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A l l   A b o u t   L i l y   C h o u - C h o u

Japan 2001 Ausführliche Kritik: hier.

 

A l l   A b o u t   O u r   H o u s e

Japan 2001 Ausführliche Kritik: hier.

 

A n   A d o l e s c e n t   ~   S h ô j o

Reviewed 6.10.05

Japan 2001 Tomokawa (Eiji Okuda) ist ein mieser Polizist. Er sammelt Hündchen ein, damit er bei deren Rückgabe Gratis-Sex von Hausfrauen bekommt. Er fährt mit seinem Fahrrad durch die Stadt ohne gross in Polizeiarbeit involviert zu sein. Bei einer seiner vielen Pausen setzt sich die Schülerin Yoko (Mayu Ozawa) vor ihn und bietet ihm Sex an. Tomokawa hält sie für eine 17-Jährige und bezahlt sie - doch da es nicht zum Sex kommt, gibt sie das Geld zurück. Die nächsten Tage sucht Tomokawa verzweifelt nach ihr und entdeckt sie letztendlich im Haus des Mannes, der ihn vor vielen Jahren einen Vogel auf den Rücken tätowiert hat: dem alten Shozo (Hideo Murota). Yoko ist seine Enkelin. Und sie ist erst 15. Tomokawa lässt sich nicht abhalten und geht eine Liaison mit dem minderjährigen Mädchen ein. Das passt weder deren behindertem Bruder Sikemasa (Akira Shoji) noch ihrer Mutter Yukie (Mari Natsuki).
Dieser "Lolita"-Verschnitt markiert das Regiedebüt des Charakter-Schauspielers Eiji Okuda. Er möchte offensichtlich in die Fussstapfen von Takeshi Kitano treten, bekommt aber weder einen einheitlichen Ton hin, noch Spannung, Skurrilität oder Tiefgang. "An Adolescent" plätschert vielmehr über zwei Stunden vor sich hin und liefert Okuda eine Plattform, um sich selbst zu zelebrieren. Sein Ego-Projekt benötigt die pädophile Liebesgeschichte im Zentrum lediglich, um ein wenig zu provozieren - sonst würde es nämlich gar niemandem auffallen.
Dabei steckt eigentlich Potential drin. Eine skurrile Parodie auf Japans Schulmädchen-Fixierung, das Psychogramm eines kaputten Cops, eine Groteske über eine durchgeknallte Familie, das sexuelle Erwachen einer 15-Jährigen und eine Reflektion über die Anziehung erwachsener Männer zu jungen Frauen. Doch "An Adolescent" umgeht diesbezüglich kontroversen Fragen und baut die Romanze vielmehr als engelhaft überhöhte Beziehung auf, die keinerlei Emotionen auslöst. Es ist frustrierend zu sehen, wie wenig Okuda aus all den Themen macht, die er den Zuschauern offeriert. Keines davon kommt zu einem befriedigenden Abschluss.
Stattdessen zerfällt sein Werk in alle Richtungen. Was will uns Okuda sagen? Was will er auslösen? Soll die Kindergarten-Symbolik um Vögel mit nur einem Flügel wirklich das Offensichtliche bedeuten? Wohl alles Fehlanzeige. Okuda ist darauf aus, auf der Leinwand ein paar Frauen zu vögeln und sich als Held eines skurrilen Films zu verkaufen, der allzu offensichtlich den Stempel "japanische Exzentrik" trägt. Ich bin ganz für exzentrische Werke zu haben, aber wenn Exzentrik zum Selbstzweck verkommt, wird sie peinlich. In Kombination mit einem heiklen Thema wird die Sache sogar noch gefährlich. Klar löst Okuda Denkanstösse zum Lolita-Thema aus, doch ohne den Hauch einer Idee, wo er damit hin will, verliert er die Zuschauer und erstickt schlaue Gedanken dazu.
Schauspielerisch hat Okuda auch nicht viel zu bieten. Die Newcomerin
Mayu Ozawa gibt diese neuzeitliche Lolita zwar halbwegs überzeugend, doch wirklich ausgereift ist weder ihr Spiel, noch ihre Rolle. Sie ist zu keiner Sekunde als 15-Jährige aus Fleisch und Blut glaubhaft. Ihre Motivation, sich mit Okuda zu paaren, wird nie deutlich. Und um ihre Figur noch etwas abgefuckter zu machen trieb sies auch noch mit dem Vater. Bleiben seelische Narben? Übt sie Rache am männlichen Geschlecht? Löst diese Erkenntnis irgendwas aus? Abermals Fehlanzeige. Solche Charakter-Hintergründe sind einfach da, damit sie da sind. Der Exzentrik zuliebe.
Es bleibt ein Ego-Projekt, das visuell enttäuscht und inhaltlich zwischen blamabel und banal schwankt. Dem Unsinn die Krone setzt der Schluss auf. Im Handbuch der Kunstfilmer hat Okuda gelesen, dass ein mysteriöses Ende zum Nachdenken auch nach Verlassen des Kinos anregt. Also endet alles mit einem hier nicht spezifizierten Ton, der aus dem Nichts kommt und nichts bringt. Der unterbricht im Übrigen einen französischen Chanson im Soundtrack, der Okudas Affinität zum anspruchsvollen französischen Kino unterstreichen soll. Das hat gewirkt: Sein Amateurfilmchen mit Kontroverse-Garantie gewann u.a. in Paris Preise. Aber ausser den Franzosen, die nichts sagende Erotik immer gerne sehen, springt hoffentlich niemand auf diesen Beschiss an. Da lieber Kitano. Da lieber echte Exzentrik. Da lieber echte Kontroverse.

Hier auf DVD erhältlich (US)
Meine Disk (SK): Code 0 NTSC. Japanisch 5.1./2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Shôjo; Shoujyo
Regie: Eiji Okuda

Liebesdrama

Anspruch * *

Erotik * *

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A g i t a t o r   ~   A r a b u r u   t a m a s h i i - t a c h i

Reviewed 28.5.04

Japan 2001 Tatsunobu Kaito, der "Wilde Drache" der Tensei Gruppe, will das Machtvakuum in seinem Clan ausnutzen und sich an die Spitze hieven. Dazu braucht er jedoch Unterstützung. Um diese zu bekommen, will er sich die beiden kleineren Clans Shirane und Yokomizo einverleiben. Dazu holt er zwei Vertreter des Shirane-Clans zu sich und bittet sie, einen Krieg zu starten. Sie heuern einen kleinen Gauner (Takashi Miike) an, Unruhe zu stiften. Prompt wird er von Yokomizos Männern getötet. Als der Yokomizo-Boss wenig später einem Anschlag zum Opfer fällt, ruft Kaito Yokomizo-Vertreter zu sich und zwingt sie, den Shirane-Boss zu töten. Nun können Kaitos Hampelmänner Tsuchiya und Mizashima den Yokomizo respektive Shinare-Clan übernehmen. Die Macht-Ansammlung ist perfekt. Doch der wahre Yakuza-Krieg steht ihm noch bevor: Yokumizos Gangleader Yoichi spaltet sich mit seiner Higuchi-Gang ab. Daraufhin lässt Tsuchiya ihn erschiessen. Yoichis Jugendfreund und Gang-Zögling Kenzai Kunihiko (Mickey Curtis) schwört Rache ...
"Agitator" beginnt arg langweilig und ausgesprochen konfus. Miike betrachtet den Film als sein Gegenstück zu "The Godfather" und tatsächlich sind Parallelen erkennbar. Gangsterkriege, heissblütige Jung-Gangster, Vermittlungsversuche. Doch "Agitator" hat nie den Reichtum von Coppolas Meisterwerk, weder inszenatorisch noch inhaltlich. Miikes Technik ist verhalten, geprägt von wackligen Verfolgungsjagden und statischen Innenaufnahmen. Die Personen sind nicht sonderlich einprägsam, weshalb sich dieses Durcheinander ergibt. Auch der epische Anspruch wird nicht eingelöst: Diesen Plot hätte man anstatt in 150 auch in 120 Minuten erzählen können. So ist die Handlung weniger episch, als einfach bloss langatmig. Erst in der zweiten Hälfte kommt "Agitator" in Schwung. Dann entwickelt Mickey Curtis gehörig Charisma und typische Miike-Elemente kommen dezent zum Einsatz.
Der Regisseur, der nach 13 Minuten schauspielerisch selbst in Aktion tritt und einer Frau ein Karaoke-Mikrofon in den Arsch drückt, bringt vergleichbare Momente erst gegen Schluss vermehrt aufs Tablett. So gibts grobe, eruptive und kurze Szenen von Gewalt, zynische kleine Momente, wie jene, in der ein streitender Macho im Vorbeigehen erledigt wird - und Männerrituale, wie etwa das gegenseitige Waschen des Rücken. Stilistisch liegt "Agitator" irgendwo zwischen Fukasaku und Kitano, doch deren Qualität erreicht er nie. Der Streifen ist alles andere als schlecht; er zeigt interessant die Mechanismen der Macht in den Yakuza-Clans und zieht nach 90 müden Minuten endlich an. Doch er vermag einfach zu selten zu fesseln. Wenn Spannung, Kontroverse, Humor und Gewalt weitgehend fehlen, dann gibt es wenig, was wirkliche Miike-Fans so richtig umhauen kann.

Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Meine Disk (GB): Code 0 PAL. Japanisch 5.1./DTS/2.0 mit englischen UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Outlaw Souls: The Agitator; The Agitator; Outlaw Souls: The Agitator; Araburu tamashii-tachi
Regie: Takashi Miike

Gangsterepos

Gewalt *

Spannung *

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B l i n d   B e a s t   v s    K i l l e r   D w a r f

Japan 2001 Ausführliche Kritik: hier.

 

B l u e   S p r i n g   ~   A o i   h a r u

Reviewed 19.10.03

Japan 2001 Die Asaki High School in Japan. Zum Boss unter den Schülern wird hier, wer auf dem Dach am meisten mal in die Hände klatschen kann, ohne vom Geländer zu fallen. Dies schafft ausgerechnet der bleiche Aussenseiter Kujo (stark: Ryuhei Matsuda). Er baut eine passive Herrschaft auf, den Kids bleibt letztendlich nichts anderes übrig, als ihm zu folgen. Wer nicht gehorcht, wird brutal verprügelt. Kleine Zwischenfälle wie die Ermordung eines Mitschülers durch den übergeschnappten Yukio oder das Überlaufen eines Schülers zur Mafia stören die Hierarchie nur leicht. Erst als Aoki, Kujos rechte Hand, sich von seinem Meister lossagt, zerbricht die Struktur.  
"Blue Spring" basiert auf einem Manga von Taiyo Matsumoto und hat denn auch etwas Künstliches an sich. Die strengen Schul-Uniformen, die klar gegliederte Schul-Landschaft und -Hierarchie, die nihilistische Grundstimmung. Eigentlich könnte man den Film als Teen-Grundge-Drama zusammenfassen. Das tönt zwar nicht schlecht, aber Regisseur Toshiaki Toyoda (Pornostar) verkeilt sich zu sehr im Stil seines Films. Die Charaktere können nicht atmen - sie sind Stereotypen einer rebellierenden Schülerschaft. Angenehm überrascht war ich von der subtilen Gewalt. "Blue Spring" wird schlieslich als "violent teen drama" verkauft, doch die Gewalt findet oft off-screen statt. Die beklemmendste Szene etwa ist ein Mord in der Toilette, bei dem man immer wieder das Messer (von aussen) durch die Tür gerammt sieht. Ein Junge stöhnt und Blut tropft durch die Messer-Löcher. Keine Fontänen, aber dafür ein ziemlich bedrückender Mord.
Weniger subtil aber eben leider die Story. Sie strotzt vor Teen-Pathos und Schul-Klischees. Die völlig passiven Lehrer, die versprayten Schulgänge, die lebensgefährlichen Toiletten und die provozierungs- und geltungssüchtigen Teen-Boys. Das alles kennt man. Und so gut die Akteure auch spielen, so wenig schaffen sie es, diesen Stereotypen Leben einzuhauchen. Die Freundschaft von Kujo und Aoki wird nie richtig herausgearbeitet, man baut zu niemandem Sympathie auf. Das Resultat ist eine Kälte gegenüber den Personen - und dem Film. Cool ist er schon, aber gut dann halt doch nicht.

Hier auf DVD erhältlich (US)
Alternativer Titel: Aoi haru
Regie: Toshiaki Toyoda

Teenie-Drama

Gewalt * *

Humor *

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C o n c e n t

Japan 2001 Ausführliche Kritik: hier.

