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> Regisseure, Shaw Bros.

 

 

 

5   F i n g e r s   o f   D e a t h   ~   T i a n   x i a   d i   y i   q u a n

Reviewed 26.4.04

Hongkong 1973 Die Waise Chao Chi-Hao (Lo Lieh) hat fünf Jahre lang bei seinem Adoptivvater und Meister Wu Shen die Kunst des Martial Arts erlernt. Nun schickt der Alte ihn auf die Kampfschule von Shen Jin-Pei, auf dass er dort seine Fähigkeiten verbessere und ein Turnier gegen die Feinde von Wu Shen gewinnen kann. Dieser Feind ist Meng (Tien Feng), der seinen Sohn als Gewinner des Turniers sehen will. Er heuert den Kämpfer Chen Leung und drei blutrünstige Japaner um Mr. Okada (Hsiung Chiao) an, um Shen Ji-Peis Schule zu attackieren. Nur Chao Chi-Hao kann sie aufhalten. Shen Jin-Pei sieht dies und will seinem Schüler die Technik der "Iron Fist" beibringen. Die Gegner bekommen Wind davon und schlagen Chi-Haos Hände kaputt. Doch der Kämpfer gibt nicht auf und trainiert eisern.
"5 Fingers of Death" war der erste Kung-Fu-Film, der in Amerika in die Kinos kam. Ihm war deshalb ein grosser Erfolg beschieden und ein Eintrag in die Filmgeschichte war ihm sicher. Doch im neuen Jahrtausend kam der Film zu neuer Berühmtheit. Wieso? Quentin Tarantino hat den Kultfilm auf seine Sight-and-Sound-Top-10 getan (Liste) und in Kill Bill etliche Referenzen an den Streifen eingebaut. Die offensichtlichste ist recht witzig: Regisseur Jeong Chang-hwa benutzte 1973 ohne die Rechte zu besitzen, die Titelmelodie der Raymond-Burr-Serie "Ironside" (aka "Der Chef", Musik: Quincy Jones). Ihr wisst welche: dieses Sirenengeheul. Ein extrem cooler Effekt, der stets einen Akt der Rache einläutet. Tarantino setzte die Nummer genau gleich ein.
Abgesehen von diesen Einflüssen ist "5 Fingers of Death" auch ein eindrücklicher Film. Ich würde ihn nie auf irgendeine Bestenliste tun und ich gebe ihm die 3½ Sterne sogar nur haarscharf - aber die Post geht zweifellos ab in dem Streifen. Die erste Hälfte schleppt etwas. Die Charaktere werden eingeführt, es wird viel trainiert und geschwafelt. Die Highlights sind spärlich gesät. Doch wenns dann mal losgeht, dann richtig. Der Film wird immer besser - und immer brutaler. Inklusive Augapfel-Rausreissen, Schädelspalten, Körper aufschlitzen und Blutfontänen ausspucken. Ja, die Shaw Brothers liebten ihre Filme hart, darin besteht kein Zweifel.
Doch der Film wird daneben eben auch besser. Mehr Fights, gut choreografiert, wenn auch nie auf dem Niveau, dass die gleichzeitig entstandenen Bruce-Lee-Filme wie Fist of Fury vorgaben. Und ein atemloses Erzähltempo. Die Musik ist eh cool, nicht nur in den "Ironside"-Momenten. Dennoch, zum Meisterwerk reichts nie. Kult kann ich akzeptieren, Klassiker noch halbwegs. Aber Meisterwerk keinesfalls. Ich muss gestehen, es liegt auch am Print, dass ich den Film nicht ganz geniessen konnte: "5 Fingers of Death" ist bisher erst in einer englisch gedubbten Version erhältlich, die offensichtlich von einer VHS kopiert wurde. Schlechter Ton, ausgewaschene, unscharfe Bilder. Das verringert den Spass doch erheblich. Aber dafür kann ja der Film nichts. Vielleicht kriegt er die 3½ Sterne bei einem besseren Print etwas eindeutiger. Aber darüber liegt auch beim schärfstem Bild und bestem Ton niemals drin.
PS: In der Zwischenzeit haben die Shaws den Film als digital restaurierter Disk unter dem Titel "King Boxer" rausgebracht. Ich schau ihn nicht mehr neu an, aber den letzten Abschnitt könnt ihr um-interpretieren.

Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Englisch 2.0 ohne Untertitel. Widescreen (nicht anamorph).

Alternative Titel: King Boxer; Tian xia di yi quan; Five Fingers of Death; Invincible Boxer; Hand of Death; Iron Palm
Regie: Jeong Chang-hwa aka. Cheng Chang-Ho

Kung-Fu-Action

Action * * * *

Gewalt * *

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A l l   M e n   A r e   B r o t h e r s   ~   D o n g   k a i   j i

Reviewed 13.6.04

Hongkong 1973 Im 14. Jahrhundert rebelliert Fang La (Zhu Mu) mit seinen Mannen gegen den Kaiser (Zhang Yang). Die 108-köpfige Heldentruppe Liang Shan ist dem Kaiser und dem Land treu ergeben. Gegen eine generelle Amnestie ihrer Mitglieder, wollen sie Fang La das Handwerk legen. Mehrere Helden sterben, bevor beschlossen wird, sieben Kämpfer als Spione in die Festungsstadt Hangzhou zu schicken, darunter den Wrestler Yen Ching (David Chiang Da-wei), den bulligen Li Kwei (Fan Mei-Sheng), Shih Chen (Chen Kuan Tai), und das Ehepaar Chang Sun (Fung Yue) und Shun (Danny Lee Sau-yin). Die sieben sollen eines der Tore der Stadt öffnen, wenn die Truppen anrollen. Doch die Leute von Fang La kommen schnell hinter diesen Plan.
"All Men Are Brothers" hat mehr Alternativtitel als Italien Regierungschefs hatte. Gemeint ist das Sequel zu Chang Chehs Epos The Water Margin (1972), der manchmal selbst als "All Men Are Brothers" betitelt wird. Wie dem auch sei, laut DVD-Cover hat die 1973-Fortsetzung diesen Namen - und daran halte ich mich. Chang Cheh, Co-Regisseur Wu Ma, Choreograph Liu Chia-Liang und die Shaw Brothers fertigten mit "All Men Are Brothers" einen ihrer blutigsten Filme. Na klar, bei diesem Titel, der nicht typischer sein könnte für Chang Cheh und seine Motive von Heroic Bloodshed und Brüderlichkeit.
Der Streifen hätte aber besser sein können. Ich mochte die Fights, die viel von dem wunderbar roten Saft einsetzten (die Shaws haben ein ganz spezielles Kunstblut), doch mit der Zeit wurden die Kämpfe repetitiv. Chang wollte jedem seiner Helden einen epischen Abgang geben, doch das bringt eine gewisse Eintönigkeit mit sich. Handlungsmässig ist "All Men Are Brothers" jedenfalls etwas lasch. Auch die ganzen Invasionsstrategien wirken plump. Wo das Werk neben den Fights jedoch überzeugen kann, sind die Akteure. Hier zahlt sich aus, dass Chang jedem genug Zeit gibt. David Chiang, Chen Kuan Tai und Fan Mei-Sheng hinterlassen den besten Eindruck, Ti Lung kommt dagegen nicht gerade gut weg, da er den halben Film hindurch fehlt.
"All Men Are Brothers" ist ein quintessenzieller Chang-Cheh-Film mit Blut, Stars und Loyalität. Jeder Fan des Regisseurs darf sich den Streifen kaum entgehen lassen - trotz seinen Mängeln in der Handlung, zu wenig Abwechslung und einem enttäuschenden Ende. Alleine schon der blutüberströmte Abgang von Chen Kuan Tai, der an sein Ende in The Boxer From Shantung erinnert, ist das Anschauen wert.
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (Taiwan
): Code 3 NTSC. Mandarin 2.0. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Dong kai ji; All Men Are Brothers II; 108 Heroes; 7 Soldiers of Kung Fu; Dank kou zhi; Seven Blows of the Dragon II; Seven Kung Fu Assasins; Turbulent Invade Records; Water Margin 2; Die Eroberer
Regie: Chang Cheh, Wu Ma

Actionfilm

Action * * * *

Gewalt * * *

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T h e   B a m b o o   H o u s e   o f   D o l l s   ~   N u   j i   z h o n g   y i n g

Reviewed 25.9.04

Hongkong 1974 Das japanisch besetzte China im Zweiten Weltkrieg: Ein chinesischer Widerstandskämpfer wird niedergeschossen. Er kann seiner Frau Hong Yulan (Lee Hoi Suk) gerade noch ein Geheimnis anvertrauen, dann stirbt er. Yulan landet im Konzentrationslager. Wenig späer: Um an einen abgestürzten US-Piloten zu gelangen, stürmen ein japanischer Kommandant (Chan Shen) und sein Team ein Rotkreuz-Lager. Sie erpressen mit mehreren Exekutionen die Herausgabe des Piloten. Der Soldat wird getötet, alle Frauen werden ins Konzentrationslager verschleppt. Kommandant Inoue (Wong Hap) führt dort ein eisernes Regime und foltert die Frauen ständig. An Ausbruch ist nicht zu denken. Neben Yulan teilen sich unter anderem die Rotkreuz-Krankenschwester Jennifer (Birte Tove), Mary (Roska Rozen), Elizabeth (Niki Wane) und die blinde Hu Lizhu (Tina Ti Na) das harte Lager-Schicksal. Die lesbische Oberwärterin Mako (Terry Liu Wai-Yue) sorgt dafür, dass es den Girls besonders schlecht geht: Sie vergibt sie an japanische Offiziere für sexuelle Gefälligkeiten und zweigt immer wieder ein Mädchen für sich ab.  Für Jennifer und Co. ist klar: Sie müssen fliehen. Doch wer kann ihnen helfen? Etwa der chinesische Kollaborateur Cui Guodong (Lo Lieh)?
Von Kuei Chin Hung (
Killer Snakes), dem Shaw Brothers-Spezialisten für Sleaze und Horror, kommt "The Bamboo House of Dolls", ein ziemlich legendärer Women-in-Prison-Streifen, der seinen amerikanischen und europäischen Vorbildern in nichts nach steht. Wirklich gut ist die erste Hälfte. Da wird alles aufgeboten, was das Genre zu bieten hat. Schon im Vorspann friert das Bild immer dann ein, wenn cdf Blick auf ein Höschen oder einen Busen gelangen kann. Danach gibt es Panty-Shots und blanke Busen im Minutentakt. Doch dies ist lediglich die "Verzierung". Im Camp selbst gehts dann zur Sache: Vergewaltigung, Folter, Penetration mit einem Riesendildo, Lesbensex - alles dabei. Nicht immer sehr explizit (die Dildo-Szene findet primär im Schattenspiel statt), aber anrüchig genug.
Die Japaner kommen selbstverständlich nicht gut weg. Besonders brutal sind sie in der Eröffnungsszene, als sie ein kleines Kind als Druckmittel einsetzen. Später gegen die Frauen zeigen sie sich von ihrer ruchlosesten Seite. Das Ganze hat Comic-Charakter bis hinunter zu den Hitler-Schnurrbärten der japanischen Handlanger. Am besten ist die lesbische Wärterin Mako. Sie hat so etwas wie gierigen Sadismus, der genau in dieses Genre passt. Alle anderen Figuren bleiben relativ blass. Gespielt sind sie indes okay. Mako-Darstellerin Terry Liu Wai-Yue ist natürlich ein Highlight, die Dänin Birte Love gibt als Titel-Blondchen etwas her. Und Lo Lieh liefert seinen guten Namen.
Doch in der zweiten Hälfte lässt Kuei seine Zügel locker. Da kommt es zum Ausbruchsversuch und ein langeweiliger Plot um verstecktes Gold kommt ins Rollen. Einen WIP-Streifen schaut man sich nicht deshalb an, sondern wegen dem Lagersadismus. Und der kommt dabei gnadenlos zu kurz. Das Rating geht deshalb etwas runter, doch alles in allem ist "The Bamboo House of Dolls" sicherlich ein sehenswerter Beitrag an das Subgenre. Es gibt Sex, Gewalt und Irrsinn. Was will man mehr?

