen Alive adaptiert hat. Diese Comic-Wurzeln sieht man dem Film an - in den coolen Shots vor den Schwertkämpfen, in den Fantasy-Elementen, in der unterkühlten Set-Landschaft des Jenseits. Der Look von "Sky High" ist denn auch über fast alle Zweifel erhaben.
Und nicht nur der! Die Story ist auch nicht übel. Das Gemisch aus Fantasy, Drama und Action geht auf und bietet so viel auf einmal, dass man ein paar Durchhänger ohne zu meckern akzeptiert. Die Akteure spielen auch voll mit. Sie nehmen den Plot ernst, was wichtig ist, damit die Emotionen nicht zur Parodie verkommen. Natürlich müssen die Charaktere primär cool sein, doch sie sind nie ganz leer. So ist zum Beispiel niemand nur böse. Selbst die eigentlichen Fieslinge sind in Motivation oder Aktion mindestens am Ende durchaus sympathisch. Doch bevor sich der Film derart "versöhnlich" geben kann, darf er deftig sein. Zum einen bei der Gewalt. Die eigentlichen Splatter-Szenen sieht man nicht, aber die Resultate sind sehr blutig. Kein Wunder, wenn ein Leitthema herausgerissene Herzen sind. Der Anblick einer "entherzten" Frau im Hochzeitskleid ist besonders bedeutungsschwanger.
Kitamura weiss eben, was sich gut macht auf der Leinwand - und dazu gehören auch Girls mit Waffen. Vorzugsweise Schwerter in diesem Film. Schon in
Azumi funktionierte dieses Konzept brillant und diesmal meinte er im Interview schwerzhaft, habe er nur attraktive Frauen gecastet - kann man nachvollziehen. Es ist schwer zu sagen, welche sich mit Schwert am besten macht. Mina sieht sicher gut aus - nicht zuletzt, weil Darstellerin Yumiko Shaku bereits in Princess Blade die Klinge schwingen durfte. Rei ist tödlich sexy mit dem Metall, Wärterin Izuko macht sich auch nicht schlecht und die spirituelle Tussi in ihrem weissen Gewand (sorry, hab den Namen vergessen) sieht ganz delikat aus. Sie hat ein sehr interessantes Gesicht, ein geiles Kleid und eben eine schnelle Klinge. Die ideale Kombination. Keine Frage: "Sky High" bietet etwas fürs Auge. Mit zwei Stunden ist der Streifen auch relativ kurz geraten, weshalb es nur wenige Atempausen gibt. Kitamura-Fans sollten sich diesen Streifen jedenfalls nicht etgehen lassen ...

Hier auf DVD erhältlich (J)
Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Meine Disk (J): Code 2 NTSC. Japanisch DTS & 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Sky High: The Movie
Regie: Ryuhei Kitamura

Fantasy-
Actiondrama

Action * *

Spannung * *

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T h e   S u i c i d e   M a n u a l   ~   J i s a t s u   m a n y u a r u

