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Regisseure, Shaw Bros.

 

 

 

B r u s h   U p   M y    S i s t e r s

Reviewed 26.10.03

Hongkong 2003 Mak Lin trauert ihrer ermordeten Schwester nach - und will Rache. Dazu muss sie an eine Waffe kommen. Nach vergeblichen Versuchen, sich eine Pistole zu kaufen, meldet sie sich bei der Polizeischule. Da will sie an das nötige Gerät für ihre Vergeltung kommen. Yam Ying-ying (Natalie Ng) verliebt sich derweil in den niedlichen Cop Mr. Kwok (Jackie Lui Chung-yin). Da sie denkt, er würde nur auf eine Frau in Uniform anspringen, meldet auch sie sich zur Polizei. Und dann ist da Kammy Ching. Sie soll für das Revolverblatt "Ten's Weekly" einen lesbischen Sex-Skandal in der Polizei-Ausbildung ausschlachten. So beginnen die drei Frauen ihre Ausbildung und werden durch das harte Training zu Freundinnen.
"Brush Up My Sisters" kommt mir vor wie das Urlaubsvideo eines 17-Jährigen. Der eigentliche Sinn des Films besteht darin, schöne Frauen in Lara-Croft-mässigen Polizisten-Hot-Pants zu sehen. Einordnen kann man das Werk nur schwer. Irgendwo zwischen Komödie, Thriller und Zeitverschwendung. Nach 25 Minuten spritzt einmal Wasser auf die Girls - einfach so, damit Regisseur Martin Lau eine längere Wet-T-Shirt-Sequenz in Zeitlupe einbauen kann. Ja, so billig ist der Film. Spannend ist er nicht, auch nicht wirklich lustig, sondern vor allem peinlich. Der Look ist schäbig, das Bild hat kaum Farbe und ist amateurhaft geframet. Eben: Wie ein Heimvideo eines hormongesteuerten Teenagers. Dass sowas überhaupt auf DVD kommt ist nicht zu verstehen. Das Cover sieht ja sexy aus und hat mich dazu verleitet, die Disk zu kaufen. Lasst euch nicht irreführen: "Brush Up My Sisters" ist billig, langweilig und keinen Blick wert. Ja die Girls sind sexy, aber wenn ihr einen guten HK-Thriller mit heissen Bräuten in Kampf-Action wollt, gebt Naked Weapon eine Chance. Der ist geil, "Brush Up" ist dagegen ein Furz.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Englisch 5.1. mit englischen UT. Widescreen (Hülle sagt Vollbild)
Alternativer Titel: 新紮師姐
Regie: Martin Lau Kwok-Wai

Thriller /
Komödie

Action * * * *

Erotik * *

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C h i n e s e   O d y s s e y   2 0 0 2   ~   T i a n   x i a   w u   s h u a n g

Reviewed 10.10.05

Hongkong 2002 Prinzessin Wushuang (Faye Wong Jing-Man) und Kaiser Zheng De (Chang Chen) sind vom Palastleben gelangweilt und versuchen zu fliehen. Während die Kaisermutter (Rebecca Pan Tik-Wa) Zheng De abfangen kann, schmuggelt sich die Prinzessin in Männer-Kleidern unters Volk. So trifft sie auf das Geschwisterpaar Li Yilong (Tony Leung Chiu-Wai) und Phoenix Feng (Vicki Zhao Wei). Der Taugenichts Yilong sieht in Wushuang einen Gatten für seine Schwester, die gerne in Männerkleidern herumläuft. Doch während dem Verkuppeln empfindet er plötzlich selbst Gefühle für den "Mann". Die enttäuschte Phoenix, die merkt, dass Wushuang eher auf ihren Bruder fliegt, erobert dafür das Herz eines echten Mannes: Kaiser Zheng De.
Mit The Eagle Shooting Heros verarschte Jeffrey Lau 1993 den Martial-Arts-Film Ashes of Time seines Produzenten Wong Kar-Wai. Fast zehn Jahre später spannen die beiden wieder zusammen und veräppeln mit "Chinese Odyssey 2002" die einheimischen Historienfilme und vor allem ihr eigenes Oeuvre. Laus Chinese Odyssey-Filme der 90er, die mit Stephen Chow in der Hauptrolle die klassische "Journey to the West"-Geschichte aufarbeiteten, sind dabei die hauptsächlichen Opfer. Doch die Parodie zitiert und karikiert nicht nur - sie unterhält auch prächtig.
Das Level an Wahnsinn reduzierte Lau im Vergleich zu The Eagle Shooting Heroes leicht, doch der Film ist noch immer irrwitzig und schräg. Riesenohren, künstliche Narben, Liebe über alle Geschlechtergrenzen, "Chopsticks are fun"-Musical-Einlagen und vieles mehr heben die eigentliche Geschichte stets wieder aus den Angeln und gibt der episodenhaften Komik den Vorrang. Die Story selbst ist amüsant, romantisch und ganz klassisch aufgezogen. Doch wirklich gut wird sie erst durch die Durchbrechung der Meta-Ebene, der direkten Kommunikation mit dem Zuschauer und dem immer wieder angehaltenen Film, der aus dem Off quasi kommentiert wird.
Diese Technik, die einen als Zuschauer stets aus dem Film reisst, funktioniert hier blendend und setzt von Anfang an den Tonfall fest. Und dies zieht sich eine Stunde lang blendend dahin. Von der absolut genialen Eröffnungsmusik über Tony Leungs Kampfankündigung, die von fliegenden Papierblättern unterbrochen wird bis hin zu vermeintlich homosexuellen Küssen und dem blühenden Baum ist "Chinese Osyssey 2002" eine Fundgrube an Zitaten, Albernheiten und Frivolitäten. Sogar den Filmtitel von Wong Kar-Wais nächster Regiearbeit ("nach Dokument #2046 benutzte die Prinzessin zur Flucht ihren harten Kopf") hat Lau bereits ironisch eingebaut.
Erst in der letzten halben Stunde, wenn der Plot wichtiger und der Humor dünner wird, ebbt der Film etwas ab. Fast scheint es, als verliere Lau den Glauben an das Durchhaltevermögen seiner abstrusen Ideen und greife auf Konventionelleres zurück. Doch abgedreht ist "Chinese Odyssey 2002" auch in seinen letzten Zügen allemal. Und zum Schluss manifestiert er sich sogar als Plädoyer für das Ausleben aller Liebesformen - nach dem Motto: "wenn du dummerweise ein Mann bist, werde ich halt die Frau. Oder umgekehrt". Das klassische chinesische Cross-Dressing in allen Kunstformen wird hier also ganz liebevoll auf die Schippe genommen.
Den letzten Kick verleiht dem Film jedoch die Bildsprache. Hier darf nicht nur gelacht, sondern auch gestaunt werden. Manch poetisches Bild schmuggelt sich in die Handlung. Während The Eagle Shooting Heros primär bunt war, sind hier doch Kamera-Profis am Werk, die im Falle eines seriös aufgezogenen Films auch ein paar Preise in dieser Kategorie abgeräumt hätten. So reichte es bei den Hongkong-Film-Awards immerhin noch für vier Nominationen: Musik, Kostüme, Art Direction, Faye Wong. Alle verdient. Auch Tony Leung, der mal wieder komödiantisches Timing beweist, hätte noch berücksichtigt werden können. Und eben die Kamera. "Chinese Odyssey 2002" ist also sicherlich ein Anschauen wert. So mancher dürfte vom Mix aus Ulk, Bildpracht, Romantik und noch mehr Ulk durchaus überrascht sein.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0. Kantonesisch, Mandarin 5.1 mit engl. Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph).
Alternative Titel: Tian xua wu shuang; 天下無雙
Regie: Jeffrey Lau Chun-Wai

Parodie

Humor * * * *

Action * *

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C o l o u r   o f   t h e   T r u t h   ~   H a k   b a k   s a m   l a m

Reviewed 5.8.04

Hongkong 2003 1993: Der Polizist Seven-up Chan (Sean Lau Ching-Wan) und der befreundete Mongkok-Gangsterboss Blind Chiu (Francis Ng Chun-Yu) stossen auf dem Dach auf den ambitionierten Inspektor Huang Jiang (Anthony Wong Chau-Sang). Es fallen drei Schüsse, Chiu und Chan sind tot. Für Chans Frau (Pinky Cheung Lai-Yiu) ist klar: Huang hat ihren Gatten ermordet. Sie trichtert ihrem Sohn "Coke" Lok-yin ein, er müsse sich dieses Gesicht einprägen. Im Jahr 2001 tritt Coke (Raymond Wong Ho-Yin) ins Polizeicorps ein. Schon zwei Jahre später wird er der Spezialeinheit von Huang Jiang zugeteilt. Er wartet auf den Moment, sich zu rächen. Auch Chius Sohn Ray (Jordan Chan Siu-chun) macht Druck. Doch vorerst hilft Coke seinem Vorgesetzen bei der Lösung eines Falls: Der vietnamesische Gangster Cyclops (Terence Yin Chi-Wai) glaubt, der Gangsterboss Wong (Patrick Tse Yin) habe sein Koks versteckt. Wong verlangt deshalb Polizeischutz für sich und seine Familie. Wongs Tochter Katie (Gillian Chung Yan-Tung) interessiert sich bald für ihren Bewacher Coke ...
Der Thriller von Tsui Hark-Zögling Marco Mak (Xanda) und dem vielbeschäftigten Regisseur / Produzenten / Autor Wong Jing (City Hunter) ist ein routinierter Cop-Thriller, der ein zweites Infernal Affairs sein möchte, aber nicht annähernd dessen Niveau erreicht. Das soll nicht heissen, der Film sei schlecht. Im Gegenteil: Er ist souverän gespielt, unaufdringlich inszeniert und durchs Band hinweg recht spannend. Das Finale mit einem typischen Mexican Standoff will erneut Infernal Affairs in Erinnerung rufen (nicht zuletzt wegen dem Setting auf dem Dach), doch es ist in gewissen Belangen eine kleine Enttäuschung, weil es die Stories, die vorher aufgebaut wurden, nur zum Teil löst. Zuvor gibts aber alles, was der geneigte Hongkong-Fan erwartet: Action, Thrill, ein wenig Romantik, ein bisschen Erotik, eine Spur Humor, eine Dosis Coolness und eine nicht zu verachtende Menge an spritzigen Schuss- und Stechwunden ...
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (CH): Code 2 PAL. Deutsch und Kantonesisch 2.0 und 5.1 mit deutschen Untertiteln.
Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Hak bam sam lam; Hei bai sen lin; Black White Forest; 黑白森林
Regie: Marco Mak Chi-sin, Wong Jing

Thriller

Spannung * *

Action * *

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D i s t i n c t i v e

Reviewed 2003

Hongkong 2002 In den Wäldern um Yunnan soll ein Monster leben, das Potenz und Reichtum ermöglicht - oder den Tod. Für die Bauern der Region ist "Distinctive", wie das Unding heisst, ein Gott. Nun hat eine Zeitung $100 000 für den versprochen, der die Haut des "Distinctive" beschafft. Zwei Umweltschützer, zwei Reiselustige und der dickliche Zebra machen sich mit dem ortsansässigen Feilung auf, um das Moster noch vor allfälligen Wilderern zu finden. Doch die Teenager begeben sich damit in Teufels Küche ...
Zu diesem Scheiss viele Worte zu verschwenden, ist die Zeit nicht wert. Es handelt sich bei "Distinctive" um einen auf unterstem Amateur-Niveau gefilmten, ebenso wirren wie un-spannenden Billig-Horrorfilm, dessen Monster nicht nur lächerlich heisst, sondern auch durch und durch lächerlich ist. Na ja, jedenfalls die eine Hand, die man davon sieht. Die Schauspieler sind bemüht, alles andere kann man getrost rauchen. 82 der langweiligsten Minuten in meinem Leben - und nein, das Machwerk hat nicht einmal Trash-Qualitäten. Es ist einfach nur unsäglich öde!
Hier auf DVD erhältlich
Ich habe die HK-Version (Code 0) mit englischen Untertiteln gesehen.
Alternativer Titel: 動物凶靈
Regie: Gan Ya

Horrorfilm

Spannung *

Action *
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D o u b l e   V i s i o n   ~   S h u a n g   t o n g

Reviewed 14.1.04

Taiwan / Hongkong 2002 Taiwan: Der Boss eines Chemiekonzerns wird tot in seinem Büro aufgefunden. Er scheint erfroren zu sein. Wenig später wird die Geliebte eines Politikers tot aufgefunden. Sie hat alle Merkmale einer tödlichen Verbrennung, aber nirgends ist Feuer. Als auch noch ein Priester aufgeschnitten wird, seine Organe bei lebendigem Leibe herausgeschnitten und gewaschen werden, um danach wieder hineingenäht zu werden, ist der Cop Huang Huo-tu (Tony Leung Ka-Fai) am Ende seiner Weisheit angelangt. Zum Glück erhält er Hilfe aus Amerika: Der FBI-Agent und Profiler Kevin Richter (David Morse) soll bei der Aufklärung helfen. Die beiden entdecken, dass pilzartige Milben in den Hirnen der Opfer sassen, die orgiastische Fantasien hervor riefen und die Opfer in den Tod trieben. Steckt etwa eine Sekte dahinter, die durch diese Tötungen Unsterblichkeit erlangen will?
Mit dem grössten je freigegebenen Budget in Taiwans Filmgeschichte machte sich Regisseur und Ex-Filmkritiker Chen Kuo-fu ("Peony Pavilion") daran, eine asiatische Antwort auf "Seven" zu drehen. Mit mehr Taoismus und mehr Übersinnlichem, versteht sich. Andere Elemente von "Seven" sind klar übernommen: Das ungleiche Cop-Duo, scheussliche Morde mit versteckten Hinweisen, ja sogar im Finale gibt es kleinere Parallelen. Chens "Double Vision" ist jedoch nicht bloss ein plumper Abklatsch, sondern entwickelt ganz eigene Fragestellungen, ganz eigene Spannungsmomente und einen ganz eigenen Reiz. Eine zentrale Frage ist "was ist real?" und in diesem Bereich führt Chen die Zuschauer mehrere Male aufs Glatteis und lässt uns miträtseln.
Auch die Besetzung ist ausgesprochen ungewöhnlich. US-Schauspieler David Morse und Hongkong-Star Tony Leung Ka-Fai leiten die Ermittlungen. Sie sind nicht das typische asiatisch-amerikanische Buddy-Team, in dem der Asiate Kung Fu kann und de Ami toughe Sprüche macht. Vielmehr sind beides seelisch angeschlagene, aber sehr kompetente Cops, die die Ermittlungen seriös betreiben. Wenn man schon nach Beispielen aus der Filmwelt sucht, wird man eher (wieder) bei "Seven" und gewissem Sinne auch "X-Files" fündig, denn der eine glaubt an übersinnliche Phänomene, der andere nicht. Doch so clever der Besetzungscoup auch ist, ich konnte mich nicht mit Morse anfreunden. Leung ist gut und zum Glück der Star des Films, Morse jedoch erschien mir allzu gleichgültig, szenenweise sogar gelangweilt. Das drückt die Qualität nach unten. Doch auch Chens Drehbuch hat Probleme. Das Finale zum Beispiel ist enttäuschendes Hokuspokus ohne die vorangehend aufgebaute Spannung voll auszunutzen. Überhaupt nutzt Chen nicht aus, was er aufbaut. Der ganze Plot mit den Pilz-Käfern bleibt vage, die Sekten-Handlung versandet plötzlich und auch die titelgebenden Doppel-Augen sind mehr ein Gimmick als wirklich ein ausgelotetes Phänomen. Vielleicht hätte "Double Vision" 30 Minuten länger sein können.
Doch das soll nicht heissen, der Film sei das Angucken nicht wert. Im Gegenteil. Chen bildet bedrückende Atmosphäre, erzählt eine interessante Grundgeschichte und platzt plötzlich mit einer Szene aus der Handlung heraus, die man nicht so schnell vergisst: Im Tempel-Massaker, das die Polizisten genauso überraschend ereilt wie die Zuschauer, geht es voll zur Sache: Mit CGI-Effekten, die dem grossen Budget gerecht werden, werden Arme und Köpfe abgetrennt, Schädel gespalten und Körper durchstochen was das Zeug hält. Dank grossem Tempo und mit maximalem Body-Count sticht die Szene aus dem Rest des Films heraus. Definitiv das cineastische Highlight von "Double Vision". Doch weil sich auch das darum zu Entwirren lohnt kriegt der Film von mir eine Empfehlung.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Achtung: Die Code-1-DVD (USA) ist "Rated" und um drei Minuten gekürzt!
Alternative Titel: Shuang tong; 雙瞳
Regie: Chen Kuo-fu

Horrorthriller

Spannung * * *

Gewalt * *

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D r u n k e n   M o n k e y   ~   C h u i   m a   l a u

