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3 - I r o n   ~   B i n - j i p

Reviewed 4.1.05

Südkorea 2004 Der junge, schweigsame Tae-suk (Hee Jae) bricht in Häuser ein, deren Besitzer verreist sind. Er lebt ein paar Tage ganz normal dort, flickt einen kaputten Gegenstand und zieht wieder aus. Ohne etwas zu klauen. Bei einem "Bruch" ist er jedoch nicht allein: Sun-hwa (Seung-yeon Lee) beobachtet ihn. Sie wurde von ihrem Mann blutig geprügelt und sieht in Tae-suk keine Gefahr. Als der Gatte heimkommt und sie prügelt, schiesst ihn Tae-suk mit ein paar Golfbällen bewusstlos und zieht mit Sun-hwa davon. Fortan brechen sie gemeinsam in Wohnungen ein, leben und haben Sex. Bis sie geschnappt werden.
Ich brauche meine Vorbehalte über Ki-duk Kims Anbiederung ans Festival-Geschehen nicht zu wiederholen. Bei seinem letzten Film Samaria habe ich bereits darüber geschrieben. Mit "3-Iron", dem Gewinner des Regiepreises in Venedig, setzt er diesen Trend fort. Der Film ist technisch und inszenatorisch einfach umwerfend, der Preis damit absolut verdient. Aber Kim als Geschichtenerzähler bleibt stehen. Er verliert sich wie schon so oft zuvor in buddhistisch-katholischen Erlösungstheorien und minimalistischen Charakteren, weiss jedoch nicht, wie er seinen Film beenden soll. "3-Iron" ist eine Stunde lang ein brillantes, sinnliches Stück Kino, doch die letzten 20 Minuten sind diffus und wenn man genau hinschaut sogar etwas frauenfeindlich. Damit reiht sich der Film eigentlich gut in Kims Schaffen ein, denn der Regisseur hat schon immer Mühe mit Enden gehabt. Und mit Frauenrollen.
Doch eben, ich mochte den Film auf gewisse Art. Die Hauptdarsteller reden einen Grossteil des Films nicht. Ihre Mimik und ihre Taten beschreiben, was sie tun wollen und zu einem gewissen Teil auch, was sie fühlen. Kim arrangiert kleine Szenen voller Freude, leiser Ironie und plötzlicher Gewalt. Letztere ist nicht auf dem brutalen Level früherer Kim-Filme, aber es tut schon weh, wenn mehrmals jemand mit einem Golfball volle Breitseite getroffen wird (daher der Filmtitel - das Dreier-Eisen bezieht sich auf einen Golfschläger). Die Szenen, in denen Tae-suk und Sun-hwa durch die Häuser streifen, funktioniert auf so vielen Ebenen: Visuell nimmt uns Kim auf einen unheimlich schönen Trip. Gefühlvoll involviert er uns ganz und dies erst noch ohne Dialoge. Und er nimmt sich die materialistische Welt vor, indem er Helden präsentiert, die diese "Dinge" als Dinge betrachten, sie flicken wie Heinzelmännchen und wieder Abziehen - ohne etwas mitzunehmen. Es sind ja nur Dinge. Als Materialismus-Kritik würde ich "3-Iron" nicht gerade bezeichnen, aber Kim steht ganz klar auf der Seite der beiden etwas abgehobenen, gefühlsbetonten Protagonisten, die über der "Welt der Dinge" stehen.
