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Regisseure, Shaw Bros.

 

 

 

A l l ' s   W e l l   E n d ' s   W e l l

Hongkong 1993 Ausführliche Kritik: hier.

 

A s h e s   o f   T i m e   ~   D u n g   c h e   s a i   d u k

Reviewed 14.8.04

Hongkong / China / Taiwan 1994 Nach zehn Jahren des Kämpfens zieht sich der lebensüberdrüssige Fighter "Malicious West" Feng Ou-yang (Leslie Cheung Kwok-wing) von den White Camel Mountains in die Wüste zurück, wo er ein kleines Gasthaus leitet und Kunden anbietet, ihre Probleme zu lösen: Er arbeitet als Killer. Jedes Jahr kriegt er Besuch von Yaoshi "Evil East" Huang (Tony Leung Ka-Fai), einem alten Freund, der Ou-yangs einstige Geliebte (Maggie Cheung Man-Yuk) liebt. Huang erzählt, er habe vor einem Jahr dem Kämpfer Murong  Yang (Brigitte Lin Ching-hsia) versprochen, seine Schwester Yin (auch Lin) zu heiraten. Doch er brach sein Versprechen. Nun bittet Yang Ou-yang, Huang zu töten. Erst langsam merkt Ou-yuang, dass Yin und Yang die selbe Person sind. Später taucht ein junges Mädchen (Charlie Yeung Choi-nei) auf und bitter Ou-yang, für Eier und ein Maultier ihren getöteten Bruder zu rächen. Der Killer lehnt ab, er brauche Geld. Oder das Mädchen solle ihm sexuelle Gefälligkeiten bieten. Sie lehnt ab und wartet, bis jemand kommt, der ihr hilft. Vorerst taucht jedoch ein fast blinder Schwertkämpfer (Tony Leung Chiu-Wai) auf, der das Dorf von Pferdedieben befreien will - und umkommt, als ihn sein Augenlicht ganz verlässt. Der junge Kämpfer Hung Chi (Jacky Cheung Hok-Yau) will seine Arbeit vollenden - und gleichzeitig die Rache des Mädchens vollstrecken. Doch ihn plagt auch etwas: Er kann seine Frau (Bai Li) nicht auf seine Abenteuer mitnehmen.
"Love it or hate it" heisst es für viele bei diesem Film. Bei mir löste er jedoch keine extremen Reaktionen aus. Ich fand ihn einfach nur mittelmässig. Ein weiterer mässiger Streifen im Oeuvre eines visuell starken, aber ansonsten überschätzten Filmemachers. "Ashes of Time" ist definitiv Wongs ambitioniertester Film. Er adaptierte den ersten Teil der Kondor-Trilogie von Louis Cha zu einem starbesetzten Epos, verlor aber in der Post Production die Übersicht über das Material. Für Re-Shoots war
Joey Wong nicht mehr verfügbar, ihre Szenen wurden gestrichen, ihre Rolle mit Charlie Yeung nochmals abgedreht. Während sich Wong und vier Cutter dem Material widmeten, drehte Wong "noch schnell" Chungking Express, der sogar vor dem spät und viel zu teuer fertig gestellten "Ashes of Time" ins Kino kam.
Das Endresultat ist ein Chaos. Es ist offensichtlich, dass Wong mit dem gefilmten Material nichts anfangen konnte. Die Bilder von Christopher Doyle sind betörend, die Musik hypnotisch und eventuell ist auch die Kampfchoreografie von
Sammo Hung gut - doch davon sieht man nichts, denn Wong schneidet die Fights schnell, setzt Zeitlupe und Filter ein, die das Ganze verschwommen und unübersichtlich machen. Das gilt aber eben auch für die Story. Um zu verschleiern, wie diffus und öde sein Film wurde, verschachtelte er die Handlungsstränge, schob Rückblenden und Traumsequenzen ein. Etliche Fans argumentieren, man müsse den Film halt zweimal anschauen, um alles zu kapieren. Das möchte ich nicht gelten lassen. Ein Film muss beim ersten Mal überzeugen - sonst will ihn ja gar niemand ein zweites Mal anschauen. Und beim ersten Mal versagt "Ashes of Time" bei fundamentalen Aspekten wie Handlung und Charakterisierung. Seine Figuren versinken in Selbstmitleid. Die Akteure können damit kaum etwas vermitteln. Sie müssen nur traurig ins Leere schauen. Ich habe an etlichen Stellen gelesen, die Schauspieler seien gut. Das ist Unsinn. Mir erschienen die meisten von ihnen nie gelangweilter als hier.
Auch Leslie Cheungs ununterbrochene Erzählstimme, die Banalitäten und Pseudo-Tiefgründiges von sich gibt, täuscht nicht darüber hinweg, dass der Plot nur aus einem Kommen und Gehen von Charakteren besteht, dass etliche Rollen nicht ausgereift sind (die im Abspann nicht genannte Maggie Cheung ist besonders verschwendet) und dass der Film nicht viel mehr ist als ein aufgeblasener Liebesreigen von Leuten, die es nicht schaffen, die Enttäuschungen des Lebens hinter sich zu lassen. In anderen Worten: eineinhalb Stunden Langeweile. Angereichert mit typischem Kunstkino-Schwulst wie die Zärtlichkeiten zwischen einer Frau und einem Pferd, schizophrenen Figuren und Sexträumen. "Ashes of Time" ist Wong Kar Wais schwächster Film. Und dass er versucht, ihn interessanter zu machen, indem er ihn so komplex  zusammenstückelt, dass man ihn beim ersten Mal nicht kappiert, macht sein Versagen noch deutlicher. Er ist schön anzusehen, wunderbar besetzt und faszinierend als Dokumentation eines filmischen Zugunglücks - aber er ist nicht gut.
PS: Gleichzeitig drehte Wong Kar Wais Partner Jeff Lau Chun-wai mit derselben Crew die Parodie The Eagle Shooting Heroes, die sogar noch vor "Ashes of Time" ins Kino gelangte.

PS 2: 2008 brachte Wong Kar Wai eine Neufassung als Ashes of Time Redux heraus.
Hier auf DVD erhältlich (HK-Fassung)
Hier auf DVD erhältlich (US-Fassung)
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch und Mandarin 2.0 mit eingebrannten englischen Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph).
Alternative Titel: Dung che sai duk;
Dong xie xi du; Evil East, Malicious West; 東邪西毒
Regie: Wong Kar Wai

Actiondrama

Action * *

Anspruch * * * *

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T h e   A s s a s s i n   ~   S h a   r e n   z h e   t a n g   z h a n

Reviewed 2003

Hongkong 1993 In der Ming-Dynastie haben die Eunuchen nun das Sagen. Ihnen zur Seite stehen Brigaden von trainierten Killern. Der beste dieser Killer ist Tong Jan (Zhang Feng-yi). Er war einst Adeliger und wurde verhaftet, da er sich in eine normale Bürgerin, die schöne Yiu (Rosamund Kwan Chi-Lam), verliebt hat. Im Knast hat man ihm die Augen zugenäht. Als er sie wieder öffnen durfte, fand er sich in einer Arena wieder. Er musste gegen andere Gefangene kämpfen. Nur der Sieger durfte weiterleben. Er siegte - und wurde zum Killer ausgebildet. Doch nun, als er seine neue Berufung schon lange ausführt, trifft er Yiu wieder - und missachtet die Befehle seiner Vorgesetzten ... 
"The Assassin" von Billy Cheung Siu Hung (My Schoolmate Is a Barbarian) ist zwar ein kurzweiliges Schwert- und Martial-Arts-Abenteuer mit hübschen fliegenden Kriegern in Wuxia-Tradition, doch der Film bingt überhaupt nichts Neues. Zudem ist die Story mehr als simpel gestrickt und das Ende geradezu antiklimaktisch. Das coolste am Ganzen ist die sinnlose Gewalt. Da werden Herzen rausgerissen, Frauen zweigeteilt, Köpfe abgehackt und Augen zugenäht. Yummi. Die Fightszenen haben so jedenfalls einen martialischen Touch, der etwa den poetischen Kampf/Flugszenen in "Crouching Tiger Hidden Dragon" diametral entgegengesetzt ist. Hier gehts ans Eingemachte - und das macht auf plumpe Art Spass. Nach 77 Minuten ist bereits alles vorbei und viel länger bleibt der Film auch nicht in Erinnerung. Schade, denn Cheung hatte einige interessante Ansätze und visuelle Ideen. Damit hätte man ein starkes Stück Kampf-Kino machen können. Dazu hätte er aber dringend nochmals das Drehbuch aufpeppen müssen ... 
Hier auf DVD erhältlich - ich habe die US-Version (Code 1) in Mandarin mit englischen UT gesehen.
Alternativer Titel: Sha ren zhe tang zhan; 殺人者唐斬
Regie: Billy Cheung Siu-Hung

Martial-Arts-
Abenteuer

Gewalt * * *

Action * * *

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T h e   B a r e   F o o t e d   K i d   ~   C h i k   g e u k   s i u   j i

Reviewed 24.4.05

Hongkong 1993 Der naive Landbursche Kuan Feng-yao (Aaron Kwok Fu-sing) kommt in die Stadt, um in der "Four Seasons"-Weberei und Färberei Arbeit zu bekommen. Die nette, verwittwete Besitzerin Ho (Maggie Cheung Man-Yuk) stellt ihn ein und ihr mysteriöser Vorarbeiter Tuan Na (Ti Lung) gibt dem armen Kuan ein paar Schuhe. Tuan ist niemand anderes als Tuan Ching-yun, der beste Freund von Kuans Vater. Er ist hier untergetaucht und mag keine Aufregung. Doch während Kuan mit der Lehrerin (Wu Chien-Lien) anbändelt und von ihr unterrichtet wird, gibts doch Ärger: Der mächtige Ke Hu-Po (Kenneth Tsang Kong) will Hos Färberei dicht machen, um seiner "Tien Lung"-Färberei zum Monopol zu verhelfen. Dazu nutzt er Gewalt und Erpesssung. Kuan, ein begnadeter Martial-Arts-Kämpfer, will Miss Ho helfen und geht dabei zu weit. Er wird aus der Färberei geschmissen und kommt bei Ke Hu-Po unter.
Johnny Tos Remake von Chang Chehs Klassiker "Disciples of Shaolin" (1975) ist weniger brutal als der Vorgänger, aber ein souveräner Streifen auf seine eigene Art. Da die
Shaw Brothers in die Produktion involviert waren, konnten auch einige bekannte Namen aufgeboten werden - namentlich Ti Lung in einer famosen Rolle und Liu Chia-Liang als Action-Choreograf. Daneben holte Regisseur Johnny To jede Menge jüngere Gesichter an Bord. "The Bare-Footed Kid" mischt aber auch inhaltlich einiges zusammen, massgeblich Action, Humor und Melancholie.
Das funktioniert blendend. Die erste Hälfte hat Tempo, Gefühl und fantastische, schnelle Kampfszenen. Das Finale wiederum hat Wehmut, Gewalt und erneut fantastische, schnelle Kampfszenen. Nur dazwischen gibts einen längeren Durchhänger, als Kuan die Färberei verlässt und der Plot schwer zu entwirren wird. All dies machen To und sein Team bis zum Finale spielend wieder wett und es bleibt ein sehr guter Gesamteindruck zurück. Neben Lius Choreografie, die Old-School-Martial-Arts-Technik mit modernererm Wide-Fu mischt sind Aaron Kwoks entwaffnendes Spiel hervorzuheben, Ti Lungs gewichtige Darbietung, Maggie Cheungs famoser, leidvoller, etwas kürzerer Part - und die Kameraarbeit inklusive ein paar interessanten Fahrten durch Gassen und Häuser.
"The Bare-Footed Monk" wird manchmal für seine Melodramatik angegriffen, doch die Stimmung passt perfekt. Ich mag nicht der allergrösste Fan von Johnny To sein, aber er schafft es immer wieder, selbst in die einfachsten oder wirrsten Geschichte Melancholie zu injizieren. Hier tut er das an den richtigen Stellen. Mit rührendem Resultat. "The Bare-Footed Kid" ist deshalb absolut zu empfehlen - vor allem jenen, die neben grossartiger Action auch einen interessanten Plot geboten bekommen wollen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 0 NTSC. Mandarin und Englisch 2.0 mit eingebrannten englischen Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph).
Alternative Titel: Bare Foot Kid; Bare Footed Monk; Chi jiao xiao zi; Bare-Footed Kid;
赤腳小子
Regie: Johnny To Kei-Fung

Actiondrama

Action * * *

Humor *

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T h e   B l u e   K i t e

China 1993 Ausführliche Kritik: hier.

 

T h e   B r i d e   W i t h   W h i t e   H a i r   ~   B a i   f a   m o   n u   z h u a n

Reviewed 15.8.04

Hongkong 1993 China zur Zeit der Ching-Dynastie. Kaiser Shun-Chi ist erkrankt. Ein Trupp wird deshalb ausgeschickt, um auf dem Berg Shin Fungin eine seltene Rose zu finden, die alle 20 Jahre blüht und Sterbende widerbelebt. Doch die Rose wird vom Schwertmeister Cho Yi-Hang (Leslie Cheung Kwok-wing) bewacht. Yi-Hang wurde von Meister Tsu Yang  (Pao Fong ) gross gezogen, den Anführer des Wu-Tang-Clans, einer der acht Clans, die gegen die neue Ching-Herrschaft rebellieren. Schon als Kind wurde Yi-Hang so ausgebildet, dass er einmal in Tsus Fussstapfen treten könne. Als Bub wurde Yi-Hang einmal von Wölfen attackiert - bis ein geheimnisvolles Mädchen sie zurückpfiff. Es war ein Wolfsmädchen, in das sich der Bub verliebte. Fortan war der junge Krieger eher getrieben von Sehnsucht, anstatt dem Wunsch den Clan zu führen. Das kam Wu-Tang-Mitglied Pai Yun (Law Lok-Lam) gerade recht, der seine Tochter Ho Lu-Hua (Yammie Lam Kit-Ying) als Chefin sehen wollte. Als junger Mann sollte Yi-Hang den Angriff auf einen Mandschu-Kult leiten, der von den siamesischen Zwillingen Wushuang Ji (Francis Ng Chun-Yu und Elaine Lui Siu-ling) geleitet wird, zwei ausgestossenen Ex-Wu-Tang-Mitgliedern. In deren Reihen kämpfte auch eine Hexe (Brigitte Lin Ching-hsia): Das Wolfsmädchen. Yi-Hang verliebte sich abermals in sie und gab ihr einen Namen: Lien Ni-chang.
Brigitte Lins Comeback der frühen 90er verbindet man automatisch mit einer Reihe legendärer und meist mysteriöser Rollen: die multisexuelle Asia aus Swordsman II und The East Is Red, Frau und Mann zugleich in Ashes of Time - und Wolfsfrau in "The Bride With White Hair". Letztere ist vielleicht ihre beste Rolle, wenn auch nicht ganz ihr bester Film. Ronny Yu, der zuvor vor allem Actionfilme gedreht hat, wagt mit dem Werk seinen ersten Schritt ins Fantasy-Genre. Als Neuling wollte er einige Dinge anders machen als seine Vorgänger in der New Wave, namentlich
Tsui Hark. Also engagierte er eine japanische Kostümdesignerin, drehte fast komplett im Studio und verienfachte die 1954 geschriebene Vorlage von Yu-Sang Leung massiv, anstatt sie konfuser zu machen, wie etwa die Swordsman-Reihe es mit ihrer Vorlage tat. Ganz lösen konnte sich Yu aber von seinen zeitgenössischen Mitstreitern nicht: Er heuerte Tsuis Swordsman-Kameramann Peter Pau Tak-Hai an - und so ähnelt der Look von "The Bride With White Hair" hie und da den anderen Werken. Namentlich beim von mir nicht gerade geliebten Einsatz der Farbe Blau. Es gibt viel blaues Licht in "The Bride With White Hair".
Aber das geht okay, denn Yus Ansatz ist hoch stilisiert und hoch betörend: faszinierende Stilleben treffen auf farbintensive Licht- und Schattenspiele. Sein Film sollte eine Art Fantasy-Oper werden. Nicht umsonst hat er sich deshalb auch eine Geschichte ausgesucht, die eine Romeo-und-Julia-mässige, überhöhte Liebesgeschichte zum Zentrum hat. Die Lovestory selbst fand ich nicht wirklich der Hammer. Dazu tut mir Yu zu wenig, um wirklich diese tiefe Zuneigung zu illustrieren. Vielleicht liegt es auch am typischen Weltschmerz-Spiel von Leslie Cheung, das meiner Meinung nach nicht in den Film passen will. Brigitte Lin dagegen passt perfekt. Dies ist ihr Film und sie zeigt das in jeder Minute, in der sie zu sehen ist. Die anderen Akteure stehen hinten an.
Die Action ist passabel. Sie erreicht nicht das Niveau zeitgenössischer Filme von
Tsui Hark wie etwa Swordsman II oder Iron Monkey. Was die Action jedoch zweifellos ist, ist blutig. Körper werden in der Luft halbiert, Köpfe abgehackt - Blutfontänen gibts an allen Ecken und Enden. Zum Blut gesellt sich wie im Hongkong-Kino immer beliebt die Sinnlichkeit. Die siamesischen Zwillinge haben eine beinahe gezwungenermassen inzestuöse Beziehung, Lien und Zhuo lieben sich innig in einem schönen See. Diese Verbindung von Poesie, Sinnlichkeit und Gewalt macht den Reiz nicht nur dieses New-Wave-Films aus, aber hier ist sie besonders gelungen. Ich würde "The Bride With White Hair" nicht als Höhepunkt dieser Hongkong-Epoche bezeichnen, aber er gehört zu den Klassikern, die man gesehen haben muss. Nach dem Schlusslied von Leslie Cheung, der sich damals eigentlich offiziell aus dem Musikgeschäft zurückgezogen hatte, bleiben noch ein paar Fragen zuviel offen. Einige werden beantwortet - im Sequel The Bride With White Hair 2.

Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (D) 
Meine Disk (SK): Code 0 NTSC. Kantonesisch 2.0, Mandarin 1.0, Englisch 1.0
Mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Bai fa mo nu zhuan; Jiang-hu: Between Love and Glory; Das unbesiegbare Schwert; Jiang-hu: Magie des Schwertes; Jiang-hu: Heldin des Schwertes; 白髮魔女傳
Regie: Ronny Yu Yan-Tai

Fantasy-
Actionfilm

Action * * *

Gewalt * *

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T h e   B r i d e   W i t h   W h i t e   H a i r   2   ~   B a i   f a   m o   n u   z h u a n   I I

Reviewed 15.8.04

Hongkong 1993 Nachdem Lien Ni-chang (Brigitte Lin Ching-hsia) den Wu-Tang-Clan abgeschlachtet hat, wurde ihr Haar weiss. Sie verschwand aus der Martial-Arts-Welt. Ihr Geliebter Cho Yi-Hang (Leslie Cheung Kwok-wing) wartet seither auf dem Berg Shin Fungin, bis eine Rose blühen wird, mit der er Ni-chang wieder zum normalen Menschen machen kann. Jahre vergehen, da taucht Lien auf, um alle Mitglieder der acht Clans zu töten. Sie will bei Chos Neffen Fung Chun-Kit (Sunny Chan Kam-Hung) beginnen, dem letzten Überlebenden des Wu-Tang-Clans. Er hat gerade die zierliche Lyre (Joey Maan Yee-Man) geheiratet, als Lien auftaucht und ein Blutbad anrichtet. Kit kann fliehen, Lyre wird entführt. Im Unterschlupf von Lien wird sie gehirngewaschen und lernt wie Lien, Chen Yuen-Yuen (Ruth Winona Tao Kwun-Mei) und die anderen Frauen, alle Männer zu hassen. Kit versammelt derweil ein Rettungstrupp, bei dem auch sein Freund Hang  Liu (Richard Suen) und seine burschikose Kollegin Ling Moon-Yee (Christy Cheung Lai-Tai) dabei sind.
The Bride With White Hair endete mit einem tragischen Schluss. Die Fortsetzung knüpft direkt daran an und zeigt in kleinen Rückblenden sogar noch Szenen, die offensichtlich für den ersten Teil gedreht, aber nicht verwendet wurden. So sehen wir endlich auch illustriert, dass Lien von Wölfen grossgezogen wurde, etwas, was wir bisher nur erahnen konnten. Und wir erfahren, wieso Cho auf das Blühen der Rose wartet - Lien ist ja schliesslich nicht tot: Er will ihre Haare wieder zurück haben, die sich nach dem Massaker weiss gefärbt haben. Ihre schwarzen Haare würden sie auch seelisch wieder in die Normalität zurückholen. Dies Informationen, die man im ersten Teil hätte geben können, aber nun halt erst im zweiten Teil auftauchen. Danach nimmt die Story eine komplett neue Richtung: Leslie Cheung kommt so gut wie nicht vor und Brigitte Lin ist ein comic-haftes, destruktives Monster mit weissen Haaren - der Titel "Bride With White Hair" passt insofern besser zu Teil 2. Die Hauptrollen übernehmen jüngere Akteure. Leider ... denn vom poetischen Reiz des Originals blieb so nicht viel übrig.
Die Neulinge sind weitgehend blass. Die einzige, die wirklich genial ist, ist die damals 23-jährige Christy Cheung in ihrer erst zweiten Rolle. Ihre weibliche Interpretation eines Mr. Cool à la Chow Yun-Fat ist köstlich. Und Christy sehr süss. Es gibt noch weitere schöne weibliche Neulinge, dich Christy stiehlt allen die Show. Die vielen neuen Frauen im Cast zeigen aber auch, worauf Ronny Yu und Co-Regisseur David Wu (Autor und Editor des ersten Teils) diesmal aus sind: Den Krieg Mann gegen Frau - und dies nicht gerade subtil. Lien hetzt die Frauen auf, Lien wird von einer Frau begehrt und dominiert eine feministisch-lesbischen Damen-Sekte, die Männer foltert und als Sklaven hält. Die Männer bringt das natürlich in Rage. Der Angriff, den sie organisieren, fällt entsprechend brutal aus. Blut spritzt in Strömen und das "schwache" Geschlecht wird nicht verschont. Höhepunkt ist Richard Suens Erdolchung einer der Frauen mit dem Satz "jetzt weisst du, was ein richtiger Mann ist" - nachdem er die Sterbende geküsst hat. Die Machismo-Antwort auf die vorhergegangene Östrogen-Attacke. Dieser Geschlechterkampf findet aber glücklicherweise auf Trash-Niveau statt, weshalb die Ereignisse eigentlich Spass machen.
"Spass" ist Leitmotiv des Films. Comic Relief, irre Action, Geschlechterkrieg und Fantasy-Brutalität lassen keinen Raum mehr für Poesie. Nur am Ende, wenn Leslie auftaucht, kommt die Tragödie der Beziehung aus Teil eins wieder zum Tragen. Ein sehr schöner Moment und ein würdiger Abschluss für diese zweiteilige Reihe. Man kann argumentieren, es bräuchte Teil 2 gar nicht und viele Fans des ersten können nicht viel mit ihm anfangen - aber ich finde ihn gar nicht so viel übler als den Vorgänger. Einfach nur auf einer ganz anderen Ebene.