 

C o w b o y   B e b o p :   T h e   M o v i e

Reviewed 27.3.04

Japan 2001 Der Mars, kurz vor Halloween 2071: Ein Fiesling lässt auf der Autobahn einen Tanklaster mit einer giftigen Substanz explodieren, die fast hundert Menschen tötet und noch viele mehr erkranken lässt. Die Regierung ist so verzweifelt, dass sie auf den Kopf des Terroristen eine Rekordsumme als Kopfgeld ausschreibt. Das Kopfgeldjäger-Team von Spike Spiegel, Jet Black und Faye Valentine beisst natürlich sofort an. Sie kommen dem Ex-Soldaten Vincent auf die Spur, der eine ganz neue Form von Bedrohung in seiner Hand hat ...
Die Anime-Serie von "Cowboy Bebop", die 1998 startete und eine grosse Fangemeinde hinter sich scharen konnte, hab ich nie gesehen - wohl, weil ich für Serien keine Zeit habe. Meine beschränkte Zeit gehört den Filmen. Sei's wie's wolle, damit kann ich auch nicht beurteilen, ob es Regisseur Shinichiro Watanabe gelungen ist, die Serie auf Kinoformat umzusetzen. Er sagt im Interview jedenfalls selbst, er habe versucht, den Fans der Serie etwas zu bieten und den Film auch eigenständig attraktiv zu machen. Und was das Letztere betrifft, kann ich mir endlich auch eine Meinung bilden: es ist im gelungen. "Cowboy Bebop" funktioniert als Film sehr gut. Er ist ausgesprochen actionreich, rasant inszeniert, voll mit coolen Figuren, düsteren Ideen und natürlich verziert mit einem blendenden Soundtrack, für den Komponistin Yoko Kanno alles von Bebop-Jazz (logo) bis US-Pop oder Klassik vermischte. Geiler Beat!
Für vier Sterne reicht es nicht ganz, da einige Szenen unmotiviert daherkommen. Die Armee etwa wird etwas gar übermütig ein- und wieder ausgeführt. Mit der Doppelbödigkeit nach (!) den Credits, die à la Avalon, "Matrix" oder "Existenz" die Frage stellt, "in welcher Welt lebst du?", fand ich etwas aufgedrückt. Aber dennoch ist "Cowboy Bebop: The Movie" für alle Anime-Fans wohl Pflichtprogramm. Und nicht nur für die, denn Regisseur Watanabe versteht das Inszenieren von Action-Sequenzen. Die Schiesserei auf der Hochbahn etwa kann den besten Hollywood-Actionstreifen spielend das Wasser reichen.

Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (US): Code 0 NTSC. Japanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.

Alternativer Titel: Cowboy Bebop: Tengoku no tobira
Regie: Shinichiro Watanabe

Anime

Action * * *

Spannung * *

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D i s t a n c e

Reviewed 31.5.04

Japan 2001 Vor drei Jahren haben Mitglieder der "Ark of Truth"-Sekte die Süsswasservorräte Japans mit einem genetisch manipulierten Virus verseucht. 128 Leute starben, über 8000 erlitten körperliche Schäden. Unter den Toten sind auch die Vergifter selbst, die sich bei jenem See verbrannten, an dem der Massenmord senen Anfang nahm. Zum traurigen Jubiläum reisen wie jedes Jahr die Angehörigen der Sektenbrüder an den See: der Florist Atsushi Mizahara (Arata), der Student Masaru Enoki (Yusuke Iseya), Makoto (Susumu Terajima) und die Lehrerin Kiyoka Yamamoto (Yui Natsukawa). Als sie zurückfahren wollen, ist ihr Auto geklaut. Sie treffen auf Sakata (Tadanobu Asano), den einizigen Überlebenden der Sekte, der erstmals an den Ort des Grauens zurückkehrte. Mit ihm übernachten sie in dem Haus, in dem die Sekte residierte.
Böse gesagt liefert "Distance" 132 Minuten Langeweile. Das Gute daran ist, dass das
noch immer noch 85 Minuten weniger sind als beim themantisch nicht unähnlichen Eureka. Der Streifen des gefeierten Regisseurs Horikazu Koreeda (After Life, Nobody Knows) befasst sich wie viele Werke des Filmemachers nämlich mit Trauer, Verlust und Verdrängung. Dies jedenfalls auf dem Papier. Zu sehen ist reichlich wenig davon. Das ist mein grösster Vorwurf an den Film: Er gibt vor, von etwas zu handeln, doch seine abgehobene Erzählweise sabotiert jeglichen Tiefgang. Es ist nicht zu sehen, wie jemand den Verlust wirklich verarbeitet oder nicht verarbeiten kann. Die Leute sind einfach da, reden ein wenig und bewegen sich charaktermässig nicht vom Fleck. Es fehlt ein wirksamer dramaturgischer Bogen in Handlung und Charakterisierung.
"Distance" ist kein schlechter Film. Er ist wunderschön gefilmt und blendend gespielt. Die Leute reden echt miteinander und man hat das Gefühl, die gegenseitige Verlegenheit sei real. Das Spielen mit den Füssen, das nervöse Rauchen, der etwas hilflose Smalltalk. Das ist ein guter Startpunkt. Doch von da aus geht Koreeda nie weiter. 132 Minuten lang bleiben wir faktisch stehen. Klar lernen wir etwas über die Toten, über den Kult und wie die Hinterbliebenen mit ihnen in Verbindung standen. Klar ist der Ansatz einer plumpen Gesellschaftskritik zu sehen (Abhängigkeit von Kommunikations- und Mobilitäts-Technik). Und klar hat es einige fantastische Szenen wie die, in der Makoto mit seiner Frau und ihrem neuen Lover im Restaurant sitzt. Das selbstgefällige Grinsen der beiden "Sekten"-Leute ist nervenzerrend und gleicht tatsächlich dieser überheblich-freudvollen Art, die viele religiös verblendete Leute ausstrahlen. Doch es gibt zu wenige dieser Momente in "Distance".
Gerade über das Leben dieser "Sekte" will man mehr wissen. War es einfach nur Aussteiger-Kommune? Wieso haben sie gemordet? War es eine echte Sekte - womit der Film Gewisse Bezüge zum Sarin-Anschlag der Aum-Shinrikyo-Sekte auf die U-Bahn von Tokyo (1995) wach ruft. Mir ist klar, was Koreeda argumentieren würde: er wollte diese Gruppe vage halten, um den Film allgemeingültiger zu machen, ein gewisses Mysterium zu bewahren und den Fokus von der Gruppe hin zu ihren Angehörigen bewegen. Alles ehrbare Motive, aber es schadet dem Film nur. So schleppt sich "Distance" voran, täuscht vor, tiefgründig zu sein, ist aber lediglich in seiner scheinbaren Nüchternheit so prätentiös. Das hört sich nach Widerspruch an, doch Koreeda legt seinen Film derart auf Subtilität, auf Sensibilität und Nüchternheit an, dass er dadurch gerade selbstgefällig wird. Die Langsamkeit als Stilmittel kann ich nur akzeptieren, wenn mehr dahinter steckt, als bei "Distance". Konzept, Akteure, Dialoge - alles toll, doch der Regisseur hat versagt. Den meisten Kritikern gefiels trotzdem.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Japanisch 5.1.und 2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Regie: Hirokazu Kore-eda

Drama

Anspruch * *

Spannung *

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E k o   E k o   A z a r a k   I V :   A w a k e n i n g

Reviewed 9.10.05

Japan 2001 Im Wald von Hachioji, einem ländlichen Vorort von Tokyo, werden tote Teenager gefunden. Die einzige Überlebende ist Misa Kuroi (Natsuki Kato), die in ein Krankenhaus eingeliefert wird. Der skrupellose Reporter Mono Mae steht vor der Option, die Geschichte als Vergewaltigung eines unschuldigen Mädchens darzustellen, oder eine sensationsgeilere Nachricht zu finden. Die bietet sich an, als ein verkrümmtes Messer gefunden wird. Nun verbreitet Mae, Misa sei eine Hexe! Im ganzen Land bricht eine Hexenpanik aus und als Misa aus ihrem Koma ohne Erinnerungen erwacht, ist sie längst vorverurteilt. Nur ihre Schulkollegin Hitomi (Mitsuho Otani) hält zu ihr.
Dem Comic-Autor
Shinichi Koga sind nach den drei Teilen von "Eko Eko Azarak" (Wizard of Darkness, Birth of the Wizard, Misa the Dark Angel) nach eigenem Bekunden langsam die Ideen ausgegangen. Umso dankbarer war er für den Ansatz von Regisseur Koskuke Suzuki, der Reihe einen Neustart zu verpassen. "Eko Eko Azarak IV" war geboren und die Frage stellt sich, ob es sich um ein Prequel handelt oder um einen kompletten Relaunch für eine neue Generation von Misas. Ich tendiere zum zweiten, denn für ein Prequel ist die Sache zu wenig auf eine Herkunfts-Story ausgerichtet. Ja der Film spielt sogar damit, Misa auf die böse Seite zu verfrachten.
Diese Neuorientierung ist leider in keiner Weise durchdacht, kappt sie den Film doch von den Vorgängern ab und bietet keinerlei Erklärungen, warum dies getan wurde. Wohl bloss, um den Film als "eine ganz neue Misa!" zu verkaufen. Der Schuss ging nach hinten los. Nicht nur in diesem Bereich: Auch der Versuch, der Geschichte mehr Tiefgang zu verleihen, misslingt. Die ersten beiden Teile waren so gut, weil sie unbekümmerten, okkulten Splatterspass lieferten. In Teil vier ist weder von Splatter noch von Spass viel übrig geblieben - ja nicht einmal von okkult. 80 Minuten lang sinniert Suzuki darüber, ob Misa nun eine Hexe sei oder nicht. Es gibt dabei ein paar witzige und subversive Seitenhiebe auf die japanische Medienlandschaft, aber das wars auch schon.
Erst in den letzten Minuten kommt es zu so etwas wie einer Zuspitzung. Das konfuse Finale findet notabene hinter geschlossenen Türen statt, also gönnt uns Suzuki nicht einmal einen richtigen Höhepunkt. Dann ist es auch schon vorbei. "Eko Eko Azarak IV" hat kein Ende, sondern bietet sich als Pilotfilm an nach dem Motto: Nun zaubert sie wieder. Aber da es nicht mehr die alte Misa ist, fehlt am Schluss des Films die Anknüpfung an Teil eins. Der Film hört einfach auf.
Es gibt ein paar wenige geglückte Momente, die meisten in Verbindung mit den dekadenten Medienleuten. Und auch kurze Blutspritzer erfreuen. Doch obwohl "Eko Eko Azarak IV" mehr Gewicht auf die dramatische Seite von Misa legt, wird die Figur keine Spur tiefgründiger. Lediglich langweiliger. Kein Splatter, kein Spass, kein Okkult. Also verzichten die Macher freiwillig auf all das, was die Serie überhaupt sehenswert gemacht hat. Ob das eine schlaue Entscheidung war, möchte ich stark bezweifeln.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (D): Code 2 PAL. Deutsch 5.1 und Japanisch 2.0 mit deutschen UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Eko eko azaraku IV; Wizard of Darkness IV; Eko Eko Azarak 4
Regie: Kosuke Suzuki

Gruseldrama

Spannung *

Humor *

.

 

