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> Regisseure, Shaw Bros.

 

 

 

B a t t l e   C r e e k   B r a w l

Reviewed 2.10.04

USA / Hongkong 1980 Chicago 1938: Seiner Familie hat Jerry Kwan (Jackie Chan) geschworen, niemals zu kämpfen. Aber als der Laden seines Vaters (Chi Chao-Li) in Gefahr ist, verteidigt der Jüngling ihn mit aller Kraft. Das ruft den Gangsterboss Domenici (José Ferrer) auf den Plan, der Jerrys Kampfstärke ausnutzen will. Er lässt Mae (Rosalind Chao) in San Francisco entführen, wo Jerry sie abholen sollte, damit sie seinen Bruder heiraten kann. Nun hat Domenici ein Druckmittel und zwingt Jerry, am "Batte Creek Brawl" in Texas teilzunehmen. Um für diesen harten Kampf gerüstet zu sein, trainiert Herbert (Mako) Jerry pickelhart. Danach reisen die beiden mit Jerrys Freundin Nancy (Kristine DeBell) nach Texas. Der grösste Gegner im Feld ist Bill "The Kisser" (H.B.Haggerty, 1925-2004).
Robert Clouse hatte schon Bruce Lee mit
Enter the Dragon zu seiner ersten Hollywood-Hauptrolle verholfen. Nun wollte er das Selbe mit Jackie Chan tun. Doch die US-Hongkong-Coproduktion "Battle Creek Brawl" ist eine Enttäuschung. Ein zentrales Problem ist Jackie Chan selbst. Er sprach damals kaum Englisch und lernte seine Dialoge phonetisch. Damit hat er zur Sprache keinen Zugang und spielt distanziert. Mit Action kann er das nur selten ausgleichen: Offizieller Actionchoreograph war Pat Johnson, der für Jackie zu viele altmodische Stunts erdachte. Hin und wieder blitzt Jackies Talent durch, doch zu oft wirken die Actionszenen schwerfällig. Dies wird noch dadurch unterstrichen, dass die Gegner am Ende alles Wrestler-Typen sind und die Kämpfe einschläfernden Charakter bekommen.
Die Regie von Robert Clouse lässt ebenso zu wünschen übrig, höchstens die Ausstattung ist einigermassen gelungen. All dies macht es noch offensichtlicher, dass die Drehbuchautoren nicht wussten, was sie mit Jackie anstellen sollen. Der um ihn herum aufgebaute Plot ist nämlich ziemlich doof. Erst darf er nicht fighten, weil er es dem Vater versprochen hat, dann jubelt ihm die Familie plötzlich zu. Der Bösewicht des Films (José Ferrer) kriegt keine Strafe und ist nicht halb so böse wie seine fluchende Mutter. Ganze Plot-Passagen werden nicht zu Ende gedacht, andere sind Klischees. Als Ganzes hält die Geschichte einfach nicht zusammen. Man hat kein richtiges Leitthema, zu dem man Jackie die Daumen drücken kann. Ist nun wichtig, dass der Laden von Dad gerettet wird? Dass Mae frei kommt? Dass Jerry den Kisser besiegt? Es fehlt an einem wirklichen Mitfieber-Grund.
Und dann gibts noch all die kleinen Dinge, die nerven. Die schrecklich untalentierte Kristine DeBell etwa. Oder die Musik von Lalo Schifrin. Der Score ist nicht schlecht, immerhin stammt er von Schifrin, aber er wirkt deplaziert, insbesondere beim Finale. Die Musik ist zu laut, setzt falsche Höhepunkte und hat keine Spannungsmomente. Lalo wusste wohl nicht, wie er diese Fights richtig untermalen soll. Das Resultat ist ein akkustisches Durcheinander, dass nicht zu den Bildern passt.
Und so kommt ein Film zusammen, der bloss enttäuschen kann. Er war an den Kinokassen auch kein Knüller, weshalb Jackies US-Abstecher bald darauf abgebrochen wurde. Erst in den 90ern wagte er einen neuen. Ein Trost bleibt all jenen, die den Film im englischen Original anschauen: Die deutsche Fassung ist noch übler! "Battle Creek Brawl" ist als halbwitziger Actionfilm entworfen, doch die Synchro macht daraus eine Klamotte. Ganze Sätze werden gesprochen, wenn kein Akteur den Mund aufmacht. José Ferrer und Mako werden zu Witzfiguren, einige Dialoge sind rassistisch, andere hirnverbrannt. Kein Wunder liess sich Cinema zur Kritik "
ulkig bis dämlich" hinreissen - das gilt nämlich für die deutsche Fassung.
PS: Die neue deutsche Fassung ist uncut. Die FSK hat den Film aber bei der neuen Prüfung von "ab 18" auf "ab 12" heruntergesetzt. Damit ist also die 18er-Version kürzer als die neu erschienene 12er. Die britische Disk ist um zwei Sekunden cut.
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (UK)
Meine Disk (D): Code 2 PAL. Deutsch 5.1 und mono sowie Englisch mono mit nicht ausblendbaren deutschen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: The Big Brawl; Die grosse Keilerei; Sha shou hao;
Kleiner, laß die Fetzen fliegen; Battle Creek; Le Chinois;
Regie: Robert Clouse

Actionkomödie

Action * *

Humor *

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B a t   W i t h o u t   W i n g s   ~   W u   y i   b i a n   f u

Reviewed 22.11.04

Hongkong 1980 28 führende Kämpfer der Martial-Arts-Welt greifen beim Hungfa-Tempel den hundertfachen Vergewaltiger und Mörder "Bat Without Wings" an. Der Schurke tötet 26 der Boxer, nur Leng Quiyun und Szma Zhongyuan überleben. Letzterem gelingt es, "Bat" zu töten. Doch fünf Jahre später taucht ein Fiesling (Ku Feng) auf und nennt sich "Bat Without Wings". Er entführt Miss Lei-Feng, tötet das hübsche Mädchen in seiner Höhle und schickt ihren zerstückelten Körper an ihre Familie zurück. Ihr Vater Feng-erh und ihr Verlobter Chen Han-shen wollen Rache. Unterstützung bekommen sie xom Schwertmeister Xiao Qi (Derek Yee Tung-Sing). Das Trio stattet erst zwei Damen einen Besuch ab, die als einzige dem "Bat" vor Jahren entkommen sind - weil er sie zu schön zum töten fand: Xima Luyoe und Szmas Tochter Zhongyuan (Ching Li).
Wie so mancher Chor-Yuen-Streifen ist auch "Bat Without Wings" ziemlich wirr, aber stets unterhaltsam. Das Arsenal an Figuren ist nicht gar so gross wie in Chors komplexeren Filmen, weshalb der Gruselkrimi noch halbwegs zu entschlüsseln ist. Dank den wie immer attraktiven Sets
der Shaw Brothers und einigen gelungenen Martial-Arts-Einlagen macht "Bat Without Wings" auch optisch was her. Auffällig ist der für Chor-Verhältnisse schon fast trashige Ansatz. Die nebligen, Neon-beleuchteten Kulissen und das Kunstblut (zerstückelte Körper, Säuretümpel) heben sich jedenfalls ab von den edlen Chor-Filmen wie Intimate Confession of a Chinese Courtesan. Nach nur 88 Minuten ist der Spuk vorbei, die Bösewichter enttarnt. Einen wirklich grossen Film hat man sicherlich nicht gesehen, doch was solls: Zeitverschwendung ist "Bat Without Wings" auf keinen Fall.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin 5.1.
mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Wu yi bian fu;
無翼蝙蝠
Regie: Chor Yuen

Action-
Gruselkrimi

Action * *

Spannung * *

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T h e   B u t t e r f l y   M u r d e r s   ~   D i e   b i a n

Reviewed 24.7.04

Hongkong 1979 Zwei grosse Kriege erschütterten die Martial-Arts-Welt. Sie münden in die Schlacht beim Berg Dimcheong, in der 30'000 Krieger starben, und jene beim Berg Wudong, bei der in vierzehn Tagen 100'000 Krieger ihr Leben verloren. Die meisten Martial-Arts-Meister waren tot, weshalb Ruhe einkehrte. 30 Jahre später sind aus den Trümmern der Kriege die 72 "Trails of Smoke" entsprungen. Unter ihnen gibt es Rivalitäten, als plötzlich eine mysteriöse Mordserie die Welt erschüttert: Menschen werden von Schwärmen von Schmetterlingen getötet, die giftige Bisse verursachen. Der Schreiberling Fong Hongye (Lau Siu-Ming) berichtet darüber. Er wird zum Shum-Palast gerufen, genauso wie der "Ten Flags"-Anführer Tien Feng  (Wong Shu-Tong ), der mit der Clan-losen Green Shadow (Michelle Mee) aufkreuzt. Sie finden den Palast entleert vor. Die wenigen Überlebenden haben sich unterirdisch in einem Labyrinth verschanzt: Shen Qing (Zhang Guozhu ), seine Frau Lady Shen (Qiqi Chen) und ihre Dienerin, die stumme Ah Zhi (Xu Xiaoling). Doch schon bald tauchen noch mehr Krieger auf, darunter Li "The Thousand Hands" Kim (Wang Jiang) und Kwok "The Magic Fire" Lik (Eddy Ko Hung). Sie alle kämpfen gegen die tödlichen Schmetterlinge, die von einem mysteriösen Mann in schwarzer Rüstung dirigiert werden ...
Ende der 70er-Jahre fand im Hongkong-Kino eine kleine Revolution statt, eine Nouvelle Vague, könnte man fast sagen. Filmemacher, die vorwiegend aus dem TV-Bereich kamen oder in den USA geschult wurden, etablierten sich im Kino und sorgten für grössere Erfolge als die klassischen Studios, allen voran die Shaw Brothers. Während manche Produzenten sich anpassten, wurden die trägen Shaws geradezu überrollt und gaben Mitte der 80er auf. Junge Regisseure wie
John Woo, Tsui Hark oder Ringo Lam übernahmen das Feld. Tsui debütierte 1979 mit "The Butterfly Murders".
Dieser historische Actionkrimi übernimmt zwar noch manche Elemente der Shaw-Ära, insbesondere lange Erzähl-Passagen, doch die Kämpfe sind neuartig choreografiert, der Plot orientiert sich nicht allzusehr an klassischen Geschichten, sondern an der Fantasie der Filmemacher. Gleichenteils Agatha Christie wie Martial-Epos wurde "The Butterfly Murders" zum grossen Erfolg und machte seinen Regisseur zum gefragten Kino-Star.
Doch so gut ist der Film eigentlich nicht. Visuell war ich sehr angetan und auch einzelne Ideen (v.a. die Schmetterlings-Angriffe) sind hübsch, doch die Handlung ist wirr. Ein Problem ist, dass Tsui noch kein visueller Erzähler ist. Das hört sich nach Widerspruch an, doch es ist so: Tsui kann Bilder erzeugen, die eindrücklich sind, er kann Sequenzen basteln, die mitreissen. Doch er bringt die Handlung nie visuell voran - dazu braucht er immer Worte. Und das wird mühsam mit der Zeit. Es gibt einen Erzähler, der so viele Fakten präsentiert, die man kaum alle speichern kann. Und dann labern auch die Helden die ganze Zeit. Motivationen, Rückblenden und Lösungen werden verbal präsentiert, was einfach eine sperrige Art des Filmemachens ist. Später hat Tsui sich diesbezüglich weiterentwickelt und wurde sogar zu einem der besten visuell erzählenden Regisseuren.
Die eigentliche Handlung ist bei dem ganzen Geschwätz nur schwer auszumachen. Schlimmer noch: Fast alle Personen haben einen Namen, einen Übernamen, eine Nummer und eine Clan-Zugehörigkeit. Dann spielen sie auch noch falsch und geben sich als andere aus. So macht man keinen Mystery-Plot, so sorgt man für Knoten im Hirn! Ich behaupte mal, eine Mehrzahl der Zuschauer kappiert die Wendungen in der zweiten Hälfte nicht einmal. "The Butterfly Murders" ist deshalb vor allem aus optischer Sicht interessant. Und aus filmhistorischer. Doch die 3 Sterne gebe ich nur ganz knapp, denn so wirr sollte man einfach keine Geschichten erzählen ...
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC.Kantonesisch und Mandarin 2.0 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.

Alternativer Titel: Die bian; Die Todesgrotten der Shaolin
Regie: Tsui Hark

Historien-
Actionkrimi

Action * * *

Gewalt *

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C h a l l e n g e   o f   t h e   T i g e r

Reviewed 17.2.06

Hongkong 1980 Ein Schurke klaut einem Professor die Formel für ein Serum, das impotent macht. Mit diesem Mittel will ein Gangstersyndikat die Welt erpressen. Also müssen die CIA-Agenten Huang Lung (Bruce Le) und Richard Cannon (Richard Harrison) anrücken. Die Zeit drängt, denn die Vietcong (Hwang Jang-Lee, Bolo Yeung u.a.) haben auch Interesse an dem Serum. Eine erste Spur führt das Duo zur Terroristenbraut Maria (Nadiuska).
Bruceploitation-Filme waren Actionstreifen, die nach dem Tod von Bruce Lee ents
tanden sind und von Geldern aus Amerika, Hongkong und den Philippinen finanziert wurden. In den Hauptrollen spielten vermeintliche Bruce-Lee-Klone von denen Kin Lung-Huang alias Bruce Le neben Bruce Li einer der besseren war. Le, zuvor unter Vertrag bei den Shaw Brothers, machte als Lee-Plagiat in Filmen wie "Fists of Fury 2", "Return of Bruce" oder "Bruce's Fingers" Karriere. Mit dem weltenbummelnden Produzenten Dick Randall (For Your Height Only) filmte er 1979 sein Regiedebüt "Bruce the Super Hero" und legte ein Jahr danach mit "Challenge of the Tiger" die zweite Regiearbeit für Randall vor. Bei dem komödiantischen, international besetzten Martial-Arts-Streifen handelt es sich um einer der unterhaltsameren Bruceploitation-Werke. Doch wirklich gut ist der Trash auch nicht.
Legendär indes schon.
Das liegt unter anderem an einer Zeitlupen-Tennis-Szene mit einer nackten Spielerin. Überhaupt setzt Le hier ganz auf Tits & Ass, beinahe jede Schauspielerin in dem Film zieht sich mindestens einmal aus - und meist komplett. Zu den Nackedeis gehört auch die in Deutschland geborene Italo-Softcore-Actrice Nadiuska. Die eigentlichen Stars sind aber natürlich Le selbst und Richard Harrison. Während letzterer die ganze Damen-Crew abschlabbern darf, kickt Le was das Zeug hält. Manche Fights sind ganz gut, so etwa der irre Kampf gegen einen Stier.
Von einer durchdachten Handlung ist "Challenge of the Tiger" aber weit entfernt und auch die Kampfszenen werden mit der Zeit repetitiv. Die grässlichen Dialoge (in schlechtem englischen Dub) sind aus heutiger Sicht nur noch unfreiwillig komisch und die meisten Extras und Nebendarsteller sind eine Katastrophe. Damit meine ich nicht etwa Hwang Jang-Lee, sondern eher Dick Randall (als Dick), Bolo Yeung (als Vietcong) und die Statisten, die in die Kamera glotzen.
Wie gesagt: Bruceploitation-Fans schwören auf den Film. Doch von wirklichem Wert ist er nicht. Es handelt sich vielmehr um ein Kuriosum, das unfreiwillig komisch ist und dadurch unterhält. All das, was der Film wirklich erreichen will, nämlich spannende und knisternde Action zu bieten, schafft er nur bedingt. Wer jedoch unbedingt wippende Brüste beim Tennisspiel beäugen will, der ist hier gut aufgehoben.