Reviewed 1.4.06

Japan 2003 Der TV-Boss Yashiro (Hideo Sakaki) erfährt von einem Massensuizid mit Kohlenmonoxid in einem Hochhaus. Er setzt den einzelgängerischen, verschuldeten und freudlosen Reporter Yuu Tachubana (Kenji Mizuhashi) auf den Fall an.  Yuu und seine Assistentin Rie (Chisato Morishita) stossen bei den Recherchen auf Nanami (Ayaka Maeda), die auch an dem Selbstmord-Ritual hätte teilnehmen sollen, aber einen Rückzieher gemacht hat. Sie klärt Yuu über Selbstmord-Foren auf und über Suizid-Guru Rikki (Yuko Nakamura). Die mysteriöse Frau hatte allen Interessenten schwarze DVDs verteilt, welche Anleitungen und Tipps geben, sich effizient und in verschieden brutaler Weise das Leben zu nehmen. Bei weiteren Recherchen gerät der schüchterne Yuu immer mehr in den Bann des Selbstmords.
"Suicide Manual" ist inspiriert vom
Nonfiction-Buch "The Complete Manual of Suicide" von Wataru Tsurumui, das 1993 erschienen ist und sich über 1,3 Mio. Mal verkaufte. Kritiker schoben ihm eine Mitschuld am Trend der Teenager-Suizide zu, der Japan in den letzten Jahren immer mehr heimsuchte. Tatsächlich nahmen Suizide an den im Buch beschriebenen Orten und auf die beschriebene Art zu, während der Autor jegliche Zensur ablehnt, da er die Meinung vertritt, Menschen hätten "das Recht, sich das Leben zu nehmen". Die Gründe für den Anstieg der Teen-Suizide sind aber vielseitiger: schwindendes soziales Umfeld, erkaltete und kontaktfeindliche Gesellschaft, Leistungsdruck, Teen-Arbeitslosigkeit, Glorifizierung von Selbstmord und eine andere historische Entwicklung abseits der christlichen Einstellung zur Selbsttötung: Das Ritual ist in Japan nicht religiös vorbelastet, weshalb etwa ein Samurai, der Seppuku (Harakiri) begeht, nicht auf direktem Weg in die Hölle wandert.
All das wären Aspekte, die man bei einem Film über Teenager-Suizid unbedingt verarbeiten müsste. "The Suicide Manual" greift indes nichts davon richtig auf, sondern verlegt die "10 Arten, sich das Leben zu nehmen" aus dem Buch ins Medienzeitalter und macht daraus eine schwarze DVD. In Ring-Manier verbreitet sich das Teil unter der Jugend. Doch das Video, das die Todesarten illustriert, ist sterbenslangweilig und wer es anschaut, wird auch nicht wirklich beeinflusst - jedenfalls wäre das schwer zu glauben, bei diesem albernen Filmchen. Obwohl Ring deutlich Vorbild war, fehlt der seuchenartige Aspekt der unaufhaltsamen Weiterverbreitung.
Und es fehlt noch viel mehr: Spannung - kaum vorhanden, da Regisseur Osamu Fukutani ("The Locker") seine wirre Geschichte amateurhaft erzählt. Stil - der Low-Budget-Streifen sieht billig aus. Kontroverse - bis auf die Darstellung der Todesarten gibts hier nichts zu sehen, was annähernd schocken würde. Einsicht - "Suicide Manual" taugt kein Bisschen als Dokumentation des verstörenden Trends. Viel zu belang- und mutlos gehen die Macher an die Sache heran und verwässern sie, indem sie den Film auf satten vier Ebenen spielen lassen.
Da ist die soziale Ebene. Das Leid der Teenager, welches nie gezeigt wird, sondern ständig auf das von anderen fertig gemacht Werden reduziert wird, führt zum Anstieg der Suizidrate. Wie kann man das stoppen? Die Frage steht im Raum, Antwort gibts keine. Und Fukutani scheint selbst am Phänomen selbst nicht interessiert zu sein. Dann ist die Mystery-Ebene da, eben im Stile von Ring, mit der mysteriösen DVD und ihrem dubiosen Ursprung. Keine Lösung, kein Weiterverfolgen. Die Handlung endet im Nichts. Dazu kommt plötzlich ein Serienkiller-Aspekt, als zwei Girls im Auto gemeuchelt werden und der Film scheinbar in ein neues Licht rückt.
Und
zuallerletzt versucht sich "The Suicide Manual" als Geisterfilm um Suizidgeister, die die Menschen verfolgen. Dieses völlige Gemisch von Ebenen, von denen keine nur halbwegs auf ein befriedigendes Ziel zugeht, frustriert ziemlich schnell. Spätestens nach dem albernen "Twist", der die Bezeichnung kaum verdient, sowie dem enttäuschend losgelösten Depro-Ende ist der Film auf unterstes Möchtegern-Exploitation-Niveau abgefallen, das weder als Drama, noch als Thriller oder Horrorfilm funktioniert: Eine riesengrosse Enttäuschung. Trotzdem gabs eine Fortsetzung noch im selben Jahr: Suicide Manual 2: Intermediate Level - und damit niemand denken würde, Fukutani wolle mit dem finsteren Thema Geld machen, stellt er eine Warnung vor seine Filme, dass diese nicht gedacht seien, Suizid zu glorifizieren, sondern davor zu warnen. Öhm. Ja? Dann hab ich die Warnung wohl übersehen. Am ehesten macht er mit Suizid etwas anderes: banalisieren.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (GB): Code 2 PAL. Japanisch 2.0 mit englischen Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph)
Alternative Titel: Jisatsu manyuaru; The Manual
Regie: Osamu Fukutani