E l e c t r i c   D r a g o n   8 0 . 0 0 0   V

Reviewed 30.5.04

Japan 2001 Ein Bub klettert auf einen Hochspannungsmasten und kriegt dabei einen 80.000-Volt-Stromstoss ab. Er stirbt jedoch nicht, vielmehr werden seine animalischen Instinkte geweckt. Und er steht ständig unter Strom. Er versucht, seine Energie beim Boxen abzulassen, doch das bleibt erfolglos. Erst als junger Erwachsener entdeckt er eine Elektrogitarre. Und fortan ist er "Dragoneye" Morrison (Tadanobu Asano), ein Gitarre-spielender Superheld, der mit Reptilien reden kann und sich nachts selbst ans Bett fesseln muss, damit er nicht durchdreht. Doch ein Superheld braucht einen Gegner: "Thunderbolt Buddha" (Masatoshi Nagase), ein schizophrener Kerl, der von einem 20-Millionen-Volt-Blitz getroffen wurde und seither Energie schleudern kann. Er hat es auf Dragoneye abgesehen.
Sogo Ishii (Gojoe) dreht Filme seit den 70er-Jahren. Zudem leitet er die Punkband
Mach 1.67 - das erklärt die tödliche Kombination aus Punk-Rock, Cineast und Irrwitz. Seine Einflüsse auf moderne japanische Filmemacher sind beachtlich. An seinen Frühwerken (etwa "Burst City", 1982) orientierten sich nicht zuletzt Shinja Tsukamoto und Takashi Miike. Mit "Electric Dragon 80.000 V" begibt sich Ishii zurück zu seinen Wurzeln, passt sich aber auch der Zeit an. Ich würde behaupten, Tsukamotos Tetsuo sei der bedeutend bessere Film, doch das schiesst ja eigentlich am Ziel vorbei, da ich gerade erklärt habe, ohne Ishii würde es gar kein Tetsuo geben. Aber die Parallelen sind frappant: schwarzweiss, nur eine Stunde lang, losgelöst von Logik und Handlung, Bilderexzess und ein absurder Fetisch (Metall dort, Strom hier).
"Electric Dragon 80.000 V" ist kult, da besteht gar kein Zweifel. Und Ishii ist ein wichtiger Mentor, auch das zweifle ich nicht an. Aber sein Werk ist nicht gut. Ausufernd, rasant, krank, grenzgenial, wild - das alles schon. Bloss nicht gut. Das Problem liegt nicht bei der Präsentation. Die ist genial. Von den Anfang- und Endcredits angefangen, die Ishii mit seinen Gojoe-
Stars Tadanobu Asano (Ichi the Killer, Zatoichi) und Masatoshi Nagase ("Mystery Train", Suicide Circle) entwickelt hat, über die fantastisch geframeten b/w-Bilder mit Anime-Ästhetik bis hin zu den tollen Darstellerleistungen und dem frenetischen Tempo. Nein, der Haken liegt bei der Story.
Ishii konzentriert sich derart auf seine Bilderflut und den ohrenbetäubenden Krach (sorry, Punk), dass er eine Handlung beiseite schiebt. Klar geht es um x gegen y, ein Duell, das sogar wie ein Werstling-Match vom Moderator schreiend angepriesen wird, aber das geht noch nicht als Plot durch. Man will etwas erfahren über Thunderbolt Hass auf Dragoneye, will wissen, wieso er ständig durch die Stadt fährt und Telefongespräche abhört, man will mehr über Dragoneye wissen, will sehen, wie er mit den Reptilien sprechen kann - um seinen Namen "Dragon" überhaupt zu rechtfertigen.
Ja selbst ihr grosses Aufenandertreffen ist schwach aufgebaut und bleibt ohne grosse Konsequenz. Ishii setzt einem die Bilder vor, ohne ihnen Wert zu verleihen. Er kreiert Charaktere, ohne ihnen ein Wesen zu geben. Der Film beginnt nie zu leben. Und so bleibt er unglaublich blass. Ich weiss, niemand sonst würde ausgerechnet diesen Overkill-Film als blass abtun, aber schaut man davon ab, dass danach das Trommelfell kaputt ist und das Gehirn verknotet, so hat man doch nichts gesehen, was hängen bleibt, was bewegt oder anspricht. "Electric Dragon 80.000 V" ist ein Sieg von Stil über Substanz. Und als solcher eigentlich langweilig, obwohl er nur 55 Minuten dauert. Ich kann mir vorstellen, dass sich der Streifen blendend als Background-Bildersturm bei einem Punk-Konzert macht, aber als Film taugt er wenig.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (J): Code 2 NTSC. Japanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Regie: Sogo Ishii

Musik-
Actiondrama

Action * *

Spannung *

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F a m i l y

Update: 22.7.05

Japan 2001 Iwaia von der Nishiwaki-Gruppe vergewaltigt Haruko, weil ihr Mann ihr Geld schuldet. 30 Jahre später übt ihr Sohn Takeshi Miwa (Kase Taishu ) Rache und tötet Iwaia. Dabei beobachtet ihn die zierliche Rie in Krankenschwester-Fetisch-Kleidung. Takeshi verliebt sich umgehend in sie. Doch bei der Tat wurde er gefilmt, weshalb er bald allerlei Banden am Hals hat. Nicht zuletzt seinen Bruder Takashi (Kazuya Kimura) und dessen Boss Nishiwaki (Koichi Iwaki).
"Family" ist die Light-Version von Agitator mit all dessen Nachteilen und keiner seiner Vorteile. Takashi Miike zeigt sich von seiner schwächsten Seite und schafft es weder einen kohärenten Plot zu erzählen, noch jemals echte Spannung aufkommen zu lassen. Wie Agitator verdient sich der als Zweiteiler konzipierte Streifen seine epische Lauflänge nicht: Zusammengerechnet ist er 158 Minuten lang, wovon rund 12 jedoch zu Beginn des zweiten Teils wiederholt werden. Man hätte den dürftigen Revenge-Plot, der auf dem Manga von Hisao Maki basiert, auch in 90 Minuten abhaken können.
Es gibt einfach zu wenig Miike-typische Trademarks in "Family". Gewalt bleibt zurückgestuft, Sex ebenso. Die einzige Sequenz, die beides vermischt, ist ein Kidnapping, bei dem der Entführer die Frau mit seinen Füssen malträtiert, ihr den (verpixelten) Penis entgegenstreckt und später vergewaltigt. Als Ausgleich dafür wird er während dem Sex niedergestreckt - und das Blut seines Kopfes spritzt direkt in die Kamera Das ist nicht nur eine der besseren Szenen des Films, sondern eine der wenigen, die überhaupt an Miike erinnert. Der Rest ist lustlos, spannungsfrei und im schlimmsten Fall auch völlig konfus. Wer welche Agenda hat ist letztendlich aber eh egal: zu uninteressant bleiben die Ereignisse, um sich jemals über den mühsam zusammengeschusterten Plot zu ärgern.
2001 war ansonsten eigentlich ein gutes Miike-Jahr, das uns Klassiker wie Ichi the Killer und Happiness of the Katakuris gebracht hat. "Family" kann zu keiner Sekunde mit diesen Streifen mithalten. Visuell ist er am kurz zuvor entstandenen Visitor Q angelehnt, will heissen: relativ billiger Digital-Look. Inhaltlich an etlichen Gangsterstreifen. Akkustisch gibts volle Dröhnung Heavy Metal der Band Monkey Pirates
, manchmal gut eingesetzt, oft aber bloss plakativ. Nein, das muss man nicht gesehen haben. Es ist klar, dass Miike nicht immer einen Geniestreich abliefern kann - aber langsam zeigt sich, dass er zwischen seinen Knallern auch ziemlich viel Müll produziert hat. Oder belanglose Langweiler wie "Family".

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (GB): Code 0 PAL. Japanisch 2.0 mit englischen Untertiteln. Widescreen.
Regie: Takashi Miike

Gangsterfilm

Action *

Spannung *

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G o

Reviewed 2003

Japan 2001 Der junge Nordkoreaner Sugihara (Yôsuke Kubozuka) lebt mit seiner Mutter und seinem Vater (Tsutomu Yamazaki) in Japan. Der strenge Vater, ein ehemaliger Boxchampion, der seinem Sohn schon mal als Züchtigung den Zahn ausschlägt, wechselt seine Staatsbürgerschaft auf südkoreanisch, nur damit er mal in Hawaii Ferien machen kann. Sugihara tut es ihm gleich - er, damit er die strenge nationalistische nordkoreanische Schule verlassen kann und auf eine reguläre japanische Schule wechseln darf. Dort setzt er sich mit seinen Fäusten durch und verhindert mit Gewalt, dass er nicht gehänselt wird. Er lernt die süsse, lebensfrohe Sakurai (Kou Shibasaki, Battle Royale) kennen. Sie werden ein Paar - doch Sugihara getraut sich nicht, ihr von seiner Nationalität zu erzählen.
Die rassistisch gepräte Beziehung Korea-Japan einmal als unterhaltsamer Film: Der Kritikerliebling "Go" beginnt mit frenetischen Schnitten und eindrücklichem Tempo und atmet nach der genialen Credit-Sequenz erst einmal tief durch. Wir lernen Sugiara, den Ich-Erzähler, als ebenso coolen wie stillen und schlagfertigen Typen kennen und man muss ihn einfach mögen. Schlau auch, wie Regisseur Isao Yukisada in der ersten Hälfte auf leisen Humor setzt und manchmal überraschend Gewalt einsetzt. Der Vater etwa schlägt wirklich zu, dass es weh macht (besonders in einem Kampf gegen Schluss). Mit all diesen Mitteln bereitet Yukisada den etwas strengeren, gehaltvolleren zweiten Teil vor. Doch es wird nicht gleich der Zeigefinger in die Luft gerissen: Die gewünschte Völkerverständigung findet subtil statt - für mich am eindrücklichsten in einer ganz melancholischen, intimen Szene zwischen einem jungen Polizisten und Sugihora, die zusammen auf einer Brücke sitzen. Weniger geglückt ist Sugihoras Konfrontation mit Sakurai, nachdem sie ihn fallen gelassen hat, weil er "dreckiges Blut" hat. Das geht dann doch etwas schnell. Aber weils gut gemeint ist, verzeiht man es. Fans des japanischen Kinos sollten "Go" unbedingt ansehen. Er mischt geschickt trendige Inszenierung mit völkerverständigender Botschaft, jugendlichem Charme und intelligente Präsentation zu einem (mit 122 Minuten ein bisschen zu langen) Tragikomödie, die rundum gut unterhält. Oder wie Sakurai so schön sagt: "Cool kann auch witzig sein".
Hier auf DVD erhältlich
Ich habe die koreanische Version (Code 3) auf Japanisch mit englischen Untertiteln gesehen.
Regie: Isao Yukisada

Tragikomödie

Humor * *

Melodrama * *

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T h e   H a p p i n e s s    o f   t h e   K a t a k u r i s   ~   K a t a k u r i - k e   n o    k ô f u k u

Reviewed 2002

Japan 2001 Die Mitglieder der Familie Katakuri haben ihre Jobs verloren, weshalb Papa Masao beschliesst, ihr trautes Heim in ein Gästehaus umzuwandeln. Eine Strasse soll gebaut werden, was die Gäste auch zum Ziel bringen soll. Die Strasse ist noch nicht da, die Gäste fehlen. Als der allererste Gast übernachtet, beginnt das Desaster. Der Mann mietete das Zimmer nämlich nur, um sich darin umzubringen. Um das Geschäft nicht zu ruinieren, beschliessen die Katakuris, die Leiche im Wald zu verscharren. Es wird nicht die einzige bleiben.
Dass Schock-Regisseur Takashi Miike (Audition, Visitor Q, Ichi the Killer) auch ein Herz hat, beweist "The Happiness of the Katakuris", sein Remake der schwarzen koreanischen Horrorkomödie Quiet Family. Miike lässt darin zwar viele Leute sterben, doch Blood and Gore stehen nicht im Vordergrund. Wichtiger ist ihm das Zusammenschweissen der Familie. Die Liebe siegt über alles Übel. Miike wäre jedoch nicht Miike, wenn diese Botschaft nicht wild verpackt wäre - nämlich in Form eines morbiden Musicals. Die Gesanssequenzen (die Karaoke genauso auf die Schippe nehmen wie die Musical-Klassiker von Rodgers und Hammerstein) sind schräg, die Stop-Motion-Effekte schrullig und die Gags makaber. Miike at his best, also? Nicht ganz. Der Film hat Überlänge, gewisse Szenen ziehen sich dahin und inhaltlich bleibt der Film wie eigentlich auch "Quiet Family" etwas leer. Zum Glück ist er aber weniger repetitiv, als das Vorbild. Ein Spass also allemal.
Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Ich habe die HK-Version (Code 3) auf japanisch mit englischen Untertiteln gesehen.

Alternativer Titel: Katakuri-ke no kôfuku
Regie: Takashi Miike

Horrorkomödien-
Musical

Humor * *

Gewalt *

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I c h i   t h e   K i l l e r   ~   K o r o s h i y a    1

Reviewed 2002

Japan 2001 Gangsterboss Anjo ist verschwunden. Und 100 Millionen Yen mit ihm. Anjos rechte Hand, der Masochist Kakihara (Tadanobu Asano), macht sich auf die Suche nach seinem Boss, zu dem er eine S/M-Beziehung pflegt. Dabei setzt er die brutalsten Mittel ein. bald findet er heraus, dass Anjo längst tot ist - gekillt von einem geheimnisvollen Killer namens Ichi (Nao Omori). Der hat ein Kindheitstrauma und wurde vom alten Jijii (Kultregisseur Shinya Tsukamoto, Tetsuo) manipuliert und zum sadistischen Killer mit einem tödlichen Anzug gedrillt. Kakihara brennt darauf, ihn kennenzulernen!
Oh. Mein. Gott. Gerade wenn man denkt, Japans Kultregisseur Takashi Miike könne seine Filme wie Visitor Q, Fudoh oder Audition an Gewalt nicht mehr toppen kommt "Ichi" daher: Eine Ausgeburt an Comic-haften Splatter-Szenen. Ein temporeicher Trip in das Gehirn eines perversen Visionärs. Und ob ihr die gekürzte Fassung oder die neue uncut-Fssung seht: einer der blutigsten Filme Asiens. Aber eben nicht nur das - er ist saumässig witzig und Miike-typisch surreal, schliesslich basiert das Werk auch auf einem Manga. Wer die Gewalt in dem Film rodernst nimmt, ist selber Schuld. Die Gewalt gegen Frauen ist schon eher ein Problem, da sie sich mit Ausnahme von "Audition" durch Miikes Schaffen zu ziehen beginnt. Sein Frauen-Portrait brachte ihm denn aich am meisten Kritik ein. Andererseits muss man sagen, dass die Frauen in "Ichi the Killer" mit Abstand die "normalsten" Menschen sind. Also doch eine Art Kompliment, oder? Was muss sonst noch gesagt sein? Schaut euch den Film einfach an, wenn ihr einen sehr starken Magen habt. Gewisse Szenen aus "Ichi" sind bereits jetzt klassisch. In meinen Augen nicht besser als "Fudoh", aber noch eine ziemliche Dosis kränker.
- Als Ex-Cop Kaneko ist Regisseur Hiroyuki Tanaka alias
Sabu zu sehen. Sein Kumpel meint im Film einmal zu Kaneko, er sei wirklich ein "Unlucky Monkey" - eine nette Anspielung auf Sabus Film.
- Prequel: 1-Ichi (Live Action) und Ichi the Killer (Anime)