Hier auf DVD erhältlich

Meine Disk (US): Code 0 NTSC. Englisch 2.0. ohne Untertitel. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Gymkata Killer
Regie: Bruce Le (Kin Lung-Huang)

Martial-Arts-
Komödie

Humor * *

Action * * * *

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C l a n   o f   t h e   W h i t e   L o t u s   ~   H u n g   W e n - T i n   s a n   p o   p a i   l i e n   c h i a o

Reviewed 1.5.05

Hongkong 1980 Wu Ah-Biu und Hung Man-Ting (Gordon Liu Chia-Hui) töten den Schurken "White Brow" Pai Mei, wofür Wu in den Knast wandert. Der Kaiser begnadigt ihn jedoch und ordert Kommandant Ko Chun-Chung an, den Wiederaufbau des Shaolin-Tempels voranzutreiben. Der linkische Ko sucht Hilfe bei Pai Meis Bruder "White Lotus" (Lo Lieh). Der Fiesling tötet Wu und dessen Schwester Siu-ching (Yeung Ching-Ching) und verletzt Wus schwangere Frau Biu Mei-ha (Kara Hui Ying-Hung). Hung kann mit Mei-ha fliehen. Die zwei tauchen in der Papierfabrik von Wu Nai-Shing unter. Um Rache zu üben kombiniert Hung seinen Tiger-Stil mit dem Kranich-Stil von Wu. Doch auch damit ist er nicht mächtig genug, da White Lotus jeden Schlag voraus spürt. Mei-ha hat die Lösung: Er muss schlagen wie eine Frau, weich und deshalb ohne spürbaren Wind um die Hände. Er übt, indem er Frauen-Jobs übernimmt wie Sticken und Baby-Pflege ...
Ob "Clan of the White Lotus" nun eine Fortsetzung oder ein Remake von Executioners from Shaolin ist, kann man kaum eindeutig klären. Es gibt genug Argumente für und wider beide Bezeichnungen. Aber was auch immer der Shaw Brothers-Streifen technisch gesehen ist, eines kann er ganz klar für sich verbuchen: Er ist toll. Mit der Actionchoreografie von Liu Chia-Liang und der Regie von Shaw-Altstar Lo Lieh entstand ein leichtfüssiger, klasse gekämpfter Semi-Klassiker des Genres mit einer fulminanten Darstellerriege. Gordon Liu überzeugt einmal mehr, Lo Lieh selbst gibt sadistisch grinsend den Pai-Mei-Verschnitt White Lotus und Kara Hui zeigt sich verdammt beweglich.
Zum jetzigen Zeitpunkt steht in der imdb, dass Lo Pai Mei spielt. Das stimmt so aber nicht. Pai Mei alias White Brow wird in den ersten Filmminuten von Hung und Wu gekillt, indem sie Tiger- und Kranich-Stil kombinieren. Damit knüpft der Film deutlich an Executioners from Shaolin an, wo einst noch Lo Lieh den Pai Mei verkörperte. Dummerweise taucht Lo später tatsächlich auf - als White Lotus, der Boss und Bruder von Pai Mei, der etwa die gleichen Mannerismen hat. Das macht die ganze Sequel/Remake-Diskussion noch komplizierter. Jedenfalls ist Lo Lieh eindeutig nicht Pai Mei in diesem Film. Ändert das irgendetwas an der Qualität des Films? Wohl kaum.
Etwas seltsamer ist da schon der Umstand, dass die Titelmelodie aus "Monty Python and the Holy Grail" geklaut wurde, wenn ich mich nicht völlig verhört habe. Das bisschen (angenehmer) Humor in "White Lotus" rechtfertigt sicherlich keinen Link zu den Pythons, aber die Musik wird hier in schön heroischem Ambiente wiedergegeben. Letztendlich sind Musik und Charaktere absolut zweitrangig. Die Action rückt immer wieder in den Vordergrund. Sei es Gordons Training des weiblichen Martial-Arts-Stils, die grotesken Tötungsschläge von White Lotus (inklusive dem Kill Bill, Vol. 2-Todeschlag) oder Gordons Kampf gegen den halbnackten Lo Lieh - alles erstklassiges Material.
"Clan of the White Lotus" gehört deshalb ganz klar auf die "must buy"-Liste jedes seriösen Fans der Old-School-Martial-Arts-Streifen. Er nutzt gängige Formeln, wirkt aber nie formelhaft. Er ist etwas lockerer als Executioners, aber nie lächerlich. Diese Kombination macht ihn zu einem der kurzweiligsten und unterhaltsamsten späteren Werke aus dem Hause Shaw.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin und Kantonesisch 5.1 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.

Alternative Titel: Hong wen tin san po pai lien chiao; Hung Man-Ting po pai lien chiao;
洪文定三破白蓮教
Regie: Lo Lieh

Actionfilm

Action * * * *

Humor * *

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T h e   C o n v i c t   K i l l e r   ~   C h a   c h i   n a n   f e i

Reviewed 3.9.06

Hongkong 1980 Lan Fei, der "Black Leopard", legt den Kämpfer Teng Piao (Ti Lung) aufs Kreuz: Er wird wegen Opiumhandels zu 15 Jahren Knast verurteilt. Nach Absitzen der Strafe kehrt Teng in die Flying Eagle Town zurück, um sich zu rächen. Bewaffnet ist er mit der Eisenkette, an der er jahrelang angebunden war. In seinem Hotel trifft er auf die schöne Shan Lin (Ching Li), die ebenfalls auf der Suche nach dem Leoparden ist, da sie ihn für die Ermordung ihres Mannes verantwortlich macht. Schon bald müssen die beiden die Angriffe der sechs Kampfbrüder des Leoparden abwehren, die sich in der Stadt eingefunden haben. Der einzige, der auf Tengs Seite zu stehen scheint, ist Captain Chi (Ai Fei).
Einmal mehr
inszenierte Regisseur Chor Yuen eine Shaw Brothers-Produktion als Krimi im Martial-Arts-Kleid. Die Identität des Ober-Bösewichts "Black Leopard" aufzudecken, ist ebenso wichtig wie das Abhalten seiner Schergen durch elaborierte Martial-Arts-Szenen. Wirklich spannend ist dies indes nicht aufgebaut, da Chor zu wenige Hinweise darauf legt, wer denn der Fiesling sein könnte. Stattdessen läuft der Plot nach dem Motto ab: Jeder könnte es sein - und ohne gehaltvolle Vermutungen reduziert sich der Reiz des Rätsels ungemein.
Dafür gibt es sonst genug zu lieben: Die Kämpfe sind prächtig, Ti Lung einmal mehr Charisma in Person, die Ausstattung gefällt und die Kamera scheut nicht davor zurück, Figuren und Räume nicht gänzlich beleuchtet einzufangen. Das hört sich nicht sonderlich innovativ an, doch bei den oft sehr gut ausgeleuchteten Shaw-Sets gibt es dergleichen eher selten. Für Fans von Chor Yuens Martial-Arts-Mysteries ist "The Convict Killer" auf jeden Fall eine
attraktive Zugabe zur Sammlung.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin 2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.

Alternative Titel: Cha chi nan fei; Iron Chain Assassin; Iron Chain Fighter;
插翅難飛
Regie: Chor Yuen

Martial-Arts-
Krimi

Action * * * *

Spannung * *

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D a n c e   o f   t h e   D r u n k   M a n t i s   ~   N a n   b e i   z u i   q u a n

Reviewed 9.9.04

Hongkong 1979 Gummibein (Hwang Jang-Lee) ist der Meister des nördlichen Drunken-Stils. Er hat zudem den Gottesanbeterinnen-Stil in seine Kampfkünste eingebaut, um noch effektiver zu fighten. Derart ausstaffiert reist er mit seinem Schüler (Corey Yuen Kwai) gen Süden, um den Meister des südlichen Drunken-Stils zu besiegen: Bettler So alias Sam the Seed (Simon Yuen Siu-Tien). Der erfährt von seiner Frau (Linda Lin Ying), dass sie einen Jungen Namens Foggy (Sunny Yuen Shun-Yee) adoptiert hat. Der will gerne den Drunken-Stil von seinem "Vater" lernen. Doch der Alte lässt den Jüngling zappeln. Als Gummibein attackiert, kann So sich nicht verteidigen und muss flüchten. Foggy lernt derweil von einem Kranken (Yam Sai-kun) den "kranken Stil", um Gummibein etwas entgegegen setzen zu können ...
1978 drehte Yuen Woo-ping mit Jackie Chan den Hongkong-Klassiker Drunken Master. Ohne seinen Star Jackie legte er ein Jahr später die Fortsetzung "Dance of the Drunk Mantis" nach. Heute wird meistens Legend of the Drunken Master aus dem Jahr 1994 als das Sequel angesehen - was man wegen Jackies Involvierung auch durchaus so stehen lassen kann. Dann wäre "Dance of the Drunk Mantis" einfach das inoffizielle Sequel. Oder das offizielle. Wie auch immer - er ist ganz okay. Für viele Martial-Arts-Fans dürfte diese Einschätzung bereits viel zu schlecht sein. Nicht wenige Websites skandieren, dass Yuen sich sogar noch übertroffen hat und "Dance of the Drunk Mantis" ein Meisterwerk ist.
In meinen Augen ist die Story abgegeriffen. Das Thema hat nicht zuletzt Yuen selbst schon so oft gebracht, dass er bereits 1979 ein alter Hut war. Dann tut mir das Fehlen von Jackie weh. Yuens Bruder Yuen Shun-Yee ("Der hässliche Yuen") macht zwar eine gute Figur und kämpft formidabel, aber ihm fehlt das Leinwandcharisma eines Jackie Chan. Yuens Vater Simon Yuen, der in dieser Zeit dank Filmen wie Drunken Master oder Snake in the Eagle's Shadow sehr populär war, kennt man in dieser Figur schon (zu) gut, der in Japan geborene Koreaner Hwang Jang-Lee ist mal wieder extrem agil und der spätere Hit-Regisseur Corey Yuen (Transporter, So Close) ist auch nicht schlecht.
Doch weder Story noch Schauspiel noch Inszenierung vermochten mich wirklich zu überzeugen. Es war einfach nichts dabei, was besonders speziell war, neuartig oder umwerfend. Bis natürlich auf die Kämpfe. Wie man es von einem Film, den Yuen Woo-Ping, Yuen Shun-Yee, Corey Yuen und Yuen Chun-Wei (der auch als Simons Double einsprang) choreografiert haben, nicht anders erwarten kann, sind die Fights erste Sahne. Highlights sind der Arm-intensive Restaurant-Kampf zwischen Simon Yuen und Hwang Jang-Lee, Yuen Shun-Yees Krankheits-Stil-Training sowie das Finale. Den Drunken-Stil sah ich schon besser, doch die Variationen der Teils ziemlich irren Stile macht Spass. Für manche ist "Dance of the Drunk Mantis" deshalb ein Hongkong-Klassiker. Für mich immerhin solide Martial-Arts-Unterhaltung. Und was das Wong-Fei-Hong-Lied in diesem Streifen zu suchen hat, weiss ich auch nicht. Schliesslich ist der von Jackie gespielte Wong ja diesmal gar nicht dabei ...

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC.Kantonesisch und Mandarin 2.0 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.

Alternativer Titel: Nan bei zui quan; Drunken Master II; Drunken Master - Part 2; Knochenbrecher schlägt wieder zu;
南北醉拳
Regie: Yuen Woo-ping

Actionfilm

Action * * * *

Humor * *

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T h e   D e a d l y   B r e a k i n g   S w o r d   ~   F e n g   l i u   d u a n   j i a n   x i a o   x i a o   d a o

Reviewed 22.11.04

Hongkong 1979 Der kleine Dieb Xiao Dao alias Little Dagger (Alexander Fu Sheng) verliert im Riu-Xiang-Casio ein Spiel und muss seine Schulden als Bediensteter der Besitzerin Luo Jinhua abarbeiten. Eines Tages zieht im angrenzenden Lixiang-Bordell die legendäre Prostituierte Liu Yinxu (Shih Szu) ein, der die halbe männliche Bevölkerung der Stadt ihre Aufwartung macht. Darunter auch der eitle Schwertmeister Tuen Cheng-tsin (Ti Lung) alias "Deadly Breaking Sword". Er hat kurz zuvor einen weiteren Gegner abserviert. Doch Lian San (Michael Chan Wai-Man), so sein Name, überlebte und wurde von Dr. Guo Tiansheng (Ku Feng) geheilt. Auf diesen Doktor hat es Miss Liu abgesehen und heuert Tuen an, um ihn zu töten. Da dies seinem Ehrempfinden widerspricht, versucht sie, Little Dagger für das Unterfangen zu gewinnen - denn der braucht schliesslich Geld.
Sun Chungs
Shaw Brothers-Film "The Deadly Breaking Sword" ist solide, aber kein Vergleich zu seinem ein Jahr früher entstandenen The Avenging Eagle. Jener ging visuell wie inhaltlich neue Wege, während "The Deadly Breaking Sword" auf Bewährtem verharrt. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, denn bei den Shaws heisst bewährt auch Folgendes: schöne Ausstattung, grosse Stars, famose Actionszenen, kurzweilige Inszenierung.
Dennoch ist Suns Werk ein wenig zu lang, inhaltlich beliebig und schauspielerisch kein Knüller. Alexander Fu und Ti Lung sind überzeugend, aber ihre Figuren bleiben zu schematisch. Vor allem ihre Beziehung zueinander und zu den anderen Charakteren ist zu beliebig. Es fehlt brüderliche Freundschaft à la Chang Cheh oder eine dramaturgisch erzeugte Gemeinschaft. Dadurch verliert das Finale, wenn alle Fraktionen endlich ihre Rivalitäten austragen, an Kraft. Ähnliches gilt für die Story, wo zentrale Aspekte zu wenig erklärt werden. Wieso kann Little Dagger so gut Kung Fu? Wieso bricht Tuens Schwert und wie kann es sein, dass nach Hunderten von Gegnern überhaupt noch etwas vom Schwert da ist? Wächst das Metall etwa nach? Wenn einem solche (unwichtigen) Dinge durch den Kopf gehen, ist meistens der Film zu wenig packend, um davon abzulenken.
Dennoch: "The Deadly Breaking Sword" ist allemal einen Kauf wert für den geneigten Shaw-Fan. Sei es wegen den zaghaften sexuellen Anspielungen (alleine der Name Little Dagger sorgt für Kichern), der von Tang Chia und Huang Pei-Chi solide und abwechslungsreich choreografierten Action, Ti Lungs arrogantem Protagonisten, Alexander Fus leichtfüssig und humorvoller Interpretation und natürlich der gewohnt attraktiven Ausstattung. Das reicht für 101 unterhaltsame Minuten.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin und Kantonesisch 5.1.
mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Feng liu duan jian xiao xiao dao; Breaking Deadly Sword; Breaking Sword of Death;
風流斷劍小小刀
Regie: Sun Chung