Mystery-
Thriller

Spannung *

Action *

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T h e   S u i c i d e   M a n u a l   2 :   I n t e r m e d i a t e   L e v e l   ~   J i s a t s u   m a n y u a r u   2 :   c h u u k y u u - h e n

Reviewed 1.4.06

Japan 2003 Die schwarze DVD, welche für junge Leute Wege aufzeigt, wie sie sich das Leben nehmen können, sorgt weiterhin für einen Anstieg der Teen-Suizide. Als eine Tote aus dem Fluss gezogen wird, kommt auch der Gerichtsmediziner Yosuke Tatsumi (Yoichiro Saito) in Kontakt mit dem Kult um die mysteriöse Rikki (Yuko Najamura). Das beunruhigt ihn doppelt, denn vor Jahren hatte er als Polizist Migumi (Nozomi Ando) vor einem Suizid gerettet. Nun lebt sie bei ihm, ist aber noch immer selbstmordgefährdet. Er geht der Sache nach und gelangt an ein Anti-Suizid-Institut namens "Samara".
Die Fortsetzung von Suicide Manual leidet an denselben Problemen wie der Vorgänger: fade Inszenierung, belanglose Umsetzung des kontroversen Themas, zu verworrene Erzählweise, aufgesetzter Schluss. Das Regiedebüt von Yuuichi Onuma, der 2005 "The Last Supper" seines Vorgängerregisseurs Osamu Fuktuanti produzierte, ist jedoch minimal besser als Teil eins. Wohl auch, da er nicht auf gar so viele Ebenen setzt, dafür aber auf mehrere Handlungsstränge. Von einem gelungenen Film kann man dennoch kaum reden, er ist lediglich die etwas kleinere Enttäuschung als das Original.
Was besonders verärgert: Der Film wirkt losgelöst vom Leid der Teenager. Nie wird kaum darauf eingegangen, was die Jugendlichen zu ihrer schrecklichen Tat führt und wieso sie solch leichte Beute für Rikki sind. So verkommt der Selbstmord, das zentrale, beunruhigende Thema der Reihe, zu einem simplen Gimmick und verliert einen Grossteil seiner Kraft - auch in Teil zwei, das sich immerhin ein wenig mehr für die Opfer interessiert, als der Vorgänger. Das "Suicide Manual"-Doppelpack kann man sich deswegen aber auf jeden Fall getrost sparen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (GB): Code 2 PAL. Japanisch 2.0 mit englischen Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph)
Alternative Titel: Jisatsu manyuaru 2: chuukyuu-hen; Suicide Manual II: Intermediate Stage
Regie: Yuuichi Onuma

Mystery-
Thriller

Spannung *

Action *

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T a l e s   o f   T e r r o r   1   ~   K a i d a n   S h i n - m i m i b u k u r o

Reviewed 10.9.05

Japan 2003 "Tales of Terror" ist eine TV-Serie des japanischen Senders BS-i, für welche die Autoren Hirokatsu Kihara und Ichiro Nakayama durch Japan reisten und die 100 unheimlichsten Gruselgeschichten sammelten. Die Serie startete 2003 mit den acht Episoden, die auf der HK-DVD "Tales of Terror 1" zu finden sind. Die erste Staffel aus 20 Episoden ist als US-DVD unter dem Titel "Tales of Terror From Tokyo 1" erhältlich. Die weiteren Staffeln folgen. Im Jahr 2004 wurden die 15 besten Episoden der Serie als Kinofilm ausgekoppelt, der unter dem Namen "Tales of Terror" läuft. Meine Kritik bezieht sich auf die ersten acht Episoden, also auf die HK-Disk.