Reviewed 15.7.04

Hongkong 2002 China in den 1930er-Jahren: Der Händler Bill Man (Liu Chia-Liang) muss erkennen, dass sein Bruder Man Pao (Chiang Chun-wan) mit Opium dealt. Pao bittet Bill, ihn zu verschonen, wenn er ehrlich werde. Doch kurz darauf lockt Pao Bill heimtückisch in eine Falle. Zusammen mit dem brutalen Bandenboss Yui Hoi-yeung (Chi Kuan-chun) will er den Bruder töten. Er entkommt schwer verletzt und wird von Mandy Min Xiao  (Shannon Yao Yao) gesund gepflegt. Ein Jahr später: Chan Kai-yip (Lau Wing-kin) will ein Handbuch zum Monkey-Kampfstil erstellen und bittet seinen jüngeren Grossonkel (Jacky Wu Jing), dafür zu posieren. Doch ihnen fehlen noch etliche Bewegungen. Da entdecken sie Bill Man und bitten ihn, sie zu trainieren. Er akzeptiert - denn er hofft, endlich Rache an seinem Bruder zu nehmen ...
Offiziell haben die legendären Shaw Brothers 1986 ihre Tore geschlossen. Als Teil des TV-Imperiums TVB drehten sie Filme für die Flimmerkiste. 2002, wohl als Teil der Promotion für die 760 Shaw-Titel, die Celestial auf DVD herausbringen will, wurde der erste offizielle Shaw-Film nach 15 Jahren Pause lanciert: "Drunken Monkey". Und wer eignet sich besser dafür, als der Grandsegnieur der Shaw-Choreografie, Liu Chia-Liang? Der Altmeister trat vor und hinter die Kamera, versammelte alte Bekannte und neue Stars und drehte einen Film, der in Sachen Kampfchoreografie an die Klassiker anknüpft, aber inhaltlich und visuell nicht mithalten kann.
Die Shaws hatten in den 60ern, 70ern und 80ern ihre gigantischen Sets zur Verfügung, die auch dem schlechtesten Film noch eine gute Ausstattung bescherten. Diese Sets sind weg und das spürt man. "Drunken Monkey" sieht vergleichsweise billig aus. Auch die Kameramänner von damals fehlen. Nun hat das Bild einen TV-mässigen, klaren Look, der ebenfalls das typische Shaw-Feeling ausblendet. Aber man schaut sich einen Film von Liu Chia-Liang ja primär wegen den Fights an. Die sind eigentlich klasse. Liu greift zurück auf traditionellen Kung-Fu ohne CGI und mit nur wenig Wirework. Lange Takes und innovative Kampfstile, vorgetragen von einigen der Besten des Genres. Liu selbst beeindruckt mit seiner Geschwindigkeit, sein Adoptivbruder Gordon Liu Chia-Hui (Kill Bill) hat leider nur einen kurzen Auftritt als Drogenjäger. Überzeugend hingegen Chi Kuan-chun als Fiesling und Festlands-Star Jacky Wu als etwas trotteliger Zögling. Insbesondere gegen Schluss wird sozusagen nonstop geprügelt - und dies auf stets hohem Niveau. Das Problem dabei: Das Ganze ging mir am Arsch vorbei.
Die Kämpfe können noch so gut sein, wenn man sich nicht gross für das Drumherum interessiert. Der Plot von "Drunken Monkey" ist schwach, der Mix aus Action und Comedy unausgegoren, die Charaktere nicht der Knüller. Gordon Lius Charakter ist unmotiviert eingeführt und dient nur dazu, den Star auch noch kurz zum Zug kommen zu lassen. Wenn dann die grandiose Fight-Action eingeläutet wird, sieht man den Bewegungen zwar interessiert zu, doch da Liu es nie geschafft hat, die Zuschauer wirklich für den Plot zu erwärmen, bleibt auch die Spannung weg, fehlen die Emotionen, die man investieren sollte. So bleibt "Drunken Monkey" ein interessantes Kuriosum. Ein Film aus einer vergangenen Ära, den sich zwar kein Kung-Fu-Fan entgehen lassen sollte, der aber an entscheidenden Problemen leidet. Leider alles andere als eine gloriose Rückkehr für Liu Chia-Liang
. Der Mann bleibt dennoch eine Legende.
Hier auf DVD erhältlich (Thai)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (Thai): Code 3 NTSC. Mandarin 5.1., Kantonesisch 5.1 und Thai 5.1./DTS
Mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Chui ma lau; Zui ma liu; 醉馬騮
Regie: Liu Chia-Liang

Actionkomödie

Action * * *

Humor * *

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T h e   E y e   ~   J i a n   g u i

Reviewed 2002

Hongkong / Singapur / Thailand 2002 Seit sie zwie Jahre alt ist, ist Mun (Angelica Lee Sin-Jie) blind. Nun kriegt sie eine Netzhaut-Transplantation und erlangt neues Augenlicht. Nach einer schmerzhaften Anpassungsphase kann sie endlich wieder sehen. Doch sie sieht zuviel: den Tod! Wenn ein Mensch stirbt, sieht sie den Tod die Seele des Verstorbenen holen. Wenn ein Mensch Selbstmord begangen hat oder aus dem Leben gerissen wurde, sieht sie, wie die Person ihren Tod jeden Tag wieder durchleben muss - Mun verliert fast den Verstand.
"The Sixth Sense" Hongkong style: Die in Hongkong geborenen und in Thailand zu Film-Ehren gekommenen Pang-Brüder Oxide und Danny (Bangkok Dangerous) sackten für ihr Werk "The Eye" viel Lob ein. Dies kann ich nicht komplett nachvollziehen: "The Eye" ist zwar spannend inszeniert, hat ein paar echt gruselige Szenen und die Musik packt von Anfang an, doch die Story ist so innovativ dann nicht. M. Night Shyamalans Kassenschlager, aber auch "The Mothman Prophecies" standen ganz deutlich Pate. Visuell ist der Film immerhin sehr ansprechend, die Atmosphäre ist unheimlich. Dadurch wird "The Eye" einfach nur zum guten Nervenkitzler. Nicht mehr, aber zum Glück auch nicht weniger. Bei all dem Hype um den Film hätte ich mehr erwartet und der Film verpasst so die 3½ Sterne. Die lahmere Fortsetzung The Eye 2 erschien 2004.
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Ich habe die HK-Version (Code 3) in Kantonesisch mit englischen Untertiteln gesehen.
Alternative Titel: Jian gui; Gin Gwai; 見鬼
Regie: Pang Brothers

Horrorfilm

Spannung * * *

Gewalt *

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F e e d i n g   B o y s ,   A y a y a

Reviewed 24.7.05

China 2003 Xiao Bo stammt aus einer Mittelklasse-Familie in Peking. Er und sein Freund Zai-Zai verdingen sich als Stricher-Jungen. Xiao Bos Bruder Dabin, ein engagierter Christ, will ihn aus dieser sündigen Arbeit befreien und nimmt sich vor, alle Stricher Chinas auf den "richtigen Weg" zurückzuholen. Doch die Missionierungsarbeit von ihm und seiner Freundin Wen-Wen bleibt nicht von Erfolg gekrönt.
Gedacht als kühnes Underground-Experiment, als erstes Gay-Movie Chinas und als Satire auf das kapitalistische Experiment des Landes ist "Fedding Boys, Ayaya" letztendlich doch nur eines: dröge. Der 76 Minuten kurze Langweiler stammt von Cui Zi'en, einem Professor an der Filmhochschule Beijing, der auch als Autor und Schauspieler arbeitet und offen zu seiner Homosexualität steht. Das ist schön, macht aber seinen Film weder kontroverser, noch aufrüttelnder oder besser. "Feeding Boys, Ayaya" ist primär einfach furchtbar schlecht inszeniert.
Die Digitalkamera wirbelt manchmal um die Akteure, als sei Michael Bay am Werk, bloss ohne die Spur von visueller Attraktivität, weshalb es einem schnell übel wird. Dann wieder wackelt sie in stoischen Szenen in der Gegend rum und Cui vergisst sowohl, die Akteure im Bild zu halten als auch das Licht einzusetzen. Die Beleuchtung, sofern man von einer reden kann, ist katastrophal und die Schauspieler deshalb im Bildvordergrund meistens schwarz. Wenn man das unter "underground filmmaking" versteht, dann will ich bitte sofort wieder an die Oberfläche.
Der wirre Schnitt, die Amateur-Akteure und die Trommelfell-zersägende Musik machen den Stuss auch nicht besser. Doch selbst beim Inhalt greift Cui daneben. Es ist klar, dass er mit der direkten Sprache aufrütteln will und insbesondere seiner Heimat zu einem neuen Selbstverständnis gegenüber Schwulen verhelfen will. Aber wie dieser Film das erreichen soll, bleibt mir ein Rätsel. Die Dialoge sind nämlich extrem zahm, und da, wo sie etwas rüder werden, machen sie kaum mehr Sinn - die ironische "wir sind auch Säugetiere, weil wir uns gegenseitig auch 'Milch' geben"-Aussage zum Beispiel, ist überkonstruiert. Die hilflose Bibel-Demontage ist umso lausiger, weil ihr nicht etwa eine schlaue Argumentation seitens unserer homosexueller Protagonisten entgegensteht. Dieses Thema ist reizvoll und ich hätte gerne gesehen, wie Bibelkenner und Homosexuelle darum gestritten hätten, wie die Bibel, die Kirche und die Gläubigen den Schwulen gegenüber eingestellt sind. Davon zeigt der Film nichts. Vielmehr sinnloses Blabla, unmotiviert verknüpft zu Dialogen, welche die Bezeichnung kaum verdienen.
"Feeding Boys, Ayaya" ist einfach ein schlechter Film. Technisch und inhaltlich. Der satirische Effekt ist minim, der aufklärerische ebenso und wer Sex sucht, findet auch keinen. Eineinhalb Sterne gibts für den Mut, Homosexualität in einer repressiven Gesellschaft zu filmen und zu zeigen. Und für den Goodwill gegenüber den Strichern, die ihre Arbeit als etwas ganz normales anschauen. Leider fehlt dem Film die Kraft, dies auch zu vermitteln.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 0 NTSC. Mandarin 2.0 mit englischen Untertiteln. Vollbild.
Alternativer Titel: Aiyaya, qu buru; 去哺乳
Regie: Cui Zi'en

Milieustudie

Erotik *

Humor *

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F o r   t h e   C h i l d r e n   ~   M e i l i   d e   d a j i a o

China 2002 Ausführliche Kritik: hier.

 

F u   B o

Reviewed 26.12.03

Hongkong 2003 "Fu Bo", Onkel Fu, ist der Übername aller Leichenhaus-Assistenten. Ein solcher Fu Bo macht alle Sezierungen für die Gerichtsmedizin. Er versucht, die Ehre der Toten zu erhalten, macht seine Arbeit aber scheinbar ohne Emotionen. Dass er stets Nachschub bekommt, dafür sorgt der Killer Gui, der in Hongkong wütet. Ob er einst in der Todeszelle landen wird? Dort arbeitet ein portugiesische Koch und bereitet den Todeskandidaten ihr letztes Mal vor. Des öfteren muss er auch die Leiden und Lebensgeschichten der Gefangenen anhören ...
Ein Arthaus-Schocker, das in etwa ist "Fu Bo". Der Film mit seinen drei Erzählsträngen ist etwas schwer zu fassen. Die Story des Killers ist die Schwächste und Konventionellste. Fast ebenso aufgeblasen, aber nicht wirklich tiefschürfend ist die des Kochs, in der Anthony Wong Chau-Sang und Eric Tsang
Chi-Wai (wieder zusammen nach Infernal Affairs) kleine Auftritte haben. Die Storyline, die den Film aus dem Schlamm zieht, ist die wichtigste, die titelgebende: Die um Fu Bo und sein Leichenschauhaus.
Da kommt auch besagter "Schocker" zum Zug. Leute werden aufgeschnitten, Organe seziert, Menschen zugenäht, ein totes Baby wird aus einer männlichen Leiche entfernt - zusammen mit viel Seegras. Diese und ähnliche widerliche Dinge gibt es analytisch und kühl gefilmt zu beobachten. Ein wenig als Schauswert, aber vor allem als Mittel des Kontrasts. "Fu Bo" ist nämlich, wie die etwas aufgedrückten Zitate am Schluss nochmals klar machen, ein lebensnejahender Film. Und obwohl Fu betont, er möchte die Würde der Toten bewahren, ist doch ganz klar: Dieses Stück Fleisch auf dem Tisch war mal lebendig - und ist lebendig vorzuziehen. Das Leben ist besser als der Tod. Soweit die Aussage, doch die beiden schwächeren Kapitel tragen wenig zu dieser Botschaft bei. Die Gangsterstory überhaupt nicht, und die Todeskandidaten-Story nur bedingt. Was bei dieser noch auffällt, ist, dass alle Schwerverbrecher als melancholische, reuige Geschöpfe gezeigt werden. Ich bin ja auch ein erbitterter Gegner der Todesstrafe, aber das heisst noch lange nicht, dass all diese zum Tode Verurteilten wie Lämmer aussehen müssen. Oder Opfer. Fürs Protokoll: Es gibt auch böse Schwerverbrecher in diesen Todeszellen. In "Fu Bo" Film werden sie ausgeblendet.
Wenn dies wenigstens der Botschaft helfen würde, könnte ichs noch verstehen. Aber ob die Zelleninsassen nun lieb oder nicht sind, ist für das Gesamtbild von "Fu Bo" irrelevant - weil eben dieser Handlungsstrang irrelevant ist. Schaut euch "Fu Bo" für die Haupt-Story an. Vergesst das etwas distanzierende Arthaus-Getue sowie die beiden schwächeren Stories. Der Film ist bloss 82 Minuten lang, einen Grossteil davon nimmt Fu Bos Story ein. Und die ist es wert, angesehen zu werden. Vorausgesetzt, man hat einen starken Magen, versteht sich!

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Kantonesisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph)
Alternative Titel: Fubo; Fu bo; 福伯
Regie: Lee Kung-Lok, Wong Ching-Po

Drama

Ekel * * * *

Anspruch * *

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F u l l t i m e   K i l l e r   ~   C h u e n   j i k   s a t   s a u

Reviewed 2002

Hongkong 2002 Der Japaner O (Mr. GTO Takashi Sorimachi) ist der beste Killer Asiens. Doch nun kriegt er Konkurrenz: Tok (Andy Lau Tak-Wa) aus Hongkong inszeniert seine Aufträge filmreif und hat es auf O's Thron abgesehen. Dazu freundet er sich erst einmal mit Chin (Kelly Lin Hsi-Lei) an, die O's falsches Appartment reinigt. Die zwei werden ein Paar. Derweil wird O langsam klar, dass es jemand auf ihn abgesehen hat ...
Die Befürchtung, dass Korea und Japan sich den Kuchen an gestylten Action-Epen teilen würden, der einst vollständig von Hongkong gebacken wurde, war seit der Übergabe Hongkongs an China und mit der parallelen "Flucht" von Regisseuren wie John Woo und Stars wie Chow Yun-Fat weit verbreitet. Doch Hongkong kann es immer noch - und "Fulltime Killer" ist der beste Beweis. Die Baller-Ballade von Johnny To wurde von Co-Star Andy Lau produziert und zeigt zwei Killer mit farbigen Retro-Kleidern, coolem Auftreten und skrupellosem Sinn fürs Morden. Die erste Stunde ist eine Achterbahn mit elektrisierenden Kamerafahrten, exzessiver Gewalt und einer Prise Humor.
Besonders clever ist, dass Tok ein Filmfan ist, und so Zitate von "Leon" über "Point Break" bis "El Mariachi" eingestreut werden können. Das Ende ist seltsam, da es einen Polizisten, der zuvor eigentlich kaum vorkam, zum Aufhänger macht. Aber das ermöglicht To zwei brillante Enden in einem: Das eine aus Beethoven, Feuerwerk und Freude, das andere aus Bach, Dunkelheit und Melancholie. Schön - und genau so haben wir doch John Woo in Erinnerung. Nun, da John in den USA mässige Kriegsfilme oder leblose Sequels dreht, ist "Fulltime Killer" ein guter Woo-Ersatz. Ich wage noch nicht zu sagen, Hongkong sei zurück, doch weg vom Fenster ist es wohl doch noch nicht ...