Actionfilm

Action * * *

Humor *

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A   D e a d l y   S e c r e t   ~   L i a n   c h e n g   j u e

Reviewed 29.5.05

Hongkong 1980 Ti Yen (Wu Yuan Chin) wird verhaftet und in die Zelle zu Ting Dien (Jason Pai Piao) gesteckt. Beiden wurde ihr vermeintliches Verbrechen nur untergeschoben. Yens Freundin Qi Fong wird zu allem Übel noch mit einem anderen verheiratet. Doch Yen erfährt bald, dass sein Zellengenosse es viel schlechter erwischt hat: Er wird dauernd vom Magistraten (Yuen Hua) gefoltert, damit er das "Tödliche Geheimnis" preisgeben kann. Dien hat nämlich vor vielen Jahren den Lehrer Mui Nian-Sang vor dessen drei gierigen Schülern, den heutigen Lehreren von Ti Yen, gerettet. Als Dank weihte Nian-Sang ihn in das Geheimnis des unbesiegbaren Siu-Chin-Kung-Fu ssowie des "Tödlichen Geheimnisses" ein - dem Ort eines gigantischen Schatzes. Als sich Dien in die hübsche Ling Seung-Wa (Shih Szu) verliebte, vertraute er ihr das Geheimnis an. Er ahnte nicht, dass ihr Vater, der Magistrat, schon lange nach dem Schatz gesucht hatte. Der Magistrat verhaftete Dien und quält seither seine eigene Tochter.
"A Deadly Secret" ist nicht der einfachste Film der
Shaw Brothers. Seine Rückblendenstruktur dürfte manchen Zuschauer verwirren. Doch dafür, dass der Streifen auf dem nicht sehr bekannten Roman "Requiem for Ling Sing" von
Louis Cha (Jin Yong) basiert, ist er erstaunlich strukturiert. Schliesslich boten uns bisherige Cha-Verfilmungen der Shaws solch undurchdringbare Werke wie das Brave Archer-Quartett, das Heaven Sword and Dragon Sabre-Duo. Auch modernere Cha-Adaptionen wie Jet Lis Swordsman fallen nicht gerade durch eine stringente Handlung auf.
Insofern hat Regisseur Mou Tun-Fei also gute Arbeit geleistet, wenn er einen Cha-Plot in eine verständliche Erzählweise packt. Spannend bleiben die Ereignisse jedenfalls durchgehend. Auch die Action muss nicht zurückstehen, wobei sie wohl eher zu den schwächeren Aspekten des Films gehört. Dafür kann Mou da glänzen, wo man es von ihm kennt: Gewalt. Er ist schliesslich der Regisseur der umstrittenen Men Behind the Sun und Black Sun. Hier hält er sich noch zurück und die meisten Blutspritzer übertsiegen kaum das Metzel-Niveau eines Chang Cheh. Die einzigen Ausnahmen sind die Foltern und die psychische Gewalt. Das herausragendste Folterinstrument dürfte ein Stuhl mit darunter montiertem Holz-Hebel sein, der einen Stock ins Gesäss des Sitzenden rammt. Autsch.
Doch auch die Gewalt, die nicht in Blut messbar ist, tut weh: So vergräbt ein Schurke seine eigene Tochter bei lebendigem Leibe, weil sie ihm nicht helfen wollte. Mou schafft es, diese Gewalt stets glaubhaft zu machen, da die Leute in diesem Film von ihrer Gier geleitet werden. "A Deadly Secret" hat ganz klar moralistische Züge und erklärt Habgier zu einem Übel der Menschheit. Das Finale erreicht deshalb beinahe "Raiders of the Lost Ark"-Qualitäten.
Schauspielerisch gibt es eher wenig zu berichten. Die Hauptdarsteller sind nicht die bekanntesten, agieren aber ganz passabel. Yuen Hua und Shih Szu kommen nur kurz vor, liefern aber auch durchaus solide Darbietungen. "A Deadly Secret" sollte man sich auch eher wegen seiner düsteren Stimmung, den sadistischen Einlagen und der verzwickten Erzählstruktur anschauen. Erwartet keinen Martial-Arts-Knüller, aber düsteres Kung-Fu-Kino mit einer Botschaft: Lasst euch nicht von Habgier leiten. Na dann.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin 5.1.
mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Lian cheng jue;
連城訣
Regie: Mou Tun-Fei

Actionfilm

Action * *

Gewalt * *

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D i r t y   H o   ~   L a n   t  o u   H e

Reviewed 1.7.05

Hongkong 1979 Der Kaiser will unter vierzehn Prinzen einen Nachfolger ernennen. Deshalb beginnt ein Intrigenspiel unter den potenziellen Nachfolgern. Mit diesem will der 11. Prinz Wang (Gordon Liu Chia-Hui) nichts zu tun haben und taucht im südlichen Guangdong unter. Er trifft auf den flegelhaften Dieb "Dirty" Ho Zhen (Wong Yue), den er mit einem Trick zu seinem Schüler macht. Als seine Tarnung auffliegt und kampfbereite Prinzen (u. a. Johnny Wang Lung-Wei) aus Beijing anreisen, hat Wang Hilfe auch dringend nötig.
Von all den Kung-Fu-Komödien, die Liu Chia-Liang für die Shaw Brothers gedreht hat, ist "Dirty Ho" eine der besseren. Die Chemie zwischen Gordon Liu und Wong Yue ist hervorragend und die Choreografie 1A. Die meisten Szenen kommen ohne gigantisches Drauflos-Dreschen aus, vielmehr liefern sich die Akteure kleine, manchmal gar heimliche Scharmützel - mit akrobatischem und humoristischem Effekt. Beste Beispiele sind etwa die Wein- und Antiquitäten-Fights, die sich Gordon Liu unter anderem mit Wang Lung-Wei liefert. Noch eindrücklicher werden die Kämpfe dadurch, dass Kameramann Arthur Wong (Purple Storm, Iron Monkey) die meisten in langen Takes abgefilmt hat.
Liu, ausgestattet mit köstlichem Schnurrbart, fühlt sich in dem Part sichtlich wohl. Seine Co-Stars bilden ausserdem eine illustre Runde: Kara Hui, Lo Lieh, Lily Li, Johnny Wang - dieses Cast lässt sich sehen. Aber zentral bleibt die Buddy-Movie-Freundschaft zwischen Gordon Liu und und
Liu Chia-Liangs Schützling Wong Yue. Das macht den Film sympathisch und leicht zu folgen. Der ideale Unterhaltungsfilm für einen verregneten Nachmittag.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin und Kantonesisch 5.1 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.

Alternative Titel: Lan tou He; Lan tou Ho; Rotten-Head Ho; 爛頭何
Regie: Liu Chia-Liang

Actionkomödie

Action * * *

Humor * *

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E n c o u n t e r s   o f   t h e   S p o o k y   K i n d   ~   G u i   d a   g u i

Reviewed 25.7.04

Hongkong 1980 Der "mutige Chung" (Sammo Hung Kam-bo) vermutet, seine Frau (Leung Suet-Moi) habe eine Affäre. Tatsächlich schläft sie mit Chungs Boss, dem reichen Master Tam (Wong Ha). Der einzige Anhaltspunkt, den Chung hat, ist ein Schuh des Mannes. Bevor Chung dieses Beweisstück zuordnen kann, beschliesst Tam, den Trottel auszuschalten. Dazu heuert er Chin Hoi  (Peter Chan Lung) an, einen bösen Tao-Mystiker. Dessen Bruder Tsui (Chung Fat ) ist Cheungs einzige Hilfe. Und Hilfe hat er bitter nötig, denn bald darauf wird er des Mordes an seiner Frau angeklagt und von einem Inspektor (Lam Ching-Ying, Mr. Vampire) gejagt. Kann sich Chung gegen die Justiz und mörderische Vampire (u.a. Yuen Biao) wehren?
Viele Martial-Arts-Fans betrachten "Encounters of the Spooky Kind" als einen von Sammo Hungs besten Filmen. Nicht, weil es der erste war, der Grusel, Martial Arts und Comedy mischte - entgegen der weitverbreiteten Meinung, dass dies so war, gab es viel früher bereits
Schwarzweiss-Filme, die die Genres gemischt haben und natürlich Werke der Shaw Brothers wie "The Spiritual Boxer" und dessen Sequel Shadow Boxing. Nein, es ist vielmehr die Actionchoreografie. Zugegeben, es gibt Streifen, die mehr Action haben, doch wenn Sammo einen Fight absolviert, dann ist er in diesem Film klasse. Die absoluten Highlights sind sein Kampf gegen einen steifen Vampir, sein Fight im Teehaus, in dem seine Hand "Evil Dead"-mässig besessen ist. Und natürlich das Finale, in dem Sammo Monkey-Style vorführen darf und mit einer Waffe glänzen kann. Er mag übergewichtig sein, dieser Peking-Oper-Schüler, dich kämpfen kann er wie nur wenige andere.
Neben den Fights gibts natürlich viel zu lachen. Hongkong-Horror hat ein paar Elemente, die sich perfekt für eine Komödie eignen. Wer kann schliesslich schon diese Vampire ersnt nehmen? Vampire nennt man in Hongkong Leichen, die (meist durch Zauber) wieder auferstanden sind. Was bei uns eher als Zombie durchgehen würde. Es gibt sogar einen Beruf (siehe Shadow Boxing), bei dem die Toten wiedererweckt werden, um sie zu transportieren. Daher kommt auch die Hüpfbewegung: Die "Vampire" sind bereits in der Totenstarre und der einzige Weg, sich fortzubewegen, ist Hüpfen. Das sieht einfach lächerlich aus, nicht gruselig. Deshalb scheitern eher seriöse Horrorfilme mit Vampiren (Vampire Hunters) eher als komödiantische - wie dieser hier.
Besser als der Grusel-Aspekt ist deshalb auch, wie erwähnt, die Action-Seite. Und eben Comedy. Sammos Timing ist phänomenal, seine körperbetonten Gags witzig. Die 99 Minuten Lauflänge fliegen im Nu vorbei. Westliche Zuschauer, die wenig Hongkong-Filme des letzten Jahrtausends gesehen haben, dürften sich vor allem an zwei Dingen stören: Der Behandlung von Tieren - und jener von Frauen. Tiere habens nicht gut im HK-Kino. Das widerspiegelt jedoch die Mentalität dieser Zeit. Tiere waren Ausstattung und deshalb darf auch ein Huhn lebendig aufgeschlitzt werden. Ich mag es auch nicht, wenn Tiere der Kunst wegen leiden müssen, aber zur Verteidigung muss man sagen, dass dieses Huhn eh in der Suppe gelandet wäre, die am Abend serviert wurde. Ob das Huhn nun on- oder offscreen gekillt wird, macht wenig Unterschied. Jeder, der wie ich gerne Chicken isst, sollte den Mund nicht zu weit aufmachen ...
Das andere, was eventuell stören kann, ist die Behandlung von Frauen. Auch das typisch Hongkong für diese Ära. Vor allem Sammo ist für seinen unzimperlichen Umgang bekannt. Doch Feminismus beiseite: Die letzte Szene, in der er seine betrügerische Frau verprügelt, ist einfach lustig. Inkorrekt, aber lustig. Na ja, wer böse war, muss büssen. Genug politisch korrektes Geschnorr, der Streifen entstand schliesslich 1980 - und man sollte ihn ansehen. Zum einen, weil er geile Action hat. Dann auch, weil die Witze wunderbar sind. Den Grusel kann man indes vergessen - aber man lernt viel über Tao-Rituale und übersinnliche Phönomene. Zum Beispiel werden in HK nicht Knoblauch und Kreuze gegen Vampire verwendet, sondern Hühnereier, Blut von schwarzen Hunden und klebriger Reis. Also Kinder, Filme lehren euch auch was ...!
PS: Offiziell gibt es nur ein Sequel, doch EotSK hat etliche HK-Filme der 80er inspiriert, nicht zuletzt die Mr. Vampire-Reihe, "
Ninja in the Dragon's Den" und A Chinese Ghost Story.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (GB): Code 2 PAL. Englisch und kantonesisch 2.0 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Spooky Encounters; Gui da gui; Close Encounters of the Spooky Kind; Ghost Fights Ghost; Ghost Against Ghost; Spooky Encounters;
打鬼
Regie: Sammo Hung Kam-Bo

Martial-Arts-
Gruselkomödie

Humor * * *

Action * * *

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T h e   F l a g   o f   I r o n   ~   T i e   q i   m e n

Reviewed 9.8.06

Hongkong 1980 Der Adler-Clan betreibt in einer Stadt mehrere Bordelle und rückt die Martial-Arts-Zunft in ein schlechtes Licht. Dies ist dem Clan der eisernen Flaggen ein Dorn im Auge, weshalb der Anführer (Wong Ching-Ho) mit seinen drei besten Schülern Luo Xin (Philip Kwok Chun-Fung), Yuan Lang (Chiang Sheng) und Cao Feng (Lu Feng) den Rivalen einen Besuch abstattet. Dabei fallen die Adler über die Fahnen-Leute her und töten den Anführer. Cao Feng wird neuer Chef und Luo muss zur Strafe für den Gewaltausbruch ein Jahr ins Exil. In dieser Zeit suchen ihn etliche Killer heim, die ihn töten wollen. Wer steckt dahinter? Etwa Cao Feng? Oder der mysteriöse "Rambler" in der weissen Kutte, Yan Xiu (Lung Tien-Sheng)?
Mit den von ihm entdeckten "Venoms" drehte Chang Cheh eine ganze Serie von meist gelungenen Martial-Arts-Filmen für die Shaw Brothers. Obwohl ich nie zu den grössten "Venoms"-Fans gehörte, eines muss ich ihnen neidlos zugestehen: Die Jungs sind wahre Akrobaten. Auch in "The Flag of Iron" zeigen die Kämpfer ihr Talent dafür, verschiedene Gegenstände als Waffe zu benutzen und mit halsbrecherischen Sprüngen aus brenzligen Situationen zu entwischen. Die Kämpfe, und von denen gibts viele, gehören deshalb zu den Highlights des Films.
Weniger gut sieht es mit der Story aus, der es an Spannung mangelt. So weiss man sehr schnell, wer der Schurke ist und der Auftakt im Casino gehört zu den schwächeren Anfangsphasen eines Shaw-Films. Nicht zuletzt fehlt es vielen der Figuren an Charisma, um als Zuschauer wirklich mit ihnen mitzufiebern. Der Film wirkt daher etwas blutleer.
Nur in der bereits angesprochenen Action legt "The Flag of Iron" einen Zacken zu. Die Kämpfe gegen die Killer sind besonders cool, da sie reichlich Abwechslung bieten. Aber auch der Einsatz der titelgebenden Riesenfahnen macht Laune, zumal sie auch ästhetisch was hergeben. Auf "Venoms"-Freunde dürfte all dies noch deutlich genialer wirken und selbst jene, die Philip Kwok, Lu Feng, Chiang Sheng sowie ihre (hier nicht auftrendenden) "Venoms"-Kumpanen Lo Mang und Wei Pai nicht kennen, dürften angesichts der Akrobatik ins Staunen kommen. Das alleine macht den Film schon empfehlenswert.
Eine längere Kritik habe ich mir gespart, da es im Netz schon einige kompetente Reviews gibt von moderat erfreut bis hocherfreut. Erstaunlicherweise gehört kungfucinema, die stets Wert auf die Kampf-Action legen, zu den weniger euphorischen Fans des Films.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin 5.1.
mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Tie qi men;
鐵旗門
Regie: Chang Cheh