1) Elevator von Takashi Shimizu: Junge Frau wartet auf einen mysteriösen Aufzug. Mit  Uchiyama Rina
2) The School Excursion von Ryuta Miyake: Begegnung mit einem Geist auf der Toilette
3) Kengo Nishioka von Norio Tsuruta (Ring 0): Geist besucht Frau in ihrer Wohnung. Mit Okunuki Kaoru
4) The Visitor von Keisuke Toyoshima: Eine unheimliche Tante steht vor der Tür
5) Covering the 100 Tales von Inchiro Nakayama: Sitzung mit Toten
6) Cassette Tape von Schauspieler Shiro Sano: Geist in einem Kassettengerät. Mit Oomori Nao
7) Spilt Water von Norio Tsuruta: Mutter und Tochter kaufen eine Melone
8) The Backward Suit von Ryuta Miyake: Ein Vater sucht die Aufmerksamkeit seiner Tochter

Diese acht 5-minütigen Filmchen sind ein weiterer Schritt in Richtung völliger Demystifizierung des J-Horrors. 40 Minuten lang bekommt man kurze Episödchen nach dem immergleichen Muster vorgesetzt, die weder spannend noch unheimlich noch sonst emotional involvierend sind. J-Horror light, sozusagen, der den Zuschauern vorführt, dass es auch in diesem Sub-Genre auf die Bildung von Atmosphäre und das Erzählen einer Story ankommt. Das kann man in fünf Minuten, schafft hier jedoch keiner der Regisseur - auch nicht grosse Namen wie Takashi Shimizu und Norio Tsuruta.
Die Beiträge zu "Tales of Terror" sind Wegwerf-Filmchen, die man am TV schnell konsumiert und wieder vergisst. Die ganze Serie werde ich mir demnach sparen. Einzig den Kinofilm, der ja die "besten Episoden" zusammenfasst, dürfte ich mir antun - da interessanterweise keine der ersten acht Episoden dort dabei ist. Welche dieser ersten acht ist die beste? "The Visitor" war der unheimlichste (wenn ich dieses Wort im Zusammenhang mit den lahmen Geschichtchen überhaupt brauchen darf), "The Backward Suit" ist der einzige mit einer Spur Humor und "Spilt Water" hat den Ansatz von Emotionen. Alle anderen kann man getrost vergessen.
Hier auf DVD erhältlich (HK)
Hier auf DVD erhältlich (US)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Kantonesisch 5.1/2.0 und Japanisch DTS/5.1./2.0
Mit englischen Untertiteln. Vollbild
Alternative Titel: Kaidan Shin-mimibukuro; Ghost Story of Shin-mimibukuro; Tales of Terror From Tokyo

Regie: siehe Beschreibung

Horror-
Episodenfilm

Spannung *

Humor *

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T a m a l a   2 0 1 0 :   A   P u n k   C a t   i n   S p a c e

Japan 2003 Ausführliche Kritik: hier.

 

