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Regisseure, Shaw Bros.

 

 

 

B l a c k   S u n :   T h e   N a n k i n g   M a s s a c r e   ~   H e i   t a i   y a n g   N a n   J i n g   d a   t u   s h a

Reviewed 2.1.05

Hongkong 1995 Am 7. Juli attackieren die Japaner die Lugou-Brücke und beginnen den Feldzug gegen China. Am 5. Dezember marschieren sie in Nanjing ein und haben eine Woche später die Millionenstadt unter ihre Kontrolle gebracht. Die Japaner kennen kein Halten mehr. Sie töten Soldaten und Zivilisten, sie organisieren Massenvergewaltigungen, töten Ausländer und prahlen vor der Presse. In dem Massaker kämpfen auch die Kinder Jean und John ums Überleben. Sie werden Zeugen von unsäglichem Leid.
Men Behind the Sun-Regisseur Mou Tun Fei tut wieder das, was er am besten kann: Japanische Kriegsverbrechen in einem schwer definierbaren Mischmasch aus Dokudrama und Exploitation-Horror wiederzugeben. Mir gefiel "Black Sun: The Nanking Massacre" etwas besser als der Vorgänger, vor allem, weil "Nanking" mit Bild- und Filmmaterial das Grauen historisch zu verankern versucht. Es gibt komplett trashige Exploitation-Szenen wie eine, in der ein Baby vor den Augen der Mutter in den Kochtopf geworfen wird, aber es überwiegt der "reale" Horror. Manchmal gefriert das Bild sogar und geht in ein echtes Schwarzweissbild über, das die exakte Szene zeigt.
Der Mix ist dennoch etwas seltsam. Wenn Mou aufrütteln wollte, sabotiert er das mit dem propagandistisch-reisserischen Ansatz. Für eine Propaganda ist der Film aber zu offensichtlich manipulativ, für ein historisches Dokument zu unreflektiert und für einen Unterhaltungsfilm zuwenig stringent - einen eigentlichen Plot gibt es schliesslich nicht. Doch Fakt bleibt: Das Nanking-Massaker war eines der unsäglichsten Kapitel der Menschheitsgeschichte und eine Schande für das japanische Volk. Über 300'000 Tote und über 20'000 vergewaltigte Frauen. Kinder, Babys, Frauen, Männer, Alte, Junge - alle wurden sie dahingemetzelt, manchmal liessen sich die  japanischen Offiziere dabei noch "heroisch" fotografieren. Dieser Wahnsinn, der nichts mehr mit Krieg zu tun hat sondern nur noch ein staatlich sanktioniertes Abschlachten war, hält der Film eindrücklich und widerlich fest.
Mou ist eben kein Mann für Subtilitäten. Seine Japaner tragen Hitler-Schnurrbärte und posaunen ihre Mord-Pläne heraus, sie vergewaltigen und killen ohne Reflektion. Und wer doch zu fragen wagt, gilt als Verräter. Nun vielleicht war es sogar wirklich so krass, aber Mo schlägt manchmal über die üblichen Filmösewichts-Stränge. Was nicht heissen soll, dass die Szenen nicht einfahren. Nichts ist dem Film heilig. Babys gekocht, Mädchen vergewaltigt, Köpfe abgehackt, Penis abgeschnitten. Alles drin. Und deshalb locken Mous Filme auch vor allem Gore-Hounds an, die erklären, der brutale Naturalismus mache den Film zum Meisterwerk. Ich empfand ihn auch als krass und sehenswert, aber die zwei Strömungen, die zusammenkommen (Exploitation und Dok) lassen sich eben nicht wirklich vereinen. Wer weiss, vielleicht macht ja gerade diese völlige Missachtung von gängiger Filmtheorie den Film so speziell.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Kantonesisch 5.1 englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Black Sun; Hei tau yang Nan Jing da tu sha; The Nanking Massacre; Men Behind the Sun 4; Hak taai yeung Naam Ging daai tiu saai
Regie: Mou Tun Fei

Exploitation-
Kriegs-
Dokudrama

Gewalt * * * *

Spannung * *

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T h e   B l a d e   ~   D a o

