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Regisseure, Shaw Bros.

 

 

 

A l l ' s   W e l l   E n d ' s   W e l l

Hongkong 1997 Ausführliche Kritik: hier.

 

A n o t h e r   M el t d o w n   ~   B i   x i e   l a n   t i a n

Reviewed 5.4.04

Hongkong 1998 Der kampfsporterprobte Polizist "Arthur" Yim Dong  (Chiu Man-Cheuk alias Vincent Zhao Wen-zhuo) wird ins osteuropäische Land Lavernien versetzt, wo er und sein Kumpel Andrew Hung Wai-Kwok (Ken Wong Hap-Hei) die chinesische Botschaft schützen sollen. Schon bald geraten die beiden an den japanischen Sektenführer Keizo Mishima (Andrew Lin Hoi), der Hunderte von Menschenleben auf dem Gewissen hat. Nach einem harten Kampf können sie ihn festnehmen. Doch nun versetzen Keizos Anhänger das Land in Panik und fordern die Freilassung ihres Messias'. Als den Verblendeten selbst Arthurs Ex-Freundin Tammy Chan Pun (Shu Qi) in die Hände fällt, gilt es ernst.
Veröffentlicht wurde der Film unter dem Titel "The Blacksheep Affair", doch später bekam er mit "Another Meltdown" einen neuen englischen Titel, der an den Jet-Li-Streifen "Meltdown" (1995) anknüpfen soll. Die beiden Filme haben nichts miteinander zu tun. "Another Meltdown" ist Hongkong'sche Actionroutine mit beleidigend übler Story, miesen Schauspielern und einem Wehrmutstropfen: Action. Die ist choreografiert von
Tony Ching Siu-tung und von der recht brutalen Art. Vincent Zhao (The Blade), der seine Stunts stets selber macht, kickt ganz überzeugend. Vor allem sein Fight mit Andrew Lin bringt das Adrenalin in Wallung. Lin selbst hat eine coole Sequenz, in der ein paar Schurken ihn im Knast vergewaltigen wollen und er, nur bekleidet mit einem Handtuch, die Kerle niedermacht. Am Schluss hält das Handtuch immer noch - und sein nackter Körper ist überströmt mit Blut. Nicht erst seit Siegfrieds Bad im Drachenblut ein Bild mit Symbolgehalt.
Aber ich schweife ab. "Another Meltdown" hat bis auf diese spärlich gestreuten Action-Einlagen nix zu bieten. Besonders peinlich sind: Das erfundene Land und seine Politik. Das Land soll in Osteuropa liegen, es wird aber Englisch gesprochen. Shu Qi
- einfach peinlich, 2002 ist sie in So Close viel geiler. Der latente Patriotismus. Doofe Dialoge. Ein Beispiel: Keizo sagt einmal "Hitler war auch einsam und unverstanden. Jeder grosse Held macht die gleiche Erfahrung". Danach wünscht man dem Kerl wirklich einen qualvollen Tod, insofern ist das Ziel erreicht, aber solche Dialoge sollten dringendst überdacht werden. Insofern kann man "Another Meltdown" gut und gerne auslassen. Blasse Akteure, doofe Story, akzeptable Action. Reicht für zwei Sterne.
Hier auf DVD erhältlich (US-Version)
Meine Disk (D): Code 2 PAL. Kantonesisch, Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch (alle 5.1.) mit deutschen Untertiteln. Anamorphic Widescreen
Alternative Titel: The Blacksheep Affair; The Black Sheep Affair; Bi xie lan tian; 碧血藍天
Regie: Allun Lam Wai-lun

Actionthriller

Action * * * *

Gewalt * *

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A w a y   W i t h   W o r d s

Hongkong 1999 Ausführliche Kritik: hier.

 

B e a s t   C o p s   ~   Y e s h o u   x i n h j i n g

Reviewed 9.1.05

Hongkong 1998 Der Stadtteil Mongkok in Hongkong: Die Polizisten hängen in Spiellokalen rum, lassen sich bestechen und schlafen mit Prostituierten. Besonders wild treibt es Chan Tung (Anthony Wong Chau-Sang), der bei den Gangstern des Bezirks ein und aus geht. Doch da wird eines Tages der tugendhafte SDU-Cop Michael Cheung (Michael Wong) sein Vorgesetzter und zieht bei Tang ein, bis er eine Wohnung gefunden hat. Michael räumt Tangs Leben auf, rutscht aber auch bald in die Halbwelt Mongkoks hinab. Dort herrscht Unruhe, nachdem der Gangsterboss Big Brother Fai (Roy Cheung Yiu-Yeung) einen auf ihn angesetzten Killer getötet hat und untergetaucht ist. Boss Tai Ge (Kameramann Arthur Wong Ngok-Tai) versucht, Fais Revier zu übernehmen. Doch auch Fais rechte Hand "Pushy Pin" Wah (Patrick Tam Yiu-Man) hat es auf seine Geschäfte abgesehen. Zudem will er die Freundin seines Bosses auszuspannen: Yoyo (Kathy Chow Hoi-Mei). Doch die hat sich mittlerweile in Michael verliebt.
"Beast Cops" ist die inhaltliche und stilistische Weiterentwicklung von Gordon Chans "Option"-Reihe mit Michael Wong. Der Schritt vom reinen Actionfilm zum anspruchsvollen Genre-Mischling mit einzigartigem Look hat er hier vollzogen. Er und sein Zögling Dante Lam durften für den Streifen denn auch etliche Preise entgegennehmen, nicht zuletzt fünf wichtige Hongkong Film Awards und zwei Hauptpreise bei den Hongkong Critics Awards. Die hat er auch vollumfänglich verdient, denn "Beast Cops" schafft es, zu unterhalten, überraschen und schockieren.
Chan und Lam mischen auf gefällige Art Action und Cop-Film mit Comedy-Einlagen und zum Schluss hin orgiastischer Gewalt. Wie ein Fels in der Brandung trägt Anthony Wong das Werk. Mal ruhig, mal entkräftet, mal cool, mal aggressiv - dies ist sein Film. Michael Wong ist auch überzeugend, hat aber neben Anthony eine etwas undankbare Rolle. Roy Cheung tritt nur am Anfang und gegen Ende auf, aber auch er ist sehr gut. Für den Humor sorgt weitgehend Sam Lee als Anthonys schräger Mitbewohner. Patrick Tam im glitzernden Jacket ist unberechenbar. Die Damen letztendlich, solide gespielt von Kathy Chow und Stephanie Che, haben nicht so viel zu tun.
"Beast Cops" bietet erstaunlich wenig Action für einen Film dieser Art, doch wenn sie kommt, dann heftig. Höhepunkte sind eine rasante Bus-Verfolgungsjagd und das animalische Finale. Chan und Lam inszenieren dieses als traumwandlerisch düsteres Abschlachten, bei dem sich die Widersacher nichts schenken. Danach hätte er den Film mit einer düsteren Note beenden können, doch da der Film 1998 erschien und Hongkong nach der Übergabe an China Hoffnung dringend nötig hatte, gibts noch einen hoffnungsvollen Epilog. Der schadet dem Film letzendlich kaum. "Beast Cops" bleibt auch so absolut sehenwert und sei es nur wegen der fulminanten Performance von Anthony Wong, dem überraschenden Genre-Mix und dem blutigen Finale.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (GB): Code 2 PAL. Kantonesisch und Englisch 5.1 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Yeshou xingjing; Beast Cop
; 野兽刑警
Regie: Gordon Chan Ka-Seung, Dante Lam

Actionthriller

Gewalt * * *

Humor * *

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B o d y   W e a p o n   ~   Y u e n   c h i   m i u   h e i

Reviewed 6.8.04

Hongkong 1998 Inspektor Wu Chi-kwan (Chiu Man-Cheuk) und sein Partner Inspektor Lee (Stephen Au Kam-tong) begehren beide die selbe Frau: ihre Arbeitskollegin Miriam Ling Siu-ling (Angie Cheung Wai-yee). Sie entscheidet sich für den frecheren Lee und heiratet ihn. Doch kurz nach der Eheschliessung fallen drei Vegewaltiger und Mörder über das Paar her. Sie töten Lee und vergewaltigen Siu-ling. Chi-kwan will ihr helfen, doch Siu-ling will selber Rache nehmen. Der schwule Pearl ("Naked Killer"-Regisseur Clarence Fok Yiu-leung) soll ihre einzige Waffe trainieren: ihren Körper.
Regisseur Aman Chang zeichnet für Schmuddelware wie "Raped by an Angel 3" oder Summer Dream verantwortlich. Und Produzent Wong Jing produzierte eine ganze Serie von Kategorie-III- und sonstiger Trash-Ware wie "Naked Killer", Naked Weapon oder Raped by an Angel, von denen ein paar ja ganz gelungen sind. "Body Weapon" gehört nicht in diese Kategorie. Es ist schmieriger, schmuddliger und recht langweiliger Streifen, der ein paar hübsche Actionszenen hat, die jedoch durch übereifrigen Schnitt (Marco Mak Chi-sin - Xanda) beinahe ruiniert werden.
Am besten kämpft
Chiu Man-Cheuk alias Vincent Zhao. Nachdem er Jet Li in Once Upon a Time in China IV abgelöst hatte, war seine Zukunft vielversprechend. Doch mittlerweile verdingt er sich in Billigwerken wie diesem oder Another Meltdown. Er spielt nicht sensationell, doch er hat ein freches Grinsen und schnelle Glieder. Damit könnte man in dem Business mehr machen als solche Werke.
Co-Star Angie Cheung ist superschön, doch auch sie spielt limitiert. Ihre Ausbildung ist zudem viel zu kurz. Der Tritt-hinter-die-Eier-Trick ist hübsch, doch wenn sie auf Rachefeldzug geht, sollte sie etwas mehr Kampftricks beherrschen, sonst kommt sie schnell unter die Räder. Na ja, dem Film gehts auch weniger um Logik, sondern um ein paar schlüpfrige Erotikszenen und etwas Action. Die schlimmsten Schandtaten wie Spieljetons anal einführen werden zwar nur verbal erörtert, doch es ist klar, in welche Richtung der Film gehr. Der Look mit der Wackelkamera ist mit der Zeit nervig, die Handlung löchrig, der Bösewicht schnell zu erraten. Was bleibt? Nicht viel. Sexy Angie, sexy Vincent, ein paar colle Schlagabtäusche. Und viel Schrott. Knapp 2 Sterne. Ganz knapp ...

Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Meine Disk (US): Code 0 NTSC. Kantonesisch 5.1, Mandarin und Englisch 2.0
Mit englischen Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph).
Alternative Titel: Yuen chi miu hei;
原始武器
Regie: Aman Chang

Actionfilm

Action * * *

Gewalt * *

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C h i n e s e    M i d n i g h t   E x p r e s s   ~   H e i   y u   d u a n   c h a n g   g e   q i   s h e n g   z h u   r o u

Reviewed 2002

Hongkong 1998 Der junge Reporter Chin Ahn (Tony Leung Chiu-Wai) eckt mit seinen schonungslosen Artikeln bei der korrupten Elite Hongkongs an. Eines Tages schiebt ihm der Cop Joe (Ben Ng Ngai-Cheung) Kokain unter und Ahn landet für drei Jahre im Knast. Dort wird er gedehmütigt, geschändet, geschlagen - doch er glaubt noch immer an Gerechtigkeit. Auch der sadistische Wärter kann seine Ehre nicht brechen. Dank Ahns Intelligenz verbessert sich bald sein Status und die Triaden-Führer achten ihn. Da bringt der Wärter einen Häftling um ...
Der chinesische "Midnight Express" kommt nie an seinen Namensvettern heran. Dennoch sollen die zwei Sterne nicht zu abwertend klingen: Inhaltlich ist der Film zwar alles andere als neu, aber souverän erzählt. Auch Tony Leung spielt einmal mehr gut. Aber es fehlt einfach das gewisse Etwas. Man kennt einfach diese Sorte Knast-Film zu Genüge, um sich wirklich dafür zu interessieren ...
Hier auf DVD erhältlich - ich habe die Hongkong-Version (Code 0) mit englischen Untertiteln gesehen.
Alternative Titel: Hei yu duan chang ge zhi qi sheng zhu rou; 黑獄斷腸歌之砌生豬肉
Regie: Billy Tang Hin-Sing

Knastdrama

Action * *

Spannung * *

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T h e   E m p e r o r   a n d   t h e   A s s a s s i n

China/J/F 1998 Ausführliche Kritik: hier.

 

F i r s t   L o v e :   T h e   L i t t e r   o n   t h e   B r e e z e

Hongkong 1997 Ausführliche Kritik: hier.

 

G e n g h i s   K h a n

China 1998 Ausführliche Kritik: hier.

 

H a p p y   T o g e t h e r   ~   C h e u n   g w o n g   t s a   s i t

Reviewed 19.9.04

Hongkong 1997 Die Hongkonger Liebhaber Ho Po-wing (Leslie Cheung Kwok-wing) und Yiu-fai Lai (Tony Leung Chiu-Wai) versuchen in Argentinien einen Neuanfang. Doch auf dem Weg zu den Iguazu-Wasserfällen lässt der extrovertierte Dandy Wing den introvertierteren Fai bald fallen. Fai droht daran zu Grunde zu gehen, während Wing im Nachtleben von Buenos Aires den Sex sucht, wo er nur kann und seinen Körper auch gerne mal verkauft. Als er kaputt und verprügelt zu Fai zurückkehrt, pflegt dieser ihn. Doch in dieser Zeit trifft Fai in dem Restaurant, in dem er arbeitet, auf den heterosexuellen Taiwaner Chang (Chang Chen). Die beiden freunden sich an. Fai versucht sich selber einzureden, er brauche Wing nicht, wenn er mit Chang herumhängt ...
Als wolle er der Nervosität vor Hongkongs Übergabe an China entfliehen, reiste Wong Kar Wai Ende 1996 nach Argentinien, um "Happy Together" zu drehen. Leslie Cheung hatte er an Bord, Tony Leung köderte er mit einem falschen Skript. Leung wusste nicht, dass er für eine der ersten Szenen im Film eine schwule Liebsszene zu drehen hatte. Der Profi, der er ist, warf sich Tony in die Arbeit und so kommen wir Zuschauer recht früh im Film in den Genuss davon, wie der schwule Leslie und der Hetero Tony sich so schön leidenschaftlich im Bett wälzen.
All dies gedreht in schwarzweissen bis monochromen Bildern. Wieso? Keine Ahnung. Sobald die Machtsituation im Film wechselt, als Po-wing sich also in Yiu-fais Arme begibt und dieser endlich aus der Beziehung herauszuwachsen scheint, wechselt Kameramann Christopher Doyle auf rotstichige Farbbilder. Doch auch später gibts immer mal wieder Schwarzweiss - der Verdacht drängt sich auf, dass Doyle und Wong Kar Wai diese technischen Spielereien nur einsetzten, um von der doch etwas dünnen Story abzulenken. Dass ein Mensch einen anderen obsessiv liebt, der seine Liebe nicht zurück gibt, gabs schon oft im Film. Auch dass der vermeintlich Schwächere an der Beziehung wächst während der "Stärkere" einzugehen droht, ist nicht neu. Und diesmal sinds halt zwei Männer. Nichts Revolutionäres auf der inhaltlichen Ebene. Auch nicht auf der technischen.
Deshalb gefiel mir "Happy Together" auch nicht komplett. Der Anfang ist gelungen, das Ende inklusive den Titelsong, auf den man so lange warten muss, auch. Es scheint, als sei die ganze Botschaft von der Suche nach Halt, Liebe und Heimat in diesen letzten Minuten vermittelt. Ein Lied, ein paar Shots in Taiwan und ein einsamer aber gereifter Tony Leung - das sagt mehr als das ganze aufgesetzt melancholische Material davor. Für mich war Tonys Liebe nie ganz sichtbar. Die Obsession versucht Wong deshalb mit langen Shots vom rauchenden und verloren dreinblickenden Tony Leung zu unterstreichen. Wenn Charaktere zu oft ins Leere schauen und scheinbar traurig dahocken, wird das in vielen Filmen schnell zum billigen Trick, den Charakteren Tiefe zu verleihen. Das ist auch hier teilweise der Fall.
"Happy Together" gefällt mir dennoch ganz gut. Er ist nicht so langweilig wie
Days of Being Wild, nicht annäherend so prätenziös wie Fallen Angels. Aber Wong Kar Wai wird nie zu meinen Lieblingsregisseuren zählen. Sein Hang zur vermeintlich hippen Arthaus-Melancholie ist derart repetitiv, dass ich das Faible vieler Cineasten für Wongs Filme wohl nie ganz versetehen werde. Dafür dürft ihr mich bedauern - aber hoffentlich nicht hassen. Sehenswert ist "Happy Together" indes auf alle Fälle ...
Hier auf DVD erhältlich (US)
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch 2.0 mit eingebrannten engl. Untertiteln. Widescreen.
Alternative Titel: Cheun gwong tsa sit; Chun guang zh xie;
春光乍洩
Regie: Wong Kar Wai

Drama

Anspruch * * *

Spannung *

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G o r g e o u s   ~   B o r   l e i   j u n