Hier auf DVD erhältlich (US)
Meine Disk (SK): Code 0 NTSC. Kantonesisch und Mandarin 2.0 mit engl. UT. Widescreen (nicht anamorph)
Alternative Titel: Bai fa mo nu zhuan II; Jiang-hu: Between Love and Glory 2; Das unbesiegbare Schwert 2; Jiang-hu: Magie des Schwertes 2; Jiang-hu: Heldin des Schwertes 2; The White Haired Swordsman II; 白髮魔女傳 2
Regie: Ronny Yu Yan-Tai, David Wu Dai-wai

Fantasy-
Actionfilm

Action * * * *

Gewalt * *

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B r o t h e r   o f   D a r k n e s s   ~    T i   t i a n   x i n g   d a o   z h i   s h a   x i o n g

Reviewed 2002

Hongkong 1994 Kuen To (Hugo Ng Doy-Yung) wächst bei Pflege-Eltern auf. Deren leiblicher Sohn Kuen Wah (William Ho Ka-Kui) misshandelt den Buben jedoch regelmässig. Er misshandelt auch seine Eltern, seine Frau und seinen Sohn. Kuen To wächst zum Mann, trainiert Taekwondo und verliebt sich in Jenny (Lily Chung Suk-Wai). Als Wah mal wieder aus dem Knast kommt und seine Eltern attackiert, platzt To der Kragen: Er prügelt ihn spitalreif. Doch nun wird Wah völlig zum Tier.
Gähn. Was soll hier unterhaltsam sein? HK-Schocker sind ja eigentlich da, um zu schocken. "Brother of Darkness" tut nicht mal dies. Ein Schocker, er nicht schockt, verliert seine Existenzberechtigung. Es gibt ein paar blutige Szenen und etwas Sex - aber nichts davon ist besonders packend. Die eine Sexszene dauert ewig und ist so dunkel gefilmt, dass man eh nix erkennt. Und die Taten von Wah? Nun, die sind schon grotesk, aber im Vergleich zu echten Schockern (z. B. Ebola Syndrome) ist das einfach fad. Verschwendet eure Zeit nicht an diesen Schund.
Hier auf DVD erhältlich - ich habe die HK-Version (Code 0) mit englischen Untertiteln gesehen.
Alternative Titel: Ti tian xing dao zhi sha xiong; 替天行道之殺
Regie: Billy Tang Hin-Sing

Schocker

Gewalt * *

Sex * *

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B u t t e r f l y   S w o r d   ~   X i n   l i u   x i n g   h u   d i e   j i a n

Reviewed 31.10.04

Taiwan / Hongkong 1993 China während der Ming-Dynastie: Der mächtige kaiserliche Eunuch Tsao befiehlt der Kriegerin Ko (Michelle Yeoh Chu-Kheng), den Eunuchen Li Shu-Tin des West Chambers umzubringen, damit Tsao den Kaiser entthronen kann. Ko und ihre Kindheitsfreunde des "Happy Forest"-Clans, Meng Sing-wan (Tony Leung Chiu-Wai) und Yip Cheung (Donnie Yen Ji-Dan), machen sich umgehend an die Arbeit. Ihr härtester Gegner ist Suen Yuk-pak (Elvis Tsui Kam-Kong), der Anführer der "Elite-Villa". Um diesen Clan zu infiltrieren, täuscht Sing-wan seinen Tod vor und kehrt als kantonesischer Wanderkrieger Chun Wai zurück. Er erarbeitet sich das Vertrauen von Suen. Derweil hat er jedoch mit privaten Sorgen zu kämpfen: Seine Geliebte Butterfly (Joey Wong Cho-yin) will, dass er sich aus der Martial-Arts-Welt verabschiedet. Kommt dazu, dass Ko eigentlich auch Sing-wan liebt - und Cheung schon lange ein Auge auf Ko geworfen hat.
"Butterfly Sword" basiert auf dem Roman "Comet, Butterfly and Sword" des taiwanesischen Bestseller-Wuxia-Autors
Hung Yiu-Wah, der unter dem Pseudonym Gu Long bzw. Ku Lung zu Ruhm kam und 1937-1985 lebte. Chor Yuen hat diese Vorlage bereits 1976 für Shaw Brothers als Killers Clan verfilmt. Wer Chors Clan-Filme kennt, der weiss, dass deren Inhalt meistens kaum widerzugeben ist. Die Vielzahl von Personen, die kruden Mystery-Plots und Verschwörungen in der Jiang-hu-Welt (Martial Arts World) eignen sich wohl besser für einen Roman als für einen Film. Aber Gu Longs Welten sind für Martial-Arts-Filmer dennoch unwiderstehlich. Regisseur Michael Mak (Sex and Zen) versuchte deshalb, das Gu Long'sche Plot-Gewirr etwas zu straffen und vor allem auf Action und Romantik zu setzen.
Der Plot ist trotzdem wirr. Man könnte ihn etwa so zusammenfassen: Es gibt mehrere Clans, alle wollen Macht, alle intrigieren, schicken Killer und unter denen gibts ein roantisches Viereck. Ach ja, viele Leute sterben. Der Rest ist entweder unklar, komplex oder schlicht unwichtig. Ich mag die Jiang-hu-Streifen der 90er wirklich, doch alle werden von ihren Drehbüchern zurückgehalten. Sei es der überladene Ashes of Time, der unverständliche Swordsman oder die irre Louis-Cha-Adaption Dragon Chronicles. Selbst die klarer strukturierten Filme dieser Zeit sind alles andere als koherent, da meistens nicht einmal ein Skript exisitierte. Dies ist ein Grund, warum für mich ein gut erzählter Hollywood-Film immer vor einem Hongkong-Film des gleichen Genres kommen wird - aber diese Diskussion wird die einsetigen Verfechter von asiatischen respektive westlichem Kino wohl auf immer teilen. Im Falle von "Butterfly Sword" kann man jedenfalls durchaus argumentieren, die Handlung sei komplex und diene vor allem als Aufhänger für ein Spektakel.
Und dieses ist garantiert. Choreografiert hat nämlich Tony Ching Siu-Tung (Chinese Ghost Story). In den nicht-Action-Szenen ist die Kamera statisch, die Bilder plump - doch sobald die Action einsetzt, wirbelt die Kamera herum, es wird schnell geschnitten, von seltsamen Perspektiven gedreht, wird Nebel und blaues Licht eingesetzt. Kurz: Die Welt des Tony Ching tritt in den Vordergrund. Der Stil ist komplett verschieden vom Rest des Films. Dieser "Rest" ist nämlich bisweilen arg langweilig. Die Rückblende zu den Kindern kann ich noch akzeptieren, doch die romantischen Subplots werden mit der Zeit öde, vor allem, weil sie einfach nicht mitreissend aufgetischt wird. Die Akteure geben ihr Bestes, doch eben, das Drehbuch kommt ihnen nicht gross zu Hilfe.
Dafür glänzen alle Beteiligten in Chings Action-Passagen. Höhepunkte sind der blutige Bambuswald-Fight, nicht unähnlich jenem, den Ching in House of Flying Daggers choreografierte, und der finale Angriff auf Elvis Tsuis Hauptquartier. Besonders cool ist Tony Leungs Geheimwaffe: Der menschliche Pfeil, der es ihm erlaubt, durch die Gegner hindurchzurasen. Das kommt ihm auch im Finale zu Gute, wobei der Getroffene und Entweidete so noch weiterkämpft und erst noch geköpft werden muss. Selbst das bringt ihn noch nicht komplett um. Tja, was grosse Chi-Kraft nicht alles bewirken kann. In solchen Momenten jedenfalls ist "Butterfly Sword" Hongkong-Kino der rassigsten Art. Man vergisst, dass der Plot keinen Sinn macht und geht in den Bildern und der virtuosen Choreografie regelrecht auf. Wenn dazu auch noch so talentierte Akteure wie Michelle Yeoh und Tony Leung, so kampfstarke Mimen wie Donnie Yen und so zierliche Nebendarstellerinenn wie Joey Wong zu sehen sind, dann dürften die meisten HK-Fans glücklich sein.
PS: Die taiwanesische Originalversion hat ein etwas besseres Ende als die HK-Fassung. [Spoiler] In der Taiwan-Version stürzen sich nämlich Michelle und Donnie in den Tod, was in allen anderen Fassungen weggelassen wird. Die US-Disk zeigt dieses Ende immerhin noch als Alternativ-Schluss.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 0 NTSC. Kantonesisch 5.1 und DTS, Englisch 5.1 und Mandarin.
Mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Butterfly and Sword; Comet, Butterfly & Sword; Xin liu xing hu die jian; Shooting Star Butterfly Sword; 新流星蝴蝶劍
Regie: Michael Mak Dong-kit

Action-
Liebesfilm

Action * * * *

Humor *

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A   C h i n e s e   O d y s s e y ,   P a r t   O n e

Hongkong 1994 Ausführliche Kritik: hier.

 

A   C h i n e s e   O d y s s e y ,   P a r t   T w o

Hongkong 1994 Ausführliche Kritik: hier.

 

C h i n e s e    T o r t u r e   C h a m b e r   S t o r y   ~   M a n   q i n g   s h i   d a    k u   x i n g

Reviewed 2002

Hongkong 1994 Die süsse "Little Cabbage" (Yvonne Yung Hung) wird vor den Richter gezerrt. Sie soll ihren Mann betrogen und umgebracht haben. Der Richter will eine Aussage per Folter erreichen. Da beichtet ihm sein Sohn, dass er am Tod des Ehemannes Schuld ist. Der Richter folter die Angeklate weiter nach den chinesischen Traditionen. Er will, dass sie gesteht, damit sein Sohn frei bleibt.
Der Beginn des Films deutet auf ein Nonstop-Gefoltere hin und tatsächlich gefällt sich der Streifen mit delikaten Foltermethoden. Im Zentrum des Films steht jedoch vielmehr Sex in zum Teil grotesken Variationen. Der Film erinnert stark an den bizarren 1991er-Kultklassiker
Sex and Zen, der auch im Westen eine Anhängerschaft aufgebaut hat. Wer also auf einen solch groteskten Mix aus Sex, Gewalt, Humor und Kampfsport-Akrobatik steht, ist mit "Chinese Torture Chamber Story I" gut aufgehoben ...
Hier auf DVD erhältlich - ich habe die HK-Version (Code 0) mit englischen UT gesehen.
Alternative Titel: Man qing shi da ku xing; Chinese Torture Chamber
; 滿清十大酷刑
Regie: Bosco Lam Hing-Lung

Schock-Groteske

Gewalt * * * *

Sex * * * *

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C h u n g k i n g   E x p r e s s   ~   C h o n g   q i n g   s e n   l i n

Reviewed 1.8.04

Hongkong 1994 Hongkong: Der Polizist 223, He Zhiwu (Takeshi Kaneshiro), trauert seiner Liebe May nach. Er verbringt endlose Zeit in einer Snackbar im Chungking-Gebäude, um auf ihren Telefonanruf zu warten. Er sucht nach Konserven, die am 1. Mai ablaufen, seinem Geburtstag - und der Tag, an dem er die Beziehung endgültig für tot erklären will. Derweil zieht eine mysteriöse Frau (Brigitte Lin Ching-hsia) mit einer weissen Perücke durch die Stadt. Sie hat ein paar Inder als Drogenkurriere rekrutiert, doch nun sind sie abgehauen. In einer Bar fällt sie 223 auf. Dessen Berufskollege, Cop 633 (Tony Leung Chiu-Wai), besucht auch öfters die Snackbar. Als er von seiner Freundin, einer Flugbegleiterin (Valerie Chow Ka-Ling) verlassen wird, hofft er, eine neue Liebe zu finden. Die würde bereits vor ihm stehen: Die Snackbar-Gehilfin Faye (Faye Wong Ching-Man). Sie hat von der Flugbegleiterin einen Brief an 633 bekommen. Darin war ein Schlüssel - und mit dem gelangt sie in die Wohnung des Cops ...
Wong Kar Wai ist kein Filmemacher für jeden. Ich freue mich für alle, die wie Tarantino ausrufen können "I'm happy to love a movie this much". Ich kann auch Filme von Herzen lieben - aber es wird wohl nie bei einem Film von Wong Kar Wai passieren. Wieso? Zum einen ist er kein Regisseur, der der Story grosses Gewicht gibt, sondern Charaktere und Stimmungen einfängt. Darin ist er klasse. Doch Handlung steht für mich einfach zu weit oben, um sie derart zu vernachlässigen. Und das andere ist seine Art von Filmen. Wo würdet ihr sie einordnen? Hongkong-Chic, klar, aber bei welchem Filmemacher guckt er eindeutig ab? Das wäre wohl Jean-Luc Godard. Nicht zufällig mag Godard-Fan Tarantino Wongs Filme. Und da
liegt der Hund begraben. Jeder, der meine Seite ein wenig kennt, weiss, dass es ein paar Filmrichtungen gibt, mit denen ich wenig anfangen kann: Dazu gehören der italienische Neorealismus (v.a. von Michelangelo Antonioni) und die Nouvelle Vague (v.a. Jean-Luc Godard). Sowohl im Neorealismus gibts gute Filme und auch in der Nouvelle Vague - aber als Ganzes sind dies Stilrichtungen, die mich eher langweilen und an die dafür vermeintlich kopflastige Kinokritiker ihr Herz verlieren.
Wong Kar Wai ist nun eben Hongkongs Antwort auf Godard und deshalb mag ich nicht alles so sehr, wie ich es als Asien-Fan wohl sollte. "Chungking Express" ist Wongs bester Film. Und dennoch kriegt er "nur" 3½ Sterne. Das sollte niemand abeschrecken. Ich verspreche, viele von euch werden ihn lieben. Und wer die Filme von Godard mag, wird eh sein Herz verlieren. Ich hab mich unterhalten, sehe aber nirgens eine Meisterleistung. Die Zweiteilung der Geschichte ist nicht besonders fruchtbar, da die beiden Episoden nicht verknüpft sind. Die Handlungen selbst sind, wie angetönt, nicht allzu gehaltvoll. Sie sind luftig-leicht und bergen ein wenig Weltschmerz verbunden mit Grossstadt-Melancholik, doch viel steckt hinter diesen Liebesgeschitchen nicht.
Doch es gibt viel zu mögen. Die Kameraarbeit von Christopher Doyle zum Beispiel. Er benutzt sehr viel Handkamera, leuchtet das Bild mit (von mir sonst gehassten) Neonfarben aus und bringt viel Unruhe in die Ereignisse. Manche Shots zeigen die zentrale Person bei einer normalen Aktivität, während die Welt um sie herum im Zeitraffer abläuft. Heute sieht man das in etlichen Filmen und Werbungen, doch 1994 war das ein Grund, wieso der Film als so hip angeschaut wurde. Wie immer bei Wong Kar Wai werden die Bilder durch tollen Musikeinsatz ergänzt. Es gibt indische Klänge zu hören, Reggae - und "California Dreamin" in Endlosschlaufe. Die Wiederholung von Songs hat Wong Kar Wai auch in In the Mood for Love zelebriert und beide Male funktioniert es hervorragend.
Dann sollte man die Schauspieler nicht vergessen. Tony Leung ist einmal mehr hervorragend. Sein nachdenkliches Wesen wird ideal ergänzt durch die Lebensfreude der etwas durcheinander geratenenen Faye Wong. Sie füllt die zweite Story mit Energie. In der ersten Story überzeugen der Japaner Takeshi Kaneshiro (Returner) und die mysteriöse Brigitte Lin. Ihre blonde Perücke dürfte eine Hommage an ihre bekannteste Rolle sein: The Bride With White Hair. Dank solchen Erstklassakteuren, der visuellen Dynamik, dem eindrücklichen Musikeinsatz und der melancholischen Thematisierung von unerfüllter Liebe erreicht "Chungking Express" das Niveau einer betörenden Grossstadt-Ballade. Aber zum Meisterwerk gereicht es in meinen Augen halt auch nach dem zweiten Mal anschauen nicht. Ein drittes Mal werd ich mir wohl sparen - wer ihn noch nie gesehen hat, sollte dies aber unbedingt mal nachholen.

Hier auf DVD erhältlich (GB)
Hier auf DVD erhältlich (US - Criterion)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (SK): Code 0 NTSC. Kantonesisch 2.1 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Chong qing sen lin; Hong Kong Express; Chunghing Samlam; Chung King Express; 重慶森林
Regie: Wong Kar Wai

Liebesfilm

Humor * *

Action *

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C i t y   H u n t e r   ~   C h e n g   s h i   l i e   r e n

Reviewed 30.4.04

Hongkong 1993 Detektiv Ryo Saeba (Jackie Chan), genannt "City Hunter", wird von einem Industriellen engagiert, dessen Tochter aufzuspüren. Ryos Spur führt auf ein Kreuzfahrtschiff, auf dem er allerlei schöne Frauen trifft - auch seine eifersüchtige Assistentin. Doch schon bald haben alle Passagiere andere Sorgen: Der US-Colonel MacDonald (Richard Norton) bringt mit seinen Schergen (u. a. Gary Daniels) das Schiff unter seine Gewalt und tötet willkürlich die Menschen an Bord. "City Hunter" muss eingreifen ...
Der Film kommt bei vielen Jackie-Chan-Fans gut an, weil er nonstop-Unterhaltung bietet. Bei mir und Jackie Chan selbst steht er nicht besonders hoch im Kurs. Zugegeben, er hat kaum Pausen, aber herrjeh ist er infantil. Eine Leder-Tanzeinlage mit doofem Song, Brüste verwandeln sich in Hamburger, alberne Soundeffekte, in jeder erdenkliche Situation zoomt die Kamera mal wieder auf den Busen der Damen. Dies und viel mehr (Jackie Chan im "Streetfighter"-Damenkostüm ...) zieht nach meinem Betrachten den Film derart ins Niveaulose, dass das Positive am Film beinahe in Vergessenheit gerät.
Die "Golden Harvest"-Produktion hat ein paar solche gelungenen Momente. Jeder von Jackies eher spärlich gesäten Fights gehört dazu - einer im Kino zu Bruce Lees Game of Death. Doch damit hat es sich dann auch schon fast. Löblich vielleicht noch, dass die Co-Stars ausführlich zum Zug kommen. Doch das Problem ist letztendlich der Regisseur: Wong Jing
 ist bekannt dafür, sexistische Streifen zu drehen und sehr schnell zu filmen. Selten mal einen Klassiker wie "God of Gamblers", öfters Fortsetzungen, für die er eigentlich keine Rechte hat ("Hard Boiled 2", "Return to a Better Tomorrow"). Er guckt auch gerne ab - und schreibt Drehbücher zu Sleaze wie Raped by an Angel. Kurz: er hat seine Finger überall drin, ist aber nicht sonderlich talentiert. "City Hunter" basierte er auf einem noch bedeutend deftigeren Comic von Tsukasa Hôjo, mit Elementen aus "Streetfighter" und "God of Gamblers". Die Inszenierung ist muffig und schlüpfrig, die Kameraarbeit bis auf die choreografien Fights eher mässig, was den Verdacht zulässt, dass Jackie Chan diese Sequenzen selbst in die Hand nahm.
"City Hunter" ist sicherlich nicht übel, dafür ist er zu unterhaltsam. Aber es braucht viel Goodwill meinerseits, die kindisch-sexistischen Zoten mit dem Wort "Klassiker" in Verbindung zu bringen. Eher einer von Jackies durchschnittlichen Filmen - das triffts schon eher.
PS: Die neue deutsche Fassung ist 7 Minuten länger. Die FSK hat den Film aber bei der neuen Prüfung von "ab 18" auf "ab 12" heruntergesetzt. Damit ist also die 18er-Version cut, die 12er dagegen uncut.
Hier auf DVD erhältlich (deutsche uncut-Fassung ohne Extras)
Hier auf DVD erhältlich (britische uncut-Fassung mit vielen Extras)
Meine Disk (D): Code 2 PAL. Kantonesisch mono mit deutschen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Cheng shi lie ren; 城市獵人
Regie: Wong Jing

Actionkomödie

Action * * *

Humor * * *

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C r i m e   S t o r y   ~   Z h o n g   a n   z u

Reviewed 6.2.05

Hongkong 1993 Der gestresste Hongkong-Cop Inspektor Eddie Chan (Jackie Chan) bekommt den Auftrag, den nicht gerade sauberen Immobiliengiganten Wong Yat-Fei (Law Hang-Kang) zu bewachen. Doch Wong wird trotz Eddies Einsatz gekidnappt. Die Entführer fordern 60 Millionen US-Dollar von seiner Frau (Au Yeung Pui-Shan). Die Spur führt nach Taiwan. Eddie und Detective Hung (Kent Cheng Juk-Si) reisen auf die Insel. Eddie ahnt nicht, dass Hung der Anführer der Bande aus korrupten Cops ist, die Wong gekidnappt haben!
Das Konzept von "Crime Story" entwickelten Kirk Wong und Teddy Chan für Jet Li. Als Jackie Chan das Projekt übernahm, sprang Teddy ab, das Skript wurde modifiziert - aber überraschenderweise nicht zur Komödie umgemodelt. "Crime Story" ist vielmehr ein knallharter Polizeithriller ohne den Hauch von Humor. Fans von jackies üblichen Rollen seien also gewarnt. Und obwohl "Crime Story" nicht zu Jackies grössten Werken gehört, so ist es seine vielleicht beste Darbietung als Schauspieler. Da er nicht betont auf Drama macht, gefiel mir sein Spiel sogar noch leicht besser als jenes in Heart of the Dragon. Jackie ordnet sich quasi dem Plot unter. Und der Inszenierung.
Diese verdient vielleicht das grösste Lob. Die Regie von Kirk Wong ("The Big Hit"), die Action von Bruce Law, der superbe und preisgekrönte Schnitt von Peter Cheung sowie die Kamera des Veteranen Arthur Wong ergeben einen fabelhaften Stil, an den nur wenige Hongkong-Thriller dieser Zeit heranreichen. So mancher Shot stammt zwar aus der "blauen Periode" Hongkongs, in der jede erdenkliche Lichtquelle blau eingefärbt wurde, doch immerhin fehlt der sonst so typische Nebel. Dadurch ergibt sich ein urbaner Look, immer wieder gebrochen durch eine komplett andere Farbpalette. Das reicht von rot bis pink und eben blau. Immer wieder gibt es Szenen, die sogar kaum Lichtquellen haben und die dem ganzen einen extrem düsteren Look geben. Wie gesagt: Kein  typischer Jackie-Film.
Der Plot ist relativ routinierte Ermittlungs-Praxis, die jedoch auf einem wahren Fall basiert. Jene der Entführung und geheimnisumwitterten Ermordung des Milliardärs Teddy Wang im Jahr 1990. Auch in "Crime Story" war der Tod des Entführten Wong vorgesehen, doch Jackie schnitt auf Bitten von Teddy Wangs Witwe das Ende um. Überhaupt übernahm Jackie gegen Ende der Produktion nach ein paar Streits die Regie und änderte Details ab. Eine deftige Sexszene zwischen Detective Hung und einer Prostituierten, die wirklich sehr untypisch ist für eine Jackie-Film, wurde gekürzt. In der US-Fassung, die ansonsten um Dialoge und Szenen gekürzt ist, bleib diese Szene wiederum drin, genau wie ein paar Gewalt-Momente, die in den internationalen Cuts fehlen.
Bei Fans von Jackie ruft "Crime Story" bis heute gespaltene Reaktionen hervor. Manche sind enttäuscht, dass es keine Comedy-Einlagen gibt, andere trauen Jackie per se kein dramatisches Potenzial zu. Dabei übersehen diese Skeptiker, dass es sich einfach um einen grundsolide, spannenden und düsteren Thriller handelt, der alle Elemente des Genres aufweist, die zwei Stunden Unterhaltung garantieren. Mit oder ohne Jackie wäre dieser Film gelungen. Und mit ihm kriegt der Streifen halt immerhin ein gewisses Star-Ambiente, das ihm sonst abgehen würde. Hätte jemand wie Chow Yun-Fat oder Andy Lau die Rolle übernommen, der Film hätte wohl alle Preise abgeräumt, die es in Hongkong in diesem Jahr zu vergeben gab. So holte er immerhin den Preis für den besten Schnitt bei den HK Film Awards 1994.
Hier auf DVD erhältlich (GB, uncut)
Hier auf DVD erhältlich (D, cut)
Hier auf DVD erhältlich (US, cut, dafür Action und Sex länger)
Meine Disk (GB): Code 2 NTSC. Kantonesisch und Englisch 5.1 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Zhong an zu; Hard to Die; Serious Crime Squad;
New Police Story; Police Story IV; Police Dragon; That Beast in Homicide; 重案組
Regie: Kirk Wong Chi-Keung