Reviewed 31.7.04

Hongkong 1995 Westchina im 19. Jahrhundert: Ling (Song Lei) ist die Tochter eines Schwertmachers (Austin Wai Tin-chi) und hat sich in zwei von dessen starken Arbeitern verliebt: Iron Head (Moses Chan Ho) und den Waisen Ding On-man (Chiu Man-Cheuk). Sie flirtet mit beiden und hofft auf ein Duell, dessen Sieger sie zur Frau nimmt. Tatsächlich heizt sie die Situation auf. Doch als sie von Banditen entführt wird, ist es On, der sie rettet. Dabei verliert er den rechten Arm und wird für tot gehalten. Iron Head nimmt Ling nach Hause, während On in der Hütte des Waisen Blacky zu Kräften kommt. Nunmehr ein Krüppel ist er den regelmässigen Angriffen von Banditen ausgesetzt. Als sie das Haus einmal mehr anzünden, entdeckt On ein Martial-Arts-Handbuch, das Blackys Eltern gehörte. Es ist zur Hälfte verbrannt, doch On trainiert danach - und muss improvisieren. So entwickelt er einen neuen, extrem schnellen Stil, mit dem er die Banditen erledigt. Die Zeit für Grösseres ist gekommen. Er macht sich auf die Suche nach dem tätowierten Killer Fei Lung (Xiong Xin Xin aka. Hung Yan-yan), der seinen Vater (Sing Ngai) getötet hat ...
Tsui Harks Remake von Chang Chehs One Armed Swordsman ist der wohl brutalste und düsterste Film des gefeierten Filmemachers. Das passt, war doch schon das Vorbild einer der derbsten Martial-Arts-Filme der 60er. "The Blade" ist düster in allen Belangen, in erster Linie natürlich visuell: Es gibt kaum Tageslicht, dafür viel Nacht, Regen und Schatten. Doch auch inhahtlich: Die Suche nach Rache bringt nur beschänkte Erfüllung; das Wissen betrübt, dass der Kreislauf der Gewalt weitergehen wird. In gewissem Sinne erinnert der Film durch diese Aspekte ein wenig an "Unforgiven" - vielleicht liegts auch nur daran, dass dessen Autoren David Peoples auch "Blade Runner" verfasst hat, an dessen Titel "Blade" erinnert. Aber sowohl Eastwoods Film wie auch Tsuis Werk sind optisch geprägt von Tristesse und sind inhaltlich ein Abgesang auf Mythen und Heldengeschichten.
Einen Held gibts dennoch: Chiu Man-Cheuk
alias Vincent Zhao. Er hat eine eindrückliche Physis, aber nie das Charisma eines Jet Li. Das kommt dem Film aber eigentlich zu Gute, denn es braucht einen kraftvolle und doch geschwächte Figur. Chiu liefert denn auch eine satte Performance mit starken Martial-Arts-Einlagen - insbesondere jene am Schluss. Tsuis Kamera ist dabei extrem wild. Es gibt kaum lange Einstellungen, der Winkel und die Farbnuancen wechseln von Shot zu Shot. Dadurch entsteht eine extreme Unruhe. Gepaart mit der exzessiven Gewalt ergibt dies eine irre Kombination.
Die Story ist simpel. Oben genannter philosophischer Aspekt gibt ihm ein bisschen Tiefgang, das destruktive Wesen von Lings Lust ebenso. Und auch der Kontrast zwischen Ling und einer Prostituierten (sexy Valerie Chow
Ka-Ling), die ihr Schicksal akzeptiert hat. Der Rest ist eher konventionell. Was mich am meisten gestört hat, war Ding Ons Ausbildung. Er trainiert sich selbst und weil er als "halber" Mann nur ein halbes Trainingsbuch zur Verfügung hat, entwickelt er einen seltsamen Stil - das ist auch glaubhaft, doch in so kurzer Zeit, wie er zum Kampf-Ass wird, nehm ich das nicht ab. Trainingssequenzen in Martial-Arts-Filmen sind ein alter Hut, doch strukturell braucht es sie. Hier hatte ich das Gefühl, Tsui wollte sie so schnell wie möglich abhaken und in der Story weiterschreiten.
Es gibt weitere kleine Schwächen: Die Kämpfe sind nicht alle top. Durch den schnellen Schnitt werden Mängel in der Choreografie aber weitgehend vertuscht. Dann sind ein paar Dialoge (massgeblich jene von Ling) einfach flach. Sätze "es würde nie mehr so sein wie zuvor" kommen aus dem Klischee-1x1 und sind dem Film unwürdig. Auch mit der Ästhetik mangelt es hie und da. Tsuis Ansatz eines durchgeknallten Düsterfilms ist ehrenvoll, aber ein wenig mehr Raffinesse bei den Einstellungen wäre angebracht. Immer wieder gibt es jedoch geniale Einfälle, etwa die rennenden Krieger, die aussehen wie aus einem Anime bzw. einem Chambara-Film. Der japanische Einfluss ist deshalb nicht zu übersehen.
"The Blade" ist meiner Ansicht nach nicht einer von Tsuis besten Filmen - vor allem, weil er nicht halb so viel Fantasie beweist wie bei seinen Meisterwerken. Wer aber auf grobe Action steht, der wird voll bedient. "The Blade" ist eine Walze von Vergeltung, Gewalt und Albtraumbildern, ein Trip auf die düstere Seite der Martial-Arts-Welt.
Noch ein Wort zur DVD: Ich habe überall gelesen, die britische Disk (105 Minuten) sei uncut. Doch an zwei Stellen kam es mir vor, als fehle etwas. "The Blade" ist recht brutal und bei den britischen Zensoren wäre ein Cut durchaus möglich. So lange mir dies aber niemand bestätigen kann, nehme ich an, diese Version sei unzensiert und Tsui habe sich selbst etwas zurückgehalten.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (GB): Code 2 PAL. Kantonesisch 2.0 mit eingebrannten engl. UT. Widescreen (nicht anamorph)
Alternative Titel: Dao; Blade - Das zerbrochene Schwert;
Regie: Tsui Hark

Actionfilm

Action * * *

Gewalt * * *

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T h e   C h i n e s e   F e a s t

Hongkong 1995 Ausführliche Kritik: hier.

 

D r .   W a i   i n   t h e   S c r i p t u r e   W i t h   N o   W o r d s   ~   M o   h i m   w o n g

Reviewed 19.11.04

Hongkong 1996 Chow Si-Kit (Jet Li) steckt in der Scheidung von seiner Frau Monica (Rosamund Kwan Chi-Lam). Deshalb hat der Journalist Schreibstau und kann für seine Tageszeitung die Abenteuer seines Helden "King Of Adventurers" (Jet Li) nicht weiterschreiben. Da beginnt er, seinen privaten Frust in die Geschichte einfliessen zu lassen. Er macht aus Monica Cammy (Rosamund Kwan Chi-Lam), eine japanische Agentin, gegen die "King" und sein Partner Shing (Takeshi Kaneshiro) im China der 30er-Jahre kämpfen. Die Japaner sind genauso wie das Helden-Duo auf der Jagd nach einem Artefakt: Der magische Schriftrolle ohne Worte. Da verunfallt Chow. Im Spital gelangt Monica an sein Manuskript und entdeckt, welche Dinge ihr Noch-Gatte über sie geschrieben hat. Sie macht sich an eine Revision des Plots.
Gerade noch haarscharf gibts drei Sterne für diesen durchgeknallte Actionabenteuer von Chinese Ghost Story-Regisseur Tony Ching Siu-Tung. Die Rahmenhandlung braucht es, um den Plot zu kappieren, doch sie ist lustlos umgesetzt und jedes Mal, wenn man zu ihr zurückkehrt, wird man aus der Handlung gerissen. Dramaturgisch ist sie nötig, da verschiedene Leute an dem Text herumschreiben und die Buch-Szenen deshalb aus stets neuer Sicht geschrieben sind. Doch das wirft die Frage auf, ob ein solches Konzept wirklich gut durchdacht ist.
Abgesehen von dieser fraglichen Struktur bietet vor allem der Fantasy-geladene Part Action, Abenteuer und Humor. Jet Li bekämpft Souverän Ninjas, Sumo-Ringer, Riesenratten, Feuergeisseln, Mutantenmonster und etliche japanische Schergen. Das tut er in bester "Indiana Jones"-Manier, denn Dr. Jones dient definitiv als Rollenmodell für diesen asiatischen Schatzsucher. Ein Artefakt, das beim Öffnen die Menschen tötet, böse Nazis, Verzeihung, Japaner als Zweitweltkriegs-Bösewichter - die Liste wäre ellenlang und Ching Siu-Tung dürfte "Indy"-Vergleich nicht einmal von sich weisen. Ob Abklatsch oder nicht wäre egal, wenn das Ganze noch etwas temporeicher wäre.
Abgesehen von den trägen Gegenwarts-Passagen gibts nämlich noch andere Durchhänger. So mangelt es eindeutig an Action. Ching Siu-Tung, der Meister der Schwertkampfchoreografie, setzt zwar ein paar Wire-Szenen und angenehm altmodische Effekte ein, doch gutes altes Martial-Arts gibts viel zu spärlich. Und wenn, dann irgendwie unter dem Niveau, das wir von so einem Meister des Fachs erwarten dürften. "Dr. Wai" ist dank den charmanten Akteuren und dank einigen gewitzten Abenteuer/Fantasy-Passagen sicherlich sehenswert, doch der Film ist weder im Schaffen von Ching Siu-Tung noch in jenem von Jet Li ein Höhepunkt - sondern bestenfalls Mittelmass.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Mandarin / Kantonesisch 5.1 mit engl. UT. Widescreen (nicht anamorph)
Alternative Titel: Mo him wong; Dr. Wai and the Scripture With No Words; Adventure King; Mao xian wang; The Scripture with No Words;
Schrift des Todes; 冒險王
Regie: Tony Ching Siu-Tung