T o k y o   G o d f a t h e r s

Reviewed 27.6.04

Japan 2003 Kurz vor Weihnachten in Tokyo: der Säufer Gin, die junge Ausreisserin Miyuki und der Transvestit Hana, drei befreundete Obdachlose, finden im Müll ein Baby. Hana adoptiert es sofort, doch die anderen setzen durch, dass sie die Eltern des Mädchens finden. Anhaltspunkte finden sie im beiliegenden Material - darunter Fotos und Schlüssel. Auf ihrer Odyssee durch die kalte Stadt decken sie langsam die Geheimnisse des Babys auf und offenbaren einander auch die privaten Probleme ...
Manga-Meister Satoshi Kon drehte 1999 seinen ersten Anime, Perfect Blue, der inspiriert war von Hitchock und von den Gialli. 2001 überraschte er die Anime-Gemeinde mit einem Meta-Zeichentrickfilm namens Millenium Actress, der sich am ehesten bei David Lynch orientierte - bloss ein viel grösseres Herz besitzt. Und genau da setzt Kon bei seinem neuen Film an. "Tokyo Godfathers" ist eine Komödie mit grossem Herz und sozialem Gewissen. Die Handlung ist nicht gerade neu, Vorbilder sind etwa der Schweizer Klassiker Hinter den sieben Gleisen oder mehr noch John Fords "Three Godfathers" (1948). Inhatlich ist der Film jedoch stark von Frank Capra inspiriert. Weihnachten zieht sich denn auch wie ein roter Faden durch den Film: Er spielt zu Weihnachten, das Baby und die drei "heiligen Könige" erinnern ans Krippenspiel, das Kleine mutiert in Träumen zum Engel und etliche Zahlen im Film werden als 12-25 ausgegeben (Taxi-Gebühr, Schliessfachnummer, Nummernschild, Inserat in der Zeitung). Kon sucht den Geist von Weihnachten. Das Magische, das Schöne - und das sucht er dort, wo es scheinbar nicht zu finden ist. Unter den Obdachlosen, im Ghetto oder bei den sozial Benachteiligten.
"Tokyo Godfathers" ist Kons bisher schwächster Film, aber er ist bei weitem nicht schlecht. Sein Realismus limitiert aber die Magie und reduziert sie zu Zufällen. Das hat zwar seinen Reiz, doch das Surreale und die Transzendenz der früheren Kon-Filme sucht man vergebens. Vielmehr ist "Tokyo Godfather" einer fürs Gemut: niedliche Figuren, skurriler Witz, charmante Story und weihnachtliches Feeling - all dies jedoch vor recht düsterem Hintergrund. Insofern ist die Liste von Inspirationen eigentlich länger und geht zurück bis Charlie Chaplin. Wenn der Film zum Schluss mit einer Funk-Fassung der "Ode an die Freude" endet, ist klar, dass Kon diesmal einen Aufsteller gedreht hat. Und einen sehr unterhaltsamen noch dazu.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Japanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Regie: Satoshi Kon, Shogo Furuya

Anime

Humor * *

Action * *

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W h e n   t h e   L a s t   S w o r d   I s   D r a w n   ~    M i b u   g i s h i   d e n