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin / Kantonesisch 5.1
mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen
Alternative Titel: Nu ji zhong ying;
Bamboo Women's Prison; 女集中營
Regie: Kuei Chin-Hung

Actiondrama

Gewalt * * *

Action * *

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B l o o d   B r o t h e r s   ~   C h i   m a

Reviewed 2.11.04

Hongkong 1973 Gegen Ende der Ching-Dynastie ermordet Chang Wen-Shiang (David Chiang) den General Ma Hsing-I (Ti Lung). Chang lässt sich widerstandlos festnehmen und legt vor Gericht ein ausführliches schriftliches Geständnis ab. Er berichtet, dass er vor neun Jahren ein Bandit war, der mit seinem Freund Huang Chung (Chen Kuan Tai) als Wegelagerer sein Geld verdiente. Eines ihrer Opfer war Ma Hsing-I. Er kämpfte mit den beiden, bemerkte ihr Talent und überliess ihnen sein Silber. Danach suchte er sie auf und rekrutierte sie für seine kleine Privatarmee. Die drei wurden Freunde und Ma trat bald darauf nach intensiver Schulung in den Dienst des Kaisers. Doch nun waren ihm seine alten Freunde eim Dorn im Auge. Schlimmer noch: Ma hatte es auf Huangs Frau Mi Lan (Ching Li) abgesehen, die wiederum davon träumte, in Mas Armen zu liegen. Ma zögerte nicht lange und liess Huang töten.
Nicht wenige Fans betiteln "Blood Brothers" als besten Film von Chang Cheh. Bei mir landet er zwar nicht in den Top 5, aber er ist ein höchst unterhaltsames
Shaw Brothers-Actionepos mit beeindruckendem Star-Trio. Welcher Film mit David Chiang, Ti Lung und Chen Kuan Tai sorgt schon nicht für hohe Erwartungen? Von den dreien macht Ti Lung den besten Job. Es braucht etwas Gewöhnung, um ihn als Bösewicht der Geschichte zu akzeptieren, doch sein Spiel ist über alle Zweifel erhaben. Es brachte ihm u.a. auch eine Auszeichnung bei den taiwanesischen "Golden Horse" Awards.
David Chiang spielt charismatisch, aber variiert sein typisches Rollenbild nur wenig. Das schlechteste Los hat Chen Kuan Tai gezogen. Er ist eigentlich der beste Fighter der dreien, doch da er der "kleinste" Name ist, muss er als erstes abtreten - immerhin kann er das mit Bravour machen. Kaum einer stirbt so schön wie Chen Kuan Tai. Was dabei überrascht: Es gibt relativ wenig Blut. Von Chang Cheh ist man definitiv anderes gewohnt. Das geht letztendlich okay, weil die Story ja emotional Gewicht haben soll und zuviel Guts & Gore die Zuschauer wohl aus der Geschichte reissen könnten.
Die Handlung ist nämlich ganz gelungen. Kein "du hast meinen Meister getötet! Stirb!"-Plot, sondern Chang Cheh'sche Männerfreundschaft, ruiniert durch Verrat und Machtgelüste. Vergiftet wird die Freundschaft, wie könnte es bei Chang anders sein, durch eine Frau. Zwar ist Mas Machthunger nicht minder wichtig für den Zusammenbruch der Freundschaft, doch für die Zuschauer fassbar wird vor allem die Frau. David Chiang darf sie dafür auch als Hure betiteln. Aus heutiger Sicht ist dieser Aufbau etwas plump, doch eigentlich erwartet man von einem Chang-Film nichts anderes. Und wenn man will kann man das Ganze sogar feministisch deuten: Mi Lan wollte nicht mehr länger mit ihrem Proll-Gatten leben und wandte sich dem besseren Mann zu. Die Frau wählt selber, das ist ja eigentlich schon modern.
Mit einem schlussendlich überzeugenden Plot und edlem Cast kann auch bei der Action wenig schiefgehen. Die Choreografie von Liu Chia-Liang und Tang Chia ist routiniert, leider kommt sie vorwiegend am Anfang und am Ende zum Zug. Den spektakulärsten Fight gibts sehr früh zwischen Chen Kuan Tai und Ti Lung. Viele der späteren Kämpfe sind Massenschlachten. Jene, in denen eine Person gegen Heerschaaren kämpft, waren nie richtig mein Ding, da zu viele Beteiligte kampflos im Hintergrund stehen. Besonders unglaubwürdig wird dies bei Davids Stürmung von Ti Lungs festung. Hunderte von Männern umkreisen David und greifen ihn einzeln an. Ein typisches Problem vieler Martial-Arts-Filme. Doch wer darüber noch nicht hinweg ist, sollte sich vielleicht ein anderes Lieblingsgenre suchen.
Selbst wenn "Blood Brothers" nicht Chang Chehs bester Film ist, so überzeugt der Streifen als Ganzes zweifellos. Einwandfrei gemachtes Martial-Arts-Kino von einem Produktionshaus auf dem Höhepunkt seines Erfolges. Für Fans eindeutig einen Kauf wert.

Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin 5.1
mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen
Alternative Titel:
Chi ma; Dynasty Of Vengeance; Chinese Vengeance; Ci ma; The Blood Brothers; Dynasty of Blood; Kung-Fu Invaders; Pierce Horse; Die Blutsbrüder des gelben Drachen; 刺馬
Regie: Chang Cheh

Actionfilm

Action * * *

Gewalt * *

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T h e   D e l i n q u e n t   ~   F e n   n u   q i n g   n i a n

Reviewed 27.6.04

Hongkong 1973 John Shen Chang (Wang Chung) ist ein Verlierer. Der junge Mann hat sein Kung-Fu-Training aufgegeben und hält sich nun mit schlechten Jobs über Wasser. Er landet immer wieder im Knast und sein Vater Mr.Shen (Lo Dik) weiss nicht, wie er ihn auf die richtige Bahn holen kann. Auch seine Freundin Elaine (Lily Li Li-Li) ist hilflos. Da gerät er an die Gangsterbande von Lam (Tung Lam), die ihm viel Geld bietet. Dafür soll John den Code des Safes beschaffen, in dem der Schlüssel zu einem Wahrenhaus liegt. Der Sicherheitsmann des Lagers ist Mr. Shen. John willigt ein, weil an dem Tag ein anderer Wachmann Dienst hat. So kommt John zu Geld, schönen Frauen und Lebensfreude. Doch an dem Tag ist der Wachmann krank und Shen tritt an. Prompt töten die Gangster den alten Mann. Nun schwört John grausame Rache.
"The Delinquent" ist klar ein Chang-Cheh-Film, das wird offensichtlich beim nihilistischen Ton, der Unwichtigkeit der Frauenrollen und der üppigen Gewalt. Das moderne urbane Setting ist weniger typisch, doch passt zu Changs Bemühungen, Anfang der 70er-Jahre neue Zeitepochen auszuloten. Und auch das Fehlen der idealisierten Brüderlichkeit ist aussergewöhnlich für Chang Cheh: John kämpft für sich alleine. Vielleicht liegt das auch am Co-Regisseur Kuei Chin-Hung. Der
Shaw Brothers-Spezialist für sleazige Filme wie Killer Snakes und harte urbane Thriller dürfte auch der sein, der die Sexszenen in "The Delinquent" abgedreht hat. Genau aufzuteilen, wer was zu verantworten hat, ist letztendlich unmöglich: die zwei Macher fusionieren zu einem, wie es bei so vielen Chang-Werken der 70er der Fall ist, bei denen er einen Co-Regisseur hatte.
"The Delinquents" wandelt sich vom anfänglichen Jugenddrama zur Rache-Action. Beide Akte sind souverän inszeniert und gespielt. Herausragend wie immer die furiosen Fights, choreografiert von Liu Chia-Liang. Das ruppige Gefühl der Kämpfe spiegelt den Streetfighter-Stil wieder, der zum modernen Setting passt. Auch Hauptdarsteller Wang Chung ist deshalb schlau besetzt. Er guckt grimmig drein und in ihm brodelt offensichtlich der Hang zur Gewalt, der im letzten Drittel voll zum Zug kommt. Dann wird der Film arg nihilistisch und erst zum Schluss bringt die etwas aufgedrückte Moral den Film wieder in weniger düstere Gefilde. Das Finale ist dennoch recht krass.
Wang spielt solide, seine Co-Stars sind auch nicht übel. Die einzige Frau, die mehr zu tun hat, als küssen und schön aussehen, ist Lily Li, doch auch ihre Rolle ist beschränkt. Und so lastet alles auf Wangs Schultern. Kein Bruder bereit für seinen Heroic Bloodshed. Aber sein Rachetrip ist dennoch unterhaltsam, grob und maskulin. Trotz ungewöhnlichen Elementen halt doch typisch Chang Cheh.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin mono
mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Fen nu qing nian; Street Gangs of Hong Kong;
憤怒青年
Regie: Chang Cheh, Kuei Chin-Hung

Actiondrama

Action * * *

Gewalt * * *

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T h e   D r u g   A d d i c t s   ~   X i   d u   z h e