Reviewed 2.9.04

Hongkong 1999 "Goldie" Bu (Shu Qi) lebt mit ihren Eltern auf einer taiwanesischen Insel. Sie liebt Delfine und Romantik, doch von Letzterem gibt es auf der Insel nicht viel. Da passieren gleich zwei Dinge, die dies schlagartig ändern: Long-yi (Richie Ren Xian-Qi) macht ihr einen Heiratsantrag und die Strömung schwemmt eine Flaschenpost herbei, in der ein Albert (Tony Leung Chiu-Wai) aus Hongkong nach seiner Liebe sucht. Bu lässt ihre Delfin-Freunde entscheiden und jettet danach nach Hongkong. Die Enttäuschung ist gross, als sich Albert als schwuler Makeup-Künstler entpuppt. Bu darf immerhin bei ihm übernachten, während sie in Hongkong nach Abenteuer und Liebe sucht. Beides findet sie, als sie bei einer Bootsfahrt den smarten Milliardär C.N. Chan (Jackie Chan) erblickt, den sie vor den Schergen des Geschäftsmannes L.W. Lo (Emil Chau Wah-Qin) rettet. Der Playboy Chan entwickelt schon bald Gefühle für Bu ...
"Gorgeous" war weltweit ein ziemlicher Flop. Viele Zuschauer gouttierten nicht, dass Jackie, der den Film auch produzierte und schrieb, etwas Neues versuchte. Nämlich Action mit einer Liebeskomödie zu kreuzen, die sogar den Mut zur kleinen Satire hat. Neues schreckt ab aber Neues soll man auch fördern. Während also die Masse den Film ablehnte, formierte sich ein Zirkel von Fans, die "Gorgeous" auf den Schild hob und als kleines Meisterwerk feierten. Diese Reaktion ist auch wieder übertrieben, denn "Gorgeous" ist einfach nur gut. Nicht mehr und nicht wneiger.
Die Mängel der Produktion sind offensichtlich. So ist Tony Leung als schwuler Comic Relief hie und da ganz witzig, andernorts aber eher peinlich. Auch der ganze Delfiln-Kitsch passt nicht immer und wird zuwenig ironisiert für einen Film, der sich halbwegs als Satire auf diese ganzen Liebeskomödien-Klischees versteht. Zudem erinnert Jackie Chans Bedürfnis, sich jüngere Frauen zu angeln, langsam an Woody Allen. Auch nicht gerade himmlisch ist die Action - doch damit gleich zum Überzeugenden, denn es hat ein paar Actionmomente, die sind ganz gut. Dazu gehört der zweite, ausführliche Kampf gegen den kleingewachsenen Van-Damme-Verschnitt Bradley James Allen. Der Fight bietet nur wenig Wire-Fu und hat kaum Hilfsmittel, sondern ist primär Mano-a-Mano und überzeugt mit Flinkheit und souveräner Akrobatrik beider Kämpfer.
Doch all dies reicht kaum, um ganze 120 Minuten zu unterhalten. Also darf Shu Qi noch so charmant wie immer sein und Stephen Chow (Shaolin Soccer) einen köstlichen Gastauftritt mit einem Polizeihund absolvieren. So klettert "Gorgeous" auf drei Sterne. Er ist kein Juwel in Jackies Oeuvre, kein Meisterwerk - aber ein hübscher, sympathischer und unterhaltsamer Streifen mit viel Hongkong-Humor. Genau diesen wollte man anscheinend dem Westen vorenthalten und so fehlen in der West-Fassung (USA, GB, D) satte 20 Minuten an Plot. Chows Cameo flog gleich ganz raus. Obwohl ich oben erwähnt habe, 120 Minuten seien zu lang, kann ich derartige Cuts dennoch kaum gouttieren. Dann lieber etwas zu lang als verstümmelt. Also: am besten die HK-Edition kaufen!
PS: Etliche bekannte Gesichter haben Gastauftritte. Neben Stephen Chow sind das Annie Wu, Daniel Wu, Cheung Tat-Ming, Regisseur Vincent Kok, Ken Wong, Sam Lee und andere. An etlichen Stellen habe ich zudem gelesen, dass Maggie Cheung zu sehen sei - die ist mir aber entgangen.
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Mandarin, Kantonesisch 5.1. mit engl. Untertiteln. Letterboxed.
Alternative Titel: Bor lei jun; Under Control; Glass Bottle; High Risk;
In Fuga Per Hong Kong; Maximo Rival;
玻璃樽
Regie: Vincent Kok Tak-Chiu

Action-
Liebeskomödie

Action * * *

Humor * *

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H e r o   ~   M a   W i n g   C h i n g

Hongkong 1997 Ausführliche Kritik: hier.

 

H i t m a n   ~   S a t   s a u   j i   w o n g

Reviewed 21.8.05

Hongkong 1998 Ein anonymer Killer namens "King of Assassins" tötet Bösewichter in Hongkong. Sein jüngstes Opfer ist der japanische Weltkriegsverbrecher und heutige Milliardär Tsukamoto. Dessen Enkel Eiji (Keiji Sato) übernimmt die Leitung der Firma und setzt ein Lösegeld von 100 Millionen Dollar für die Ergreifung des Superkillers aus. Dieses Geld macht auch den Killermanager Norman Lo Ngok (Eric Tsang Chi-Wai) neugierig. Er hofft, dass sein Zögling Fu (Jet Li) die Aufgabe erledigt. Doch der sanftmütige Kerl ist kein besonders guter Killer und rettet seine Opfer zu oft. Ausserdem ist er neuerdings mehr an Romantik interessiert, da er sich in Normans Tochter Kiki (Gigi Leung Wing-Kei) verliebt hat. Die Zeit drängt derweil, denn Inspektor Kwan (Simon Yam Tat-Wah) sucht auch bereits verbissen nach dem "King of Assasins".
Mit "Hitman" verabschiedete sich Jet Li vorübergehend aus Hongkong und zog danach mit "Lethal Weapon IV" nach Hollywood. Die Abschiedsvorstellung ist zeitweise gelungen, vermag als Ganzes aber nicht richtig zu überzeugen. Regisseur Stephen Tung ist sich zu unsicher darüber, was er drehen will. Die kurzen romantischen Einschübe passen nicht zum Killer-Thriller-Plot und die Comedy-Episoden sind auch nicht immer sauber integriert. Wenngleich sie zweifellos lustig sind. In einer Szene darf sich Jet Li in drei Outfits zeigen, von denen eines Chow Yun-Fat in A Better Tomorrow ähnelt und das zweite Jean Reno in "Leon". Den Rest der humorvollen Sequenzen haben wir vor allem Eric Tsang zu verdanken, der einen Kerl spielt, der in diesem Business Fehl am Platz wirkt.
Jet Li dagegen wirkt etwas unschlüssig, spielt zu zurückhaltend und kann nur in den Actionszenen brillieren. Und von denen gibt es definitiv wenige. Die Krönung stellt das Finale dar, wo mit Säbeln, Pistolen und Fäusten gekämpft wird. Die Choreografie ist schneidig, hart und kurzweilig. Mehr davon wäre dementsprechend erwünscht gewesen. Mehr hätte auch dem Bösewicht gut getan, der viel zu wenig Leinwand-Zeit bekommt und nach einer feschen Einführung, in der er die Asche seines gekillten Grossvaters verspeist, weitgehend vergessen geht.
Ebenfalls mehr hätte auch der Romanze zwischen Jet Li und der niedlichen Gigi Leung geholfen. Entweder mehr, oder dann gleich ganz kippen. So ist die Sache zu unausgegoren und letztendlich bloss Füllmaterial. Das ist eben "Hitmans" grösser Nachteil: Er sieht aus wie Flickwerk. Von Arthur Wong attraktiv geflicktes, von Gordon Chan aufwändig produziertes und Jet Li beeindruckend gekämpftes Stückwerk. An den drei Sternen saust "Hitman" nur knapp vorbei, aber wirklich empfehlen kann ich den nicht.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (GB): Code 2 PAL. Kantonesisch und Englisch 5.1 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Contract Killer; Sat sau ji wong
; 殺手之王
Regie: Stephen Tung Wei

Actionkomödie

Action * * *

Humor * *

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T h e   H o l e   ~   D o n g   /   T h e   L a s t    D a n c e

Reviewed 2002

Taiwan 1998 Taiwan, sieben Tage vor dem Beginn des Jahres 2000: Es regnet ununterbrochen und die Bewohner fürchten sich vor einer geheimnisvollen Krankheit, die die Infizierten in eine Art Kakerlaken-Zustand fallen lässt. In dieser turbulenten Zeit schickt eine junge Frau (Yang Kuei-Mei) einen Klempner (Tong Hsiang-Chu) zu dem Mann (Lee Kang-sheng), der über ihr wohnt, um endlich das tropfende Wasser zu stoppen. Stattdessen hinterlässt der Handwerker ein Loch im Wohnzimmer des Mannes. Durch das Loch giften sich die Nachbarn an - doch bald sind sie auch am Gegenüber interessiert.
Eine sehr langsame Endzeit-Tragikomödie, deren skurriler Witz angenehm überrascht. Die Langversion, die 90 Minuten dauert, gewann in Cannes als "The Hole" einen Preis. Eine 67-Minuten-Version lief unter dem Namen "The Last Dance" unter anderem schon auf dem deutsch-französischen Kultursender arte.
Hier auf DVD erhältlich
Ich habe die US-Version (Code 1) auf taiwanesisch mit englischen Untertiteln gesehen.
Alternativer Titel: The Last Dance, Dong
Regie: Tsai Ming-liang

Tragikomödie

Humor * *

Anspruch * *

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H o t   W a r

Hongkong 1998 Ausführliche Kritik: hier.