Schauspielerisch ist "3-Iron" ebenso geglückt. Der schöne Hee Jae hat etwas sehr Anderweltiges an sich. Er bewegt sich speziell, er redet nicht, er wirkt eins mit der Welt, die ihn umgibt. Ein faszinierend sinnlicher Mann. Seung-yeron Lee wirkt gegen ihn etwas bodenständiger, schliesslich muss sie ja erst noch gerettet werden. Und so kommt langsam die erste, wirklich erstaunliche Stunde des Films zum Abschluss. Ich versuche, nicht zu spoilern, was danach passiert, aber der Film biegt in mysteriösere Bahnen ab. Ob sie übersinnlich sind oder einfach etwas abstrus, das ist Interpretationssache. Tae-suk macht jedenfalls eine seltsame Transformation durch. Ihr zuzuschauen, hat etwas Traumhaftes. Sie zu interpretieren, ist reizvoll. Doch Kim macht wenig daraus. Denn zum Schluss fragt man sich, was denn der Sinn der ganzen Aktion war. Sieht Kim Tae-suk als Sun-hwas Erlöser? Oder ist Sun-hwa nur ein Mittel dazu, Tae-suk in eine höhere spirituelle Ebene bringen soll?
Wenn dem wirklich so ist, hätte er den Film nach einer Stunde beenden sollen. Das Ende, so wie es ist, präsentiert sich nämlich etwas fehlgeleitet. Die geschlagene Frau gibt sich einer Lösung und einem Leben hin, das nur auf den ersten Blick wie ein emotional abgerundetes Ende wirkt und die zuvor geäusserte Kritik an der Macho-Kultur Koreas unterwandert. Vielmehr handelt es sich um ein konstruiertes Ende und eines, das Sun-hwa einen fragwürdigen Wandel aufzwingt. All das hört sich für die, die den Film nicht gesehen haben, wirr an, aber ich will nicht spoilern - immerhin handelt es sich um eine abgeschwächte Form eines Twists. Fakt ist jedenfalls, dass Kim das Werk nicht gut abschliesst. Der Film läuft in den letzten 20 Minuten einfach in ein auf jeder Ebene unbefriedigendes Ende hin. Nach Spring, Summer, Fall, Winter und Samaria die dritte Enttäuschung von Kim.
Enttäuschung? Wieso denn 3 bzw. 3½ Sterne? Ich habs Eingangs gesagt: Ki-duk Kim ist auf dem Höhepunkt seines inszenatorischen Könnens. Er hat einen Stil, eine Eleganz und einen Rhytmus gefunden, um die ihn andere Regisseure nur beneiden können. Bei ihm hapert es lediglich auf der Erzählebene. Ich mag Kims Filme immer noch sehr gerne, aber jeder neue hinterlässt ein kleines Frustgefühl, weil er das Potenzial nicht ausreizt und in eine religiös-spirituell verklärte Welt abtaucht, die zu wenig hergibt. Ich habe langsam genug von Kims traumwandlerischen Seelen gesehen, denen seltsame Erlösung widerfährt. Bitte wieder mehr Bodenständigkeit, mehr Story. Es steckt so unendlich viel in Kims Filmen drin und sie sind zum Schluss doch so nichtssagend, weil er das Ende verpatzt. Ist das der Preis dafür, denn wir zahlen mussten, weil sich Kim vom Kult- zum Kunstfilmer gewandelt hat? Früher hiess es, seine Filme seien zu kontrovers fürs Festivalpublikum. Heute ist er der Liebling von Berlin bis Venedig. Meinen Respekt hat Kim noch lange nicht verloren. Doch ich war halt ein früher Fan des Kult-Kims. Nun haben ihn die Kunst-Kim-Fans für sich vereinnahmt.