Action-
Abenteuer

Action * * *

Humor * *

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E b o l a   S y n d r o m e    ~   Y i b o l a   b i n g    d u

Reviewed 2002

Hongkong 1996 Hongkong 1986: Der eklige Kai (Anthony Wong Chau-Sang) tötet seine Geliebte und deren Ehemann - und flieht nach Südafrika. Dort arbeitet er als Aushilfe in einem China-Restaurant. Bei einem Trip in die Savanne vergewaltigt er eine sterbende Frau, nicht wissend, dass diese am Ebola-Virus leidet. Kai steckt sich an, er ist jedoch einer unter Millionen, der nicht daran stirbt. So verbreitet er den Virus, ohne es zu ahnen. Nachdem er im Restaurant seinen Boss und dessen Frau gekillt und zu Hamburgern verarbeitet hat, flieht er zurück nach Hongkong.
Ugh, was für ein ekliger Film - aber einfach geil. Diese Kategorie-III-Schocker von Herman Yau (The Untold Story) ist sicher nichts für Leute mit schwachen Mägen, sensiblem Gemüt oder einem Spur Anstand im Körper. Aber die verpassen was: Anthony Wong ist in der Rolle des abstossenden Kai, der den Gästen ins Essen spuckt, halbtote Frauen vergewaltigt oder seinen Boss an die Gäste verfüttert ideal besetzt. Yummi.
Hier auf DVD erhältlich - ich habe die Hongkong-Version (Code 3) mit englischen UT gesehen.
Alternative Titel: Yibola bing du; 伊波拉病毒
Regie: Herman Yau Lai-To

Schocker

Gewalt * * * *

Sex * *

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F a l l e n   A n g e l s   ~   D u o   l u o   t i a n   s h i

Reviewed 9.8.04

Hongkong 1995

Hongkong 1995: Wong Chi-Ming (Leon Lai Ming ) ist ein Auftragskiller. Er erhält seine Jobs per Fax von einer unbekannten Auftraggeberin (Michelle Reis Ka-yan). Sie arrangiert alles für ihn, so dass er nur noch abzudrücken braucht. Sie haben sich einmal gesehen, doch dabei hat es bei der Chefin gefunkt. Sie masturbiert auf seinem Bett, wenn er nicht zuhause ist und versucht, nahe an dem Ort zu sein, wo er gerade am killen ist. Doch er hat langsam genug von diesem Leben. Er will mehr Entscheidungsfreiheit. Und er will Liebe. Die kurzen Techtelmechtel mit Frauen wie der schrillen Baby alias Blondie (Karen Mok Man-Wai) halten nicht lange. Auf Blondie hat es aber auch jemand anderes abgesehen: Die durchgeknallte Charlie (Charlie Young Choi-Nei). Bei ihrer Suche nach der verhassten Blondie trifft sie auf He Zhi-wu (Takeshi Kaneshiro). Dessen Mutter wurde von einem Eiswagen überrollt, seither lebt er alleine mit seinem Vater (Lei Chen-Man). Er ist stumm seit seinem fünften Lebensjahr, weil er verdorbene Ananas aus der Büchste gegessen hat (eine Anspielung auf Kaneshiros Rolle in Chungking Express). Geld verdient er sich damit, dass er Nachts in Shops einbricht und das Geschäft für Kunden öffnet ...
"Fallen Angels" ist der Film von Wong Kar Wai, der am schlechtesten gealtert ist. Ich weiss, damit setze ich mich in die Nesseln, denn jeder Asien-Fan, der etwas auf sich hält, liebt dieses Werk - doch es liess mich einfach kalt. Als ich "Fallen Angels" vor Jahren das erste Mal gesehen habe, empfand ich ihn auch als ziemlich cool. Für 1995 erlaubt sich Wong ein paar stilistische Frechheiten, die damals Ihresgleichen suchten. Es ist klar, dass er nichts anderes als den ultimativen coolen und trendigen Grossstadt-Film drehen wollte. Doch wie es mit Trends so ist: Sie altern schlecht. Heute kommt mir der Film wie eine Stilwichserei. Entschuldigt den Ausdruck, aber ich mag ihn. Er meint "Stil vor Inhalt". Coolness auf Biegen und Brechen. Und das will "Fallen Angels".
Nicht nur visuell, auch inhaltlich. Die Anonymität der Grossstadt, das Masturbieren im Plastikkleid, die Suche nach Liebe und Lebenssinn, das Abschotten in der Menschenmasse - all das sind Elemente aus dem Einmaleins der hippen Kunstfilm-Schule. Doch bei Wong will all dies nicht viel bedeuten. Er zeigt nicht Figuren, er zeigt Momente. Ein Mann killt, eine Frau masturbiert, ein Kerl filmt. Nie erreicht Wong eine emotionale Resonanz - am ehesten noch ganz am Ende, als Zhiwu die Filmaufnahmen seines Vaters anschaut. Alles andere sind urbane Stereotypen mit Worthülsen anstatt Dialogen. Der Film meint, den Mangel an Liebe, Mangel an Ruhe und Mangel an Individualität in der heutigen Zeit anzuprangern - dabei ist "Fallen Angels" ein Produkt genau dieser Zeit. Ein Film ohne Liebe, ohne Ruhe und ohne Individualität, der all dies mit zermürbender Kamera-Hektik überdecken will.