 

T h e   I n t r u d e r   ~   H u n g   B i u   G a i

Reviewed 29.2.04

Hongkong 1997 Die attraktive Chinesin Yan (Jacqueline Wu Chien-lien) tötet eine junge Frau, damit sie unter deren Identität nach Hongkong einreisen kann. Sie lässt sich einen Pass machen und nimmt sich den Taxifahrer Chen Chi-Min (Lai Yiu-Cheung) vor. Dem bricht sie beide Beine, fesselt ihn an den Rollstuhl und wartet - auf ihren Mann Kwan Fai  (Moses Chan Ho). Dummerweise verzögert sich dessen Ankunft. Nun taucht Chens neugierige Oma auf, die Yan schnell entsorgt. Doch auch Chens 4-jähriges Töchterchen kommt bald ins Spiel ...
"The Intruder" ist einer der härteren Kategorie-III-Streifen, doch er kommt in Sachen Gewalt und Qualität nicht an Untold Story heran. Sammy Tsang, Drehbuchautor des Superhits Shaolin Soccer, legt mit dem Schocker seine bisher einzige Regiearbeit vor und vermag an manchen Stellen tatsächlich mulmige Gefühle, Spannung und Abscheu zu erzeugen, aber dem Streifen hängt ein gewisser Mief an. Zwischen den deftigen Szenen, vor allem der Ermordung der Grossmutter, gibt es ein paar echte Langeweiler und die erste halbe Stunde ist eh etwas öde geraten. Dafür dreht "Intruder" in den letzten 10 Minuten gehörig auf, was den Effekt hat, dass alles sehr gehetzt wirkt.
Die Akteure sind ganz okay, die Kameraarbeit gefiel mir nicht so. Zu bewusst wird auf "Se7en" Bezug genommen, ohne dessen visuellen Reiz zu erreichen. Nicht einmal ansatzweise. Apropos Bezug: Auch Rob Reiners King-Adaption "Misery" bekommt ein paar Hommage-Momente. Aber auch "Misery" ist eigentlich eine Liga besser als "Intruder". Der Film hat seine Anhängerschaft - wohl vor allem, weil er so deftig und sadistisch ist. Und obwohl ich mich durchaus dafür erwärmen kann, liess mich "Intruder" bis auf die Frage hin, ob das Mädchen wirklich auch noch drankommt, ausgesprochen kalt.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (D): Code 2 PAL. Kantonesisch mono mit englischen und deutschen Untertiteln.
Widescreen (nicht anamorph)
Alternative Titel: Kong bu ji (Mandarin);
 Hung Biu Gai (Kantonesisch); Intruder
Regie: Sammy Tsang Kan-Cheng

Horrorthriller

Gewalt * * * *

Spannung * *

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T h e   I s l a n d   T a l e s   ~   Y o u   s h i   t i o o w u

Reviewed 2002

Hongkong 1999 Eine kleine Insel bei Hong Kong wird unter Quarantäne gestellt, da hier ein tödliches Virus ausgebrochen sein soll. So stranden fünf völlig ungleiche Besucher auf dem Eiland: Der japanische Journalist Haruki (Takao Osawa), die amerikanische Bänkerin Sharon (Michelle Reis Ka-yan) und ihre Assistentin Marianne (Kaori Momoi), die flippige Mei-Ling (Shu Qi) und der Star Han (Julian Cheung Chi-Lam). Sie haben Angst davor, dem Virus zum Opfer zu fallen. Tatsächlich gibt es bald eine Leiche.
Die Ausgangslage gäbe doch ein klaustrophobisches Drama her, bei dem die Charaktere ihr Innerstes preisgeben und im Angesicht des Todes aufeinanderstossen. Nix da. Stanley Kwan liefert stattdessen pure Langeweile, in einer durchschaubar-flippigen Ästhetik. Es ist geradezu peinlich dem philosophierenden Haruki zuzuhören und Zeuge zu werden, wie Kwan den Film vor sich hinplätschern lässt, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben, wie das Ding einigermassen interessant enden soll. Eine absolut verpasste Chance - vor allem, wenn man die exquisite Darstellerriege so verschwendet sieht.
Hier auf DVD erhältlich - ich habe die HK-Version (Code 3) mit englischen Untertiteln gesehen.
Alternative Titel: You shi tioowu; 有時跳舞
Regie: Stanley Kwan Kam-Pang

Drama

Spannung *

Tiefgang *

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L i f e l i n e

Hongkong 1997 Ausführliche Kritik: hier.

 

T h e   M i s s i o n   ~   C h e o n g   f e n g

Reviewed 16.10.04

Hongkong 1999 Auf den Triaden-Boss Lung (Eddy Ko Hung) wird ein Anschlag verübt, worauf dessen rechte Hand Frank (Simon Yam Tat-Wah) fünf Killer als Bodyguards anheuert: den eiskalten Curtis (Anthony Wong Chau-Sang), den tempramentvollen Roy (Francis Ng Chun-Yu), den jungen Shin (Jackie Lui Chung-yin), den undurchsichtigen Mike (Roy Cheung Yiu-Yeung) und den rundlichen James (Lam Suet). Die meisten der Killer kenenn sich untereinander noch nicht, müssen sich aber schnell vertrauen lernen, denn Lung steht noch immer im Schussfeld. Noch während die Mission läuft, handelt sich Shin Ärger ein ...
1999 stieg Johnny To zu einem der angesehnsten Regisseure Hongkongs auf, nicht zuletzt, weil seine Filme Running Out of Time und "The Mission" so ziemlich jeden wichtigen Preis abholten, der zu vergeben war. Von den beiden bevorzuge ich "The Mission", weil er ohne Firlefanz und ohne den Hauch von Ballast aus einer einfachen Story einen starken Ensemble-Thriller macht. Die Besetzung ist fürwahr edel. Anthony Wong liefert eine supercoole Performance, doch auch seine Co-Stars, vor allem Francis Ng und Suet Lam, spielen mit Bravour.
Eingebettet sind die Darstellerleistungen in eine ausgesprochen coole Inszenierung. To schafft es auf wundersame Weise, seinen Film gleichzeitig gestylt und nüchtern aussehen zu lassen. Es ist die Effizienz und scheinbare Leichtigkeit des Bildaufbaus, die die Nüchternheit hervorruft, das Arrangement und die beinahe dialoglose Schauspielführung erzeugen die nötige Coolness. Nur wenige Hongkong-Regisseure schaffen es, diese beiden Elemente unter einen Hut zu bringen. Nicht einmal die Synthesizer-Musik vermag diesen positiven Eindruck zu trüben.
Der Plot ist indes wirklich nicht der tiefgründigste oder komplexeste. Das ist für einmal kein Hindernis, denn dadurch kann jeder im Ensemble seinen Charakter herausarbeiten. Parallelen zu Tarantinos "Reservoir Dog" sind sicher zu entdecken, doch die fünf Killer entwickeln mehr Gefühle für einander - hier spielt die in manchen asiatischen Filmen bemängelte Melancholie zugunsten des Streifens. Fast schon kann man von Brüderlichkeit sprechen, die die fünf verbindet, doch die Katastrophe tritt ein, bevor sie wirklich komplett befreundet sind. Was To daraus im Finale macht, ist schelmisch und in gewissem Sinne drückt er sich vor einem richtigen Ende. Doch es funktioniert einwandfrei in der To'schen Gaunerwelt. Ein cooler, kurzweiliger und blendend inszenierter Film, der zu Tos besten gehört.

Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch, Manadarin 2.0 mit engl. UT. Widescreen (nicht anamorph)
Alternative Titel: Cheong feng; Cheung fo;
The Mission - Ihr Geschäft ist der Tod;
鎗火
Regie: Johnny To Kei-Fung

Actionthriller

Spannung * * *

Action * *

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N o t   O n e   L e s s   ~   Y i   g e   d o u   b u   n e n g   s h a o

Reviewed 3.10.04

China 1999 Im Dorf Shuiquan in der chinesischen Provinz muss Lehrer Gao (Gao Enman) für einen Monat weg. Der Bürgermeister (Tian Zhenda) konnte jedoch nur die aus armen Verhältnissen stammende Wei Minzhi (Wei Minzhi) als Stellvertretung anheuern. Sie ist 13 Jahre alt, kaum älter als ihre 28 Primarschüler. Sie kann nur ein Lied singen, kaum rechnen aber immerhin schreiben. Der Lehrer verspricht ihr, den Lohn von 50 Yuan zu zahlen, wenn er zurückkehrt. Voraussetzung ist, dass alle Schüler noch da sind und keiner den Unterricht aufgibt, wie es sonst oft geschieht. Schon bald verliert Minzhi aber ihre erste Schülerin: Ming Xinhong wird von einer Sportschule rekrutiert. Als wenig später der Rotzbengel Zhang Huike (Zhang Huike) in die Stadt ausreisst, um dort einen Job zu finden, muss Minzhi ihn zurückholen. Die Versuche, Geld für eine Busfahrt aufzutreiben, bringen kaum Erträge. Mit wenig Geld in der Tasche läuft sie darum los ...
Bevor Zhang Yimou die niedliche Zhang Ziyi als Lehrerin castete und in The Road Home auf eine nostalgische Entdeckungsreise schickte, analysierte der chinesische Meisterregisseur das Lehrersein bereits mit diesem dokumentarisch angehauchten Drama. Im Gegensatz zum im gleichen Jahr erschienenen The Road Home spielen in "Not One Less" aber nur Laiendarsteller unter ihrem richtigen Namen, was den realitätsnahen Anspruch noch verdichtet.
In Sachen Feelgood ist "Not One Less" dem Nachkömmling aber ebenbürdig, denn die zwiete Hälfe, in der Wei Minzhi in die Stadt geht, ist ziemlich überzuckert. Aber für die Momente, in denen die Gefühle der Protagonisten wirklich funktionieren, nimmt man alles in Kauf. Minzhis Tränen im Fernsehstudio etwa sind herzerweichend. Die allerletzten Minuten des Films sind etwas gar dick aufgetragen. Man merkt deutlich, dass Zhang den Spagat zwischen Ost und West wagen muss. Um nicht, wie bei seinen früheren Filmen, die eigene Regierung zu vergraulen, zeigt das Ende die guten Beamten, den Goodwill der Oberen und das Gefühl, dass man es schaffen kann - wenn man nur hart anpackt.
Dabei schlummert in "Not One Less" eine ziemlich rabiate Attacke gegen die neue kapitalistische Marktwirtschaft in China. Der englische Titel suggeriert ein wenig das Verlorengegangene - dass der Einzelne im Kommunismus schon nichts zählte und im Kapitalismus ebenso wenig. Wichtig ist nur das Geld, deshalb lernen schon die Kleinen in der Schule, damit umzugehen. Und wer es nicht hat, der muss betteln. Dies wäre die harsche Botschaft des Films. Bittere Armmut auf dem Lande als Kontrast zu den boomenden Städten - illustriert etwa dadurch, dass die neue Lehrerin ihre Kreidestifte abgezählt bekommt, weil sie zu teuer sind. Oder wenn die Schüler zwei Dosen Coca Cola teilen müssen. Doch Zhang belässt es eben nicht dabei und schiebt ein doch etwas gekünsteltes Ende nach.
Unter anderem deswegen gibts einen Abzug im Vergleich zu den sonst meist mit 4 Sternen bewerteten Zhang-Filmen. Die Akteure sind wunderbar und ihr manchmal laienhaftes Spiel passt zum dokumentarischen Flair. Die Musik ist schön, die Kameraarbeit stilvoll und der Film kurzweilig. Selbst die Sozialkritik ist da, wenn auch versteckt unter einer Zuckerschicht. All das macht einen sehenswerten Film aus, der in Venedig doch etwas überraschend den Goldenen Löwen holte, Zhangs zweiten nach The
Story of Qiu Ju.
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (GB): Code 0 NTSC. Mandarin 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Yi ge dou bu neng shao; Keiner weniger - Not One Less
Regie: Zhang Yimou