Auf DVD erhältlich - ich habe die HK-Version (Code 3) mit englischen UT gesehen.
Alternativer Titel: Chuen jik sat sau; 全職殺手
Regie: Johnny To Kei-Fung, Wai Ka-Fai

Actiondrama

Gewalt * * *

Action * * *

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F u r e u r

Reviewed 14.1.04

Frankreich / Hongkong 2003 Raphael Ramirez (Samuel Le Bihan) coacht seinen jüngeren Bruder Manu (Yann Trégouët) im Thai-Boxen. Sie sind ein eingespieltes Team. Als sich eines Tages Raphael in die zierliche Hongkong-Chinesin Chinh (Yu Nan) verliebt, ziehen Wolken auf. Nun hat er nämlich Streit mit Chinhs Verlobtem Tony (Bounsy Luang Phinith), der vor lauter Wut die kleine Garage der Ramirez' anzündet. Raphael steht vor dem Nichts, sein Bruder will helfen. Er lässt sich heimlich für ein knallhartes Boxturnier rekrutieren und bezahlen. Sein Gegner ist Noï (Samart Payakarun) - Chinhs Bruder!
Der Film gehört ja eigentlich nicht hierher, aber weil ich kein passendes Gefäss gefunden habe, der Film in Hongkong co-produziert wurde sowie mit chinesischen und thailändischen Akteuren aufwartet, beschreib ich ihn dennoch mal unter "Hongkong". Die Franzosen haben ja nicht zuletzt wegen ihren alten asiatischen Kolonien noch immer recht gute Connections in den Osten - zumindest was den Film betrifft. So sind Filme wie "Irma Vep", "Kiss of the Dragon" oder "Crying Freeman" zu erklären. Oder eben "Fureur", eine Art Action-"West Side Story" zwischen französischen und asiatischen Boxern.
Der Streifen von Karim Dridi beginnt ganz okay mit einem fetzigen Thai-Box-Match, doch danach ist die Luft raus. Für eine Stunde hat man das Gefühl, es passiere nichts. Es entsteht keine Chemie zwischen Samuel Le Bihan ("Le pacte des loups") und Nan Yu, die Liebe-zwischen-verfeindeten-Clans-Idee wird nicht halbwegs ausgegoren. Stattdessen verliert sich Dridi in langweiligen Bildern, Liebesszenen und Plot-Wendungen. Erst in der letzten halben Stunde baut er wieder einigermassen eine Dynamik auf, bevor ein scheinbar tiefgründiger, aber in Wahrheit bloss alberner Schluss dem Film ein Ende setzt. Bis auf die paar gelungenen Freestyle-Kämpfe (u.a. "burmesisches Boxen") und ein paar souveräne Nebendarsteller hat dieser verkrampfte Cross-Culture-Streifen leider nichts zu bieten.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (Thai): Code 0 NTSC. Französisch/Mandarin 5.1. mit englischen UT. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Rage
Regie: Karim Dridi

Actiondrama

Action * *

Spannung *

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H e r o   ~   Y i n g   x i o n g

Reviewed 2003

China / Hongkong 2002 China zur Warring-Zeit vor dem ersten Kaiser: Das Gebiet ist in sieben Königreiche unterteilt, die sich gegenseitig bekriegen. Das mächtigste ist das Reich von Qin, dessen König (Chen Daoming) das Reich Zhao besiegen und damit die Herrschaft über alle Reiche antreten will. Zuerst müssen Zhaos superbe Krieger sterben. Den Job übernahm anscheinend ein namenloser Krieger (Jet Li). Er kommt in Qins Palast und erzählt, er habe den Krieger "Himmel" (Donnie Yen Ji-Dan) getötet. Da der eine Beziehung mit der Kriegerin "Fliegender Schnee" (Maggie Cheung Man-Yuk) hatte, nutzte der Namenlose dies aus und brachte Zwietracht zwischen "Fliegender Schnee" und ihren langjährigen Partner "Gebrochenes Schwert" (Tony Leung Chiu-Wai). Sie tötete "Gebrochenes Schwert" und der Namenlose besiegte "Fliegender Schnee" vor Qis Truppen. So gelange er in den Palast - da der König ihn aus Dank empfing. Doch der König ist clever: Er ahnt, dass der Namenlose diese Geschichte erfunden hat. Bloss, was ist wirklich passiert?
Bildgewaltig ist wohl eine Untertreibung. Obwohl ich mit der Story von "Hero" noch meine Probleme habe, muss ich sagen, dass Regisseur Zhang Yimou und der australische Kameramann und Hongkong-Veteran Christopher Doyle einen der am schönsten gefilmten Filme der letzten Jahre geliefert haben. Schlicht und einfach ein Zauber. Doyle und Zhang, der bisher vor allem durch reservierte Dramen ("The Story of Qiu Yu", The Road Home, Raise the Red Lantern) bekannt wurde, nutzen eine "Rashomon"-ähnliche Erzählweise (dazu später) und geben jeder Handlungsversion eine andere Colorierung. Am Anfang, als der Namenlose erzählt, ist die beherrschende Farbe rot, wenn der König erzählt, ist sie blau, wenn die Wahrheit (?) kommt, ist sie weiss und alles, was "Gebrochenes Schwert" erzählt, ist grün. Ich rede nicht von einer Einfärbung der Bilder wie etwa in "Traffic", sondern von der brillanten Auswahl der Dekors und Kostüme. Keine Linsen, dafür farbenprächtigste Ausstattung. Das damit erreichte Level der Poesie schlägt sogar jenes von Crouching Tiger, Hidden Dragon. Mit diesem Film wird "Hero" wohl am meisten verglichen werden, doch die Ähnlichkeiten sind eigentlich minimal: Die Krieger fliegen, Dun Tan komponierte die Musik und es wird viel gekämpft. Damit hat es sich aber. Ach und Zhang Ziyi spielt in beiden Filmen mit.
In "Hero" ist die Erzählweise völlig anders. Dann fehlt viel von CTHDs Emotionen - "Hero" ist bis auf die Liebe zwischen Schwert und Schnee viel kühler. Die Kampfszenen sind nicht so schnell, aber dafür schneller geschnitten. Will heissen, in CTHD gab es lange Cuts ohne Schnitt und geniale, schnelle Kampfszenen. In "Hero" gibt es mehr Schnitte, dafür wird langsamer gekämpft. Damit erreichen beide Filme etwa das gleiche Niveau der Fight-Poesie in der Choreografie. Einfach auf verschiedene Art. Dann muss ich nochmals auf die Ästhetik des Films zurückkommen, denn "Hero" ist 95% Bild und 5% Story. Jedes Bild ist perfekt arrangiert - und jedes Bild erzählt selbst eine Geschichte. Eine kühl-kalkulierte Ästhetik durchzieht das Werk. Manchmal erinnern die Aufmärsche an "Triumph des Willens", dann an "Nibelungen", dann an ein asiatisches Gemälde oder an Kurosawa. Die Strenge der Kompositionen wird manche Zuschauer abschrecken. Ich war dagegen hingerissen. Zudem setzt Zhang Yimou exzessiv CGI-Effekte ein. Aber diese sind einfach genial eingearbeitet. Es gibt Laub, das im Kampf eingesetzt wird oder ein Meer von Pfeilen, die auf Jet Li einprasseln. Der Regisseur spielt mit der Masse, wie ich es sonst höchstens aus Hollywood-Epen wie
Gladiator oder Lord of the Rings gewohnt bin. Der erzielte Effekt raubt einem fast den Atem. Keine Armee marschiert so wie in "Hero", aber das ist egal, denn dieser Film ist nun wirklich nicht auf Naturalismus aus - sondern auf die Power des Bild-Arrangements.
Die Schauspieler sind dabei sekundär. Meistens müssen sie bedeutungsvoll auf den Boden schauen, doch das reservierte Spiel passt sich den kühlen Bildern an. Es sind Operetten-artige Charaktere in einer fatalistischen Tragödie. Und da kommt nun eben die Story zum Zug. Wie oben erwähnt wird die ähnliche Geschichte mehrfach von verschiedenen Personen erzählt, eine Technik, die Akira Kurosawa mit "Rashomon" zur Kunsform erhob. Zhang Yimou erzählt nicht die genau gleiche Geschichte mehrfach, sondern bewegt den Plot vorwärts, um im letzten Akt auf die "Wahrheit" einzuschwenken. Nicht wie bei Kurosawa, wo bis zum Schluss nie ganz klar ist, wer denn gelogen hat. Das raubt "Hero" zwar ein wenig vom Tiefgang, aber viel schlimmer finde ich, dass die Story und die Charaktere kaum entwickelt werden. Die Handlung ist sehr sehr simpel und das Ende sehr sehr einfach. Man darf reininterpretieren (man kann den Film als kommunistische "Alles unter einem Himmel"-Propaganda verstehen oder als Aufruf zum bedingungslosen Frieden) - doch das Ende will nichts erklären, weil es wohl nicht allzu viel zu erklären gibt. Eine kurze Reflexion über Tyrannei und Herrschertum wäre möglich. Und wieso heisst der Film überhaupt "Hero"? Kurz: Bei der Geschichte hätte Zhang Yimou wirklich nochmals über die Bücher müssen. Ich gebe aber dennoch ohne zu zögern 4 Sterne - denn "Hero" ist ein Film, der seine Handlung über Bilder erzählt. Nicht einmal das ist ganz korrekt. Er vermittelt die Eindrücke mit Bildern. "Hero" ist ein Gemälde, ein Ballett, eine Oper, ein ... nennt es, wie ihr wollt, eure Sinne werden jedenfalls voll stimuliert. Und wenn das Hirn mit dem Aufsaugen von Bildern beschäftigt ist, muss eine Handlung ja nicht so anstrengend sein ...

Hier auf DVD erhältlich: HK-Edition, China-Edition (DTS), China-Deluxe-Edition (DTS), Deutsche DVD
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Mandarin 5.1. mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Ying xiong; 英雄
Regie: Zhang Yimou

Historien-
Actionepos

Gewalt * *

Action * * *

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I n f e r n a l   A f f a i r s   ~   W u   j i a n    d a o

Reviewed 2003

Hongkong 2002 Lau Kin-Ming (Edison Chen Koon-Hei) und Chan Wing-Yan (Shawn Yue Man-Lok) besuchen zur gleichen Zeit die Polizeiakademie. Superintendant Wong (Anthony Wong Chau-Sang) erkennt schnell, wie clever Yan ist und lässt es so aussehen, als ob er die Schule verlässt. In Wahrheit rekrutiert er ihn als Undercover-Agent. Nur Wong weiss davon. Lau (Andy Lau Tak-Wa) wird in den nächsten Jahren zum angesehen Polizisten. Niemand ahnt, dass er ein Spitzel für die Triaden ist: Er arbeitet für Boss Sam (Eric Tsang Chi-Wai) - bei dem Yan (Tony Leung Chiu-Wai) seit drei Jahren als Undercover-Agent eingeteilt ist. Beide spielen falsch, keiner weiss vom anderen - und beide werden von ihrem jeweiligen Boss beauftragt, den Spitzel in den eigenen Reihen zu suchen.
Bevor ich mich über "Infernal Affairs" auslasse ein paar Fakten: Regisseur Andrew Lau (nicht zu verwechseln mit Hauptdarsteller Andy Lau) ist auch begnadeter Kameramann (Chungking Express) und amtete auch hier als Kameramann. Linsen-Genie Christopher Doyle (Hero) assistierte als "Visual Consultant". Den Schnitt besorgte Danny Pang, selbst ein angesehener Regisseur (The Eye). Doch nicht nur hinter der Kamera standen Top-Leute, auch davor. Tony Leung und Andy Lau sind mehrfach preisgekrönt (u.a. auch für diesen Film), gleiches gilt für Anthony Wong. Wong, der oft durchgeknallte Pychopathen spielt (Ebola Syndrome) gibt hier den väterlichen Good-Guy, während der Komiker Eric Tsang den Triaden-Boss spielt. Dies ist bereits ein Element, dass zeigt, wie genial Regisseur Lau und Partner Alan Mak die beiden Welten vermischen - und damit wäre ich wohl bei der Kritik angelangt:
"Infernal Affairs" ist ein Hongkong-Film der Extraklasse. Es gibt Kritiker, die halten die Ausgangslage für unglaubwürdig, aber ich widerspreche dem. Im Hongkong-Kontext ist diese Dualität, ja diese Jing-Jang-Idee absolut nichts Neues und wird hier einfach ins Extrem geführt: Der Cop ist der Maulwurf der Bösen, der Gangster ist der Maulwurf der Guten. Ein simples Konzept, das jedoch schon für sich allein das Spannungsbarometer in die Höhe sausen lässt. Wer enttarnt den anderen zuerst? Wann? Wie? Und da Lau und sein Team das Ganze noch technisch virtuos umsetzt, ist mir eigentlich egal, wenn es ein paar Ungereimtheiten im Plot gibt. Manchmal schluckt man eben eine auf den ersten Blick abstruse Ausgangslage, wenn der Regisseur daraus eine cineastische Perle macht - ein Beispiel in dieser Kategorie ist etwa John Woos "Face/Off".
Die Akteure sind brillant. Von Leung ist man ja nichts anderes gewohnt, Laus stoischer Cop ist ebenso überzeugend. Und Anthony Wong bringt viel Herz in eine eigentlich nebensächliche Rolle. Die jungen Ebenbilder von Leung und Lau sind Edison Chen und Shawn Yue, zwei angesagte Jungschauspieler Hongkongs. Schade kommen sie nicht länger vor, aber sie sind ein weiteres Element des hervorragenden Castings des Films. Um nochmals auf Leung zurückzukommen: Der 41-Jährige vereint jugendliche Energie, Weisheit und Melancholie, Intelligenz und Herz in einem. Sein Spiel ist nicht besser als in anderen seiner Filme, aber es ist besser als vieles, was man in diesem Genre sieht. Er ist einfach famos.
"Infernal Affairs" kann man als gut gemachtes Hongkong-Kino abtun, ich gehe gerne eine Stufe weiter. Ich glaube, es ist der beste Hongkong-Film seit etwa 10 Jahren. Es gab zwischendurch immer wieder gute Filme wie
Time and Tide oder Fulltime Killer (auch mit Andy Lau). Aber keiner war so spannend, abgerundet und unterhaltsam. Ein packendes Hongkong-Juwel, dass sich kein Fan des asiatischen Kinos entgehen lassen sollte.
PS:Es existiert auch eine chinesische Fassung des Films (meine DVD hatte beide Enden drauf). Diese Version zeigt, dass sich "Kriminalität nicht lohnt": Lau wird festgenommen. Ich bevorzuge klar die Hongkong-Fassung, da die besser zum Vorhergegangenen passt.
PS 2: Brad Pitt hat sich die Remake-Rechte gesichtert. Unter dem Titel The Departed kam der Film unter der Regie von Martin Scorsese mit Matt Damon und Leonardo Di Caprio 2006 ins Kino. Zudem entstanden 2003 ein Prequel (Infernal Affairs II) und ein Sequel (Infernal Affairs III)
Hier auf DVD erhältlich (HK)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch 5.1/DTS, Mandarin 5.1 engl. UT. Anamorphic Widesceen.
Alternative Titel: Wu jian dao; 無間道
Regie: Andrew Lau Wai-Keung, Alan Mak Siu Fai

Actionthriller

Spannung * * * *

Action * *

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I n f e r n a l   A f f a i r s   I I   ~   W u   j i a n    d a o   2

Reviewed 10.12.03

Hongkong 2003 1991: Der junge Lau Kin-Ming (Edison Chen Koon-Hei) tötet Hongkongs Unterweltboss Kwun im Auftrag von Mary (Carina Lau Ka-Ling). Sie ist die Frau des Gangsterbosses Sam (Eric Tsang Chi-Wai), der von dem Mord nichts wusste. Nun da Kwang tot ist, schickt Mary ihren Schützling Lau auf die Polizeischule, wo er fortan als Spitzel unter Cops arbeiten soll. Und Kwangs Sohn Wing Ngai-Hau (Francis Ng Chun-Yu) übernimmt die Leitung der Gang. Er scheint dem Job nicht gewachsen zu sein, doch eines Tages im Jahr 1995 iniiziert er einen riesigen Coup und tötet beinahe alle Bosse der Stadt. Nur Sam entkommt nach Thailand. So wird er für Inspektor Wong (Anthony Wong Chau-Sang) interessant. Der Cop will Ngai hochgehen lassen. Er hat zwar schon mit dem jungen Ex-Kadetten Chan Wing-Yan (Shawn Yue Man-Lok) - niemand anderes als Ngai-Haus Halbbruder - einen starken Spitzel in der Hand, aber Sams Aussagen würden Ngai enfgültig festnageln.
Infernal Affairs war einer der besten Filme 2002 und definitiv ein Meilenstein im Hongkong-Kino. Ein auf Spannung, Action und Emotionen aufbauender Thriller der Extraklasse. Klar musste auf diesen auch finanziell durchschlagenden Erfolg eine Fortsetzung folgen. Zwei sogar - die erste, "Infernal Affairs II", ist jedoch keine echte Fortsetzung, sondern ein Prequel, und erzählt die Vorgeschichte. Das heisst die Jahre 1991-1997 im Leben von Lau (Andy Lau Tak-Wa) und Yan (Tony Leung Chiu-Wai). Die Rollen der beiden übernahmen erneut Edison Chen und Shawn Yue, die im Vorgänger für die Rückblenden eingesetzt wurden. Und auch der brillante Anthony Wong sowie Komiker Eric Tsang als Gangsterboss Sam sind wieder an Bord. Casting-mässig ist also Kontinuität angesagt, gleiches gilt für die Inszenierung, die sich in Tempo und Stil dem ersten Teil nahtlos anpasst.
Und dennoch kann ich auch gleich vorwegschicken, dass "Infernal Affairs II" ein unnötiger Film ist. Der erste Teil brachte uns mit Rückblenden nahe genug an die Charaktere heran. Das nun zum Film ausgewalzt zu sehen, grenzt an die Probleme mit "Star Wars, Episode I". Muss man wirklich bis ins Detail sehen, wie aus Anakin Darth Vader wurde? Muss man sehen, was mit Yan und Lau abging? Nein - aber wenn man es dann zu sehen bekommt, dann möchte ich es so sehen, wie in "Infernal Affairs II". Der Film bekommt von mir fast 3½ Sterne und ist sicher solidestes, gestyltes Hongkong-Kino, das ganz vom Reiz des Vorläufers lebt. Die Regisseure Lau und Mak sind clever genug, Yan und Lau in den Hintergrund zu stellen, denn deren Aufeinandertreffen findet erst in Infernal Affairs statt. Stattdessen lernen wir Inspektor Wong besser kennen, lernen alles über Sams brutalen Aufstieg zum Boss und Bösewicht im ersten Teil. Lau und Yan bleiben dezent im Hintergrund, ziehen hie und da die Fäden und werfen ihre Schatten für Infernal Affairs voraus. Das ist so ganz nett gemacht.
Leider beginnt der Film jedoch arg holprig und führt auf einmal eine Unmenge Nebencharaktere ein. Die erste Stunde hat extrem langweilige Passagen, die nur durch die Leistung der Akteure und der visuell attraktiven Inszenierung einigermassen gerettet werden. Darum auch schlussendlich bloss 3 Sterne. Aber die zweite Hälfte hats in sich - und reicht fast an den Vorgänger heran! Cineastische Höhepunkte sind etwa das "Godfather"-mässige Boss-Morden, das Ngai iniziiert, das hochspannende Finale, die Gegenschnitte zur Übergabe Hongkongs an China, das Zusammenspiel von Anthony Wong und Eric Tsang, Laus Aufräumaktion, die gegen Mary gerichtet ist - und so weiter. Mak und Lau kosten diese Momente voll aus, mit viel Slow Motion, choralem Soundtrack und etwas Pathos. Die Mischung stimmt aufs Haar, die letzte halbe Stunde reisst mit. Und macht danach Infernal Affairs (den ersten Teil) geradezu zwingend. Gut, es braucht etwas Fantasie, wenn zwischen 1997 und 2001 aus Edison Chen und Shawn Yue Andy Lau und Tony Leung werden - aber das spielt keine grosse Rolle. Die Vorgeschichte ist erzählt. Packend erzählt. Und so mancher Aspekt von Infernal Affairs erscheint in neuem Licht. Ich bin immer noch der Meinung, der Film sei unnötig, aber "Infernal Affairs II" ist ein würdiges Prequel. Im Doppelpack haben die beiden Filme immer noch einen enormen Punch und machen Lust auf Teil 3!