Visuell ist er sehr strapazierend. Mir gefällt die Arbeit von Christopher Doyle, vor allem in Filmen wie In the Mood for Love, Chungking Express, Hero oder Infernal Affairs (wo er visueller als Berater arbeitet) - aber hier gab ihm Wong den Auftrag, so viel zu wackeln, wie möglich. So nah ranzugehen an die Leute, wie möglich. Ich kann mit Handkameras leben, wenn sie sinnvoll eingesetzt werden, aber nicht, wenn sie geschüttelt werden, nur weil man sie schütteln kann. Das ist ein Element, das ich an der unsäglichen Dogma-Reihe nicht ausstehen konnte. Natürlich passt dieser hyperkinetische Stil zum "Inhalt" von Fallen Angels, doch das macht ihn nicht besser.
Gutes gibt es indes schon zu berichten. Die Akteure sind überzeugend in ihrer gelangweilten Weltverlorenheit, der Soundtrack ist mal wieder klasse, die Stimmung in der Stadt wird gut eingefangen: Kurz vor der Übergabe an China (1997) war Hongkong eine Stadt im Schwebezustand, und den fängt Doyle interessant ein - Hongkong erscheint als Traumbild aus antiken Ventilatoren in Neon-belichteten Räumen, spontanen Ausbrüchen von Gewalt, skurrilen Charakteren der Nacht. Aber Wong Kar Wai will keine Geschichte erzählen, keine Charaktere aufbauen - er ist interessiert am Jetzt, am Zeitgeist. Und damit arbeitet die Zeit eben gegen ihn. Heute erkennt man eher, wie leer sein Werk ist und wie plump er sich den Regeln der Dramaturgie entzieht. Er versucht einmal mehr in dieser Phase seines Schaffens, Jean-Luc Godard zu imitieren. Die energiegeladene Präsentation von existentiellen Liebenden, die ihre Sehnsüchte mit einer flüchtigen Welt vereinbaren wollen.
An dieser nichtssagenden Erklärung zeigt sich einmal mehr, wie wenig ich von Godard als Erzähler halte (stilistisch ist er wegweisend). Und wenn jemand ihn nachäffen will, dann ist mein Respekt eh gesunken. "Fallen Angels" ist ein asiatischer Möchtegern-Godard, der für die Entwicklung des Hongkong-Kinos bedeutend war und Talent in der Organisation des alltäglichen Chaos' beweist - aber aus heutiger Sicht nur ein Abbild der Vor-1997er-Schwebephase darstellte. Die Unruhe der Stadt projiziert auf Film. Zweifellos faszinierend, aber auf Dauer ebenso anstrengend wie freudlos.
Hier auf DVD erhältlich (US)
Meine Disk (SK): Code 0 NTSC. Kantonesisch 5.1 mit englischen Untertiteln. Vollbild.
Alternative Titel: Duo luo tian shi; Duoluo tianshi; 墮落天使

Regie: Wong Kar Wai

Drama

Action * *

Anspruch * * *

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I r o n   M o n k e y   2   ~   J i e   t o u   s h a   s h o u

Reviewed 16.5.05

Hongkong 1996 China zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Ein junger Kämpfer ist auf der Suche nach seinem Vater Sharp Kim (Wu Ma). Dabei trifft er auf die Geschwister Chun und Cynthia, die ihn aufs Ohr legen wollen. Das Trio freundet sich trotzdem an und nimmt den Kampf gegen den Grossgangster Jade Tiger auf, der mit den ausländischen Mächten in der Stadt kooperiert, um Waffen ins land zu schmuggeln. Der einzige, der seine Geschäfte immer wieder sabotiert, ist der maskierte Iron Monkey (Donnie Yen Ji-dan). Er und die drei Freunde treten gemeinsam gegen Jade und seinen Killer-Bruder (Billy Chow Bei-Lei) an.
Über die Regie-Frage ist sich niemand so richtig sicher. Die englische Disk nennt einen Chao Lu-Jiang als Verantwortlichen für diesen Quatsch, die US-Disk den etwas variierten Jua Lu-Jiang. Imdb führte lange Zeit Yuen Ho-ping auf, eine Namensvariation von Yuen Woo-Ping. Der arrangierte die Action für "Iron Monkey 2", soviel ist klar. Dass er unter einem Pseudonym auch die Regie führte, ist durchaus im Bereich des Möglichen. Schliesslich drehte er nach 1996 keine Filme mehr als Regisseur. Wem auch immer man die Verantwortung unterschieben will: "Iron Monkey 2" ist missglückt.
An Yuens Vorgänger Iron Monkey kommt er zu keiner Sekunde heran. Der Plot ist grenzgängig unverständlich, die Figuren ein Hohn und Donnie Yen in der Monkey-Rolle unlogisch, immerhin spielte Yen in der 1993er-Fassung Wong Fei-hongs Vater. Warum er nun Iron Monkeys Enkel spielt, wissen die Filmgötter. Yen ist passabel in den Actionszenen, ansonsten kann er sich auch kaum in das Wirrwarr einfügen. Die Action gehört klar zu den Höhepunkten des Films. Man ist Besseres von Yuen Woo-ping gewohnt aber der Kampf auf Baumstämmen oder das krachige Finale sorgen trotzdem für kurzzeitiges Entertainment. Auch die sinnlosen Brutalitäten, ausgelöst durch Schusswaffen und eine modernisierte (wenn auch nicht ganz plausible) Flying Guillotine können durchaus ein Lächeln entlocken. Leider wurde bei Schnitt und Framing der Actionszenen weitgehend versagt: Die Actiongeographie ist schludrig, der Schnitt verhetzt und der Wire-Einsatz allzu offensichtlich, weil die Macher den Seil-Einsatz nicht durch geschickte Kameraführung kaschieren konnten.
Überhaupt ist der ganze Film einfach billig. Seien es die nicht-Ära-konformen Autos, die verhunzte Montage, das gelangweilte Schauspiel, der Hirn-verknotende Plot oder die historische Inkompetenz. Ich erwarte ja nicht allzu viel von einem Film dieser Gattung, aber eine kohärente Story mit solider Action wäre mir schon recht gewesen. "Iron Monkey 2" bringt nicht einmal das sauber hin. Den könnt ihr auslassen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (GB): Code 2 PAL. Kantonesisch 2.0 mit englischen Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph)
Alternative Titel: Jie tou sha shou;
鐵猴子2; 街頭殺手
Regie: Jua Lu-Jiang (Chao Lu-Jiang)

Actionfilm

Action * * *

Gewalt * * *

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J i n   P i n   M e i

Reviewed 25.7.03

Hongkong 1996 Der hässliche Beamte Wu Tai Lang zwingt die schöne Chinny Poon, Maid einer reichen Familie, in eine Heirat. Nun ist sie sexuell unbefriedigt und lässt sich vom Frauenhelden Simon Hsin zur Sexpartnerin nehmen. Tai Lang ertappt die beiden - worauf Simon ihn tötet. Der Bruder des Opfers, Captain Wu Shun , will Rache üben, tötet aber den falschen Mann. Shun wird verhaftet, Chinny wird Simons Kurtisane und ist unglücklich: Simon verliert nämlich das Interesse an ihr und widmet sich Peony, der Frau seines Freundes Hwa Chizu.
Hongkong ist ja bekannt für manchmal lustige, manchmal abenteuerliche und stets an der Grenze der Idiotie angesiedelte Erotikfilme mit Kampfsport- oder Fantasyeinlagen. Gelungene Beispiele sind der irre Chinese Torture Chamber Story oder der kultige
Sex and Zen - absolut missratenes Beispiel ist "Jin Pin Mei". Weder sonderlich erotisch, noch unterhaltsam, noch kultig, noch schräg, noch abenteuerlich, noch witzig - diese Nichtigkeit von einem Film ist bloss etwas: Demütigend gegenüber Frauen. "Normaler" Sex findet kaum statt, die Frauen werden einfach genommen oder gar vergewaltigt. Man kann sich ja denken, dass die Ladies es dann irgendwann auch zu geniessen beginnen - das alte und immer noch furchtbare Klischee. Dazwischen gibt es nichts, keine brauchbare Story und dafür riesige Logiklöcher. Da ist etwa der Bruder Shun, der für den Rest der Story keine Wichtigkeit hat - und ein abstrus voreiliges Ende. Ja sogar die Sexszenen sind nicht erotisch. Und das will etwas heissen bei den attraktiven Damen im Cast ... 
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Chinesisch mit eingebrannten engl. UT. Widescreen (nicht anamorph).
Alternative Titel: Tin Pin Mei; Sin Jin Pin Mei; 新金瓶梅
Regie: Tam Yui-Ming