Reviewed 18.2.05

Hongkong 1974 Der Kung-Fu-Trainer Kuan Cheng-Chun (Ti Lung) ist zum Junkie geworden. Ausgerechnet Tsen Chien (Wang Chung), der für das Drogensyndikat arbeitet, zwingt Cheng-chun einen kalten Entzug auf und bringt ihn von den Drogen los. Die beiden werden Freunde. Doch in Tsens Gang wird ein Spitzel vermutet, weshalb die Mitglieder ihre Loyalität beweisen müssen. Tsen soll dazu jemanden umbringen. Sein Ziel heisst Kuan Cheng-Chun!
Mit seinem Mentor und Entdecker Chang Cheh als Produzent im Rücken, wagte Martial-Arts-Superstar David Chiang 1974 sein Regiedebüt mit dem sozialkritischen Actionfilm "The Drug Addicts". Auch Chang Cheh war in dieser Ära stark interessiert an den modernen Problemen im städtischen Hongkong und inszenierte einige Filme auf dieser Pseudo-True-Crime-Schiene. Etliche davon mit David Chiang, Ti Lung und dessen "Drug Addict"-Co-Star Wang Chun (The Delinquent). Changs Einfluss auf David Chiangs Streifen ist denn auch unübersehbar. Die Parallelen reichen bis hin zum blutigen Finale, dem düsteren Look und nicht wirklich überzeugenden Frauenfiguren.
Doch "The Drug Addicts" fehlt, was Changs Filme auszeichnet: Dramatik. Der Plot ist sicher interessant, Hauptdarsteller Ti Lung immer knackig und sehenswert, aber es gibt wenig, was die Erzählung voranpeitschen würde. Vielmehr stolpert die Handlung etwas unbeholften dahin und kriegt nur szenenweise wirklichen Punch. Aber eben: Das Finale gibt Gas, Ti Lung überzeugt absolut und die moralistische Abhandlung von Drogensucht sorgt für ein paar unfreiwillige Lacher. Das reicht, um 94 Minuten wenigstens nicht einzuschläfern.

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin 2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.

Alternative Titel:
The Drug Addict; Xi du zhe; 吸毒者
Regie: David Chiang

Actiondrama

Action * *

Spannung * *

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E n t e r   t h e   D r a g o n   ~   L o n g   z h e n g   h u   d o u

Reviewed 10.6.04

Hongkong / USA 1973 Der Geheimdienstmann Braithwaite (Geoffrey Weeks) heuert den Shaolin-Schüler Lee (Bruce Lee) an, um die Festung von Han (Shih Kien) zu infiltrieren. Han ist von den Idealen der Shaolin abgefallen und hat auf seiner Privatinsel eine Kung-Fu-Schule eröffnet. Nebenbei handelt er mit Drogen und Mädchen. Lee soll ohne Waffen zur Insel reisen und dort am alle drei Jahre stattfindenden Martial-Arts-Turnier teilnehmen. Er willigt ein, auch, weil er mit Han eine persönliche Rechnung offen hat: sein Bodyguard Oharra (Robert Wall) hat Lees Schwester Su Lin (Angela Mao Ying) getötet. In Hongkong trifft Lee auf zwei weitere Turnier-Teilnehmer, beide aus Amerika: Roper (John Saxon) und Williams (Jim Kelly). Lee freundet sich mit ihnen an, doch auf der Insel wird Williams bald von Han erledigt. Lee nimmt Kontakt mit der Undercover-Agentin Mei Ling (Betty Chung) auf und stösst in Hans geheime Unterwelt vor. Doch der Bösewicht ist im längst auf der Spur.
Mit The Big Boss, Fist of Fury und Way of the Dragon torpedierte sich Bruce Lee in Hongkong an die Spitze der Kinocharts und in die Herzen der Zuschauer. Selbst in Amerika wurde man nun auf das Martial-Arts-Wunder aufmerksam, das zuvor so verbissen in den USA den Durchbruch suchte - und nicht fand. Während Bruce unter eigener Regie Game of Death zu drehen begann, wurde er von Warner Bros. angeheuert als Star von "Enter the Dragon". Ob es nun sein bester Film wurde, darüber kann man streiten. Ich bin mir selber nicht sicher, welchen ich am besten mag. Wohl Fist of Fury, der hat einfach noch mehr Action, noch mehr kleine Zückerchen wie Pop-Arts-Credits und blutige Fights.
Aber "Enter the Dragon" bleibt ein Eckpfeiler des Martial-Arts-Kinos. Bevor ich daran gehe, wieso der Film so gut ist, hier erst seine Schwächen: um Bruce international vermarkten zu können, haben die Produzenten zwei US-Stars an seine Seite gestellt. Von denen ist Jim Kelly mit seinem Afro ganz cool. Und John Saxon ist okay, so lange er nicht kämpft. Tut er es doch, wird bloss offensichtlich, wie weit Bruce seinen Berufsgenossen voraus war. Saxon wirkt ungelenk und seine Kämpfe unspektakulär. Dann stört mich der Umstand, dass der Film in Englisch ist. Viele Sätze von Bruce sind schwer verständlich, da er die Sprache nicht komplett beherrscht. Gezoomt wird nicht halb so kultig, wie in den US-Filmen. Wenn ein Zoom kommt, dann nur, damit das Bild Bruces Gesicht zeigt, anstatt den Gewaltakt, den er ausserhalb des Frames vollbringt. Deshalb finde ich "Enter the Dragon" auch zahmer als andere Bruce-Lee-Werke.
Und dann ist da die Story. Die gibt nicht so viel her und resultiert in so manchen Längen, besonders am Anfang. Der Plot ist nichts anderes als ein James-Bond-Verschnitt. Ein "Spion", der die Festung des Bösewichts infiltriert, ein Fiesling mit mörderischer Hand, einem weissen Kätzchen, schönen Frauen und einer cool ausgestatteten Festung - das ist klar 007-Territorium. Und aus vieler seiner eigenen Ideen (Messer werfende weibliche Bodyguards) mact der Film nicht einmal besonders viel. Also wieso zum Henker ist "Enter the Dragon" dennoch ein genialer Film? Zwei Worte: Bruce. Lee. Er hat das Charisma von drei Fightern und wenn er loslegt, dann nimmt man die Augen nicht von den Geschehnissen. Er kommt eigentlich viel zu wenig zum Zug, aber das macht die Ewartung auf den nächsten Kampf noch grösser. Die Highlights? Sein Kampf gegen Bolo Yeung (in dem er wegen seinen Rückenproblemen z.T von Yuen Biao gedoubelt wird), der Warmwerde-Kampf am Anfang gegen
Sammo Hung, sein Fight im Keller gegen die Stuntmänner (u.a. Jackie Chan!) und natürlich das Finale gegen Shih Kien im Spiegel-Labyrinth. Wirklich coole Sache. Dazu die "Shaft"-ige Musik von Lalo Schifrin, das hübsche Produktionsdesign, die schnittige (wenn auch eben zusammengeklaute) Handlung. Und immer wieder Bruce Lee. Dies ist erst sein vierter kompletter Film - und sein letzter. Game of Death konnte er danach nie fertig stellen. Umso grösser die Bedeutung von "Enter the Dragon". Umso grösser danach auch sein Erfolg. Es gibt viele Fehler an dem Werk auszumachen und wenn man will, kann man es als altmodisch abtun. Aber wenn es um Mann-gegen-Mann-Kämpfe mit top-Geschwindigkeit und Charisma geht, dann führt kein Weg an Bruce Lee vorbei. Und an "Enter the Dragon".
Hier auf DVD erhältlich (US)

Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Englisch und Französisch 5.1. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: The Deadly Three; Blood and Steel; Operation Dragon; Long zheng hu dou; Der Mann mit der Todeskralle;
龍爭虎鬥
Regie: Robert Clouse

Actionfilm

Action * * *

Spannung * *

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T h e   F a t e   o f   L e e   K h a n   ~   Y i n g   c h u n   g e   z h i    F e n g b o

Reviewed 26.12.04

Hongkong / Taiwan 1973 Die mongolische Invasion Genghis Khans nach China wird von seinem Enkel Kublai Khan in der Yuan-Dynastie weitergeführt. 1366 nimmt General Zhu Yuanzhang, der spätere Gründer der Ming-Dynastie, den Kampf gegen die Invasoren auf. Ein harter Gegner der Rebellen ist der mongolische Prinz Lee Khan (Tien Feng), der "König von Hanan". Er und seine bösartige Schwester Lee Wan'er (Hsu Feng) haben einen Spion in Zhus Lager eingeschleust, der eine strategisch wichtige Karte entwendet hat. Im "Ying Chun"-Restaurant in der Wüste der Shaanxi-Provinz, will er Lee Khan die Karte übergeben. Die Rebellen übernehmen das Restaurant deshalb und geben sich als Kellner aus. Die Truppe wird geleitet von Wendy (Li Li-hua) und ihren Kämpferinnen Peony (Angela Mao Ying) und Lilac (Helen Ma Hoi-lun). Sie können auch auf einen Mann in Lee Khans Reihen zählen, Cao Yukun (Roy Chiao Hung).
Im Vergleich zu King Hus Meisterwerken Come Drink With Me (1966), Dragon Gate Inn (1967) und A Touch of Zen (1969-71) ist sein "The Fate of Lee Khan" eher unbekannt, aber er verdient es, in einem Atemzug mit den berühmten Filmen genannt zu werden. Alle vier Streifen entstanden auf dem Höhepunkt von Hus Schaffensphase und er erreichte später nie mehr die inszenatorische Kraft wie bei diesen Frühwerken. "Lee Khan" ist zwar inhaltlich sehr ähnlich wie "Dragon Inn", doch wenn King Hu dieses "Inn"-Genre, bei dem sich verschiedene Fraktionen in einem Restaurant treffen, schon zu Ruhm gebracht hat, sei es ihm auch erlaubt, das Thema etwas zu variieren. Und wenn dabei etwas herauskommt wie "Lee Khan", dann kann die Kinowelt davon lediglich profitieren.
"The Fate of Lee Khan" startet nach der üblichen Einführung und historischen Einbettung mit dem Plot im "Ying Chun"-Restaurant. Man mag dises Passage des Films als langweilig einstufen, doch Hu hält das Interesse stets wach. Mit neuen Charakteren, mysteriösen Besuchern und dem drohenden Herannahen des Bösewichts. Wenn der dann auftaucht, beschleunigt Hu das Tempo und so mancher grossartiger Moment ergibt sich aus der Nähe von Rebellen und Bösewicht. Im Lager der Fieslinge liefern Tien Feng und Hsu Feng tolle Leistungen. Letztere ist King Hus Star in "Dragon Gate Inn" und A Touch of Zen sowie die spätere Produzentin von Farewell My Concubine. Ich hätte mir noch mehr Szenen mit ihr gewünscht, aber ihre eisige Professionalität verleihen dem Charakter eine tolle Qualität. Zudem haben die Frauen der Rebellen in ihr ein weibliches Gegengewicht.
King Hu ist schliesslich ein Pionier, wenn es darum geht, Frauen als Actionheldinnen einzusetzen. Aus dem Cast von "The Fate of Lee Khan" holen er und sein Martial-Arts-Choreograf
Sammo Hung (als
Zhu Yuanlong) das Maximum heraus. Wehende Roben sind visuell interessant, kämpfende Frauen geschlechterpolitisch. Den Männern stehlen sie jedenfalls auch in diesem Film klar die Show. Fighten dürfen sie leider etwas wenig. Wie bereits angetönt gibt es in der ersten Hälfte lediglich ein paar Scharmützel. Doch gegen Schluss zeigen sich Hu und Sammo Hung von ihrer virtuosen Seite. Der Endkampf hat grosse Dynamik und ist emotional. Nicht zu vergessen auch optisch sehr attraktiv.
"The Fate of Lee Khan" erreicht trotz all diesen offensichtlichen Qualitäten nicht ganz das Niveau von Kiing Hus Meisterwerken. Gründe dafür sind das Déjà-vu-Gefühl des Inn-Themas und die etwas langsame erste Hälfte. Aber der Film lohnt sich auf jeden Fall und hebt sich von gängigen Hongkong-Prügelstreifen löblich ab. Zudem experimentieren Hu und Hung mit dem Wechsel von Schwertkampf und waffenlosem Kung-Fu, der damals mehr in Mode war. Insbesondere der Fiesling nutzt als Zeichen seiner Stärke kein Schwert. So erreicht King Hu auf überzeugende Art den Mix dieser beiden Martial-Arts-Stile.

Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (China): Code 0 PAL. Mandarin mono
mit englischen Untertiteln. Vollbild.
Alternative Titel: Ying chun ge zhi Fengbo;
The Incident at Spring Inn; Der letzte Kampf des Lee Khan; 迎春閣之風波
Regie: King Hu Chin-chuan

Actiondrama

Spannung * *

Action * *

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F i v e   S h a o l i n   M a s t e r s   ~   S i u   l a m   n g   j o

Reviewed 16.4.04

Hongkong 1974 Die mandschurischen Ching-Truppen haben den Shaolin Tempel abgebrannt. Fünf der überlebenden Shaolin fliehen nach Zentralchina: Hu Dedi (David Chiang), Li Shih-Kai (Chi Kuan-Chun), Fang Ta-Hung (Meng Fei),  Ma Chao-Hsing (Alexander Fu Sheng) und Chi Tsai Dezhong (Ti Lung). Sie hoffen, auf dem Land noch weitere geflohene Shaolin zu finden. Doch sie müssen vorsichtig sein. Einer der ihren muss sie verraten haben und mit den Qing-Truppen kooperieren: Es ist Ma Fu-Yi (Johnny Wang Lung-Wei), der nun mit den vier Generälen Chien San (Liang Chia-Jen), Chang Chin-Chiu (Feng Ko-An), Chen Wen-Yao (Chiang Tao) und  Pao Yu-Lung (Tsai Hung) Jagd auf die fünf Shaolin-Meister macht.
Chang Cheh, der Regie-Superstar der Shaw Brothers versammelte einige der grössten Namen, die das Studio 1974 zu bieten hatte, für diesen Ensemble-Kung-Fu-nicht-ganz-Klassiker. Er ist unbestreitbar unterhaltsam und ich habe noch kaum einen Shaw-Film gesehen, der so viel nonstop-Action bietet. Doch es fehlt dafür an anderem: Der Plot ist simpel, die Schauspieler zwar kampflustig, aber bis auf David Chiang irgendwie nicht sonderlich motiviert. Weil es so viele verschiedene Leute gibt, denen man folgen muss, ist auch der Aufbau von Sympathien nicht so einfach. Chang beherrscht das Handhaben eines Ensembles besser, was er spätestens mit dem gelungeneren Five Deadly Venoms bewiesen hat, doch in "Five Shaolin Masters" kommt es einem eher so vor, wie sich das die Shaws wohl gedacht haben: viele Stars in einem günstigen Film. Funktioniert halbwegs.
Aber eben vor allem wegen der Action. Alleine das finale Aufeinandertreffen ist rund eine Viertelstunde lang, ohne viele Worte, einfach nur Geprügel auf hohem Niveau. Davor gibt es eine ausgiebige und sehr gelungene Trainings-Sequenz und schon in den coolen Opening Credits wird gekämpft, gestorben, geschrien und nochmals gestorben. Wenn auf "Five Shaolin Masters" etwas zutrifft, dann rastlos. Aber ich wurde das Gefühl nicht los, genau diese Rast hätten sich Chang und sein Team einmal gönnen sollen. Für ein wenig mehr Plot, ein wenig mehr Charakterisierung. Te-ti ist der Leader, Fu-Yi der Verräter und Chao-Hsing ist der Kindische. Aber viel mehr an Vertiefung gibts nicht. Kaum sprechen die Leute kurz miteinander, taucht ein Fiesling auf, es wird gekämpft - und meist kommt noch ein loyaler Gaststar dazu, der dann abtreten darf, während der Held davon rennt und den anderen ein paar Neuigkeiten berichtet, die den Plot voranbringen. Es ist wirklich ein ziemlich plump konstruiertes Drehbuch.
Dennoch, allein wegen einigen coolen Fights, dem brüsken Tempo und den versammelten Stars gibts 3 Sterne. Die Shaws könnens besser, Chang Cheh kanns besser. Aber das soll einen nicht abhalten, an diesem Nonstop-Hau-Drauf-Epos seine Freude zu haben. Zwei Jahre später entstand mit Shaolin Temple ein Prequel mit ähnlichem Cast (wenn auch z.T. in anderen Rollen).

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (T
hai): Code 0 NTSC. Kantonesisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Siu lam ng jo; 5 Masters of Death; 5 Shaolin Masters;
少林五祖
Regie: Chang Cheh

Kung-Fu-Action

Action * * * *

Gewalt *

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T h e   F l y i n g   G u i l l o t i n e   ~   X u e d i z i

Reviewed 20.6.04

Hongkong 1974 Kaiser Yung Cheng (Kong Yeung) von der mandschurischen Qing-Dynastie lässt seinen Diener Kang Xin (Ku Feng ) eine mörderische Waffe entwickeln: die Fliegende Guillotine, ein Hut-artiges Wurfgerät, dass über den Kopf des Opfers gestülpt wird und beim Wegziehen den Kopf gleich abschneidet. Kang rekrutiert 12 Kämpfer, um eine Elitetruppe auszubilden, die mit den Fliegenden Guillotinen Aufträge für den Kaiser erledigt. Der junge Xie Tian-fu (Wong Yue) hat bald Bedenken betreffend dem Morden und wird kurzerhand mitsamt seiner Freundin Wan-zhu enthauptet. Das wiederum bringt den besten Guillotinen-Kämpfer Ma Teng  (Chen Kuan Tai) auf die Palme, der die Befehle des Kaisers schon länger nur trotzig ausführte. Er desertiert und wird von seinen ehemaligen Kollegen erbarmungslos gejagt. Unterwegs trifft er auf Yu-Ping, die er heiratet. Sie gebärt ein Kind und die junge Familie versucht sich als Farmersleute. Doch Mas Vergangenheit lässt sich nicht abschütteln.
Ho Meng-Hwa
, der Shaw Brothers-Spezialist fürs Bizarre, entwickelt in "The Flying Guillotine" eine wahrhaft mörderische Waffe. Doch die Geschichte, die er darum fabriziert, ist nur zu Beginn gut. In der zweiten Hälfte lässt sie sichtlich nach und der Streifen bekommt Überlänge. In gewissem Sinne ist "The Flying Guillotine" besser gemacht als der nicht von den Shaw Brothers gedrehte Master of the Flying Guillotine, doch jener Film von 1975 hatte den Mut, komplett auf Trash und absurde Ideen zu setzen. Ho Meng-Hwas Film ist konventioneller.
Die Mordwaffe ist dennoch genial. Da sie technisch schwer zu handhaben ist, setzte Ho auf schnelle Schnitte und ein paar holprige Effekte. Die Kopf-Ab-Szenen sind kurz, aber brutal und effektiver als in Master of the Flying Guillotine. Die Akteure sind austauschbar. Selbst Chen Kuan Tai, den ich sonst von den Shaw-Helden fast am besten mag, erscheint etwas blass. Und die Kampfszenen, in denen traditionellere Kung-Fu-Methoden eingesetzt werden, sind ziemlich ermüdend. Es ist dieser Mangel an Frische, der "The Flying Gullotine" eine bessere Bewertung verwehrt. Es hat wirklich coole Sachen drin, darunter die Waffen selbst, das Training, die Kopf-Ab-Szenen und die irren Befehle des Kaisers. Aber für 3½ Sterne reicht das knapp nicht. 1975 folgte eben das inoffizielle Spin-Off Master of the Flying Guillotine, doch das richtige Sequel entstand 1978 als Flying Guillotine II.