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch 5.1/DTS, Mandarin 5.1 englische Untertitel. Anamorphic Widesceen.
Alternative Titel: Wu jian dao 2; 無間道 II
Regie: Andrew Lau Wai Keung, Alan Mak Siu Fai

Thriller

Spannung * * *

Action * *

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I n f e r n a l   A f f a i r s   I I I   ~   W u   j i a n    d a o   3

Reviewed 17.3.04

Hongkong 2003 Inspektor Lau Kin-Ming (Andy Lau Tak-Wa) legt dar, dass Billy ein Maulwurf von Sam (Eric Tsang Chi-Wai) war, dass Billy Chan Wing-Yan (Tony Leung Chiu-Wai) erschossen hat und er daraufhin Billy getötet hat. Die Aussage wird geglaubt, Ming wird von jeglichem Verdacht freigesprochen und darf seine Arbeit in der "Internal Affairs"-Abteilung wieder aufnehmen. Doch als Spitzel von Sam ist er in einer immer ungemütlicheren Position. Vor allem, weil der Cop Yeung (Leon Lai Ming) seinen korrupten Machenschaften auf die Schliche zu kommen scheint. Woher hat Yeung seine Informationen? Arbeitet er etwa selbst für das Verbrechersyndikat von Shen (Chen Daoming) vom Festland? Ming recherchiert und stösst dabei auf Akten, die die Psychiaterin Dr. Lee (Kelly Chen Wai-Lun) bei den Sitzungen mit Yan aufgezeichnet hat.
Infernal Affairs war genial, Infernal Affairs II unnötig, aber solide. Der dritte und letzte Teil ist auch solide - aber ziemlich enttäuschend. Während II ein Prequel mit neuen Akteuren war, holt III die Stars aus dem Original zurück: Andy Lau Tak-Wa und Tony Leung Chiu-Wai. Doch weil Tony am Ende des ersten Films starb, müssen die Regisseure den Film als Puzzle aufziehen. Alle paar Minuten liest man Zeitangaben wie "ein Jahr später" oder "zehn Wochen vor Yans Tod". Ich mag es, wenn man mitdenken muss, aber selbst bei einem versierten Cutter wie Danny Pang geht dieses Herumgehüpfe in der Zeit bald auf die Nerven. Dabei ist dies nicht einmal das Hauptproblem von "Infernal Affairs III".
Viel schlimmer wiegt der Umstand, dass nichts passiert. Es gibt keine Action in dem Film und viel zu wenig Spannung. Das Original bezog Suspense aus der Frage, wer der beiden die Identität des anderen zuerst aufdeckt. In "Infernal Affairs III" gibt es keinen solchen Spannungsaufbau. Vielmehr konzentriert er sich auf die Psyche von Andy Laus Charakter Ming. Das ist zwar halbwegs interessant, aber füllt keinen Film. Tony Leung trifft es noch schlimmer. Bis auf ein paar Witze in der ausgeweiteten Beziehung zur Psychiaterin Dr. Lee (Kelly Chen) hat er nichts zu tun, ausser Löcher zu flicken. Auch der Versuch, die beiden Charaktere durch Rückblenden oder Sitzungen bei Lee neu zu verknüpfen, wirkt arg konstruiert. Die Luft ist definitiv raus.
Um das zu kompensieren, werden neue Charakteren eingeführt, die einfach nicht genug Profil haben, um mein Interesse zu wecken. Und die Personen, die in den ersten beiden Filmen noch interessant waren, haben bestenfalls Cameo-Auftritte: Anthony Wong und Eric Tsang. Im Falle von Wong ist die Reduktion besonders traurig, weil er das Herz des Originals war. Im dritten Teil gibt es wenig Herz sondern ein langweiliges Katz-und-Mausspiel sowie Patchworking, das ein paar Lücken der ersten beiden Filme ausfüllen will. Das brauchts nun echt nicht. Klar hat es ein paar Zückerchen darunter und wir erfahren ein paar Dinge, die neu sind und die ersten Filme in ein anderes Licht rücken - doch man muss es gar nicht wissen. Der erste war schlüssig, war spannend, war eine Story. "III" ist bloss noch ein Lückenfüller. Ein gut gemachter, gut gespielter und etwas gar verwirrend aufgebauter Lückenfüller - aber dennoch nichts, was einen Film wirklich rechtfertigen würde. Und am Schluss, wenn alle Karten auf dem Tisch sind, will und will der Film nicht loslassen. Das Ende kommt einfach nicht. Eine Krankheit, die man in letzter Zeit mit Hollywood in Verbindung bringt, hat nun wohl auch Hongkong infiziert.
"Infernal Affairs III" braucht es nicht, nur so kann mein Fazit lauten. Klar war es stets unmöglich ein Film im Stile von "more adventures with Ming and Yan" zu drehen, schliesslich ist der eine der beiden tot, doch dann hätte man es vielleicht sein lassen. "Infernal Affairs" war superb und stand für sich alleine. "Infernal Affairs II" baute die Vorgeschichte aus, war nicht wirklich zwingend, aber weitete das Spektrum der "IA"-Welt aus. Teil drei stopft die Löcher der beiden Vorgänger mit Ereignissen, die weder spannend noch besonders interessant sind. Und fügt nicht wirklich bessere, neue Elemente dazu. "Infernal Affairs III" entstand aus finanziellen Überlegungen - und das sieht man.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Kantonesisch 5.1/DTS, Mandarin 5.1 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widesceen.
Alternative Titel: Infernal Affairs 3: Inferno; Wu jian dao 3; 無間道 III 終極無間
Regie: Andrew Lau Wai Keung, Alan Mak Siu Fai

Thriller

Spannung * *

Action *

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I n n e r   S e n s e s   ~   Y e e   d o   h u n g   g a a n

Reviewed 11.7.04

Hongkong 2002 Yan (Karena Lam Kar-Yan) sieht Geister. Die Freunde der jungen Frau glaubt, sie sei verrückt, und schicken sie zum angesehenen Psychiater Dr. Jim Law (Leslie Cheung Kwok-wing). Der glaubt nicht an Geister, nimmt sich Yan aber liebevoll an. So liebevoll, dass er sich in sie verliebt. Nun scheinen die Visionen aber auf ihn überzugehen. Er beginnt eine totes Mädchens zu sehen und Nachts schlafwandelt er. Yan weiss nicht, was sie tun soll. Erst langsam kommt sie dahinter, dass Jim ein Mädchen sieht, das vor 20 Jahren Selbstmord begangen hat - weil er sie verlassen hat.
Die zweite Regiearbeit von Law Chi-Leung (Koma) ist zu gleichen Teilen Horrorfilm und Drama. Vergleiche zum Geister-Klassiker The Sixth Sense drängen sich nicht zuletzt wegen dem englischen Verleihtitel auf, doch "Inner Senses" hat einen Twist anderer Art - und erst noch einen, der schleichend in der Filmmitte passiert: Der Fokus wechselt. Stand zu Beginn Yan im Zentrum und war das Opfer, ist es später plötzlich Jim. Law dreht die Achse einfach um, was gegen Schluss etwas verwirrend wirkt, da Yans Probleme gar nicht mehr wichtig sind. In gewissem Sinne ist Yan bloss ein Red Herring bzw. ein Katalysator für Jims Story.
Dieser Aufbau ist reizend, lässt aber doch einige Fragen offen, insbesondere betreffend Yan. Die Handlung ist wohl auch nicht die Stärke von "Inner Senses". Es ist eher die Stimmung. Unheilschwangere Bilder und Geister in beser asiatischrr Tradition, die seltsam tönen wie das Knarren in Holzbalken oder Schiffen. Der Film ist nie so unheimlich wie Ring, Dark Water oder selbst The Eye, doch er erzeugt sein Drama mit Hilfe der unheimlichen Bilder. Das ist eigentlich ein anderer Ansatz, der sich durchaus auszahlt - vorausgesetzt, man schluckt Grusel mit einer Dosis Sentimentalität. Zum Schluss ist diese dann massiv angewachsen. Sieht man da nicht über schlechtes Makeup und ein Melancholie hinweg, wirkt "Inner Senses" eher unfreiwillig komisch. Bei mir war das aber nicht der Fall ... das könnte jedoch auch an etwas anderem gelegen haben:
Gegen Schluss steigt Leslie Cheung auf ein Hochhaus und will in den Tod springen. Diese Szene ist bittere Ironie, denn am 1. April 2003 sprang der schwule Schauspieler aus Liebeskummer aus dem
"Mandarin Oriental Hotel" in den Tod. "Inner Senses" war der letzte Film des Hongkong-Stars und insbesondere wegen den Parallelen zwischen Film und Realität ist das Ende von "Inner Senses" krass zum Anschauen. Für Cheung ist "Inner Senses" ein würdiger Abschied. Er war damals 46 Jahre alt und sah noch immer aus wie 30. Doch in manchen Szenen ist die Tiefe des "ewigen Jugendlichen" zu erkennen - und gibt "Inner Senses" eine ungewollt dramatischen Aspekt mehr. Die anderen Akteure sind auch überzeugend, allen voran Karena Lam, die 2004 mit Regisseur Law Chi-Leung für Koma wieder zusammenkam.
"Inner Senses" hat Längen und Erzähl-Löcher, doch er ist ein subtil gemachter, gut gespielter und bisweilen schön unheimlicher Streifen, dessen Parallelen zur Realität fast der schockierendste Aspekt sind. "Life imitating art", kann man da nur sagen.

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Hier auf DVD erhältlich (US)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin 5.1. und Kantonesisch 5.1., DTS, 2.0
Mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Yee do hung gaan; 異度空間; Yi du kong jian (Mandarin)
Regie: Law Chi-Leung

Horrordrama

Spannung * * *

Gewalt *

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M a y   &   A u g u s t   ~    N g   y u e t   b a a t   y u e t

Reviewed 2003

Hongkong / China 2002 Im Dezember 1937 fallen die Japaner in Nanjing ein und zerstören eine junge Familie: Zuerst töten die Soldaten den Vater (Lin ), der Verpflegung holen wollte. Der Rest der Familie verbarrikadiert sich auf dem Dachboden. Als die kleine August (Qiu Li Er) krank wird, will Mutter (Cecilia Yip Tung) Medikamente holen, wird aber vor den Augen der älteren Tochter May (May Xu) vergewaltigt und getötet. Die zwei Mädchen flüchten, um zu ihrem Onkel in Zhenjang zu gelangen. Doch auch dort holt sie der Krieg ein ... 
Gleich nach Ende von "May & August" wollte ich dem Film 3 ½ Sterne geben, weil ich verweinte Augen hatte. Der Film hatte mich bewegt - doch nach einer halben Stunde konnte ich diese Bewertung nicht mehr rechtfertigen. Zwar ist "May & August" sehr bewegend, sehr kurzweilig und liebevoll gemacht, aber eben auch schematisch und gelegentlich recht schlecht gespielt. Die Schematik ergibt sich daher, dass man ähnliche bessere Filme schon kennt ("Die letzten Glühwürmchen", "Empire of the Sun") und das schlechte Spiel wird bei einigen Kindern offensichtlich. Die Darstellerinnen von May und August sind gut, aber jene von Cousin Tim und Nachbarin Lily lassen arg zu wünschen übrig. Auch einige Dialoge sind allzu banal. Letztendlich würde ich auch bemängeln, dass Regisseur Raymond To die Intelligenz der Zuschauer zweimal unterschätzt: Er bringt Rückblenden, um Szenen zu erklären. So bringt das Hündchen einen Arm heim mit einem verquetschten Finger. Ja, wir wissen noch, dass Papa sich auf den Daumen gehauen hat, da braucht es keine Rückblende. Oder wir wissen noch, wer der Junge mit den Kohlestiften war. Der Film ist nur 87 Minuten lang, da muss man nicht an das erinnert werden, was man schon gesehen hat. Wie dem auch sei, das sind alles eher kleine Mängel, da das Endresultat ergreifend genug ist, um Emotionen beim Zuschauer auszulösen. Allein schon die Schlussszenen mit den Kindern am Fluss. Und diese Kraft uns zu bewegen ist schon mal viel wert - nämlich 3 Sterne ...
Hier auf DVD erhältlich - ich habe die US-Version (Code 0) in Mandarin mit englischen UT gesehen.
Alternative Titel: Ng yuet baat yuet; 五月八月
Regie: Raymond To Kwok Wai

Kriegsdrama

Gefühl * * *

Gewalt *

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N a k e d   A m b i t i o n  ~   H o   c h i n g

Reviewed 18.2.04

Hongkong 2003 Die Freunde Andy (Louis Koo Tin-Lok) und John (Eason Chan Yik-Shun) arbeiten bei einer Zeitschrift. Als sie entlassen werden, nutzen sie und einige Freunde ihr Wissen, um selber ein Magazin herauszugeben - und zwar ein pornografisches. Sie nennen es "Passion" und testen dafür das Nachtleben von Hongkong: Clubs, Bordelle, Prostituierte. Das Heft findet reissenden Absatz, bald sind die Macher finanziell unabhängig. Die Freundinnen (Cherrie Ying, Denise Ho) von Andy und John sehen die Arbeit der beiden immer weniger gerne. Vor allem als sie Callgirls wie Tess Tickles (Josie Ho Chiu-Yee) und Titty Bird (Jo Koo) zu nahe an sich ran lassen ...
Die Regisseure Dante Lam (Twins Effect) und Chan Hing-Ka (Drehbuchautor von "A Better Tomorrow") versuchten mit "Naked Ambition" eine Art Antwort auf Milos Formans genialen "The People Vs. Larry Flint" zu drehen. Das gelang eindeutig nicht. Doch die Erotikkomödie bietet immerhin das, was sie verspricht: Sex und Humor. Der Aufbau des Porno-Imperiums ist nicht sonderlich glaubwürdig und die Recherchen der beiden Jung-Verleger fast schon jugendfrei. In Hongkong bekam der Film zwar das Kategorie-III-Rating, doch bis auf ein paar schöne nackte Brüste und derbe Dialoge, die oftmals beschreiben, wozu die Girls alles fähig sind, wird wenig Anstössiges geboten. Zu zeigen, was die Frauen so tun, liegt nicht drin. Schliesslich soll der Streifen ja eine Komödie sein und nicht zu böse werden. Oder zu hart.
Er ist in der ersten Stunde dennoch ganz unterhaltsam. In der zweiten läuft sich das Thema dann langsam tot und jedesmal wenn es "ernst" wird, wenn also die Freundschaft der beiden Männer auf dem Prüfstand steht, wirds richtig klischiert. Das Prädikat kann also bloss lauten "harmlos". Trotz Kategorie-III.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Kantonesisch / mandarin 5.1. mit englischen UT. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Ho ching; 豪情
Regie: Chan Hing-Ka, Dante Lam

Erotikkomödie

Humor * *

Erotik * * *

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N a k e d   W e a p o n   ~   C h e k   l a w   d a k   g u n g

Reviewed 13.8.03

Hongkong 2002 In Rom wird die schöne Elitekillerin Fiona (Marit Thoresen) getötet. Ihre Chefin Madame M. (Almen Wong Pui-Ha) weint ihr keine Träne nach, sondern entführt sofort 40 Mädchen im jüngeren Teenager-Alter. Auf einer einsamen Insel bildet sie die Kinder zu Killerinnen aus. Wer aus dem Trainingscamp flieht, wird erschossen. Sechs Jahre lang werden die Mädchen schonungslos gedrillt, dann muss jede eine Kollegin töten, um weiterzukommen. Das Finale ist noch härter: Fighten auf Leben und Tod, bis nur noch eine übrig ist. Madame M. bricht vorher ab und lässt Charlene (Maggie Q), Katherine (Anya) und Jing (Jewel Lee) leben. Nun lässt sie alle drei noch vergewaltigen, damit die Girls auch ohnezu Zögern ihren Körper bei denAufträgen einsetzen - und die Killerinnen sind bereit. Der CIA-Agent Jack Chen (Daniel Wu Yin-Cho), der Madame M. seit sechs Jahren verfolgt, heftet sich bald an die Fersen der "China Dolls".
Stellt euch einen Mix aus Battle Royale, Matrix und Charlie's Angels vor - und ihr seid ungefähr bei "Naked Weapon" angelangt. Tony Chings (A Chinese Ghost Story) Remake des Hongkong-Kultfilms Naked Killer ist ein schamlos unterhaltsamer B-Film mit allen Zutaten, die man für einen Trash-Abend braucht: Gewalt, Action, sinnentleerte Dialoge - und sexy Babes. Massenhaft Babes. Die erste Hälfte konzentriert sich auf die Ausbildung der Mädchen zu Killerdamen. Dabei sollte man sämtliches Logikverständnis aussschalten. In bester Battle Royale-Manier lässt Madame M. die jungen Frauen einander abschlachten, bis nur noch drei übrig sind. Wieso? Ich kappier die "survival of the fittest"-Logik hinter der Sache und natürlich sind die Girls erst ready, wenn sie sogar ihre Freundinnen killen, aber ist das nicht ein extremer Materialverschleiss? Sind fünf top-Killerinnen nicht besser als eine? Und was noch wichtiger ist: Welchen Grund gibt es für die Girls, Madame M. danach nicht einfach zu töten? Schliesslich hat die Frau ihr Leben ruiniert.
Im Gegensatz zu
Battle Royale gibts in "Naked Weapon" relativ wenig Gewalt. Viel davon findet offscreen statt oder ist Teil einer kurzen CGI-Einstellung. Es ist der Gedanke, der zählt: Sechs Jahre lebten diese Mädchen jeden Tag zusammen und plötzlich wird befohlen, das nächste Girl umzubringen. Das ist schon tough. Doch es kommt noch besser. Kaum sind die drei ausgewählt, werden sie vergewaltigt. Damit sie danach auch ihren Körper ohne Reue einsetzen können - oder besser gesagt: Damit der männliche Zuschauer endlich zu etwas Sex kommt. Denn sonst macht sich dieser eher rar. Die Babes sind zwar wahre Bomben, aber es gibt wenige Szenen, in denen das zum Zug kommt. Die Eröffnungssequenz mit Marit Thorensen (yummi) ist eine davon, die Strip-Szene der in Hawaii aufgewachsenen US-Vietnamesin Maggie Q (sehr lecker) ist eine andere. "Naked Weapon" bringt mit Sleaze und Exploitation die Hormone in Schwung. Dafür muss man ihn lieben.
Und dann können die Girls natürlich auch fighten. Mit viel Wirework und CGI gibts ein paar nette Kämpfe. Leider berühren sich die Kontrahenten zu oft kaum, weshalb die Fights eher aussehen wie Tänze, aber hie und da tuts doch recht weh. Etwa, wenn Maggie Q Glassplitter einsetzt. Autsch. Action, Babes und Blut. Dazu sturzdumme Dialoge und Monologe, eine doofe Story, ein Cameo von Martial-Arts-Legende Chen Pei-Pei, riesengrosse Logiklöcher, "Magnum"-Product-Placement und etliche Klischees ... ja, "Naked Weapon" ist Trash in Reinform. Aber Trash der höchst unterhaltsamen Art.