Abenteuer-
Erotik

Erotik * * *

Humor *

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M y   F a t h e r   I s   a   H e r o   ~   G e i   b a   b a   d e   x i n

Reviewed 8.5.05

Hongkong 1995 Kung Wei (Jet Li) arbeitet undercover für die chinesische Polizei. Deshalb muss er seine kranke Frau und seinen geliebten Sohn Kung Siu-Ku (Tse Miu) sehr oft alleine lassen und darf ihnen nicht erzählen, wohin er geht. Diesmal holt ihn die Polizei sogar zu Hause ab, damit die Nachbarn meinen, er sei verhaftet. Siu-Ku wird deshalb als Gauner-Sohn beschimpft. Wei gelangt derweil nach Hongkong, wo er sich in die Organisation des Waffenhändlers Po Kwong (Yu Rongguang) einschleust. Bei einem Attentat der Gang muss er die Inspektorin Fong (Anita Mui Yan-Fang) als Geisel nehmen, lässt sie aber unversehrt frei. Er gerät dadurch auf die Abschussliste der Polizei, aber Fong ahnt, dass der Mann ein gutes Herz hat. Sie reist nach China und findet seine Familie. Fong freundet sich mit beiden an und bringt Siu-Ku nach dem Tod der Mutter nach Hongkong. Dort ist Wei mittlerweile aufgeflogen.
Nachdem Corey Yuen und Jet Li die in der Vergangenheit angesiedelten Fong Sai-Yuk-Filme abgereht haben, wendeten sie sich mal was Neuen zu: der Moderne. Das Resultat ist ein Film namens "My Father Is a Hero" (alias "The Enforcer"), reicht nicht ganz an Jets besseren Actionwerke der frühen 90er-Jahre  heran und verdient seine dreieinhalb Sterne auch nur haarscharf - doch der Streifen unterhält, ist ungewöhnlich und scheut sich nicht davor, auch ein paar sentimentale Momente zu bieten. Sicher nicht jedermanns Sache, aber zweifellos gelungen.
Li kämpft wie gewöhnt souverän, sein Gegner Yu Iron Monkey Rongguang fightet ebenfalls nicht schlecht, ich hätte mir aber mehr Einsätze von ihm gewünscht. Überhaupt gehören die Schurken zu den Schwachpunkten des Films, da ihre Pläne fad, ihr Anführer zu unterkühlt und ihre Auftritte zu wenig spektakulär sind. Auf der "guten Seite" siehts neben Jet dagegen auch ganz überzeugend aus. Die stets verlässliche Anita Mui ist toll und erlaubt sich ein paar bewegende Momente mit Lis Film-Ehefrau. Und dann ist da natürlich Tse Miu.
Der damals zehnjährige Martial-Arts-Champion spielt nicht übel aber kämpft wie ein Tier. Ich bin absolut kein Fan von fightenden Kids, da dies einem Film oft Glaubwürdigkeit entzieht, doch dem kleinen Tse Miu nimmt man die Kicks sofort ab. Und wenn Jet Li ihn an einem Seil als kämpfende Waffe einsetzt, werden wir Zeuge eines der innovativeren Fights, die man in dem Genre gesehen hat. Überhaupt geht Regisseur Corey Yuen unzimperlich mit dem Kind um. Vielleicht ist das der Einfluss von Autor und Produzent Wong Jing, der sich nie für einen Erfolgs-verstärkenden Einfall zu schade war. "My Father Is a Hero" als hochdramatisch, actionstrotzig oder rasant zu bezeichnen, schiesst am Ziel vorbei. Doch es ist ein höchst solides Actiondrama mit bewegenden Momenten, hervorragender Wire-Action, ein paar überraschenden Grobheiten und einem wie immer charismatischen Jet Li. Das reicht für gute Unterhaltung allemal!

Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (HK)

Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch 5.1, 2.0, Mandarin 2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: The Enforcer; Gei ba ba de xin;
Kap Baa Baa Dik Seon; Letter to Daddy; 給爸爸的信
Regie: Corey Yuen Kwak

Actiondrama

Action * * *

Spannung * *

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T h e   P h a n t o m   L o v e r   ~   Y e   b a n   g e   s h e n g

Reviewed 16.2.05

Hongkong 1995 1936 bezieht eine Schauspieltruppe ein Operngebäude, das vor 10 Jahren abgebrannt ist. Der Schauspieler Wei Qing (Huang Lei) interessiert sich sehr für die Geschichte des Gemäuers und erfährt von Song Danping (Leslie Cheung Kwok-wing). Der Besitzer der Oper und gleichzeitig ihr Star auf der Bühne holte die Massen mit Stücken wie "Romeo & Julia" in die Oper. Besonders angetan war die schöne Du Yun-Yan (Jacqueline Wu Chien-Lien). Doch deren Eltern wollten sie mit Zhao Jum (Roy Szeto Wai-Cheuk) verheiraten, dem Sohn des Gouverneurs (Pao Fong). Um den Nebenbuhler aus dem Weg zu schaffen, zünden die Zhaos die Oper an. Song kam um, Yun-Yan verlor den Verstand.
Die Hongkong-Version von "Das Phantom der Oper" ist, wie man es von Ronny Yu in den frühen 90ern nicht anders gewohnt ist, visuell sehr ausgeklühelt. Die minutiös geplanten Shots von Kameramann Peter Pau sind Farb-entsättigt und nur in einigen Liebes-Bildern ist das Rot extrem satt. Dieses Konzept ist gut, doch so ganz konnte ich micht nicht damit anfreunden, dass der Rest des Films so grau ausschaut. Das Opern-Setting ruft geradezu nach opulenten Farben. Yus Entscheidung, gerade des Gegenteil zu versuchen, ist künstlerisch lobenswert, aber die Idee war vielleicht gar nicht die weiseste. Dennoch gehören die Bilder von Pau zu den Highlights des Films.
Der von Leslie Cheung co-Produzierte Streifen bietet natürlich auch Leslie eine gute Plattform für sein Können. Er spielt den Romantiker, den Rächer, den Erzürnten, den Verliebten und den Bühnen-Sänger gleich überzeugend. Die Songs selbst sind nicht gerade Knüller von Andrew-Lloyd-Webber-Format, aber sie unterstreichen die opernhaften Ereignisse zusätzlich. All dieses Ausufernde im visuellen und inhaltlich-dramaturgischen Bereich, hat für mich aber einen Nachteil: Die Figuren verlieren ihre Zugänglichkeit und dadurch verpufft der Mitleide-Faktor. Diese scheinbar grosse Liebe ist derart theatralisch, ihre Auffrischung so durchkonstruiert, dass bei mir keine Gefühle aufkamen. Bei aller inszenatorischen Raffinesse ist "The Phantom Lover" für mich denn auch nur ein knapper Dreistern-Film.
Er ist zweifellos gut gespielt, schön anzusehen und kurzweilig, doch es mangelt an Substanz und ironischerweise eben auch an Emotionen. Das sollte euch nicht abhalten, den Film anzusehen, denn er markiert für Ronny Yu den Abschluss seiner Hongkong-Experimental-Ära. Bald darauf verliess er die Stadt und zog nach Hollywood, wo er Ramsch wie
Freddy Vs. Jason von sich gab.