Hier auf DVD erhältlich (SK)
Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Bin-jip; Bin jib; 3 iron;
빈집
Regie: Ki-duk Kim

Drama

Humor *

Spannung *

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1 0 0   D a y s   W i t h   M r .   A r r o g a n t   ~   N a e s a r a n g   s s a g a j i

Reviewed 14.4.04

Südkorea 2004 Die Schülerin Ha-young Kang (Ji-won Ha) wird von ihrem jüngeren Boyfriend Jeong-woo fallen gelassen. Frustriert trottet sie durch die Strassen und kickt dabei eine Aludose so unglücklich, dass sie dem vorbei fahrenden Hyung-joon Ahn (Jae-Won Kim) an den Kopf prallt. Der reiche Kerl verliert die Herrschaft über sein Auto und kracht in eine Mauer. Der Schaden an seinem Lexus 430 koste $3000, behauptet der Schönling. Und da Ha-young dieses Geld nicht hat, zwingt er sie, einen "Sklaven-Vertrag" zu unterschreiben: Sie muss ihm 100 Tage lang dienen, um das Geld abzuarbeiten. Und so putzt Ha-young bald Hyung-joons Wohnung, kauft für ihn ein und macht die Drecksarbeit. Als sie erfährt, dass die Reparatur bloss $10 gekostet hat, wird sie böse. Doch längst hat sie Gefallen an ihrem "Meister" gefunden ...
Oh je, den hassen viele. Ich kann begreifen, dass "100 Days With Mr. Arrogant" (aka. "Slave Love") nicht überall ankommt. Immerhin basiert er auf einem Internet-"Tatsachen"-Roman und ruft damit sofort Vergleiche mit My Sassy Girl hervor - und gegen den kann er nur verlieren. Doch ich hab mich in der ersten Hälfte halb totgelacht. Ja ich habe ihn sogar fast mit 3½ Sternen bewertet. Nur die schwache letzte halbe Stunde hat mich davon abgehalten.
Besonders angegriffen wurde Hauptdarstellerin Ji-won Ha (Sex Is Zero, Phone), weil sie Schauspielerei mit Grimassenziehen verwechsle. Na und? Sie verdeht am Anfang bei jeder Gelegenheit die Augen, rümpft die Nase und all dies direkt in die Kamera. Das ist der Stil des Films. In your face. Eigentlich ganz typisch für eine koreanische Komödie. Natürlich ist es nicht Shakespeare, aber die Zankereien der beiden Stars sind einfach wirklich köstlich, wenn man diesen Humor mag. Vergleichbar mit My Tutor Friend, der mit ja auch gefallen hat. Dieses hysterische Spielen, dieses Anfauchen "you wanna die?", dieses Necken, dieses sexuelle Herausfordern - das macht "100 Days" in meinen Augen amüsant und reizvoll. Stets gespickt mit CGI-Einlagen, besonders in Ha-youngs skurrilen Tagträumen.
Was wirklich nicht so funktioniert, ist der latente Sexismus im Film, insbesondere bei einer Szene, die sich über dickliche Frauen lustig macht. Auch kappier ich nicht ganz, wieso der Film damit spielt, Jeong-woo könnte schwul sein - etwas, was anscheind nicht gewollt ist, denn die Handlung geht nie darauf ein. Und dann ist da noch das ungute Gefühl, weil Ha-young am Anfang minderjährig ist. Jeong-woos Vater meint jedenfalls einmal "you're dating a minor?". Na ja, sie dürfte etwa 17 oder 18 sein - ich kenn das koreanische Schulsystem zu wenig gut, um das Alter zu schätzen. Jedenfalls kommt kurz nach Papas Frage ein Gag, der mich aus den Socken gehauen hat, der aber moralisch im Falle ihrer Minderjährigkeit schon etwas prekär wäre. Sie verlässt Jeong-woos Wohnung, ganz verdreckt vom Arbeiten. Eine Frau steigt mit ihr in den Lift, beäugt die dreckige Kleidung und sieht das Geld, dass sie fürs Putzen kassiert hat. Doch sie hat weisse Flecken auf dem Röcklein, schüttelt ihre Hand zur Entspannung und renkt ihren Unterkiefer wieder ein. Klar für die Frau: Das Mädel hat Geld für Hand- und Blowjob kassiert! Keine Ahnung wieso, aber bei der Szene hab ich mich krummgelacht.
Es gibt noch ein paar ähnliche Sequenzen. Und bevor ich zum Schluss komme: auch der Prolog ist nett, er dreht die Ausgangslage um 180° und macht einen Teil des Sexismus-Vorwurfes zunichte. Aber eben, die letzte halbe Stunde passt nicht. Sie ist allzu melodramatisch und humorlos. Zudem ist das Ende einfach zu plump. Da hätte ich mehr Rasse erwartet. Ansonsten für mich toller Korea-Fun. Wie die Kritiker den Film in den Grossout-Topf von Sex Is Zero werfen können, geht mir nicht in den Kopf. Es hat fast kein Grossout-Material, es ist vielmehr eine Teeniezicken-Liebeskomödie. Und solche machen die Koreaner einfach besonders gut. Vorausgesetzt eben, man mag dieses schrille Zeug ...