Martial-Arts-
Film

Action * * * *

Humor *

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H e x   ~   X i e

Reviewed 28.7.04

Hongkong 1980 Guangzhou, Chung-Gwai-Sin-Strasse: Der Chan-Clan aus Fu Jien wohnte dort viele Jahre und kam zu Reichtum. Doch nun lebt aus der Sippe nur noch Chan Sau-Ying - und die ist sehr krank. Ihr jähzorniger Gatte Yeung Chun-Yu vertreibt alle Zofen, die der Frau noch helfen und terrorisiert seine Gattin, wann immer er nur kann. Da taucht Yi-Mah auf, die Tochter einer früheren Zofe, und bietet ihre Dienste an. Sie wehrt sich gegen Chun-Yu. Und als er einmal zu handgreiflich wird, ersäufft sie ihn im Regenfass. Die Leiche entsorgen die beiden Frauen im nahe gelegenen Teich. Doch von dort verschwindet die Leiche. Bald darauf wird Sau-Ying von Geister-Erscheinungen heimgesucht und wird immer kränker ...
Kwei Chih-Hung ist einer der Horrorexperten der Shaw Brothers: Sein Killer Snakes war vielleicht der nihilistischste Film der Shaws überhaupt, The Boxer's Omen gehört zu den Schwarzmagie-Klassikern. Mit "Hex" wendet er sich etwas konventionellerem Horror zu. Der Plot ist stark von "Les diaboliques" beeinflusst, jedoch deutlich weniger spannend - dafür ziemlich spassig. Wer kann einen Film schon ernst nehmen, bei dem Leichen literweise grünes Blut ausspucken, bei dem Männer blaues Blut aus dem Kopf läuft, bei dem Ohren abgerissen werden und gegen Schluss eine mehrminütige Geisteraustreibungs-Prozedur abgehalten wird, bei der eine hübsche Frau komplett entkleidet in ekstatischen Bewegungen tanzt? Na also. Doch das Erstaunliche ist, dass trotz diesem manchmal freiwilligen, manchmal unfreiwilligen Humor "Hex" stets sehr atmosphärisch ist.
Das liegt an den fabelhaften Shaw-Sets (der Tümpel vor dem Haus ist besonders reizend) und Kuei Chin Hungs Touch fürs Absurde. Der Film ist jedenfalls über die ganze Laufzeit von 90 Minuten sehr unterhaltsam. Einzig mit dem Schlusstwist konnte ich micht nicht anfreunden. Der ist allzu weit hergeholt - er ist durchaus nachvollziehbar, aber nicht wirklich glaubhaft. Nun, das ist ein kleines Manko verglichen mit dem Grusel- und Fun-Potenzial des restlichen Films. "Hex" ist kein Meisterwerk, doch für 1980 ein sehr gelungener Hongkong-Horror, der manche Ideen vorwegnimmt, die im HK-Horror der 80er zu sehen sind. Die mordende Hand, die Sam Raimi laut einigen voreiligen Kritikern für "Evil Dead" aus Encounters of the Spooky Kind geklaut haben soll, kommt bereits hier vor - doch sie existierte als eiskaltes Händchen der "Addams Family" oder
"The Beast with Five Fingers" (1946) schon viel früher. Film entwickelt sich eben organisch weiter, Ideen kommen manchmal unabhängig voneinander. Doch ich schweife ab. "Hex" dürfte allen gefallen, die kurzweiligen, etwas irren, aber stimmungsvollen Grusel mögen. 
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin 2.0.
mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Xie;
Regie: Kwei Chih-Hung

Horrorfilm

Gewalt * *

Spannung * *

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T h e   K i d   W i t h   t h e   G o l d e n   A r m   ~   J i n   b e i   t o n g

Hongkong 1979 Ausführliche Kritik: hier.

 

K n o c k a b o u t   ~   Z a   j i a   x i a o   z i

Reviewed 5.9.04

Hongkong 1979 Die beiden Gauner Yi-pao (Yuen Biao) und Tai-pao (Leung Ka-Yan) sind zwar Profis darin, anderen Geld abzuluchsen, doch sie ziehen auch das Pech an wie ein Magnet. Gerade als sie einen schmierigen Goldschmied mit einem Goldstück um viel Geld betrogen haben, wird ihnen die Beute von einem Bettler (Sammo Hung Kam-Bo) wieder abgenommen. Er tauscht ihr Geld gegen Reiswaffeln ein. Mit diesen wollen die beiden im Casino Geld machen. Doch als auffliegt, dass sie mit Falschgeld zahlen, werden sie vermöbelt. Nunmehr pleite wollen sie einen Restaurantbesitzer übers Kreuz hauen und werden selber betrogen. Zudem werden sie verprügelt - sie müssen endlich bessere Kämpfer werden. Dabei soll ihnen Koo "The Fox" Wu-Tai (Liu Chia-Yung) helfen, der auch im Restaurant sass. Der trainiert die beiden, doch entpuppt sich als Krimineller. Als Yi-pao ihn beim Mord an "Tiger" (Mars) beobachtet, attackiert der Meister seine Schüler und tötet Tai-pao. Um Rache zu üben, braucht Yi-pao einen neuen Meister. Er findet einen, der den Monkey-Stil beherrscht: den Bettler.
1979 war wirklich ein starkes Jahr für das Kung-Fu-Kino in Hongkong - vor allem für Sammo Hung. Mit seiner frühen Regiearbeit "Knockabout" lieferte er den vielleicht akrobatischsten Martial-Arts-Film aller Zeiten ab. Zudem gab er seinem "Seven Little Fortunes"-Kumpel Yuen Biao die erste Hauptrolle. Der zahlt es ihm zurück mit Stunts, die man davor und danach kaum wieder zu sehen bekam. Mit jedem Fight legt er einen Zacken zu. Seine finale Trainigs-Session mit Sammo sowie der Schlusskampf gehören zum Besten, was jemals im Kung-Fu-Kino zu sehen war.
Yuen war von den "Seven Little Fortunes" immer der akrobatischste und er zeigt dies nirgens so eindrücklich wie hier. Doch Sammo selbst steht ihm kaum nach. Im bereits erwähnten Schlusskampf perfektioniert er z.B. den "Monkey Style", den
 Liu Chia-Liang im gleichen Jahr mit Mad Monkey Kung Fu ebenfalls eindrücklich zur Schau stellte. Müsste ich einen von beiden hervorheben, die Wahl fiele wohl auf "Knockabout". Doch dafür hat der Lius
Shaw Brothers-Film einfach die besseren Sets und die bessere Story.
"Knockabout" wirkt dagegen fast schon billig. Die Comedy ist okay, zu Beginn sogar richtig gut. Die Musik und die Kamera sind kaum der Rede wert. Und der Plot ist schablonenhaft, nicht zuletzt die Rache-Story, die im letzten Drittel zum Tragen kommt. So liegt wirklich aller Fokus auf den Kampfszenen. Dafür kann ich schwer mehr als 3½ Sterne geben, schliesslich muss ich den Film ja als Ganzes anschauen. Doch er ist solide gespielt und für Martial-Arts-Fans vielleicht einer der zehn besten Filme was die Qualität der Fights anbelangt. Eine Sternstunde für Yuen Biao, Sammo Hung und Monkey-Style-Kung-Fu.
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (GB)

Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch, Mandarin 2.0 mit engl. Untertieln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Za jia xiao zi;
雜家小子
Regie: Sammo Hung Kam-Bo (credited als Hung Ching-Pao)

Martial-Arts-
Komödie

Humor * * *

Action * * * *

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L e g e n d   o f   t h e   M o u n t a i n   ~   S h a n - c h u n g   c h ' u a n - c h ' i

Reviewed 13.11.04

Hongkong / China / Taiwan / Korea 1979 China zur Sung-Dynastie: Der Gelehrte Ho (Chun Shih) bekommt von dem Obermönch den Auftrag, einige Sutra-Schriften zu modifizieren und kopieren. Das will er an einem abgeschiedenen Ort tun und zieht in die Berge. Er findet Unterschlupf im beinahe menschenleeren Palast, in dem Mr. Tsui (Tung Lam) residiert. Der erklärt ihm, dass der General und seine Gefolgschaft, die hier lebte, umgekommen sind. Ho beginnt mit seiner Arbeit und wird von Tsui mit Madame Wang (Rainbow Hsu) bekannt gemacht, des Generals ehemaliger Gehilfin. Die Frau will ihn unbedingt mit ihrer Tochter Melody (Hsu Feng) verkuppeln. Er ahnt nicht, dass wenn er sie heiratet und die Manuskripte übersetzt, sie wieder menschlich werden würde - denn Melody ist ein Geist. Eine weitere mysteriöse Frau namens Cloud (Sylvia Chang Ai-chia) taucht auf, die versucht, Ho zu warnen.
"Legend of the Mountain" ist das Begleitwerk zu King Hus Raining in the Mountain. Die beiden Werke entstanden 1979 mit derselben Crew in Korea und weisen einen ähnlichen Plot sowie einige der selben Probleme auf. Die Geschichte, diesmal aus Sicht der Geister erzählt, ist eher blass, das Tempo geradezu lethargisch. Action gibt es im Vergleich zu King Hus Meisterwerken Come Drink With Me und A Touch of Zen kaum. Doch "Legend" wie "Raining" unterstreichen King Hus Gespür für Bildsprache. Beide Filme nehmen ähnliche Symbolik von Nebeln, Wäldern, Tieren und Klippen auf und formen daraus einen pittoresken Hintergund für die übersinnlichen Ereignisse.
Wenn diese bloss eben etwas spannender und aussergewöhnlicher wären. Die erste Stunde baut fast nur Atmopshäre auf und die Story-Entwicklungen sowie Handlungs-Intensivierungen kommen einfach zu spät. Zumal davor viel Last auf dem Schauspieler Chun Shih lastet, der für diesen zentralen Part einfach zu farblos ist. Die junge Sylvia Chang dagegen versprüht das Gefühl von unschuldiger Leichtigkeit, gepaart mit mysteriösen Absichten - eine gelungene Bestzung. "Legend of the Mountain" ist sicherlich sehenswert für alle Fans des grossen Regisseurs, doch es ist weder ein Standardwerk wie es King Hus frühere
Wuxia-Klassiker sind, noch ist es ein rundum geglücktes Epos.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Mandarin und Kantonesisch 2.0 und 5.1
Mit englischen Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph).
Alternative Titel: Shan-chung ch'uan-ch'i; Shanzhong chuangqi;
山中傳奇
Regie: King Hu Chin-chuan

Parabel

Action *

Spannung * *

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L o s t   S o u l s   ~   D a   s h e

Hongkong 1980 Ausführliche Kritik: hier.

 

M a d   M o n k e y   K u n g   F u   ~   F e n g   h o u

Reviewed 12.6.04

Hongkong 1979 Der reiche Bordellbesitzer Duan Shiang-Yuan (Lo Lieh ) hat es auf Tsuei-Hung (Kara Hui Ying-Hung) abgesehen, die mit ihrem Bruder Chen (Regisseur Liu Chia-Liang) als Tänzerin der chinesischen Oper auftritt. Um Tsuei-Hung an sich zu binden, trickst Duan Chen aus: er macht ihn betrunken, worauf Duans Frau ihn in ihr Bett holt. Der "Seitensprung" fliegt auf. Auf die Tat steht Tod durch ertrinken. Tsuei-Hung überredet Duan, Gnade walten zu lassen: Chen bekommt seine Hände zertrümmert und Tsuei-Hung wird zur Maitresse von Duan. Der gedehmütigte Chen verdient fortan sein Geld als Strassenkünstler mit seinem Äffchen Ah Mo. Als Geldeintreiber das Tier töten, bietet sich der hyperaktive Little Monkey (Hsiao Hou) als Ersatz an. Die beiden werden ein gutes Team - bis die Geldeintreiber wieder zuschlagen. Nun bittet Monkey Chen, ihn in Kung-Fu auszubilden. Chen willigt ein. Seine neu erworbenen Künste kann Monkey auch bald einsetzen: gegen Duan!
"Mad Monkey Kung Fu" ist einer der besten Filme der Shaw Brothers. Alleine wegen den Kampfszenen muss man das Werk gesehen haben. Es ist mit 107 Minuten etwas lang, hat einen schwachen Bösewicht und bisweilen etwas plumpen Humor - aber diese Fights. Wow. Die Messlatte legt Regisseur Liu gleich selbst. Er spielt erstmals die Hauptrolle und präsentiert am Anfang Affen-Kung-Fu ("Monkey Fist") im betrunkenen Zustand vor. Er ist agil und unkontrollierbar - Drunken Master lässt grüssen. Da Liu der wohl beste Choreograph seiner Zeit ist und sich selber inszeniert, kann er sich voll gehen lassen. Danach ist kampftechnisch eine Pause angesagt, doch im letzten Drittel gehts weiter.
Dann wird Hsiao Hou (sein Name heisst übersetzt "kleiner Affe") ausgebildet. Der junge Mann hat es nie zum Star geschafft, was nach dieser Performance schwer zu glauben ist. Schnell merkt man bei der Ausbildung, dass Hsiao einer der beweglichsten und flinksten Männer im Business ist. Er ist wahrlich ein irrer Affe und ihm zuzusehen, wie er von Liu dazu getrieben wird, in Seilen zu schlafen, mit Steinen an den Händen zu essen oder auf Bäume einzuschlagen ist wahrhaft
eine Kung-Fu-Augenweide. Wenn er danach in das Bordell von Duan zieht und sein Können an seinen Gegnern auslässt, werden wir Zeugen von einer der bestchoreografierten Sequenz der Shaw-Geschichte. Wirklich Wahnsinn wie akrobatisch Hsiao über die Leute und die Gegenstände wirbelt.
Neben den Kämpfen gibts noch mehr zu mögen. So etwa der emotionale Moment, in dem Chens Äffchen Ah Mo getötet wird oder die (geglückteren) Comedy-Momente von Hsiao Hou . Doch es ist wirklich die Kampf-Choreografie, die "Mad Monkey Kung Fu" zum Must-See für jeden Kung-Fu-Fan macht. Monkey Style war nie besser - höchstens vielleicht in Sammo Hungs Knockabout, der im gleichen Jahr erschien.
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin und Kantonesisch 5.1 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.