Actionthriller

Action * * *

Spannung * * *

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D e a d l y   M e l o d y   ~   L i u   z h i   q i n   m o

Reviewed 27.11.04

Hongkong 1993 Wong Tung ist im Besitz der magischen Leier, auf die es Anführer von sechs Martial-Arts-Clans abgesehen haben, darunter die "hartherzige Hexe", der Fire-Lord (Wu Ma) und der Ghost-Master (Lam Wai). Sie töten Wong und seine Frau, die Kinder überleben. Während Tochter Snow mit der Leier verschwindet, findet ein befreundeter Martial-Arts-Meister (Chan Lung) den Sohn Lui Lun. Viele Jahre später ist Snow (Brigitte Lin Ching-hsia) noch immer im Besitz der Leier. Sie ist auf Rache aus. Dazu muss sie die Clans aus der Reserve locken und beauftragt die "Flying Tiger Security Coproration" mit dem Transport des Wunder-Instruments zu Hon Suen (Chung Fat). Den Job übernimmt der neue oberste Bodyguard des Clans, Lui Lun (Yuen Biao). Er hat eigentlich keine Chance gegen seine Angreifer, doch Snow beschützt ihn immer wieder - noch nicht ahnend, dass er ihr Bruder ist. Weitere Hilfe bekommt Lui von der störrischen Tam Yuet-Wah (Carina Lau Ka-Ling), die vom Fire-Lord geschickt wurde und sich in Lui verliebt.
Brigitte Lin taucht beinahe in jedem guten Hongkong-Film der frühen 90er-Jahre auf. Doch wenn mal man ein Dutzend davon gesehen hat, ist klar, dass ihr schauspielerisches Talent selten ausgeschöpft wird. Das hört sich nach Blasphemie an, doch es ist nicht so böse gemeint. Sie schafft es nämlich, die gleichen Rollen mit ähnlichen Gesichtsausdrücken, ähnlich starem Blick, unterkühltem aber tödlichen Kampfstil und internalisierten Gefühlen (Leid und Aggression) derart zu perfektionieren, dass niemand anders diese Parts so gut spielt wie sie. Das gilt auch für "Deadly Melody", in dem sie mit einer Leier ihre Gegner tötet - aber es genauso gut mit ihrem durchdringenden Blick tun könnte.
Die Handlung ist nichts, was sich gross zu beschreiben lohnt. Zwei der meistverbreiteten Martial-Arts-Themen dominieren die Ereignisse: Rache und "Clans wollen Gegenstand". Es klaffen einige Logiklöcher, die Inszenierung von Ng Min-Kun bewegt sich bedrohlich nahe am B-Niveau. Doch die Fights ziehen den Karren aus dem Dreck. Die Leier (ein Harfen-artiges Zupfinstrument) entwickelt zum Beispiel eine explosive Wirkung und kann halbe Armeen in der Luft zerfetzen. Sieht cool aus. Oder sie sendet bei korrekter Behandlugn einen Energiestrahl aus, der nicht unähnlich der Fingertechnik in Kill Bill, Volume 2 funktioniert: Nach acht Schritten stirbt man. Daneben gibts jede Menge fantastischer Martial-Arts-Techniken, von traditionellem Schwertkampf bis Feuer-Faust.
Am schönsten fightet natürlich einmal mehr Brigitte Lin, doch auch Yuen Biao kriegt ein paar schöne Kampf-Szenen. Ansonsten wirkt er für den Part etwas alt und wie ich schon an anderer Stelle gesagt habe: Yuen ist kein so guter Swordfighter wie er Handkanten-Techniker ist. Ihn Lui Lun spielen zu lassen, grenzt an eine Fehlbesetzung. Ideal dagegen Wu Ma als skurriler Feuer-Anführer und Carina Lau ist charmant in ihrem einzigen grossen Martial-Arts-Auftritt. Doch nur Brigitte Lin verleiht dem Film ein gewisses Niveau. Wäre sie nicht drin, "Deadly Melody" wäre Hongkong-Trash mit ein paar hübschen Fights. Er erreicht weder visuell noch inhaltlich das Niveau der Klassiker dieser Zeit und dürfte nur in kleinen Fankreisen für Begeisterungsstürme sorgen. Ich fand ihn nicht übel. Aber ein zweites Mal anschauen kann man sich bei dem Werk getrost sparen.

Hier auf DVD erhältlich (GB)
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch und Mandarin 2.1 mit eingebrannten engl. UT. Widescreen.
Alternative Titel:
Liu zhi qin mo; Deadful Melody; Deadful Music; Devil Melody; The Magic Lyre; Six-Fingered Strings Demon; 六指琴魔
Regie: Ng Min-Kun

Fantasy-Action

Action * * *

Humor *

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T h e   D r a g o n   C h r o n i c l e s :   T h e   M a i d e n s   o f   H e a v e n l y   M o u n t a i n s

Reviewed 12.9.04

Hongkong 1994 Der Halbgott Siu Yiu-Tze führt die mächtige San-Sekte an. Er hat drei Schülerinnen: Mo Han-Wen (Gong Li) sowie die Zwillinge Li Chou-Shui (Brigitte Lin Ching-hsia) und Li Chong-Hoi (Brigitte Lin Ching-hsia). Die lesbische Han-Wen liebt Chong-Hoi, doch auch Meister Siu hat sein Herz an sie verloren. Als er vom bösen Ting Chun-Chou (Norman Chu Siu-Keung), dem Anführer der Sing-Suk-Sekte, vergiftet wird, zieht er sich mit Chong-Hoi auf den Piu-Miu-Gipfel zurück, zu dem kein Sterblicher vordringen kann. Das bringt Han-Wen in Rage, weil sie Chong-Hoi liebt - und Chou-Shui wird ebenso wütend, weil sie Meister Siu liebt. Die beiden Frauen lassen ihre Wut aneinander aus, denn an die Kraft Sius kommen sie nicht heran. Doch der Meister ist durch das Gift geschwächt. Er sucht jemanden, dem er seine Kräfte weitergehen kann und lässt Kandidaten deshalb zum übersinnlichen Schachspiel antreten. Während ein Held nach dem anderen versagt, baut sich Chou-Shui auf Erden ein Reich auf. Dazu verbündet sie sich mit Ting. Der vernichtet nach und nach Shaolin-Schulen. Bei einer kann der junge Mönch Hui-Chok (Frankie Lam Man-lung) in letzter Minuten mit der Anleitung der Yi-Ken-Technik fliehen. Er gerät an Tings machthungrige Gespielin Purple (Sharla Cheung Man). Purple merkt, dass Hui-Chok Sius Nachfolger werden könnte und bringt ihn dazu, Richtung Piu-Miu-Gipfel zu ziehen.
Wenn ein Film viele Alternativtitel hat, ist er oft im ersten Anlauf gefloppt. Unter dem Namen "Semi-Gods and Semi-Devils" kam 1994 diese Extravaganz in die Hongkong-Kinos und rasselte bei den Zuschauern durch. Dies trotz der Mitarbeit von Brigitte Lin auf dem Höhepunkt ihrer Popularität sowie Gong Li in einer ihrer wenigen Nicht-Arthaus-Auftritten. Die chinesische Frauen-Troika von Lin (Hongkong), Li (VR China) und Cheung Man (Taiwan) konnte den Streifen nicht vor dem Absturz retten. Die Ursache dürfte aber wohl kaum bei ihnen liegen, sondern bei Drehbuchautor "
Charcoal" Cheung Tan (Iron Monkey). Er hat den komplexen Roman von Wuxia-Schreiberling Louis Cha (alias Jin Yong) zu einem konfusen Mischmasch verarbeitet. Das passierte schon früheren Cha-Vorlagen wie etwa Swordsman, doch hier ist es von der ersten Minuten an offensichtlich, dass Cheung sein Material nicht im Griff hat.
Immerhin macht der mittelmässige Regisseur Andy Chin das Beste daraus. "The Dragon Chronicles" dürfte wohl seine beste Arbeit sein. Er lässt einfach nie die Zügel hängen und treibt die "Geschichte" voran als gäbe es kein Morgen. Ob er die Zuschauer auf dem Weg verliert, scheint ihm egal. Er fesselt einfach weiter mit Akrobatik, schönen Frauen und irren Szenerien. Wegen dem kann ich "The Dragon Chronicles" nicht als schlecht einstufen. Aber aus kritischer cineastischer Sicht liegen dennoch nicht mehr als 2½ Sterne drin. Dazu ist der Streifen dann doch zu wenig durchdacht.
Die schöne Gong Li kam mir viel zu kurz. Ihre Rolle wird sträflich vernachlässigt. Brigitte Lin, die einmal mehr eine Doppelrolle verkörpern darf, erwischts besser und sie spielt ohne den Hauch von Ironie - was dem Werk letztendlich hilft. Den Comic Relief übernimmt Cheung Man in einer akzeptablen Performance. Etwas blass: Norman Chu beim Overacten und Frankie Lam, der angesichts der Frauenpower in die zweite Reihe zurücksteht. Aber eigentlich trifft das ja auch alle Akteure zu: "The Dragon Chronicles" ist kein Schauspieler-Film, sondern ein Fantasy-Konstrukt im Stile von Tsui Harks Zu Warriors, das visuell aus allen Rohren feuert. Laserstrahl-schiessende Zauberer, fliegende Fighter, neblige Sets, wehende Kostüme, mörderische Riesenskorpione, transportierbare Chi-Kraft und multisexuelle Liebesbeziehungen: Da werden Schwerkraft und Logik aus ihrem Fundament gehebelt und man sollte den Film für den Augenblick geniessen. Dann ist der Bildersturm ja ganz hübsch ...
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch und Mandarin 2.0 mit eingebrannten engl. UT. Widescreen.
Alternative Titel: Xin tian long ba bu zhi tian shan tong lao; The Dragon Chronicles; 8 Guardians of Buddhism; Dragon Chronicles: The Maidens; Semi-Gods and Semi-Devils; The Immortals; Dragon Chronicles: Maidens of Heavenly Mountain;
San tin lung baat bo chi tin saan tung lo; New Eight Section Sky Dragon: The Ancient Virgin of Heavenly Mountain; Demi-Gods and Semi-Devils; The Maidens of Heavenly Mountain; 天龙八部之天山童姥
Regie: Andy Chin Wing-keung

Fantasy-Action

Action * * * *

Humor *

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D r u n k e n   M a s t e r   I I   ~   J u i   k u e n   I I

Reviewed 14.6.04

Hongkong 1994 Wong Fei-Hong (Jackie Chan) kehrt mit seinem Vater, dem Heiler Kei-ying (Ti Lung ), in die Heimat zurück. Im Schlepptau haben sie allerlei Wurzeln, Kräuter und Medikamente. Als ein vermeintlicher Dieb (Regisseur Liu Chia-Liang) aus dem Zug eine Kiste klaut, verfolgt Fei-Hong ihn und tauscht die Diebeswahre gegen eine Schachtel mit Ginseh aus. Daheim müssen Fei-Hong und seine Stiefmutter (Anita Mui Yim-Fong) gehörig improvisieren, damit Mr. Wong nicht merkt, dass sein Ginseh fehlt. Noch schlimmer: nun sitzt Fei-hong auf dem geklauten Gegenstand. Es handelt sich um ein kaiserliches Siegel, hinter dem Schergen her sind, die es nach England bringen wollen.
Wow. Der legendäre Shaw Brothers-Regisseur Liu Chia-Liang und Jackie Chan haben mit "Drunken Master II" eine der Glanzstunden des Martial-Arts-Genres gedreht. Genial choreografiert, gnadenlos witzig und unglaublich unterhaltsam. Vielleicht Jackie Chans bester Film. Und sicher einer, den sich der geneigte Fan nicht entgehen lassen darf. Das Werk beginnt relativ zahm. Ich mochte den ersten Fight zwischen Chan und Regisseur Liu nicht besonders - und nicht nur, weil Jackies Schwert aussieht wie billiges Blech. Doch sobald sie mit Fäusten anfangen, gehts rund. Und von da an wirds bloss noch besser.
Der erste Drunken Master, gedreht von
Yuen Woo-ping, war auch schon super, doch diese Fortsetzung (eine andere entstand 1979 als Dance of the Drunk Mantis) ist besser, weil sie etwas richtig macht: den Humor. Ich musste wirklich herzhaft lachen, was sonst beim kantonesischen Humor nicht immer der Fall ist. Vor allem Anita Mui ist eine komödiantische Offenbarung. Ihre schnippischen Dialoge, ihr zickiges Verhalten - sie reisst damit jede Szene, in der sie vorkommt, an sich. Auch Chans Gags sitzen weitgehend. Als Kontrast dazu gibt es einige würdevolle Co-Stars. So eben Regisseur Liu Chia-Liang persönlich, Shaw Brothers
-Veteran Ti Lung (The Heroic Ones), der nur 8 Jahre älter ist als Jackie, aber mit Grazie in die Rolle wächst. Und Andy Lau (Infernal Affairs) in einer Mini-Rolle als Agent.
Ebenfalls ein Ausgleich zum Humor bieten die Kämpfe. Die werden immer wie roher. Chan betrinkt sich hie und da, doch das Besauffen des Kämpfens Willen wird stigmatisiert. Auch der Gebrauch von tödlichen Waffen ist tabu. Dennoch würde wohl niemand sagen, das 20-minütige Finale sei soft. Wie Jackie durch Kohlen robbt, in Flammen steht, von Gegenständen fällt und gegen Wände prallt ist unglaublich. Er und sein Stunt-Team leisteten ganze Arbeit. Liu Chia-Liang
und Chan haben sich während dem Dreh zerstritten, doch ob sie nun gemeinsam choreografierten (der geniale Fight im Restaurant) oder Chan alleine (das Finale) - das Resultat ist in jedem Fall atemberaubend. Ohne Jackie Chan drehte Liu danach Drunken Master III - mit sichtlich enttäuschenderem Resultat ...
"Drunken Master II" sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Auf DVD hat das Meisterwerk aber noch keine optimale Präsentation gefunden. Die alte HK-DVD in chinesisch mit englischen Untertiteln ist out-of-print, seit Miramax die US-Rechte für den Film gekauft hat. Die neue WB-Disk aus Hongkong (die ich besitze) hat Mandarin, Kantonesisch und den englischen Dub, leider keine Untertitel. Aber die Synchro ist nicht so übel. Die US-Version ist sogar nur in Englisch, dafür in 5.1. Zudem ist das Ende leicht modifiziert.
Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Kantonesisch, Mandarin und Englisch 2.0. Keine englischen Untertitel. Widescreen (nicht anamorph).
Alternative Titel: Jui kuen II; Jackie Chan: Drunken Master; Drunken Master 2; The Legend of the Drunken Master; Legend of Drunken Master; 醉拳2
Regie: Liu Chia-Liang

Actionkomödie

Action * * * *

Humor * * *

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D r u n k e n   M a s t e r   I I I   ~   J u i   k u e n   I I I

Reviewed 12.9.04

Hongkong 1994 1911 stürzten Revolutionäre um Sun Yat-sen die Qing-Herrschaft. Doch das Land konnten sie noch nicht einen. Der ehemalige kaisertreue Opportunist Yuan Shi-Kai (Ka-Kui Ho) wird wenig später zum Staatschef unter Kind-Kaiser Pu-yi  ernannt, um weitere Unruhen zu vermeiden. Doch die "White Lotus"-Sekte hat Grösseres mit ihm vor: Er soll der neue König werden. Dazu braucht er den Jade-Ring, den er jedoch seiner zukünftigen Gattin Sum Yu (Michelle Reis Ka-yan) geschenkt hat. Bevor Yuans Scherge, Gouverneur Li (Gordon Liu Chia-Hui), den Ring an sich nehmen kann, kidnappt der Sun-Revolutionär Yeung Kwan (Andy Lau Tak-Wa) Yu und bringt sie zum Arzt Wong Kei-Ying (Adam Cheng Siu-Chow). Der angesehene Mann verpflichtet seinen heissblütigen Sohn Wong Fei-Hong (Willie Chi Tian-Sheng), auf Yu aufzupassen. Sie fliehen vor Li un d landen im Haus des engagierten Weinhändler Onkel Yan (Liu Chia-Liang), der Wong hilft, seinen Kampfstil zu verbessern ...
Beim Dreh von
Drunken Master II haben sich Shaw Brothers-Regisseur Liu Chia-Liang und Jackie Chan komplett zerstritten. Der Endschnitt des Films sowie einige Sequenzen übernahm Chan gleich selbst. Der gedemütigte Liu zog weiter und filmte den Film, den er im Sinn hatte. Wenn "Drunken Master 3" dieser Vision entspricht, kann man froh sein, dass beim zweiten Teil Jackie die Kontrolle übernahm: Der Streifen ist nämlich ziemlich misslungen. Im Vergleich zu den drei Vorgängern (Drunken Master, Drunken Master II, Dance of the Drunk Mantis) fällt er gravierend ab. Vom Vorgänger übernahm Liu denn auch nicht viel. Andy Lau, der im zweiten Teil eine Gastrolle spielte, ist diesmal als Star aufgeführt. Und der junge Wong Fei-Hong spielt die wieder die zentrale Rolle.
Doch schon da fangen die Probleme an: Andy Lau ist für den Film absolut unnötig, wieso er als erstes in den Credits steht, bleibt fraglich. Er hat nichts zu tun! Die eigentlichen Stars sind Michelle Reis und Willie Chi. Willie ist vielleicht der schwächste Wong-Darsteller, den es je gab. Er verleiht der legendären Figur weder Charisma noch Charme noch Kraft. Dass der Film zeitlich wohl schlecht angesiedelt ist, ist dabei noch das Tüpfelchen auf dem "i": Wong Fei-Hong lebte von 1847 bis 1924 und die "Drunken Master"-Filme handeln alle vom jungen Wong. D.h., sie spielen sehr grob geschätzt zwischen 1865 und 1885. In Teil drei fahren aber bereits Autos umher, die Qing-Dynastie ist gefallen. Zu dieser Zeit müsste Wong Fei-Hong etwa 50 Jahre alt sein ...
Von den restlichen Akteuren ist auch niemand gross gefordert. Liu Cua-Liang selbst ist noch recht gut als Onkel Yan, der arme Simon Yam Tat-Wah darf einen Schwulen spielen, Gordon Liu ist verschenkt in einer Deppen-Rolle. Nur Michelle Reis kann einigermassen glänzen - was wohl primär an ihrer Schönheit liegt. Die Inszenierung ist lustlos, die Musik mässig, die Action erstaunlich dürftig. Ein Highlight ist Lius Trainingskampf gegen Willie, der auf einem Dach spielt. Ansonsten alles schon mal da gewesen - und von Liu ohne viel Flair umgesetzt. Es ist bezeichnend, dass diese lebende Legende danach in Pension ging und erst im Jahr 2002 ein (mässiges) Comeback mit Drunken Monkey versuchte. Seine Künste waren anscheinend nicht mehr so gefragt. Nun waren moderne Choreographen am Werk - massgeblich Yuen Woo-Ping mit der Once Upon a Time in China-Reihe.
Doch der ganz grosse Schwachpunkt liegt bei der Geschichte. Sie ist wild zusammengestückelt aus Wong-Fei-Hong-Streichen, Revolutionsplot, Ausländer-Invasion, White Lotus Sekte und Lovestory. Die Sekte kommt am albernsten weg. Der historischen White-Lotus-Kult entstand im 12. Jahrhundert und bildete sich nach der anti-mandschurischen "White Lotus Rebellion" (1796-1804) zurück. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts formierte sich aus seinen Reihen die "Fists of Righteous Harmony", die alle Westler aus dem Land schmeissen (siehe OUATIC 2) wollten und für den sogenannten Boxer-Aufstand (1898-1900) verantwortlich waren. Hier im Film wird die Sekte von einem kaukasischen Jüngling angeführt. Wieso? Keine Ahnung. Liu Chia-Liang liefert kaum je eine logische Erklärung für etliche Elemente seines Films. Wäre die Action gut, man könnte es ihm verzeihen. Doch da nichts vom Stuhl reisst, hat man Zeit, der Story zu folgen. Und die ist doof. Schade.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch 2.0 mit eingebrannten engl. UT. Widescreen.
Alternative Titel: Jui kuen III; Drunken Master 3; Drunken Fist 3; Drunken Master Killer;
Zui Quan III 醉 3
Regie: Liu Chia-Liang

Actionkomödie

Action * * *

Humor * *

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T h e   E a g l e   S h o o t i n g   H e r o e s   ~   S e d i u   y i n g h u n g   t s u n   t s i   d u n g   s i n g   s a i   t s a u