Drama

Humor *

Spannung *

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O n c e   U p o n   a   T i m e   i n   C h i n a   a n d   A m e r i c a   ~   W o n g   F e i - h o n g   c h i   s a i w i k   h u n g   s i

Reviewed 20.11.04

Hongkong 1997 Wong Fei-hong (Jet Li) reist mit Tante "Diana" Yee (Rosamund Kwan Chi-Lam) und seinem Helfer "Clubfoot" Seven (Xiong Xin-Xin) nach Amerika, wo er einen Ableger des "Po Chi Lam" aufmachen will. In der Wüste Amerikas retten sie Billy (Jeff Wolfe) das Leben, der daraufhin ihr Freund wird. Freunde haben die drei auch nötig, denn bei einem Indianer-Angriff wird Fei-hong so schwer verletzt, dass er sein Gedächtnis verliert. Er kommt bei Indianern unter und verliebt sich in ein Mädchen (Chrysta Bell Zucht). Yee und Seven gelangen mit Billy derweil in die Stadt, in der "Po Chi Lam" stehen soll, doch dort regiert ein korrupter und rassistischer Bürgermeister. Zudem wird der Ort von einem mörderischen Gangster (Joseph Sayah) terrorisiert. Da kann nur Wong Fei-hong helfen. Zum Glück besucht er bald darauf mit den Indianern die Stadt. Yee erblickt ihn.
Produzent Tsui Hark konnte für Wong Fei-hongs sechstes Abenteuer die alte Garde wieder zurückholen. Jet Li, Rosamund Kwan und Xiong Xin-Xin wieder vereint zu sehen, gibt dem Film bereits einen Bonus. Doch Regisseur Sammo Hung weiss nicht recht, was er mit den Akteuren anfangen soll. Die Chemie untereinander ist blockiert, vor allem, weil sie einen Teil der ersten Hälfte voneinander getrennt sind. Die Episode mit Fei-hong bei den Indianern ist denn auch sehr schwach. Zum einen ist der Gedächtnis-Verlust-Plot sehr angestaubt, zum anderen ist die Präsentation der Indianer eher peinlich. Hongkong-Kino war ja nie bekannt für Feinfühligkeit, aber ein etwas besseres Bild als (von Weissen gespielte) Barbaren wäre schon möglich gewesen im Jahr eins nach "Dances With Wolves".
Den Weissen ergeht es nicht besser. Mässig gespielte Western-Klischees auf zwei Beinen. Aber das ist verkraftbar und letztendlich die logische Weiterführung von Once Upon a Time in China, wo die westlichen Schauspieler auch zur C-Garde gehörten. Immerhin bekommt Jeff Wolfe eine einigermassen ausgebaute Rolle und wenn er mit seinem Blondschopf an der Seite von Jet Li kämpft, wird klar, dass Jackie Chans "Shanghai Noon" nicht der erste Film war, der einen kämpfenden Chinesen in die USA holte und ihm einen blonden Sidekick gab.
Diesen Reiz von East meets West bewahrt Sammo weitgehend. Dazu noch ein paar ausgeklügelte Martial-Arts-Einlagen, die nicht zu den besten gehören, die Sammo je gedreht haben, aber zweifellos routiniert daherkommen. Und natürlich der stets charismatische Jet Li. Fertig ist ein kurzweiliger, alberner, actionreicher Streifen, der wohl den Tiefpunkt der OUATIC-Reihe darstellt, aber noch immer solides Hongkong-Actionkino repräsentiert.

Hier auf DVD erhältlich (GB)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (US): Code 0 NTSC. Kantonesisch, Manadain 2.1 mit engl. UT. Widescreen (nicht anamorph)
Alternative Titel: Wong Fei-hong chi Saiwik hung si: Wong Fei-hung 6; Wong Fei-hong, Part VI; Huang Fei-hong zhi xi yu xiong shi
; 西域雄獅
Regie: Sammo Hung Kam-Bo

Action-
Western

Action * * *

Humor *

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P u r p l e   S t o r m   ~   Z i y u   f e n g b a o

Reviewed 16.10.04

Hongkong 1999 Soong (Gan Kwok-Leung) ist ein gefürchteter kambodschanischer Terrorist, der Ende der 70er ausgeschickt wurde, um die Roten Khmer mit fortschrittlicher Waffentechnologie zu versorgen. Nach dem Sturz von Pol Pots Regime blieb Soong seinen revolutionären Ideen treu und hat nun endlich mit seinem Team die Superwaffe in Händen, von denen er so lange träumte: Das Giftgas RX-7458, das einen tödlichen rosaroten Sturm entfachen würde, der die Bevölkerung Südostasiens so gut wie ausrotten könnte. Der Polizei gelingt es, ein Mitglied von Soongs Team zu schnappen: Todd Nguyen (Daniel Wu Yin-Cho) - Soongs Sohn. Der Anti-Terror-Agent Ma Li (Emil Chow Wah-Kin) entdeckt, dass Todd dasGedächtnis verloren hat. Mit der Psychologin Shirley Kwan (Joan Chen Chong) versucht er, Todd einzureden, dass er ein Undercover-Agent namens Chow Sai-Kit war, der in Soongs Team ermittelte. Dann wird er entlassen, wird von seinem Vater schnell wieder aufgenommen. Die Zeit drängt. Doch die Probleme häufen sich. Vor allem erkennt Todds Frau Guan Ai (Josie Ho Chiu-Yee), eine Elite-Terroristin in Soongs Team, ihn nicht wieder und merkt, dass mit ihm etwas nicht stimmt.
An Hongkongs Kinokassen war "Purple Storm" nur ein moderater Erfolg. Aber bei den Preisverleihungen schlug er wein wie eine Bombe und staubte beinahe jeden Action-Award und sonstige technischen Auszeichnungen ab. Der Film wurde produziert von Jackie Chan und basiert auf dessen Grundidee. Ursprünglich war er geplant als Actionkomödien-Vehikel für Chan. Doch der Meister wandelte das Konzept um und drehte damit "Who Am I?" worauf Jackies Langzeitpartner Teddy Chan die Story von Humor befreite und einen Hightech-Actionthriller daraus drehte.
Das Resultat ist wahrlich beeindruckend. Kameramann Arthur Wong bringt die Sets und die Action grossartig ins Bild. Der Film war teuer und sieht auch so aus. Ein moderner Look und die in die Handlung eingebettete Action heben das Werk über gängige Hongkong-Ware hinaus. Der Plot hat kleine Löcher, doch weitgehend ist es ein durchdachtes Skript mit Charakteren, die einen Actionfilm glaubhaft verankern. Der Einbezug des diabolischen Khmer-Rouge-Regimes birgt zudem dramatischen und historischen Kontext, der "Purple Storm" noch interessanter macht.
Daniel Wu führt das Ensemble kompetent an. Er hat einen etwas monotonen Gesichtsausdruck, doch dahinter geht immerhin einiges vor. Sein Film-Vater Gan Kwok-Leung, sonst auf gepflegte Rollen abonniert, ist tödlich und präzise. Emil Chau und Josie Ho sind ebenfalls gegen den Strich besetzt und liefern soliden Support. Joan Chen, im Westen bekannt geworden durch "Twin Peaks", wirkt dagegen etwas deplaziert und zu sehr darauf bedacht, zu "schauspielern". Keine natürliche Darbietung.
Unter all den Hongkong-Filmen der späten 90er und des frühen Jahrtausends, die versuchen, durch Einbezug von Spezialeffekten und technisiertem Look an die Optik des westlichen Kinos anzuknüpfen, ist "Purple Storm" einer der besten. Ein packender Thriller mit wohl dosierter Action, emotionalen Szenen und guten Schauspielern. Oder anders gesagt: Einwandfreie Unterhaltung.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (GB): Code 2 PAL. Kantonesisch 5.1 und Englisch 5.1 mit engl. Untertiteln. Anamorphic WS.
Alternative Titel: Ziyu fengbao; Chi yue fung biu; 紫雨風暴
Regie: Teddy Chan Tak-Sum

Actionfilm

Action * * * *

Spannung * *

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T h e   R o a d   H o m e   ~   W o   d e   f u   q i n   m u   q i n