Alternative Titel: Feng hou; Mad Monkey; Fung hau; Der Killer mit der Affenpranke;
瘋猴
Regie: Liu Chia-Liang

Actionfilm

Action * * * *

Humor * *

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T h e   M a g n i f i c e n t   B u t c h e r   ~   L i n   s h i   r o n g

Reviewed 31.7.04

Hongkong 1979 Metzger Lam Sai-Wing (Sammo Hung Kam-Bo) ist ein Schüler des Arztes und Hun-Gar-Meisters Wong Fei-Hong (Kwan Tak-Hing). Doch meistens macht er seinem Meister Probleme. So gelingt es ihm auch, einen Streit zwischen Wongs "Po Chi Lam"-Schule und jener des bösen Master Ko (Lee Hoi San) zu entflammen. Als Sai-Wings lange verschollener Bruder Sai-kwong (Chiang Kam) auftaucht und dessen Frau Kos Sohn Tai-Hoi (Fung Hark-On) reizt, eskaliert die Situation. Wong Fei-Hong ist nicht in der Stadt. Tai-Hoi nutzt die Chance und tötet Sai-Wings Geliebte, die eine Patentocher von Ko ist! Den Mord schiebt er Butcher Wing in die Schuhe, der nun von Ko bis aufs Blut gejagt wird. Ko zerstört das Schild der "Po Chi Lam"-Schule und verletzt Wing im Kampf. Er flieht und wird von Wong Fei-Hongs altem Kumpel, einem Bettler (Fan Mui Sang) mit Martial-Arts-Kenntnissen und Trunksucht, gesund gepfegt. Der Bettler trainiert Lam Sai-Wing für seinen Rachefeldzug ...
Wenn es darum geht, südchinesische Kung-Fu-Techniken ("Hung Gar") zu zeigen, geht nichts über Wong Fei-Hong und seine Schüler. Wong wurde über in über 80 Schwarzweiss-Filmen von Kwan Tak-Hing (1905-1996) gespielt, weshalb sich Regisseur Yuen Woo-ping nicht zu schade war, für die Rolle des Wong diese Legende zu casten - obwohl er damals schon 74 Jahre alt war. Kwan Tak-Hing ist tatsächlich beeindruckend in seinen kurzen Szenen, insbesondere in einem Kaligrafie-Match gegen Lee Hoi San. Doch "The Magnificent Butcher" gehört nicht Wong Fei-Hong sondern einem seiner Schüler: dem Metzger Lam Sai-Wing, der unter anderem in Once Upon a Time in China zu sehen ist.
Gespielt wird diese fast ebenso legendäre Figur von Sammo Hung. Es ist die Rolle seines Lebens, weil er die richtige Physis und die richtige Kampfstärke hat. Dennoch spielte er die Rolle nur einmal. Dafür gleich perfekt. Er kämpft, dass es weh tut, er springt mit seinem Schwabbelbauch wie ein Reh und spielt auch die emotionalen Szenen mit Bravour. Dass die Comedy-Momente bei ihm gut aufgehoben sind, versteht sich von selbst. Ebenso eindrücklich eben Kwan Tak-Hing, doch auch Bösewicht Lee Hoi San, einem ehemaligen
Shaw Brothers-Schauspieler. Sein Schlusskampf gegen Sammo ist fantastisch. Yuen Woo-ping ist ja heute bekannt für seine extravagenten Wire-Fu-Filme, doch in "The Magnificent Butcher" zeigt er mit Hilfe von Sammo, der als Co-Choreograph aufgelistet ist, dass er klassische Kung-Fu-Technik ebenso beherrscht. Zu Beginn des Films gibts jedoch mehr Comedy und viele leichte Szenen, um die Handlung einzuführen. "Highlight" ist eben das Kaligrafie-Duell. Doch dann gewinnt der Streifen schnell an Tempo, bevor der Humor wietgehend über Bord geworfen wird, der Film brutaler wird und deftig gekämpft wird. Besonders brutal ist der Schlusskampf und Sammos Fight gegen Kos Sohn Tai-Hoi (
Fung Hark-On). Doch noch andere Akteure können kämpfen und glänzen, darunter Sammos "Seven Little Fortunes"-Kumpels Yuen Biao und Yuen Miu  sowie Mr. Vampire Lam Ching-Ying. Speziell erwähnen sollte man auch Fan Mui Sang, der den Bettler spielt. Die Rolle wäre für Yuens Woo-ping Vater Yuen Siu Tien gedacht gewesen, der den betrunkenen Martial-Arts-Master schon in Snake in the Eagle's Shadow und Drunken Master verkörpert hat. doch Fan macht den Job nicht minder beachtlich.
Yuen Woo-pings Zauberhändchen konzentriert sich nicht nur auf Martial-Arts. Er baut auch einige kleinere Leckereien ein, so etwa akustischer Art. Als der Bettler sich einmal mit Alkohol aufputscht, ist das "Popeye"-Thema zu hören, immer wenn Wong Fei-Hong in Aktion tritt, begleitet ihn das unsterbliche Leitthema, das von den alten Schwarzweiss-Filmen bis Once Upon a Time in China immer wieder zu hören war. Dies alles ist für Insider gedacht, für das lokale Publikum. Wer hätte damals denn schon vermutet, wie populär das HK-Kino einst werden würde. Doch die Kämpfe sind international. Sehr traditionell, sehr konzentriert und blendend ausgeführt. Wer weniger auf Firlefanz steht und mehr bodenständigen Kung-Fu bevorzugt, den man anhand dieses Filmes geradezu trainieren könnte, der ist richtig aufgehoben. "The Magnificent Butcher" steht bei mir nicht ganz so hoch im Kurs wie etwa bei Mark Pollard von kungfucinema oder HK-Experte Bey Logan, was daran liegt, dass am Anfang Längen auftreten, einige der Comedy-Szenen nicht funktionieren und der Film rund 15 Minuten zu lang ist - doch er ist definitiv ein Must-See für jeden, den sich Fan des klassischen Martial-Arts-Kinos schimpft.

Hier auf DVD erhältlich (GB)
Hier auf DVD erhältlich (US)
Meine Disk (GB): Code 2 PAL. Kantonesisch und Englisch 5.1. mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel:
Lin shi rong; Ren zhe wu di; 林世榮; 鉅星
Regie: Yuen Woo-ping

Actionfilm

Action * * *

Humor * *

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M o n k e y   K u n g   F u   ~   C h u   l o n g   m a   l i u

Reviewed 3.7.05

Hongkong 1979 Der freche Herumtreiber Wei Chung (Tony Ching Siu-Tung als Cheng Hsiao-Tung) wandert für ein paar Jahre in den Knast. Dort legt er sich mit dem alten Ma Siu-Tien an, dem ehemaligen Anführer des "Gibbon Fist Clans". Kurz vor seiner Exekution übergibt Ma dem jungen Mann ein mysteriöses Amulett, weil er den Mut von Chung bewundert. Das Amulett soll ihm die Affentechnik des Gibbon-Clans einbringen. Doch dazu braucht er die zweite Hälfte des Amuletts. Als sich wenig später die Chance bietet, mit dem Mithäftling Chau Lun (Hau Chiu-Sing aka. Hou Chai-sheng) zu fliehen, nutzt Chung sie. Die zwei Männer befreien sich voneinander, laufen sich aber immer wieder über den Weg - und sie brauchen auch alle Hilfe, die sie kriegen können, denn Tung Hei-Fung (Kuan Feng) und seine Schergen vom "Black Tiger Clan" wollen das Amulett.
1979 war ein tolles Jahr für Monkey Kung Fu. Neben Sammo Hungs
Knockabout und Liu Chia-Liangs Mad Monkey Kung Fu ist "Monkey Kung Fu" zwar höchstens der unbekanntere Stiefbruder, aber bei der Action kann der Film von Lo Mar absolut mithalten. Wo es hapert ist die Story. Deshalb reicht es auch nur haarscharf für 3½ Sterne. Aber eben: diese Fights! Zu verdanken haben wir sie weitgehend Tony Ching-Siu-Tung. Der Wire- und Schwertkampfchoreograf, der uns die Action von Meisterwerken wie A Chinese Ghost Story (auch Regie) und House of Flying Daggers beschert hat, tritt hier nicht nur als Choreograf in Erscheinung, sondern auch noch als Schauspieler.
Das gibt uns Zuschauern die seltene Chance, ihn auch vor der Kamera zu erblicken. Er liefert eine akzeptable, freche Performance ab, doch was natürlich im Vordergrund steht, sind siene Kicks - ohne Wire-Einsatz, dafür mit langen Einstellungen, die sein Talent bestens zur Geltung bringen. Es gibt eine ganze Reihe von Highlights: Den Kampf um den Stuhl im Gefängnis ist von ungemeiner Akrobatik, der Fight der beiden Sträflinge mit dem Schmied ist ein amüsanter Kampf-Tanz, Chings agiles Duell mit einer Kung-Fu-Prostituierten ist herrlich, da es auf engem Raum (einem Bett) spielt und sie sich biegen kann wie eine Schlangenfrau. Nicht zuletzt überzeugt auch das Finale, bei dem die Kontrahenten so richtig aufeinander einprügeln können. Es spielt, wie ein Grossteil des Films, im Freien, und nicht wie für die Shaws üblich, in elaborierten Sets. Deshalb hat "Monkey Kung Fu" eher den Look eines Golden-Harvest-Films, kein Wunder nach dem Erfolg von Drunken Master und Co.
Abseits dieser Martial-Arts-Kunststücle sorgen eine Ausbildungs-Montage und der Humor des Films für Unterhaltung. Darüber dürften die meisten Old-School-Kung-Fu-Fans den etwas schwächelnden Plot sicherlich vergessen. Völlig daneben ist er sicher nicht, doch er folgt den Formeln der Ära und ist sehr dünn, da es zwischen den Kampfszenen kaum Platz für Handlung gibt. Soviel wird gekämpft. Und das ist ja sicher nicht schlecht: 89 Minuten Kung-Fu mit Monkey-Style, Tiger-Style, Drunken Monkey und weiteren tollen Techniken, blendend vorgetragen von Ching Siu-Tung, dem nicht minder genialen Hau Chiu-Sing und Kuan Feng mit seinem Kampfstab
- genau das Richtige für Fans von traditionellen Kampfsport-Schaustücken.
Achtung: Bei mehreren Publikationen, selbst bei imdb, gibt es eine Verwechslung mit dem schlechten "Monkey Fist, Floating Snake", der ebenfalls unter dem Namen "Monkey Kung Fu" auf DVD erschienen ist und von kungfucinema nicht gerade gnädig beurteilt wurde. Wer nach Lo Mars "Monkey Kung Fu" sucht, sollte besser nach dem englischen Titel "Strike of Death" suchen, der doch ein paar Reviews ausspuckt.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin und Kantonesisch 5.1 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.

Alternative Titel: Stroke of Death; Chu long ma liu;
Chut Lung Ma Lau; Hurra, die Knochenbrecher sind da!;
出籠馬騮
Regie: Lo Mar

Actionkomödie

Action * * * *

Humor * *

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O d d   C o u p l e   ~   G u i   d a   g u i

Reviewed 18.8.04

Hongkong 1979 Alle zehn Jahre treffen sich der "Meister des Schwerts" (Sammo Hung Kam-Bo) und der "Meister des Speers" (Liu Chia-Yung) zum Duell, um herauszufinden, welches denn nun die beste der 18 chinesischen Martial-Arts-Waffen ist. Doch jedes Mal endet der Kampf im Unentschieden. Nun verabreden die beiden, sich je einen Schüler zu nehmen. Die beiden sollen in 10 Jahren gegeneinander antreten. Der Schwertmeister nimmt sich einen Melonenhändler (Liu Chia-Yung) zum Schützling, der Speermeister den Bootsmann Yao (Sammo Hung Kam-Bo). Beide Frischlinge haben Talent und werden bald zu erstklassigen Fightern. Da fordert der böse Hsiao (Leung Ka-Yan) die beiden Meister zum Kampf. Da die Feinde sich nicht überwinden, gemeinsam zu kämpfen, tötet Hsiao beide. Nun müssen ihre Zöglinge ran ...
In den letzten Jahren hat sich "Odd Couple", der im Vergleich zu Klassikern aus der selben Epoche (
Drunken Master, Snake in the Eagle's Shadow, The Magnificent Butcher) eher unbekannt war, zu einem Liebhaberstück gemausert - vor allem unter Kampfsportfanatikern. Und dies zu Recht, denn "Odd Couple" dürfte der Film sein, der am meisten Waffen-unterstützte Martial-Arts auf hohem Niveau zeigt. Es wird fast 90 Minuten lang ununterbrochen gekämpft. Wie es Liu Chia-Yung schafft, dazwischen auch noch Plot zu platzieren, ist beachtlich - zugegeben: viel Handlung ist es nicht, aber sie ist da.
Liu Chia-Yung (aka. Leung Kar-Yan
) ist der Bruder des legendären Shaw Brothers-Regisseurs Liu Chia-Liang und wurde nie so bekannt wie dieser. Der primär als Schauspieler arbeitende Liu Chia-Yung leistet hier aber Arbeit, die mit jener seines Bruders vergleichbar ist - als Regisseur, Star und Choreograf. Bei Letzterem griffen ihm Sammo Hung, Jackie Chan und Yuen Biao, der ihn mehrmals doubelte, unter die Arme. Das Resultat ist aus Martial-Arts-Sicht erstaunlich. Liu spielt wie Sammo zwei Rollen übers Kreuz. Das ergibt eine witzige Konstellation. Der Humor unter den beiden funktioniert denn auch sehr gut. Vom restlichen Humor kann ich das nicht behaupten. Es kommen etliche Sidekicks mit Hasenzähnen, Deppenfrisuren und Riesen-Muttermalen vor, die so manchen Hongkong-Klassiker abwerten und diesmal herumalbern, pöbeln und Eier rückwärtsessen dürfen. Zum Glück tauchen Dean Shek, Mars und Konsorten nur kurz auf, doch sie stören gewaltig.
Aber "Odd Couple" sollte man eben wegen der Action anschauen. Bis auf eine kurze Handkanten-Einlage handelt es sich fast ausschliesslich um Waffen-Kung-Fu der spektakulären Art. Timing, Akrobatik und Dynamik dieser Sequenzen sind für Kenner zum Dahinschmelzen. Selbst für Laien dürften sie durch ihre Verschiedenartigkeit kaum repetitiv werden. Wer auf Kampfkunst alter Schule steht kommt um diesen Film also nicht herum. Sammo-Fans sowieso nicht ...