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Naesarang ssagaji; Slave Love; My Love Ssagajy
Regie: Dong-yeob Shin

Komödie

Humor * * * *

Spannung *

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A r a h a n   ~   A r a h a n   j a n g p u n g   d a e j a k j e o n

Reviewed 1.9.04

Südkorea 2004 Der Hilfspolizist Sang-hwan Yoo (Seung-beom Ryoo, Conduct Zero, Die Bad) ist ein Verlierer. Als er einem Taschendieb nachrennt, stösst er auf die schöne Eun-jin (So-yi Yoon), die den Kerl bereits gestellt hat. Sie wendet ihre spezielle "Palm Blast"-Technik an und schickt damit versehentlich Sang-hwan ins Traumland. Als er aufwacht, ist er bei Ein-jin zuhause. Um ihn rum stehen die fünf "Seven Masters", angeführt von Eun-jins Vater Ja-woon (Sung-kee Ahn, Last Witness, Silmido). Die Taoisten-Meister glauben, in Sang-hwan schlummere viel innere Energie, das sogenannte ch'i, das ihm ermöglichen könnte, zum Maruchi zu werden, einem erleuchteten Martial-Arts-Meister. Eun-jin, die das Potenzial zum Arachi hat, dem weiblichen Gegenstück zum Maruchi, hält nicht viel von dem Gast und auch er selbst ist nicht überzeugt, es zu etwas bringen zu können. Doch nachdem Gangster ihn übel verprügeln, beginnt Sang-hwan sein Martial-Arts-Studium. Noch bevor er den erleuchteten Zustand erreicht, den Arahan, der Zugang zum Nirvana ermöglicht, zieht Gefahr auf: Der Jahrhunderte lang eingeschläferte Heug-un (Tae-kwon-do-Meister Doo-hong Jung, der Entwickler des harten koreanischen Film-Kampfstils) erwacht zu neuem Leben und beginnt, die "Seven Masters" zu töten ...
"Arahan" beginnt ganz schlau: Ein paar Tao-Meister sitzen zusammen, ärgern sich über die "Ausbildung in den Bergen" und attestieren den Martial-Arts-Schulen schwache Leistungen. Kurz: Sie machen sich nicht nur über klassische Kampfsport-Ausbildung lustig sondern über die halbe filmische Tradition (andere sagen Klischees), die damit verbunden ist. "Arahan" will schliesslich ein moderner Kampffilm sein, was sich nicht nur in Wire-Effekten, CGI-Einsatz und Rock-Soundtrack äussert, sondern auch in seinem humoristischen und doch nicht komplett albernen Ansatz.
Vor allem die erste Hälfte ist auf Comedy getrimmt. Bisweilen wird Seung-beom Ryus Deppen-Darbietung etwas anstrengend, aber So-yi Yoon und Altstar
Sung-kee Ahn reissen das Ruder spielend herum. Kaum hat Sang-hwans Ausbildung begonnen, kommt auch der Bösewicht ins Spiel. Der ist eine kleine Enttäuschung. Zum einen scheint er nach seinem deftigen Einstieg an Kräften einzubüssen, zum anderen wird sein Background, der in einer Rückblende angedeutet wird, nicht überzeugend genug ausgearbeitet. Aber er kämpft gut - und das zählt. Denn fortan geht die Post ab. Die Wire-Fu-Effekte erreichen nicht ganz Hongkong- oder Hollywood-Standard, sind aber solide. Slow Motion wird etwas oft eingesetzt, aber nicht so oft, dass es nerven würde.
All diesen technischen Mängeln ist "Arahan" letztendlich spielend gewachsen, weil er sich auf drei Buchstaben konzentriert: F.U.N. Ich wollte zuerst dreieinhalb Sterne geben, weil er einfach nie langweilt und Spass macht, ohne wenn und aber. Doch die Vernunft hat wohl gesiegt, denn "Arahan" hätte noch besser sein können mit einem glaubwürdigeren Helden, keiner so überhasteten Helden-Transformation und einem tiefgründigeren Bösewicht. Aber ob nun drei Sterne oder einen halben mehr: "Arahan" hat Schmiss und dürfte nur die wenigsten enttäuschen. Regisseur Seung-wan Ryoo, der Bruder des Hauptdarstellers und Macher von No Blood No Tears und Die Bad, hat mit dem Film einen Manga adaptiert, der schon seit vielen Jahren auf dem Markt ist. Sein "Urban Martial Arts"-Streifen ermöglicht diesen Figuren somit reibungslos den Sprung ins 21. Jahrhundert. Sehenswert!