Reviewed 16.2.04

Japan 2003 1899 besucht der alte Hajime Saito (Koichi Sato) mit seinem Enkel einen Arzt. Er trifft auf Dr. Chiako Ono (Takehiro Murata), der mit seiner Frau eine Praxis betreibt und davor steht, in die Mandschurei zu ziehen. Hajime fällt in dem Zügel-Durcheinander ein Bild auf. Es zeigt Kanichiro Yoshimura (Kiichi Nakai). Unabhängig voneinander beginnen sich Ono und Saito an den Mann zu erinnern. Er verliess einst seinen Clan und trat den "Wölfen von Mibu" bei, den 1863 gegründeten Shinsengumi. Diese Gruppe herrenloser Samurai war bedingungslos dem Tokugawa-Shogun verpflichtet, fühlte sich aber ebenso dem Kaiser ergeben. Als der Konflikt zwischen Kaiser und Shogunat prekärer wird, geraten auch die Samurai und mit ihnen Kanichiro, Saito und Onos Vater Jiroemon (Yuji Miyake) in den Strudel der Ereignisse.
Yojiro Takita, Regisseur des Kassenschlagers Onmyoji, knüpft mit seiner Adaption des Romans von Yojiro Takita an den Vorjahresknüller Twilight Samurai an. Nicht inhaltlich oder stilistisch, sondern geistig. Die beiden Meisterwerke zeigen, dass der Chambara-Film noch lage nicht ausgestorben ist, nein, dass er jetzt sogar einige seiner schönsten Blüten zeigt. Ich persönlich ziehe Twilight Samurai "When the Last Sword is Drawn" vor, doch die Differenz ist marginal. Takitas Epos ist definitiv ambitionierter. Die Handlung beginnt im Jahr 1899, springt danach in die 60er und 70er des neunzehnten Jahrhunderts, wechselt die Perspektive und die Chronologie spielend. Ich hatte damit am Anfang etwas Mühe, doch sobald man Kanichiro Yoshimura als zentralen Protagonisten ausgemacht hat und die Story langsam in den Griff bekommt, saugt sie einen bedingungslos in die Geschehnisse. Wieso hat Kanichiro den Clan verlassen? Was ist mit ihm geschehen? Wieso sagt Saito, er sei sein Feind gewesen? All diese Fragen werden schlüssig beantwortet. Und unerwartet bewegend. Der Film ist nämlich akribisch recherchiert und bietet detailgetreue Einblicke in die letzte Phase der Samurais, doch es ist letztendlich eine sehr intime Geschichte und damit wiederum Twilight Samurai nicht unähnlich. Die Konstellation der Figuren verdichtet sich zum Schluss zu einem Gebilde, in dem es keine Worte mehr braucht. Nur noch Blicke. Und die Emotionen übermannen die Charaktere genauso wie die Zuschauer.
Zentral ist dabei, dass man Kanichiro zu mögen lernt. Am Anfang kann man ihn nicht richtig einschätzen, doch je mehr man über ihn weiss, desto liebenswerter wird er. Er ist bedingungslos pflichtbewusst, stellt das Wohl der anderen vor sein eigenes, liebt seine Familie von ganzem Herzen und ist stets würdevoll. Oder wie Saito nicht ohne Neid sagt "he was a true Samurai". Das ist wohl auch der Grund für seine scheinbare Abneigung. Er, der ehrenvolle Adelige, ist im Innern dem von seinem Clan geflüchteten und damit entehrten Kanichiro in allen Belangen unterlegen. Und in einer so auf Ehre und Selbstwertgefühl bedachten Gesellschaft wie jener der Samurai ist das ausgesprochen kränkend.
Doch keine Angst, "When the Last Sword Is Drawn" ist nicht bloss Gefühlsduselei und Charakterentwicklung. Es ist auch ein fulminant gefilmtes Epos, das zwar keine Massenszenen aufweist, aber dank eleganter Kameraführung und orchestraler Musik von Joe Hisaishi ("Princess Mononoke") epische Proportionen entfaltet. Auch die verschachtelte, über mehrere Jahrzenhnte und Generationen spannende Geschichte, steigert das epische Gefühl. So ist Takitas Werk zum Schluss hin ein eindrucksvolles Kinoerlebenis und eine emotionale Achterbahn. Dass aus einem am Anfang kühl scheinenden Streifen ein solches Power-Stück wird, hätte ich beim besten Willen nicht erwartet. Unbedingt sehenswert und besonders Leuten zu empfehlen, die The Last Samurai gesehen haben. "When the Last Sword Is Drawn" braucht keinen Cruise-Charakter, um westliche Zuschauer abzuholen. Er konzentriert sich ganz alleine auf die japanische Seite und ist nicht nur deshalb schwerer zugänglich - aber fast noch reizvoller, weil realistischer und tiefgründiger. Eine wichtige Parallele zwischen den beiden Filmen ist auch der Kampf Schwert gegen Maschinengewehr. In The Last Samurai bildet er das wuchtige Finale, in "When the Sword Is Drawn" ist er ein stilles Symbol. Jenes für das Ende der Samurai.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Japanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Mibu gishi den
Regie: Yojiro Takita