Reviewed 26.8.04

Hongkong 1993 Die Königin (Veronica Yip Yuk-Hing) des Reichs "Goldenes Rad" und ihr Liebhaber und Cousin Feng Ou-yang (Tony Leung Chiu-Wai) wollen den Kaiser stürzen, dazu brauchen sie das Jade-Siegel. Das ist im Besitz der dritten Prinzessin (Brigitte Lin Ching-hsia). Die beiden Intriganten können sie nicht erwischen und suchen die Grossvisirin (Maggie Cheung Man-Yuk), damit sie die Prinzessin per Magie aufstöbere. Unterwegs fallen Ou-yangs magischen Schuhe runter und landen auf dem Kopf des Taoisten Ma Ju. Kurz bevor er stirbt, trifft die Prinzessin auf ihn, weshalb Chou Po-tung (Carina Lau Ka-Ling) glaubt, die Prinzessin habe ihn getöet. Po-tung ist ein Mann, der glaubt, er sei eine Frau und deshalb auf Männer steht - vor allem "seinen" Bruder Wang Chung-Yang (Kenny Bee). Die beiden nehmen die Verfolgung der Prinzessin auf. Diese trifft derweil auf Wang Yao-shih (Leslie Cheung Kwok-wing), der in sie verliebt ist. Wangs Begleiterin (Joey Wong Cho-yin) ist ihrerseits unsterblich verliebt in ihn - kann es ihm jedoch nicht zeigen. Die drei ziehen zusammen weiter in ein Hotel. Derweil trifft Ou-yang auf den Bettel-Kämpfer Hung Chi (Jacky Cheung Hok-Yau), der sich umbringen will, weil er unglücklich in Wangs Begleiterin verliebt ist. Ou-yang will ihm helfen und ihn töten, doch reflexartig verteidigt er sich so lange, bis Ou-yang geschlagen ist und geschwollene Lippen und Riesenohren hat. Die beiden ziehen ebenfalls Rchtung Hotel. Dort taucht auch Prinz Tuan Wang-yeh (Tony Leung Ka-Fai) auf, der Verlobte der Prinzessin, der nach seiner "wahren Liebe" sucht. Sie hat drei "6" auf der Brust - und wenn sie dreimal sagt, "ich liebe dich", würde der Prinz unsterblich. Tatsächlich hat ausgerechnet Wang Yao-shih drei "6"! Doch der weigert sich, "ich liebe dich" auszusprechen.
Während Wong Kar Wai sein
Epos Ashes of Time drehte, lieh er Crew und Stars an seinen Assistenten Jeffrey Lau aus, damit er mit ihnen einen "kleinen" Film drehen könne. Wong assistierte als Executive Producer, hinter der Kamera stand Peter Pau und für die Action zeichnet Sammo Hung verantwortlich. Doch wer nun einen Film im Stile von Ashes erwartet, ist falsch gewickelt: "The Eagle Shooting Heroes" ist eine irre Parodie. Und ich meine irr. Keine Grenzen, kein Geschmack, kein Plot. Bloss ein gigantisches Durcheinander mit Stars auf LSD und Ideen aus dem Brainstorming einer Irrenanstalt. Mit anderen Worten: Ein grandioser Spass und sicher nicht so bedeutungsschwanger wie Ashes of Time. Um euch einzustimmen, habe ich ein paar Bilder zusammengestellt: hier.
Die Charaktere sind die selben wie in Wong Kar Wais Film, einfach mit etwas umhergeschobener Besetzung. Zudem ist Joey Wong dabei, die bei Ashes of Time durch Charlie Yeung ersetzt wurde. Selbst die Vorlage stammt auch von Louis Cha. Doch daraus macht Jeffrey Lau eine Ansammlung von Absurditäten: Schwule Musical-Einlagen, Raketen-Schuh, Fussball mit einem fliegenden Kopf, Tausendfüssler im Magen, Tony Leung Chiu Wai als Affenmensch, Frosch-Kung-Fu - das sind nur einige der abstrusen Ideen, die es in dem Film zu sehen sind. Die Akteure machen voll mit. Man sehe die Cast-Liste und staune, dass diese heutigen Top-Stars sich vor so einen Quark hergaben. Denn man kann es kaum anders sagen: Nüchtern betrachtet ist "The Eagle Shooting Heroes" ein schrecklicher Film ohne Plot mit etlichen Wiederholungen und groteskem Spiel. Ich musste konstant schmunzeln, doch der schlacksige HK-Humor geht mit der Zeit auf die Nerven und man hat einen gehörigen Overload. Das soll nicht heissen, dass "Eagle Shooting Heroes" keinen Spass macht. Macht er.
Die Sets sind knallbunt, die Akteure over the top, die Musik verspielt, die Action meist im Zeitraffer. Natürlich ist keine Faser des Films ernst gemeint, doch letztendlich versteht man eben doch nur Bahnhof und guckt sich das Ganze für seine Einzelszenen an. Für Toad Shen-Kong, für "Würstchen-Lippe"-Tony (Chiu Wai), für den schwulen Tony (Ka Fai) und viel viel mehr. Ihr werdet wohl nie einen schrägeren Film aus Hongkong erleben, als diesen. Das ist ja auch was!

Hier auf DVD erhältlich (GB)

Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch und Mandarin 2.0 mit eingebrannten englischen Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph).
Alternative Titel: The Eagle Shooting Heroes: Dong Cheng Xi Jiu; Sediu yinghung tsun tsi dung sing sai tsau; Dong Cheng Xi Jiu; She diao ying xiong zhi dong cheng xi jiu; Eagle Shooting Heroes: East Becomes West
Regie: Jeffrey Lau Chun-Wai

Komödie

Humor * * * *

Action * *

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F a r e w e l l   M y   C o n c u b i n e   ~   B a   w a n g   b i e   j i

Reviewed 11.12.04

China / Hongkong 1993 Mitte der 20er-Jahre gibt die Prostituierte Yonhong (Jiang Wengli) ihren Sohn Douzi (Ma Mingwei) bei einer Pekingoper-Schule ab. Damit der Bub überhaupt aufgenommen wird, hackt sie ihm seinen überzähligen sechsten Finger ab. Auch danach wartet auf Douzi viel Leid. Die Buben werden geprügelt und misshandelt, auf dass sie einst zu brauchbaren Künstlern werden. Douzi freundet sich bald mit Shitou (Fei Yang) an. Zusammen werden sie immer besser. Als Teenager sind Shitou (Zhao Hailong) und Douzi (Yin Zhi) bereits ein eingespieltes Duo. Während Shitou in der Aufführung "Lebewohl, meine Konkubine" den König spielt, verkörpert der zierliche Douzi die Konkubine Yu. Dadurch zieht er auch die lüsternen Augen älterer Männer auf sich, so etwa vom Mäzen Yuan Shiqing (Ge You). Der erwachsene Douzi nennt sich Cheng Dieyi (Leslie Cheung Kwok-wing) und ist ein Star, ebenso Shitou, der unter dem Namen Duan Xiaolou (Zhang Fengyi) arbeitet. Die japanische Invasion, die nationalistische Herrschaft und der Sieg der Kommunisten beinflussen das Leben der beiden stark - doch wirklich auseinander treiben kann sie nur Pan Juxian (Gong Li). Shitou traf sie bei einem Bordellbesuch und heiratete sie.
Von den Filmemachern der fünften Generation in China war mir Zhang Yimou immer der liebste. Viele Kritiker ziehen Chen Kaige vor (besonders wegen "Farewell My Concubine") und nicht wenige betrachten Zhang als den sentimentaleren der beiden. Mag sein, doch seine Filme haben Herz, Kurzweil und trotzdem Intelligenz. Zudem schlägt niemand Zhang Yimou, wenn es um Farbdramaturgie geht. Chen Kaige, das ist meine ganz persönliche Meinung, kann ihm in Sachen Inszenierung nicht das Wasser reichen. Keiner seiner Filme ist so gut wie Zhangs Raise the Red Lantern, To Live oder sogar der scheinbar triviale House of Flying Daggers.
Nicht einmal "Farewell My Concubine", Chens pièce de résistance. Kein Zweifel: Das fast dreistündige Epos ist ein brillanter Film. Aber eben einer, der mich auf einer rein intellektuellen Ebene stimuliert und mich emotional überraschend kalt lässt. Das kann ich von einem Zhang-Yimou-Film nie behaupten. "Farewell My Concubine" funktioniert auf zwei Ebenen. Zum einen erzählt er von der umbruchreifen Geschichte des modernen Chinas, zum anderen vom persönlichen Drama zweier Peking-Oper-Sänger. To Live bot ein Jahr später eine ähnliche Struktur, aber weniger verkünstelt. Dieses artifizielle Element ist durch das Setting der Peking-Oper gegeben: Die Peking-Oper ist für westliche Ohren relativ anstrengend. Die Stimmen böse gesagt krächziger als bei der vergleichbaren Huangmei-Oper (The Love Eterne). Bereits dieser Aspekt distanziert den Zuschauer von den Ereignissen.
Auch die Darsteller sind entsprechend künstlich. Leslie Cheung, der immer fragil wirkt, spielt sensationell gut, aber auf sehr chinesische Art unterkühlt. Und Gong Li kann nicht aufblühen wie in einem Zhang-Yimou-Film. All das meine ich durchaus kritisch, aber mindert meine Ehrfucht vor dem Film nur bedingt. Chen Kaige vermischt seine Erzählebenen virtuos und erzählt die Geschichten in der epischen Form eines David Lean. Die äusseren, historischen Elemente verlaufen manchmal parallel zu den emotionalen Ereignissen und diese wiederum parallel zu der Geschichte des Peking-Oper-Stücks "Farewell My Concubine". Diese völlie Vermischung wird auf Leslie Cheungs Charakter gemünzt. Er verliert schnell den Kontakt zur Realität und sein Schicksal scheint sich jenem von Konkubine Yu anzunähern.
Musik, Bilder und Darsteller sind durchs Band souverän, weshalb auch so etwas wie Langeweile kaum aufkommen kann. Nach 172 Minuten hat man eine kritische Geschichtslektion geboten bekommen, einen Einblick in die chinesische Opernkultur und ein bisexuell angehauchtes Liebes-Dreieck. Alles in einem Film. Das ist Chen Kaiges grosses Verdienst. In Cannes sahen die Kritiker es genauso und verliehen "Farewell My Concubine" die Goldene Palme. In Hollywood gabs eine "Oscar"-Nomination für den besten ausländischen Film. Die chinesische Führung war freilich über die Präsentation der Kommunisten im Film nicht entzückt. Der Film wurde mehrfach zensiert und verboten, ein Schicksal, das Chen Kaige mit anderen fünft-Generation-Filmemachern verbindet.
Wer chinesisches Kino liebt, kommt um dieses Epos letztendlich nicht herum. Technisch beeindruckend, recht bewegend und kulturell erquickend präsentiert Chen Kaige ein Meisterwerk. "Farewell My Concubine" mag nicht so genial sein wie Raise the Red Lantern oder so zu Tränen rührend wie To Live - aber welche Filme sind das schon ...?

Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Mandarin2.0. mit englischen Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph).
Alternative Titel: Ba wing bie ji; Lebewohl, meine Konkubine
Regie: Chen Kaige

Drama

Spannung * *

Anspruch * * *

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F i r e   D r a g o n   ~   H u o   y u n   c h u a n   q i

Reviewed 22.10.04

Hongkong / Taiwan 1994 Der sechste Prinz (Sin Lap-Man) will mit Hilfe des Königs von Tulan den Kaiser stürzen. General Chueng will den Herrscher von diesen Plänen unterrichten, doch des Prinzen Killerin "Fire Dragon" (Brigitte Lin Ching-hsia) tötet ihn. Der junge Yuen Ming (Max Mok Siu-Chung) nimmt den Brief an sich und entwischt "Fire Dragon". Er gelangt zum Kaiser, hat aber den Brief nicht mehr bei sich. Er muss ihn unterwegs im Haus der schräge Zirkustruppen-Führerin Tang Lyn-Yu (Sandra Ng Kwan-Yue) verloren haben. Er kehrt zurück und muss sich fortan gegen Lyn-Yus Avancen wehren. Er muss aber auch auf der Hut sein, denn "Fire Dragon" hat sich als normales Mädchen getarnt und ist ihm gefolgt.
Ich bevorzuge Yuen Woo-pings Martial-Arts-Choreografie in Hand-zu-Hand-Kämpfen. Im Wuxia-Genre mit Schwertern und langen Röcken ist in meinen Augen Ching Siu-Tung eine Spur besser. Doch dieser Versuch Yuens, einen Wuxia-Streifen zu drehen, kann man durchaus als geglückt ansehen. "Fire Dragon" fällt zwar gegen Yuens unmittelbar zuvor gedrehte Werke wie
Iron Monkey ab, bietet aber noch immer genug luftig-akrobatische Action. Am spektakulärsten ist der Einsatz von Feuer, den Yuen hier in ganz neue Dimensionen vorantreibt. Das Finale ist ein explosives, gigantisches Feuerwerk, das die Martial-Arts-Sequenzen darin gleich noch umwerfender macht.
Die Geschichte wirkt dagegen nicht halb so inspiriert. Die ganze Verschwörungsmasche ist alter Tabak und Yuen Mings humorvolle Abstecher in das Etablissement von Lyn-Yu mit der Zeit etwas langweilig. Was diese Passagen im Film schlussendlich aber rettet, ist eindeutig Brigitte Lin. Sie war Anfang der 90er auf dem absoluten Höhepunkt ihrer Popularität und ist schon mit ihren Augen besser als manche andere Hongkong-Schauspielerin dieser Zeit. Sie fliegt, sie flirtet, sie feuert aus allen Rohren - und sieht in jeder Position gut aus.
Eine eher ungewöhnliche Wahl für den männlichen Helden ist Max Mok. Der Once Upon a Time in China 2-bis-5-Sidekick wirkt etwas gebrechlich, doch dank Yuens Choreografie vermag er zu überzeugen. Die Wahl fiel wohl auch auf ein, weil Brigitte die wahre Heldin sein muss und ein schwacher männlicher Co-Star ihre Präsenz noch unterstreicht. Sandra Ng ist passabel und vorwiegend für die Comedy zuständig. Und Sin Lap-Man ist angenehm sadistisch. Eigentlich hätte ich mir mehr von ihm gewünscht, doch spätestens zum Finale darf er richtig loslegen.
"Fire Dragon" ist für alle Fans von Wire-Fu klar empfehlenswert. Es gibt genügend Action und attraktive Choreografie, um zu entzücken. Obwohl das Budget kleiner war als bei Tsui Hark-Filmen dieser Ära, macht Yuen Woo-ping das Beste daraus und liefert all das, was das fantastische Martial-Arts-Kino der frühen 90er so zeitlos macht. Great fun!

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch und Mandarin 2.0.
Eingebrannte englische Untertitel. Widescreen (nicht anamorph).
Alternative Titel: BHuo yun chuan qi; The
Fiery Dragon Kid; Fiery Romance; Fo wan jun kei
Regie: Yuen Woo-ping

Actionfilm

Action * * * *

Humor *

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F i s t   o f   L e g e n d   ~   J i n g   w u   y i n g   x i o n g

Reviewed 5.4.04

Hongkong 1994 1937 studiert der Chinese Chen Zhen (Jet Li) in Japan. Als er erfährt, dass sein Meister ermordet wurde, kehrt er in das japanisch besetzte Shanghai zurück. Seine "Jingwu Mun"-Schule wird nun von Hou Ting-An  (Chin Su-hou) geleitet, dem Sohn von Chens Meister. Er wagt keinen Gegenschlag, doch Chen zieht los, und attackiert den vermeintlichen Mörder, Akutagawa Ryuichi (Jackson Liu). Noch während dem Kampf wird Chen klar, dass dieser zu schwach ist, um den Meister ermordet zu haben. Er folgert: Der Meister wurde vergiftet. Aber von wem? Vom bösen japanischen General Fujita (Billy Chow Bei-Lei). Der tötet Ryuichi und schiebt den Mord Chen in die Schuhe. Nur dank dem Eingreifen der Japanerin Mitsuko Yamada (Shinobu Nakayama) wird Chen freigesprochen. Doch da er mit Japanern befreundet ist, wird Chen aus der Schule geworfen und zieht in die Berge. Dort misst er sich mit seinem japanischen Freund Fumio Funakochi (Yasuaki Kurata) und lernt neue Techniken. Die hat er auch bitter nötig, denn Ting-An will sich mit General Fujita messen - und Chen will ihm beistehen.
Offiziell stammt dieses Remake von Bruce Lees Klassiker Fist of Fury von Regisseur Gordon Chan (The Medallion). Treibende Kräfte hinter dem Projekt waren aber Star und Executive Producer Jet Li sowie der Yuen-Clan - Yuen Woo-ping war Chefchoreograf. In den Passagen, in denen nicht gekämpft wird, hält Gordon Chan das Tempo aufrecht und flicht wie bei Bruce Lees Vorgänger Japan-Kritik ein. Dies jedoch subtiler: Auch bei den Chinesen gibts rückwärtsgewandte Menschen und auch bei den Japanern gibt es einsichtige Männer. Das ermöglicht auch ein softeres Ende. Überhaupt ist "Fist of Legend"
weniger brutal in Sachen Blutvergiessen als Fist of Fury - aber die Fights sind dennoch hammerhart.
Jet Li ist in agiler Bestform und seine Fights mit Yasuaki Kurata sowie Billy Chow sind der Wahnsinn. Mit Unterstützung von etwas Wire-Fu und Zeitraffer choreografierten die Yuens Fights, die bereits stark ihren späteren "Matrix"-Stil widerspiegeln. Krasse in-der-Luft-Kollissionen, Überschläge, Zeitlupen-Schläge, zerstörerische Kicks und Punchs, alles ist dabei. Lis Stil erinnert bisweilen an Thaiboxing, doch damit knüpft er an Bruce Lees Film an, der ja weniger die Ästhetik des Kampfes propagierte, sondern dessen Effektivität. Doch selbst hier birgt "Fist of Legend" einen kleinen Twist: Martial Arts kann noch so schnell, hart und effektiv sein, es steckt doch mehr dahinter, als Töten. Oder wie Yasuaki Kurata so weise sagt: "Der beste Weg, jemanden zu töten, ist eine Pistole. Das Ziel von Martial Arts ist es, die Energie zu maximieren. Und dazu muss man das Leben und das Universum verstehen".
"Fist of Legend" ist nur knapp ein 4-Stern-Film, weil die Frauenrollen etwas blass geraten sind, Lis Spiel ausserhalb der Kampfszenen auch schon besser war und es im Anfangsteil ein paar Längen hat. Doch "Fist of Legend" ist ein absolut würdiges Remake mit erstklassigen, furiosen Kampfszenen und mehr Tiefgang, den man erwarten würde. Für viele Martial-Arts-Fans ein moderner Klassiker.
PS: Die koreanische, amerikanische und britische DVD-Fassung ist cut, letztere zudem Englisch dubbed. Die französische DVD ist nur im Vorspann cut, hat aber nur französische Unteritel. Die taiwanesische DVD ist uncut, hat aber nur mässige Bild- und Tonqualität - und ist leider out-of-print.
Hier auf DVD erhältlich (US)
Meine Disk (Taiwan): Code 0 NTSC. Mandarin 2.0 mit eingebrannten engl. UT. Widescreen (nicht anamorph)
Alternative Titel: Jing wu ying xiong;
精武英雄
Regie: Gordon Chan Ka-Seung

Actionfilm

Action * * * *

Spannung * *

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F l i r t i n g   S c h o l a r

Hongkong 1993 Ausführliche Kritik: hier.

 

F o n g   S a i - Y u k

Reviewed 29.1.05

Hongkong 1993 Der Beamte Tiger Lu (Chan Chung-yung) glaubt, er sei in Kanton zu wenig beliebt. Um bei den Massen anzukommen, richtet er ein Martial-Arts-Turnier aus. Der Sieger darf seine Tochter Ting-Ting (Michelle Reis Ka-yan) heiraten. Doch die Aufgabe scheint unmöglich, denn Lus Frau Siu-Wan (Sibille Hu Hui-zhong) wehrt alle potenziellen Schwiegersöhne im Kampf ab. Nur einer hält mit ihr mit: Der örtliche Martial-Arts-Held Fong Sai-Yuk (Jet Li). Gerade, als er sie besiegen könnte, sieht er die Tochter - doch es sitzt nicht Ting-Ting am Platz, sondern ihre nicht gar so attraktive Dienerin. Sai-Yuk ist derart schockiert, dass er Mrs. Lu gewinnen lässt und verduftet. Als seine Mutter (Josephine Siao Fong-fong), eine talentierte Kämpferin, dies hört, will sie die Ehre ihres Sohnes retten, verkleidet sich als Mann und besiegt Mrs. Lu. Tiger Lu kommt bald darauf seinen Schwiegersohn abholen und verheiratet ihn. Doch gerade als Sai-Yuk endlich merkt, dass seine Frau die Ting-Ting ist, die er zuvor lieben lernte, gibts Probleme: Sein Vater (Paul Chu Kong) gehört den "Red Lotus Flower Society" an, einer Gruppe, die gegen den Ching-Kaiser Chien Lung rebelliert. Mr. Fong ist im Besitz einer Liste aller Rebellen. Der Ching-Gouverneur (Vincent Zhao aka. Chiu Man-Cheuk) will diese an sich bringen und ihm ist bei seiner Aufgabe keine Tat zu brutal.
Normalerweise halte ich mich ja an die Regel, asiatische Filme unter ihrem englischen Titel einzuordnen. Bei "Fong Sai-Yuk" weigere ich mich. Zum einen ist der US-Titel "The Legend" so willkürlich, dass er keine Zuordnung zulässt, zum anderen ist die von Dimension (Buena Vista) derart zerstückelte und nur englisch synchronisierte Fassung derart bekackt, dass eine Assoziiation mit diesem Produkt geradezu unmöglich ist. Also heisst der Film "Fong Sai-Yuk". Basta. Leider ist er unter diesem Titel so gut wie nicht mehr zu kriegen. Die meisten Online-Shops führen ihn nicht mehr, was auch erklärt, wieso meine Kritik so lange auf sich warten liess. Ich hab ihn gefunden, hier meine Gedanken.
Wow. "Fong Sai-Yuk" gehört zu Jet Lis besten Filmen. So manch kritischer Geist bemängelt das Fehlen von Tiefgang, doch mich hat das in keiner Weise gejuckt. "Fong Sai-Yuk" ist allerbestes Entertainment, das wagemutig Comedy, Action und Drama vereint. Regisseur und Choreograf Corey Yuen inszeniert den Streifen im typischen frühen 90's-Stil mit viel Power-Powder, Kameraexzessen und Nebel-Licht-Kontrasten. Visuell würde ich ihn kaum als herausragend bezeichnen, aber in manch anderen Belangen schon. Primär natürlich bei der Action. Yuen hat wirklich klasse Fights hingekriegt, die teilweise an Orten spielen, die man so nicht kannte. Etwa auf den Köpfen der Zuschauer oder unter dem Holzboden, weshalb der Kampf geduckt ausgeführt wird. Jet Li biegt und haut wieder formidabel, seine Co-Stars stehen ihm in nichts nach. Kämpferisch aber auch schauspielerisch absolut empfehlenswert.
Doch da hören die Qualitäten nicht auf. Besonders beeindruckt war ich vom Humor, der sonst in Martial-Arts-Streifen dieser Ära eher als Störefried auftaucht. Den gesamten Comedy-Track mit Mutter Fong (Josephine Siao) fand ich wunderbar. Ihre Hilfsbereitschaft, ihr Faible für Poesie, ihre "Liebe" zu Mrs. Liu - alles ist hervorrgand herübergebracht und amüsiert wirklich. Die erste Stunde hängt primär davon ab, wie gut man mit diesem Humor zu Rande kommt. Ich liebte ihn. Ein kleines, feines Beispiel, das übrigens in der US-Fassung nicht funktioniert: Fong muss sich ein Pseudonym zulegen. Er nennt sich kurzentschlossen Wong... nimmt die typische Once Upon a Time in China-Pose ein und es ertönt das Wong-Fei-Hong-Lied. Und bevor er "Fei-Hong" anhängen kann, sagt er Jing.
Wong Jing, das wissen die meisten sicher, ist einer von Hongkongs bekanntesten Produzenten und drehte mit Li im selben Jahr die gelungene Wong-Fei-Hong-Parodie Last Hero in China.
Die Probleme von "Fong Sai-Yuk" herauszustreichen, sollte niemandem schwer fallen: Das Tempo und der Ton sind uneinheitlich, Michelle Res unterfordert, die Musik etwas seltsam und die Kämpfe in manchen Momenten zu hastig geschnitten - aber profan gesagt "who gives a shit". Von der ersten Minute bis zur letzten, in der aus dem McGuffin der "Red Flower"-Liste die Credits werden, bietet "Fong Sai-Yuk" Nonstop-Entertainment mit allen Zutaten, die Corey Yuen zur Verfügung standen. Ich habe mich köstlich amüsiert - ich hoffe, ihr kriegt noch irgendwo eine DVD und könnt es mir gleichtun.
Noch im selben Jahr erschien eine Fortsetzung.