-
Scene-by-Scene-Kritik: http://www.tombofdvd.com/kenishi.htm

Die Hongkong-DVD ist cut, die holländische DVD gibts nicht mehr überall und die deutsche DVD beinhaltet keine Extras. Daher empfehle ich die neue Uncut-3-DVD-Box aus Amerika. Hier erhältlich.
Alternative Titel: Koroshiya 1, Koroshiya Ichi

Regie: Takashi Miike

Gangstergroteske

Gewalt * * * *

Action * *

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I n u g a m i

Reviewed 2002

Japan 2001 In dem abgelegenen japanischen Bergdorf Omine wohnt die Papiermacherin Miki (Yuki Amami). Eines Tages taucht im Dorf der junge Lehrer Akira (Atsuro Watabe) auf. Die zwei verlieben sich ineinander und die über 40-jährige Miki blüht richtiggehend auf. Im Dorf macht sich Unmut breit, denn auf Miki liegt wie auf allen Bonomiya-Frauen ein Fluch: Sie müssen die Inugami-Hundegeister bewachen und können darum nicht aus dem Dorf weg. Akira erfährt noch viel Deftigeres: Miki wurde an der High School von ihrem Bruder geschwängert. Ihre Mutter tötete das Kind nach der Geburt. Die Wahrheit ist jedoch noch viel unglaublicher.
Typisch japanischer Mix aus ein wenig Grusel, ein wenig Erotik und vielen ländlichen Legenden, dazu der brodelne Konflikt zwischen Moderne und Tradition. Zum Schluss noch ein wenig Inzest und fertig sind interessante Themen - doch das Endresultat ist diesmal höchstens mässig: Zwar gut gespielt und sehr schön gefilmt, aber die Story flacht nach etlichen Enthüllungen gegen Schluss ziemlich ab. Man fragt sich, wofür das alles war - der Film hat mich wohl gerade darum stark an Lasse Hallstöms enttäuschendes Drama "The Shipping News" (2002) erinnert.
Hier auf DVD erhältlich (D)
Ich habe die HK-Version (Code 3) mit englischen Unteriteln gesehen.
Regie: Masato Harada

Gruseldrama

Gewalt * *

Spannung * *

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K a ï r o

Reviewed 2002

Japan 2001 Menschen begehen Selbstmord und lassen einen Schatten aus Asche zurück. Abgesperrte Räume behausen Geister, die jeden, der den Raum betritt in den Wahnsinn stürzen. Im Internet lauern bedrohliche Bilder von dunklen Räumen und seltsamen Personen. Geister?
Kiyoshi Kurosawas Film gross zusammenzufassen macht wenig Sinn, denn es geht dem Regisseur einmal mehr vor allem um die Stimmung. Anders als in Cure sind die Bilder jedoch nicht bloss kühl kalkuliert, sondern erzeugen mit einem Mix aus Realität und befremdenden Elementen eine unheinlich gruselige Atmosphäre - am ehesten erinnert dieses kontinuierliche Unbehagen, das in jedem Bild mitschwingt, an Ringu. "Kaïro" geht aber weiter als "Ringu" und entwickelt sich zu einem apokalyptischen, verstörenden Horrorfilm. Wie von Kurosawa nicht anders zu erwarten, ist das Ende ausgesprochen offen - doch auf unbeschreiblich erquickende weil unerwartete Art. Unter der perfekt gemachten Horrorstory verbirgt Kurosawa einmal mehr eine tiefere psychologische Studie. Diesmal über die Einsamkeit in der modernen (japanischen) Gesellschaft, sowie die Angst der Jugend vor dem Tod. Die Charaktere sind introvertiert bis zum Gehtnichtmehr, die Einsamkeit ist aber nicht einmal allen bewusst. Der Tod wird als ewiges Gefangensein in dieser Einsamkeit beschrieben - und die Geister bringen diese Aussicht für die "Todeskandidaten" zum Ausdruck. Es ist nicht die Erscheinung oder der Geist an sich, der für die Personen das Unheil bringt, sondern die Angst vor unendlicher Isolation. Tatsächlich ein schrecklicher Gedanke.
Zu 100% gelungen ist der Film nicht. Man wird etwa das unangenehme Gefühl nicht los, man wüsse noch nicht genug. Wieso z.B. das Internet als Träger der Geister funktioniert, wird nie wirklich klar. Trotzdem ist das Fazit klar: "Kaïro" ist einer der unheimlichsten Filme aller Zeiten und für jeden Fan des asiatischen Kinos unbedingt sehenswert. Las
st euch mal wieder so richtig durchgruseln - wenn ihr nachts allein (dieses Wort ist schliesslich auch zentral für den Film) auf dem Sofa liegt und diesen Film anguckt, garantier ich euch, dass ihr euch bis zu den End Credits zusammengerollt habt und das Kissen ganz doll an euch drückt ...
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine DVD (J): Code 2 NTSC.
Japanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Pulse; Puse - das Original
Regie: Kiyoshi Kurosawa

Horrorthriller

Spannung * * * *

Komplexität * *

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K a k a s h i

Reviewed 2002

Japan 2001 Die junge Kaoru sucht ihren Bruder Tsuyoshi (Shunsuke Matsuoka, Freeze Me). Ein Liebesbrief von ihrer Schulkollegin Izumi (Kou Shibasaki, Battle Royale) führt sie in das abgelegene Dorf Kozukato. Im Tunnel, der in das Dorf führt, bleibt ihr Auto stehen. Die Leute zeigen ihr die kalte Schulter. Erst Izumis Vater lässt sie übernachten und rückt ein paar Antworten raus. Er rät Kaoru, das Dorf so schnell wie möglich zu verlassen, da sie sonst nie mehr von hier weg gehen kann. Oder will. Gibt es einen Zusammenhang zum stattfindenden Festival der Kakashis (Vogelscheuchen)?
Basierend auf dem Manga von Junji Ito (Uzumaki, Tomie) schuf Norio Tsuruta (Ring 0) einen kurzen und kurzweiligen Gruselfilm mit unheimlicher Atmosphäre - das liegt v.a. an den vielen Vogelscheuchen und Izumi, die ein wenig an Sadako aus den Ring-Filmen erinnert. Letztendlich holt Tsuruta aber trotz starken Bildern zu wenig aus der Handlung raus. Das Ende ist hübsch, aber die Szene etwa, in der Izumis Vater Kaoru erklärt, was in dem Dorf abgeht, ist viel zu lakonisch und nimmt dem Film den Drive.
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (HK)
Ich habe die Hongkong-Version (Code 3) auf japanisch mit englischen Untertiteln gesehen.

Alternative Titel: Scarecrows; Das Dorf der Vogelscheuchen
Regie: Norio Tsuruta

Horrorfilm

Spannung * * *

Anspruch * *

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K u m a m o t o   M o n o g a t a r i

Reviewed 5.10.03

Japan 2001/2002 1) Zuiketsu gensô - Tonkararin yume densetsu ("Die Tsuiketsu Fantasie: Traumlegende des Tonkararin")
"Dream Legend" - 34 Minuten.
Am Kikuike-Fluss vor 1600 Jahren: Ein Drachen-Gott erscheint in einer Höhle am Rand eines Dorfes und tötet alle feindlichen Yamato-Soldaten in sekundenschnelle. 20 Jahre später wird das Dorf erneut attackiert. Wird der Gott wieder zu Hilfe eilen?

2) Kikuchi-jô monogatari - sakimori-tachi no uta ("Das Lied der Verteidiger")
"The Song of Sakimori" / "Defender's Song" - 29 Minuten
Das Jahr 663. Prinz Nakano-oe, der zukünftige Kaiser Tenji, sendet eine Flotte zum Festland. Sie wird von den vereinigten Streitkräften Chinas und Koreas zerstört. Nunmehr in der Defensive richten die Japaner auf Kyushu einen Verteidigungsposten ein.

3) Onna kunishuu ikki ("Eine Frau zwischen der Revolte der Clans")
"Woman in the Revolt of the Clans" - 60 Minuten
1587 will Toyotomi Hideyoshi die Nation vereinen und hat deshalb den herrschenden Clans den Krieg erklärt. Die letzte Bastion, die sich ihm in die Quere stellt, ist die Burg Tanaka. 900 Soldaten schliessen sich dort ein und erwarten den Angriff von 100 000 Feinden. Doch die Burg fällt nicht durch den Angriff, sondern wegen dem Verrat eines Mannes aus den eigenen Reihen. Derweil flieht Yuri mit den Frauen und Kindern aus der Burg. Aus der Distanz werden sie Zeugen vom Fall von Tanaka - und greiffen zu den Waffen.

Drei Kurzfilme, die Takashi Miike zwischen 2001 und 2002 gedreht hat. Alle erzählen von Japans stolzer Geschichte und dem Effort, der geleistet wurde, das Land zu verteidigen. Die japanische DVD fasst die drei Geschichten zu "Kumamoto Monogatari" zusammen. In der Tat macht es wenig Sinn, die Filme einzeln zu bewerten, schliesslich sind sie bloss zwischen einer halben und einer ganzen Stunde lang. Dennoch kann man sie qualitativ unterscheiden. Der schwächste ist der erste, "Dream Legend", der mit schwächelnden CGI-Effekten eine plumpe Story erzählt. Ohne Vorwissen der japanischen Geschichte macht dieses Filmchen einfach keinen Spass.
"The Song of Sakimori" beginnt mit einer CGI-Schlacht in 3D (!). Die Schiffe sind lachhaft schlecht animiert, erfüllen aber ihren Zweck. Für das bescheidene Budget gibt diese zweite Episode schon etwas mehr her. Die beste ist aber die dritte, "Woman in the Revolt of the Clans", die wenigstens halbwegs epische Schlachtszenen zu Stande bringt. Dennoch: Alle drei Filmchen sind nicht nach dem Gusto von Miike-Fans gemacht. Kaum Gewalt, wenig inszenatorischer Witz. Miike versucht, den Mangel an epischer Grösse und Budget mit ein paar absichtlich Studio-mässigen Shots auszugleichen und v.a. in den ersten zwei Filmen so einen theatralischen Look zu erzeugen. Das Resultat lässt jegliche visuelle Raffinesse vermissen. Miike hat es gut gemeint, aber abseits von Studenten der japanischen Geschichte dürfte diese Kurz-Trilogie niemanden hinter dem Kasten hervorlocken.
Hier auf DVD erhältlich (ohne Untertitel)
Alternative Titel: Kumamoto Stories; Zuiketsu gensô - Tonkararin yume densetsu; Kikuchi-jô monogatari - sakimori-tachi no uta; Onna kunishuu ikki

Regie: Takashi Miike

Historien-
Anthologie

Action * *

Gewalt *

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K u n o i c h i   n i n p ô    c h ô :   T h e   De v i l ' s   M a n s i o n

Reviewed 15.10.03

Japan 2001 Lady Miki ist schwer krank und kann nur mit der Medizin SanNouGan gerettet werden. Die Kämpferin Kyara ist mit dem Serum nach Edo unterwegs, wird aber vom dämonischen Ninjaführer Hayabusa überwältigt und gekidnappt. Kyaras Freundinnen, die Kuonichis Shizuka und Aya, brechen umgehend mit zwei Begleitern auf, um das SanNouGan sicherzustellen und Kyara zu befreien.
Billige Filme über weibliche Samurais (Kunoichis) haben in Japan Tradition, weil sie so schön Sex und Action mischen lassen. Relativ bekannt ist etwa die "Kunoichi ninpô chô"-Reihe mit dem finalen achten
Teil Kunoichi Lady Ninja. Mittlerweile kann man bei dieser Serie nicht mehr von einer solchen reden. Sie ist eigentlich abgeschlossen und Filmemacher bringen unter ihrem Label bloss immer noch trashigere Filme heraus. "Kunoichi ninpô chô: The Devil's Mansion" ist ein klasse Beispiel dafür. Was für ein grottenschlechter Film! Zum Glück ist er nur 69 Minuten lang, sonst hätte ich micht aus dem Fenster gestürzt.
Die Handlung ist trivial, die Schauspieler talentfrei, die Brüste der drei Kunoichis die wahren Hauptdarsteller, der Humor unter aller Sau, die Action plump, die Effekte auf Z-Niveau. Von Trash mag ich eigentlich nicht reden, denn "The Devil's Mansion" fällt nicht in die "so schlecht, dass es gut ist"-Kategorie. Dafür ist er schlicht zu langweilig. Fünf Minuten wird vergeudet, die Ladys beim Nacktbaden zu zeigen, etliche Minuten gehen für verklemmte Titten-drücken-Pointen drauf. Ja, das ist das Niveau, mit dem wir es hier zu tun haben. "The Devil's Mansion" ist wirklich unter aller Sau. Das Schlimmste? Nach den End-Credits folgt der Trailer für "Kuoinichi ninpô chô: Erotic Fire". Ich verspreche euch hoch und heilig: Von diesem Film wird es bei molodezhnaja.ch nie eine Kritik geben. Das würde ich nicht überleben. 