Historien-
drama

Action * *

Gefühl * *

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Y e l l o w   D r a g o n

Reviewed 21.9.03

Japan 2003 Der skrupellose Nagase (Tadashi Sato) stellt einem Gangstersyndikat eine Droge namens "Yellow Dragon" vor, die Menschen zu Kampfmaschinen macht. Doch die Droge eliminiert im Körper nach und nach die roten Blutkörperchen, weshalb man bald nach der Einnahme stirbt. Damit die Droge also überhaupt eingesetzt werden kann, muss ein Serum her - und das hat nur ein Mädchen: Jun Nagara (Maki Miyamoto). Bevor die Ganoven an sie herankommen, entführt Gouzaboru Azuma (Yasuki Kurata) sie in Peking. Er erklärt, er wolle sie schützen. Er sei ein alter Freund ihres Vaters, der "Yellow Dragon" in Vietnam entwickelt hat. Erst als Juns Stiefeltern getötet werden, glaubt sie Gou und schliesst sich ihm und seinem Assistenten Akira (Shoei) an.
"Yellow Dragon" sieht gut aus, er hat sogar ein paar gelungene Kampfsequenzen von Choreograf Philip Kwok. Aber als Film ist er eine herbe Enttäuschung: Zu langweilig, zu wirr, zu inhaltslos. Es passiert nichts, was einen in irgendeiner Form involvieren würde. Das liegt an den blassen Figuren, die untereinander nie richtig harmonieren wollen, das liegt an der faden Geschichte, die so konfus erzählt ist, dass man am Anfang kaum zuordnen kann, welche Fraktion nun was genau will und was genau tut. Letztendlich erzählt Regisseur Tsumotu Kashima den Plot auch noch derart steif, dass sehr schnell Langweile aufkommt und bis zum Schluss nicht verschwindet.
Am besten sind neben den Fights die schönen Aufnahmen von China. Viele Aussenaufnahmen wurden im Land der Mitte gedreht, und um dies auch noch zu beweisen, sind alle wichtigen Orte auch gleich angeschrieben - Verbotene Stadt oder Grosse Mauer zum Beispiel. Doch diese attraktive Locations machen die Mängel dieser aufgepumpten B-Produktion nicht wett. Ich wurde das Gefühl nicht los, es hätte mehr dringelegen. Mehr Emotionen, mehr Interaktion der Charaktere, mehr Brutalität in der Action - immerhin macht die Droge die Fighter ja zu Kampfmaschinen. Aber Kashima vermasselt all dies und legt einen glatt polierten, uninspirierten und spannungsfreien Actioner vor, den man getrost auslassen kann.

Hier auf DVD erhältlich (ohne Untertitel)
Regie: Tsutomu Kashima

Actionfilm

Action * * *

Gewalt *
.

 

Z a t o i c h i

Reviewed 15.12.03

Japan 2003 Der blinde Schwertmeister Zatoichi ("Beat" Takeshi Kitano) kommt als Masseur in ein kleines Dorf, in dem zwei Gangsterclans regieren. Er ist nicht der einzige, der für Unruhe sorgt: Der Ronin Gennosuke Hatori (Tadanobu Asano) und seine kranke Frau O-Shino (Yui Natsukawa) kommen ebenfalls ins Dorf. Und auch zwei vermeintliche Schwestern machen ihre Aufwartung. Während die "Schwestern" nach Rache dürsten, heuert Gennosuke als Leibwächter von Ginzo an, damit er Geld für die Heilung seiner Frau verdienen kann. Zatoichi wird in den bald ausbrechenden Strudel der Gewalt unweigerlich hineingezogen.
Takeshi Kitano hat sich aufgerappelt: Nach dem selbstbeweihräuchernden "Brother" (2000) und dem Valium-Ersatz Dolls (2002) hat der japanische Meisterregisseur zurück zu seinen Wurzeln gefunden. Das mag erstaunen, ist "Zatoichi" doch sein erster Historienfilm. Doch der TV-Komiker präsentiert mit "Zatoichi" nicht nur seinen witzigsten Film überhaupt, sondern auch seinen bisher blutigsten. Damit vereint er zwei seiner Markenzeichen - bloss eines fehlt: Der Stil. "Zatoichi" basiert auf dem japanischen Kult-Charakter Zatoichi, der 1962 mit Zatôichi monogatari das Licht der Leinwand erblickte und danach Star etlicher Kinofilme und TV-Serien war. Geprägt hat die Rolle Shintaro Katsu (1931-1997), der 1989 auch den bisher letzten "Zatoichi"-Film inszenierte. Nun also über 10 Jahre später wagte sich Kitano an den Stoff und wollte vom bekannten Zatoichi so weit weg wie möglich. Visuell heisst das: blond gefärbte Haare, roter Stock, poppige Musik, visuelle Effekte. Charakteristisch machte Kitano, der das Drehbuch selber schrieb und Zatoichi damit komplett überarbeiten konnte, den Kult-Helden zu einer passiveren Figur im Hintergrund. Doch wenn er loslegt, legt er los. Das Blut spritzt literweise, Glieder werden abgetrennt, Körper aufgeschlitzt.
Damit komme ich aber auch gleich zu einem grossen Problem des Films: Das Blut ist CGI-Blut, die Messer oftmals auch aus dem Computer. Kitano argumentiert, er wollte seinem Film Küstlichkeit verleihen (unterstrichen auch durch die Haarfarbe, die Musik, den skurrilen Humor und die Stepnummer, auf die ich noch eingehe)  - doch das ändert nichts daran, dass falsch aussehendes Blut einen aus der Handlung reisst. Wenn schon blutig, wieso nicht à la Kill Bill? Wieso nicht auf physische Effekte setzen? "Zatoichi" wäre gleich einen halben Stern besser. Zudem verleiht es dem Film einen trashigen Look. Der wird noch verstärkt durch ein Framing, das nicht an Kitanos beste Filme heranreicht. Die Bilder sehen schlicht gewöhnlich aus. Klar muss es kein laufender Bilderbogen sein wie Dolls, aber vom Hyper-Stilisten Kitano erwartet man etwas mehr Gusto beim Erschaffen der Shots und der Ästhetik. Das soll nicht heissen, dass es keine grossartig aussehenden Szenen hat. Das Intro mit dem riesigen Titel ist gleich brillant, der Fight im Regen (eine Hommage an "Seven Samurai") mit anschliessenden Wegzoomen und Aufdecken der blutenden Körper, Gennosukes Kampf gegen die Angreiffer und so weiter - alles extrem starke Sequenzen. Leider zieht sich diese Qualität nicht durch den kompletten Film.
Regie: Takeshi Kitano