Hier auf DVD erhältlich (US, cut, dubbed)
Hier auf DVD erhältlich (HK)

Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch und Mandarin 5.1 mit engl. UT. Widescreen (nicht anamorph)
Alternative Titel: The Legend; The Legend of Fong Sai Yuk; Der Vollstrecker; Fong Shi-Yu; Fong Sa-Yuk; 方世玉
Regie: Corey Yuen Kwai

Actionkomödie

Action * * *

Humor * *

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F o n g   S a i - Y u k   I I   ~   F o n g   S a i - Y u k   I I:   W a n   f u   m o   d i

Reviewed 6.2.05

Hongkong 1993 Fong Sai-Yuk (Jet Li) ist nun ein Mitglied der "Red Lotus Flower Society" unter Führung von Chan Jia-lo (Adam Cheng Siu-Chow). Der erfährt, dass er der Bruder des Manchu-Kaisers ist. Wenn seine Anhänger dies erfahren, würde es ihm die Leitung der Society kosten, wodurch der machtgierige Yu (Chi Chuen-Hua) die Führung an sich reissen würde. Als eine Schatulle unterwegs ist, die das Geheimnis enthält, schickt Chan seine Krieger aus, um die Box von ihren japanischen Bewachern zu erobern. Obwohl Fong Sai-Yuk selbst von seiner Mutter (Josephine Siao Fong-fong) Hilfe bekommt, gelingt es ihm nicht. Dafür verliert die schöne Gouverneurstochter "Angie" Man-Yin (Amy Kwok Hoi Ming) ihr Herz an Fong. Sehr zum Missfallen von dessen Ehefrau Ting-Ting (Michelle Reis Ka-yan).
Das Sequel von Fong Sai-Yuk setzt nach dem Ende des ersten Teils ein und wiederholt nicht nur manche Szenen des Originals zu Beginn, sondern nutzt auch manche Plot-Stellen erneut - in leicht modifizierter Form. Dennoch bleibt "Fong Sai-Yuk II" durchaus eigenständig. Der Humor wurde zum Beispiel etwas zurückgeschraubt, die Vaterfigur fehlt und es gibt mehr Gewalt. Besser ist der Film dennoch nicht, denn zum einen wirkt der Humor diesmal nicht so gut in die Geschichte eingebaut. Zum anderen ist die Action als Ganzes zwar sauberer choreografiert, doch die ersten zwei Fights spielen im Halbdunkel. Das raubt den Szenen einen Grossteil des Reizes.
Der dritte grosse Kampf gibt dann aber Vollgas. Ein superbes Kräftemessen auf Flossen, wobei Fong die gelähmte
Angie als Waffe einsetzt - auch dies übrigens eine Weiterführung vom ersten Teil, wo eine Leiche als Waffe hinhalten musste. Von dieser Stelle an wird der Film wirklich gut, allfällige Startschwierigkeiten sind vergessen. Jet Li ist abermals sympathisch und charismatisch, die Chemie zu seiner "Mutter" Josephine Siao ist erneut bestens. Ein interessanter Neuzugang bildet niemand anderes als Regisseur Corey Yuen selbst, der den etwas unnötigen Charakter Li Guabang spielt, der immerhin einen deftigen Abgang aus dem Film hat. Und eine kuriose Halb-Nacktszene mit Josephine Siao. Nicht jeder Regisseur gäbe sich für eine solche Sequenz hin.
Eine weitere deftige Szene ist das Finale. Eingeleitet wird es durch die berühmte Passage, in der sich Fong mit mehreren Schwertern durch eine Menschenmenge metzelt - und dies erst noch blind. Der Teil fehlt übrigens in der deutschen DVD/Video-Fassung. Danach gibt er dem Bösewicht Saures und nutzt jedes herumstehende Stück Holz, um gleichzeitig seine Mutter vor dem Erhängungstod zu bewahren. Wirklich ein toller Abschluss für einen enorm unterhaltsamen Film. Ich würde "Fong Sai-Yuk II" nicht gar so hoch einschätzen wie den ersten Teil, aber empfehlen tue ich ihn kompromisslos.

Hier auf DVD erhältlich (US, cut, dubbed)
Hier auf DVD erhältlich (D, dubbed)
Hier auf DVD erhältlich (HK)

Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch und Mandarin 5.1 mit engl. UT. Widescreen (nicht anamorph)
Alternative Titel: The Legend 2; The Legend of Fong Sai Yuk 2; Der Vollstrecker 2; Jet Li - Iron Tiger; Fong Shi-Yu II: Wan fu mo di; Fong Sai-Yuk II; Gong fu huang di; 方世玉續集
Regie: Corey Yuen Kwai

Actionkomödie

Action * * *

Humor * *

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G r e e n   S n a k e   ~   C h i n g   S e

Reviewed 27.6.04

Hongkong 1993 Ching-sou (Joey Wong Cho-yin) ist eine magische weisse Riesenschlange, die 1000 Jahre lang trainiert hat, menschlich zu sein. Ihre "Schwester" Ching-se (Maggie Cheung Man-Yuk) ist die grüne Schlange, die bereits 500 Jahre in Menschengestalt lebt. Die beiden sind mächtig und verführerisch. So fällt es weisser Schlange leicht, den Lehrer Hsui Xien (Wu Hsing-kuo) zu umgarnen. Grüne Schlange wird neidisch und sucht sich auch einen Liebhaber. Sie hat es aber ausgerechnet auf den Mönch Fa-hai (Chiu Man-Cheuk alias Vincent Zhao) abgesehen. Der mächtige Mönch hat unlängst zu Unrecht einen Spinnen-Dämon (Tien Feng), der 200 Jahre versuchte, gut zu sein, zurückverwandelt, und will seine Tat nun wieder gut machen, indem er die richtigen Entscheidungen trifft. Er sieht das Gute in grüner Schlange, doch da sie in ihm Gefühle weckt, die er gar nicht haben darf, beunruhigt sie ihn.
Dieser Film raubt einem den Atem - und trotzdem kapiert man vielleicht die Hälfte davon. "Green Snake" knüpft nahtlos an die von Tsui Hark produzierte
Chinese Ghost Story-Reihe sowie sein Frühwerk "Zu Warriors" an und präsentiert eine visuelle Tour der Force, die vor Ideen und Farben zu bersten droht. Nicht nur das: "Green Snake" ist auch noch ein wahrhaft sinnliches Erlebnis mit Erotik, zauberhafter Musik und betörenden Darstellerinnen. Ein Gesamtkunstwerk, das nicht immer Sinn machen muss, um stets zu faszinieren.
Von Anfang an legt Tsui die Messlatte hoch und steigt mit hohem Tempo ein. Wenn er die Zügel lockerer lässt, bringt er etwas, was dafür entschädigt. Massgeblich Erotik. Wie sich Maggie Cheung um eine orientalischen Tänzerin schmiegt, wie Joey Wong und Cheung sich zärtlich umarmen oder wie Vincent Zhao die schwitzende Cheung beobachtet - all dies knistert enorm. Maggie Cheung ist sowieso fantastisch in dieser ungestümen Rolle. Ebenfalls sehr gut gefielen mir Vincent Zhao (Once Upon a Time in China IV + V) und Joey Wong. Wu Hsing-kuo
ist gut besetzt, er muss jedoch meistens ängstlich in der Gegend herumschauen. Eine Rolle, die im Hollywood-Kino eher an Frauen gehen würde. Doch hier gibt das "schwache" Geschlecht schliesslich den Ton an. De freudianischen Interpretationen lasse ich mal bei Seite, aber eine Welt, in der verführerische Frauen Schlangen sind, in der Mönche gegen ihre Lust ankämpfen und "Schwestern" sich gegenseitig lieben, schreit regelrecht nach Deutungsversuchen. Am fruchtbarsten ist jedoch weniger ein westlich-freudianischer Massstab, als mit buddhistischen Mythen und Gepflogenheiten zu argumentieren. Kennt man diese, dürfte man auch mehr als 50% verstehen. Auch Kenntnis von der chinesischen "White Snake"-Legende, die schon viele Filme beeinflusste (u. a. Madam White Snake), kann durchaus hilfreich sein.
Doch all dies ist letztendlich die Substanz hinter dem Vergnügen. "Green Snake" ist primär ein grandioser Unterhaltungsfilm, ein Fest für die Sinne. Die Farbgebung, der schnelle Schnitt, das atemberaubende Dekor, die gigantischen Kostüme, die tollen Akteure und die sinnliche Inszenierung ergeben zusammen einen Must-See-Film für alle Freunde des asiatischen Fantasy-Kinos. Es scheint, als habe Tsui Hark Anfang der 80er das Genre mit "Zu Warriors" revolutioniert und danach für andere Filmemacher das Feld geräumt. Mit "Green Snake" kehrte er zurück - und zeigte allen Nachahmern, wies gemacht wird.

Hier auf DVD erhältlich (US-Version)
Hier auf DVD erhältlich (HK)
Hier auf DVD erhältlich (SK)
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Kantonesisch 5.1, DTS, 2.0 und Mandarin 2.0 mit englischen Untertiteln.
Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel:
Ching Se; Qing she; Blue Snake; White Snake, Green Snake; 青蛇
Regie: Tsui Hark

Fantasyfilm

Action * * *

Erotik * *

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H e r o i c   T r i o   ~   D u n g   f o n g   s a a m   h a p

Reviewed 5.11.04

Hongkong 1994 Hongkong im 21. Jahrhundert: Die Stadt wird von einem mysteriösen Baby-Entführer terrorisiert, der bereits rund 20 Säuglinge gekidnappt hat. Die Täterin ist Ching alias "Invisible Woman" (Michelle Yeoh Chu-Kheng), die unter der Unsichtbarkeits-Kutte eines Wissenschafters (James Pak Chin-Shek) für jeweils eine Nacht unsichtbar werden kann. Die Entführungen nimmt sie für einen dämonischen Eunuchen (Yan Shi-Kwan) vor, der unter den Babies den neuen König Chinas finden will. Kommt ihm jemand in die Quere schickt er seinen Killer Kau (Anthony Wong Chau-Sang) los. Zwei Frauen kommen den Fieslingen jedoch in die Quere: Die maskierte "Wonder Woman" Tung (Anita Mui Yim-fong) und "Thief Catcher" Chat (Maggie Cheung Man-yuk). Tung ist bei Tag die Ehefrau des Polizisten Lau (Damian Lau Chung-yan), der im Baby-Entführungsfall ermittelt. Sie holt sich Chat nach einigem Hin und Her als Partnerin, will aber auch Ching auf die gute Seite locken. Was sie noch nicht ahnt: Ching hiess einst San Chan und war Tungs Schwester.
Johnny To brachte drei der besten Heldinnen Hongkongs für einen actionbetonten Fantasy-Frauenfilm zusammen. Alleine das ist schon Lob wert. "Heroic Trio" hat aber noch mehr zu bieten, massgeblich Tony Ching Siu-Tung. Der Chinese Ghost Story-Regisseur waltete als Produzent und Actionchoreograf. Sein berühmter Nebel-und-Blaulicht-Look ist in den Action-Momenten omnipträsent. Leider. Denn obwohl Ching sicherlich zu den besten seines Fachs gehört, ist sein visueller Ansatz in diesem Film schlecht gealtert. Er wirkt trashig und billig.
Die Kämpfe selbst sind ganz gut, doch Ching war immer am besten, wenn er Schwertkämpfe orchestrieren konnte. In "Heroic Trio" kommt eine Vielzahl anderer Waffen zum Einsatz (sogar die Flying Guillotine), alles verbunden mit nicht immer überzeugendem Wire-Fu. Rein quantitativ ist also für Action gesorgt, doch qualitativ ist sie nicht immer ganz auf der Höhe. Kombiniert man dies mit dem muffigen Look ist "Heroic Trio" stilistisch einfach nicht der Brüller.
Damit sind die Mängel noch nicht vollständig. Es fehlt die Story. Von einer solchen kann man eigentlich kaum reden, aber der Einfachheit halber benutze ich trotzdem diese Bezeichnung. Die Story ist wirr und grenzt an irr. Der Background der drei Frauen wird sehr schlecht ausgelotet. Wieso sie überhaupt zu ehemaligen Freundinnen machen, wenn daraus nichts wird, was dem Plot hilft? Welche zwei der dreien waren als Kinder zusammen? Wieso wechselte die eine den Namen? Die verwirrenden Elemente werden aufeinander getürmt, ohne zwingenden Grund. Drei Girls tun sich zusammen um einen dämonischen Krieger zu bekämpfen, der einen König von China küren will. Das hätte gereicht. Der Rest ist Firlefanz und wird dramaturgisch schlecht verkauft.
Aber, und das muss endlich gesagt sein, das ist letztendlich egal. Denn "Heroic Trio" liefert dank den drei Klasse-Frauen blendende Unterhaltung. Der feministische Comicstrip mag zwar wirr und trashig sein, aber langweilig ist er nie. To und Ching nehmen den wilden Trip nie ernst und liefern neben kurzen Gags und viel Action auch einige brutal übersteigerte Momente. Dazu gehört der von Anthony Wong mit viel Spass verkörperte Kau. Wenn ihm ein Finger abgeschnitten wird, isst er ihn halt. Eine hirnlose Kampfmaschine der besten Art. Und es werden bereits Nachfolger gezüchtet: Kinder, die sich von Menschenteilen ernähren. So was findet man in einem westlichen Actionfilm kaum. Auch nicht, dass ein paar der entführten Babies tatsächlich dran glauben müssen. Derbe Kost für einen solchen Film.
So sind die 84 Minuten für Hongkong-Fans halt trotzdem ein Ereignis. Gravitations-befreite Action, Spass, sexy Kämpferinnen (vor allem der Anblick von Maggie mit MG und Bike ist genial), brutale Fieslinge und ein himmelschreiend trashiger Plot ergeben zusammen "Heroic Trio". Und weil der so gut ankam, gabs noch im selben Jahr bereits ein Sequel ...

Hier auf DVD erhältlich (US, englischer Ton)
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch 2.0, 4.1 mit engl. Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph)
Alternative Titel: Dung fong saam hap; Eastern Three Heroes
; Dong fang san xia; 東方三俠
Regie: Johnny To Kei-Fung

Actionfilm

Action * * *

Humor *

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H o l y   W e a p o n   ~   W u   x i a   q i   g o n g   z h u

Reviewed 28.3.05

Hongkong 1993 Während der Ming-Dynastie führen Japan und China mehrere Kriege entlang der chinesischen Küste durch. Bislang hielten sie die Kräfte etwa die Wage, doch da taucht der japanische Kämpfer "Super-Schwert" Liu Sang (Simon Yam Tat-wah) auf, der die chinesischen Krieger im Alleingang vernichtet. Nur "Himmels-Schwert" Mo Kake (Damian Lau Chung-yan) kann ihn aufhalten. Er bittet einen Geisterdoktor (Ng Man-Tat), ihm die "Grösste Droge" zu geben, damit er Super-Schwert erledigen könne. Tatsächlich besiegt er ihn dank diesem Doping. Doch danach wird er wahnsinnig und tötet seine eigenen Leute. Er erzählt dem Geisterdoktor, Super-Schwert werde in drei Jahren zurückkehren, dann fällt er ins Koma. Zurück bleibt seine Geliebte Mon Ching-Sze (Michelle Yeoh), die drei Jahre später eine männliche Identität angenommen hat und gegen Super-Schwert und seine Gehilfin, die Spinnen-Dämonin "Schwarze Witwe Ninja" (Sharla Cheung Man), ins Feld ziehen will. Doch sie braucht Hilfe. Der Geistdoktor weiss, dass nur sieben Jungfrauen in der "Yuen Tin"-Position Super-Schwert aufhalten können. Also rekrutieren er und sein Helfer Ng Tung (Dicky Cheung Wai-kin) unter anderem Butterfly (Charline Chan Ka-ling), Snow White (Carol "Do Do" Cheng Yu-ling), Prinzessin Tin-Heung (Maggie Cheung Man-yuk) und ihre maskuline Dienerin Yam Kin-Fai (Sandra Ng Kwun-yu) für eine Truppe.
Oh Mann ist der primitiv. "Holy Weapon" ist noch ein paar Grade schriller als Wong Jings im gleichen Jahr entstandene Wong-Fei-Hong-Verarsche Last Hero of China und vereint den vulgärsten Humor von Wong mit den einfallsreichsten Actionsequenzen von Tony Ching Siu-Tung. Dieser Mix ist bizarr, er fesselt an die Ereignisse und stösst gleichsam ab, weil immer wieder Tuntengags, Verkleidungszoten, Jungfrauenwitzchen und Schmuddel-Dialoge den Film ruinieren. Eines kann ich nicht behaupten: Dass ich mich gelangweilt habe. Die Abneigung mancher Kritiker gegenüber "Holy Weapon" finde ich denn auch etwas übertrieben. Aber Wong Jing polarisiert nun einmal - und "Holy Weapon", der ein Top-Cast für eine Aneinanderreihung von Vulgaritäten vergeudet, polarisiert ganz besonders.
Die Schauspieler können einem auch weitgehend Leid tun. Maggie Cheung und Michelle Yeoh sind die zwei Top-Damen im Cast, daneben gibts weitere Schönheiten wie die sträflich unterverwertete
Sharla Cheung sowie männliche Akteure von der Liga Simon Yams oder Damian Laus. Wahrlich ein leckerer Aufmarsch. Ob alle freiwillig mitmachten, bleibt fraglich, schliesslich kursieren Gerüchte, Wong Jing hätte manche Schauspieler nur auf freundliches "Bitten" der Triaden bekommen. Wie dem auch sei: Sie sind da - und egal, ob sie sich nun blamieren, es ist immer schön, Michelle Yeoh, Maggie Cheung oder Sharla Cheung zu sehen. Und dafür dankt das HK-Fan-Herz Wong Jing einmal im Voraus.
Was er mit ihnen macht, ist weniger gelungen. Die Dialoge sind manchmal an Primitivität schwer zu unterbieten, aber mir gefällt der Humor hier seltsamerweise besser als etwa in den lästigen Lucky Stars-Filmen. Vielleicht liegts ja auch daran, dass Wong Jing das Arsenal an Jokes in einem grandios abgefahrenen Setting präsentiert. Und eben, weil er die Action von Ching Siu-Tung zur Hand hat. Der legt solch gigantische Szenen vor, wie zwei Flugmenschen, die ineinander rasen und eine Blut-Explosion auslösen. Zerfetzende Menschen, herumwirbelnde Baumstämme, Menschenpyramiden, ein durchgeknalltes Spiel der Kostüme und Figuren. In diesen Momenten vergisst der geneigte Zuschauer gerne, dass alles eigentlich überhaupt keinen Sinn macht.
Wong Jing, der auch das Drehbuch verfasst hat, hält sich nämlich nicht lange mit dem Plot auf. Er war nach eigenem Bekunden auch kaum am Set, weil er mehrere Filme gleichzeitig drehte. Das trug sicherlich zur allgemeinen Verwirrung so mancher Filme mit den Jahrgängen 1991-1993 bei. Zum Schluss fordere ich jeden Zuschauer gerne auf, mir alle Beziehungen unter den sieben Jungfrauen und ihrer Verehrer aufzuzeigen - es scheint mir schlicht unmöglich. Doch warum sollte man sich mit Kleinigkeiten aufhalten? Es gibt Liebesgeplänkel, Sexgeplänkel, Verwechslungen, Lesbenküsse, Geschlechterwechsel und alles, was zur Toilettenhumor-Ausstattung Hongkongs dazugehört. Willkommen in der Welt von Wong Jing. Die meisten dürften nun wissen, ob der Film für sie in Frage kommt. Wer sich darauf einlässt kriegt seine Stars in einem ihrer bizarrsten Filme zu sehen. Das zählt doch auch was.