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK
): Code 3 NTSC. Mandarin 5.1 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Xuedizi;
Huet dik ji; Xie di zi; The Blood Dripper; 血滴子
Regie: Ho Meng-Hwa

Actionfilm

Action * *

Gewalt *

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F r i e n d s   ~   P e n g   y o u

Reviewed 8.5.05

Hongkong 1973 Tu Jiaji (Alexander Fu Sheng) ist der Sohn des Milliardärs Tu Dongtai. Aber er hat es satt, ein verwöhntes Kind zu sein. Eines Tages trifft er auf der Strasse den kampffreudigen jungen Hua Heng (David Chiang), der sich gerade von ein paar Strassenrowdies prügelt, die ihm sein Bild wegnehmen wollten. Jiaji hilft ihm und freundet sich mit ihm an. Heng ist arbeitslos und schafft als Maler den Durchbruch nicht. Er und seine Freunde trainieren in einer Lagerhalle Kung-Fu. Jiaji gehört bald zu ihnen, erzählt aber nicht, dass er aus steinreichem Hause stammt. Bald wäre Geld aber ganz praktisch: Der Schuldeintreiber Ma Weihong verlangt on Hengs Freundin Gao Xin 20'000 Dollar, sonst muss sie als Prostituierte arbeiten. Da Heng das Geld nicht hat, will Jiaji helfen und das Geld durch einen Trick von seinem Vater holen.
"Friends" ist ein weiteres der Sturm-und-Drang-Jugenddramen im modernen Hongkong, die Chang Cheh Anfang der 70er für die Shaw Brothers gedreht hat. Er ist besser als The Generation Gap aber nicht so ausgefeilt wie
The Delinquent, trotzdem ist "Friends" ungemein unterhaltsam. Das liegt vor allem an der Besetzung: Der etablierte Star David Chiang spielt seinen James-Dean-Verschnitt mit Lockerheit und Charisma, der noch frische Alexander Fu überzeugt in den gleichen Kategorien. Er gewann für seinen Part u.a. den Newcomer-Preis beim "20th Asian Film Festival" und zeigt, dass er in moderne Filmen einfach besser passt als in Historien-Streifen à la The Brave Archer.
Die Nebendarsteller, darunter Lily Li Li-Li, haben deutlich weniger zu tun, leisten sich aber ebenfalls keine Ausrutscher und die Kampfchoreografie (Liu Chia-Liang und Tong Gaai) ist überzeugend. Wo es etwas hapert ist die Story. Der Prolog wirkt deplaziert und scheint nur als moralische Stütze zu dienen, wonach selbst aus diesen Gaunern angesehene Leute werden können. Durch den Film hindurch zieht sich immer wieder der gehobene Zeigfinger: Jugendliche sollten zwar Spass haben, aber doch besser auf ihren Papa hören. All dies präsentiert Cheng aber moderater als auch schon.
Letztendlich muss man ein Wort über die latente Homoerotik verlieren. Zu Chang Chehs Filmen gibt es ganze Abhandlungen darüber, dass seine Filmbrüder oft eher dem eigenen Geschlecht zugeneigt sind als Frauen, und ich will das auch nicht bei jedem seiner Werke ansprechen - doch hier drängt es sich regelrecht auf. Jiaji und Heng tun alles miteinander, drücken sich, bespringen sich spielerisch, prügeln sich neckisch, aber Gao Xin fasst Heng nicht an. Das greift sie sogar mal auf und fragt "wieso berührst du mich nie?" Vielleicht, weil sich Chang Chehs Helden eben unter Männern wohler fühlen. Später im Film wird das "Dilemma" behoben und Heng berührt sein Schätzchen, aber die Bande zwischen den Männern ist längst um einiges stärker. Für alle, die gerne Chang Chehs Rollenverhalten in seinen Filmen analysieren, ist "Friends" auf jeden Fall ein dankbares Studienobjekt.
Aber primär ist es ein kurzweiliger Jugendfilm mit energiereichen Darbietungen der jungen Stars, coolem Soundtrack, schlagfertigen Fights und einer leicht konsumierbaren Geschichte um Rebellion und Freundschaft. Nichts Grosses also - aber sicher nichts Schlechtes. PS: In Deutschland lief der Film auf 77 Minuten heruntergekürzt (original: 104 Min.) als "Die Blutsbrüder des Kung Fu".

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin 2.0.
mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Peng you; Pang Yau; Die Blutsbrüder des Kung Fu;
朋友
Regie: Chang Cheh

Actiondrama

Action * * *

Humor *

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T h e   G e n e r a t i o n   G a p   ~   P a n   n i

Reviewed 11.7.04

Hongkong 1973 Der 21-jährige Ling Xi (David Chiang) ist der Sohn des reichen Ling Yan-neng. Doch Xi ist nicht auf Reichtum und Status aus, sondern auf Liebe: Er hat sein Herz an die noch nicht einmal 16-jährige Cindy Xin (Agnes Chen) verloren, die in Clubs singt und ansonsten von ihren wohlhabenden Eltern abgeschirmt wird. Da die Beziehung von Xi und Cindy nicht sein darf, entführt er sie. Das Geld für die Wohnung verdienen sie mit Cindys Gesang und Xis Arbeit als Mechaniker. Die Leute in der Umgebung beobachten sie argwohnisch, vor allem, da Cindy noch minderjährig ist und Xi finanziell unterstützt - böse Worte wie "Teddy Boy" ärgern Xi jedoch nicht halb so stark wie sein Bruder Ling Zhao (Ti Lung): Der versucht, Cindy seinen Eltern zurückzugeben. Als er die Liebenden tatsächlich trennt, beginnt Xi eine Gangsterkarriere ...
Chang Cheh drehte für die Shaw Brothers 1973 gleich mehrere Filme, die in der Gegenwart spielen und sich junger Männer annehmen, die mit der Gesellschaft in Konflikt geraten:
The Delinquent, Police Force und "The Generation Gap". Von den dreien ist "Police Force" der schwächste, doch leider ist auch "The Generation Gap" kein voller Erfolg. Das Hippie-Teeniedrama beginnt extrem langsam. So gibt es eine Passage, in der Cindy nacheinander zwei Songs im Nachtclub trällern darf und wir schlecht tanzenden Jugendlichen zusehen müssen. Wieso so lange? Es gibt einige solcher Szenen, wie eine nicht enden wollende Motorradfahrt der Liebenden zu einem weiteren (englischen) Liedchen von Cindy - wodurch der Streifen massiv an Tempo einbüsst.
Gerade als ich mich zu fragen begann, wieso eigentlich Liu Chia-Liang als Action-Choreograf aufgelistet ist, gabs dann endlich auch mal etwas Haue. Diese ist im Stile von Strassenfights choreografiert und meistens recht effektiv. Auch schauspielerisch ist "The Generation Gap" nicht übel - sieht man mal von Ti Lungs grässlicher Brille ab. Im Zentrum steht eigentlich nur David Chiang. Er rebelliert, er trotzt dem Establishment. Ti Lung hat einen Kurzauftritt und Agnes Chen ist bloss sein Katalysator. Sie verschwindet für die letzte halbe Stunde einfach aus dem Film. Chang Cheh hat zwar schon Filme gedreht, in denen Frauen gar nicht vorkommen, doch auch hier weiss er oft nicht, was er eigentlich mit ihnen anstellen soll.
Die Story, verfasst von Chang und Vielschreiber Ni Kuang (I Kuan), ist voraussehbar. Gleich am Anfang wird eingeblendet, der Film wolle keine Seite in Schutz nehmen, sondern nur Fragen stellen. Beantworten müsse diese der Zuschauer. Eine moralische Warnung - doch obwohl der Film tatsächlich neutral wirkt, so steckt doch viel Moral dahinter. David Chiangs Schicksal ist nach Hongkong-Regeln nämlich von Anfang an besiegelt. Die Frage bleibt, ob das Establishment ihn in diese tragische Rolle gedrängt hat oder ob es alleine dem jugendlichen Übermut beziehungsweise der antiautoritären Hippie-Bewegung zu verdanken ist, doch diese Denkanstösse bleiben zu plump. "The Generation Gap" fällt so etwas zwischen Stuhl und Bank. Als Actionfilm zu schlaff, als Drama zu oberflächlich, als Liebesfilm zu maskulin. Der Film ist alles andere als übel, doch er will nie richtig loslegen.

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin mono
mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Pan ni;
叛逆
Regie: Chang Cheh

Drama

Action * *

Spannung *

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G h o s t   E y e s

Reviewed 4.9.04

Hongkong 1974 Die schüchterne Wang Bao-Ling (Chen Szu-chia) arbeitet in einem Beauty-Salon. Den Avancen ihres besten Freudes Jiao Pin (Lin Wei-tu) weicht sie aus. Da trifft sie eines Tages auf den attraktiven Optiker Shi Jong-Jie (Antonio Ho aka. Szu Wei), der ihr anbietet, Linsen einzupassen. Doch die Linsen habens in sich. Fortan hat Jong-Jie dämonische Kontrolle über Bao-Ling: Er schläft mit ihr und lässt sie körperlich degenerieren. Die immer kaputtere Bao-Ling forscht nach und erfährt, dass Jong-Jie vor Jahren gestorben ist: Er ist ein Geist!
Kuei Chin-Hung ist der Spezialist der Shaw Brothers, wenn es um düstere Werke geht. Seien es städtische Dramen wie The Delinquent oder purer Sleaze wie Killer Snakes. "Ghost Eyes" ist hier keine Ausnahme. Der Horrorstreifen beschäftigt sich mit Genre-üblichen Übersinnlichkeiten und bietet am Anfang atmosphärische Spannung. Leider verzettelt sich Kuei im Mittelteil in Banalitäten. Schlimmer noch, sein Film wird ausgesprochen repetitiv, ohne dass ein Ziel klar wird.
Erst zum Schluss zieht der Streifen nochmals an und mündet in ein feuriges, ziemlich ekliges Finale. "Ghost Eyes" lebt von der Stimmung und der Performance von Chen Szu-chia. Doch im Shaw-Kanon hat der Film keinen Ehrenplatz verdient. Dazu ist er zu plump und hat zuviele Längen.

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin mono
mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
AlternativerTitel:
鬼眼
Regie: Kuei Chin-Hung

Horrorfilm

Spannung * *

Gewalt * *
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H e r o e s   T w o   ~   F a n g   S h i y u   x i n g   H o n g   X i g u a n