Reviewed 20.8.04

China 1999 Der Geschäftsmann Luo Yusheng (Honglei Sun) kehrt in sein Heimatdorf Sanhetun zurück. Sein Vater ist gestorben und die alte Mutter (Yulian Zhao) will, dass seine Leiche auf der langen Zufahrtsstrasse transportiert wird, vom Spital bis nach Hause. Während Yusheng dies zu organisieren versucht, erinnert er sich an die legendäre Liebesgeschichte seiner Eltern. Seine Mutter Zhao Di (Zhang Ziyi) war das schönste Mädchen im Dorf, wollte aber keinen ihrer Verehrer heiraten. Da tauchte der junge Lehrer Luo Changyu (Hao Zheng) aus der Stadt auf. Die 18-jährige Zhao Di verlor ihr Herz an ihn, bekochte ihn während dem Bau der Schule, holte Wasser, wenn er unterrichtete. Doch da wurde er zurück in die Stadt gerufen. Zhao Di wartete jeden Tag an der Strasse auf seine Rückkehr ...
"The Road Home" ist Zhang Yimous kleinster Film. Für manche Kritiker bereits ein Grund zum nörgeln. Inwiefern klein? Zum einen ist er sehr kurz und dauert 86 Minuten, wenn Zhangs Klassiker meistens über zwei Stunden liefen. Zum anderen lässt er den sozialen Aspekt diesmal aussen vor. Seine Filme wie "To Live", Raise the Red Lantern und "The Story of Qiu Ju" erzählten Emanzipationsgeschichten, Gesellschaftsdramen und kritisierten nicht selten die chinesische Politik, was Yimou immer wieder Ärger mit der KP Chinas einbrachte. "The Road Home" enthält, wenn überhaupt, nur leise politische Misstöne. So wird die Abwanderung der Jugend in die Städte angeprangert - aber dieses Phänomen trifft wohl weltweit die Zivilisationen.
Nein, Zhang will nur etwas: Einen kleinen, bezaubernden, ganzheitlichen Liebesfilm drehen ohne grosse Übearrschungen, ohne viel Anspruch. An der Berlinale, wo Zhang den Silbernen Bären gewann, hagelte es deshalb Kritik. Sein Film sei belanglos, er schmeisse sich der kommunistischen Führung vor die Füsse, äffe das einfache Kino Irans nach und sei dem Kitsch verfallen. Belanglos ist der Film, wenn man Liebe und familiäre Tradition als belanglos anschaut. Es geht um kleine Dinge wie einen Sohn, der seine Mutter glücklich machen will, um ein Mädchen, das sich gegen Zwangsheirat stemmt - und selbst dies geschieht, wenn überhaupt, offscreen. Sie zeigt einfach ihre Liebe für einen Mann offen, etwas, was damals unüblich war. Daraus hätte man ein grosses Emanzipationsdrama machen können. Machte Zhang nicht. Es war ihm diesmal einfach egal.
Die kommunistische Führung sah den Film sicher lieber als Zhangs vorherige Werke. Nicht zuletzt der Schlussmarsch ist ein starkes Symbol für den Zusammenhalt. Doch er ist eben auch ein extrem humanes Symbol - ein Zeichen für Liebe, Tradition, Werte und Menschlichkeit. Anders gesagt: einfach schön. Doch eben, der "Gehalt" von "schön" ist limitiert. Den Vorwurf, Zhang sei nicht auf der Höhe des momentan populären "Drittweltkinos" (in Kunstzirkeln ist China passé, Iran und arabische Filme sind "in"), lass ich nicht gelten. "The Road Home" ist immer noch dutzendfach besser als der Quatsch, den ein Abbas Kiarostami
immer wieder produziert - abgesehen davon, dass Zhang gar nicht sonderlich minimalistsch sein will. Die Geschichte ist "klein", aber die Gefühle gross, die Bilder eindrücklich und die Musik mit grosser Kelle angerührt.
Das bringt mich zum Kitsch. Die Musik ist in der Tat sehr aufdringlich und erinnert an "Titanic", dessen Poster am Anfang zu sehen ist. Will Zhang damit etwas sagen? Den westlichen Kultur-Einfluss auf China zeigen? Kaum, er wollte nur ein schönes Musikstück haben, das die Emotionen begleitet, ja forciert. "The Road Home" ist alles andere als subtil. Und das gefällt eben in etablierten Filmzirkeln nicht. "The Road Home" ist aber einer von Zhangs zugänglichsten Filmen. Und einer seiner schönsten. Das Lachen der damals 20-jährigen Debütantin Zhang Ziyi, die danach von Ang Lee in Crouching Tiger, Hidden Dragon und von Zhang in Hero eingesetzt wurde, bringt Eisberge zum schmelzen. Die nicht ausgesprochene, aber innig gespürte Liebe zwischen den Charakteren, die visuelle Pracht der kargen Landschaften und die enge Beziehung, die Freundlichkeit unter den Leuten, das macht "The Road Home" aus. Man kann das als billigen, inhaltlseeren und manipulativen Bauern-Kitsch abtun, ich fand ihn einfach herzerwärmend schön. Jene Kritiker, die Zhang Ziyis Lächeln widerstehen können und dafür nach sozialem Sprengstoff dürsten kann ich eh nicht besonders ernst nehmen ...

Hier auf DVD erhältlich (GB)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (GB): Code 2 PAL. Mandarin 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Wo de fu qin mu qin; Heimweg - The Road Home; My Father and Mother; 我的父親母親
Regie: Zhang Yimou

Liebesdrama

Gefühl * * * *

Humor * *

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R u n n i n g   O u t   o f   T i m e    ~   A a u   c h i n

Reviewed 14.1.04

Hongkong 1999 Der Gangster Wah (Andy Lau Tak-Wa) erfährt, dass er nur noch ein paar Tage zu leben hat: Er leidet an Krebs im Endstadium. Um nicht einfach dahinzusiechen, nimmt er sich einen letzten grossen Coup vor. Er sucht sich dazu einen gewieften Gegner aus: Den Verhandlungsspezialisten der Polizei, Inspektor Ho Sang  (Sean Lau Ching-Wan). Den zieht er geschickt in seine Manipulationen hinein, so dass Ho erst spät merkt, was Wah eigentlich will. Sein Plan hat mit Diamanten, bösen Gangstern und guten Taten zu tun. Soll Ho ihm helfen oder seine polizeiliche Pflicht tun?
"Running Out of Time" gewann unzählige Preise für Regie und Schauspieler. Tatsächlich gefällt mir der Film auch ganz gut, aber er steigt in meinen Augen nicht in den Olymp der grossen Hongkong-Werke auf. Er bleibt irgendwo auf halbem Weg stehen. Aber das Klettern macht Spass. Moment, dieser Bergsteiger-Metapher macht keinen Sinn ... also: "Running Out of Time" ist kurz, kurzweilig, gestylt, menschlich, witzig und rasant in einem. Johnny To vereint dies alles zu einem spritzigen Film, der weder von der Story noch von der Spannung her neue Massstäbe setzt, aber durchwegs gefallen kann. Andy Lau spielt formidabel. besonders gefallen hat mir seine zarte, aber nie fruchtbare Annäherung an das Mädchen im Bus (die süsse Mung Yo-Yo). Die Szenen strotzen vor dieser melancholischen Grossstadt-Poesie, wie sie sie nur die Asiaten fertig bringen.
Die Action ist weniger souverän. Eine Szene, in der Wah und Ho ein Auto auf attackierende Gangster losfahren lassen, ist denkbar schlecht choreografiert. Erst prallen alle Kugeln am Auto ab, dann brennt das Benzin im Schneckentempo ab und Ho steigt aus dem fahrenden Auto aus - obwohl es im Shot aussieht, als ob es still steht. Keine Virtuosität. Aber das ist ein kleines Nörgeln, der Rest ist sauber. Wenns nach mir geht sicher kein Award-Material, aber ein sehenswerter Film.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch und mandarin 5.1. mit englischen UT. Letterboxed.
Alternative Titel: Aau chin; An zhan; 暗戰
Regie: Johnny To Kei-Fung

Thriller

Spannung * * *

Humor * *

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S e v e n t e e n   Y e a r s   ~   G u o   n i a n   h u i   j i a