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (Thai): Code 0 PAL. Englisch und thai 5.1. mit englischen UT. Widescreen (nicht anamorph).
Alternative Titel: Chen law dak gung; 赤裸特工
Regie: Tony Ching Siu-Tung

Actionfilm

Action * * * *

Erotik * *

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T h e   N e w   Y e a r

China / Südkorea 2002 Ausführliche Kritik: hier.

 

N i g h t   C o r r i d o r  ~   Y a o   y e   h u i   l a n g

Reviewed 15.11.03

Hongkong 2003 Sam Yuen (Daniel Wu Yin-Cho) ist ein angesehener Fotograf in London. Eines Tages erreicht ihn ein Anruf aus Hongkong: Sein Bruder Ah Hung (Daniel Wu Yin-Cho) habe einen Unfall gehabt und liege im Koma. Als Sam in Hongkong ankommt, ist sein Zwilling bereits tot. Pfarrer Chan (Eddy Ko Hsiung), der Sam als Kind missbraucht hat, versucht, die Spuren zu verwischen. Vincent Sze (Allan Wu), in den Sam verliebt ist, geht ihm aus dem Weg. Und der alte Bibliothekar Luk (Ku Feng) erzählt ihm, Ah Hung sei von Affen getötet worden. Nicht nur das: Ah Hung lebte schon seit einiger Zeit unter dem Namen Sam Yuen!
Julian Lee adaptierte seinen eigenen Roman zu "Night Corridor", einem Kunst-Mysterythriller, der an Lees Erstling "The Accident" anknüpft und nie ganz so gut ist, wie er hätte sein können. Insbesondere das Ende, ein Mischmasch aus "Rosemary's Baby", "The Ninth Gate", dem Gemälde "Nachtmahr" des Schweizer Künstlers Johann Heinrich Füssli (Bild hier) und des schlicht Unerklärbaren, hat mich dabei frustriert. Ich habs schlicht nicht kappiert, aber meine Vemrutung geht eh in die Richtung, dass Lee das Ende nur andeutet und wir uns selber "Lösungen" basteln sollen. Das ist ein gutes Anliegen und bei manchem Film ist dies tatsächlich die richtige Art eines Endes, doch nicht bei "Night Corridor". Lee behält den Zuschauern zum Schluss zuviel vor und gibt sich scheinbar selbsterklärenden Metaphern hin, die jedoch bloss ratlos zurücklassen. Es gibt Filmemacher, die schaffen solch offene Enden in cleverem Stil. Und es gibt Filmemacher wie Lee, die glauben, das Ende funktioniere. Ich behaupte nämlich, er meint, sein Ende sei klar. Ist es nicht - und damit hat er seinen Job nicht richtig gemacht.
Abgesehen vom Ende hat "Night Corridor" einige brauchbare Elemente. Die Atmosphäre ist unheilschwanger und die homoerotischen Beisätze durchaus willkommen. Bloss die Pädophilie des Pfarrers und der Ödipus-Komplex von Sam sind zu plump - daraus wäre mehr rauszuholen gewesen, doch Lee denkt viele seiner angeschnittenen Themen nicht zu Ende. Er wollte wohl Sam einfach einen grösstmöglichen psychologischen Ballast mitgeben, damit man denkt "Mensch ist der ein Wrack". Das macht ihn charakterlich aber noch nicht wirklich interessant. Die Schuld des Schauspielers ist dies indes nicht: Kung-Fu-Experte Daniel Wu (auch Co-Prduzent) ist in dieser nicht-Action-Rolle höchst solide. Und auch die anderen Darsteller überzeugen. Aber Lee ist zu sehr darauf fixiert, dem Genre neue Impulse zu geben, dass er letztenldlich vergisst, eine brauchbare Geschichte zu erzählen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Yao ye hui lang
Regie: Julian Lee Chi Chiu

Mysterythriller

Spannung * *

Anspruch * *

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P T U

Reviewed 2.1.05

Hongkong 2003 Sgt. Lo Sa (Lam Suet) verfolgt einen Gauner, der sein Auto zerkratzt hat. Die Ganoven wollen ihn aber nur in eine Falle locken. Während er durch die Stadt rennt, wird der kleine Bandenboss Ponytail ermordet. Lo stürzt bei der Verfolgung von Ponytails Männern übel und bleibt schwerverletzt liegen. Danach ist seine Waffe weg. Sein Freund Mike Ho (Simon Yam Tat-Wah), von einer vierköpfigen PTU-Einheit, gibt ihm Zeit bis zum Morgengrauen. Ist die Waffe bis dahin nicht gefunden, muss er Meldung erstatten. Der Druck diesbezüglich wächst, denn die CID-Beamtin Leigh Chen (Ruby Wong Chak-Ling) schaltet sich in die Ponytail-Ermittlungen ein. Noch schlimmer wiegt der Umstand, dass der Tote der Sohn eines grossen Gangsterbosses war.
Fast, aber nicht ganz. "PTU" ist einer von Johnny Tos geglückteren Filmen, doch der Sieg von Stil über Substanz war selten offensichtlicher als hier. "PTU" ist nicht sehr tiefsinnig, nicht sehr spannend und nicht gerade actionreich. Aber er atmet Style. Momente der völligen Stille, Momente der in sich gekehrten Ruhe, Momente der plötzlichen Gewalteruption, Momente der nächtlichen Poesie mit Regen und minimalistischer Beleuchtung: Alles fliesst spielend ineinander. Visuell ist "PTU" wirklich toll. Die Strassenlampen, Scheinwerfer und auf die Strasse leuchtenden Fenster geben die Beleuchtung, die der Film braucht und hüllen die Ereignisse in einen traumhaften, urbanen Nightlife-Look.
Die Charaktere sind aber ebenso dunkel. Keiner in diesem Film hat reale Gefühle - am ehesten vielleicht der immer sehenswerte Lam Suet. Alle anderen spielen etwas vor, setzen emotionale Gangster- oder Cop-Masken auf, die nur ganz am Schluss durch einen befreienden Lacher abgelegt werden. Das mag man als tiefgründige Gesellschaftsanalyse auslegen, ist jedoch eher ein weiteres Mittel zum Erreichen der filmischen Coolness. Der Plot um die verschwundene Waffe ist relativ doof, vor allem weil Lo nicht wirklichen Spuren nachgeht, sondern ihm alles mehr oder weniger in den Schoss fällt. "PTU" hat aber Schauspieler, die das Ganze so ernsthaft spielen, als passiere wirklich etwas Gewichtiges. Als sähen wir wirklich eine sich entwickelnde Dramaturgie. Stil und Schauspieler retten den Mangel an wahrer Handlung also spielend. Und noch etwas kommt dazu:
Faustdicke Ironie. Erst das hat für mich den Film herausgehoben aus dem wie meistens etwas selbstverliebten Oeuvre von Johnny To. Der Humor, arrangiert aus abstrusen Zufällen, rabenschwarzen Pointen und nihilistischem Witz ist am ehesten verwandt mit jenem des Japaners Sabu. Das gilt insbesondere für die hervorragend arrangierte Eröffnungssequenz, die anfängt mit Ponytails Besuch im Restaurant und endet mit Ponytails Tod im Auto. Dazwischen passiert soviel, das passt auf keine Kuhhaut. Und es passt alles zusammen - ob fast slapstickartiger Einsatz einer Bananenschale oder brutaler Mord durch ein Messer. Beim Finale dreht To nochmals gehörig auf und inszeniert es als urbaner Über-Western mit grossem Standoff. Ein wahrhaft grossartiges Ende, das erst durch die unnötigen diktierten Geständnisse der Hauptpersonen abgebremst wird.
Humor, Akteure und Tos Gespür für coolen Stil machen aus "PTU" einen absolut sehenswerten Film. Wie so oft bei Tos Filmen ist er aber leicht überbewertet und räumte etliche Preise ab - so etwa "Bester Regisseur" bei den Hongkong Film Awards. Seltsamerweise holten die restlichen Auszeichnungen Tos wirklich überschätzter Film 2003: Running on Karma. Gegen den ist "PTU" geradezu ein Meisterwerk.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Kantonesisch DTS und 5.1 sowie Mandarin 5.1.
Mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Regie: Johnny To Kei-Fung

Thriller

Spannung * *

Humor * *

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P u b l i c   T o i l e t   ~   H w a j a n g s h i l   e o d i e y o ?

Reviewed 21.8.04

Hongkong / Südkorea / Japan / China 2002 Dong Dong (Tsuyoshi Abe) wurde in einer Toilette geboren und wird von seinen Freunden deshalb "God of Toilets" genannt. Er wohnt gleich neben einer öffentlichen Toilette, sein Leben scheint mit dem Ort verbunden. Seine drei Freunde - der italienischstämmige Stone (Pietero Dilletti), der japanischstämmige Tony (Ma Zhe) und ein Kumpel mit afrikanischen Wurzeln - können Dong Dongs Freude am menschlichen Geschäft nicht ganz nachvollziehen. Eines Tages zieht es alle vier in verschiedene Himmelsrichtungen: Stone geht nach Rome, seine Heimat, in die er nie war. Dong Dong fliegt nach New York, wo er in einen Mordfall gerät. Tong sucht nach einem Medikament, landet erst bei der grossen Mauer, später in Indien am heiligen Fluss, dem Ganges. Derweil freundet sich in Pusan (Korea) ein junger Fischer mit einer Schönheit (Yang-hie Kim) aus dem Meer an, die keine Knochen hat und in WC-Abflüssen haust ...
"Public Toilet" hat keine Geschichte. Der selbsternannte Auteur Fruit Chan erzählt von vier Freunden, von vier Städten und von vielen Toiletten. Sein Faible für das Kacken ist irgendwie abstossend, aber was solls, man spürt, dass da Material für eine Satire dagewesen wäre. Oder wenns unbedingt sein muss für einen philosophisch existenzialisches Drama über das verbinde Element des "Geschäfts". Wie schon unsere Grossmütter gesagt haben: "auch die Kacke der Reichen und Schönen stinkt". Irgend sowas wollte Chan wohl auch mitteilen und spickt sein Independentfilmchen mit Allegorien und Weisheiten im Stile von "das Leben ist wie der Verdauungsakt".
Anders gesagt: Der Film ist Scheisse. In der unnötig chaotischen und nichtssagenden Erzählweise steckt hie und da ein satirischer Ansatz drin, doch viele der Bilder stehen nur für sich alleine. Etwa, wenn die Kamera duch eine wandernde WC-Schüssel filmt, wenn der Protagonist ins Klo taucht oder eine Puppe aus der Kloake fischt. In "Trainspotting" hatte es auch eine berühmte Szene, in der Ewan McGregor in die dreckigste Toilette von Schottland™ abtaucht - doch die stand in ihrer Surrealität für sich allein. "Public Toilet" besteht ausschliesslich aus solchen Momente. Wir erfahren, dass in Peking die Männer gerne zusammen öffnetlich kacken, dass in Indien an den Strassenrand gepisst wird und Meerfrauen in Korea gerne Exkremente verspeisen. Zusammenhängen tut das wenig, denn die vier Freunde vom Anfang reisen einfach an verschiedene Orte der Welt. Es wird uninspiriert hin- und hergeschnitten zwischen Pusan (Korea), Hongkong, Peking, New York, Rom und Indien. Manchmal weiss man nicht mehr, von wem jetzt gerade erzählt wird. Und was erzählt wird. Irgendwo in Chans Kopf war wohl ein Schema für den Film - in seinen billigen Digitalbildern ist es nicht mehr erkennbar.
Und so schleppt sich das Vehikel dahin, nie wirklich amüsierend, nie stimulierend, bestenfalls hie und da anekelnd. Der beste Moment ist der Abspann - nicht, weil der Mist dann endlich vorüber ist, sondern weil er den einzigen bewegenden Moment enthält: Eine Widmung, an den Darsteller Pietero Dilletti, der 19-jährig im Jahr 2000 bei einem Unfall verstarb. Der Film ist ihm gewidmet. Und deshalb hier eine öffentliche Bitte: Wenn ich irgendwann sterbe, bitte widmet mir keinen Film über das Kacken. Danke.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0. Kantonesisch / Mandarin / Koreanisch / Englisch 5.1
Mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Hwajangshil eodieyo?; Ren min gong che; 人民公廁
Regie: Fruit Chan Guo

Tragikomödie

Humor * *

Anspruch * *

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P u r p l e   B u t t e r f l y   ~   Z i   h u d i e

Reviewed 6.3.05

China 2003 1928 ist die Mandschurei bereits unter heimlicher Kontrolle der Japaner. In der angespannten Situation geht der Japaner Hidehiko Itami (Toru Nakamura) seiner Fabrikarbeit nach. Eines Tages verliebt er sich in die schöne Cynthia (Zhang Ziyi). Doch ihre Romanze währt nur kurz, denn er muss für den Militärdienst zurück nach Japan. Sie bringt es nicht übers Herz, sich zu verabschieden. Doch Zeit zur Trauer findet sie keine, denn bereits ereilt sie der nächste Schicksalsschlag: Ihr älterer Bruder wird mit anderen Redaktoren, die einen Japan-feindlichen Artikel geschrieben haben, von einem rechtsradikalen Japaner getötet. Drei Jahre später hat Japan China den Krieg erklärt. Cynthia nennt sich Ding Hui und lebt in Shanghai, wo sie als Mitglied der Widerstandsgruppe "Purple Butterfly" unter Ming Xie (Feng Yuanzheng) gegen die Invasoren kämpft. Bei einer Aktion am Bahnhof verwechseln sie und ihre Leute den jungen Szeto (Liu Ye) mit einem Kämpfer, der den lokalen japanischen Polizeichef umbringen soll. Die Japaner haben davon Wind bekommen weshalb die Butterflys ihn aus dem ausartenden Getümmel rausbringen, während Szetos Freundin Tang Yiling (Li Bingbing) im Kugelhagel umkommt. Als die Butterflys den Fehler bemerken, lassen sie Szeto fallen. Prompt fällt er in die Hände der Japaner. Deren neuer lokale Anführer hofft, Szeto für seine Zwecke missbrauchen zu können. Der Mann ist niemand anderes als Itami.
Regisseur Lou Ye ("
Suzhou River") begibt sich mit diesem ambitionierten Politik-Liebes-Thrillerdrama auf die Spuren von Wong Kar Wai - mit all seinen Vor- und Nachteilen. Wir bekommen umwerfende Bilder geliefert, ein beinahe hypnotisches Erzähltempo, visuelle Spielereien und eine klassische Geschichte aus vergangenene Epochen, trotzdem mit einer modernen Sensibilität umgesetzt. Doch in "Purple Butterfly" existieren keine Figuren. Lou Ye ist entweder zu faul oder unfähig, echte, atmende Figuren zu kreieren und übertüncht dies, indem die Schauspieler endlos lange ins Leere staunen müssen und der Zuschauer selbst interpretieren soll, welche Lebenangst gerade durch ihre Gedanken zuckt. Es ist die selbe Art von sehnsüchtigem Filmemachen, wie es Wong perfektioniert hat, hier sogar noch offensichtlicher angewendet als beim überschätzten Hongkonger Gegenstück.
Die Sache verkompliziert sich noch dadurch, dass Lou monatelang im Schneideraum sass (auch das eine Wong-Parallele) und den Film durch etliche Fassungen gehen liess. Eezählerisch ist das Resultat nun ziemlich wirr. Wichtige Teile fehlen, andere machen wenig Sinn und gehören ins Reich der traumhaft-assoziiativen Filmdeutung Wong Kar Wais. Und da die Figuren so wenig greifbar sind, wirken auch ihre Gefühle künstlich, der ganze dadurch Film wird extrem kalt. Das ist schon schwer zu schlucken, wenn es ein Film um grosse Liebe, grosse Schicksale und grosse Entscheidungen gehen soll. Wenn all dies den Zuschauer nicht richtig berührt, bleibt der Effekt weg und der Film verkommt zu einem fragilen, aber hübschen Schmetterling. Es fehlt an Substanz.
Der aufgeblähte Mix aus Sehnsuchts-Geplärr und unterkühlt-geheimnisvollen Charakteren soll daher für eine mysteriöse Atmosphäre sorgen und Substanz vortäuschen, wo keine ist. Ganz besonders übel ist hierbei auch Yous Einsatz von realen Schwarzweiss-Bildern von den Massakern im Weltkriegs-China - nach Filmende. Das gehört nicht hierher, denn der Film behandelt diese Themen eigentlich nicht. Die Dok-Bilder suggerieren vielmehr dokumentarisch-sozialkritischen Tiefgang, ein fast frevelhaft peinlicher Versuch, dem Film mehr Gewicht zu geben.
Wie gesagt: Er ist wunderbar anzuschauen. Der Mix aus Edelkompositionen, gedämpftem Licht und Handkamera-Wackeln erzeugt eine Dynamik, die die 127 Minuten durchaus erträglich macht. Dazu plötzliche Peckinpah'sche Gewaltausbrüche mit beinahe leuchtendem Blut. Und auch die Darsteller tun ihr bestes - am eindrücklichsten sind Li Bingbing und Liu Ye. Zhang Ziyi, hübsch wie immer, ist jedoch Lous primäres Opfer für das hiflose in-der-Gegend-herumschauen, was ihr Spiel merklich schwächer macht. Schade also um soviel Potenzial. Wer diese Art von flüchtiger, aber visuell wuchtiger Melancholie sehen will, sollte gleich bei Wong Kar Wai
bleiben. Der macht dies nicht viel besser, aber konsequenter.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Mandarin 5.1 und 2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Zu hudie
Regie: Lou Ye