Hier auf DVD erhältlich (SK)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1 und DTS mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Arahan jangpung daejakjeon;
아라한
Regie: Seung-wan Ryoo

Actionkomödie

Humor * *

Action * * *

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A u   R e v o i r ,   U F O   ~   A n n y e o n g   U  F O

Reviewed 16.4.04

Südkorea 2004 Der Busfahrer Sang-hyeon Park (Eun-ju Lee, Oh! Brothers) lebt mit seinem jüngeren Bruder zusammen, vertreibt sich seine Freizeit mit dem Moderieren von Radiosendungen und ist ein richtig netter Kerl. Eines Tages steigt die blinde Kyeong-woo (Eun-ju Lee, Unborn But Forgotten) in seinen Bus. Die Schöne hinterlässt einen bleibenden Eindruck bei Sang-hyeon. Als er sie wiedertrifft, verstehen sie sich gut und werden Freunde. Doch er verheimlicht ihr seine Identität. Am Anfang, weil sie den Nacht-Busfahrer (also ihn) nicht mag, da er immer zu spät kommt. Später, da er glaubt, sie würde niemanden lieben, der so "alltäglich" ist. Doch damit wird es immer schwieriger für ihn, ihr die Wahrheit zu sagen. Dabei liebt er sie nunmehr doch über alles ...
"Au Revoir, UFO" ist ja wirklich süss, sympathisch und hübsch gemacht. Eigentlich genau die Art einer Korea-Romanze, die mir sonst gut gefällt. Doch ich war nie wirklich drin, war nie sonderlich berührt oder amüsiert. Dem Film hängt mehr noch als anderen romantischen Korea-Komödien der Hauch der Belanglosigkeit an. Das Cover suggeriert Skurrilität, die aber nie zu finden ist. Die ganze Sache mit den UFOs ist bloss ein Gimmick, der der eigentlichen Story nicht weiterhilft.
Es geht wirklich nur um zwei Leute, die fast schon zu anständig sind, um sich ihre Liebe zu beichten - und sich dennoch vom anderen angezogen fühlen. Die eine ist blind, der andere ein kindlicher Busfahrer. Selbst die Charakterisierung der zweien erscheint mir ein bisschen wie ein Gimmick. Forciert um doch noch etwas Gefühle aus dem Film zu melken. Und wenn dann am Schluss ein UFO davonfliegt, fragt man sich, was genau das Teil denn eigentlich in dem Film zu suchen hatte. Ich denke, es soll den Film besser verkaufen. Macht den Film doch schräger, wenn man werben kann "von Liebe, Musik und fliegenden Untertassen". Ui, voll schräg! Muss man sehen! Na ja, eben nicht wirklich ... sicher: ihr werdet es nicht bereuen, denn ich kann nur wiederholen, dass der Film ganz niedlich ist. Aber mich hat er nicht aus den Socken gehauen. An den koreanischen Kinokassen ging er 2004 übrigens auch ziemlich sang- und klanglos unter.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel:
Hello! UFO; Annyeong UFO; Au Revoir U.F.O.; Hello U.F.O.; Au revoir! UFO
Regie: Jin-min Kim

Liebeskomödie

Humor * *

Spannung *

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T h e   B a d   U t t e r a n c e s

Südkorea 2004 Ausführliche Kritik: hier.