Reviewed 9.6.04

Hongkong 1974 Mandschu-General Che Kang (Zhu Mu) hat einen Tempel der Shaolin niedergebrannt und alle Mönche getötet. Nur ein Student konnte entkommen: der legendäre Hung Hsi-Kuan (Chen Kuan Tai). Der wird unterwegs jedoch als Räuber und Schläger gebrandmarkt, was auch der vorbeiziehende Shaolin-Held Fang Shih-Yu (Alexander Fu Sheng) mitbekommt. Ohne zu ahnen, wen er vor sich hat, bekämpft und besiegt er Hung. Damit kann er an General Che ausgeliefert werden. Erst nun wird Fang bewusst, was er für einen Fehler begangen hat. Er will ihn wieder gut machen, indem er Hung befreit.
Von allen Filmen, die Chang Cheh für die Shaw Brothers gedreht hat, wird "Heroes Two" von Martial-Arts-Fans jeweils wenig Respekt zuteil. Er steht bei kaum jemandem auf der Bestenliste der Chang-Filme. Auch nicht bei mir - aber dieser simple und kurzweilige Streifen hat mich sehr gut unterhalten. Hauptgrund dafür sind die beiden charismatischen Stars. Ich mag Chen Kuan Tai nicht zuletzt seit The Boxer From Shantung sehr gut. Er hat ein spitzbübisches Lächeln gepaart mit einem mysteriös lüsternen Blick und animalischen Bewegungen. Nicht zuletzt deshalb ist er die ideale Verkörperung des Tiger-Stils. An seiner Seite spielt der erst 19-jährige Alexander Fu Sheng mit ungehörigem Charisma. Dies ist seine erste Star-Rolle und er hat den Durchbruch danach verdient. Einmal mehr muss man sagen, er wäre einer der ganz Grossen geworden, wäre er nicht so früh (1983) tödlich verunfallt. Bis zu seinem Tod spielte er die Rolle des Fang Shih-Yu weitere Male, u.a. in Chang Chehs The Shaolin Avengers.
Die Handlung, in die die beiden geraten, beginnt mit einem typischen Moment: dem Abfackeln eines Shaolin-Tempels. Mehrere der Shaolin-Filme Changs beginnen so (z.B. Five Shaolin Masters). Danach folgt jeweils die Jagd auf die Überlebenden. Chang will uns nun klarmachen, dass zwei so bekannte Herren wie Hung und Fang sich nicht kennen und versehentlich verprügeln? Na ja, es ist schwer zu schlucken, aber nötig für den Verlauf der Geschichte und die Verbrüderung der Helden. Das ist schliesslich ein Chang'sches Leitmotiv: die Verbrüderung. Chen und Fu geben jedenfalls ein tolles Paar ab. Leider sind sie zu wenig oft zusammen. Damit ist bereits angetönt, dass einmal mehr die Männer im Vordergrund stehen. Es gibt eine Sprechrolle für Frauen und die tritt erst nach 33 Minuten auf.
Die Männer indes prügeln den halben Film hindurch. Als Fight-Choreograf waltete der legendäre Liu Chia-Liang. "Heroes Two" war eine seiner späteren Arbeiten als Choreograf, bevor er selbst in den Regiestuhl wechselte und u.a. die 36th Chamber of Shaolin-Reihe inszenierte. Liu und Chang setzen in "Heroes Two" klar auf klassisches Kung-Fu. Schlag, Block, Schlag, Block. Mit der Zeit stellt sich das Gefühl ein, man habe das schon x Mal gesehen, aber dank dem Talent der Performer und der ausgeklügelten Choreografie, die auf langen Kameraeinstellungen basiert, machen auch die Kämpfe Spass. Einzig wirklicher Schwachpunkt dabei sind die Gegener, die nie wirklich stark erscheinen. Deshalb gehört die Show ganz den Helden.
Eines fällt noch auch: im Vergleich zu anderen Chang-Werken ist "Heroes Two" relativ unblutig. Wenns zum Schluss doch noch zu recht brutalen Aktionen kommt, sind diese abgeschwächt, indem das Bild schlagartig knallrot wird. Ein hübscher, surrealer Effekt, der die Wirkung der eigentlich nicht sonderlich blutigen Szene verstärkt. "Heroes Two" ist keine Meisterleistung, kein Chang'scher Geniestreich - aber ein Film, der von den kultigen Opening Credits bis hin zum Massen-Fight-Finale zu unterhalten mag.

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen

Alternative Titel: Heroes II; Bloody Fists; Temple of the Dragon;
Fang Shih Yu xing Hung Hsi Kuan; Fang Shiyu xing Hong Xiguan; Blood Brothers; Kung Fu Invaders; 方世玉與洪熙官
Regie: Chang Cheh

Kung-Fu-Film

Action * * *

Gewalt *

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H o u s e   o f   7 2   T e n a n t s   ~   Q i   s h i   e r   j i a   f a n g   k e

Reviewed 8.8.04

Hongkong 1973 Eine grosse Wohnanlage im ärmeren Teil Hongkongs: Die Vermieterin Pat Koo (Hu Chin) und ihr arroganter Gatte Chow Bing-Ken (Tien Ching) geraten in Streit mit den anderen Bewohnern. Zuerst geht es um Wasserrechte, die die dickliche Wäscherin Shanghai Po ("Fei-Fei" Lydia Sum Tin-ha) verletzt haben soll.  Dann gibts noch mehr Zoff, da sich Koos Adoptivtochter Heung (Cheng Li) in den Schuhmacher Fat Choi (Yueh Hua) verliebt hat.
Welches war der erfolgreichste Film in Hongkong des Jahres 1973? Nein, nicht Enter the Dragon, sondern "House of 72 Tenants". Obwohl sich um den verstorbenen Bruce Lee ein Riesenkult bildete und sein Way of the Dragon zuvor der erfolgreichste Hongkong-Film überhaupt war, spielte "House of the 72 Tenants" das doppelte des zweitplatzierten Enter the Dragon ein. Der Shaw Brothers-Film gehört damit zu den lukrativsten Hongkong-Filmen aller Zeiten! Verantwortlich dafür zeichnet Shaws Clan-Filmer Chor Yuen (Killer Clans, Sentimental Swordsman), der eine revolutionäre Idee hatte: kantonesische Komödie. Zuvor waren die Filme in Mandarin synchronisiert und Versuche, Filme in Kantonesisch zu bringen, floppten. Doch Chor wollte eine Komödie machen, die den Alltag Hongkongs zeigt - und die kann nur in Kantonesisch funktionieren. Das Risiko zahlte sich aus.
Dementsprechend funktioniert der Humor aber auch lokal am besten. Fast alle Gags entstammen den Dialogen, in denen oft Worte verschiedene Bedeutung annehmen - oder einfach verrucht gesprochen wird. Ich habe mich zwar schon einigermassen amüsiert, aber den Zuschauerzahlen entsprechend dürfte der Streifen damals in Hongkong noch um einiges enthusiastischer aufgenommen worden sein. Die Pointen sind okay, der humanistische Aspekt nett und die Inszenierung sehr flüssig. All das reicht für einen guten Film. Doch ein weiterer Clou ist natürlich bereits im Titel angekündigt: 72 Bewohner. Es sind zwar nicht alle 72 Leute Mieter in dem Haus, aber es gibt so viele Sprechrollen. Und die sind erst noch illuster besetzt. Die Hauptrollen spielen für einmal klassische Nebendarsteller der Shaws, während in Cameos einige grosse Namen zu sehen sind.
Die in der Zusammenfassung erwähnten Personen lass ich mal weg. Zusätzlich sind zu entdecken: Regisseur Chor Yuen in einem Cameo als Dieb,
Chors Frau Nam Hung ist als Frau des Olivenverkäufers Fook zu sehen und ihr Söhnchen hat auch einen Gastauftritt. Si-Si Szu Shih ist zu sehen, Superstar Chen Kuan Tai (Boxer from Shantung) tritt kurz als Polizist auf, Danny Lee Sau-Yin ebenso kurz als Dieb, Adam Cheng Siu-Chow als Feuerwehrmann, The Delinquent-Star Wang Chung als Kartengeber, Charaktermime Ku Feng als femininer Bordellbesitzer und sexy Shaw-Star Betty Ting Pei als Prostituierte. Dieses Charakteren-Entdecken in diesem Mikrokosmos dürfte für Hongkong-Fans noch zusätzlichen Reiz bieten. Ich bin nicht der grösste Fan von kantonesischer Comedy, doch wer diesen Bereich erforschen will, kommt um "House of 72 Tenants" auf keinen Fall herum.
Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin und Kantonesisch 5.1.
mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Qi shi er jia fang ke;
七十二家房客
Regie: Chor Yuen

Komödie

Humor * * *

Spannung *

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I r o n   B o d y g u a r d   ~   D a   d a o   w a n g   w u

Reviewed 15.5.04

Hongkong 1973 Der Beamte und Dichter Tan Si-tong (Yueng Hua) träumt davon, das Land zu reformieren. Den Kaiser hat er mit seinen Plänen bereits überzeugt. Er und andere junge Denker werden in eine neue Behörde berufen, die das Land modernisieren soll. Doch die Kaiserin und mit ihr die konservativen Herrscher wollen den Fortschritt aufhalten und ordern die Verhaftung von Tan und seinen Freunden an. Ihnen droht die Exekution. Das kann der Schwertkämpfer Wang Wu (Chen Kuan Tai) nicht zulassen. Der Besitzer eines Kampf- und Sicherheitsstudios hat sich zuvor mit Tan angefreundet und eilt ihm nun zu Hilfe ...
Während die Regie-Aufteilung zwischen Meisterregisseur Chang Cheh und Ex-Kameramann Pao Hsueh-Li in Boxer From Shantung noch wunderbar funktioniert hat, treten in dieser Shaw Brothers-Produktion Probleme auf. Es wird gesagt, Pao hätte auf den Film den grösseren Einfluss gehabt, was am mangelnden Erzähltempo auch nachvollziehbar wird. Auch das Hongkong-typische ein- und aus-Zoomen wird diesmal masslos übertrieben - so sehr, dass manche Shots deutlich unscharf sind. Und nicht zuletzt kommt auch noch die eigentliche Action erst sehr spät - für viele Kampf-Fans wohl zu spät. Und der abschliessende Kampf ist sogar eine milde Enttäuschung. Doch das, was zuvor geboten wird, ist nicht ganz übel. So spielt Chen Kuan Tai wieder einmal überzeugend und mit einem Schuss Arroganz. Die Freundschaft zu Yueh Hua  wird im Eiltempo abgehakt, doch damit ist auch das typische Chang-Cheh-Thema von der Männerfreundschaft vorhanden. Auch die schwachen Frauenrollen (halbwegs wichtig ist nur Lily Li Li-Li) sind typisch für Chang. Und zum Schluss, wenn  es dann endlich zur Sache geht, kommt das letzte Chang-Element zum Tragen: Gewalt. Die ist zwar nie so explizit wie in Boxer From Shantung, doch ein paar ins Fleisch gerammte Schwerter gibts schon.
"Iron Bodyguard" dürfte es damit wohl auf keine "Best of Shaw"-Liste schaffen und kriegt auch von mir nur knapp 3 Sterne, womit er sicherlich zu den schwächeren Filmen von Chang Cheh gehört. Aber er ist solide gemacht, gut gespielt und zum Schluss auch noch ein bisschen fetzig. Für Filmfans, die sich neu den Shaw Brothers zuwenden, gibt es sicherlich bessere Startpunkte.

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (Taiwan
): Code 3 NTSC. Mandarin 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Da dao Wang Wu; Dai do Wong Ng; Big Blade Wang Wu;
大刀王五
Regie: Chang Cheh, Pao Hsueh-Li

Kung-Fu-Action

Action * * *

Gewalt *

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K i s s   o f   D e a t h

Hongkong 1973 Ausführliche Kritik: hier.