Drama

Spannung * *

Action * *

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P u r p l e   S u n s e t   ~   Z i r i

Reviewed 17.8.03

Hongkong 2002 Daxing'anling im japanisch besetzten China, August 1945: Die Japaner stehen unter Druck seit die Sowjets Japan den Krieg erklärt haben. Bei einer russischen Attacke kommt der junge Chinese Yang (Fu Dalong) aus japanischer Gefangenschaft frei. Doch der Konvoi, in dem er weggeschafft wird, wird attackiert. Yang gelingt mit zwei Sowjetsoldaten die Flucht in den Wald. Dort wird einer von ihnen durch eine Mine getötet. Yang zieht mit der Soldatin Najja (Anna Dzeninalova) und der eingewanderten japanischen Schülerin Akiyok (Chie Mieta), ihrer Gefangenen, weiter. Bei den endlosen Märschen durch den Wald kommen sich die drei näher, doch Vertrauen aufzubauen, ist schwer ...
"Purple Sunset" ist der dritte und letzte Teil von Feng Xiaoings Antikriegstrilogie und ist ein äusserst zwiespältiges Werk. Zum einen kann man die Botschaft bloss loben, die Völkerverständigung nickend anerkennend und die schönen Herbstaufnahmen der chinesischen Landschaften bestaunen - und das alles für ein bescheidenes Budget von $600'000. Doch irgend etwas wollte bei mir einfach nicht klick machen bei dem Film.
Da ist zum einen sein Hang zur Wiederholung: Im Mittelteil gibt es rund zwei Dutzend Szenen, in denen einer der Protagonisten mit der Waffe auf jemanden zeigt und zu schiessen droht und dann doch etwas anderes tut. Das läuft sich spätestens nach dem dritten Mal tot. Dann ist die Rückblenden-Struktur nicht so schlau, der finale Kampf auf hoher See mit Schiffsmodellen etwas billig und die Laienschauspieler am Anfang etwas überfordert. Zudem gibt es einigen szenischen Ballast, etwa die Voice-Overs oder die vielen Rückblenden der einzelnen Chaaktere. "Purple Sunset" ist sicher kein schlechter Film, doch einer, bei dem man viel grössere Möglichkeiten sieht. So sind etwa die Kriegsszenen dank Material aus Russland und China sehr realitätsnah und ein paar der Greueltaten der Japaner wirklich grausig, doch die fast akademische Abhandlung des Dramas lässt keine wirkliche Euphorie für den Stoff aufkommen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (China): Code 0 NTSC. Mandarin 5.1. mit englischen Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph)..
Alternativer Titel: Ziri
Regie: Feng Xiaoing

Kriegsdrama

Action * *

Gewalt * *

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R u n a w a y   P i s t o l   ~   Z o u h o u   q i a n g

Reviewed 2003

Hongkong 2002 Die Prostituierte Jade kauft eine Kanone, da ihr Lover Ming sie ständig verprügelt. Er gelobt Besserung, worauf sie die Knarre wieder verkaufen wollen. Doch bei dem Deal kommt es zu einer Schiesserei. Beide sterben. Ein Passant wird angeschossen. Er packt die Waffe, rennt in sein Apartment und knallt den Lover seiner Frau ab, der gerade beim Sex ist. Danach stirbt auch der Schütze. Die Waffe wird von seiner Tochter gefunden und wandert weiter ... 
"The Way of the Gun" könnte man sagen - "Runaway Pistol" porträtiert die blutigen Stationen einer Handfeuerwaffe und versteht sich als Anti-Waffen-Film. Tatsächlich kann man die rohen Geschehnisse mit der Waffe als Kritik ansehen. Doch der Film ist schlicht nicht gut genug, um die Message überzeugend rüberzubringen. Die Inszenierung ist lausig, die szenenhafte Gliederung lässt keine Identifikation mit den Figuren zu. Kamera, Schnitt und Musik sind auf niedrigem Niveau und dem ganzen Film hängt ein billiger Kategorie-III-Mief an. Erwartet aber für einen Kat.III-Film eher wenig Sex und Gewalt. Für Gorehounds ist das Werk sicher nicht zu empfehlen. Für wen dann? Nun, eigentlich für niemanden. Man kann 86 Minuten besser totschlagen. Gut gemeint - schlecht gemacht.
Hier auf DVD erhältlich - ich habe die HK-Version (Code 0) in kantonesisch mit englischen UT gesehen.
Alternativer Titel: Zhouhou qiang; 走火槍
Regie: Lam Wah-Cheun

Thrillerdrama

Gewalt * *

Action * *

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R u n n i n g   o n   K a r m a   /   M u s c l e  M a n   ~   D a   z h i   l a o

Reviewed 4.10.03

Hongkong 2003 Die Polizistin Lee Fung-Yee (Cecilia Cheung Bai-zhi) will in einem Männerstrip-Lokal den muskulösen "Big" (Andy Lau Tak-Wa) festnehmen. Er flieht und kreuzt den Weg eines Killers, der seinen Körper wie eine Schlange biegen kann und von der Polizei verfolgt wird. "Big" wird verhaftet, der Killer entkommt, Lee Fung Yee wird angeschossen. Auf der Polizeistation erwirkt sie Bigs Freilassung und freundet sich später mit ihm an. Er war einst ein Mönch und hat die Fähigkeit, das Karma zu sehen, also, was einem Menschen im vorherigen Leben zugestossen ist - und damit auch wieder zustossen wird. So wollen er und Lee Fung Yee dem Killer auf die Spur kommen ...
Was für ein seltsamer Film! Johnny Tos "Running on Karma" (auch bekannt unter em ebenso sinnvollen Titel "Muscle Man") erhielt in Hongkong einiges Aufsehen, weil Star Andy Lau (Infernal Affairs) im Film einen Muskel-Anzug aus Latex trägt. Darin sieht er aus wie Asiens Antwort auf den Hulk! Ein wenig mehr Details und der Anzug hätte vollends überzeugt. So ist er recht beeindruckend - doch es stellt sich auch die Frage: Wieso?? Der Film hätte ebenso gut funktioniert, wenn Big ein ganz normaler Kerl gewesen wäre. Nein, der Streifen wäre sogar besser. So gelangt er auf eine Ebene irgendwo zwischen seriösem Actionfilm und comic-haftem Trash. Sehr seltsam.
Der Ton des Films passt sich an. Man weiss nie genau, ob eine Szene amüsant oder ernst gemeint ist. Vieles wirkt schräg oder abstossend. Oder eben unfreiwillig komisch. Ein paar extrem surreale Gestalten, wie der killende Schlangenmensch unterstreichen den Charakter des Films. Gegen Ende wird er dann dem "Karma" im Titel gerecht. To und sein Regie-Partner Wai Ka-Fai verheddern sich dabei in einem religiös-gewaltsamen Finale, das schwer verständlich ist und einen schalen Nachgeschmack hinterlässt. Vieles geht nicht auf, noch mehr irritiert. Ich gebe dem Film 2.5 Sterne, weil ich etwas Vergleichbares noch nie gesehen habe und man Neues immer fördern sollte. Aber echt, ich kappier den Streifen nicht wirklich und er ist auf eine unbefriedigende Art surreal. Oder in einem Wort: seltsam.
PS: Bei anderen Kritikern kam der Film meistens sehr gut an. Er kassierte an den 2004 Hongkong Film Awards Auszeichnungen fürs beste Drehbuch, den besten Hauptdarsteller und den besten Film (!). Dazu 10 Nominationen. Das muss ja ein schlechtes Jahr gewesen sein ...
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (Thai-Version)
Meine Disk (Thai): Code 3 NTSC. Mandarin 5.1. und Thai 5.1. mit englischen Untertiteln. Vollbild.
Alternative Titel: Da zhi lao; Muscleman; Intelligent Muscle Man; Muscle Man; Dai zek lo; 大隻佬
Regie: Johnny To Kei-Fung, Wai Ka-Fai

Thriller

Action * *

Gewalt * *

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S h i v e r  ~   X i n   h a n

Reviewed 21.11.03

Hongkong 2003 Der Polizist Chan Kwok-ming (Francis Ng Chun-Yu) geht derart in seinem Job auf, dass seine Frau Sammi (Athena Chu Yun) sich vernachlässigt fühlt. Eines Tages steigt Kwok-ming während einer gemeinsamen Autofahrt aus dem Auto und verfolgt ein paar Verbrecher. Es kommt zu einem Schusswechsel, in dessen Folge Sammi am Kopf angeschossen wird. Dr. Ko Chuen (Nick Cheung Ka-Fai) kann sie retten und nach dem Koma therapeutisch behandeln, doch Sammi ist verändert. Sie hat Visionen von einem weiblichen Geist und sieht die Taten eines Serienkillers voraus, dem Kwok-ming auf der Spur ist.
Angepriesen wurde "Shiver" des Regisseurs Billy Cheung (My Schoolmate the Barbarian) als ein Horrorfilm à la The Eye. Tatsächlich enthält er durchaus Elemente aus dem Geister-Grusler der Pang-Brothers, aber ebensoviel aus David Finchers Meisterwerk "Seven", Hideo Nakatas Ring - und einem ganzen Arsenal anderer Filme. "Shiver" ist fürwahr kein einfallsreiches Werk, aber ein solide unterhaltendes. Es gibt genug Blut, genug kleine Schrecksekunden und ein wenig Rätselraten, um die 88 Minuten Lauflänge sehr kurz zu gestalten. Die Handlung ist abstrus und wird gegen Schluss immer hirnrissiger, wenn Cheung zu viele Genres aus dem Ärmel zieht: Serienkillerstreifen, Geisterfilm, Revenge-Film, Cop-Thriller, Liebesdrama ... und so weiter. Mindestens eines davon (Geisterfilm) wird plötzlich immer wie unwichtiger und letztendlich ganz fallen gelassen. Das ist inszenatorisch zeimlich schlampig.
Die Schauspieler sind okay, Cheungs Präsentation auch nicht übel und die Atmosphäre manchmal ironisch, dann unheimlich, dann spannend. Aber eben: Der Film bietet nichts, was man nicht aus besseren Vorbildern kennt. Die hässlichste Szene fand ich eine der unscheinbareren: Wenn der Killer einem Opfer ganz fein mit einem Messer beide Pulsadern aufschneidet und es ganz langsam verbluten lässt. Iiiih, solche Momente hass ich, da muss ich mir immer ganz kribblig ans Handgelenk fassen. Für derartige hübsche Horror-Details ist "Shiver" durchaus sehenswert. Erwartet bloss keine Offenbarung des asiatischen Horrorschaffen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch / Mandarin 5.1. mit engl. UT. Widescreen (nicht anamorph)
Alternative Titel: Xin han; 心寒
Regie: Billy Cheung Siu-Hung

Horrorfilm

Spannung * *

Gewalt * *

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S o   C l o s e   ~   C h i k   y e u n g   t i n    s a i

Reviewed 28.10.03

Hongkong 2002 Die schöne Lynn (Shu Qi) verschafft sich Zugang zum Büro des korrupten Industriellen und Gangsterbosses Lui Chow (Sau Shek) - und tötet ihn. Sie entkommt, weil ihre Schwester Sue (niedlich: Vicki Zhao Wei) per Satellit mit dabei ist und sie sicher aus dem Gebäude lotst. Die beiden Auftragskillerinnen haben aber nicht damit gerechnet, dass ihr Auftraggeber nun ihnen ans Leder will. Und sie haben nicht erwartet, dass eine Dame namens Hong Yat Hong (Karen Mok Man-Wai) bei den Ermittlungen hilft. Die akrobatische Einzelgängerin kombiniert messerscharf und ist den beiden Girls bald auf der Spur. Sue ist fasziniert von ihrer Verfolgerin, während Lynn langsam genug bekommt und aussteigen will. Mit ihrem Freund Yen (Song Seung-heon) hofft sie auf ein friedliches Leben ...
Hongkong-Regisseur Corey Yuen schlägt sich mittlerweile als Choreograf und Regisseur des Actionteams bei grossen Hollywood-Blockbustern wie "X-Men" oder "The One" durch und drehte zuletzt The Transporter mit Jason Stratham und Shu Qi. Mit der schönen Miss Qi kehrte er für "So Close" nach Hongkong zurück und findet beinahe zu alter Form zurück. "So Close" ist ein sehr unterhaltsamer Actionfilm, der sich getraut, selbstbewusste, kampfstarke und dennoch ausgesprochen attraktive Damen in einen konfusen Krieg gegen Gangster zu schicken. Die Story gibt nicht viel her und dient bloss als Gerüst für atemberaubende Kampfszenen. Weniger, weil sie revolutionär choreografiert sind (sie sind elegant und ganz nett) - sondern weil die sexy Bräute fast nichts anhaben. "So Close" ist fast schon ein Film-gewordener Männertraum. Beim Fighten machen die Damen schliesslich Spagate, die den Puls der männlichen Zuschauer gehörig antreiben.
"So Close" ist jedoch nicht nur Fleischbeschau - sondern auch sehr gut inszeniert. Abgesehen vom hahnebüchenen Plot erzeugt Yuen recht viel Spannung und bietet vor allem in der zweiten Hälfte viel Action. Ein paar Szenen, wie der Kampf im Fahrstuhl sind kurze Höhepunkte, die der Film immer wieder mal bieten kann. Sogar Emotionen werden geweckt, wenn eine Hauptfigur unerwartet das Zeitliche segnet und homoerotische Gedanken zwischen zwei der Mädels aufkommen. Die Nebenhandlung mit Lynn und ihrem Schatz Yen ist dagegen nicht wirklich ausgereift. "So Close" ist zusammengefasst alles andere als ein cleverer Film, doch Yuen weiss, was sein Publikum will: Toughe, sexy Girls in aberwitzigen Fights. Hongkongs Antwort auf "Charlie's Angels"- great fun!