Alternative Titel: Kunoichi Ninpocho: The Devil's Mansion; Kunoichi Ninpoden: Devil's Mansion
Regie: -

Abenteuer-
Trash

Erotik *

Action *

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L o v e   G h o s t

Japan 2001 Ausführliche Kritik: hier.

 

M e t r o p o l i s

Reviewed 2003

Japan 2001 In der Zukunft: Metroplis ist eine gigantische Stadt mit drei unterirdischen Zonen, in denen vor allem Roboter leben und arbeiten. Oben ist Duke Red einer der mächtigsten Männer. Der Gründer der faschistoiden Malduk-Partei hat soeben das Hochhaus Ziggural eröffnet, von dem niemand so genau weiss, wozu es dient. Dennoch herrscht in der Stadt Partystimmung. Der Duke hat den gesuchten Dr. Laughton beauftragt, ein Roboter-Abbild seiner verstorbenen Tochter zu erschaffen. Als Dukes Adoptivsohn Rock dies erfährt, will der Roboterhasser das Mädchen vernichten. Doch es entkommt und freundet sich mit Kenichi an, dem Neffen eines japanischen Detektivs, der in Metropolis nach Laughton sucht. 
"Metropolis" basiert auf einem Manga von Osamu Tezuka, der 1949 als Hommage an Fritz Langs Meilenstein "Metropolis" entstanden ist. Dementsprechend sind einige Ähnlichkeiten zwischen Langs Klassiker und dieser Trickfilm-Verbeugung zu finden. Doch die Story nimmt einige andere Kurven und die Musik verleiht dem Ganzen einen besonderen Touch: So verleiht der Dixieland-Jazz dem Werk nämlich ein hübsches Retro-Feeling. Die Animation dazu ist superb, die Story überraschend klar und Gewalt gibt es überraschend wenig. Am Schluss hatte ich tatsächlich Tränenwasser in den Augen. Ein wunderbares Stück Kino.
Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Ich habe die US-Version (Code 1) auf japanisch mit englischen Untertiteln gesehen.
Alternativer Titel: Robotic Angel
Regie: Rintaro

Anime

Gewalt *

Humor *

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M e z z o   F o r t e

Reviewed 29.12.03

Japan 2001 Mikura und ihr Partner Harada arbeiten für den Ex-Cop Kuro als Söldner. Die niedliche Mikura geht dabei vor wie eine Kampfmaschine. Mit stets einem Lächeln auf dem Gesicht schiesst sie ihre Feinde im Dutzend tot. Doch der neue Auftrag wird auch für sie brenzlig: Ein alter Mann hat sie beauftragt, den Besitzer des Baseball-Teams "Peach Twisters" zu kidnappen. Leider entpuppt sich der als Momoi Momokichi - ein Gangsterboss. Als er bei der Entführung auch noch ins Grass beisst, schwört seine sadistische Tochter böse Rache an Mikura und ihrem Team.
Ihr plant einen hübschen Zeichentrickabend mit den Kids? Dann sind die Filme von Yasuomi Umetsu definitiv nicht die richtige Wahl. Die Anime des Japaners sind blutig und pornografisch - das galt schon für seinen gefeierten Film Kite und gilt auch für dessen inoffiziellen Nachfolger "Mezzo Forte". Der Film ist nur rund 60 Minuten lang, besteht aus zwei Teilen und lebt voll und ganz von der "sexy Girls with Guns"-Idee - plus literweise gezeichnetes Blut und zwei sehr expliziten Sexszenen.
Leider ist "Mezzo Forte" nicht so düster und packend inszeniert wie "Kite". Er ist eigentlich recht amüsant, etwa, wenn im Kino gerade "Dirty Harry 8" läuft. Deshalb wirkt der Film allzu uneinheitlich und auch inhaltlich nicht ganz befriedigend. Wer jedoch nach Blut giert, kommt voll auf seine Kosten. "Mezzo Forte" ist sicher einer der blutigeren Anime, die ich bisher gesehen habe. Und diese Art von Violent Bloodshed kommt gut rüber, muss ich sagen. Noch besser sind die Sexszenen. Besser im Sinne von "besser animiert". Es scheint, als haben die Zeichner bei diesen Sequenzen besonderen Wert auf kleinste Details gelegt. Anatomisch jedenfalls bis auf die übergrossen Geschlechtsteile sehr präzise. Stört die erste Sexzsene? Nö, es ist eine Traumsequenz und arg billig eingefädelt. Aber sie bringt die Säfte zum zirkulieren - das ist doch auch was. Die zweite grosse Hardcore-Szene ist viel prekärer. Da wird Mikura von zwei Deppen mehrere Stunden lang in allen möglichen Postionen vergewaltigt. Sie macht nicht nur halbwegs willig mit, sie stöhnt zum Schluss auch "more more" und wird vollgesaftet wie in den schlüpfrigsten Macho-Fantasien. Ziemlich widerlich. Am Schluss wird die Szene zwar durch eine kleine Überraschung völlig relativiert und die Zuschauer, die auf diese Art von sexuellem Sadismus stehen bekommen die Zunge rausgestreckt ("bätsch, du hast nicht das gesehen, was du wolltest!") - doch es bleibt ein saurer Nachgeschmack. So an- bzw. erregend die Szene gezeichnet ist, so alt doch die üble Aussage mit der geilen Vergewaltigung. Aber eben: es wird relativiert ...
Seis drum, "Mezzo Forte" ist für Fans der etwas härteren Zeichentrickkunst sicherlich 'nen Blick wert. Kurzweilig, sehr roh, sehr explizit und ziemlich sadistisch.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 0 NTSC 5.1. Englisch und Japanisch mit englischen Untertiteln. Vollbild.

Alternativer Titel: Mezzoforte
Regie: Yasuomi Umetsu

Anime

Gewalt * * * *

Sex * * * *

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M i l l e n i u m   A c t r e s s s   ~   S e n n e n   j o y u

Reviewed 4.1.04

Japan 2001 Der Regisseur Genya Tachibana und sein Kameramann besuchen die alte Chiyoko Fujiwara, die in den 30er-Jahren zu einer gefeierten Schauspielerin heranwuchs und auf dem Höhepunkt ihrer Karriere spurlos verschwand. Im Interview durchlebt die Frau mit ihren Interviewpartnern nochmals die Vergangenheit. Sie tauchen ein in die Geschichte Japans, in die Filme Chiyokos und erfahren, dass sie als Mädchen auf einen politischen Flüchtling stiess. Sie verlor ihn aus den Augen, bekam von ihr aber einen Schlüssel "zum Wichtigsten, was es gibt". Bald ist Chiyoko davon besessen, ihren mysteriösen Geliebten wiederzusehen. Dabei wird sie von ihrer Mutter, einer Schauspielerin und einer alten Dämonin behindert. Nur jemand hilft ihr: Ein junger Filmassistent namens Genya.
Im Giallo-inspirierten Anime Perfect Blue vermischte Regisseur Satoshi Kon geschickt Fiktion und Realität. Doch nichts konnte mich darauf vorbereiten, wie Kon in "Millennium Actress" mit allen Ebenen der Realität spielt. Virtuos und ohne lange Erklärungen wechselt die Handlung von der Realität in verschieden gestaffelte Rückblenden, Träume und Filme, die Chiyoko gedreht hat. Die Logik bleibt dabei manchmal auf der Strecke, könnte man meinen, doch vieles wird im Laufe des Films aufgedeckt, angesprochen oder als Rätsel stehen gelassen. Und anderes ist schlicht nicht wichtig. Es geht bei "Millennium Actress" vielmehr um einen visuellen Rausch, um grosse Gefühle und ein Spiel mit den Meta-Ebenen. Zudem ist der Film eine Hommage an das japanische Kino und bietet einen Kurzüberblick über die japanische Geschichte. Und dies alles in nur 87 Minuten! Man kann sich denken, dass das Erzähltempo schier unglaublich ist.
Vor lauter Dynamik hat Kon deshalb hie und da vergessen, eine Geschichte zu erzählen. Der eigentliche Kern (Ex-Schauspielerin erzählt von ihrer Jagd nach der grossen Liebe) ist so simpel wie treffend - und dient bloss als Aufhänger. Zudem ist eine "Handlung" im klassischen Sinn nicht wichtig. Auch die Charakterisierung der Personen geschieht im herkömmlichen Sinne nicht. Vielmehr kommen wir langsam auf die Spur, was denn eigentlich abgeht - und können es doch nie ganz fassen. Ein wenig erinnert die Taktik an David Lynch. Doch was "Millennium Actress" von den Werken Lynchs (oder Dario Argentos oder Spike Jonzes) klar unterscheidet ist die Anime-typische Melodramatik sowie zum Schluss ein riesiges Herz. Ja, ich hab mich zum Finale hin dabei ertappt, wie ich geweint habe. Normalerweise passiert das, wenn einem die Charaktere ans Herz gewachsen sind. Das passiert in "Millennium Actress" nicht wirklich, weil der Film viel zu schnell ist. Und doch schafft es Kon bei allem "Stress", zum Schluss Gefühle für seine Charaktere zu wecken. So wird aus seinem Film eine Art Anime-Antwort auf "Lola rennt". Und auf "Mulholland Drive". Und dann sind da eben noch die Dutzenden von anderen Filme, die im Vorbeigehen angeschnitten werden. Samurai-Filme à la Akira Kurosawa, ein Girl-Schwertfighter-Film im Stile von Princess Blade, ja sogar "Godzilla" hat einen Gastauftritt. Kons Liebe zum Kino, zur Fantasie und letztendlich eben auch zu den Figuren ist offensichtlich. Ein scheinbar kleiner und kurzer Film wächst zum episches Vergnügen das berührt, amüsiert und fesselt. So etwas schaffen sicher nicht nur Anime - aber die japanischen Zeichner sind eben besonders gut darin.

Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Japanisch 5.1 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Sennen joyu; Millenium Actress
Regie: Satoshi Kon

Anime

Action * * *

Spannung * * *

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O n m y o j i

Reviewed 2.11.03

Japan 2001 Der Fluch von Prinz Sawara zwingt das Volk, umzusiedeln. Heian Kyo, das heutige Kyoto, wird errichtet und bleibt während der Heian-Ära (794-1185) Hauptstadt des Reiches. 150 Jahre nach der Gründung ist die Stadt übervölkert von Dämonen, weshalb der Mikado (Ittoku Kishibe) um sich herum die Onmyoji versammelt hat, die Astrologen, Magier und Priester des Hofes. Der stärkste von ihnen ist Abe no Seimei (Mansai Nomura). Er und sein jugendlicher Helfer Minamoto no Hiromasa (Hideaki Ito, The Princess Blade) sind es, die einer Verschwörung im Hof auf die Spur kommen: Der böse Doson (Hiroyuki Sanada) will den Mikado töten und selbst die Macht übernehmen.
Baku Yunemakuras populäre "Onmyoji"-Romane wurden bereits zu TV-Serien und Mangas verarbeitet, "Onmyoji" von Yojiro Takita ist die erste Kino-Adaption und avancierte in Japan zum zweiterfolgreichsten Film des Jahrgangs 2001, lediglich geschlagen von Spirited Away. Die Mischung aus Geschichte, Mythen, Legenden und purer Fantasy hat also eingeschlagen. Mich spricht diese Art Film auch an, weshalb die fast zwei Stunden relativ schnell vorüber gingen. Doch während der Look, die recht komplizierte Story und die ureigenen japanischen Mythen mich zu fesseln vermochten, gab es doch einige Elemente, die den totalen Sehgenuss einschränkten.
Da ist zum einen das gemächliche Erzähltempo im Endteil. Am Anfang macht es Sinn, weil die Char
aktere wunderbar eingeführt werden, doch wenn zum Ende hin die Legionen von Gut und Böse aufeinandertreffen, ist Understatement nicht der richtige Ansatz. Dann war Mansai Nomuras Spiel als Abe no Seimei etwas irritierend. Sein konstantes, fast überhebliches Grinsen macht ihn zu einem interessanten Charakter, als er dann jedoch einmal Emotionen zeigen muss (in einer homoerotisch angehauchten Sterbeszene), wirkt er nicht glaubwürdig. Sein Heulen kommt sogar unfreiwillig komisch herüber. Einige weibliche Nebendarstellerinnen sind nicht besonders gut ausgearbeitet, darunter das Schmetterlingsmädchen Mitsumushi (90's-Idol Eriko Imai) oder in gewissem Sinne auch die unsterbliche Aone (80's-Idol Kyoko Koizumi), deren Liebesbeziehung zu Hiromasa in zu groben Zügen eingefädelt wird. All dies sind kleine Mankos. Als Ganzes ist "Onmyoji" ein packendes Fantasy-Epos mit recht gelungenen Effekten und einer interessanten Story. Eine Fortsetzung erschien 2003 als Onmyoji II.
Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Japanisch und englisch 5.1. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Onmyoji: The Ying-Yang Master; The Yin Yang Master
Regie: Yojiro Takita