 

A   M a d   W o r l d   o f   F o o l s   ~   G u a i   R e n   G u a i   S h i

Reviewed 26.6.04

Hongkong 1974 Ein Dieb bricht in das Haus einer schönen Frau ein. Das einzige, was er klaut, ist ihre benutzte Unterwäsche! Dies ist eine von vielen Episoden. Eine andere dreht sich um einen Sohn, der eine ausländische Blondine (Marlene Perry) nach Hause bringt und als seine Frau vorstellt. Die Familie ist geschockt über die Freizügigkeit der Frau. In einer anderen Geschichte träumt ein Verlierer (David Chiang) davon, ein Kampfsport-Held zu sein. Als es tatsächlich drauf ankommt, muss seine Freundin (Li Lin-Lin) die Angreifer selbst vermöbeln. Dann gibts eine Story über einen Kerl, der vor lauter TV keinen Sex mehr haben will. Und eine, über einen reichen Kleptomanen (David Chiang), der an das falsche Opfer gerät.
Diese Shaw Brothers-Komödie galt lange als verschollen und sorgt nun für ein paar erstaunte Blicke. Nicht unbedingt, weil der Film in den Shaw-Archiven aufgetaucht ist (so erging es etlichen verloren geglaubten Titeln), sondern weil es tatsächlich eine bizarre Produktion ist. Star-Regisseur Chang Cheh produzierte und sein Protegé David Chiang führte Regie. Auf dem Höhepunkt seiner Kung-Fu-Karriere beschloss Chiang aber nicht, einen Martial-Arts-Streifen zu drehen, sondern eine Episodenkomödie mit einem Touch von Sex und Klamauk. Gelungen? Nicht wirklich.
Die einzelnen Episödchen sind unterschiedlich in ihrer Qualität. Manche sind nicht mehr als kleine Witze, andere sind längere Geschichten mit mässiger Dramaturgie. Eine der witzigeren Episoden ist jene mit der blonden Frau, weil es die verklemmte Gesellschaft Hongkongs gut auf die Schippe nimmt. Andere Passagen sind ziemlich übel. Und die Rahmenhandlung, in der David Chiang einen Moderator spielt, ist auch nicht gerade der Knüller. "A Mad World of Fools" mag ein selten gesehener und lange verlorener Shaw Brothers-Film zu sein, gut wird er dadurch jedoch auch nicht. Ich mag David Chiang und allen Fans von ihm würde ich den Streifen schon empfehlen. Einfach, um mal zu sehen, dass ihr Handkantenliebling auch ganz anders sein kann.

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin mono mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen

Alternative Titel:
Guai Ren Guai Shi; 怪人怪事
Regie: David Chiang

Episoden.
Komödie

Humor * *

Action *
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M e n   f r o m   M o n a s t e r y

Hongkong 1974 Ausführliche Kritik: hier.

 

T h e   P i r a t e

Hongkong 1973 Ausführliche Kritik: hier.

 

P o l i c e   F o r c e   ~   J i n g   c h a

Reviewed 8.5.04

Hongkong 1973 Zwei Gangster attackieren den Karate-Champion Liang Guan (Alexander Fu Sheng) und seine Freundin Shen Yan  (Lily Li Li-li). Guan kann einen der Angreifer töten und Shen Yan entkommt - doch der zweite Räuber tötet Liang Guan und flieht. Shen Yen will Rache und bittet Liang Guans besten Freund Huang Guo-dong (Wong Chung) um Hilfe. Er tritt der Polizeiakademie bei und lässt sich zum Cop ausbilden. Fünf Jahre später ist er einer der Helden des Corps, doch den Mörder hat er noch immer nicht. Shen Yan drängt ihn jeden Tag und Guo-dong trägt stets ein Bild des Täters auf sich. Da passiert ein Mord und ein Zeuge zeichnet ein Phantombild: es gleicht dem Mörder von Liang Guan aufs Haar!
"Police Force" war der Versuch der Shaw Brothers, in Hongkong ein international längst populäres Genre einzuführen - das des Polizeifilms. Ob Amerika mit Filmen wie "Dirty Harry", Japan mit Fukasaku, Frankreich mit Melville oder Italien mit den Gialli, überall blühte in den 60ern und 70ern das Genre. Chang Chehs Anlauf, einen Hongkong-Polizeifilm zu drehen, wurde von der Polizei tatkräftig unterstützt. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum der Streifen misslang. Die erste halbe Stunde ist bis auf den Mord arg langweilig. Wir sehen endlos stramm stehende und marschierende Polizei-Truppen. Das ist in etwa alles. Klar muss Chang es dem Corps vergüten, dass er ihre Leute und Gerätschaft benutzen durfte, aber gleich so ausgiebig?
Das Problem geht noch tiefer - nämlich bis zur Story. Während Shen auf Rache und damit auf Mord brennt, wird Huang "reformiert" und fordert die Festnahme des Täters, nicht dessen Tötung. Sobald die Frage geklärt ist, verschwindet Shen aus dem Film. Damit hat Chang einmal mehr bewiesen, dass er Frauenrollen nicht im Griff hat - und dass die Polizei die Finger wohl auch beim Drehbuch im Spiel hatte. Am Schluss machen Chang und sein Regie-Partner Choi Yeung-Ming gleich noch weitere Fehler. Der Gravierendste ist die Einführung einer neuen Story. Der Rache-Plot findet rund 20 Minuten vor Filmende seinen Schluss, doch danach gehts noch mit einer völlig neuen Geschichte weiter. Ziemlich amateurhaft.
Die Kämpfe sind für einmal Karate nicht Kung-Fu. Und sie sind ganz okay - wenn auch spärlich eingesetzt. Am meisten austeilen darf natürlich der Star, Wong Chung. Er ist einer der attraktiveren Shaw-Männer, aber irgendwie fehlt im die Energie beim Spielen. Besser weg kommt in einer kleinen Rolle jemand anderes: Alexander Fu Sheng gibt als Guan Liang sein Kinodebüt. Der 19-Jährige wurde schnell zu einem Star des Studios aufgebaut, verstarb aber schon 1983 bei einem Unfall. "Police Force" ist unter anderem sehenswert, weil Fu dort seine Karriere startete. Ansonsten ist vieles an dem Streifen Routine - und ebenso viel ist schlicht fehlkalkuliert. Sicher einer der schwächsten Filme von Chang Cheh.

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (Taiwan
): Code 3 NTSC. Mandarin 2.0. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Jing cha
Regie: Chang Cheh, Choi Yeung-Ming

Krimi

Action * *

Spannung *

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T h e   S a v a g e   5   ~   W u   h u   j i a n g

Reviewed 11.10.06

Hongkong 1974 Ein Dutzend Banditen überfällt ein Dorf im ländlichen China des frühen 20. Jahrhunderts. Im Schlepptau einen gestohlenen Safe, den der Schmied Wei Min-Hui (Danny Lee Sau-Yin) öffnen soll. Als der jedoch flieht, um die Behörden zu alarmieren, richten die Banditen im Dorf ein Blutbad an und vergewaltigen die schöne San Niang. Von den Bauern wagt sich niemand zu wehren, nur vier Männer bereiten einen Gegenschlag vor: der Dieb Chen Deng (David Chiang Dai-Wai), der Holzhacker Ma Dao (Chen Kuan-Tai), der selbstgefällige Kämpfer Fang (Ti Lung) und ein kranker Martial-Arts-Akrobat (Wang Chung).
Nach dem beliebten "Sieben Samurai"-Muster inszenierte Shaw Brothers-Regisseur Chang Cheh diesen starbesetzten Beinahe-Klassiker, der ein wenig zu viele Lorbeeren unter Martial-Arts-Fans sammelt. Er ist gut, teilweise sogar sehr gut, doch die Liste seiner Mängel ist überraschend lang. So geriet der Einstieg relativ öde, es mangelt an Martial-Arts-Szenen und die, die gegen Schluss noch kommen, wirken zu passiv. Blut spritzt zwar, doch Chang hält sich für einen Heroic-Bloodshed-Film mit "savage" im Titel etwas zu sehr zurück. Es fehlt zudem der letzte Kick Dynamik und Helden wie Banditen verbringen beim Sterben etwas gar viel Zeit damit, pathetisch zu stolpern.
Doch Mankos beiseite ist auch dieser Chang-Reisser absolut sehenswert. Primär natürlich wegen den Stars, die alle hervorragende Arbeit leisten. Sei es der knackige Ti Lung, der charismatische Chen Kuan-Tai oder der verschmitzte David Chiang. Cheng offeriert zudem für einmal eine Story nicht nach dem ausgeleierten "du hast meinen Meister getötet"-System, sondern tischt eine Handlung mit Überraschungen auf. Nichts Grosses, aber abwechslungsreich und, wenn die Story dann mal in Schwung ist, auch relativ spannend, da man nie weiss, wer ins Grass beisst.
Das letzte Zückerchen liefert der Soundtrack, zum Beispiel im kultigen Rhythmus während dem Vorspann. Später spielt Chang Cheh kurz Ennio Morricones feurigen "
Death Rides a Horse" ein, der auch in Kill Bill, Volume 1 zum Zug kam. Gut geklaut ist immer noch besser als schlecht erfunden und der Einsatz der Stücke ist in "The Savage 5" allemal geglückt. Eben ein kurzweiliger, starbesetzter Martial-Arts-Thriller mit ein wenig Dramatik (vor allem seitens der aufopferungsbereiten San Niang), ein wenig Pathos und etwas zu wenig Blut. Für Shaw-Fans so oder so Pflichtkauf ...
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin 2.0. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen

Alternative Titel: The Savage Five; Wu hu jiang; Five Tiger Generals; Ng foo jeung
; 五虎將
Regie: Chang Cheh

Martial-Arts-
Thrillerdrama

Action * *

Spannung * *

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S h a o l i n   M a r t i a l   A r t s

Hongkong 1974 Ausführliche Kritik: hier.