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Hier auf DVD erhältlich (Thai)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Englisch  5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Shik yeung tin sai; 夕陽天使
Regie: Corey Yuen Kwai

Actionfilm

Action * * * *

Spannung * * *

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S o u n d   o f   C o l o r s   ~   D e i   g w o n g   t i t

Reviewed 29.9.04

Hongkong 2003 Die blinde Cheung Hoi-Yeuk (Miriam Yeung Chin-Wah) wird in der MTR, der U-Bahn von Hongkong, von einem jungen Mann (Fan Chih-Wei) angesprochen. Der entuppt sich als Liebesengel und gibt ihr die Werbung eines Partnervermittlungsbüros. Geleitet wird dieses von Ho Yuk-Ming (Tony Leung Chiu-Wai), einem nicht gerade professionell arbeitenden, aber netten Mann. Hoi-Yeuks Vater (Lam Suet) bringt seine Tochter zu ihm, damit er ihr einen Partner finde. Doch stattdessen trifft sich Yuk-Ming selber mit ihr und fühlt sich zu ihr hingezogen. Eines Morgens wacht er auf - und ist blind! Seine Freunde Shing (Eric Kot Man-Fai), Neng (Alex Fong Lik-Sun) und Fat (Tsui Tin-Yau) können ihm nicht helfen. Hoi-Yeuk schon. Sie führt ihn in die Welt der Blinden ein. Dabei kommen sie sich näher. Doch die beiden sind nicht die einzigen, die der Engel verkuppelt hat. Er hat in Taipeh dafür gesorgt, dass der Liebesbrief des schüchternen Jie (Chang Chen) nicht bei seiner angebeteten Büro-Kollegin landet, sondern bei der hübschen Dong-Lin (Dong Jie) in Shanghai. Als Jie eine Antwort bekommt, fährt er aufs Festland ...
"Sound of Colors"basiert auf dem Comicbuch von Jimmy Liao und  ist Weihnachts-Kommerz der schwächeren Sorte. Ich habe nichts gegen den Kitsch einzuwenden, denn der Film ist wirklich lieb gemeint. Aber er ist nicht nur überraschend belanglos, er ist vor allem schlecht erzählt. Zum einen macht die Doppelstruktur keinen Sinn. Die ganze Chang-Chen / Dong Jie-Geschichte hat keinen dramaturgischen Bogen und ist nicht mit der anderen Story verknüpft. Jedesmal, wenn dieser U-Bahn-Plot vorkam, wollte ich kurz was am Kühlschrank holen. Die Story mit Tony Leung und Miriam Yeung ist besser und vor allem charmanter. Das sind echte Charaktere. Dafür leidet dieser Erzählstrang an einem massiven Problem anderer Natur:
Einer Deus Ex Machina. Wieso wird Tony Leung blind? Göttlicher Eingriff. Einfach so über Nacht, weil die Drehbuchautoren es so bestimmt haben. Doch weil ich das nie ganz abnahm funktioniert der ganze Rest des Films nicht. So einfach haben sich die Skript-Schreiber die Sache gemacht: Wir brauchen nun eine interessante Wendung - machen wir den Protagonisten doch einfach auch blind. Das ist, als würde die Bond-Autoren 007 während der Jagd nach dem Böswicht einfach Raketen in die Hand drücken. Damit er den Feind schneller kriegt. Natürlich ist klar, wieso es passieren muss (damit Ming und Yeuk sich näher kommen), aber das Ereignis entzieht sich aller dramaturgischen Logik und muss vom Zuschauer einfach hingenommen werden. Ein paar am Rande vorkommende Fantasy-Gestalten sollen den Twist besser schluckbar machen, doch ohne Erfolg.
Es ist natürlich auch voraussehbar, was mit Mings Blindheit später passieren wird. Und so schleppt man sich durch den Film, von dem man bei der einen Story weiss, dass sie nirgens hin geht und von dessen anderen Story man weiss, dass sie so konstruiert ist, dass ihr Gerüst quietscht und knorzt. Die zwei Sterne gibts wirklich nur, weil ich Tony Leung gerne sehe, weils ein paar hübsche digitale EInfälle in den Traumsequenzen hat und weil die Protagonisten charmant sind. Ansonsten gibt es an dem Christmas-Konstrukt leider zu wenig zu mögen ...

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0. Kantonesisch / Mandarin 5.1 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Colors of Sound; Colour of Sound; Di xia tie; Dei gwing tit; MTR: The Sound of Colors; 地下鐵
Regie: Joe Ma Wai-Ho

Liebesfilm

Humor * *

Gefühl * *

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S p r i n g t i m e   i n   a   S m a l l   T o w n

China 2002 Ausführliche Kritik: hier.

 

T h e   S t e w a r d e s s    ~   F a i   s e u n g    h u n g   c h e

Reviewed 2003

Hongkong 2002 Der Hongkonger Drehbuchautor Ken Ma (Sam Lee Chan-Sam) hat Mühe damit, Frauen ins Bett zu kriegen. Umso glücklicher ist er, als die hübsche Stewardess Apple (Lee Shan-Shan) anbeisst. Die beiden werden ein Paar. Leider ist Apples Daddy ein gefürchteter Tiradenboss! Er warnt Ken: Sollte er je seiner Apple weh tun, verliert er seinen Pimmel. Dumm wie Ken ist nutzt er genau seine nächste Chance: Als Apple nach Malaysia fliegt, will Ken endlich seinen Traum wahr machen und mit einer Japanerin schlafen. Seine neue Nachbarin, die Stewardess Yurei ist aus Japan. Er huscht mit ihr in die Laken - mit schrecklichen Folgen.
Wieso müssen viele Hongkong-Regisseure ihre Thriller und Horrorfilme so oft mit infantilem Humor abwerten? "The Stewardess" ist ein besonders peinlicher Versuch, Humor in die Story zu bringen. Kaum eine der Pointen sitzt, die Charaktere handeln überhaupt nicht nachvollziehbar und der Inszenierungsstil ist zu penetrant. Nur selten unterhaltsam - mehr gibts dazu nicht mal zu sagen.
Hier auf DVD erhältlich
Ich habe die HK-Version (Code 0) mit englischen UT gesehen.
Alternative Titel: Fai seung hung che ; Fai seung hung che; 非常凶姐
Regie: Sam Leong Tak-Sam

Horrorkomödie?

Gewalt * *

Humor *

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S u m m e r   D r e a m

Reviewed 2002

Hongkong / Thailand 2002 Die drei Hongkong-Boys Lon (Cheung Tat-Ming), Fu und Pau machen Ferien im thailändischen Pattaya. Kaum in dem Urlaubsparadies angekommen, werden sie auch schon ausgeraubt. Sie müssen sich in einem billigen Hotel einnisten. Das Zimmermädchen Kung rät ihnen, sich als Stripper Geld zu verdienen. Da das nicht klappt, muss Fu an einem Boxkampf teilnehmen. Mit der verdienten Kohle laden die drei vier süsse Girls aus Hongkong zum Essen ein - und verlieben sich in sie ...
Gähn. Die DVD von "Summer Dream" hat ein Cover, das aussieht wie "American Pie am Thai-Strand", ist in Wahrheit aber nur ein besseres Homevideo. Nein, stimmt nicht. Ein schlechteres Homevideo. Regisseur Chang Aman ("Raped by an Angel 2") zeigt mit dem Digitalvideo-Look und Midi-Musik keinerlei künstlerische Ambition. Nicht nur das: Auch inhaltlich gibts hier nichts zu holen. Kein Humor, kein Sex, kein Fun, keine nackte Haut, keine Gewalt. Was man auch erwarten würde, hier hats nichts. Nach 77 Minuten fragt man sich "das wars"? "Summer Dream" ist nicht böse oder übel - sondern einfach leer. Nutzlos. Inexistent. Das ist kein Film, das sind ein paar Szenen aus dem Ferienfilm vom vorletzten Jahr. Echt wahr. Ihr glaubt ihr seht süsse Boys und Girls wie auf dem Cover? Na ja, für ein paar Minuten. Fu sieht gut aus und drei der Girls sind zum Anbeissen. Aber herrjeh, das ist aber kein Grund, sich diesen Scheiss anzutun. Ich habe euch gewarnt. Dieser "Film" hat nichts zu bieten, nichts zu erzählen, und letztendlich gibt es auch nicht viel mehr darüber zu sagen ... 
Hier auf DVD erhältlich - ich habe die HK-Version (Code 0) mit englischen UT gesehen.
Alternativer Titel: 夏日冬蔭功
Regie: Chang Aman

Teenie-
Liebeskomödie

Humor *

Erotik *
.

 

T h r e e :   G o i n g    H o m e   ~   S a n   g e n g

Reviewed 2003

Thailand / Südkorea /
Hongkong 2002

"Three" ist eine multinationale Grusel-Anthologie, bestehend aus:
Memories
- Südkorea - Ji Woon Kim (39 Minuten)
The Wheel - Thailand - Nonzee Nimibutr (35 Minuten)
Going Home - Hongkong - Peter Chan (49 Minuten)
Chan Wai (Eric Tsang
Chi-Wai) zieht mit seinem Sohn Cheung in ein Wohnhaus. Eines Tages ist der Bub verschwunden. Wai sucht ihn beim Nachbar Mr. Yu (Leon Lai Ming), der mit seiner gelähmten Frau (Eugenia Yuan) zusammenlebt. Cheung erzählte einst, Yus Tochter beobachte ihn. Yu erklärt, er habe keine Tochter - und haut Chan k.o. Als er aufwacht, sieht Chan, dass Yus Frau tot ist und ihr Mann sie immer noch pflegt. Er st davon überzeugt, morgen würde sie wieder aufwachen. Und Chan solle dem Ereignis beiwohnen ...
Auf der "Three"-DVD ist "Going Home" von Peter Chan der zweite Film der Anthologie, im Kino jedoch der dtitte. Die Episode ist etwa gleich gut wie die koreanische, "Memories", und ist v.a. dank Kamreramann Christopher Doyle, der auch in den USA dreht ("Psycho", "Quiet American"), visuell sehr anregend. Inhaltlich gibt "Going Home" nicht sonderlich viel her - was auch daran liegt, dass 49 Minuten einfach zu kurz sind. Das typische Problem von Anthologien eben ...
Hier auf DVD erhältlich - ich habe die HK-Version (Code 0) mit englischen UT gesehen.
Alternative Titel: San geng; 三更

Regie: Peter Chan Ho-sun

Grusel-Trilogie

Spannung * *

Gewalt *

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T o g e t h e r   ~   H e   n i   z a i   y i   q i

Reviewed 18.12.04

China / Südkorea 2002 Der dreizehnjährige Liu Xiaochun (Tang Yun) lebt alleine mit seinem Vater Liu Cheng (Liu Peiqi) in der chinesischen Provinz. Seit er drei Jahre alt ist, spielt Xiaochun Violine. Nun bekommt er die Chance, in Peking zu studieren. Mit seinem Vater reist er in die Grossstadt. Es gelingt ihnen, den einzelgängerischen Professor Jiang (Wang Zhiwen) zu überzeugen, Xiao als Schüler aufzunehmen. Während der Bub an seinem Können arbeitet, fällt ihm die hübsche Lili (Chen Hong) auf, die des öfteren Streit mit ihrem reichen Liebhaber hat. Xiao freundet sich mit der Society-Dame an, spielt für sie Geige und geht mit ihr Einkaufen. Doch Cheng hat bald das Gefühl, sein Sohn müsse schneller zu Ruhm kommen und bittet den erfahreren Professor Yu Shifeng (Chen Kaige), den Buben unter seine Fittiche zu nehmen. Er sagt zu, wodurch Xiao neben der jungen Lin Yu (Zhang Qing) zum Anwärter auf eine internationale Karriere wird. Doch was ist er bereit, dafür zu opfern?
"Together" ist Chen Kaiges Comebackfilm nach dem desaströsen US-Ausflug "Killing Me Softly". Man kann es ihm deshalb nicht verübeln, dass er auf Nummer sicher geht. "Together" ist ein Film, wie ihn Chen geradezu aus dem Ärmel schütteln kann: Liebevoll, etwas gekünstelt und doch ganz einfach gestrickt. Weder Chens grösster Film noch ein schwaches Werk. Einfach eines, das man beim Anschauen geniesst und danach bald wieder vergisst.
Die Handlung ist nicht die Stärke von "Together". Angereichert mit Sentimentalitäten, Klischees und Unglaubwürdigkeiten, schlängelt sie sich dennoch geschickt dem melodramatischen Ende entgegen, das man in etwa vorausahnen kann. Auch der politische Subtext ist nicht wirklich brauchbar - eine populistische, wertkonervative Message gegen (westliches) Konsum- und Erfolgsdenken. Es lebe das Bauerntum als Teil des international angebiederten Chinas.
Wohingegen die Kraft des Filmes liegt, ist in seinen Figuren. Tang Yun spielt Xiaochun zwar mit Zurückhaltung, aber wir können mit dem kulturell, emotional und künstlerisch hin- und hergerissenen Buben sympathisieren. Sein Vater, auch ein kleines Bauernklischee, wird von Liu Peiqi mit viel Charme verkörpert. Chen Kaige selbst tritt etwas steif als Lehrer Yu in Erscheinung und Wang Zhiweng spielt äusserst sympathisch die eigentlich unwichtige Rolle des anderen Lehrers: Jiang, der Xiao dazu bringt, seine Gefühle in die Musik einfliessen zu lassen. Dass er beim Finale am Bahnhof dabei sein muss, macht strukturell Sinn, aber ist nicht sonderlich plausibel.
Dergleichen Anspruch sollte man an "Together" auch nicht erst haben. Es ist ein soldie gemachtes, bewegendes Drama mit toller Musik, herzlichen Schauspielern und gerade der richtigen Dosis Kitsch, um nicht klebrig zu werden. Mir gefiel der Film, auch wenn er kaum an den künstlerischen Output des jüngeren Chen Kaige noch an jenen von Chens 5.-Generations-Kollegen Zhang Yimou herankommt.

Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Meine Disk (GB): Code 2 PAL. Mandarin 2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Together With You; Xiaos Weg; He ni zai yi qi
Regie: Chen Kaige

Drama

Gefühl * * *

Humor *

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T o   S e d u c e   a n   E n e m y 

Reviewed 2003

Hongkong 2003 Daisy Siu heuert den Privatdetektiv Wu an, um die Affären ihres Mannes Joe ans Tageslicht zu bringen. Tatsächlich poppt der Milliardär, wo er nur kann. Daisy will die Scheidung - das würde Joe ruinieren, denn das Geld ist ihres. Also hypnotisiert er Daisy, lässt sie Wu umbringen und dann sich selbst. Der Polizei kommt Daisys Suizid mysteriös vor, aber sie können nichts tun. Die junge Paparazza Yuki dagegen wird aktiv und schleust ihre Freundin Ting in Joes Geschäft. Ein riskantes Unterfangen ...
Typische Kategorie-III-Kost. Das Rating verdient sich der Film jedoch nicht mit Gewalt (von der gibts recht wenig), sondern mit Erotik. Einige Szenen sind zugegebenermassen recht sinnlich, doch die Story, die rundum gebastelt wurde, ist idiotisch. Auch die Akteure sind schlecht, das Tempo schleppend, die Musik einschläfernd. Das Ding schaut man sich also höchstens wegen den schönen Damen an - aber auch die mögen nicht für 98 Minuten wach zu halten.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch & Mandarin mono. Letterboxed.
Alternativer Titel: 偷窺無罪誘人犯罪
Regie: Bowie Lau

Erotikthriller

Erotik * * *

Spannung *

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T h e   T w i n s   E f f e c t   ~   C h i n   g e i    b i n

Reviewed 11.11.03

Hongkong 2003 Der Vampir, der das Blut aller sechs Vampirprinzen absorbiert, kontrolliert die Blutsauger-Bibel "Day for Night" und erlangt die Herrschaft über die Welt. Deshalb hat der europäische Vampir Duke Dekotes (Mickey Hardt) die königliche Familie gemeuchelt. Der einzige, der überlebt hat, ist der fünfte Prinz: Kazaf (Edison Chen Koon-Hei). In Hongkong verliebt er sich in die freche Helen (Charlene Choi Cheuk-Yin), ohne zu ahnen, dass deren Bruder Reeve (Ekin Cheng Yee-Kin) ist, der beste Vampirjäger der Welt. Reeve und seine neue Partnerin Gipsy (Gillian Chung Yan-Tung) sind selbst auf er Jagd nach dem Duke. Kommt ihnen Kazaf dabei in die Quere?
Die Titel-gebenden "Twins" sind Charlene Choi und Gillian Chung. Das sollte man wissen, denn im Film deutet nichts auf Zwillinge hin. Choi und Chung sind in Hongkong ein sehr erfolgreiches Pop-Duo und ihr gemeinsamer Film wurde zum grossen Effekt-Spektakel aufgebauscht - mit entsprechend gutem Resultat am Box Office. Um die beiden Goldkehlchen auch bestmöglich rüberkommen zu lassen, wurden keine Kosten gescheut. Die Boy-Stars Ekin Cheng und Edison Chen wurden für Hauptrollen egagiert, Hongkong-Alleskönner Anthony Wong Chau Sang (Infernal Affairs), sexy Karen Mok Man-Wai (So Close) sowie Superstar Jackie Chan geben sich in kleinen Nebenrollen die Ehre. Chan darf sogar in einem Fight mitmachen. Die Effekte sind protzig, die Musik hip, die Inszenierung rasant.
Doch dem Film fehlt die Seele. Die beiden Girls sind nicht übel, ihre zwei Boys auch nicht. Aber die vier jungen Teen-Stars haben zu wenig Gewicht und die Story ist zu zerstückelt, um einen voll ins Geschehen hineinzuziehen. So verkommt der Film zur Hongkong-Variante von "Buffy". Ich mochte die elaborierten Handkantenspiele, die Humor-Einlagen ("you want to fall in love with food?") und das Tempo von "Twins Effect", doch der Unterschied zu aufgeblasenen Hollywood-Popcorn-Streifen ist nicht gross. 3 Sterne - weil ich mich gut unterhalten habe. Aber irgendwie wäre bei diesem Aufwand noch etwas mehr drin gelegen, oder?