Fantasyfilm

Action * *

Humor * *

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P i s t o l   O p e r a

Reviewed 28.7.03

Japan 2001 Die schöne Miyuki "Stray Cat" Minazuki (Makiko Esumi) ist die Nummer drei unter den Killern. Besser sind nur "Useless Man" und "Hundred Eyes", die Nummer eins. Genau auf diesen Platz hat es "Stray Cat" abgesehen und kriegt ihre Chance, als die Gilde sie beauftragt, "Hundred Eyes" auszuschalten. 
Der japanische Regisseur Seijun Suzuki war stets ein Filmemacher, der das Publikum spaltete. Legendär ist der Rausschmiss aus dem Studio
Nikkatsu nach Branded to Kill (1967). Die Studioleute warfen ihm vor, seine Filme würden keinen Sinn machen. Viele Filmfans, die seine Werke gesehen haben, würden das bedingungslos unterschreiben. Andere jedoch empfanden die Kündigung als Hohn und verliehen Branded to Kill und Tokyo Drifter (1966) das Zertifikat "kult". Ich gehöre vorwiegend zur ersten Kategorie. Ich verstehe viele von Suzukis Filmen nicht (Ausnahmen sind etwa Tattooed Life und Kanto Wanderer) und bin der Meinung, es gibt auch gar nichts zu verstehen. Seine Filme sind der Triumph von Stil über Inhalt. Visuelle Masturbation, sozusagen.
"Pistol Opera", sein erster Film seit fast 10 Jahren und eine inoffizielle Fortsetzung von Branded to Kill, bietet eine Kulmination von Suzukis Schaffen. Noch weniger Sinn, noch weniger Inhalt, noch mehr Stil. Seine Fans werden ihn dafür lieben, die, die ihn für überschätzt halten, werden den Film hassen. Das hat nichts damit zu tun, dass man zu dumm sein könnte, Suzukis Filme zu verstehen, denn es gibt eigentlich nichts zu begreifen. Es ist eher eine Frage der Einstellung: Love it or hate it. Ich hasse es - und "Pistol Opera" ganz besonders.
Der Film ist reich an Symbolen und Referenzen, aber arm an Handlung. Die Schauspieler agieren hölzern und theatralisch, um dem "Opern"-Teil im Titel gerecht zu werden. Suzukis gestelzte Künstlichkeit, sein selbstgefälliges Spiel mit den Farben, verleidet einem nach etwa zehn Minuten, danach stellt sich grenzenlose Langeweile ein. Gegen das Finale hin wählt Suzuki immer mehr den Weg des Surrealen, jegliche Logik wird zurückgelassen, aus dem Film wird eine Collage - eine selbstbeweihräuchernde Stilwichserei mit endlosem drögen dadaistischen Palaver. Jemand, der Star Wars, Episode II oder Matrix Reloaded vorwirft, sie seien geschwätzig, soll ja nicht diesen Film verteidigen. Hier wird zwar wenig geschwatzt, aber wenn geschwatzt wird, handelt es sich um Nichtigkeiten, die der Handlung nicht besonders dienlich sind.
Auch die Bilder bleiben in der Leere hängen ohne Angelpunkt in den Geschehnissen. Es ist erstaunlich, wie ein Regisseur mit solcher Selbstsicherheit ein Chaos zusammenschustert. Man kann richtiggehend zusehen, wie Suzuki sich für ein Genie hält und unaufhaltsam grinsend auf den Abgrund zurast. Eigentlich ist Suzuki der Ed Wood Japans. Nun gut, er hat mehr Gespür für Stil und hat einige wirklich gute Filme wie Tattooed Life gemacht - aber es ist dieselbe Überzeugung, ein genialer Künstler zu sein, wenn er in Wahrheit in den letzten Jahren vor allem eines produziert: Trash.  Stur ist er, der Mann. Und wenn "Pistol Opera" sein letzter Film sein würde, kann er immerhin ins Grab gehen und sagen: "Meine Filme machen keinen Sinn - aber ich bin mir bis zum Schluss treu geblieben".

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Japanisch 2.0 mit englischen Untertiteln. Vollbild.
Alternativer Titel: Pisutoru Opera
Regie: Seijun Suzuki

Experimental-Thriller

Anspruch * *

Action *

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P l a t o n i c   S e x

Reviewed 2003

Japan 2001 An ihrem 17. Geburtstag wird Aoi (Saki Kagami) von ihren Freunden im Auto vergewaltigt und deshalb von ihrer Familie verprügelt und ausgestossen. Danach will sich Aoi vom Dach der Schule stürzen, doch es erreicht sie eine fehlgeleitete SMS eines Jungens namens Toshi, die sie bewegt, am Leben zu bleiben. Aoi steigt ins Hostessenbusiness ein und kommt durch ihren Gönner Ishikawa zu Geld. Leider gibt sie noch viel mehr aus, als sie einnimmt. Um die Schulden zu tilgen, willigt sie ein, fünf Pornofilme unter dem Namen Ai zu drehen. Dummerweise trifft sie nach dem ersten Dreh auf Toshi und verliebt sich in ihn. Als er entdeckt, dass sie Pornos dreht, droht die Beziehung zu zerbrechen.  
"Platonic Sex" basiert auf der Autobiografie der ehemaligen japanischen Pornodarstellerin Ai Iijima, die heute ein TV-Star ist. Das Buch verkaufte sich in Asien rekordmässig und machte etlichen Eltern Sorgen, weil ihre Töchterchen nun in die Fussstapfen von Ai treten wollten. Der Film ist freilich nicht halb so kontrovers. Im Gegenteil: Er scheint die Bedenken der Eltern aufgegriffen zu haben und präsentiert Ais Porno-Karriere als Leidensweg.
Das moralisierende Resultat dessen ist zwar nett anzusehen, überzeugt aber nicht wirklich. Als Biografie ist der Film unterhaltsam, als Liebesfilm noch gefällig, aber als Studie über das japanische Pornobusiness schlicht unglaubwürdig. Für Ai läuft alles zu easy und dennoch sieht man bei den Sex-Szenen immer ihr angewidertes Gesicht. Seltsam ist dies, da die echte Ai später rund 100 Pornofilme gedreht hat - der Film blendet zum Glück für alle Moralapostel schon vorher aus. Er beschriebt somit vielmehr, wie eine junge Frau versucht, ihren eigenen Weg zu finden. Inklusive Aufs und Abs. Wie gesagt: Gefällig ... aber nicht mehr.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Japanisch 5.1. mit englischen UT. Anamorphic Widescreen.
Regie: Masako Matsuura

Biografie

Erotik *

Spannung *

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T h e   P r i n c e s s    B l a d e   ~   S h u r a y u k i - H i m e

Reviewed 2003

Japan 2001 Japan in der Zukunft: Seit 500 Jahren verfolgt die monarchistische Regierung eine Politik der absoluten Isolation. Die Rebellen, die gegen das tyrannische System revoltieren, haben einen eiskalten Gegner: Die von der Regierung bezahlten Auftragskiller des Hauses Takemikazuchi. Eine der Killerinnen ist Yuki (Yumiko Shaku). Kurz vor ihrem 20. Geburtstag erfährt sie von Kuka (Yoichi Yumata), dem alten Diener ihrer Mutter Azora, dass ihr Boss Byakurai (Kyusaku Shimada) Azora getötet hat. Yuki ist damit rechtmässige Takemikazuchi-Prinzessin. Sie kann den Titel aber erst beanspruchen, wenn sie den Tod ihrer Mutter rächt und Byakurai tötet. Der entsendet Killer, um sie zu töten. Schwer verletzt findet sie beim jungen Takashi (Hideaki Ito) Unterschlupf.  
"The Princess Blade" ist visuell und actionmässig einfach saustark. Die Story, lose basierend auf dem Kill Bill-inspirierenden Rächer-Knüller Lady Snowblood, der den identischen Originaltitel aufweist, mag nicht wirklich zu überzeugen, doch für 90 Minuten tolles Entertainment ist dieser japanische Sci-Fi-Samuraistreifen wirklich gut. Sci-Fi und Samurai zu verknüpfen ist an sich schon eine coole Idee, da wir so kämpfende Girls in weiten Cargo Pants sehen (yummi) und zwischen den traditionellen Schwertkämpfen zerfallene Industrieanlagen in einer anonymen japanischen Grossstadt. Regiedebütant Shinsuke Sato verschrieb sich einer ausgebleichten Farbgebung, die Farben rot und gelb sind bei den Fights so gut wie nie zu sehen - alles wirkt kühl und steril.
Das passt zu den Herzen der Fighter. Es gibt wärmere Szenen in Takashis Haus, doch das sind kurze Momente des Glücks. Danach gehts wieder zur Sache. Das Blut spritzt nicht so stark, wie es könnte, doch "Princess Blade" ist sicher unzimperlich. Die Fights sind hart und famos choreografiert (Donnie Yen) - bloss fragte ich mich bei ein paar Szenen doch, ob ein paar Gegner weniger nicht besser gewesen wären. So tritt mal wieder das "Gegner stehen herum und warten auf ihren Kampfeinsatz"-Problem auf, wenn hinter Yuki Fighter stehen und sie nicht angreifen. Mit 3-4 Gegnern wirken solche Fights meistens überzeugender als mit 10. Ausnahmen (Matrix Reloaded) bestätigen die Regel.
"Princess Bride" ist ein energiegeladener Actionfilm mit tollen Fights, starker Choreografie, coolem Look und einer toughen und dennoch zierlichen Hauptdarstellerin - also ganz im Stil des Mangas, auf dem er basiert. Für Fans von Schwertkämpfen sicherlich zu empfehlen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (GB): Code 2 PAL. Japanisch 2.0 mit englischen UT. Widescreen (nicht anamorph)
Alternativer Titel: Shurayuki-Hime
Regie: Shinsuke Sato

Sci-Fi-Samuraifilm

Action * * *

Gewalt * *

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Q u a r t e t

Japan 2001 Ausführliche Kritik: hier.

 

R e d   S h a d o w   ~   A k a k a g e

Reviewed 7.12.03

Japan 2001 Im Jahr 535 fiel ein Meteorit auf die Erde, der ein bisher unbekanntes Metall mitbrachte. Aus diesem schmieden die Shadow-Ninjas seither ihre unzerstörbaren Rüstungen. Viele Jahrhunderte später sind Asuka (Kimiko Aso, Kaïro), Aokage (Jun Murakami) und Akakage (Masanobu Ando) - der "Red Shadow" - drei solcher Ninjas. Ihre Aufgabe ist es, den Frieden in Japan zu wahren und kriegssüchtigen Herrschern den Garaus zu machen. Doch bei einem Auftrag werden die drei in eine Falle gelockt - mit tödlichem Ausgang für eines der Mitglieder. Danach zerbricht die Ninja-Gruppe.
Ich konnte den Hype um Hiroyuki Nakanos Samurai Fiction nie ganz verstehen - ein ganz netter, seltsam gestylter Samurai-Film als Hommage an Akira Kurosawa. Aber nichts Bahnbrechendes. Deshalb waren auch meine Erwartungen an "Red Shadow", Nakanos vierten Kinofilm, eher gedämpft. Das ist gut, denn der Streifen ist auch nicht der wahre Knaller - doch im Gegensatz zu vielen Erwartungs-erfüllten Kritikern hab ich mich gut unterhalten.
In der Hauptrolle ist Jungstar Masanobu Ando zu sehen, den man aus Japan-Klassikern wie Battle Royale oder Drive bzw. Müll wie Tokyo 10+1 kennt. Er ist ausgesprochen adrett anzusehen, doch er entwickelt keine Tiefe. Den anderen Akteuren geht es ebenso. Das Melodrama, das nach dem Tod eines Teammitglieds aufkommt, wirkt gekünstelt, der eingesetzte Humor lenkt eher ab und ist oft sogar richtig doof. Die Charaktere würden ohne den Kalauer besser funktionieren. Sie kämpfen aber noch mit weiteren Problemen - vor allem in den Actionszenen. Da werden die Kerle mit Flug- und Fightfähigkeiten par excellance eingeführt, aber wenns drauf ankommt, vergessen sie diese wohl. Insbesondere Akakage sitzt meistens auf seinem Hintern. Vom "grossen Fighter" ist wenig zu sehen. Ansonsten sind die Kampfszenen ganz okay und mit Rockmusik unterleget zünden sie auch ein hippes Feuerwerk.
Leider hat Nakano Mühe, dieses visuell auch immer befriedigend einzufangen. Lasst mich einen Exkurs über Day-for-Night einfügen. Für die, die den Ausdruck nicht kennen: Dabei handelt es sich um die Technik, die Filmemacher einsetzen, um den anstrengenden Dreh bei Nacht zu umgehen. Man filmt bei Tag, nimmt Farbe und Licht weg und gibt das Gefilmte als Nacht-Shoot aus. Das macht auch Nakano - doch bei ihm sehen alle Day-for-Night-Shots aus, als seien sie in den blauen Farbtopf gefallen. Das lenkt ab und wirkt auf dauer sehr reizlos. Auch die restlichen Kameratricks nutzen sich schnell ab, "Red Shadow" bleibt optisch Mittelmass. Da dies auch inhaltlich und schauspielerisch zutrifft, kann ich dem Werk nicht mehr als 3 Sterne geben. Ich hab mich amüsiert - aber vom Hocker haut der Film in keiner Sekunde.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk: Hongkong-Version in Japanisch (Code 3) mit englischen Untertiteln.