Hier auf DVD erhältlich

Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Kantonesisch, Mandarin und Englisch 5.1
Mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Ye ban ge sheng; 夜半歌聲
Regie: Ronny Yu Yan-Tai

Liebesdrama

Spannung * *

Gefühl * *

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R e d   Wo l f   ~   H u   m e n g   w e i   l o n g

Reviewed 5.2.05

Hongkong 1995 Der Ex-Cop Alan (Kenny Ho Kar-King) arbeitet als Sicherheitschef auf einem Krezufahrtschiff. Im Safe des Schiffs lagert Uran, auf das es eine Horde von Terroristen abgesehen hat. Ihr Anführer ist der erste Offizier (Collin Ngai Sing, Matrix Reloaded), der schnell den Captain umlegt und die Tat auf Alan abschiebt. Doch er kann sich brefreien und nimmt mit der naiven Kellnerin Christy (Christy Chung Lai-Tai) den Kampf gegen die Schergen auf. Als besonders brutal erweist sich neben dem Anführer dessen Geliebte, die Sängerin Elaine Wong (Elaine Lui Siu-ling)
"Under Siege" ist ja bereits der ultimative "Die Hard"-Abklatsch auf einem Schiff. Star-Choreograf und Regisseur Yuen Woo-ping drehte mit "Red Wolf" trotzdem noch eine Hongkong-Fassung. Etliche Plot-Elemente sind aus einem der Vorbilder ziemlich exakt kopiert, aber was solls. Wenn die Action stimmt, ist daran nichts auszusetzen. Doch genau dabei hapert es etwas. Yuen schafft es zum Beispiel in der ersten halben Stunde kaum, das Interesse aufrecht zu halten. Die Action später im Film ist solide, aber nie auf dem Niveau anderer Yuen-Woo-ping-Klassiker. Wirklich nur sehr wenige Szenen kann man überhaupt als herausragend bezeichnen.
Das liegt auch am Cast. Kenny Ho ist als Held einfach blass. Christy Chung (Tai Chi Boxer, Jan Dara) zeigt einmal mehr, dass sie zwar hochintelligent ist, aber auch das Dummchen spielen kann - obwohl sie voll dabei ist, wirkt auch sie nicht völlig überzeugend. Besser siehts (wie übrigens bei "Under Siege" auch) bei den Schurken aus. Besonders Elaine Lui geniesst ihren sadistischen Part über alles. Ihr mag man auch einen deftigen Abgang gönnen - und den kriegt sie.
Damit sind wir wohl bei der Gewalt gelandet. Für manche Reviewer eher eine unrühmliche Seite von "Red Wolf". Es handelt sich nicht um Splatter-Exzesse, aber um rabiaten Umgang mit menschlichem Leben. Am Schluss des Films sind so gut wie alle Passagiere und Kidnapper tot. Die Geiseln werden bei jeder Gelegenheit einfach so abgeknallt. Oder man misshandelt sie etwas und killt sie dann. Auf eine gewisse Art macht das den Film reizvoll, weil düster, aber dann stören wiederum die Comedy-Einlagen von Christy. Der Film kommt mit diesen weit auseinanderliegenden Elementen von übertrieben grober Gewalt und lahmem Slapstick einfach nicht richtig zusammen.
"Red Wolf" würde ich deshalb bloss bedingt empfehlen. Wäre es ein westlicher Film, er würde komplett verrissen, denn Kenny hat kaum mehr Charisma als Steven Seagal und der Plot ist auch nicht vom Feinsten. Zum Glück gibts Yuens Action, die hin und wieder was taugt. Und eben die Gewalt, die den Film immerhin von Konfektionsware à la "Under Siege" abhebt. Aber taugt das als Empfehlungsgrund? Eben, höchstens bedingt. Einzig die britische DVD ist sensationell. "Hongkong Legends" hat eine 2-Disk-Set mit sympathischen Audiokommentar (Bey Logan, Christy Chung) herausgebracht, die den Kauf beinahe lohnt.

Hier auf DVD erhältlich

Meine Disk (GB): Code 0 PAL. Kantonesisch und Englisch 5.1 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Hu meng wei long;
Fu Maang Wai Lung; Powerful Dragon, Strong Tiger
Regie: Yuen Woo-ping

Actionfilm

Action * * *

Gewalt * *

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S h a n g h a i   T r i a d   ~   Y a o   a   y a o   y a o   d a o   w a i p o   q i a o