Hier auf DVD erhältlich

Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch 5.1 mit eingebrannten engl. Untertiteln. Letterboxed
Alternative Titel: Wu xia qi gong zhu; Seven Maidens; The Seven Princesses
;  武俠七公主之天劍絕刀
Regie: Wong Jing

Actionkomödie

Action * * *

Humor * * *

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I r o n   M o n k e y   ~   S i u n i n   W o n g   F e i - h u n g   t s i   t i t m a l a u

Reviewed 19.7.04

Hongkong 1993 Chekiang in Nordchina, Ende des 19. Jahrhunderts: Der Heiler Dr. Yang (Yu Rongguang ) schlüpft Nachts in einen schwarzen Anzug und ist als maskierter "Iron Monkey" unterwegs. Er verprügelt und beraubt die korrupten Beamten der Mandschu-Regierung und schenkt den Armen das Geld. Bei der Bevölkerung ist der Dieb deshalb beliebt, die Politiker wollen ihn ausschalten. Governor Cheng (James Wong) wird deshalb immer paranoider und lässt eines Tages alle festnehmen, die Martial-Arts beherrschen. Darunter fällt auch der Heiler Wong  Kei-Ying (Donnie Yen Ji-dan), der mit seinem Sohn Wong Fei-Hong (Tsang Sze-Man) aus Kanton angereist ist. Cheng zwingt Papa Wong, "Iron Monkey" zu fangen - erst dann lässt er den Sohn frei. Doch Dr. Yang reagiert und befreit Fei-Hong mit Hilfe seiner Assistentin, der ehemaligen Prostituierten Miss Orchid Ho (Jean Wang Ching-ying, OUATIC 4), aus dem Knast. Nun steht Kei-Ying nicht mehr unter Druck - und verbündet sich mit "Iron Monkey" Yang. Der Gegner der beiden: Der diabolische Kaiser-Abgesandte und abtrünnige Shaolin Hiu Hing (Yee Kwan-Yan), der praktisch unbesiegbar ist.
Obwohl man es ab und zu so liest: "Iron Monkey" ist kein Remake des gleichnamigen Films von 1977. Vielmehr drehte "Matrix"-Choreograf Yuen Woo-ping einen Ableger von Once Upon a Time in China. Yuen, der OUATIC choreografierte bringt mit Hilfe von OUATIC-Regisseur Tsui Hark (der als Produzent waltet) die Abenteuer des jungen Wong Fei-Hong auf die Leinwand. Und wie! Ich möchte kein Sakrileg begehen, aber muss es dennoch sagen: Rein vom Entertainment-Wert her übetrifft "Iron Monkey" Harks OUATIC-Filme spielend. "Iron Monkey" mag inhaltlich nicht so dicht sein, aber kein anderes Werk der 90er bringt in nur 86 Minuten ein solches Arsenal an perfekt choreografierter Martial-Arts-Technik. Nicht einmal
Drunken Master II kann da anschliessen.
"Iron Monkey" ist nicht der anspruchsvollste Film, doch es gibt für Genre-Fans viel zu entdecken. Am coolsten ist es, wenn der kleine Wong Fei-Hong zum ersten Mal auftritt und das berühmte Leitthema ertönt, das auch schon in OUATIC zu hören war. Sogar im Abspann darf das Lied vorkommen - gesungen von Kindern. Doch der kleine Wong (gespielt vom Mädchen Tsang Sze-Man) ist nicht der alleinige Star. Sein Papa, gespielt von Donnie Yen (OUATIC 2), die zierliche Miss Orchid und natürlich der Titelheld "Iron Monkey" spielen prominente Rollen. Die Martial-Arts-Szenen der vier sind phänomenal. Wenn es um reinen Show-Wert des Kampfsports geht, geht eben nichts über Yuen Woo-ping. Alle paar Minuten bricht ein Fight aus, jeder speziell, jeder rasant, jeder genial. Die Story dazwischen ist keineswegs nichtig, sondern gespickt mit leisem Humor und Charme.
Die Lauflänge beträgt wie angetönt nur 86 Minuten, doch was Yuen in dieser Zeit alles zu Stande bringt, hebt den Film eben von vielen anderen Hongkong-Filmen ab. Gut gespielt, witzig, rasant, liebenswert und eben fulminant choreografiert. Ein absolutes Must-See für alle Hongkong-Fans. 1996 entstand ein schwaches Sequel - mit Donnie Yen als "Iron Monkey".

Hier auf DVD erhältlich (GB)
Hier auf DVD erhältlich (US)

Meine Disk (GB): Code 2 PAL. Kantonesisch u. Englisch 5.1 mit englischen UT. Anamorphic Widescreen
Alternative Titel: Siunin Wong Fei-hung tsi titmalau;
Iron Monkey: The Young Wong Fei-Hong; Shao nian Huang Fei-Hong zhi tie ma liu; 少年黃飛鴻之鐵馬騮
Regie: Yuen Woo-ping

Historien-
Actionfilm

Action * * * * *

Humor * *

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T h e   K u n g   F u   C u l t   M a s t e r   ~   Y i   t i a n   t u   l o n g   j i   z h i   m o   j i a o   j i a o   z h u

Reviewed 9.12.04

Hongkong 1993 China im 14. Jahrhundert: Kwok Ching und seine Frau Wong Yung gelangen an das Schwert von Yeung Guo und schmieden daraus zwei goldene Schwerter: To Lung und Yee Tin. Wer diese beiden Waffen und das dazugehörige Handbuch besitzt, beherrscht die Martial-Arts-Welt. Zwei Gruppen haben es deshalb darauf abgesehen: Die persische Feuer-Sekte unter King of White Eagle and King of Green Bat (Richard Ng Yiu-Hon) sowie ein Clan-Verbund aus Shaolin, Wu-Tang und anderen Clans. Doch zwei Mitglieder der rivalisierenden Clans verlieben sich: Chang Tsui-San (Francis Ng Chun-Yu) und Yan So-So (Sharla Cheung Man). Sie werden vom mächtigen Chang San-Fung (Sammo Hung Kam-Bo) beschützt, fallen aber dennoch den Clans zum Opfer. Ihr Kind Chang Mo-Kei überlebt und schwört Rache. Viele Jahre später ist Mo-Kei (Jet Li) ein junger Mann, grossgezogen von San-Fung. Als die verräterischen Wu-Tang-Mitglieder Chow Chi-Yu (Gigi Lai Chi) und Sung Ching-Su (Ngai Sing) ihn töten wollen, flieht er mit der hübschen Siu-Chiu (Chingmy Yau Suk-Ching) und lernt von einem schrägen Mönch die Sonnen-Technik, die ihn von einem bösen Fluch befreit, durch den er am Kämpfen gehindert wurde. Nun ist er bereit, Rache zu nehmen.
Ich habe es sicher an anderer Stelle schon erwähnt, doch die Aussage ist eine Widerholung immer wert: Wong Jing ist kein guter Regisseur - aber er weiss, wie er sein Publikum unterhält. Der Sleaze- und Comedy-Regisseur hat ein beachtliches Starensemble zur Verfügung, um Louis Chas Literatur-Klassiker "Heavenly Sword and Dragon Sabre" durch den Kakao zu ziehen. Die Parallelen zur Vorlage sind aufgeweicht, im Vordergrund steht vielmehr ein irres Spektakel. Der Plot ist nach zwei Minuten aufgegeleist und erscheint so wirr wie jede Cha-Verfilmung. Danach bringt Wong all das, was er so gut kann: Action, ein wenig Sex, schöne Frauen, bizarre Szenen und Humor.
Für eine Satire ist es fast zu wenig Humor, doch "The Kung Fu Cult Master" darf sicher nicht ernst genommen werden. Das wird wohl schon durch die Präsenz von Comedy-Experten wie Richard Ng und Sammo Hung angedeutet. Sammo, der auch die Choreografie überwachte, spielt jedoch einen geradlinigen Charakter mit nur wenigen Pointen. Er hat ein paar coole Fightszenen, gleiches gilt für Jet Li - aber keine davon ist so spektakulär, dass sie aus dem Hongkong-Kino herausstechen würde. Dafür gibts ein paar wahrhaft bizarre Schlachten. In einer haben sich ein paar Krieger unter dem Boden verbuddelt und "verschlucken" die Angreifer regelrecht, schlitzen den Pferden die Bäuche auf und machen sonst allerlei seltsame Dinge von unter der Erde. Solche Passagen illustrieren perfekt, wieso Wong Jing Erfolg hat: Er kennt keine Grenzen. Und bei derartigen Filmen ist das ideal.
"The Kung Fu Cult Master" ist dennoch weit davon entfernt, ein durchschlagender Erfolg zu sein. Die Handlung ist kaum zu verstehen, das Finale irgendwie enttäuschend, das Sex-Level für einen Wong-Film fast enttäuschend tief (es beschränkt sich auf freches Flirten) und die Action bisweilen zu routiniert. Auch der Ton ist sehr unbeständig - die Mischung aus Comedy, Brutaloszenen, Thriller-Intrigen, Revenge und weiss der Kuckuck was kommt nie zu einem Ganzen zusammen. Den Film sollte man vielmehr als von der Realität gänzlich losgelöster Bilder- und Ereignissturm betrachten. Dinge passieren und sie passieren unterhaltsam. Mehr braucht man kaum zu wissen. Ein paar Bier dürften dem Filmgenuss auch nicht im Wege stehen.
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch und Mandarin 2.1 mit eingebrannten engl. UT. Widescreen.
Alternative Titel: Yi tian tu long ji zhu mo jiao jiao zhu; The Evil Cult; Lord of the Wu-Tang; Kung-Fu Master; The Heavenly Sword and the Dragon Sabre;
Red Cult; The Swordmaster; 天屠龍記魔教教主
Regie: Wong Jing

Fantasy-Action

Action * * * *

Humor * *

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L a s t   H e r o   i n   C h i n a   ~   C h e n g   s h i   l i e   r e n

Reviewed 13.11.04

Hongkong 1993 Wong Fei-hong (Jet Li) hat ein Problem: Seine Po-Chi-Lam-Schule ist zu klein und hoch verschuldet. Er bekommt von Mass Tar Wong (Chan Pak-cheung) einen guten Deal offeriert. Doch schon bald muss er erkennen, dass die Schule nun neben einem Bordell liegt! Wongs Assistenten Leung Fu (Leung Ka-Yan) und "Buck Tooth" So (Dicky Cheung Wai Kin) versuchen, den Boss mit der Prostituierten Miss Nine (Anita Yuen Wing-Yee, Miss Hongkong 1990) umzustimmen, doch er bleibt hart. Das leidige Thema rückt indessen in den Hintergrund, als Wong und seine Leute auf ein Komplott stossen: Die Mönche des Nun-yan-Tempels haben unter Führung des fiesen Hong Kong (Gordon Liu Chia-Hui) einen internationalen Mädchenhandel aufgezogen und werden vom Beamten Lui Yat-siu (Alan Chui Chung-san) gedeckt. Wong, Leung, So, Miss Nine und die Strassenmusikantin Ti Yi-er (Sharla Cheung Man) nehmen den Kampf gegen die Fieslinge auf.
Nach drei Once Upon a Time in China-Filmen trennten sich die Wege von Tsui Hark und Jet Li. Jet wechselte ins Lager von Wong Jing und nahm seinen Charakter Wong Fei-hong mit. Die beiden drehten zusammen die Parodie "Last Hero in China" - die jedoch kein plumper Abklatsch ist. Denn neben Li konnte auch Choreograf Yuen Woo-ping verprflichtet werden. So gibts den Star und die Action der OUATIC-Reihe und dazu noch viel Humor. "Last Hero in China" ist nicht der beste Wong-Fei-hong-Streifen der frühen 90er (das wäre für mich Iron Monkey) - aber er ist ein grossartiger Spass in typischer Wong-Jing-Manier, der fast nie langweilt.
Der Auftakt erinnert vom Design her an Ching Siu-Tungs Schaffen, doch bevor man sich in A Chinese Ghost Story wähnt, ertönt das berühmte Wong-Fei-hong-Leitthema in seiner ganzen Pracht. Danach legt der Film mit einer rassigen Actionsequenz im Bahnhof los, die bereits anzeigt, dass auch Witz in dem Film nicht zu kurz kommt: Als drei aggressive Boxer nämlich Jet Li fragen, wer er sei, antwortet er Wong Fei-hong. Einer der dreien rennt weg wie ein aufgeschrecktes Huhn. Als er erkennt, dass seine Kollegen stehen geblieben sind, kehrt er schleichend in die Formation zurück. Ein witziger visueller Gag - und nicht der Letzte. So ist etwa Wongs Po-Chi-Lam-Schule viel zu klein, weshalb sich die Auszubildenden beim Training gegenseitig immer wieder eins auf den Deckel geben.
Einen der hübschesten Gags hat Jet, als er Gordon Liu bekämpft - übrigens ein Duell, das schön surreal arrangiert ist und dank diesen zwei Superfightern für jeden Fan einen Genuss darstellen sollte. Jedenfalls sagt Jet, er werde einen bestimmten Stil anwenden und gebraucht dann einen anderen. Auf den verdutzten Gordon reagiert er mit "darf Wong Fei-hong etwa nicht lügen?" Witzig, wenn man weiss, mit wieviel Ehre Jet sonst den Part verkörpert.
Aber "Last Hero in China" ist natürlich nicht nur Humor - dank Yuen Woo-ping gibts auch erstklassige Action. Den Fight zwischen Jet und Gordon habe ich erwähnt. Fast noch unglaublicher ist das Finale, in dem Jet als Hahn verkleidet einen Tausendfüssler-Tross angreift. Dieser Tausendfüssler hat zuvor beim Löwentanz-Duell Jets Truppe besiegt, doch in der Natur hat er gesehen, wie Hühner diese Insekten erlegen können. Also wendet er die Technik an. Wahrlich ein bizarrer Anblick. Doch Wong Jing hat Mut und das muss man ihm unter all den ähnlich ausschauenden Filmen in Hongkong doch lassen. Denn an diesen "Hühnerkampf" erinnert man sich noch lange.
Wong Jing hat natürlich auch seine Nachteile. So ist er bekannt für Sex und Sleaze. Auch hier kann er Schlüpfrigkeiten nicht unterlassen, wenn auch nur im moderaten und witzigen Rahmen. Zudem hat er ein Auge für schöne Mädels: Anita Yuen zum Beispiel ist ein Superbabe und
Sharla Cheung kickt elegant. Mit derartigen Komponenten war für mich jedenfalls kompletter Spass garantiert. "Last Hero in China" hat nicht die Eleganz der OUATIC-Filme, nicht den Humor von Jackie Chans Actionkomödien und Jet Lis finale Drunken-Fight-Szene reicht auch nie an Jackie heran - doch bei allen Mankos ist der Streifen dennoch ein Liebhaberstück. Wong-Fei-hong-Musik, Yuen Woo-ping, Jet Li, Anita Yuen. Das reicht für 3½ Sterne.
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch 2.0 und Mandarin 4.1 mit engl. Untertiteln. Letterboxed
Alternative Titel: Claws of Steel; Wong Fei-hong chi tit gai neung gung; Deadly China Hero; Deadly China Killer; Iron Rooster vs. The Centipede;
Huang Feihong zhi tie ji dou wu gong;  黃飛鴻之鐵雞鬥蜈蚣
Regie: Wong Jing

Actionkomödie

Action * * *

Humor * * *

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T h e   L o v e r s   ~   L e u n g    j u k

Reviewed 28.11.04

Hongkong 1994 China während der östlichen Jin-Dynastie (317-420): Ein reiches Ehepaar (Carrie Ng Ka-Lai und Elvis Tsui Kam-Kong) will seine Tochter Chu Ying-tai (Charlie Yeung Choi-Nei) mit einem Offizier verheiraten. Um das aufbrausende und unkultivierte Mädchen etwas zu züchtigen, verkleiden sie es als Mann und schicken es zum Studium an das Sung-yee-College. Dort freundet Ying-tai sich schnell mit Liang Shan-po (Nicky Wu) an. Aus Freundschaft wird Liebe, doch Ying-tai darf ihre Identität nicht preisgeben. Und Shan-po merkt, dass er Gefühle für den jungen "Mann" entwickelt. Erst auf der Heimreise gesteht Ying-tai ihm ihr Geheimnis, die beiden schwören, sich zu heiraten. Doch Ying-tais Eltern haben andere Pläne.
Die berühmte chinesische
Huangmei-Oper "Butterfly Lovers" wurde schon etliche Male verfilmt, bekanntestes Beispiel ist die preisgekrönte Shaw Brothers-Adaption The Love Eterne. Im Gegensatz zu diesem Klassiker lässt Tsui Hark bei seiner Version "The Lovers" die Opernstücke weg, flicht in der zweiten Hälfte aber ein paar schön modernisierte Lieder ein - und übernimmt am Schluss ziemlich treu die Notenvorlage aus The Love Eterne. Der Film von 1963 ist sicherlich der edlere als Tsui Harks Update und wohl auch der künstlerisch wertvollere. Aber ich habe an anderer Stelle betont, dass Huangmeixi nicht ganz mein Genre ist. "The Lovers" ist für mich deshalb die geglücktere Verfilmung. Für alle, die die Vorlage eh nicht kennen ist es einfach eine bezaubernde Romanze mit tragischem Einschlag.
Das Ganze beginnt mit dem üblichen "Frau gibt sich als Mann aus"-Plot, der im Hongkong-Kino nicht zuletzt wegen "Butterfly Lovers" so beliebt ist. Was Tsui hinzubringt, ist eine gewisse homoerotische Komponente. Diese schwingt themenbedingt natürlich immer mit, doch in "The Lovers" kämpfen zwei der männlichen Schüler ganz klar gegen ihre Liebe fürs gleiche Geschlecht. Liang kann sich rausreden, da er eigentlich die Person hinter der männlichen Maske liebt, aber sei es wies wolle, Tsui geht homoerotischen Andeutungen jedenfalls nicht aus dem Weg.
Die zentrale Romanze, die lange ja eigentlich keine ist, sondern bestenfalls eine Geschichte über treue Freundschaft, ist wunderbar süss. Die 20-jährige Charlie Yeung und der taiwanesische Popsänger Nicky Wu geben ein herrliches Paar ab, ihre neckischen Streiche amüsieren. Tsui fängt die Ereignisse visuell sehr attraktiv ein mit satten Farben und verfremdeten Himmel-Colorierungen. Durchaus verdient war deshalb Tsuis Regie, das Art Direction, die Kostüme und Nebendarstellerin Carrie Ng für Hong Kong Film Awards nominiert. Die bewegende Musik gewann die Auszeichnung sogar.
"The Lovers" kann man eine gewisse Banalität vorwerfen und einen allzuschnellen Wechsel hin von einer leichten Komödie zum schweren Liebesdrama à la "Romeo und Julia" - doch der Film funktioniert, wenn man mit offenem Herzen an die Sache rangeht. Es ist nicht Tsui Harks bester Film, kommt gänzlich ohne Martial Arts aus und dürfte auch schnell wieder vergessen sein. Doch während dem Anschauen kann man sich verzaubern lassen, mitnehmen in eine schöne Fantasiewelt, in der es noch wahrhaft unschuldige Liebe gibt.

Hier auf DVD erhältlich

Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch und Mandarin 2.0 mit engl. UT. Widescreen (nicht anamproh)
Alternative Titel:
Leung juk; Butterfly Lovers; Leung & Chuk; Liang zhu; 梁祝
Regie: Tsui Hark

Liebesfilm

Humor * *

Spannung *

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T h e   M a d   M o n k   ~   C h a i   g o n g

Reviewed 26.7.05

Hongkong 1993 Der Gott Dragon Fighter Lo Han (Stephen Chow Sing-Chi) soll bestraft werden für sein unartiges Verhalten. Ihm und seinem Partner Tiger Fighter (Ng Man-tat) droht nun die zehnmalige Inkarnation als Tiere. Die Göttin der Gnade (Anita Mui Yim-Fong) bewahrt sie jedoch vor Gröberem und übergibt Lo Han eine Aufgabe: Er wird rehabilitiert, wenn er es schafft, in drei Tagen drei für neun Leben verdammte Menschen auf den rechten Pfad zu bringen. Lo Han akzeptiert und wird als Mönch "Mad Monk" auf die Erde geschickt. Er kann nur dreimal pro Tag Magie anwenden. So muss er den Bettler Chu Ta-Chung (Anthony Wong Chau-Sang), den Killer Yuan Pa-Tien (Kirk Wong Chi-keung) und die Prostituierte Paiu Hsiao-Yu (Maggie Cheung Man-Yuk) bekehren. Hilfe bekommt er nur vom als Baby wiedergeborenen Tiger und dessen Kollege (Wong Yat-fei), der über Lo Han wacht.
Ich kann "the Mad Monk" kaum einen guten Film nennen. Aber einen enorm kurzweiligen. Der von den
Shaw Brothers produzierte 85-minütige Fantasy-Exzess gerät in den Händen von Regisseur Johnny To zu einer wilden Achterbahnfahrt, der man eigentlich kaum folgen kann. Zudem ist die Comedy derart laut, vulgär und manchmal nur doof, dass einem das Lachen höchstens im Hals stecken bleibt. Doch völlig entziehen kann man sich der Schose trotzdem nicht. To reiht die bizarren Ereignisse mit einem solchen Tempo aneinander, dass man eh kaum Zeit bekommt, nach deren Sinn zu grübeln. Deshalb passt man sich dem Tempo zwangsläufig an - auf die Gefahr hin, manche Aspekte der Handlung nicht 100% verstanden zu haben. Also keine Angst: Das geht wohl allen so.
Aber auf diesem Trip erlebt man so manches, das Seinesgleichen sucht. So ist erst einmal Tos Fantasie beachtlich. Seine Bebilderung der Hölle, so kurz wir sie sehen, nimmt jene von "What Dreams May Come" vorweg. Es gibt einen riesigen Höllengott, goldene Skelette, Bettler mit Pestbeulen, mehrarmige Göttinnen, Prostituierte auf dem Scheiterhaufen und vieles mehr. All dies nicht einfach billig gemacht, sondern veredelt mit der Actionchoreografie von Tony Ching Siu-Tung (A Chinese Ghost Story) und den Darbietungen einiger der grössten Namen Hongkongs:
Stephen Chow (Kung Fu Hustle) als das charismatische Zentrum des Films. Erstaunlicherweise ist er meistens nicht am overacten - und steht damit in dem Film alleine da. Die bezaubernde Maggie Cheung als heisses Luder, das bekehrt werden muss. Nicht gerade eine Rolle, in der man Cheung heute noch sieht - umso interessanter ist sie. Anita Mui (1963-2003) in einer Gastrolle als bezaubernde Göttin der Gnade. Und letztendlich der grosse Anthony Wong in einer zu kurzen Rolle als Bettler. Das ist ein Traum-Cast und wertet den Film quasi im Alleingang auf.
"The Mad Monk" ist turbulent, irr und famos gecastet. Deshalb begab ich mich höllisch gern auf den durchgeknallten Trip. Alle, die laute und schrille Comedy eh nicht mögen, dürfen gerne 1-2 Sterne abziehen, denn dann ist "The Mad Monk" bloss ein Angriff auf Sinne und Geschmack. Johnny To hält einfach nichts zurück. Das Resultat ist 85 Minuten Irrsinn. Und wem das gefällt, der ist bei diesem Streifen bestens aufgehoben.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Kantonesisch und Mandarin 2.0 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel:
Chai gong; Ji gong; 濟公
Regie: Johnny To Kei-Fung

Fantasy-
Actionkomödie

Humor * * *

Action * * *

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M o o n   W a r r i o r s   ~   S h a   r e n   z h e   t a n g   z h a n

Reviewed 16.9.04

Hongkong 1994 Der Martial-Arts-studierte Fischer Fei (Andy Lau Tak-Wa) rettet dem 13. Prinzen und Kaiser Yen Ling (Kenny Bee Chung Chun-To) das Leben, der mit Mo Shin-yee (Maggie Cheung Man-Yuk) und anderen Gefolgsleuten durch den Wald reitet. Yen und Fei freunden sich an. Fei bringt den Herrscher zur Grabkammer seiner Ahnen, wo er Fei erzählt, dass sein Bruder, der 14. Prinz (Kelvin Wong Siu) den Thron bestiegen hat. Fei gelobt, Yen zu helfen, den Thron zurückzuerobern. Doch zuerst soll er Yens Verlobte zu ihm bringen: Prinzessin Moon (Anita Mui Yim-Fong, 1963-2003), die Tochter des Königs von Lan Ning (Chang Yi). Unterwegs verliebt sich Fei in sie. Derweil sollte Mo, die mit dem 14. Prinz unter einer Decke steckt, den Kaiser töten - doch sie hat sich in ihn verliebt ...
Mit Sammo Hung als Regisseur, Tony Ching Siu-Tung (A Chinese Ghost Story) und Corey Yuen als Choreographen sowie Arthur Wong
Ngak-Tai (Once Upon a Time in China), Peter Pau Tak-Hai (Crouching Tiger, Hidden Dragon) und Andrew Lau Wai-Keung (Regisseur von Infernal Affairs)  als Kameramänner kann technisch nichts schief gehen. Dazu noch einige von Hongkongs angesehendsten Schauspielern und fertig ist "Moon Warriors", kein grosser Film, kein Werk für die Ewigkeit, aber ein höllisch unterhaltsamer und kurzweiliger Wuxia-Hit. Sammo selbst tritt nicht auf, aber er hält die Zügel vor allem in der ersten Hälfte fest in der Hand und schafft es, den Film mit 83 Minuten enorm kurz zu halten. Es fehlt bis auf ein paar Liebesszenen zuviel an jeglichem Ballast. Und dennoch hat man nicht zuletzt dank der Arbeit der drei hochtalentierten Kameramänner das Gefühl, man schaue ein Epos an.
Andy Lau spielt mit von ihm gewohnten Charisma, Anita Mui und Kenny Bee sind okay. Maggie Cheung war nur für zwei Tage am Set - deshalb trägt sie so grosse Hüte, damit man Stuntleute und Doubles darunter platzieren konnte. Doch sie ist souverän wie immer. Die Darstller können sich nicht allzu gross entfalten, dafür setzten sie Arthur Wong & Co. stets ins beste Licht. Am besten weg kommen aber die Martial-Arts-Szenen. Sie sind keineswegs revolutionär, doch enorm abwechslunsgreich. Tony Ching sorgt für fantastische Fantasy-Flugszenen, Sammo Hung choreografierte einige eher bodenständige, aber rasante Fights und Corey Yuen sprang zu Beginn für einige der innovativen Schlagabtäusche ein. Es hat ein paar wirklich schöne Kampfszenen, etwa jene von Andy und Anita in der Höhle, bei der glühende Kohle als visuelle Dekoration eingesetzt wird. Oder ein Fight im "lebenden" Bambus.
Blut gibts nicht im Überfluss, eine unglaubliche Köpfungsszene von Kelvin Wong bleibt indes in Erinnerung. Dank solchen herausragenden Momenten, eine trainierten Killerwal, der mit dem echte Andy Lau spielt, dank formidabler Martial-Arts und beeindruckenden Bildern wird "Moon Warriors" nie langweilig. Es ist kein tiefgründiger Film, kein wichtiger - aber perfektes Entertainment. Etwas provokativ gesagt: Das Hongkong-Gegenstück zu einem Bruckheimer-Film.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (GB): Code 2 PAL. Kantonesisch u. Englisch 5.1 mit englischen UT. Anamorphic Widescreen
Alternative Titel: Zhan shen chuan shuo;
Jin san chuen suet; Legend of the War Gods; 戰神傳說
Regie: Sammo Hung Kam-Bo

Action-
Abenteuer

Gewalt * * *

Action * * *

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N i n j a   i n   A n c i e n t   C h i n a

HK/Taiwan/China 1989 Ausführliche Kritik: hier.