Alternative Titel:
Akakage; Red Shadow - The Ninja Movie; Red Shadow: Akakage
Regie: Hiroyuki Nakano

Actionfilm

Action * * *

Humor * *

Want to know more? (positive Kritik)
Want to know more? (eher negativ)

 

S p i r i t e d   A w a y   ~   S e n   t o    C h i h i r o   n o   k a m i k a k u s h i

Reviewed 2003

Japan 2001 Die 10-jährige Chihiro fährt mit ihren Eltern im Auto, als sie plötzlich vor einem Tunnel stehen. Sie gehen hinein und finden sich in einer seltsam verlassenen Gegend wieder. Da wird es Nacht und Chihiros Eltern verwandeln sich in Schweine! Sie sind in einer Parallelwelt gelandet, in der sich Geister im Thermalbad der Hexe Yubaba erholen! Chihiro bittet Yubaba, für sie arbeiten zu können, damit sie einen Weg suchen kann, ihre Eltern zu retten, bevor die von den Geistern, Dämonen und Gottheiten, die in der für Menschen unzugänglichen Welt leben, sie auffressen.
Die
Studio Ghibli-Produktion "Spirited Away" gewann nicht nur in Berlin den Goldenen Bären und holte sich den "Oscar" als bester animierter Film, er ist auch der erfolgreichste Anime aller Zeiten. Hinter dem Projekt steht mit Hayao Miyazaki, dem Regisseur von "Princess Mononoke", Castle in the Sky und Kiki's Delivery Service einer der angesehensten Künstler auf dem Gebiet. Und das merkt man: "Spirited Away" ist Japans Antwort auf "Alice in Wonderland" - extrem einfallsreich, sehr liebenswert, ziemlich skurrill und äusserst unterhaltsam. Witzige kleine Gags (die Ratte, die von dem Insekt getragen wird, killt mich jedes Mal) lockern die visuell ausartende Geschichte auf. Ein Muss für jeden Anime-Fan und schlichtweg grosses Kino von einem grossen Künstler.
Die besprochenen Miyazaki-Filme:
Castle of Caliostro (1979); Nausicaa (1984), Castle in the Sky (1986), Totoro (1988), Kiki's Delivery Service (1989), Porco Rosso (1992), Princess Mononoke (1997), Spirited Away (2001), Howl's Moving Castle (2004)

Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Ich habe die Hongkong-Version (Code 3) auf japanisch mit englischen Untertiteln gesehen.
Alternativer Titel: Sen to Chihiro no kamikakushi; Chihiros Reise ins Zauberland
Regie: Hayao Miyazaki

Anime

Humor * *

Anspruch * *

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S t a c y

Reviewed 2003

Japan 2001 Anfang des 21. Jahrhunderts  bedroht eine unbekannte Seuche weltweit die Mädchen zwischen 15 und 17. Vor ihrem Ableben werden sie von der sogenannten "Near Death Happiness" NDH befallen, die sie bis zum Eintritt des Todes in einen Zustand der Glückseeligkeit versetzt. Kaum tot werden die Mädchen aber zu blutrünstigen Zombies, den sogenannten Stacys. Diese zu töten ist die Aufgabe der "Romero Wiedermord"-Spezialeinheit. Um eine Stacy endgültig zu killen, muss sie in 165 Stücke zerschnitten werden - idealerweise mit einer Motorsäge Marke "Bruce Campbell's Right Hand 2".
Der Film ist sackdoof. Ja ich weiss, die Zusammenfassung hört sich nach einigen Insiderwitzen an (die hat es) und im Internet habt ihr vielleicht schon gelesen, dass der Film sehr blutig ist (ist er), doch "Stacy" ist Zombie-Trash der alleruntersten Stufe, der nicht an japanische Vorbilder wie Wild Zero, Versus oder Junk herankommt. Ein bisschen Gedärm macht noch keinen guten Film. "Stacys" Qualität wird zudem durch lethargisches Tempo, einen idiotischen Schluss, banale Handlung und schwache Akteure torpediert. Das einzige, was das Ansehen rechtfertigt, ist die gemeine Ausgangslage und natürlich das Gemetzel, das Gorehounds kurzfristig entzücken kann. Doch glaubt mir, es ist es nicht wert.
Ich muss zwar auch gestehen, ich bin nicht der grösste Fan von Zombiefilmen. Ausser "Night of the Living Dead", "Braindead" und "Dawn of the Dead" habe ich kaum einen wirklichen Meilenstein in dem Genre entdecken können - und dies, obwohl ich wirklich meinen Teil an Zombiefilmen gesehen habe. Italienische, japanische, amerikanische, spanische. Nein, mein Ding sind sie nicht. Aber selbst im Vergleich mit anderen Zombiefilmen fällt bei mir "Stacy" untendruch. Denn wo andere von mir gehasste Zombiestreifen (ich schlafe etwa bei "da dove vieni?" / "Let Sleeping Corpses Lie" regelmässig ein) immerhin den Hauch einer Atmosphäre besitzen, wirkt "Stacy" ultrabillig runtergekurbelt. Und nein, bevor ihr fragt, besonders viel Trash-Wert hat der Film auch nicht.

Hier auf DVD erhältlich (US)
Ich habe die Holland-Version (Code 2) auf Japanisch mit englischen Untertiteln gesehen.
Regie: Noayuki Tomomatsu

Horrorfilm

Gewalt * * *

Humor * *

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S t .   J o h n ' s   W o r t   ~   O t o g i r i s o

Reviewed 2002

Japan 2001 Der junge Spieldesigner Kohei (Yoichiro Saito) will seine Ex-Freundin Nami (Megumi Okina, Ju-on) zur Heldin seines neuen Games machen. Dazu fahren die zwei hinaus in das Anwesen, das Ma,i von ihrem toten Vater, einem Maler, geerbt hat. Die Gemäuer sind voller düsterer Bilder, alter Möbel - und versteckter Räume. In einem von diesen entdecken die Jugendlichen ein Foto, das Nami mit einer Zwillingsschwester zeigt. Kurz darauf finden sie eine mumifizierte Kinderleiche.
Mit Digitalkamera gefilmter Horrorstreifen, dem Stil über Inhalt geht. Beinahe alle Aufnahmen sind digital verfälscht, um ihnen einen surrealen Touch zu verleihen. Das sieht
dann tatsächlich streckenweise ganz hüsch aus, hilft der eigentlich schwachen Story aber kaum weiter. Die ersten 30 Minuten sind extrem langweilig, dann wird das Tempo etwas hochgeschraubt. Wirklich gut wird der Low-Budget-Streifen dennoch nie.
Hier auf DVD erhältlich (D)
Ich habe die HK-Version (Code 3) auf japanisch mit englischen Untertiteln gesehen.
Alternativer Titel: Otogiriso
Regie: Shimoyama Ten

Thriller

Gewalt * *

Spannung * * *

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S t o p   t h e   B i t c h   C a m p a i g n

Japan 2001 Ausführliche Kritik: hier.

 

T o k y o   X   E r o t i c a   ~   S h i b i r e r u   K a i r a k u

Reviewed 21.1.04

Japan 2001 Kenji stirbt 1997 bei einem Giftgasanschlag in Tokyo. Der Verstorbene erzählt, wie er seine Freundin Haruka getroffen hat, wie er sie verloren hat, wie sie sich prostituiert hat und wie sie kurz nach ihm starb, weil ein Kunde sie ermordet hat. Er erzählt aber auch, was 2002 passiert, wenn er noch leben würde. Oder wenn er wiedergeboren würde ...
"Tokyo X Erotica" will ein Sexfilm für Intellektuelle sein, ein Streifen also, der fast-pornografische Szenen mit Diskussionen über den Sinn und den Wert des Lebens kreuzt. Arthaus-Porn, sozusagen. Doch während dieses Genre mit dem schrillen I. K. U. bereits ein recht gelungenes Beispiel vorweisen kann, ist "Tokyo X Erotica" eine Enttäuschung. Das im nervigen Wackel-Digital-Stil gefilmte Werk dreht sich um die Frage "ist die Zeit nach dem Tod länger als die vor dem Tod". Ein paar scheinbare Passanten und Protagonisten beantworten die Frage, aber letztendlich ist es eine Alibi-Übung. Auch der Rest der Philosophie ist bloss auf Schul-Niveau und dient bloss als Kontrast zum recht harten Sex. Diesem widmet sich Regisseur Takahisa Zeze viel eindringlicher.
Jede der fünf Episoden mündet in einer langen Sexszene. Die erste ist eine der besseren weil surrealen. Ein Mann im Hasenkostüm lässt eine Prostituierte tanzen und sagt Sätze wie "I want to see your asshole. Spread it". Na ja. Wenn sie ihm die Finger in den Arsch stecken muss, sieht irgend ein cleverer Mensch da sicher jegliche Aussagen vom Kampf gegen das Patriarchat bis zum Sieg über die anale Verklemmtheit. Hol's der Teufel: Es ist einfach eine kinky Sexszene. Die nächste (mit ein wenig Sadomaso gewürzt) ist schwächer, hat aber einen recht seltsamen Einfall: Die Cum-Gun - eine mit Sperma gefüllte Wasserpistole, mit der die Schauspielerin herumschiesst und danach den Lover bittet, die Sauerei aufzulecken. Oookay. Wie er danach aber die Frau zu Boden schlägt und geht, entzieht der Szene jedoch allfällige emanzipatorischen Aussagen. Und dann die dritte, die Traum-Sexszene, in der ein hässlicher Kerl Sex mit einer nicht viel schöneren Dame hat und die süsse Haruka dazustösst. Der flotte Dreier endet damit, dass der Typ auf das Gesicht der Hässlicheren abspritzt, sogleich weiterpoppt (eieiei, diese potenten Japaner) und die zweite Dame gleicher Art "bedient". Nach derart freudiger Ejakulation meint er "it's your choice how to live until you die." Oh ja, ich gebe zu, sehr tiefgründig. Ob die Botschaft ist, man solle Sex mit mehreren Partnern haben und denen wenn immer möglich ins Gesicht spritzen, kann ich an dieser Stelle nicht sagen, aber ich bin mir sicher, Zeze will uns etwas tiefgründiges vermitteln.
Oder eben auch nicht: "Tokyo X Erotica" ist ein Fetisch-Streifen für solche, die denken, Fashionistas sei unter ihrer Würde. Dabei geht es in dem Werk letztendlich halt auch nur um den Sex. Anstatt Penetrationen von Körperöffnungen, penetrieren dann halt tiefschürfende Aussagen das Hirn des Zuschauers. Na ja, jedem nach seinem Geschmack. Ich? Ich ziehe "the real deal" vor. Zuerst einen Porno, danach einen Bergman. Beides in einem ist irgendwie bloss halb so gut, oder?