Reviewed 13.5.05

China / F / CH 1999 Tianjin in Nordchina: Die Stiefschwestern Tao Lan (Liu Lin) und Yu Xiaoqin (Li Yun) könnten unterschiedlicher nicht sein: Die 16-jährige Lan ist stolz auf ihre Arbeiter-Herkunft, wirkt ungepflegt und knorrig. Xiaoqin dagegen ist gebildet, will aufs College und aus dem Quartier verschwinden. Die zwei streiten öfters, auch, weil die Eltern sie verschieden gut behandeln. Eines Tages legt Xiaoqin das Haushaltsgeld, das sie gestohlen hat, unter Lans Kopfkissen. Mutter Tao Airong (Li Yeding) und Vater Yu Zheng Gao (Liang Song) geraten in Streit und durchsuchen erzürnt die Kinderzimmer. Sie finden das Geld und verfluchen Lan. Die ist derart erzürnt, dass sie Xiaoqin auf offener Strasse in einem Wutanfall erschlägt. Die Polizei führt sie ab, sie kommt für viele Jahre ins Gefängnis. 17 Jahre später bekommt Lan die Chance, über das chinesische Neujahrsfest die Eltern zu besuchen. Da sie die Wohnung nicht findet, hilft ihr Gefängnis-Captain Chen Jie (Li Bingbing) bei der Suche, die eigentlich selbst auf dem Weg nach Hause ist.
Zhang Yuan ("
East Palace West Palace") ist einer der bekanntesten Regisseure der sechsten Generation von chinesischen Filmemachern. Sein "Seventeen Years" ist ein kleines, aber feines Werk, das von der Geschichte her sehr einfach gestrickt ist und auch gar nicht so tiefgründig wird, wie man denken könnte. Es geht einzig um Liebe, Zwischenmenschlichkeit und Vergebung. Derart konzentriert widmet sich Zhang diesen Themen, dass ich mir zum Schluss gewünscht habe, der Film sei etwas länger als nur 85 Minuten. Doch es ist eigentlich alles gesagt. Also endet der Film.
Die Darsteller, die meisten davon Debütanten oder Amateure, geben dem Streifen die nötige Echtheit und spielen mit Herz und Seele. Vor allem die Wiederverinigung der Familie berührt mit leisen Tönen und verinnerlichten Gefühlen. Alle Beteiligten müssen erst lernen, wieder zusammenzufinden. Anders Chen Jie. Sie fühlt sich sichtlich wohl im kommunistischen China, wo die Leute sehr schnell ins Gespräch kommen können - sei es Genosse Taxifahrer, Genosse Dumpling-Verkäufer oder eben Genossin Captain. Sie kommunizieren auf der gleichen Ebene und scheinen sich umgehend zu verstehen - sei es nur in trivialsten Dingen. Im ganz Kleinen, vielleicht kaum spürbar, hebt Zhang in diesen Szenen hervor, was er an seiner chinesischen Heimat zu schätzen weiss.
Überhaupt ist er gegenüber China keineswegs kritisch, wie man es von Filmemachern der vorherigen fünften Generation gewohnt ist. Er kontrastiert ein paar sexy Modelplakate mit der archaischen Tao Lan, lässt die Menschen im Verkehr beinahe untergehen - doch Politik interessiert ihn wenig. Die Polizei hilft freundlich, die Justiz ist hart, aber gerecht. Und aus welchem Grund? Weil all diese Behörden, Institutionen aus Menschen bestehen. "Seventeen Years" zelebriert die Interaktion der Menschen, die Anpassungsfähigkeit, die Freundlickeit und letztendlich eben auch die Liebe zwischen uns allen. Es hört sich kitschig an, doch Zhang weiss sein Anliegen so subtil zu präsentieren, dass einem das Wort "klebrig" gar nicht erst in den Sinn kommt. Das ist der Hauptverdienst von "Seventeen Years". Er mag nicht gross sein, nicht überwältigend und auch nicht wahnsinnig gewichtig - doch er erwärmt das Herz, bevor man es richtig merkt. Ein schöner Film.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 1 NTSC.Mandarin mit eingebrannten englischen Untertiteln. Letterboxed.
Alternativer Titel: Guo nian hui jia
Regie: Zhang Yuan

Drama

Spannung *

Gefühl * *

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T h e   S t o r m   R i d e r s   ~   F e n g   y u n   x i o n g   b a   t i a n   x i a

Reviewed 20.11.04

Hongkong 1998 Lord Conquer (Sonny Chiba) will mit seinem Conquer-Clan die Welt erobern. Der Prophet Mud Buddha (Wayne Lai Yiu-Cheung) weissagt ihm, dass er dazu zwei Männer namens Wind und Wolke braucht. Umgehend lässt Conquer nach solchen Männern suchen. Er findet zwei Buben: Striding Cloud und Whispering Wind. Clouds Vater (Yu Rongguang) lässt er abschlachten, doch es gelingt ihm, ein magisches Schwert vorher zu verstecken. Winds Vater (Alex Fong Chung-Sun) unterliegt im Kampf gegen Conquer, seine Frau Ying (Christine Ng Wing-Mei) stürzt sich in den Tod, nachdem sie Conquer eine Tochter geboren hat. 10 Jahre später ist aus ihr eine hübsche Dame namens Charity (Kristy Yang Kung-Yu) geworden. Sie wird von den mittlerweile erwachsenen Cloud (Aaron Kwok Fu-Shing) und Wind (Ekin Cheng Yee-Kin) umschwärmt. Cloud, Wind und Frost (Michael Tse Tin-Wah) bilden Conquers Macht-Dreieck. Mit den drei Kämpfern besiegt er immer mehr Länder. Sein letztes Ziel, die Unchallanged City, lässt er vernichten. Der junge Prinz Ming (Jason Chu Wing-Tong) überlebt und bittet einen Shaolin-Mönch (Roy Cheung Yiu-Yeung) um Hilfe. Der wiederum wendet sich an den legendären Sword Saint (Anthony Wong Chau-Sang). Auf ein Duell mit ihm wartet Conquer seit zehn Jahren. Die Prophezeiung von Mud Buddha scheint sich zu erfüllen. Doch sie erwähnt noch mehr: Conquer wird untergehen, wenn sich "Wind und Wolke zum Sturm vereinen".
Das Effektekino begann in Hongkong seinen Siegeszug spätestens mit A Chinese Ghost Story, doch Ende der 90er fand auch CGI den Weg in das Kino der ehemaligen Kronkolonie. Mit Filmen wie Purple Storm und "Storm Riders". Die computergenerierten Effekte und Bluescreen-Szenen können zwar nicht mit westlichen Tricks mithalten, doch bei "Storm Riders" macht Regisseur Andrew Lau (Infernal Affairs) dieses Manko durch Kreativität und Tempo wett. Sein Film basiert auf einem Comicbuch und diesen Look übernimmt Lau. Auch den Sinn fürs Abgedrehte und Visuelle.
Mit 128 Minuten ist der Film ein wenig lang, doch wirklich langweilig wird er nie. Etliche Charaktere werden eingeführt, manche nur, um schnell wieder zu verschwinden. Das hierzu benötigte Star-Ensemble ist beachtlich. Angeführt vom japanischen Altstar Sonny Chiba (Kill Bill, Street Fighter) bis hin zu den jungen Recken Ekin Cheng und Aaron Kwok gibt es für jeden Fan einen passenden Star zu erblicken. Darunter Ex-Sex-Starlet Shu Qi in der etwas albernen Rolle des Landmädels Muse, die schöne Kristy Yang (Avenging Fist), Jungstar Michael Tse, Iron Monkey Yu Rongguang, Actionstar Roy Cheung, Alex Fong, Elvis Tsui und Anthony Wong.
Doch Akteure sind in einem derartigen Spektakel natürlich sekundär. Vielmehr zählt eine Ansammlung von schier unglaublichen Szenen: Ein Held reisst sich seinen Arm aus, um im Kampf doch noch zu siegen. Ein anderer Kerl schenkt ihm als Heilung seinen Arm. Lichstrahlten und Energiefelder reissen arglose Menschen in den Tod. Feuerdrachen kämpfen gegen Wasserfontänen. Und noch viel mehr Eye Candy. Da wir in einer kompletten Comic-Fantasiewelt drin sind, fällt es auch leichter, die nicht immer erstklassigen Effekte zu akzeptieren. Andrew Lau hätte den Overkill an Spezialeffekten zum Schluss hin vielleicht etwas reduzieren sollen, doch wenn ein Regisseur seiner Vorstellungskraft ohne Rücksicht auf Verluste auslebt, sollte man das gouttieren. Immerhin fusst Laus Vision noch halbwegs in der Reaität und verkommt nicht zum Pixel-Orkan wie etwa Tsui Harks Zu Warriors.
"Storm Riders" ist Fantasy extrem, empfehlenswert für alle, die gerne irre Geschichten mit viel visueller Kraft präsentiert bekommen. Gewalt, Liebe, Heldenmut und Schicksal gemischt zu einem zweistündigen Epos. Sinn und Zurückhaltung sucht man hier weitgehend vergebens.
Fortsetzungen: Storm Rider: Clash of Evils (animiert), The Storm Warriors (live action)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (US)
Meine Disk (US): Code 0 NTSC. Kantonesisch 5.1/DTS und Mandarin 5.1 mit engl. Untertiteln. Letterboxed
Alternative Titel: Feng yun xiong ba tian xia; Feng yun;
Wind Cloud Conquer the World
Regie: Andrew Lau Wai-Keung

Fantasy-
Action

Action * * * *

Spannung * *

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A   T r u e   M o b   S t o r y   ~   L o n g   z a i   j i a n g   h u