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch, Mandarin 2.0 und 5.1 mit engl. Untertiteln. Widescreen.
Alternative Titel: Bo ming chan dao duo ming chuang; Eternal Conflict; 搏命單刀奪命槍
Regie: Liu Chia-Yung

Actionkomödie

Action * * * * *

Humor * *

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T h e   P r o u d   T w i n s   ~   J u e   d a i   s h u a n g   j i a o

Reviewed 17.7.05

Hongkong 1979 Der Yi-Hua-Palast ist der schönste Ort auf Erden. Die Besitzerin des Palasts, die Prinzessin (Lau Wai Ling) von Yi Huan, ist ausserdem die beste Kung-Fu-Kämpferin der Welt. Sie hat sich in ihren Schüler Jiang Fung verliebt. Als sie entdeckt, dass der jedoch ein Auge auf ihre Dienerin Hua Yuet-Lao geworfen hat, verbannt sie beide aus dem Palast. Sie lassen sich an der Man-Hua-Klippe nieder, wo Yuet-Lao Zwillinge gebärt. Doch der Schurke Juang Chin verrät sie, worauf die Prinzessin beide tötet und die Kinder trennt: Hua Mu-Juet nimmt sie zu sich, während sie Jiang Xiao-Yu an Jiang Fungs Jugendfreund, den Helden Yen Nan-Tien (Wong Yung) übergibt. Dieser glaubt die Mörder seins Freundes im Tal der Bösewichter und eilt hin. Doch die Schurken töten ihn fast und nehmen Xiao-Yu Er an sich, um aus ihm den "grössten aller Bösewichter" zu machen. Nach 18 Jahren rigorosem und bösartigem Training ist aus Jiang Xiao-Yu (Alexander Fu Sheng) ein Top-Kämpfer geworden. Er besiegt seine Lehrer und haut ab. Bald trifft er auf die "Grüne Feh" Mu Yung-ching, die der jungen Tieh Sin-Nan (Candy Wen Xue-Er) eine Schatzkarte abjagen will. Xiao-Yu rettet Sin-Nan, die sich als Tochter von Bösewicht Tien Chin entpuppt. Sie hat die Karte von Yen Nan-Tien geklaut. Während Xiao-Yu die Karte wieder an sich bringen will, taucht Hua Mu-Juet (Wu Wei-Kuo) auf - sein Bruder. Er wurde von der Prinzessin angewiesen, Jiang Xiao-Yu zu töten, ohne Fragen zu stellen.
"The Proud Twins" ist sicherlich nicht die beste Adaption eines Romans von
Gu Long (
Ku Lung, 1937-1985), die Regisseur Chor Yuen für die Shaw Brothers gedreht hat - aber die Actionkomödie macht zweifellos Spass. In Alexander Fu hat Chor zudem die ideale Inkarnation des verspielten und leicht nervigen Antihelden Jiang Xiao-Yu gefunden. Er ist frech, flink und hinterhältig. Nur so kann er in einer Welt durchkommen, in der jeder Mensch eine versteckte Agenda hat oder schlicht ein Bösewicht ist - mit so illustren Namen wie Halbteufel Yin Jiao-Yau, Menschenfresser Li Da-Jue, Transvestit Tao Jiu-Jiu, "Smiling Dagger" Ha-Ha Er und "sex starved" Bai Hai-Jin.
Dieses Aufgebot an schrägen Typen ist von Anfang an reichlich psychedelisch, ein Eindruck, der durch die seltsamen Sets noch verstärkt wird. In dieser Umgebung machen denn auch die abstrusen Ereignisse Sinn. Wer aber jemals eine Gu-Long-Adaption gesehen hat, weiss, dass das Wort "Sinn" hier nicht buchstäblich genommen werden muss: In der zweiten Hälfte ist das Plot-Gewirr ohne nebenbei angefertigten Stammbaum mit Freund und Feind kaum mehr zu entziffern. Aber ich habe schon oft gesagt: Vergesst den Plot, geniesst die Action - und in diesem Fall auch gleich den schrägen Humor. Der oben niedergeschriebene Plot umfasst etwa die Hälfte des Films und reicht als Guideline.
Die 3 Sterne gibts denn auch nur knapp und lediglich wegen dem Unterhaltsungswert. Die vielen Fights sind gut, aber kaum erinnerungswürdig. Die Schauspieler sind solide, aber bis auf Alexander Fu nicht herausragend. Und der Plot ist wie erwähnt ein Gu Long'sches Wirrwarr, bei dem man bestenfalls nach dem Genuss mehrerer seiner anderer Werke durchblickt. Aber Spass machts 106 Minuten lang auf knapp überdurchschnittlichem Niveau. Das ist auch nicht zu verachten.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin und Kantonesisch 5.1.
mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Jue dai shuang jiao;
絕代雙驕
Regie: Chor Yuen

Actionkomödie

Action * * *

Humor * *

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R a i n i n g   i n   t h e   M o u n t a i n   ~   K o n g   s h a n   l i n g   y u

Reviewed 22.10.04

Hongkong / China / Taiwan / Korea 1979 Der Abt des "Drei Schätze"-Tempels ist alt und krank. Er will darum einen Nachfolger ernennen. Aus dem ganzen Land reisen die Berater herbei, die erhoffen, einen Günstling als Nachfolger porträtieren zu können - denn alle haben es auf die Sutra-Schriftrolle von Tripikata abgesehen. Unter denen, die das Artefakt unbedingt haben wollen, ist der adelige Wa (Sun Yueh). Er reist mit seiner Konkubine White Fox (Hsu Feng) an, die in Wahrheit eine Diebin ist. Gelingt es ihr nicht, die Rolle zu stehlen, hat Wa immer noch ein Ass im Ärmel: Er kann den Abt dazu bringen, seinen Günstling zum Nachfolger zu ernennen. Ein anderer, der an die Rolle heran will, ist General Wang (Tien Feng). Beide staunen aber nicht schlecht, als der Abt noch einen neuen Anwärter ins Spiel bringt: Den Gefangenen Chiu Ming (Tung Lam), der um Aufnahme als Mönch bittet.
All jene, die fälschlicherweise glauben, das Martial-Arts-Kino hätte nichts mit Kunst zu tun, stossen irgendwann auf King Hu. Hongkongs Antwort auf Akira Kurosawa drehte einige der besten und umschwärmtesten Filme in Hongkongs-Geschichte, darunter Come Drink With Me und A Touch of Zen. Für die meisten Cineasten gehören auch die beiden in Korea gedrehten Filme "Raining in the Mountain" und Legend of the Mountain in diesen Meisterwerks-Kanon. Da kann ich mich aber leider nicht ganz anschliessen: "Raining in the Mointain" ist zwar eine bildschön gefilmte Parabel mit leiser Ironie, technischer Raffinesse und Zen-tauglicher Botschaft - doch letztendlich ist er auch enttäuschend banal und noch schlimmer: er ist grauenhaft langweilig.
In gewissem Sinne hatte bereits A Touch of Zen ähnliche Probleme. Mit drei Stunden hat er Überlänge und der Geisterplot ist ziemlich simpel gestrickt. Doch bei diesem Werk lag das Genie in den Nuancen, in den Kämpfen. "Raining in the Mountain" hat bis auf einen visuell beeindruckenden Schlusskampf keine Martial-Arts-Szenen. Der Film besteht vielmehr aus Laufen, Gehen und Reden. Zweifellos ein Genuss fürs Auge, aber das Hirn wird nicht stimuliert. Dafür das Sitzleder strapaziert - und dies, obwohl "Raining in the Mountain" mit 115 Minuten einer der vernünftiger langen Hu-Filme ist. Nach ein paar Minuten wird klar, worauf dieser Film letztendlich hinauslaufen wird. Das Besitzgier sich nicht lohnt, dass Teilen besser ist. Das sind ehrwürdige Anliegen, doch sie sind keine zwei Stunden Film wert. Die Intrigen drumherum sind eigentlich nur Füllmaterial. Nur die ironischen Sequenzen unterhalten halbwegs - so etwa jene, in der die Mönche auf dem Fels beten und heimlich die badenden Mädchen beobachten.
Als Kompensation für den Inhaltsmangel darf man sich halt an solchen Bildern ergötzen. Hu, der als Regisseur, Autor, Produzent, Art Director und Editor an dem Werk arbeitete, nimmt sich viel Zeit. Schon die ersten 10 Minuten zeigen das, die primär aus Wandern bestehen. Doch die Charaktere durchwandern wunderschöne Wälder, Gipfel und Tempel. Dieses gemächliche Tempo gibt Hu nicht auf und erlaubt es stets, die Schönheit der Kompositionen aufzusaugen. Doch während Japans Gegenstück Kurosawa hinter seinen perfekten Bildern stets menschliche Schwächen, Sehnsüchte oder Dramen zeigte, bleibt im Falle von "Raining in the Mountain" eben nur die bruchstückhafte Zen-Geschichten übrig. Das Epos ist ein gut strukturierter, perfekt gefilmter, souverän gespielter und höchst meditativer Film in Form und Inhalt. Aber dafür, dass er ein Meisterwerk sein soll, hat er wenig zu sagen - und dafür, dass er der Abgesang des
Wuxia-Kinos sein soll, das in dieser Zeit der New Wave von Tsui Hark & Co. wich, hat es eigentlich auch zu wenig Wuxia.
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (F)
Meine Disk (F): Code 2 PAL. Mandarin 2.0 mit englischen und französischen UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Kong shan ling yu; Ein Hauch von Zen 2 - Regen in den Bergen;
空山灵雨
Regie: King Hu Chin-chuan

Parabel

Action * *

Spannung * *

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R e n d e z v o u s   W i t h   D e a t h   ~   C h i n g   t i e h

Hongkong 1980 Ausführliche Kritik: hier.

 

R e t u r n   o f   t h e   S e n t i m e n t a l   S w o r d s m a n   ~   M o   j i a n   x i a   q i n g

Reviewed 25.7.05

Hongkong 1980 In Xingyang Manor lebt nur noch die vereinsamte Lin Shiyin (Ching Li). Ihr Cousin Li Xunhuan (Ti Lung), dem das Anwesen gehört, hat sich vor drei Jahren aus der Martial-Welt verabschiedet und tingelt nun als trinkender und kranker Mann durch die Restaurants. Eines Tages erfährt er jedoch, dass der Money-Clan um Chief Shangguan Jinhong (Ku Feng), Vizechef Jing Wuming (Alexander Fu Sheng) und Shangguans Sohn Fei die Herrschaft an sich reissen will und darum im Xingyun Manor nach Li sucht. Er stellt sich der Herausforderung, jedoch hat er nur eine echte Chance, wenn er seinen alten Freund Master Ah Fei (Derek Yee Tung-Shing) rekrutieren kann. Der hat sich mit seiner Geliebten Lin Xianer in den Pflaumenblütenwald zurückgezogen. Er ahnt nicht, dass sein Schatz falsch spielt und mit dem Kämpfer Guo Songyang herummacht. Nicht nur das: Sie hat es auf Jung Wuming abgesehen. Der impulsive junge Schwertkämpfer stellt denn auch bald Afei, um ihn zu bekämpfen.
Eigentlich wäre der Name "Sentimental Swordsmen" für dieses Sequel von Sentimental Swordsman angebracht gewesen. Diesmal ist nämlich neben Ti Lung auch Alexander Fu ein ziemlich sentimentaler Zeitgenosse. Nun heisst er halt "Return" und war für die Shaw Brothers einer der grössten Hits überhaupt. Das Cover der DVD verkündet zudem, Chor Yuens einhundertster Film sei auch besser als der Vorgänger. Dem kann ich nicht ganz zustimmen: "Return of the Sentimental Swordsman" ist zwar ein famos anzuschauendes Martial-Arts-Epos in allerbester Chor-Yuen-Manier, doch er hat einige Mängel, die ihm die 3½ Sterne des ersten Teils verwehren.
Am schwersten wiegt die Geschichte. Als Vorlage diente ein Stoff des taiwanesischen Autors
Gu Long (Ku Lung), der auch den Roman zu Chors Killer Clans verfasste. Den erzählt Chor Yuen zwar erstaunlich geradlinig und überraschend leicht zu verstehen, dafür wird er bald repetitiv. Andauernd taucht ein neuer Held auf, der Ti Lung ans Leder will. Klar, viele Martial-World-Stoffe sind so aufgebaut, doch da die Kampfszenen auch alle etwa ähnlich aussehen, gleicht eine Szene schnell der vorherigen. Mitschuld hat auch das Konzept einer Liste, die die Kämpfer mit Rängen versieht. Dadurch entstehen ständig Passagen, die nach dem Muster "ich glaube nicht, dass du Rang X verdient hast - kämpfe gegen mich!" ablaufen. Auch daran ist grundsätzlich nichts verkehrt, aber nach dem ersten halben Dutzend derartiger Duelle hat man das Konzept langsam verstanden.
Sehenswert isr "Return of the Sentimental Swordsman" aber allemal. Vor allem, weil Chor Yuens Stil hier wieder bezaubernd in den Vordergrund rückt. Nicht gar so elegant wie etwa in  Intimate Confession of a Chinese Courtesan, doch die Winterlandschaften oder die pastellfarbenen Blüten im Bildvordergrund lassen auf keine andere Handschrift schliessen. In diesen adretten Bildkompositionen tummeln sich zudem Akteure, denen man einfach gerne zuschaut. Ti Lung ist souverän wie immer, Alexander Fu Sheng ist okay, ebenso Ku Feng. Derek Yee darf leiden (nochmals ein sentimentaler Schwertmann!) und Lo Lieh gibt sich kurz als Bettler-Fighter Hu Bugui die Ehre. Etwas verwirrend ist die Sache bei den Frauen (wenn sich hier ein Fehler eingeschlichen hat, bitte ich um Verzeihung): Kara Hui ist niedlich als Miss Sun Xiaohong, Ching Li verkörpert Lin Shiyin, die im ersten Teil von Candy Yu gespielt wurde. Chings Part der diesmal arg schlampigen Lin Xianer übernahm eine mir unbekannte Dame, die ihre Rolle genüsslich spielt. Über die sagt Gao Songyang gewitzt "sie behandelt alle Männer gleich" - einer von vielen schön doppeldeutigen Sätzen, v.a. Xianer betreffend.
Auch sonst sind die Dialoge geschliffen. Seien es sexuell angehauchte Zeilen oder Weisheiten wie "Du bist nicht nur der bessere Schwertkämpfer, sondern auch der bessere Mensch". Ja, Chor Yuen ist selten auf martialische Blutorgien à la Chang Cheh aus. Und wenngleich die Philosophie hin und wieder gar oberflächlich daherkommt, so kann man doch kaum anders, als sich in diese Welt aus Ehre, Poesie und Pflaumenblüten zu verlieben. Da wird man schlicht ganz sentimental.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin 5.1.
mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Mo jian xia qing; Romantic Swordsman; 魔劍俠情
Regie: Chor Yuen