 

T h e   B i g   S w i n d l e   ~   B e o m j w e u i   j a e g u s e o n g

Reviewed 10.7.04

Südkorea 2004 Fünf Gangster stehlen 5 Milliarden Won von der Bank von Korea in Suwon. Eol-mae (Mun-shik Lee ) wird geschnappt, Chang-Hyok Choi (Shin-yang Park) verunfallt bei der Flucht tödlich. Choi war der Antreiber des Coups. Der Ex-Knacki hat den Ex-Cop Mr. Kim (Yun-shik Baek), der dem Gangsterleben abgeschworen hat, für den Coup erwärmt. Sie versammelten Eol-mae, Chaebi "Swallow" (Won-sang Park) und Huibalyu (Sang-ho Kim) um sich und legten los. Doch nun ist das Geld verschwunden. Die Polizei stützt ihre Ermittlungen auf zwei Personen: Chois Geliebte In-keong Seo (Jung-ah Yum) und seinen schüchternen Bruder, den Schriftsteller und Bibliothekar Chang-ho Choi. Derweil sucht Mr. Kim auf eigene Faust nach dem Betrüger in der Gruppe.
"The Big Swindle" war in Korea ein grosser Kassenerfolg. Vielleicht mussten etliche Zuschauer den Film ja auch zweimal anschauen, weil sie ihn nicht kappiert haben. Ich selbst muss bei gewissen Twists jedenfalls passen. Im letzten Drittel passiert entweder zuviel oder zuwenig - ich bin mir nach einem Mal angucken ehrlich gesagt nicht sicher. Die Twists, die ich kappiert habe, sind mir etwas zu blass. Und die nachträglichen Bruchstücke, die wir während dem Abspann serviert bekommen, haben mich keine Spur weiter gebracht.
Dennoch: "The Big Swindle" ist sicher gelungen. Der Look ist ausgesprochen stylish, die Dialoge und Charaktere rufen in Verbindung mit der verschachtelt erzählten Handlung Erinnerungen an Quentin Tarantino wach - besonders natürlich "Reservoir Dogs". Aber auch Elemente von "The Usual Suspects" oder David Mamet vorhanden. Und dazu sind die Akteure überzeugend: Shin-yang Park (
The Uninvited) spielt mit genügend Mysterium, Yun-shik Baek (Save the Green Planet) mit reservierter Dominanz und Jung-ah Yum (A Tale of Two Sisters) mit kühler Erotik. Regiedebütant Dong-hun Choi gibt allen genügend Raum, um sich zu entfalten.
Doch als Ganzes ziehe ich einen Gangsterfilm à la David Mamet doch vor. Zu unscharf sind die Wendungen in der Handlung aufgezeichnet, zu konfus letztendlich die Story. Sie zu entschlüsseln, hat einen gewissen Reiz, aber da man einige Twists schon von Anfang an ahnt und andere einfach nicht genug hergeben, wünschte man sich mehr Fleisch am Knochen. Zudem hätte Choi spielend rund 15 Minuten entfernen können: die ganze Nebenhandlung kurz vor Schluss, bei der Kim versucht, das Geld durch einen Immobilientrick zurückzubekommen, endet billig und macht die ganze Sequenz unnötig. "The Big Swindle" sorgt für nette Unterhaltung. Mehr nicht.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel:
Beomjweui jaeguseong; Pomchoe-ui Chaegusong; Beomjwieui Jaeguseong
Regie: Dong-hun Choi

Gangsterfilm

Humor * *

Spannung * *

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B u n s h i n s a b a :   O u i j a   B o a r d   ~   B u n s h i n s a b a