Reviewed 20.10.04

Hongkong 1998 Der junge Gangster Wai Cheung-Dee (Andy Lau Tak-Wah) arbeitet als Parkierboy für den Gangsterboss Prince (Mark Cheng Ho-Nam). Als dieser eines Tages von seinem Gegner Crazy Ball (Ben Ng Ngai-Cheung) attackiert wird, eilt Wai helfend herbei, in der Hoffnung, dadurch ein paar Ränge aufzusteigen. Er rettet Prince und zerstört ein Auge von Crazy Ball. Doch bei der Aktion verunfallt Wais geliebte Frau Cindy (Angie Cheung Wai-Yi) tödlich. Der kleine Sohn Tai-hung muss deshalb von Cindys Freundin Ruby Kwan (Suki Kwan Sau-Mei) gross gezogen werden, während Wai im Knast sitzt. Als er frei kommt, schwört er, nie wieder hinter Gitter zu wandern. Prince gibt ihm die Verantwortung über ein illegales VCD-Presswerk. Doch insgeheim nutzt Prince Wai nur aus. Kommt dazu, dass Crazy Ball Rache will und der Cop Michael (Alex Fong Chung-Sun) ihn einbuchten möchte. Michael ist besonders sauer, da seine Freundin, die Anwälrin Sandy Leung (Gigi Leung Wing-Kei), sich an Wai ranmacht ...
Unter den Kritikern war Wong Jing, der kompromisslos kommerzielle Produzent und Regisseur, nie besonders beliebt - doch das Publikum holt er immer wieder auf seine Seite. So auch mit seiner Regiearbeit "A True Mob Story", die 1998 eine der erfolgreichsten Produktionen in Hongkong war. Das Gangsterdrama ist zweifellos ein kompetenter und sehenswerter Film, der in Wongs Schaffen durchaus im oberen Zehntel steht. Ihren Beitrag dazu leisten Andy Lau, Suki Kwan und das Drehbuch. Andy beweist einmal mehr Stil und Charisma, Suki Kwan ist die Person, mit der ich am meisten mitfühlen konnte. Und das Skript ist für einen Wong-Jing-Film fast schon gut.
Vor allem entmystifiziert der Streifen die Triaden-Aktivitäten. Brüderlichkeit gibt es keine, Ehre auch nicht. Darunter zu leiden hat vorwiegend Wai, doch in typischer Wong-Tradition kommen auch die Schwächeren dran: Frauen und Kinder. Für einmal macht Wong dies nicht allzu ausnutzerisch, doch die Vergewaltigungsdrohungen an Frauen und die Misshandlung des kleinen Buben sind tatsächlich ein zweischneidiges Schwert.
Ganz eindeutig auf der negativen Seite anzusiedelen ist hingegen Gigi Leung. Sie spielt wie ein Stück Holz und ihre Rolle ist schrecklich. Was diese Person im Skript zu suchen hat, was ihr Handeln erklärt wird nicht ersichtlich. Sie ist Gimmick, eine Schachfigur, damit das ganze Spiel überhaupt aufgeht. Aber das bin ich bereit zu akzeptieren. Auch den übermässigen Einsatz von Parallel-Schnitten - einmal wird Wai verprügelt während sein Sohn genauso drankommt und Wong zwischen den Ereignissen hin- und herschneidet.Ein ähnliches Mittel setzt er gut dreimal ein. Wong war eben nie der versierteste Techniker. Aber "A True Mob Story" ist ein solides Gangsterdrama, das man sich durchaus einmal anschauen kann ...

Hier auf DVD erhältlich (US)
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch 5.1, DTS und 2.0 sowie Mandarin 2.0
Mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Long zai jiang hu; 龍在江湖
Regie: Wong Jing

Gangsterdrama

Spannung * *

Action *

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T h e   V i c t i m   ~   B i   x i e   l a n   t i a n

Reviewed 19.8.04

Hongkong 1999 Die Polizei wird zu einem blutigen Tatort gerufen. Ein aus dem Parkhaus rasender Minibus hat einen Sicherheitsmann überfahren und getötet. Die Sicherheitskamera offenbart dem ermittelnden Detective Pit (Tony Leung Ka-Fai), dass der Computertechniker Manson Ma (Sean Lau Ching-Wan) von den Insassen des Minibusses gekidnappt wurde. Pit befragt Mas Geliebte Amy Fu (Amy Kwok Hoi-Ming) und erfährt, dass Ma vor kurzem gefeuert wurde und Schulden hat. Wer würde so jemanden entführen? Wenig später gehen Pit und Amy Hinweisen nach, dass Ma in einem Spukhaus festgehalten würde. Tatsächlich finden sie ihn von der Decke hängend vor. Der verstörte Ma hat sich durch die Entführung vollständig verändert, beginnt zu trinken und hinter dem Haus ein Blumenbeet zuzumauern. Amy befürchtet, er sei besessen ...
Nicht wenige Kritiker kamen sich bei Ringo Lams "The Victim" verarscht vor, weil der Regisseur und sein Autor / Produzent Joe Ma sie auf die falsche Spur lockten. "The Victim" beginnt wie ein Krimi, wandelt sich dann aber zum Gruselthriller - und gerade, wenn man sich gedacht hat, man könne den Film schubladisieren, wechselt er wieder die Richtung. Lam legt viele Spuren - eine Geistergeschichte, ein Juwelenraub, besessene Personen, Entführungsfall ja sogar die Wirtschafts-Krise spielt in der ersten Hälfte eine entscheidende Rolle. Was "The Victim" dann letztendlich ist, sei nicht verraten. Nur, dass ihr euch auf ein paar Stimmungs- und Genreschwankungen einstellen müsst und dass die zweite Hälfte vielleicht weniger spektakulär ist, als man es sich erhofft hätte.
"The Victim" ist dennoch ein klasse Film. Ringo Lam erzeugt eine unheimliche Stimmung mit Sogwirkung. Tony Leung spielt relaxt, darf einmal aber aus sich herausgehen. Amy Wok, die intelligente "Miss Hongkong 1991" und der undurchsichtige Lau Ching-Wan überzeugen ebenso. Der Plot bleibt stets spannend, stellt Fragen und man wundert sich, wer eigentlich das "Victim" des Titels ist - und Opfer von was. Die
Inszenierung bleibt stets überraschend nüchtern. Selbst dann, wenn "The Victim" brutal wird (vor allem gegen Schluss), bleibt Lam beobachtend nüchtern - und deshalb faszinierend. "The Victim" ist ein absolut sehenswerter Film, den Lam zwischen den Jean-Claude-Van-Damme-Vehikeln "Maximum Risk" und "Replicant" in Hongkong abgedreht. Er sollte definitiv öfters heimkehren ...
Hier auf DVD erhältlich (US)
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch und Mandarin 2.0/5.1 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen
Alternative Titel: Muk lau hung gwong; Mu lou xiong guang; Victim; 目露凶光
Regie: Ringo Lam Ling Tung

Thriller

Spannung * * *

Gewalt * *

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W h e r e   a   G o o d   M a n   G o e s   ~   J o i   g i n   a   l o n g

Reviewed 29.1.05

Hongkong 1999 Macao: Der Gangster Michael (Lai Yiu-Cheung) wird aus dem Gefängnis entlassen. Schon im Taxi sorgt er wieder für Probleme, als er mit einem Fahrer in Streit gerät. Er verprügelt gleich mehrere zu Hilfe eilende Taxifahrer und schleppt sich danach ins "International Inn"-Hotel der Witwe Siu (Ruby Wong Cheuk-Ling). Er behandelt sie erst wie den letzten Dreck, doch mit der Zeit erkennt er, dass Siu und ihr Sohn Tony ein schweres Los haben. Er gewinnt Respekt für die hart arbeitende Frau. Während er das Geld von seinen ehemaligen Kumpanen holen will, um ein neues Leben zu finanzieren, stört ihn jedoch immer wieder der Cop Karl (Lam Suet), der ihn einst eingebuchtet hat und ihm seinen Wandel nicht abnimmt.
Ohne viel Action und mit wenig offensichtlicher Spannung inszenierte Johnny To dieses Gangsterdrama mit Hang zum subtilen Liebesfilm. Ich habe noch keinen To-Film zuvor gesehen, bei dem die Charaktere für mich so stimmig waren. Lai Yiu-Cheung spielt den entlassenen Gangster ohne jeglichen Klischee-Ballast. Sein Wandel zum titelgebenden guten Menschen ist lange Zeit nicht einmal gross ersichtlich. Es sind kleine Gesten, wie die, in der er einen seiner Schläger anschnautzt, er solle Siu ein wenig Respekt entgegenbringen, die einen Wandel andeuten.
Doch bis kurz vor Schluss bleibt er ein sehr zwiespältiger Charakter, einer, der immer wieder zu übertriebener Gewalt neigt, so dass wir als Zuschauer schnell die Sympathie zu ihm verlieren. In einer überraschenden Sequenz attackiert er Karl so heftig, dass in der Tat alles möglich scheint. Umso mehr steigt der Respekt für die Figur der Siu, die zu dem Mann hält, vielleicht weil er ein Gast ist, vielleicht, weil er sie an ihren Gatten erinnert, vielleicht einfach, weil sie einen Freund braucht. Den genauen Antrieb lässt To wohlwissend offen, denn man möchte die Charaktere nicht zu leicht durchschauen. Erst beim Finale liegen dann alle Karten auf dem Tisch und To gelingt ein Moment von brutaler und bewegender Schlichtheit, ein Moment, der ein Liebesdrama eben abrunden sollte.
Was danach noch kommt, ist eine seltsame Koda, die wirkt, wie ein ironischer To-Kommentar auf alle Happy-Ends. Keine Angst, das ist nicht wirklich ein Spoiler, denn die Sequenz wirkt schon fast losgelöst vom Plot, da sie so surreal im Raum steht. Ein kleiner, witziger Abschluss für einen geglückten Film. Die experimentelle Musik, die einfache Kameraarbeit aber vor allem die an die Nieren gehenden Figuren machen den Streifen sehenswert und eigentlich besser als Tos im selben Jahr preisgekrönter Running Out of Time.

Hier auf DVD erhältlich

Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch, Manadarin 5.1 und 2.0 mit engl. UT. Letterboxed.
Alternative Titel: Joi gin a long; Zai jian a lang;
再見阿郎
Regie: Johnny To Kei-Fung

Drama

Spannung * *

Action *

. Want to know more?

 

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