Reviewed 19.12.04

China / Frankreich 1995 Shanghai in den 1930ern: Onkel Liu (Li Xuejian) bringt seinen 14-jährigen Neffen Tang Shuisheng (Wang Xiaoxiao) ins Anwesen des mächtigen Gangsterbosses Tang (Li Baotian). Der Bub soll als persönlicher Diener von Tangs Konkubine arbeiten: der schönen Sängerin Xiao Jingbao (Gong Li), genannt "Bijoux". Die Diva kommandiert Shuisheng nur herum und bezeichnet ihn als Landei. Er will den Job deshalb schnell wieder loswerden, doch Liu bringt ihn davon ab. Als Tang einen Bandenkrieg mit Fat Yu (Jiang Liu) anzettelt, kommt es im Haus zu einem Zwischenfall, bei dem Liu getötet und Tang verletzt wird. Die Spitze der Bande, darunter neben Tang auch seine rechte Hand Song (Sun Chun), der Liebhaber von Bijoux, ziehen heimlich auf eine einsame Insel. Mit dabei ist auch Shuisheng, der sich auf em Eiland mit der Witwe Cuihua (Jiang Baoying) und deren neunjähriger Tochter Ah Jiao (Yang Qianquan) anfreundet, die werden will wie Bijoux.
"Shanghai Triad" ist die letzte Zusammenarbeit von Zhang Yimou und Gong Li. Der Regisseur und die Schauspielerin waren zwischen 1987 und 1995 auch privat liiert und drehten in dieser Zeit einige der besten chinesischen Filme aller Zeiten, darunter den unvergesslichen Raise the Red Lantern und den bewegenden To Live. Mit "Shanghai Triad" erreichten die zwei auch ein künstlerisches Tief. Das Gangsterdrama ist zwar umwerfend anzuschauen und bietet einige erlesene Schauspiel-Darbietungen, doch es lässt emotional kalt und ist bisweilen etwas selbstverliebt, ja langweilig. Harte Worte für einen der besten Filmemacher der Welt. Und obwohl "Shanghai Triad" einer von Zhangs schwächeren Filmen ist, ist er allemal ein sehenswerter Streifen.
Zum einen wegen der Kameraführung. Zhang und sein für diesen Film "Oscar"-nominierter Kameramann Lu Yue (To Live, Legend of Evil Lake) zaubern erst eine Atmosphäre, die arg an die amerikanischen Gangsterfilme erinnert, tauchen zur Filmmitte aber ab auf poetisches Naturniveau mit leuchtenden Gräsern, funkelndem Meer und warmen Farben. Der Kontrast ist reizvoll, doch die Bilder für sich nicht minder beeindruckend. Auch die Atmosphäre kriegt Zhang einwandfrei hin. Sei es durch die endlosen Gänge in Tangs Haus, durch die scheinbar friedliche Insel-Idylle oder die verrauchte Atmosphäre im Club, in dem Bijoux singt.
Als Bijoux zeigt sich Gong Li einmal mehr von ihrer besten Seite. Sie spielt überragend, doch ihre Figur hält sie zurück. Erst in der zweiten Hälfte wird sie überhaupt halbwegs sympathisch. Das ist gewollt, da der junge Shuisheng ja nur Beobachter ist und Bijoux erst nicht riechen kann - wir als Zuschauer tun es ihm gleich. Doch die Rollenentwicklung ist nicht gerade vorteilhaft für den Film. Gleiches gilt für Shuisheng selbst. Der Debütant Xiaoxiao Wang spielt ihn sehr passiv mit einem Pokerface, damit wir nie wissen, wie er fühlt. Das funktioniert technisch gesehen, um ihn zum Beobachter abzustempeln, doch es raubt dem Film eine weitere  emotionale Ebene. Auch bei ihm gilt: Erst auf der Insel lässt er ein paar Blicke in sein Denken zu und wird fassbar.
Die guten Schauspieler und die schönen Bilder lenken so vom etwas faden Inhalt ab. Dramatisch ist relativ wenig, da der Plot fatalistisch und bisweilen gar klischeereich ist. Spannung kann man auch vergessen, da der Gangsterkrieg ausserhalb von Shuishengs Sichtfeld abgeht. Erst auf der Insel, durch den Kontakt mit der süssen Ah Jiao und ihrer Mutter, entsteht so etwas wie Leben. Das ist vielleicht Zhangs Botschaft: Das Leben auf dem Land ist besser als das pulsierende Stadt-Leben. Wenn das so ist, verkauft er diese Idee zu einfach gestrickt. Zum Glück sabotiert er sie durch das Depro-Ende. Ein Ende, das besagt, dass diese Gangster wirklich böse sind, selbst wenn sie nicht zur Waffe greifen. Durch dieses Ende wird auch nachträglich Bijoux' Charakter vermenschlicht.
Bis dahin ist "Shanghai Triad" aber vor allem durch die Augen zu geniessen. Herz und Hirn werden für einen Zhang-Yimou-Film nicht übermässig gefördert. Das ist nicht tragisch und das Werk bleibt zweifelsohne sehenswert - doch von Zhang Yimou erwartet der Kinogänger eigentlich mehr, oder?
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (US)
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Mandarin 2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Yao a yao yao dao waipo qiao; Shanghai Serenade
Regie: Zhang Yimou

Drama

Spannung * *

Anspruch * *

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S p i k e   D r i n k   G a n g   ~   M i   h u n    d a n g

Reviewed 2002

Hongkong 1995 In Hongkong treibt eine Bande ihr Unwesen, die Pet-Getränke mit Äther versetzt, die Käufer abfängt und ihnen die Codes für ihre Kreditkarten entlocken, sobald die Opfer schläfrig werden. Auch die Frau (Yvonne Yung Hung) von Metzger Tsui (Elvis Tsui Kam-Kong) wird so um $300 000 erleichtert. Mr. Tsui sorgt sich jedoch noch viel mehr um die Ehre seiner Frau: Wurde sie vergewaltigt, wie die tratschenden Kunden behaupten?
So ein Sondermüll. Wie diese Kacke das Kategorie-III-Label bekommen hat, weiss keine Sau, denn der Film ist weder brutal noch hat er Sexszenen. Genau genommen hat er gar nichts: Keinen Humor, keinen Sinn, keinen Unterhaltungswert, kein Blut - und schon gar keine Existenzberechtigung. Dieser langweilige Scheiss hat nicht einmal Trash- oder Schocker-Qualitäten. Der infantile Humor, der den ganzen Film durchzieht, ist zum Heulen. Meidet diesen Ramsch um jeden Preis. Ich habe euch gewarnt.
Auf DVD erhältlich - ich habe die Hongkong-Version (Code 0) mit englischen Untertiteln gesehen.
Alternative Titel: Mi hun dang; 迷魂黨
Regie: Bosco Lam Hing-Lung

Gugus

Gewalt *

Humor *

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T a i   C h i   B o x e r   ~   T a i   j i   q u a n