Reviewed 7.12.04

Südkorea 2004 Yoo-jin Lee (Se-eun Lee) zieht von Seoul in die Provinz. An ihrer neuen Schule wird sie deshalb gemieden. Mit zwei anderen Aussenseiterinnen benutzt Yoo-jin ein Ouija-Brett, um einen Fluch auf die Mädchen zu legen, die sie immer schickanieren. Dadurch rufen sie den Geist von In-suk Kim (Yu-ri Lee) herbei, die vor 30 Jahren auf mysteriöse Weise umkam. Promt sterben daraufhin auch die verfluchten Mädchen. Zwei ziehen einen Plastiksack über den Kopf und zünden sich an, eine wird überfehren. Für die Schulleitung war es Selbstmord. Doch die neue Lehrerin Eun-ju Lee (Gyu-ri Kim) geht der Sache nach und entdeckt die Wahrheit hinter In-suks Tod. Derweil beschliesst der Ältestenrat der Stadt, dass Yoo-jin als Sündenbock herhalten muss. Sie wollen sie aus der Stadt vertreiben.
In seinem dritten Film nach Nightmare und Phone widmet sich der koreanische Horrorregisseur Byeong-ki Ahn erneut einem Gruselthema. Sozialanalytischer Antrieb hinter dem Plot ist die Kritik an der gesellschaftlichen Verienheitlichung, am Ausstossen von scheinbar seltsamen Elementen - nicht unänhlich der Hexenverbrennung des Mitterlalters, die hier immer wieder im Geiste angesprochen wird. Doch die lobenswerten Ambitionen verlaufen im Nichts. "Bunshinsaba" ist Horror der langweiligsten Sorte, der kaum einmal wirklich zu erschrecken vermag.
Inszenatorisch poliert aber uninspiriert, schauspielerisch etwas schläfrig, gespickt mit Klischees und komplett misslungen im Grusel-Bereich: So vermag "Bunshinsaba" keinesfalls an den immerhin halbwegs gelungenen Phone anzuknüpfen. Der Geisterhorror beweist vielmehr erneut, dass die Koreaner immer ein goldenes Händchen bei Komödien und Thrillern haben, aber bei Horror je länger je mehr daneben langen und sich mit dem schablonenhaften Kopieren der asiatischen Horrorwelle zufriedengeben - von Ausnahmen wie Tale of Two Sisters, Into the Mirror oder R-Point einmal abgesehen. "Bunshinsaba" klaut eigentlich eher wenig, abgesehen vom immergleichen Bild des langhaarigen weiblichen Geistes. Aber auch Ahns eigene Ideen fallen hier flach auf die Nase ... und langweilen weitgehend.
Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1 und DTS. mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen
Alternative Titel: Bunshinsaba; Ouija Board; Witch Board Bunshinsaba;
분신사바
Regie: Byeong-ki Ahn

Horrorfilm

Spannung *

Gewalt *

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D a d d y   L o n g   L e g s   ~   K i d a r i   A j o s s i