PS: Die Outtakes am Schluss sind überhaupt nicht lustig. Produziert hat den Streifen Hongkong-Spezialist und DVD-Audiokommentator Nummer eins, Bey Logan.
Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch DTS/5.1. mir englischen UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Chin gei bin; 千機變
Regie: Dante Lam & Donnie Yen Ji-Dan (uncredited)

Fantasy-Action

Action * * * *

Humor * *

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U n k n o w n   P l e a s u r e s   ~   R e n   x i a o   y a o

Reviewed 3.4.04

China / Japan / Frankreich / Südkorea 2002 Datong, eine Industriestadt in der Shanxi-Provinz, dreihundert Kilometer westlich von Peking: Der Slacker Xiao Ji (Wu Qiong ) und sein Freund Bin Bin (Zhao Wei-Wei) leben im heruntergekommenen Bereich der Stadt. Sie sind arbeitslos, ziellos und hoffnungslos. Weltbwegende Nachrichten wie Pekings Gewinn der Austragungsrechte der Olympischen Sommerspiele 2008, einem Attentat auf eine Industrieanlage oder ein US-Flugzeug, das in den chinesischen Luftraum eindringt, interessieren die beiden 19-Jährigen nicht. Xiao Ji verfolgt lieber die Sängerin und Tänzerin Qiao-Qiao (Zhao Tao), die den Gangster Qiao San als Agenten hat - ihren ehemaligen Turnlehrer. Und der nihilistische Bin Bin hängt mit seiner Freundin Yuan Yuan (Zhou Qing-Feng) herum, die ihre Ausbildung ernst nimmt, um diesem Loch zu entkommen. Ja und dann planen sie mal einen Banküberfall, aber von dem möchte ich nichts erzählen, da er in den letzten 10 Filmminuten passiert. Ansonsten passiert eben ... nix.
"Sensationell" lobt The Village Voice, "eindringlich" Ed Gonzalez vom elitären Slant Magaine und "a comibination of Godard and Tarantino" die New York Times. Ich versuchs mal anders: selbstverliebt, langweilig, prätenziös, elitär, trostlos, leer - und vor allem: masslos überschätzt. Wie einige Arthaus-Kritiker diesen Quatsch zum besten Film 2002 kühren können, ist mir unerklärlich. In dem Jahr also, in dem "The Two Towers" erschien, "Minority Report", "Twilight Samurai", "Dark Water", "Infernal Affairs", Panic Room", "A Peck on the Cheek" oder "Sympathy for Mr. Vengeance". Diesen Film in eine Best-of-Liste aufzunehmen ist beinahe ein Affront gegen jeden normalen Kinogänger. Und ihn mit Tarantino oder Altman zu vergleichen, zeugt von Frechheit gegenüber diesen talentierten Filmemachern. Der Godard-Vergleich ist da schon besser. Aber nicht mit dem jungen, innovativen Godard. Sondern mit dem alten, lähmenden Godard. Und der allerbeste Vergleich wäre der mit Abbas Kiarostami, jenem iranischen Filmemacher, der bei Feuillton-Kritikern spontane Orgasmen hervorruft und mit seiner abgefilmten Eintönigkeit alle anderen Zuschauer in ein zweistündiges Koma versetzt.
Der Originaltitel von "Unknown Pleasures" heisst übersetzt "Frei von allen Zwängen" und bezieht sich auf ein Gedicht des taoistischen Poeten
Zhuangzi aus dem 4. Jahrhundert. 2001 war es zudem ein Popsong. Diese Mischung von Philosophie und Popkultur liegt "Unknown Pleasure" zu Grunde und gäbe tatsächlich ein interessantes Thema ab. Regisseur Jia Zhang Ke (BBC: world cinema's poet laureate of boredom) blendet Nachrichten ein, zitiert kurz und hübsch "Pulp Fiction", zeigt TV-Shows und die Wahl Beijings zum Austragungsort der Olympischen Spiele. All dies bettet den Background in eine Alltagskultur mit Sexhsops, Lotto, Billiard - und bersonders Musik. Damit soll das internationale Publikum den Zugang zu den Ennui-geplagten Protagonisten finden. Doch den findet man nicht. Das liegt nicht an dem Setting, das ja interessant ist, sondern an der Inszenierung und den Schauspielern.
Kameramann Nelson Yu Lik-Wai
filmt mit Digitalkamera alle Ereignisse aus der Halbtotalen. Fast keine Close-ups, kaum Totalen. Das ergibt einen distanzierten, nüchternen, ruhigen Look. Bis auf zwei, drei gelungene Einstellungen dominiert also bereits visuell die Langeweile. Klar ist dies gewollt, aber Regisseure, die so gerne über gelangweilte Leute berichten, müssen sich mal fragen, ob es wirklich der beste Weg ist, den Stil den Charakteren anzupassen. Brauchen wir langweilige Filme über langweilige Leute? Die Protagonisten sind wirklich extrem langweilig. Zwischen Bin Bin, Xiao Ji und den anderen fallen kaum Worte. Vielmehr stehen sie rauchend herum und strahlen die mimische Begabung eines Steven Seagal aus. Man könnte sie totschlagen und keinen interessierts. Auch das ist natürlich Programm und unterstreicht die Leere des Lebens. Ich wiederhole aber die Frage leicht anders: Brauchen wir leere Filme, die uns die Leere des Lebens vor Augen halten?
Und so schleppt man sich durch 107 Minuten grenzenlos beschissene Filmminuten. Improvisierende Schauspieler, peinliche Statisten, gelangweilte Kameraführung, lustlos-elitäre Regie und 08/15-Arthaus-Story vermiesen einem im Nu alle Lust am Weiterschauen. Plötzlich erscheint das Kompensieren des im Laufe der Woche angestauten Schlafmangels gar keine schlechte Idee mehr. Und wenn Xiao Ji zum Ende hin zwei Minuten lang einfach auf seinem Töff dahinfährt und es kurz mal blitzt (ah, Altman!), dann weiss ich, dass die verblendeten Kritiker jubeln und die Stille, die Meditation und Verinnerlichung der Szene loben. In Wahrheit ist es bloss ein gelagweilter Kerl auf einem Motorrad. Fahrend. Zwei Minuten lang. Gähn. Ja, es muss so sein, das schlägt alles in "The Two Towers" mit links. Hey, vielleicht bin ich dumm, aber mir ist das sogenannte "Überwältigungskino" in jeder Sekunde lieber als dieses kunstlose, intellektuell verbrämte "Unterwältigungs-Kino". Den Begriff gibts nicht? Schade, für "Unknown Pleasures" müsste man ihn erfinden.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Mandarin 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Ren xiao yao; Plaisirs inconnus; Free of All Constraints
Regie: Jia Zhang Ke

Drama

Spannung *

Humor *

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V a m p i r e   H u n t e r s

Reviewed 26.6.03

Hongkong 2002 China im 17. Jahrhundert während der Ching-Dynastie: Zombies durchwandern das Land auf der Jagd nach Menschenfleisch. Haben sie genug davon verspiesen werden sie zu allmächtigen Vampiren, die den Menschen das Blut sogar auf Distanz aussaugen können. Auf diese Monster haben es Choi (Danny Chan Kwok-kwan), Hei (Ken Chang Chi-hui), Kung (Lam Suet) und Fat (Michael Chow Man-Kin) abgesehen. Zu diesem Zweck nisten sie sich im Anwesen von Meister Jiang (Yu Rongguang) ein. Dort geht es tatsächlich seltsam zu und her ...
Tsui Hark
gilt nicht erst seit seiner "Chinese Ghost Story"-Reihe als der Spielberg Asiens, doch hier hat er als Produzent und Autor gründlich versagt. "Vampire Hunters" ist eher peinlich, als eindrücklich. Der Film hat hüpfende Vampire. Diese sind in Hongkong Tradition (siehe Encounters of the Spooky Kind, The Shadow Boxing) und entsprechen eher Zombies als Vampiren. Doch was in komödiantischen Werken funktioniert, wirkt hier eher trashig. Oh das ist bei weitem nicht alles. Auf dem DVD-Cover wird vorgegaukelt, der Film biete Martial Arts à la "Crouching Tiger, Hidden Dragon", doch obwohl die Kampfszenen tatsächlich nicht so schlecht sind, haben sie weder die Poesie noch die Power von Crouching Tiger, Hidden Dragon: Der ganze Film hat nix mit Ang Lees Meisterwerk zu tun. Er mischt vielmehr ulkigen Horror, Fantasy und Action. Mit einem Schuss Komödie.
Das Resultat ist ein heterogenes Kampf-Gettümmel ohne Spannung, Sinn und Stil. Ich bin irgendwo in der Mitte eingepennt und hab nach dem Aufwachen nicht zurückgespult, denn im Ernst: Man verpasst Story-mässig nichts. Beim nächsten hüpfenden Zombie kichert man eh bloss wieder und aller "Grusel"-Effekt ist weg. Tsui, was soll das für ein Film sein? Horror? Nö, zu doof. Fantasy? Nö, viel zu doof. Ach, Mensch, es ist einfach Trash - versehen mit dem Tsui-Hark-Gütesiegel. Für einmal bürgt dieses jedoch nicht für Qualität.

Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (US): Code1 NTSC. Kantonesisch 5.1., Englisch 5.1., Franz. 5.1. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Tsui Hark's Vampire Hunters; The Era of Vampire
Regie: Wellson Chin Sing-Wai

Fantasy-Horror

Gewalt * *

Action * *

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W a r r i o r s   o f   H e a v e n   a n d   E a r t h  ~   T i a n   d i   y i n g   x i o n g

Reviewed 18.2.04

China 2003 700 nach Christus. Die Tang-Dynastie Chinas wird bedroht durch die Türken, hält aber Stand. In dieser turbulenten Zeit lebt der Japaner Lai Qi (Kiichi Nakai) im Land. Nach 25 Jahren in der Fremde will er heimkehren, doch der Kaiser gibt ihm einen letzten Auftrag: Er soll den Offizier Li Zai (Jiang Wen) ausschalten, der desertiert ist, nachdem er einen Befehl zur Ermordung von Frauen und Kindern nicht befolgte. Lai Qi nimmt seinen Auftrag ernst, doch er beginnt seinen Gegner bald zu respektieren. Dieser hat die Führung einer Karawane übernommen, die einen kleinen Mönch (Zhou Yun ) und geheimnisvolle Fracht transportiert. Als der Banditenführer Master An (Wang Xueqi ) es auf die Karawane abgesehen hat, flieht Li Zai in die Wüste Gobi. An seiner Seite kämpfen nicht nur die hübsche Wen Zhu (Vicki Zhao Wei, So Close), der alte "Diehard" (Wang Deshun), die Krieger Baldie, Ma Gun (Ho Tao) und Zao Zimo (Li Haibin), sondern auch Lai Qi!
"Warriors of Heaven and Earth", die neuste Grossproduktion aus China, wird unweigerlich Vergleiche mit den Meisterwerken Hero und Crouching Tiger, Hidden Dragon nach sich ziehen. Doch während er ein paar der Wüsten-Bilder aus diesen beiden Bildern übernimmt, drängen sich zwei andere Parallelen viel mehr auf: eine zum koreanischen Epos Musa und eine zum Western. Ja, Western. Die Bilder haben ähnliche Motive wie jene des Westerns: Wüsten, Wälder, weite Ebenen. Dann reiten die Protagonisten alle auf Pferden, treiben eine Herde von Kamelen (=Rinderherde) voran und werden von Banditen angegriffen, die seltsam indianische Geräusche von sich geben. Um sich vor ihnen zu schützen verschanzen sich die Helden in der zum Kreis angeordneten Karawane. Es sind etliche solcher Wetsern-typischer Sequenzen zu sehen, was den Film für ein westliches Publikum auf einer vielleicht ungewollten Ebene anspricht. Laut Cover-Text soll der Film nämlich in der Tradition von Akira Kurosawas "Seven Samurai" und eben Crouching Tiger, Hidden Dragon entstanden sein. Es hat durchaus ein 7-Kerle-gegen-Banditen-Motiv, doch Kurosawa sucht man hier weitgehend vergebens.
Und dann ist da eben noch Musa. Die beiden Handlungen sind verdächtig ähnlich, auch der Aufbau (Kampf-Flucht-Kampf-Flucht) ist vergleichbar simpel. Das Finale in einem verlassenen Fort ist auch identisch. Und eine für die Story unwichtige, aber hübsche Frau (dort Zhang Ziyi, hier Vicky Zhao) ist auch dabei. Zufall? Wer weiss - ist auch egal. "Warriors of Heaven and Earth" ist ein solide gemachtes Epos mir grossartigen Bildern, starken Akteuren und verspielter Musik von Indiens Starkomponist A. R. Rahman (Lagaan), der mit Trommeln, Chören, Orchestern, Geigen und Flöten für einen akkustische Begleitung der Ereignisse sorgt.
Die Fights, und damit gibts wieder einen Unterschied zu den Eingangs genannten Kassenhits, sind fast ohne Wire-Work und gänzlich ohne fliegende Krieger aufgezogen. Gekämpft wird betont altmodisch, aber recht gut. Im laufe des Films werden die Auseinandersetzungen energischer und blutiger. Etwa zur Mitte des Films kommt sogar noch ein buddhistisch-übersinnliches Element dazu. Einfache CGI, einfache Symbolik, aber okay für die Handlung. In gewissem Sinne ist es ein McGuffin, der arg an die Bundeslade aus "Raiders of the Lost Ark" erinnert. Ein Vergleich, der sich beim Finale dann noch mehr aufdrängt.
"Warriors of Heaven and Earth" erreicht nicht die Qualität irgend einer der Filme, die ich im Text genannt habe. Aber er unterhält. Wer gerne Epen sieht, wird durchaus bedient. Kämpfe, ehrenvolle Tode, Pathos, wuchtige Landschaften und ausweglose Situationen - der Film von He Ping ("Sun Valley") bietet alles.

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Meine Disk (China): Code 3 NTSC. Mandarin 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Tian di ying xiong
Regie: He Ping

Epos

Action * *

Spannung *

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W h e n   R u o   M a   W a s   S e v e n t e e n

China 2002 Ausführliche Kritik: hier.

 

X a n d a

Reviewed 4.5.04

China 2003 Xanda entstand in den 70ern in Zentralchina und basiert auf dem klassischen Kung-Fu. Das Ziel ist jedoch nicht die Ästhetik, sondern die Schnelligkeit und die Kraft. Qiang (Sang Wei-Lin), der es auf dem Land zum Kung-Fu-Champ gebracht hat, hält nicht viel von dieser Technik. Doch als er nach Shenzhen kommt, sieht er in einem Duell, wie effektiv Xanda sein kann: der Champion Wei (Teng Jun ) haut Qiang spielend zu Boden. Der Gekränkte hat noch andere Sorgen: sein Freund wurde verletzt. Das Geld für die Operation leiht ihm Ning (Ni Jing-Yang), mit der sich Qiang anfreundet. Er verspricht ihr, die Hälfte zurückzuzahlen. Dazu muss er ein Turnier gewinnen. In der Schule von Tieh (Zhang Hong-Jun), dem Vater seines Kumpels Lung (Zhao Zi-Long), trainiert Qiang ungeduldig. Ohne bereit zu sein, tritt er in einen Wettbewerb - und verliert mit seinem unausgereiften Kung-Fu auf der ganzen Linie. Doch er gibt nicht auf und gibt sich ganz dem Xanda-Training hin.
"Xanda" ist ein philosophischer Kampfsportfilm. Natürlich steckt in jedem Kung-Fu-Streifen Philosophie drin (das gehört schliesslich mit zur Ausbildung), doch in "Xanda" weitet Regisseur Marco Mak Chi-sin ("Haunted Office") das Sinnieren über Leben, Liebe und Sport auf den ganzen Film aus. In der Tat gibt es gar nicht so viel Action. Wenn sie dann kommt, dann meistens in der Form des titelgebenden "Xanda". Diese Kampfsportart erinnert eher an Muay Thai, als an das herkömmliche Kung-Fu. Dazu noch eine Dosis normales Boxen und Wrestling. Das Resultat ist Vollkörper-Prügeln ohne viel Ästhetik. "This is not kung-fu, don't concentrate on how you look!" sagt ein Charakter einmal, was in gewissem Sinne zum Leitthema des Films wird. Die Fights sind schon attraktiv eingefangen, aber es fählt an Eleganz und Ästhetik, dafür wird wild drauf losgeprügelt.
Der Stil des Films passt sich an. Erdige Farben, feuchte Atmosphäre - der Look ist definitiv Festland-chinesisch und nicht etwa im Hongkong-Stil. Insofern unterscheidet sich "Xanda" alleine schon visuell von den meisten Filmen des Produzenten
Tsui Hark. Dessen langjähriger Editor Marco Mak hat den Film inszeniert und er scheint fasziniert zu sein von Männerkörpern. Na ja, muss man fast, wenn man Martial-Arts dreht, aber hier wird nicht nur geduscht und gekämpft, hier wird vor allem geschwitzt. Kunstblut gibt es kaum in "Xanda", dafür kübelweisse Kunstschweiss auf aufgeheizten Körpern. Die Kämpfer müssten eigentlich schwimmen, würde dieser Schweiss tatsächlich aller auf dem Boden landen. Mit der Zeit wird dieses Stilmittel ziemlich öde und repetitiv, doch wie bereits angetönt geht es auch nicht primär um den Kampf. Eher um die Reifung von Qiang, souverän gespielt von Kung-Fu-Fighter und Kinodebütant Sang Wei-Lin. Und um sein Training.
Damit kommen wir zu den Klischees. Es sind alle da - wer "Rocky" oder irgend einen Ausbildungs-Film der Shaw Brothers gesehen hat, der kennt das alles: der Held verliert einen Kampf, beginnt knallhart zu trainieren und besiegt den Gegner im Endkampf mit variierter Kampftechnik. Soweit, so bekannt. Doch Mak variiert kleine Details. So wird zum Beispiel der finale Fight relativ unspektakulär gewonnen. Dennoch: Originalität ist nicht "Xandas" Stärke. Was solls. Diese Regeln haben 30 Jahre lang funktioniert, sie tuns auch heute noch. "Xanda" ist kein Knüller, aber ein routiniert inszenierter, nachdenklicher Kampfsport-Striefen mit guter Besetzung und natürlichem Look. Damit haut man niemanem vom Hocker, aber besser als sinnentleerte Prügelein à la Van Damme ist "Xanda" noch lange ...

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 [Cover meint Code 3] - NTSC. Mandarin DTS/5.1., Kantonesisch 5.1.
mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: 散打
Regie: Marco Mak Chi-sin

Martial-Arts-
Drama

Action * * *

Spannung * *

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Z h o u   Y u ' s   T r a i n

Hongkong 2002 Ausführliche Kritik: hier.

 

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