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (J): Code 0 NTSC. Japanisch 2.0. mit englischen Untertiteln. Vollbild.
Alternativer Titel: Tokyo X Erotica: Shibireru Kairaku; Shibireri kairaku
Regie: Takahisa Zeze

Erotikdrama

Action * *

Gewalt * *

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T o m i e :   R e - b i r t h

Reviewed 20.11.03

Japan 2001 Hideo (Shugu Oshinari) tötet seine unheimliche Freundin Tomie (Miki Sakai, Juvenile) und bittet seine Freunde Takumi (Satoshi Tsumabuki, Waterboys) und Shunichi (Masaya Kikawada), ihm beim Vergraben der Leiche zu helfen. Wenig später steht Tomie jedoch wieder auf und will Rache an den drei Männern nehmen. Als erstes treibt die nicht Totzukriegende Hideo in den Selbstmord, dann macht sie sich an Hitomi und seine Freundin Hitomi (Kumiko Endou) ran.
Die "Tomie"-Reihe wird langsam besser. Ich arbeite mich im Zickzack durch die Serie (die Teile eins und fünf habe ich bereits gesehen) und während mich das Original sehr kalt und Forbidden Fruit eher kalt gelassen haben, hab ich mich bei "Tomie: Re-birth" einigermassen unterhalten. Der Film von Takashi Shimizu (Jo-on, Ju-on 2, Ju-on: The Grudge) ist in mehreren Szenen ausgesprochen blutig, in anderen ziemlich ironisch. Und einmal, wenn Shunichi und seine Mutter erst durch das Zersägen von Tomies Leiche wieder zueinanderfinden, sogar richtig schön grotesk.
Doch "Re-birth" hat seine Längen und die Story ist beim vierten Durchlauf langsam aber sicher abgenutzt. Shimizus Interpretation erinnert noch am ehesten an einen Manga (Uzumaki-Zeichner Juni Ito lieferte ja die Vorlage), doch noch immer bricht die Serie nicht aus dem Mittelmass heraus. Damit bin ich gespannt auf "Tomie: Replay", der nach meinem Wissen der blutigste der Reihe ist. Vielleicht auch der beste? Na ja, ich bin schon zufrieden, wenn endlich ein "Tomie"-Film richtig gut wäre ...
Die Tomie-Reihe:
Tomie, Tomie: Another Face, Tomie: Replay, Tomie: Re-birth, Tomie: Forbidden Fruit, Tomie: Beginning, Tomie: Revenge.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (D): Code 2 PAL. Japanisch & deutsch stereo mit deutschen UT. Anamorphic Widescreen.
Regie: Takashi Shimizu

Horrorfilm

Gewalt * * *

Spannung * *

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T r a n s p a r e n t :   T r i b u t e   t o   a   S a d   G e n i u s   ~   S a t o r a r e

Reviewed 10.4.04

Japan 2001 1977 stürzt über Shizuoka ein Flugzeug ab. Bloss ein Kind überlebt. Den Rettungskräften wird schnell bewusst, dass er ein "Transparent" ist. Ein Mensch, der - ohne es zu wissen - seine Gedanken für alle lesbar macht: alle im Umkreis von 10 Metern bekommen seine Gedanken und Gefühle mit! 13 Jahre später ist aus dem Bub Satomi Kenichi (Masanobu Ando) gewachsen, ein junger Mann mit einem IQ von 195. Er ist einer von sieben "Transparents" in Japan, die alle hochintelligent sind und die Wissenschaft des Landes gewaltig vorangebracht haben mit epochalen Erfindungen. Nur Satomi wählt eine andere Laufbahn: anstatt Forscher zu werden, will er Chirurg sein. Deshalb kommandiert die Armee die Psychologin Komatsu Yoko (Kyoka Suzuki) nach Okumino ab. Sie soll Satomi von seiner Idee abbringen. Okumino ist eine abgeriegelte Stadt. Jeder lebt hier, um Satomi die Illusion einer normalen Welt zu verschaffen - denn er darf nicht wissen, dass er ein "Transparent" ist. Die Stadt wird vom Staat an allen Ecken gefördert, weshalb die Leute gerne mitmachen. Für Komatsu ist es am Anfang schwer, Satomis Gedanken einfach ausgeliefert zu sein. Vor allem, als sie bemerkt, dass er verliebt ist: in seine süsse Kollegin Megumi Kawakami (Rina Uchiyama), die sich aber nicht vorstellen kann, mit einem solchen "Freak" zusammenzuleben ...
Katsuyuki Motohiro, Regisseur von Bayside Shakedown und Space Travellers, beginnt "Transparent: Tribute to a Sad Genius" genial. Die Möglichkeiten, die sich auftun, gehen von einer "Truman Show"-esken Satire über Sozialkritik bis Psychodrama. Leider wird kaum eine Möglichkeit genutzt. Vielmehr steht für Motohiro der melodramatische Aspekt im Vordergrund. Insbesondere die letzte halbe Stunde ist Schmalz pur und macht die Lauflänge 131 Minuten zu einer langfädigen Angelegenheit. Zum Schluss kann man eigentlich nur frustriert sein. All das verschenkte Potenzial. Selbst der Hauptcharakter, etwas blass gespielt von Jungstar Masanobu Ando (Space Travellers, Tokyo 10+01, Drive, Battle Royale), bleibt eine Hülle. Bis auf die Emotionen, die er zum Schluss preisgeben muss, bleibt er banal. Seine Gedanken sind leer. Nicht einmal spannende Dinge gehen in ihm vor. Oder alltägliche, die zu Komplikationen führen. "Ich geh mal aufs Klo wichsen". Huch, Schamröte bei seinen Kollegen. Und er fragt sich, wieso alle plötzlich kichern. Oder "dem Kerl würd ich gerne die Fresse einschlagen". Oder ... weiss er Henker. Irgend etwas anstatt "ich bin zu spät" oder "oh ist die süss". Solche Banalitäten sind ja okay für den Anfang, aber irgendwann glaubt man nicht mehr, dass ein junger Mann mit durchschnittlichem Sextrieb und einem IQ von 195 nicht einen schlauen oder kontroversen Gedanken hat. "Transparent" bleibt so moralisch, politisch, sozial und psychologisch sauber. Oder eben langweilig.
Doch, ist man mal über diesen Frust hinweg, ist "Transparent" immerhin noch etwas: ein solides Melodrama. Das Finale ist gut für manche vergossene Träne und Satomis Schicksal ist und bleibt - egal woran er nun denkt oder nicht denkt - ein tragisches. Es ist löblich, dass Motohiro sich eine aufwändige Art und Weise ausdachte, um über die Einsamkeit eines Aussenseiters zu erzählen. Denn auf das wird der Film letztendlich reduziert. Viel Material um wenig, könnte man sagen. Insofern wählt Motohiro einen ähnlichen Ansatz wie M. Night Shyamalan bei Signs, in dem die ganze Alien-Invasionsstory eigentlich Nebensache ist und es im Zentrum um die familiären Probleme eines Ex-Pfarrers und seiner Kinder geht. Signs ist jedoch der spannendere und erwachsenere Film als "Transparent". Der wird einem durchaus in Erinnerung bleiben - aber nur als Film, aus dem man so viel mehr hätte machen können als "nur" ein recht gelungenes Melodrama.

Hier auf DVD erhältlich (koreanische Special Edition)
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Japanisch 2.0. mit englischen Untertiteln. Widescreen (nicht anamotph).

Alternative Titel: Satorare; Tribute to a Sad Genius; Transparent; Satorare - Tribute to a Sad Genius
Regie: Katsuyuki Motohiro

Melodrama

Gefühl * * *

Spannung * *

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V i s i t o r   Q   ~   B i z i t a   Q

Reviewed 2002

Japan 2001 Der Sohn wird von seinen Klassenkameraden täglich gefoltert. Die Wut darüber lässt der Bub an seiner Mutter aus, die er jeden Tag verprügelt und beleidigt. Die Mutter flüchtet in die Heroinsucht. Der Vater dagegen fickt die Tochter. Die kassiert dafür Geld und arbeitet auch sonst als Prostituierte. Da schlägt ein Fremder dem Vater einen Stein über den Kopf und zieht dann bei der Familie ein. Drastische Veränderungen nehmen ihren Lauf.
Solch kranke Filme können nur Japaner machen! Takashi Miike (Audition) filmte diese derbe Satire mit Digitalkamera, was sie noch echter macht. Aber was da abgeht ist nichts für sensible Mägen. Mord, Nekrophilie, Inzest - Stoff aus dem japanischer Fetisch ist. Und doch: Es ist eine Satire. Ist sie gut? Nein. Filmtechnisch lahm, erzähltechnisch langweilig und inhaltlich eher oberflächlich. Ja, man erkennt die Absicht, heile Familienwelt zu demontieren. Ja, es ist lustig, wenn der Vater seinen Pimmel nicht mehr herausziehen kann, weil die Leichenstarre eingesetzt hat - aber das Ganze dient eigentlich bloss der Voyeurslust. Vielleicht will Miike so den Zuschauer überführen - oder einfach nur zeigen, wie krank er ist ... Lasst euch aber nicht vormachen, dies sei ein wichtiger oder tiefgehender Film. Es ist bloss eine Ausgeburt schlechten Geschmacks - also immerhin etwas für mich :)
Hier auf DVD erhältlich (US)
Ich habe die deutsche Version (Code 2) auf japanisch mit deutschen Untertiteln gesehen.
Alternativer Titel: Bizita Q
Regie: Takashi Miike

Schock-Satire

Gewalt * * *

Sex * * *

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W a r m   W a t e r    U n d e r   a   R e d   B r i d g e

Reviewed 2002

Japan 2001 Tokio: Der arbeitslose Yosuke (Koji Yakusho), der von seiner Frau verlassen wurde, macht sich auf der Halbinsel Nato auf die Suche nach einem goldenen Buddha, den sein Freund, der kürzlich verstorbene Bettler und Poet Taro, in einem Haus bei einer roten Brücke versteckt hat. In dem Anwesen trifft Yosuke auf die kleptomanisch veranlagte Saeko (Misa Shimizu). Er verliebt sich in die Frau, die beim Sex Bäche von Wasser herausspritzt, das in den Fluss fliesst und Fische Salzwasserfische anlockt.
Ja, richtig gelesen - so etwas erzählen wohl nur die Japaner. Die skurrile Story durfte der mittlerweile betagte Erfolgsregisseur Shohei Imamura, der schon zweimal in Cannes ausgezeichnet wurde, dann auch erneut in Cannes vorstellen. Gedreht ist der Film distanziert. Close-ups und Kamerabewegungen gibt es kaum, das Geschehen und die Charaktere verfolgen wir durch eine fast statische Kamera meist aus der Ferne. Beinahe nüchtern - wären dazwischen nicht die Momente, in denen das Wasser aus Saeko heraussprudelt. Bizarr, bizarr. Doch was will uns Imamura mitteilen? Soll es eine Parabel auf weibliche Fruchtbarkeit sein? Und eine Geschichte über männliche Midlife-Crisis? Wohl schon, doch das ist nicht genug. Und dass Imamura den Film einfach nur ausplätschern (in diesem Fall eine angebrachte Wortwahl) lässt, macht das Ganze auch nicht gerade besser.
Hier auf DVD erhältlich (US)
Ich habe
den Film auf Video in japanisch mit englischen Untertiteln gesehen.
Alternativer Titel: Akai hashi no shita no nurui mizu
Regie: Shohei Imamura

Drama

Spannung *

Humor *

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W a t e r b o y s

Reviewed 2003

Japan 2001 An der Tadano Boys High School fängt die liebliche Sakuma als Schwimmlehrerin an, worauf sich die halbe Schülerschaft bei ihr zum Kurs einschreibt. Als sie verkündet, sie möchte die Jungs im Synchronschwimmen trainieren, sind auch alle so schnell wieder verschwunden: Bis auf fünf Loser - Suzuki (Satoshi Tsumabuki), Sato (Hiroshi Tamaki), Ohta (Akifumi Miura), Kanazawa (Koen Kondo) und Saotome (Takatoshi Kaneko). Da merkt, Sakama, dass sie schwanger ist und Ferien braucht. Für die fünf die ideale Chance, auszusteigen. Doch sie entscheiden sich nochmals anders. Für einmal wollen sie beweisen, dass sie etwas drauf haben. Sie verkünden, sie werden beim traditionellen Tadanao Schulfest als Synchronschwimmteam auftreten ... doch bis dahin ist es ein weiter Weg.
Lose auf Tatsachen basierend schuf Regisseur Yaguchi mit "Waterboys" eine höchst unterhaltsame Komödie, die zwar mehr als oft beim Hit "The Full Monty" sowie anderen "you can do it"-Filmen wie "Bring It On", "Cool Runnings" oder Iron Ladies abguckt, aber stets formidabel unterhält. Das DVD-Cover mit fünf Bubis in kitzekleinen Badehosen suggeriert beinahe einen Schwulenfilm - doch obwohl das Thema eine Rolle spielt und Yaguchi auch ziemlich offensichtlich den Gay-Markt im Auge hatte, ist "Waterboys" kein explizit schwuler Film. Vielmehr ein Spass für beide Geschlechter. Die Darsteller sind süss, talentiert - und zeigen zum Schluss natürlich auch ein Synchronspektakel. Selbst der Humor (in japanischen Filmen oft eine delikate Sache) funktioniert in "Waterboys" und kommt als eine Art Mischung aus Slapstick und subtilem Witz hinüber. Selbst bei den Pointen hat Yaguchi ziemlich oft auf "The Full Monty" geschielt. Kann man ihm böse sein? Ein wenig, weil so einfach die Innovation fehlt, womits die 3½ Sterne auch nur ganz knapp gibt - dann aber wieder doch nicht, denn das vorliegende Resultat ist schlicht zu liebevoll ... swim it on, boys!
Hier auf DVD erhältlich
Ich habe die koreanische Version (Code 3) auf Japanisch mit englischen Untertiteln gesehen.

Alternativer Titel: Water Boys
Regie: Shinobu Yaguchi

Komödie

Humor * * *

Erotik *

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