Reviewed 19.10.04

Hongkong 1996 China gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Der Tai-Chi-Meister Yeung Shan-Wu (Yu Hai) geht in Pension. Sein Sohn Hong-Man (Jacky Wu Jing) hat gegen seinen Willen ebenfalls Martial-Arts studiert und setzt dies mit Vorliebe gegen Bösewichte ein. Bei einer Parade verliebt er sich in die westlich erzogene Rose (Christy Chung Lai-Tai), die Verlobte eines Regierungsbeamten. Die beiden geraten bald auf die Abschussliste des berüchtigten Opiumschmugglers Smith (Darren Shahiavi).
Der Film The Tai-Chi Master aus dem Jahr 1993 war eine von Yuen Woo-pings erfolgreichsten Regiearbeiten. Als kurz darauf ein Studio namens "Film Can" aufgebaut wurde, das nur Yuen als Regisseur an Bord hatte, suchte das Management einen Yuen-Streifen, den man fortsetzen konnte. Die Wahl fiel auf den Tai-Chi-Hit mit Jet Li. Li und Co-Star Michelle Yeoh waren nicht verfügbar, das Budget war limitiert und der Plot nicht verknüpft mit dem Vorgänger. Die Rechnung ging denn auch nicht auf: "Tai Chi Boxer" floppte an Hongkongs Kinokassen und markierte das Ende der grossen Martial-Arts-Blütezeit Anfang der 90er, in der einige der besten Actionfilme aller Zeiten entstanden sind.
Dass es "Tai Chi Boxer" an Finanzkraft mangelte, sieht man in beinahe jeder Einstellung. Die Sets sind schwach, die Akteure nur mittelmässig bekannt, der Soundtrack billig, die Kämpfe nicht lange einstudiert und die Seile von Yuen Woo-pings Wire-Fu-Stunts beinahe in jedem Moment sichtbar. Die Handlung bleibt blass, genauso wie die Stars und der Humor. Das einzige was verständlicherweise funktioniert, ist die Action. Höhepunkte sind ein Kampf im Bambuswald und das ausgedehnte Finale, in dem Jacky Wu den Bey-Logan-Zögling Darren Shahlavi windelweich schlägt. Bey meint im Audiokommentar, es sei einer der letzten grossen Ost-vs.-West-Showdowns der HK-Kinogeschichte - und das könnte etwa hinkommen. Heute sind diese Finale kürzer und die westlichen Fieslinge nicht mehr überzeichnet. Man will ja nicht einen potenziellen Markt vergraulen.
Dieser Abschlussfight ist jedenfalls bis auf die zu sehenen Seile genial. Er erinnert vom Setting und von der Choreografie an den von Yuen co-choreogafierten Schluss von Once Upon a Time in China und erstreckt sich über mehrere Minuten. Wäre der Rest von "Tai Chi Boxer" so aufregend, der Film bekäme eine bessere Wertung. Der spätere Drunken Monkey-Star Jacky Wu tut sein Bestes, Kickbox-Champ Billy Chow kämpft formidabel und Jan Dara-Schönheit Christy Chung ist immer einen Blick wert. Doch "Tai Chi Boxer" kommt nie wirklich in Schwung. Und wenn er es endlich doch tut, steht bereits "The End".

Hier auf DVD erhältlich

Meine Disk (GB): Code 0 PAL. Kantonesisch und Englisch 5.1 mit englischen Untertiteln.
Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Tai ji quan; Tai Chi 2;
Tai Chi Fist ; Tai Chi Chun; Tai Chi 2; 太極拳
Regie: Yuen Woo-ping

Historien-
Actionfilm

Action * * * *

Humor * *

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T e m p t r e s s   M o o n   ~   F e n g   y u e

Reviewed 6.1.05

Hongkong 1996 1911 auf dem dekadenten chinesischen Pang-Anwesen: Während das Land nach der Abdankung Pu Yis als Kaiser von China in Aufruhr ist, geniesst der Clan-Sohn Zhengda das Leben mit Opium und Sex. Seinen Diener Yu Zhongliang zwingt er im Rausch zu erotischen Spielen mit seiner Freundin Yu Xiuyi  - Zhongliangs Schwester! Zhongliang sucht deshalb meistens Zuflucht bei Zhengdas Schwester Pang Ruyi. Zehn Jahre später ist aus Yu Zhongliang (Leslie Cheung Kwok-wing) im verwestlichten Shanghai ein Gigolo und Gangster geworden. Er verführt reiche verheiratete Frauen, um sie danach zu erpressen. Nun kehrt er auf das Pang-Anwesen zurück. Dort hat Zhengda (Zhou Yemang) mittlerweile Arsen statt Opium geraucht und ist sitzt nur noch regungslos im Rollstuhl, betreut von Ehefrau Yu Xiuyi (He Caifei). Die opiumsüchtige Pang Ruyi (Gong Li) leitet deshalb die Geschäfte des reichsten Clans des Landes, assistiert von ihrem loyalen Cousin Pang Duanwu (Kevin Lin). Zhongliang soll im Auftrag seines Bosses (Tse Yin) Ruyi verführen, um an das Vermögen der Familie zu gelangen. Doch er verliebt sich tatsächlich in sie.
"Temptress Moon" ist ein betörend schöner Film. Und ein ziemlich enttäuschender. Regisseur Chen Kaige holt sein Farewell My Concubine-Duo Gong Li und Leslie Cheung zurück und lässt sich vom Australier Christopher Doyle ablichten, einem der besten Kameramänner der Welt. Doyle erschafft sinnliche Bilder voller flüchtiger Schönheit, mischt elegante Shots mit Handkameraarbeit, die manchen Sequenzen eine überraschende Dynamik verleihen. Chen cuttet diese Szenen meistens nicht sondern schneidet mit der Kamera - indem er auf Doyles Schwenks und Zooms zurückgreift. Stilistisch ist "Temptress Moon" deshalb ein berauschendes Erlebnis. Auch schauspielerisch gibt es wenig auszusetzen. Gong Li ist schön wie immer, Leslie Cheung unnahbar wie so oft.
Doch Chen erweist sich diesmal als schwacher Geschichtenerzähler und Figurenzeichner. Wer nicht Buch führt über die Beziehungen der Charaktere, bleibt verloren zurück. Chen macht die Sache keineswegs übersichtlicher, indem er mit der Kindheit der Protagonisten anfängt und es danach schwer macht, die Figuren dem entsprechenden Kind zuzuordnen. Bis man die Sache überschaut hat, ist so viel passiert, dass man den Faden viel zu leicht verliert. Es gibt einen Unterschied zwischen komplexer Handlung und wirrer Handlung. "Temptress Moon" gehört leider in die zweite Kategorie. Und dies ist umso bedauerlicher, weil durch ein paar Cuts und Klärungen das Ganze entschärft hätte werden können. Die zu Grunde liegene Story ist nämlich nicht übermässig kompliziert.
Ein Nebeneffekt dieser unnötigen Verwirrung ist eine Distanzierung der Charaktere. Chen Kaige hat eh schon Mühe, die Figuren wirklich gefühlvoll zu zeichnen. Sie agieren unterkühlt, obwohl Doyle sie so sinnlichen einfängt. Die Gefühle, die ganz klar zu sehen sind, kommen nicht zum Zuschauer durch, weil Chens künstliche Inszenierung eine Wand aufbaut. Der Verlust des Personenbezugs durch die entrückte Erzählweise verstärkt diesen Effekt. "Temptress Moon" wird dadurch zwar bei weitem noch nicht zu einem schlechten Film - aber zu einem ausgesprochen frustrierenden. Das 127-minütige Liebesdrama ist ein Fest für die Augen, aber lässt das Herz erstaunlich kalt. Und das Hirn unnötigerweise im Leerlauf.

Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Mandarin 2.0 englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Feng yue; Verführerischer Mond
Regie: Chen Kaige

Liebesdrama

Gefühl * *

Erotik * *

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