 

O n c e   U p o n   a   T i m e   i n   C h i n a   I I I   ~   W o n g   F e i - h o n g   t s i   s a m :   S i w o n g   t s a n g b a

Reviewed 11.7.04

Hongkong 1993 Wong Fei-hong (Jet Li) reist Ende des 19. Jahrhunderts mit Tante Yee (Rosamund Kwan Chi-Lam) und Foon (Max Mok Siu-Chung) nach Peking. Dort hat die Kaisierin zu einem Wettstreit der Löwentänzer aufgerufen, um dem Westen zu zeigen, wie mächtig die chinesische Kultur ist. In  der Stadt brechen deshalb Rivalitäten zwischen den Martial-Arts-Schulen aus. Jede will den Wettkampf gewinnen. Die Schule von Fei-hongs Vater Wong Kei-ying (Lau Shun ) wird vom bösen Chiu Tim-ba komplett zerstört. Kei-yings bester Mann ist "Iron Foot" (Xiong Xin-Xin). Doch als der verletzt wird, verstösst ihn seine Gruppe. Fei-hong pflegt ihn gesund und so treten sie zusammen im Schluss-Wettkampf an. Doch während diesem planen die Russen unter Führung des Diplomaten Tumanovsky (John Wakefield) ein Attentat auf Gouverneur Li.
Für viele Fans ist dieser dritte Teil der schwächste der ersten von Tsui Hark inszenierten Filme. Ich würde mich dem zwar anschlliessen, doch der Unterschied zum zweiten Teil ist minim. Ich würde sogar behaupten, er sei der actionreichste und unterhaltsamste. Wo es indes Abzug gibt, sind Story und Kameraarbeit. Im Gegensatz zu den ersten beiden Filmen spielt OUATIC 3 in Peking. Gedreht wurde zum Teil in der Verbotenen Stadt, was Kameramann Andrew Lau Wai-Keung (dem Regisseur von Infernal Affairs!) einige grandiose Shots ermöglichte. Man beachte besonders den Löwentanz von Hunderten von Künstlern vor dem Palast. Doch ein Grossteil entstand in den riesigen Studios in Peking, weshalb die Bilder nicht ganz so natürlich wirken, wie in den Vorgängern.
Dafür kann Tsui Hark der Choreografie (Yuen Tak ) freien Lauf lassen. Die meisten Kämpfe werden von Jet Li absolviert und er ist wiederum fantastisch. Die meisten seiner Gegner sind schwächer als er, weshalb er mehr noch als bei den Vorgängern als "Superman" erscheint. Erwähnenswert sind ein Kampf auf öligem Boden, ein Kampf "1 Textil vs. 100 Schwerter", ein cooler Fight, in dem Löwenköpfe fliegen - und natürlich das gigantische Finale mit Dutzenden von Löwentänzern, die in ein grosses Durcheinander geraten. Die Löwentänze sind ur-chinesisch und für westliche Zuschauer auf Dauer vielleicht ermüdend. Tsui Hark tut aber alles, um das Interesse aufrecht zu erhalten. Weniger gut gelingt ihm das bei der Story. Der Plot mit den intriganten Russen ist einfach nicht so packend. Und der Sieg bei einem Löwentanz-Wettbewerb ist auch nicht gerade der Wahnsinn. Zudem wird die Kaiserin, die am Anfang die Ereignisse in Bewegung versetzt, ausgeblendet und alles auf einen Gouverneur reduziert, von dem man vorher nichts gehört hat.
Die kleinen Elemente, die Teil 1 und Teil 2 attraktiv machten, sind aber noch da: Die Flirt-Romanze zwischen Fei-hong und Tante Yee, die Comic-Sidekick-Szenen mit Max Mok, die Seitenhiebe gegen die westliche Kultur, diesmal präsent durch Kameras und eine Dampfmaschine. Und in Sätzen wie "Man sollte keine Hände küssen. Es ist ein ekliger Brauch". Aber es gibt eben auch viel Neues: Das Beijing-Setting und eine Änderung in Fei-hongs Charakter sind die offensichtlichsten. Fei-hung ist nicht mehr der erhabene Arzt / Martial-Arts-Kämpfer. Wir sehen ihn praktisch nur noch kämpfen, flirten oder lachen. Seine Würde ist zwar nicht dahin, aber sie wird nicht so in den Vordergrund gestellt. Fei-hong ist diesmal ein Mann der Taten, eben schon fast ein Superheld, deshalb ist OUATIC 3 wohl eben auch die rassigste Episode. Auch wenn sie inhaltlich nicht an die beiden Vorgänger heranreicht, so ist auch diese dritte Folge für alle Fans von historischem Martial-Arts absolut einen Blick wert.
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Meine Disk (GB): Code 2 PAL. Kantonesisch u. Englisch 5.1 mit englischen UT. Anamorphic Widescreen
Alternative Titel: Wong Fei-hung 3;
Huang Fei-hong zhi san shi wang zheng ba; Wong Fei-hung, Part 3: The Lion King Contest; Once Upon a Chinese Fighter; 黃飛鴻3獅王爭霸
Regie: Tsui Hark

Historien-
Actionfilm

Action * * * *

Spannung * *

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O n c e   U p o n   a   T i m e   i n   C h i n a   I V   ~   W o n g   F e i - h o n g   z h i   s e i :   W a n g   z h e   z h i   f e n g

Reviewed 26.7.04

Hongkong 1993 Martial-Arts-Meister Wong Fei-hong (Chiu Man-Cheuk alias Vincent Zhao) wird nach seinem Sieg beim Löwentanz-Wettbewerb als Held gefeiert. Doch für ihn, Leung Foon  (Max Mok Siu-Chung), Club Foot (Xiong Xin-Xin) und Tante May (Jean Wang Ching-ying), die Schwester von Tante Yee, gibts bald neue Probleme: Der stellvertretende Gouverneur Guan Shingtao bittet sie, China bei einem neuen Löwentanz-Turnier zu vertreten, bei dem auch acht ausländische Nationen antreten. Diese haben ihre speziellen Kampftiere, ausgestattet mit Flammenwerfern und sonstigen Waffen - da Wong und seine Freunde zu spät eintreffen, wird Guan getötet. Wong fordert die Nationen zu einem neuen Duell heraus. In der Zwischenzeit muss er auch die Frauensekte "Rote Laterne" bekämpfen, die alle Ausländer ermorden will. Und den brutalen Kämpfer Lui (Chin Kar-Lok), der mit seiner rechten Hand (Billy Chow Bei-Lei) für die Deutschen mordet.
Nachdem Tsui Hark die ersten Episoden von "Once Upon a Time in China" gedreht hatte, zog er sich für Teil vier in die Rolle des Autors und Produzenten zurück. Die Regie übernahm sein oftmaliger Actionchoreograf Yuen Bun. Der musste einen neuen Star suchen, denn mit Tsui verschwand auch Jet Li vorläufig von der OUATIC-Bühne. Ersatz fand sich im damals 20-jährigen Vincent Zhao (Another Meltdown, The Blade), der einen akzeptablen Job macht. Er spielt Wong Fei-hong mit weniger Würde, aber mit mehr Energie. Die Action kommt dementsprechend nicht zu kurz, wenngleich manchmal zuviel Wire-Fu eingesetzt wird und der Film eher zur Akrobatik-Show verkommt, als zum Martial-Arts-Epos.
Die Geschichte ist nicht übel. Mehr noch als zuvor findet sich Fei-hong zwischen den Extremen wieder und bekämpft sowohl die Ausländer, diesmal angeführt von den Deutschen, wie auch die ausländerhassende "Rote Laterne"-Sekte. Fei-hong zur Seite stehen die OUATIC-Veteranen Xiong Xin-Xin, Max Mok und Lau Shun . Neu dabei ist Jean Wang, die in Tsui Harks OUATIC-Ableger Iron Monkey die Miss Orchid spielte und nun als Rosamund Kwans Schwester einspringen muss. Für Teil fünf kehrten dann Tsui Hark, Rosamund Kwan und Vincent Zhao zurück.
Doch wie ist er denn nun, der Film? Ganz okay. Die Stunts habe ich schon erwähnt. Die sind gut - wenn auch nicht alle in der Topliga. Es gibt einen witzigen Fight auf Dominosteinen, doch beherrscht wird die Choreografie von Lion-Dance-Akrobatik. Das ist bedauerlich, da dieses Terrain bereits in Teil drei genügend behandelt wurde. Ich hätte mir neue Impulse gewünscht. Neu ist die Involvierung der Deutschen. Die geben gute Bösewichter ab, wenn sie im übersteigerten Nazi-Stil die anderen ausländischen Mächte (Italien, Österreich, Deutschland, Japan, Frankreich, USA, England unter einer Decke?) anführen. Und zum Schluss wird sogar der Fall Chinas angekündigt. Soweit gingen die Filme vorher nicht, insofern ist Teil IV vielleicht die düsterste der bisherigen Episoden.
Viele Elemente, die man kennt, überzeugen auch in diesem Teil, darunter das unkaputtbare Wong-Fei-hong-Leitthema. Und auch Neuzugänge (Bösewicht Chin Kar-Lok) vermögen zu brillieren. Doch letztendlich steht der Film hinter den drei Vorgängern. Die Inszenierung ist weniger prachtvoll, die Action austauschbarer. Und ein paar Szenen (ein Pferd wird mit der Faust zu Boden geschlagen) sind unnötig. Als routinierter, unterhaltsamer Actionstreifen taugt "Once Upon a Time in China IV" jedoch alleweil.

Hier auf DVD erhältlich (GB)
Hier auf DVD erhältlich (D)

Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Mandarin 2.0 mit eingebrannten engl. UT. Widescreen (nicht anamorph).
Alternative Titel: Wong Fei-hung 4; Wong Fei-hong, Part 4; Last Hero 2
Regie: Yuen Bun

Historien-
Actionfilm

Action * * *

Spannung * *

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P a i n t e d   S k i n   ~   H u a   p i   z h i   y i n y a n g   f a w a n g

Reviewed 14.11.04

Hongkong / China 1993 Der junge Gelehrte Wang Hsi-Tzu (Adam Cheng) verfällt den Reizen der schönen Konkubine You Feng (Joey Wong). Zu spät merkt er, dass sie ein Geist ist und jede Nacht ihr gemaltes Menschengesicht erneuern muss. Sie scheint ihm aber nichts Böses zu wollen, sondern ist vielmehr gefangen zwischen Himmel und Hölle, da ein böser Dämon, der Yin-Yang-König, den Eingang zum Unterweltskönig Yama blockiert hat. Wang bittet den Taoisten-Mönch Zhang Daoling (Lau Shun) und dessen Assistenten (Wu Ma) um Hilfe. Sie nehmen Feng an sich. Als Wang vom Yin-Yang-König besessen wird, suchen die Mönche mit Feng einen Hohenpriester (Sammo Hung Kam-Bo) auf, der ihnen beistehen soll.
Wie sein bekanntestes Werk A Touch of Zen basiert auch der letzte Film on Altmeister King Hu (1931-1997) auf einer Episode aus der 431 Geschichten umfassenden Sammlung "
Liaozhai Zhiyi" ("Strange Stories from a Chinese Studio") des Autors Pu Songling (1640-1715). Doch während Hus Klassiker damals wegweisend war, haftet "Painted Skin" Altmodigkeit an. Massgeblich, weil 1987 die bisher beste Pu-Songling-Verfilmung auf den Markt kam: A Chinese Ghost Story. Mit der kann "Painted Skin" zu keiner Minute mithalten. Vielleicht will Hu das auch gar nicht. Aber die Vergleiche drängen sich wegen ähnlicher Struktur und wegen dem Mittun von Joey Wong als sinnlicher Geist einfach auf.
"Painted Skin" beginnt wie andere Hu-Filme (Legend of the Mountain, Raining in the Mountain) mit einigen Charakteren, die durch pittoreske Landschaften wandeln. Dann wird Miss Wong als Geist sehr schnell eingeführt. Joey ist auch in diesem Film eine bezaubernde Frau, doch sie kriegt nicht viel Raum, auch wirklich zu spielen. Ihr anfänglicher Co-Star Adam Cheng ist okay, verschwindet aber faktisch aus dem Film. Dafür übernimmt zu beginn der zweiten Hälfte Sammo Hung als Hohenprieser das Zepter. Sammo ist der beste Mann in der Truppe, da er ohne den Hauch von Ironie seine taoistischen Kräfte einsetzt und so für ein paar gelungen altmodische Fantasy-Momente sorgt.
Das Tempo ist bewusst gemächlich, wodurch manche Sequenzen aber schlicht langweilig werden. Mit der Logik ist es auch nich immer weit her - so wird etwa Wangs Frau erdrosselt nur um am Filmende wieder aufzuerstehen und schwanger zu werden. Selbst an Action mangelt es. Cameo-Star Lam Ching-Ying (Mr. Vampire) hat kurz einen schnittigen Martial-Arts-Auftritt als "violetter Taoist" und gegen Ende wird ein bisschen geflogen - doch ansonsten herrscht in diesem Bereich Flaute. Schade, wenn man bedenkt, welches Kampftalent in dem Film versammelt ist. Aber Wu geht es in seinem Alterswerk wohl nicht um Action, sondern um Yin-Yang, um eine romantische Geistergeschichte und malerische Stimmung. Damit trifft er manchmal die richtigen Noten, doch als Ganzes ist "Painted Skin" eine milde Enttäuschung und einer von King Hus schwächeren Filmen.
Hier auf DVD erhältlich (HK)
Hier auf DVD erhältlich (US)
Meine Disk (US): Code 0 NTSC. Kantonesisch und Mandarin 2.0 mit eingebrannten englischen Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph).
Alternative Titel: Hua pi zhi yinyang fawang; Human Night in Painted Skin; 陰陽法王
Regie: King Hu Chin-chuan

Fantasy-Action

Action * *

Humor *

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R a p e d   b y   a n   A n g e l   /   N a k e d    K i l l e r   2   ~   X i a n g   G a n g   q i   a n   z h i   q i a n g   j i a n

Reviewed 2002

Hongkong 1993 Chuck Chi-shing (Mark Chen Ho-Nam) liebt Sex nur mit viel Gewalt. Als er sich in die Studentin und Schauspielerin Yau Yuk-nam (Chingmy Yau Suk-Ching) verguckt und von ihr abgewiesen wird, hat er nur noch eines im Kopf: Sie zu vergewaltigen. Dazu zieht er jedoch erst einmal in die Wohnung neben Yaus bester Freundin Chu Kit-Man (Jacqueline Ng Suet-Man). Er präpariert sorgfältig alles so, als sei er ihr Liebhaber - sogar die Nachbarn glauben dies. Dann vergewaltigt er Chu mehrfach brutal. Vor Gericht kommt er frei! Yau schwört Rache.
Eigentlich ein Sequel von Naked Killer, doch mit dem kultigen Vorgänger hat dieser Streifen nicht mehr viel zu tun - bis auf Hauptdarstellerin Chingmy Yau. Vielmehr handelt es sich mal wieder um einen Hongkong-Film, der Vergewaltigung und Demütigung von Frauen zelebriert.
Sex gibts dementsprechend reichlich und ablöschend. Doch der Film von Andrew Lau Wai-Keung (Infernal Affairs) kommt über ein wenig Sleaze nicht hinaus. Er bleibt langweilig, uninspiriert und überzeugt weder auf Trash- noch auf Gore-Ebene. Das einzige, was man bestaunen kann, sind die schönen Körper von Chuck, dem Vergewaltiger (und Engel - oder was soll der Titel?) und Yau, der Studentin. Aber ist das einen Film wert?
Hier auf DVD erhältlich - ich habe die HK-Version (Code 0) mit englischen Untertiteln gesehen.
Alternative Titel: Xiang Gang qi an zhi qiang jian, Naked Killer 2; 香港奇案之強姦
Regie: Andrew Lau Wai-Keung

Schocker

Gewalt * * *

Sex * * *

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R e d   t o   K i l l   ~   R u o   s h a

Reviewed 2002

Hongkong 1994 In einem Behindertenwohnheim in Hongkong geht ein Vergewaltiger und Mörder um. Sein drittes Opfer wird die geistig behinderte Ming-Ming (Lily Chung Suk-Wai). Der Täter ist niemand anderes als Heimleiter Chan (Ben Ng Ngai-Cheung). Da er Ming-Ming nicht tötet, kommt es zu einer Anklage. Doch Chan kommt frei, da das Gericht argumentiert, Ming-Ming habe den Sex gewollt. So wütet Chan weiter.
Ein weiteres Kategorie-III-Machwerk, das sich um Vergewaltigung dreht. Und wie schon in Raped by an Angel ist der Vergewaltiger ein wahres Mannsbild. In jeder Einstellung strömt die Männlichkeit nur so aus dem muskulösen Körper heraus. Somit ist der männliche Hongkong-Zuseher befriedigt: Ein richtiger Mann nimmt sich seine Beute. Krank, aber in eine solche Rolle versetzen sich die Hongkonger anscheinend gerne hinein. Als soziologisches Phänomen also äusserst interessant. Auf filmischer Ebene gibt es wenig Highlights. Ein paar Gore-Effekte und sonst bloss etwas für Fans der Kategorie-III-Ware.
Hier auf DVD erhältlich - ich habe die HK-Version (Code 0) mit englischen Untertitel gesehen.
Alternative Titel: Ruo Sha; 弱殺
Regie: Billy Tang Hin-Sing

Schocker

Gewalt * * *

Sex * * *

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T h e   S w o r d   S t a i n e d   W i t h   R o y a l   B l o o d   ~   X i n   b i   x u e   j i a n

Reviewed 23.11.04

Hongkong 1993 Constable Yuen Shin-Chi (Yuen Biao) verhaftet die hübsche Wegelagerin Kau (Sharla Cheung Man) und will sie ins Gefängnis überführen. Er ahnt nicht, dass sie eine Prinzessin ist, die mit ihrem Meister Sun Su-Kuei (Ng Man-Tat) nur ein wenig Spass mit einem Rollenspiel haben wollte. Bald geraten sie an einen Schwertkämpfer namens "Golden Snake Man" Ha Suet-Yee (Danny Lee Sau-Yin). Der will die die Sippe von Lord Wan (Elvis Tsui Kam-Kong) auslöschen, als Rache dafür, dass die Wans seinen Clan getötet haben und Wan Has Frau Siu-yi (Elizabeth Lee Mei-Fung) geheiratet hat. Has Waffe für den Rachetrip ist das "Snake Sword", auf das es der Wan-Clan und die "Five Poison"-Sekte von Jade Ho (Anita Yuen Wing-Yee) abgesehen haben. Derweil gelangt Yuen mit seiner "Lieferung" an Wans Palast und erblickt seine Geliebte wieder: Wans Tochter Ching Ching (Yeh Chuan-chen).
Wirr, schlecht montiert und nicht wirklich spannend - "The Sword Stained With Royal Blood" vereint alles, was Hongkong-Kino für manche Leute so schwer zugänglich macht. Regisseur Cheung Hoi-Ching nimmt ein interessantes Cast aus dem B-Kader des Hongkong-Kinos und wirft es in einen Plot, der von Vorneherein unsauber erzählt ist. Personen werden schlecht eingeführt, ihre Verbindung schwach erklärt. Dass die Zuschauer mitdenken, kann man von einem Film erwarten, wenn aber von Seiten des Regisseurs überhaupt kein Leitfaden geliefert wird, ist das nicht mehr intelligentes Kino, sondern ganz einfach schlecht gemachtes: Cheung hat keine Ahnung vom Geschichtenerzählen. Und wenn die Vorlage von Louis Cha (The Brave Archer, Ashes of Time, Swordsman) stammt, wäre genau dies zentral. Wir erinnern uns: Chas Plots sind immer komplex, ein Regisseur tut also gut daran zu vereinfachen.
Cheungs Talentmangel ist umso bedauerlicher, weil es ein paar hübsche Ansätze im Plot hat. Ansätze von komplexen Charakteren und Intrigen. Aber das Gewurstel, das SSWRB daraus macht, negiert diesen Bonus schnell. Yuen Biao holt das Beste daraus und spielt okay, wenngleich er im Handkanten-Kung-Fu-Metier einfach besser aufgehoben ist als beim Swordplay. Danny Lee kann nicht kämpfen und allzu oft sind die Stuntmen offensichtlich - aber seine Figur ist ziemlich gut ausgearbeitet. Die Damen sehen alle hübsch aus, kommen aber erzähltechnisch viel zu kurz. Wer mit wem warum zusammen ist, ist kaum zu ergründen. Alle paar Minuten wird dafür jemand vergiftet oder sonstwie zum Opfer einer Intrige, die man kaum versteht. Dagegen ist sogar Ashes of Time sinnvoll strukturiert.
Abgesehen von der plumpen Erzählweise sind eben auch die Fights nicht vom Besten. Sie sind zwar angenehm blutig am Anfang und am Ende, doch klasse Kämpfe sind rar. Das Finale in der Höhle und auf dem See gibt was her, aber das ist zu wenig, zu spät. Die restliche Inszenierung ist unausgegoren, ein eigentlicher Stil ist kaum auszumachen. Trotz Ambitionen und einem gewissen Potenzial an interessante Ausgangsmaterial verzettelt sich der Regisseur in einer abstrusen Geschichte und mogelt sich mit einer mittelmässigen Inszenierung auch nicht aus der Affäre. Kungfucinema nennt SSWRB einen Klassiker und gibt 5 von 5 Sternen. Darf ich bitte auch von den Drogen haben, die die Jungs geschluckt haben?
1981 verfilmte Shaw-Meister Chang Cheh den Stoff etwas "traditioneller" unter dem selben Titel. Kritik hier.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch und Mandarin 2.0 mit eingebrannten englischen Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph).
Alternative Titel:
Xin bi xue jian; Sword Of The Serpent
Regie: Cheung Hoi-Ching