 

T h e   T e a h o u s e   ~   C h e n g   j i   c h a   l o u

Reviewed 9.11.04

Hongkong 1974 Der Festlandchinese "Big Brother" Wang Chen (Chen Kuan Tai) berteibt in Hongkong ein erfolgreiches Restaurant. Die Umstände sind hart, aber Boss Chen versucht, anständig zu bleiben. Einer seiner Kellner, der minderjährige Blackie (Wong Yue), hat andere Pläne. Er führt einen Einbruch durch und wird verhaftet. Vor Gericht kommt er frei und kommt auf den Geschmack. Chen zwingt ihn, so viele Straftaten zu begehen, bis er wirklich sitzen muss und für seine Aktionen büsst. Er hat noch Probleme mit anderen Jugendlichen: Ein Mädchen taucht aus Angst vor Gangstern bei ihm unter. Als sie dennoch getötet wird, verübt ihr Bruder Kang Rache und tötet die zwei Angreifer. Damit wird für Chen immer klarer, dass im Quartier einiges nicht stimmt. Da die Polizei nichts unternimmt, greifen er und seine Leute selber zur Waffe. Das erachten die lokalen Triaden jedoch als Provokation.
Kuei Chin Hung, einer der wichtigsten Shaw Brothers-Regisseure für derbe Angelegenheiten (Bamboo House of Dolls, Killer Snakes) drehte mit "The Teahouse" ein solides, überraschend unspektakuläres Drama. In dessen Zentrum steht alleine Chen Kuan Tai, um den herum die episodenhafte Struktur angelegt ist. Chen zeigt sich dabei von seiner dramatischen Seite und kommt kaum dazu, sein Kung Fu einzusetzen. Es dominiert vielmehr, wie in vielen zeitgenössischen Shaw-Filmen, ein ruppiger Streetstyle, der - man glaubt es kaum - von Ching Siu-Tung choreografiert wurde, dem Mann, der uns später die Action in Standardwerken von A Chinese Ghost Story bis House of Flying Daggers bescherte.
Die Handlung ist, wie angetönt, etwas holprig und erinnert gleichsam an Chen Kuan Tais The Boxer From Shantung und Bruce Lees Way of the Dragon - bloss eben ohne den Fight-Anteil der beiden. Zu Beginn ist die Handlung besonders zerrüttet. Immer neue Teenager werden eingeführt, die danach im Knast oder im Sarg landen. Kuei attackiert damit die Justiz und die Gesellschaft Hongkongs. Die Gesellschaft macht Teenager zu Gangstern und bezahlt Cops nicht genug, um die Artigen vor dem Pack zu beschützen. Und die Justiz ist am Boden. Hier verbindet Kuei mit der Kritik auch ein wenig missgeleitete Satire, wenn etwa dargestellt wird, wie Richter alle Schuld auf die Gesellschaft schieben und die Teenager regelrecht in die Freiheit drängen. Es ist ein altes reaktionäres Klischee, dass die Justiz die Kriminellen zu schnell laufen lässt und "The Teahouse" treibt diese Idee auf die Spitze. Nicht gerade auf meiner Wellenlänge - aber Kuei macht es so überspitzt, dass es als ironisch durchgeht.
Danach wirds ungleich härter. Die vielleicht krasseste Szene zeigt, wie ein knapp 15-Jähriger zwei Kerle tötet. Das Blut sieht man dabei nicht, aber es folgen etliche Schnitte zur Trainingssequenz des Buben, in der er Melonen kaputt schlägt. Der Effekt ist stark, die Parallele von der zerschlagenen Melone und den Köpfen der Getöteten unübersehbar. Doch abgesehen davon bleibt der Film recht züchtig. Das Kategorie-III-Rating kann ich mir nur dadurch erklären, dass die Zensoren sich damals an der Thematisierung der Triaden-Kultur störten und deshalb dieses damals noch relativ neue Rating einsetzten. Wer nach Blut und Gewalt giert, ist jedenfalls anderswo besser aufgehoben.
Alle, die hingegen realitätsnahe Alltagsprobleme mit Shaw-typischer, kurzweiliger Inszenierung sowie Chen Kuan Tai in einer starken Rolle begutachten möchten, sollten zugreifen. "The Teahouse" ist kein Meilenstein, aber sicher sehenswert. Das Ende kommt etwas gar plötzlich und verlangt regelrecht nach einem Sequel. Die folgte dann auch tatsächlich ein Jahr darauf in Form von "
Big Brother Cheng".
Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin / Kantonesisch 5.1
mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen
Alternative Titel: Cheng ji cha lou; Tea House;
成記茶樓
Regie: Kuei Chin Hung

Drama

Action * *

Gewalt *

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W o m e n   o f   D e s i r e

Reviewed 23.5.04

Hongkong 1974 Eine Publizistin (Maggie Li, die spätere Mrs. David Chiang) stellt der versammelten Zuschauerschar den Sänger Ah Long (Ling Han) vor. Der hat jedoch nur Interesse an den versammelten Damen. Da ist etwa die schöne Assistentin (Tina Chin Fei) des Financiers Wu (Wei Hung), die zu Hause einen verkrüppelten Gatten (Regisseur Lu Chi) hat, diesen jedoch nach Strich und Faden betrügt. Dies tut auch ein angesehener Frauenarzt (Woo Fung), der seine Gattin mit der verführerischen Bi-ji (Chen Ping-Ping) hintergeht. Doch Bi-jis Mann (Wang Jung) erpresst den lieben Doktor danach. Der Gatte ist indes auch nicht keusch und hat es auf eine Sängerin (Elaine Kam Yen-ling) abgesehen. Da er glaubt, sie sei nicht willig, will er sie mit Pillen gefügig machen. Doch sie hat gena das Selbe im Kopf ... und nun kappiert wohl niemand mehr etwas.
Die
Shaw Brothers drehten nicht nur Kung-Fu-Filme sondern auch Komödien, Dramen ... und Erotikfilme. Alles was Geld versprach, warf das Studio auf den Markt. Und der Sprung ist schnell gemacht: ein Kritiker verglich einmal Martial-Arts-Filme mit Musicals, doch anstatt in eine Song-Nummer wechseln die Akteure plörtzlich in eine Kampf-Nummer. Bei Erotikfilmen wird die Handlung halt eben mit Sexszenen durchzogen - aber der Aufbau ist der Selbe. Sogar die Themen: Verrat, Intrigen. Bloss einfach auf etwas intimere Art. "Women of Desire" ist einer dieser Shaw-Sexfilme, doch wirklich viel Erotik hat er nicht zu bieten. Ein bisschen Ohrläppchen-Knabbern hier, ein langer French Kiss da und viel Knuddeln dort. Auf der DVD-Verpackung steht treffend "a curious blend of softcore sex and hardcore morality". Darum gehts nämlich wirklich: Moral. Mit streng erhobenem Zeigefinger erklärt Regisseur Lu Chi, ein Teenie-Idol der 60er, dass jeder, der fremd geht, dafür büssen muss. Im schlimmsten Falle mit dem Tod.
Doch dahinter verbirgt sich (wenn man ganz gut hinschaut) auch ein wenig Emanzipation. Insbesondere dann, wenn sich die Frauen das Recht auf einen Seitensprung nehmen - etwas, was in der patriarchalischen Gesellschaft Hongkongs den Männern vorbehalten war. Und ganz im Sinne der Gleichberechtigung müssen Frauen und Männer gleich stark für ihre "Sünden" büssen.
Inszeniert ist "Women of Desire" einigermassen kurzweilig. Am Anfang sind die Darsteller zwar angeschrieben, doch man kommt dennoch nicht mit. In Windeseile werden Leute eingeführt, mit Jobs und Beziehungen versehen, so dass man nach ein paar Minuten komplett die Übersicht verloren hat. Danach wird dieses Dickicht leicht aufgelockert, doch ganz kappiert man das Beziehungsgeflecht dennoch nicht. Na ja, was solls, "Women of Desire" bietet kurzfristiges Amusement und dazu braucht es keinen Super-Plot. Also angucken aus Neugierde, doch seit gewarnt: wer auswärts nascht, kann daran ersticken ...

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK
): Code 3 NTSC. Mandarin 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: 女人面面觀
Regie: Lu Chi

Erotikdrama

Erotik * * *

Gewalt *

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Y o u n g   L o v e r s   o n   F l y i n g   W h e e l s   ~   D i a n   c h a n   c h e

Reviewed 13.11.04

Hongkong 1974 Song Da (Ti Lung) arbeitet in einem Büro und träumt davon, sich endlich ein Motorrad leisten zu können. Seine Freundin Ye Wei lässt ihn auch immer wieder sitzen, da er keinen fahrbaren Untersatz hat. Darum sucht er sich einen zweiten Job und spart eifrig Geld. Er kommt aber nicht darum herum, beim Geldhai Zheng einen Kredit aufzunehmen, den er mit horrenden Zinsen wieder abzahlen muss. Geblendet von seinem Motorrad-Traum macht er den Deal und kauft sich das Bike. Ye Wei verlässt ihn trotzdem, worauf er mit der hübschen Yumei anbändelt. Deren Vater mag den Neo-Biker gar nicht. Noch schlimmer: Zwei dumme Diebe klauen Song Da den Flitzer vor der Nase weg!
Im selben Jahr, in dem Chang Cheh seinem Star David Chiang das Regiedebüt mit The Drug Addicts ermöglichte, produzierte Chang auch den Erstling der anderen Hälfte seines Blood-Brothers-Duos: Ti Lung. Das Jugenddrama, das Ti für die Shaw Brothers inszenierte, ist ganz auf ihn zugeschnitten und lebt vom Charisma des jungen Stars. Doch der Plot ist enorm vorhersehbar und läuft schematisch ab. Probleme tun sich auf und werden gelöst. Es folgen neue Probleme, die ebenfalls gelöst werden müssen. Trotz einer Lauflänge von nur 96 Minuten wirkt dies schnell öde.
Die Action, unter anderem. choreografiert von Liu Chia-Liang gibt was her und kommt sporadisch zum Einsatz. Auch diesbezüglich ist der Film ganz auf seinen Star / Regisseur abgestimmt, denn Ti Lung kann sich darin bestens in Szene setzen. Man muss ihn einfach mögen, da können die Situationen, in die er hinein rutscht, noch so klischeehaft sein. Schade auch, dass er bisweilen etwas gar einfach aus dem Schlamassel wieder herauskommt. Die Gangster, die ihm bizarrerweise Blut abzapfen, um seine Schulden zu begleichen, entpuppen sich letztendlich zum Beispiel als ziemlich fade Geldeintreiber. Gerade von einem Film, den Chang Cheh produzierte, hätte man sich etwas mehr Ecken und Kanten gewünscht. Etwas mehr Blut und Tragödie vor dem Befreiungssc
hlag.
Doch vergeblich gehofft "Young Lovers on Flying Wheels" bietet den properen Ti Lung in allen nur erdenklichen Lebenslagen, ein wenig gedrosselte Motorrad-Action, ein paar Kung-Fu-Fights und stromlinienförmigen, aber gefälligen Plot mit ein paar Logiklöchern. Das Ganze gewürzt mit moralischen Lebensweisheiten. Die wichtigste davon: Auch Busfahren ist nicht so übel.

Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Mandarin 2.0. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen

Alternative Titel: Dian chan che
; 電單車
Regie: Ti Lung

Drama

Action * *

Spannung * *

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