Actionfilm

Action * * *

Spannung *

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R e t u r n   t o   t h e   3 6 t h   C h a m b e r   ~   S h a o   L i n   t a   p e n g   h s i a o   t z u

Reviewed 16.5.04

Hongkong 1980 Die Bosse Wang (Wang Lung-Wei) und Ma (Chang Tao ) heuert eine Truppe von mandschurischen Schlägern an, die die Arbeiter ihrer Färberei einschüchtern. Widerwillig akzeptieren die Arbeiter 20% niederen Lohn. Da hat der Taugenichts Chao Yen-Cheh (Gordon Liu Chia-Hui), der als falscher Mönch Geld erbettelt, eine Idee: er gibt sich als Shaolin-Mönch Te San aus und kämpft für die Arbeiter. Mit einer guten Show schüchtern sie die Schläger ein. Nur Boss Wang durchschaut das Spiel und verprügelt Yen-Cheh. Der zieht daraufhin zum Shaolin-Tempel, um sich zum richtigen Kämpfer ausbilden zu lassen. Der echte Te San  (Lee King-chue) nimmt ihn unter seine Fittiche, lässt ihn aber nicht trainieren: vielmehr soll Yen-Cheh den ganzen Tempel mit einem Bambus-Gerüst umbauen ...
Eigentlich ist "Return to the 36th Chamber" ein Sequel zum 1978er-Hit 36th Chamber of Shaolin aus den Shaw Brothers-Studios. Doch Regisseur Liu Chia-Liang gab dem Ganzen einen ironischen Twist und macht daraus fast schon eine Parodie auf den berühmten Vorgänger. Doch keine Angst, "Return" ist nicht bloss plumper Slapstick: es gibt genügend Kung-Fu, um auch den grössten Fan des Originals zufriedenzustellen. Dreh- und Angelpunkt dabei ist Gordon Liu: Er bewist komödiantisches Talent und es überrascht zu Filmbeginn schon, wenn man sieht, wie dieser Martial-Arts-Meister herumgeschleudert und verprügelt wird. Es folgt die obligate Ausbildung, doch auch die beginnt sehr witzig.
Liu Chia-Liang benutzt für diesen Teil der Geschichte ein Element, das insbesondere in Hongkong noch heute Aktualität hat. Auch im Jahre 2004 werden die meisten Gebäude (auch Hochhäuser) durch ein Gerüst aufgebaut, das oft aus zusammengeknüpften Bambusrohren besteht. Wenn Gordon Liu diese Technik also meistert, ruft das ganz spezielle Bilder von wagemutigen Hochhaus-Akrobaten wach. Dies macht auch glaubwürdiger, dass Lius Training ihn tatsächlich (und ungeahnt) zur Kampfmaschine macht, die dann zum Schluss endlich auch richtig austeilen mag. Dieses Finale dauert so lange, dass der vorherige Mangel an Kung-Fu beinahe ausgeglichen wird.
"Return" hat nicht den packenden Drive des Originals, nicht dessen "Klassiker"-Stempel, aber er ist ein höchst unterhaltsamer, toll gespielter und handwerklich perfekter Kung-Fu-Spass, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Fortsetzung: Disciples of the 36th Chamber.

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (Taiwan): Code 3 NTSC. Kantonesisch und Mandarin 2.0. mit engl. UT. Anamorphic Widescreen

Alternative Titel: Die Rückkehr zu den 36 Kammern der Shaolin; Shao Lin ta peng hsiao tzu; The Master Killer II; Return of the Master Killer; Siu lam daap paang daai si; Shao lin da peng da shi; Der Shaolin, der Gerüpste baut (Übersetzung)
Regie: Liu Chia-Liang

Kung-Fu-Komödie

Action * * *

Humor * *

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T h e   R o v i n g   S w o r d s m a n   ~   D a a i   h a p   s a m   s i n g   y i

Reviewed 31.12.04

Hongkong 1980 Die Murang-Familie war einst die dominierende Macht in der Martial-Arts-Welt. Nun ist sie untergetaucht - wortwörtlich: Die letzten Murung-Mitglieder Madam Gufang, Maid Zhi und "Chameleon" (Ku Feng) leben unter dem Wasser. Sie heuern den Killer Dugu Ngan an, die schöne Bai Yulou (Ching Li) zu entführen. Er maskiert sich aufwändig und schleicht sich in das Bai-Haus ein. Tatsächlich gelingt ihm die Entführung. Doch Yulous Geliebter, der tapfere und gefühlvolle Schwertmeister Shen (Ti Lung), macht sich umgehend zur Rettung auf.
Wieder ein etwas fader 80's-Streifen von
Chor Yuen. Ob er den Film für die Shaw Brothers nun 1980 gedreht hat (wie das Cover sagt) oder 1983 (wie imdb meint) ist egal. Das Resultat ist das Selbe: Er hat mich nicht gepackt. Die trashig angehauchten Pop-Art-Sets sind hübsch, die Lauflänge mit 83 Minuten ausgesprochen angenehm, die Stars prominent und die Actionchoreografie von Tang Chia auch viel wert. Aber mir ist nichts ins Auge gesprungen, das den Film irgdnwie von Chors besseren Filmen abhebt. Nichts, was ihn einzigartig oder erinnerungswürdig machen würde.
Zweimal bin ich eingedöst und wieder erwacht, wenn irgendwo eine Explosion stattfand. Ich spulte zurück und setzte beim Plot wieder ein. Aber die Lust, weiterzuschauen, war nicht gerade gigantisch. "The Roving Swordsman" ist sicher kein schlechter Film, dazu sind die involvierten Macher gar nicht fähig. Aber es ist einfach kein Film, den ich irgendjemanden empfehlen würde. Wenn mich jemand fragt "hey, du schaust doch so viele Shaw-Filme, kannst du mir ein paar empfehlen?" - dann taucht "The Roving Swordsman" sicherlich nicht in einer Aufzählung auf. Und das muss genau das Kriterium für eine bessere Bewertung sein.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin 5.1.
mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Daai hap sam sing yi; Big Hero Sink Able to Wear Clothes; Da xia shen sheng yi;
大俠沈勝衣
Regie: Chor Yuen

Actionfilm

Action * *

Spannung * *

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T h e   S h a d o w   B o x i n g   ~   M a o   s h a n   j i a n g   s h i   q u a n

Reviewed 10.6.04

Hongkong 1979 Der junge Fan Zhen-gyuan (Wang Yu) arbeitet nun schon viele Jahre für seinen Meister "Magic Fist" Chen Wu  (Liu Chia-Yung). Die beiden sind Leichen-Hirten in der Provinz Xiangxi. Das heisst, sie machen die Menschen, die ausserhalb ihrer Heimat verstorben sind, durch schwarze Magie wieder halb lebendig, so dass man sie durchs Land führen und zu ihren Familien bringen kann. Unterwegs geraten die beiden mit ihren hüpfenden Untoten in einen Streit, wobei Chen verletzt wird. Fan muss alleine weiterziehen, begleitet nur von seiner unerfahrenen Freundin Fei-fei (Cecilia Wong). Schon bald passiert das Unglaubliche: einer der Zombies (Gordon Liu Chia-Hui) scheint zu leben. Tatsächlich war er gar nie tot: Er ist der entflohene Häftling Qiantal Zhou, der unterwegs ist, um Rache an dem Mann (Lee Hoi-sang) zu nehmen, der ihn unschuldig in den Knast brachte ...
"The Shadow Boxing" ist sicher nicht die Sternstunde von Liu Chia-Liang, dem wohl zweitbesten Regisseur der Shaw Brothers - manche würden sogar sagen besten. Der Film ist eine inhaltlich nicht verknüpfte Fortsetzung von Lius ebenfalls recht enttäuschenden Regiedebüt The Spiritual Boxer (1975) und mischt frivol dumpfbäckigen Ulk mit Martial Arts und "Horror". Horror in Anführungszeichen, weil sich in dem Film zwar Zombies tummeln, er aber zu keiner Sekunde unheimlich ist. Mit Hongkong'schen Zombies ist das eben so eine Sache. Zum einen werden sie als Vampire betittelt, zum anderen bewegen sie sich hüpfend fort. Man überlege mal, wie unheimlich wohl "Night of the Living Dead" mit hüpfenden Zombies gewesen wäre.
"The Shadow Boxing" hat aber was: Unterhaltungswert. Die Handlung ist kurzweilig, die Akteure sind sichtbar ausgelassen. Regisseur Liu Chia-Liang(aka. Lau Kar-Leung), Macher solcher Klassiker wie
36th Chamber of Shaolin und Eight Diagram Pole Fighter, lässt seinen Bruder Liu Chia-Yung (aka. Lau Kar-Wing) viel Raum für Humor. Und sein weltbekannter Adoptivbruder Gordon Liu Chia-Hui ist eh zum Schreien als einer dieser Zombies. Natürlich tut es einem weh, wenn dieses Martial-Arts-Ass eine Stunde lang belämmert hüpfen muss, doch es hilft dem komödiantischen Teil des Films.
Denn der wird gegen Schluss abgelöst von Martial-Arts. Die Kämpfe sind durchzogen. Während Gordon eine gute Figur macht, ist der Zombie-Stil von Wang Yu gewöhnungsbedürftig. Ansonsten ist Wang recht überzeugend und hat eine gute Chemie mit Co-Star Cecilia Wong. Auch hier liegt der Fokus auf Comedy. Dass "The Shadow Boxing" niemals zu den besten Filmen der Lius gehören wird, ist klar. Und dass mancher Martial-Arts-Fan ebenso entrüstet auf den Streifen guckt wie es Horror-Fans tun dürfen, ist ebenso verständlich. Aber ich hatte meinen Spass - im trashigen Sinne. Man stelle sich vor, James Cameron drehe einen Film über hüpfende Marsmännchen. Dann seid ihr ungefähr darauf eingestellt ...

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Hier auf DVD erhältlich (Taiwan)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin und Kantonesisch 2.0. mit engl. UT. Anamorphic Widescreen

Alternative Titel: Mao shan jiang shi quan; Spiritual Boxer II
Regie: Liu Chia-Liang

Komödie

Action * *

Humor * *

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S w i f t   S w o r d

Reviewed 15.8.05

Hongkong 1980 Leng Ruyun hat die jüngere Schwester von Bai Yipeng (Ling Yun) vergewaltigt und sie mitsamt dem Rest der Familie getötet. Dafür hat Bai den Schänder gekillt und seinen Kopf an den Leng-Clanführer (Lo Lieh) gesandt. Seither ist er auf dem Rachetrip und will Dutzende von Leng-Leuten töten. Erst die Tränen der schönen Leng Quixia (Lily Li Li-Li), die sich für ihre Sippe schämt, besänftigen Bai. Der Clan bietet ihm an, Qiuxia zu heiraten. Doch just als sie ihm erzählt, sie sei schwanger, vergiften und verkrüppeln die Lengs ihn, um an seine Schatzkarte zu kommen. Ihm gelingt in den Bergen die Flucht. Erst 10 Jahre später findet der junge Krieger Xiaohou Xiatong (Wang Yu) Bais Versteck und wird sein Schüler. Xiaohou verliebt sich alsbald in die reizende Leng Ningzhi (Niu Niu), ohne zu ahnen, dass sie die Tochter seines Meisters ist.
Die besten Filme von Regisseur Ho Meng-Hwa (The Lady Hermit,
Flying Guillotine, The Mighty Peking Man) haben vielfach etwas Besonderes an sich, etwas fremd- und andersartiges. Nicht jedoch "Swift Sword", eine von Hos letzten Arbeiten für die Shaw Brothers. Der Martial-Arts-Streifen ist zweifellos routiniert und kurzweilig, doch es fehlt das gewisse Etwas, was ihn von anderen Genre-Einträgen unterscheidbar macht. Zu mögen gibt es indes auch einiges. So zum Beispiel die Martial-Arts-Szenen gegen Ende des Films, ein paar ungewöhnliche Gadgets, der tragische Plot am Anfang und ganz kurze, aber eindrückliche Aussenaufnahmen.
Auf der anderen Seite der Skala sind die schwachen Bösewichter, die nicht sehr gut gezeichneten Frauenrollen, ein paar Durchhänger im Mittelteil, zu wenig Dramatik und mässige Actionszenen zu Beginn des Films. Auch die historische Komponente zwischen den beiden Zeitebenen geriet zu beliebig. "Swift Sword" ist durchaus ansehnlich und bietet Fans auch ein eindrückliches Star-Ensemble - neben den in der Zusammenfassung aufgeführten Personen etwa Kara Hui als Xiaomei. Doch mich hat der Film die ganze Zeit über erstaunlich kalt gelassen und trotz langen Überlegungen, ihm 3 Sterne zu geben, habe ich ihn ganz knapp abgerundet.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin 5.1.
mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel:
情俠追風劍
Regie: Ho Meng-Hwa

Martial-Arts-Film

Action * * *

Humor *

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T h e   S w o r d   ~   M i n g   j i a n

Reviewed 20.11.04

Hongkong 1980 Der Schwertmeister Wah (Tien Feng) ist im Besitz des Schwertes Chi-Mud. Doch ein Schmied erklärt ihm, dass diese Waffe Unglück bringt und er sie vernichten sollte. Wah verschwindet. Viele Jahre später will sich der aufstrebende Schwertkämpfer Li Mak-Yin (Adam Cheng Siu-Chow) mit Wah messen. Unterwegs trifft er ein Mädchen namens Ying-Chi (Chui Git) und rettet sie vor einem glatzköpfigen Angreifer (Lee Hoi-San). Er zieht weiter und trifft auf seine Jugendliebe Hsiao-yue (Jojo Chan Kei-kei), die inzwischen den Nobelmann Lin Wan (Norman Chu Siu-Keung) geheiratet hat. Lin ist ein skrupelloser Kerl, der umgehend Lis Ermordung veranlasst. Li überlebt, wird jedoch schwer verwundet. Die schöne Yuen Chi (Ngai Chau-wah) pflegt ihn gesund und erklärt, dass Ying-Chi ermordet werden soll. Li rettet sie und erfährt, dass sie Wahs Tochter ist.
"The Sword" hat einen simplen Titel und ist auch relativ einfach gemacht. Doch der erste Blick täuscht, denn die Inszenierung ist betont bodenständig und die Story überraschend logisch. Damit hat Regisseur Patrick Tam die Action eindeutig der Handlung und Dramaturgie untergeordnet, oder besser gesagt: Die Action wird zum Teil der Ereignisse und ist nicht losgelöst im Stile eines Musicals: "So jetzt brauchen wir einen Fight. Geht ins Coffeehouse und kämpft". Tam fädelt das viel geschickter ein und hat damit mit "The Sword" bereits seinen grössten Trumpf ausgespielt.
Aber obwohl untergeordnet, ist die Action dennoch absolut sehenswertes Old-School-Swordplay von Schwert-Virtuose Tony
Ching Siu-Tung, der zwei Jahre später mit Norman Chu sein nicht minder beeindruckendes Regiedebüt Duel to the Death gab. Das Finale mit dem längs halbierten Gegner haut einen fast aus den Socken. Adam Cheng und Norman Chu mögen nicht die charismatischsten Schauspieler Hongkongs sein, doch in diesen doch eher ernsten Rollen geben sie der Geschichte die nötige Schwere, um sie zu verankern und glaubwürdig zu machen. Wenn man also einen gut inszenierten Film mit soliden Akteuren, betörender Musik von Joseph Koo und bildstarker Inszenierung vor sich hat, sollte man dies zu schätzen wissen. Nicht wenige Kung-Fu-Kreise erachten "The Sword" deshalb als Meisterwerk. Ich würde nicht ganz so weit gehen, weil er mir etwas zu "kommun" ist, aber solide, nein wirklich gut, ist er allemal.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin und Kantonesisch 2.0 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.