Actiondrama

Action * * *

Gewalt * *

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T h e   T a i - C h i   M a s t e r   ~   T a i   j i   z h a n g   s a n   f e n g

Reviewed 3.10.04

Hongkong 1993 Junbao und Tianbao kommen als Buben ins Shaolin-Kloster. Sie werden die besten Freunde und trainieren in jeder freien Minute. Als Erwachsener soll Dong Tianbao (Chou Siu-hou) einen anderen Mönch bekämpfen und rastet dabei aus. Er benutzt sogar Techniken, die er heimlich den erfahrenen Mönchen abgeschaut hat. Der Abt (Yu Hai) will Tianbao aus dem Kloster werfen. Als sich Zhang Junbao (Jet Li Lian-Jie) schützend vor seinen Freund stellt, befiehlt der Abt, beide ihrer Kräfte zu berauben. Nur dank dem Eingreifen von Master Jueyuan (Lau Shun) können die beiden fliehen. Der Meister warnt Tianbao davor, nicht immer seinen Trieben nachzugeben, dann verduften die beiden Freunde. In der Stadt versuchen sie an Geld zu kommen und freunden sich dabei mit "Miss Melon" Li (Fennie Yuen Kit-Ying) und Qiushue (Michelle Yeoh) an. Li gehört zu den Rebellen, die die ausbeuterischen Schergen des Kaisers bekämpfen. Während Junbao sich ihnen anschliesst, tritt Tianbao in die Dienste des Eunuchen Liu Jin, der die Dekrete des Kaisers mit absoluter Gewalt umsetzt.
Die frühen 90er waren wirklich eine Goldgrube in Sachen Hongkong-Kino. Einige meiner Favoriten stammen aus dieser Zeit und auch Yuen Woo-Pings "The Tai-Chi Master" von 1993 ist ein weiteres hervorragendes Beispiel für einen gelungenen Martial-Arts-Streifen made in Hongkong. Er kommt nicht ganz an Yuens Iron Monkey heran, aber die vier Sterne verfehlt er nur haarscharf. Der Grund dafür ist eine rund 10-minütige Einlage, in der Jet Li den Irren spielen muss. Die Sequenz dient einzig und allein als Gag-Lieferant zum Durchatmen bevor Jet erleuchtet und zum Endkampf antreten kann. Wären diese zehn Minuten nicht, es würde auf vier Sterne dreichen.
Doch auch so ist "The Tai-Chi Master" ein überragender Actionstreifen. Er beginnt ähnlich wie Once Upon a Time in China, dessen berühmtes "Wong Fei-Hong"-Thema wohl für das Titellied hier Pate stand. In relativ chronologischer Weise erfahren wir kurz von Junbaos und Tianbaos Kindheit, dann von ihrem Ausschluss aus dem Kloster und ihrer Trennung. Nichts allzu Komplexes, aber gut erählt. Und wenn die Handlung mal etwas ins Stocken gerät, bringt Yuen einfach eine seiner legendären Actionszenen. Doch der Plot selbst gefiel mir auch gut. Das Trennen der beiden "Brüder" ist natürlich der dramatische Höhepunkt, doch es gibt kleine Momente, die auch einen ziemlichen Eindruck hinterlassen. Der Moment, in dem Junbao Qiushue zurücklassen muss, ist sehr emotional gefilmt. Und Tianbaos brutaler Betrug an seiner Freundin "Miss Melon" Li ist kurz und deftig. Schade wurde Fennie Yuens Rolle nicht etwas besser ausgebaut, denn nach einer langen Einführung wird sie immer wie unwichtiger.
Dafür darf Michelle Yeoh ins Zentrum treten und sie tritt einfach genial. Ihr Zusammenspiel mit Jet Li ist besonders beachtlich. Sie haben zwar keine Romanze, aber es entsteht eine Bindung. Dies macht es umso erstaunlicher, dass "The Tai-Chi Master" die einzige Zusammenarbeit dieser Ikonen war.
Chin Siu-hou ist als Bösewicht eine Idealbesetzung und seine Gier nach Ruhm und Anerkennung geradezu diabolisch. Auch Jet Li überzeugt natürlich. Vor allem - und damit sind wir endlich beim zentralen Thema angelangt - vor allem in den Fights.
Yuen ist der Choreograph von "The Matrix", das wissen mittlerweile die meisten. Und hier sind bereits etliche Merkmale der "Matrix"-Filme vorhanden. Die "unverwundbare Stellung" etwa: Stab auf den Boden stellen und darum rotieren indem man an den Feinden "entlangkickt" - von hier direkt zu "Matrix: Reloaded". Und auch andere Kampfeinstellungen sind ähnlich aufgebaut. Yuens Handschrift ist unverkennbar - und unvergleichlich. Wenns Action gibt, dann wird "The Tai-Chi Master" gleich ein paar Grade interessanter. Die Highlights: Der Schlusskmapf zwischen Junbao und Tianbao, Junbaos Befreiung von Qiushue und die kleinen Scharmützel im Restaurant, als Michelle Yeoh ihr Können demonstrieren kann.
Für alle Fans von Jet Li, Michelle Yeoh und Yuen'scher Erstklassaction ist "The Tai-Chi Master" also unbedingt empfehlenswert. Ein unterhaltsamer Actionstreifen mit brillanten Fights, toller Musik und spielfreudigen Stars. Die besten Prints gibts im Westen, doch die sind leider dubbed und leicht geschnitten. Die uncut-Fassung mit Untertitel gibts im Osten, doch dort ist das Bild schwächer. Ein idealer Mittelweg ist die restaurierte französische Disk mit französischen Untertiteln (hier).
1996 folgte ein nur im Namen verbundene Fortsetzung (Tai Chi Boxer), wenig später eine Serie.

Hier auf DVD erhältlich (D - cut, dubbed)
Hier auf DVD erhältlich (US - re-edited)

Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch u. Mandarin 5.1 mit englischen UT. Anamorphic Widescreen
Alternative Titel: Tai ji zhang san feng; Twin Warriors;
Taai Gik Zoeng Saam Fung; Jet Li - Tai Chi; 太極張三豐
Regie: Yuen Woo-ping

Historien-
Actionfilm

Action * * * * *

Humor * *

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T h r e e   S w o r d s m e n

Hongkong 1994 Ausführliche Kritik: hier.

 

T o   L i v e   ~   H u o z h e

Reviewed 26.11.04

China 1994 China in den 40er-Jahren: Xu Fugui (Ge You) verspielt sein Haus an den hinterhältigen Long'er (Ni Dahong). Sein Vater erliegt durch den Schock einem Herzinfarkt, Fuguis Frau Jiazhen (Gong Li) droht, ihn zu verlassen. Fugui rappelt sich auf und beginnt, als Puppenspieler ein wenig Geld zu verdienen. 1949 wird er von Chiang Kai-Sheks nationalistischen Truppen zwangsrekrutiert und fällt später der revolutionären Armee von Mao Tse-Tung in die Hände. Erst viele Jahre später kehrt er als Veteran zurück. Der Dorfchef Nui (Niu Ben) empfängt ihn als ehrenwerten Revolutionär und Jiazhen will endlich mit ihrem Gatten ein ruhiges Leben verbringen. Die Tochter Fengyia kann zwar nicht reden, doch sie und ihr Brüderchen Xu Youqing (Fei Deng) sind glücklich. Da ereilt ein neuer Schicksalsschlag die Familie: Youqing wird von einem Laster überfahren. Am Steuer sass der neue Provinzchef: Fuguis Kriegsfreund Chunsheng (Guo Tao). Die Trauer im Hause Xu ist gross. Neues Glück kehrt erst ein, als die erwachsene Fengyia (Liu Tianchi) einen netten Ehemann findet: Den verkrüppelten Parteifunktionär Wan Erxi (Jiang Wu).
Zhang Yimou ist mein liebster chinesischer Filemacher. Seine Filme berühren mich - auf welche Art auch immer. Viele seiner frühen Werke treffen mich mitten ins Herz. Dazu gehört auch "To Live", ein Epos der kleinen Leute. Zhangs Schlichtheit, Ehrlichkeit und Menschlichkeit ist einfach überwältigend. Viele US-Kritiker verglichen den Film mit "Gone With the Wind", doch der Vergleich hinkt. "To Live" erzählt auch vom Auf und Ab über mehrere Jahrzehnte, aber viel intimer, viel persönlicher und vor allem: viel echter. Obwohl das offizielle China den Film verbot und Zhang mit einer Dreh-Sperre behaftete, ist "To Live" keine Anklage gegen Mao und seine Taten. Sondern vielmehr eine Verneigung vor den einfachen Menschen, die diese schwierige Zeit überlebt haben.
Einige von Maos Erlassen bekommen die Leute knallhart zu spüren. Das Einsammeln von Eisen ist noch harmlos, doch das Denunzieren erreicht schnell eine Ebene, die an Menschenleben geht. Später werden Ärzte, Lehrer, Politiker abgeführt, unter dem Vorwand, sie seien Kapitalisten. Die Kulturreform macht Zhang ganz persönlich spürbar, indem er ein Spital zeigt, das keine Ärzte mehr hat. Die Krankenschwestern, ganz auf Parteilinie, erklären stolz, sie bräuchten keine verräterischen Ärzte mehr. Doch als eine Patientin nach einer Geburt langsam leerblutet, verzweifeln sie.
Solche Momente sind gleichsam Kritik am System und beinahe Seifenoper-mässige Zuspitzung der Emotionen. Die Staatskritik wiegt Zhang aber stets auf. Unter anderem mit der Aussage, dass es der zentralen Familie unter Mao eigentlich besser geht. Sie schauen nicht mehr auf das Materielle - sie wollen vor allem Leben. Diese Rückbesinnung auf das Wesentliche, im Film iniziiert durch den Verlust von Reichtum und später durch Maos Revolution, wird von Zhang als etwas Positives angeschaut. Deshalb ist "To Live" einer der ausgewogensten Filme eines chinesischen Regisseurs, der sich mit der Politk seines Landes befasst. Nicht alles ist gut, nicht alles ist schlecht. Zhang bleibt beinahe neutral. Aber er nimmt stets die Seite der Betroffenen ein: Er freut sich mit ihnen, er leidet mit ihnen. Und er gibt dies scheinbar ungefiltert an die Zuschauer weiter. Dabei vergisst man, dass er sehr wohl durch Musik und Kamera einen Filter einsetzt - aber die Kunst ist es, diesen fast nicht spürbar zu machen.
Schon früh wachsen einem die Charaktere ans Herz. Das ist Zhangs grösste Leistung. Er erschafft Menschen, die nicht sprechen wie ich, nicht leben wie ich, ja vielleicht nicht einmal fühlen wie ich - aber er macht sie zu echten Menschen, denen ich nach ein paar Minuten bedingungslos durch ein 132-Minuten Epos folge. Gong Li spielt einmal mehr fantastisch. Sie kann gar nicht schlecht spielen, scheint es. Und ihr Partner Ge You, in Cannes verdient ausgezeichnet, ist ebenso brillant. Auch die Nebendarsteller wie der zwangsoptimistische Niu Ben als Dorfchef, sind brillant. Durch dieses Ensemble kennt man die Leute nach ein paar Filmminuten. So ans Herz gewachsen sind mir die Figuren, dass selbst kleine Gesten später im Film viel auslösen. Eine solche Sequenz ist jene, in der Fengyia das Haus verlässt, um zu ihrem liebenden Gatten zu ziehen. Se kehrt sich zu den Eltern um und bleibt weinend stehen. Gong Li winkt sanft, sie solle gehen. Solche Momente sind Gift für meinen Tränenkanal.
Zhangs Präsentation und Inszenierung haben stets etwas episches - man nehme etwa den Anmarsch der roten Soldaten, als sie zu Tausenden über die Hügel schreiten und Fugui geradezu ein Erdbeben spürt. Aber die grosse Geschichte Chinas und die vier ereignisreichen Jahrzehnte sind immer verankert durch Menschen. Personen, um die man sich sorgt. Das scheint Zhang Yimous einfaches Geheimnis zu sein. Doch wenn dies so einfach wäre, wieso bringt das nur er so brillant hin? Es führt eben kein Weg drum herum: Zhang ist einer der besten Filmemacher der Welt und einer der gefühlvollsten Menschen-
Betrachter. "To Live" ist ein weiteres, bewegendes Beispiel dafür.

Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (D)

Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Manadrin 5.1 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Houzhe; Leben!; Woot jeuk; Lifetimes; Living
Regie: Zhang Yimou

Drama

Gefühl * * *

Anspruch * *

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W i n g   C h u n   ~   Y o n g   C h u n

Reviewed 22.10.04

Hongkong 1994 Der Gelehrte Wong Hok-Chow (Waise Lee Chi-Hung) will sein Heim vor den Angriffen des Banditen Flying Monkey (Norman Chu Siu-Keung) und dessen Bande schützen. Dazu möchte er die Kämpferin Yum Wing-Chun (Michelle Yeoh Chu-Kheng) rekrutieren. Die entpuppt sich als deart attraktiv, dass er sie lieber gleich heiraten will. Doch er hat keine Chance bei der toughen Frau. Sie hat mehr Interesse an der jungen "Charmy" Yim-Neung (Catherine Hung Yan), die ihren Mann verloren hat und sich nun verkaufen will. Wung Chun nimmt sie bei sich und der geldgierigen Mutter Abacus Fong (Yuen King-Tan) auf. Zu dritt schmeissen sie den örtlichen Tofu-Laden, der mit mit Yim-Neungs Anstellung zu boomen beginnt. Zu den Kunden gehört auch Leung Pok-To (Donnie Yen Ji-Dan), ein Schulfreund von Yim-Neung. Er will gerne wieder mit ihr anbändeln, glaubt jedoch, Wing-Chun sei ein Mann und Yim-Neungs Freund! Und noch jemand interessiert sich für Charmy: Flying Monkey. Er entführt die junge Frau und fordert Wing Chun zum Duell heraus.
Wing Chun ist der Matial-Arts-Stil von Bruce Lee und wurde u.a. im Film The Prodigal Son vorgeführt. Der Stil ist vor ungerfähr 300 Jahren in Südchina entstanden und richtet sich primär an Personen mit leichter Statur und an Frauen. Es ist eine Angriffstaktik, die mit Händen (bzw. Schmetterlings-Schwert oder Drachenstab) darauf abzielt, die Kraft des Gegners auf ihn selbst zu lenken und mit schnellen, effizienten Schlägen zum Ziel zu kommen. Entwickelt hat den Stil die Nonne Ng Mui, die dazu den Shaolin-Stil abänderte. Sie gab die Technik an ihre Schülerin Yim Wing-Chun weiter, nach der der Stil benannt ist - das jedenfalls behauptet die Legende.
Genau um diese Dame, Wing Chun, dreht sich Yuen Woo-pings Werk. Angesiedelt ist er, als Wing Chun bereits eine tolle Kämpferin ist. Deshalb erstaunt es, das der eigentliche Stil nur selten zu sehen ist. Das liegt daran, dass Michelle Yeoh vor allem als Kickerin berühmt ist. Ihre Beinarbeit konnten die Filmemacher also nicht vernachlässigen. Die Kung-Fu-Szenen sind denn auch so oder so eine Wucht. Kein Wunder, wenn Yuen und Donnie Yen (u.a. bei der spektakulären Feuer-Sequenz) die Choreografie übernahmen. An dieser gibt es kaum etwas auszusetzen.
Visuell ist "Wing Chun" überraschend gelungen. Da Yuen den Film selbst produziert hat, war das Budget limitiert. Doch Yuen filmte in und um Bejing, wodurch die Kosten niedrig gehalten wurden und die Szenerien dennoch sehr attraktiv ausfielen. Und wenn dann auch noch die schöne Michelle Yeoh im Zentrum der Bilder steht, kann eh nichts mehr schief gehen. Es ist zwar schon an den Haaren herbeigeholt, dass die ehmalige Miss Malaysia mit einem Mann verwechselt werden kann - doch ähnliche Probleme haben fast alle Brigitte-Lin-Streifen auch. Der Plot von Fire Dragon-Autorin Elsa Tang ist eh nicht der Knüller - aber dient als ideales Bindeglied zwischen Action, Humor und Romantik.
Diese Romantik wird bestenfalls angedeutet zwischen Yeoh und Donnie Yen. Der darf auch sein komödiantisches Talent beweisen und macht es passabel. Überhaupt sind die Comedy-Szenen nicht ganz so übel, wie sie in manchem Actionstreifen dieser Zeit leider waren. Neben Yeoh und Yen sind die anderen Akteure relativ blass. Catherine Hung ist süss, Norman Chu nicht sonderlich böse und Waise Lee ziemlich unnötig. Ein Zückerchen ist der Gastauftritt von Chen Pei-Pei, die Anfang der 90er nach langer Abwesenheit ins Filmbusiness zurückkehrte.
Dank einer illustren Darstellerriege, kurzweiliger Inszenierung, klasse Kampfchoreografie, wohl dosiertem Humor und pseudo-sexuellen Anspielungen ("a big weapon is useless" - "the shorter the sharper") ist "Wing Chun" ein unterhaltsames Spektakel. Nicht tiefgründig, nicht gerade dramaturgisch durchdacht, aber Fun von einem Martial-Arts-Team, das sein Handwerk eindeutig versteht.
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Meine Disk (GB): Code 0 NTSC. Kantonesisch und Englisch 5.1 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Yong Chun; 詠春
Regie: Yuen Woo-ping

Actionfilm

Action * * * *

Humor * *

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W o m e n   o n   t h e   R u n   ~   C h i   l u o   k u a n g   b e n

Reviewed 26.9.05

Hongkong 1994 Die 18-jährige Martial-Arts-Kämpferin "Swallow" Siu-Yin (Tamara Guo) wird von ihrem Lover Chiu aus einem chinesischen Dorf nach Kanton gebracht. Doch dort zwingt er sie zur Prostitution und macht sie drogensüchtig. Sie tötet ihn und entkommt nach Hongkong. In der Stadt trifft sie auf die Polizistin "Rainbow" Hung (Farini Cheung Yiu-ling), die sie umgehend für einen gefährlichen Auftrag rekrutiert: Sie sollen in China den Drogenboss King Kong (Kim Wong-jin) festnehmen. Dummerweise steckt Hungs Partner, Inspektor David Cheung, mit Kong unter einer Decke und so weiss der schon früh, dass ihn Besuch erwartet. Als Officer Pun (Corey Yuen Kwai) dazwischen kommt, ergreift Kong mit den zwei Frauen die Flucht nach Vancouver.
Während die frühen 90er oft als ein Höhepunkt des Filmeschaffens in Hongkong angeschaut werden, war die Exploitation-Filmindustrie, die vor allem in den späteren Jahren des Jahrzehnts blühte, im Hintergrund schon damals stets präsent. Corey Yuen und David Lai drehten mit "Women on the Run" denn auch nichts anderes als einen Exploitation-Reisser, der wegen Sex und Gewalt das Kategorie-III-Label aufgedrückt bekam. Doch was diesen 89 Minuten kurzen Trash von anderen Genre-Produkten unterscheidet, ist das relativ hohe Budget. Und natürlich Corey Yuens Talent.
Das spiegelt sich in den aufwändigen Kampfszenen, in denen die Girls heftig dreinschlagen und cool choreografierte Sprünge einsetzen. "Women on the Run" dient dementsprechend als eine Vorstudie für Yuens So Close. Der einzige Unterschied: Hier kicken die Mädels meist nackt. Manchmal ganz nackt, dann wieder im Minirock mit der Kamera regelrecht zwischen den Beinen. Subtil soll daran nichts sein, es geht nur darum, die Voyeurs-Lust des aufgegeilten (männlichen) Publikums zu befriedigen. Und in diesem Bereich verbucht "Women on the Run" Treffer.
Hin und wieder geht der Mix aus Sex und Gewalt dann doch in die falsche Richtung. Die Vergewaltigungs-Szene in Kanada ist derart lang und pseudo-stylish mit Neon-Gegenlicht inszeniert, dass man ein mulmiges Gefühl bekommt. Klar schlagen die Frauen zurück, doch Yuen und Lai halten vorher zu lange drauf und geniessen beinahe das Leid. Das gehört zu Kategorie III, das gehört zum Genre des Exploitationfilms, doch hier hätte man mit einem ausgewogeneren Mix mehr hinkriegen können. Vor allem hätten die Gegenwehr der Frauen mehr Power bekommen sollen.
Einen solchen Nackte-Nixen-Verdreschen-Schurken-Streifen feministisch zu nennen, ist stets etwas übertrieben, da sie männliche Fantasien befriedigen - doch es steckt dennoch das Konzept von weiblicher Stärkung dahinter. Frau darf sexy sein und dennoch stark. Die Filme, die dies voll ausnutzen, sind im Genre stets die besten. Man denke an die auch trashigen aber dementsprechend gelungeneren Naked Weapon-Filme. Oder eben So Close, der trotz gelackter Machart in dieselbe Richtung zielt. "Women on the Run" bleibt auf halber Strecke stehen.
Aber der Film macht (sieht man von etwas gar ungemütlichen Sequenzen ab) durchaus Spass, offeriert Kicks auf hohem Niveau und genügend Sex, um auch den unterkühltesten Zuschauer etwas aufzuheizen. Wer sich auf Trash einstellt bekommt Trash. Und gar nicht mal so üblen. Oder eben: 89 Minuten dummes Actionreisser-Vergnügen mit schlagfertigen Seite-3-Mädels.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch, Mandarin, Englisch 2.0 mit englischen Untertiteln.
Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Chek law kwong ban; Chi luo kuang ben;
赤裸狂奔
Regie: Corey Yuen Kwai, David Lai Dai-Wai

Actionfilm

Action * * *

Erotik * *

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