Historien-
Actionkomödie

Gewalt * * *

Humor * *
Stil also okay, Blut sehr üppig aber künstlich - und die Akteure? Der Humor? Die Spannung? Beginne ich hinten: Der Film ist nicht spannend. Sogar im Mittelteil echt langweilig. Darüber tröstet eben der Humor hinweg. Kitano lässt seinem skurrilen Witz freien Lauf und zeigt ihn in einigen Kampfszenen, aber auch wenn die Bauern auf dem Feld zu tanzen beginnen - eine Verarschung japanischer Happy Ends in den 50ern. Das Happy End von "Zatoichi" selbst ist grandios. In geradezu Bollywood'scher Dimension wird ein Step-und-Tanz-Finale zelebriert, unterlegt von poppig moderner Musik. Surreal, wirklich. Doch passt damit ideal zum offbeat-Ton des Films selbst.
Um langsam zum Schluss zu kommen, sollte ich mich noch den Akteuren widmen. Kitano ist toll, der Job, blind zu spielen und Regie zu führen, muss hart gewesen sein. Sein duckmäuserischer Zatoichi, der bei Gefahr regelrecht explodiert, ist cool. Fast noch cooler ist Tadanobu Asano, der Mafia-Psycho aus Ichi und Kitano-Partner aus Taboo (1999). Er hat Charisma, sieht toll aus und kämpft wie ein Ass. Er wird oft als Mischung aus Johnny Depp und Toshiro Mifune bezeichnet - hier bringt er das voll zum Ausdruck! Yui Natsukawa (Onmyoji) als Gennosukes Frau hat eine tragische, aber leider zu kleine Rolle. Alle anderen sind ebenfalls überzeugend. Zusammengefasst ist "Zatoichi" ein höchst solider, sehr unterhaltsamer Samurai-Film mit Blutfontänen, Lachsalven und einigen coolen Shots. Doch der Film reicht niemals an Kitanos Meisterwerke wie "Sonatine" oder "Hana-bi" heran. Es gibt so viele Mängel in dem Film, die kann man gar nicht aufzählen - aber was "Zatoichi" wirklich so gut macht, ist, dass man sieht, wieviel Spass er Kitano machte. Das steckt an. "Zatoichi" ist beinahe ein Feelgood-Film und gerade deshalb den Waschlappen "Brother" und Dolls so masslos überlegen. Als nächstes plant Kitano einen Film mit Enfant Terrible Takashi Miike. Das hört sich auch nach Fun an.
Hier auf DVD erhältlich (US)
Ich habe den Film im Kino gesehen.

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