Alternative Titel: Ming jian; Das Schwert; Jian;
名劍
Regie: Patrick Tam Ka-Ming

Actiondrama

Action * * *

Humor *

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T e n   T i g e r s   o f   K w a n g   T u n g   ~   H u n g   W e n - T i n   s a n   p o   p a i   l i e n   c h i a o

Reviewed 2.1.06

Hongkong 1979 General Tung Chi (Wang Li) und der Sohn seines ehemaligen Partners töten Tam Chung, einen der Schüler der Zehn Tiger von Kanton. Sie wollen alle Schüler auslöschen und sich danach die zehn Kämpfer selbst vornehmen. Die Schüler Lin Fu-Cheng (Chin Siu-Ho) und Wang Chao-Ming (Lung Tien-Hsiang) erzählen ihren zwei Freunden deshalb die Geschichte der zehn Tiger und weshalb Tung Hass auf sie hat: Vor einigen Jahren jagte der Ching-General Liang (Johnny Wang Lung-Wei) den Revolutionär Chai Min-Yu (Ku Feng). In Kanton fand dieser Unterschlupf beim Pfandleiher und Ex-Shaolin Lai Yun-Chiu (Ti Lung). Lai und sein heissblütiger Bruder Tai-Ming (Alexander Fu Sheng) beschützten Chai und bekamen Unterstützung von Su Hei-Hu (Lu Feng), Wang Yi-Min (Sun Chien), Wong Chu-Ying (Wei Pai) und Wong Kei-Ying (Dick Wei). Derweil intrigierte in der Stadt Lais Rivale Chow (Chiang Nan), der Informationen an General Liang weiter leitete und eine Gruppe starker Kämpfer um sich scharte: Chu Yu-Sheng (Chiang Sheng), "Iron Fingers" Chen Ta-Chung (Lo Meng), Bettler Su Chan (Philip Kwok Chun-Fung) und Te Chao-San (Yang Hsiun). Als all diese Kämpfer sich zusammen rauften, sah es schlecht aus für die Ching-Gesandten.
Die Zehn Tiger von Kanton existierten wirklich. Zu dieser illustren Gruppe von Martial-Arts-Helden gehörte auch Wong Kei-Ying, der Vater des legendären Wong Fei-Hong (1847-1924). Ein Film über diese verehrten Kämpfer wäre also durchaus ein interessantes Unterfangen, doch Regisseur Chang Cheh verhaut die historische Einbindung völlig. Zwar listet er jede Person und deren Helfershelfer zu Beginn in einer mühsamen Einleitung auf, doch eine echte historische Abhandlung findet sich hier nicht. Es geht einzig und allein um Kung-Fu.
Das soll kein Vorwurf sein, schliesslich gibt es gute Filme, die nichts anderes als bloss erstklassige Fights bieten. "Ten Tigers of Kwang Tung" gehört aber leider nicht dazu. Cheh ist nämlich nicht nur unfähig, das ganze historisch spannend zu machen, er bringt auch dramaturgisch nichts Anständiges zusammen. Die Figuren werden kaum richtig eingeführt und wenn wie die 10 langsam beieinander haben, treten plötzlich wieder ihre fünf Schüler in den Vordergrund. Man stelle sich vor: Das grosse Finale absolvieren nicht die Titelhelden, sondern ihre Schüler. Das ist eine ziemliche Fehlkalkulation von Seiten Chang Chehs und seines Drehbuchautors.
Also bleiben die Kämpfe - und da hats tatsächlich ein paar eindrückliche Duelle drin. Kein Wunder, treten hier doch einige der besten
Shaw Brothers-Männer überhaupt an: Ti Lung, Alexander Fu, die Venoms. Doch ohne starke Charaktere und eine interessante Handlung bleiben auch die besten Kämpfe nur Stilübungen. Manche davon sind cool und gegen Schluss auch ziemlich blutig, doch mit mehr Hintergrund-Story, vielleicht dem Weglassen der Junior-Kämpfer, wäre das Ganze stringenter geworden. Und besser. Ich hab mich jedenfalls für einen Chang-Cheh-Film ungewöhnlich stark gelangweilt.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin und Kantonesisch 5.1 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.

Alternative Titel: The Ten Tigers of Kwangtung; Guangdong shi hu xing yi wu xi; Die
Tiger von Kwantung; Gong Dung Sap Foo Hing Yik; Ten Tigers of Canton;
廣東十虎與後五虎
Regie: Chang Cheh

Martial-Arts-Film

Action * * * *

Humor * *

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W e ' r e   G o i n g   t o   E a t   Y o u   ~   D i y u   w u   m e n

Reviewed 6.9.04

Hongkong 1980 Der Agent 999 (Norman Chu Siu-Keung) verfolgt den Banditen Rolex (Melvin Wong Kam-seng) auf eine abgelegene Insel. Bei seiner Ankunft wird er von einem listigen Dieb ausgeraubt und sprichwörtlich hängen gelassen. Da tauchen maskierte Männer auf, die 999 zerstückeln wollen. Er ahnt nicht, dass auf dieser Insel die Bevölkerung (u.a. To Siu-Ming, Fung Fung) davon lebt, Reisende (u.a. David Wu Yin-cho) zu töten und zu schlachten. Der Chief (Eddy Ko Hung) verteilt danach die Rationen an seine Leute. 999 entkommt, hat aber noch immer nur Rolex im Sinn. Der ist niemand anderes als der Assistent des Chiefs und hat vom Kannibalenleben genug. Er bittet 999 um Hilfe. Doch der nimmt ihn fest ...
Nach dem Erfolg mit seinem Kinodebüt Butterfly Murders ging Tsui Hark in seiner Experimentiertfreude noch einen Schritt weiter und legte einen der irrsten Martial-Arts-Filme überhaupt vor. Der deutsche Titel "Kung Fu Kannibalen" sagt eigentlich alles. Der (am weitesten verbreitete) englische Titel "We're Going to Eat You" ist die Tagline von Lucio Fulcis überschätzten "
Zombi 2" (aka. "Zombie", 1979), womit eine Inspirationsquelle genannt ist: italienischer Horror. Vielleicht weniger Fulci als die Kannibalenfilme von Deodato und Co. Eine andere Inspiration sind die Shaw Brothers, die auch schon viel Blut bei ihren Kung-Fu-Filmen einsetzten und mit Martial-Arts-Horror experimentiert haben. Doch der vielleicht grösste Einfluss ist "The Texas Chainsaw Massacre" mit seinen kannibalistischen Hinterwäldlern, der auf den in den USA ausgebildeten Tsui sicher Eindruck gemacht hat.
Nun nehmt ihr all diese Splatter- und Horror-Zutaten und gebt noch einen gehörigen Schuss kantonesischer Comedy hinzu. Dann seid ihr langsam bei dem Film angelangt. "We're Going to Eat You" hat alle Ingredienzen für einen Kultfilm und war lange Zeit auf Video ein gesuchter Streifen. Die deutsche, ja sogar die Hongkong-Fassung war geschnitten. Unzensiert waren die Tapes aus Belgien und Frankreich. Nun gibts endlich die DVD uncut aus Hongkong und so mancher, der wie ich den Streifen bisher nicht kannte, dürfte eine Überraschung erleben.
Am genialsten fand ich den Auftakt. Da werden zwei Deppen regelrecht ausgeweidet und zu Fleisch verarbeitet, damit die Dorfbevölkerung essen kann. Würde Tsui andeuten, dass der Film in schlechten Zeiten spielt, in denen die Bevölkerung hungern muss, er hätte beinahe den Plot von "Délicatessen" vorweggenommen. Manche Kritiker gehen sogar soweit, darin Kommunismus-Allegorien zu entdecken - doch in meinen Augen wollte Tsui bloss Spass, quer durch alle Genres. Ich habe an einigen Orten gelsen, wie unheimlich der Film sei, doch bis auf ein paar Sekunden am Anfang war das in meinen Augen nie der Fall. Action, Gore und Comedy stehen stets im Vordergrund. Und bei diesen Prioriäten ist wahrer Schauder ausgeschlossen. Wenn monströse Transvestiten, missgebildete Dörfler und doofe Diebe sich in einem Film tummeln, ist mein Suspense-Moment jedenfalls dahin.
Aber das ist egal. Tsui schreitet mit furiosem Tempo voran und irgendwie war ich leicht enttäuscht, dass es später nicht mehr zu Schlachtungen kommt. Zahm wird "We're Going to Eat You" dennoch nicht. Die von Corey Yuen (So Close, Transporter) blendend choreografierte Action gehört zur blutigeren Sorte und bis zum Ende gibt es immer wieder ein paar kleine Splatter-Momente. Die simple Story strapaziert die groteske Ausgangslage nicht zu lange, nach 90 Minuten ist der Spuk vorbei. Bei diesem rassigen Stil - der Schnitt und die unruhige Kamera geben eine enorme Dynamik - kann ich auch ein paar weniger gelungene Pointen vergeben. Die gigantische "Vietnam Rose"-Transe habe ich angetönt. Daneben gibts noch plumpen Slapstick. Die Erfolgsquote der Gags liegt bei etwa 40%. Auch die Musik, geklaut aus "Suspiria" und getoppt mit dem (später eingefügten?) Wong-Fei-Hong-Leitthema ist sicher auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber da ansonsten alles an diesem Film so herrlich überdreht und rabenschwarz ist, kriegt er eine gute Bewertung. Unbedingt angucken müssen ihn Fans von speziellen und kultigen Filmen und jene, die sehen wollen, wie Tsui Hark mal angefangen hat ...

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC.Kantonesisch und Mandarin 2.0 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.

Alternativer Titel: Diyu wu men; Kung Fu Cannibals; No Door to Hell; Hell Has No Gates; Kung Fu Kannibalen; Wir kommen und werden euch fressen; We Are Going to Eat You!; Dei yuk miu moon;
地獄無門
Regie: Tsui Hark

Kung-Fu-
Splatterkomödie

Humor * * *

Gewalt * * *

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T h e   Y o u n g   M a s t e r   ~   S h i   d i   c h u   m a

Reviewed 23.6.04

Hongkong 1980 "Dragon" Lung (Jackie Chan) und sein Bruder "Tiger" Lo (Pei Wei) leben in der Martial-Arts-Schule von Meister Tien (Tien Feng), der die beiden Waisen grossgezogen hat. Doch eines Tages täuscht Lo, Tiens bester Schüler, einen Unfall vor und tritt dann heimlich bei der Löwentanz-Meisterschaft für die gegnerische Schule an! Tiens Schule verliert Geld und Gesicht, worauf der Meister Lo aus dem Haus jagt. Lung rennt ihm hinterher, um ihn zurückzuholen. Doch Lo hat sich in kriminelle Kreise begeben und macht bei einem Banküberfall mit, bei dem der tödliche Kam (Whang Ing-Shik) freikommt. Lung wird dummerweise auch noch mit Kam verwechselt und kommt auf die Abschussliste von Marshal Kung Sang (Shih Kien), dessen Sohn (Yuen Biao) und dessen Tochter (Lily Li Li-Li).
Snake in the Eagle's Shadow und Drunken Master waren so grosse Erfolge, dass Raymond Chow dem jungen Jackie Chan einen exklusiven Vertrag bei "Golden Harvest" anbot. Das ermoglichte Chan auch, selbst Regie zu führen. Als Choreograf war er zuvor schon als Co-Regisseur in Erscheiung getreten (u.a. bei "Fearless Hyena", 1979), doch "The Young Master" sollte seine erste richtige Solo-Regie werden. Und so konnte Chan als Star, Regisseur, Autor, Sänger und Choreograf mit einem grossen Budget zu Werke gehen - mit spektakulärem Erfolg. Deshalb ist "The Young Master" in Jackies Biografie wohl einer seiner wichtigsten Filme ... auch wenn er meiner Meinung nach nicht zu seinen besten gehört.
Das Hauptproblem des Werks ist nicht der dünne Plot. Daran leiden einige von Chans Filmen. Nein, es sind die langweilige erste Stunde und der austauschbare Look. Am Anfang ist "The Young Master" mit seinem auf Realität bedachten Löwentanz ja noch eindrücklich, doch schon die ersten Martial-Arts-Szenen haben mich ziemlich enttäuscht. Auch die Versuche, Comedy einzubauen, sind nicht immer von Erfolg gesegnet. Die Handlung kriecht voran. Erst wenn Enter the Dragon-Bösewicht Shih Kien in Aktion tritt, wird der Film etwas unterhaltsamer. Doch das wahre Highlight kommt am Schluss: Jackies Kampf gegen Whang Ing-Sik. Vor der schönen und oft gesehen Kulisse der Buchten Hongkongs dreschen die beiden aufeinander ein und hören einfach nicht auf. Nach einem spassig choreografierten Start wirds immer härter, immer mehr auf Streetfighing getrimmt. Einige der Schläge und Sprünge lassen den Atem stocken und zeigen, wieso Jackie in seinem Leben schon alle Knochen gebrochen hat. Wahrhaft unglaublich.
Doch es ist zu wenig zu spät. Zuvor regiert die Austauschbarkeit. Ich mag Jackie und ich würdige den Film als weiteren wichtigen Schritt auf der Erfolgsleiter - doch es gibt bessere Chan-Filme. Sogar viele davon. Den geneigten Jackie-Fan sollte dies indes nicht abschrecken, denn "The Young Master" sollte man dennoch gesehen haben. Und sei es nur für diesen fantastischen Schlussfight ...
PS: Die neue deutsche Fassung ist uncut, die FSK beliess ihr Rating dennoch auf "ab 16".
Hier auf DVD erhältlich (D - ohne Extras)
Hier auf DVD erhältlich (UK - mit Extras)
Meine Disk (D): Code 2 PAL. Kantonesisch 1.0. mit nicht ausblendbaren deutschen Untertiteln.
Dazu Deutsch 1.0 und 5.1. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel:
Shi di chu ma; Meister aller Klassen
Regie: Jackie Chan

Actionkomödie

Action * * *

Humor * *

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