Reviewed 2.4.05

Südkorea 2004 Young-mi Cha (Ji-won Ha, Love So Divine, 100 Days With Mr. Arrogant) ist ein Waisenmädchen, das sich die Uni eigentlich nicht leisten könnte. Doch ein anonymer Helfer finanziert ihr Studium. Sie versucht, ihn zu identifizieren, bleibt aber erfolglos. Dafür nennt sie den Fremden "Daddy Long Legs" und schreibt Briefe an ihn. Dies tut sie auch noch, als sie einen Job als Texterin bei einem Radiosender bekommt. Die Moderatorin Ji-yeon lehnt Young-mi erst ab und zieht über ihre Texte her. Doch als Young-mi ihre "Daddy Long Legs"-Geschichte umsetzt, wird sie gefeiert. Nun scheint auch privats Glück einzukehren: Sie verliebt sich in den Bibliothekar Jun-ho Kim (Jeong-yoon Yeon).
Wieder eine etwas enttäuschende Romanze aus Korea, von denen 2004 so einige hervorgebracht hat. "Daddy Long Legs" ist ein gemächlich inszenierter Liebesfilm, versetzt mit Melancholie und Kitsch. Alles von Schneeflocken über Teddybär bis Schneeschnuppe und klassischer Musik ist drin, dies jedoch auf seltsam distanzierte Art zmgesetzt. Der Film heisst übersetzt Langbeinspinne (Zimmermann-Spinne), nimmt seinen Titel jedoch vom Roman von Jean Webster, da die beiden Liebenden Bücher-Fans sind und Young-mi ihrem heimlichen Helfer diesen Übernamen verleiht.
Der Rest ist nach Schema. Sowohl inszenatorisch wie schauspielerisch und dramaturgisch. Selbst das Auftauchen einer mysteriösen Krankheit kann man eher mit einem Gähnen aufnehmen, als mit einer Träne. Die Rückbesinnung auf das beliebte "Krankheit der Woche"-Thema würde ich nicht einmal als manipulativ abtun, da es zu beiläufig eingefädelt ist. An mir gingen jedenfalls sämtliche Emotionen des Streifens spurlos vorbei. Das ist bei einem Werk, das es offensichtlich darauf anlegt, beim Zuschauer Melancholie zu erzeugen, eine ziemlich schwache Ausbeute. "Daddy Long Legs" ist zweifellos gut gespielt und hübsch gefilmt, doch das reicht sicher nicht für eine Empfehlung. Im Gegenteil: Ich rate von dem gemächlichen, inhaltsarmen Streifen ab. Es gibt fürwahr Besseres, das man aus Korea erst gesehen haben sollte.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Kidari Ajossi; Daddy-Long-Legs;
키다리 아저씨
Regie: Jeong-sik Kong

Liebesfilm

Humor *

Spannung *

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D a n c e   W i t h   S o l i t u d e   ~   G o d o k i   m o m b u r i n   c h i l d a e

Reviewed 8.6.04

Südkorea 2004 Eine Lady aus Seoul trifft im Küstenort Moolgun ein, um die Insel "Mole Island" zu begutachten, die sie von ihrer zerstrittenen Familie geerbt hat. Der Schock sitzt tief, als sie erkennen muss, dass das Eiland winzig klein ist. Während sie in der Herberge von Mi-seon (Hee-kyung Jin) vor sich hin trauert, wird sie vom Grossvater Jin-bong Cho (Mu-saeng Kim) angemacht. Der Querkopf, der seit Jahren im Streit mit seinem Strauss-züchtenden Nachbarn Joong-dal Bae (Hyeon Ju) liegt, will die fremde Schöne unbedingt erobern. Joong-dal bleibt auch nicht passiv: er hat es aud Soon-ah abgesehen und will gleichzeitig seinen jüngeren Bruder Joong-bum (Yeong-gyu Park) verkuppen, der 49 Jahre alt ist und der Familie endlich einen Sohn zeugen soll. Doch Joong-bum ist schwul ...
"Dance With Solitude", der auf DVD unter dem Namen "When You Are Alone" promotet wurde und im Vorspann "Sweet Sixties" heisst, versucht, unspeketakulär und ungezwungen zu sein. In etwas schwarzhumoriger, etwas melancholischer Weise vom Leben in einer Kleinstadt zu erzählen, seine schrulligen Charaktere vorzustellen und ein paar der kleinen und grossen Probleme der Typen genauer zu beleuchten. Keine grosse Ambitionen - kein grosser Film.
Die Akteure sind eindrücklich und ihr Potenzial ist voll gefordert. Doch schon bei der Geschichte beginnen die Probleme. Die Stories kennt man, die Schicksale sind auch nichts Neues. Es steckt einfach kein Saft in diesen Annekdoten. Der ausgestossene Schwule, die streitenden Nachbarn, die schöne alte Frau, die die Dörfler betört - alles ist so bekannt, dass Regiedebütant Su-in Lee auch nicht richtig weiss, wie er abschliessen soll. Deshalb hört er einfach auf. "Dance With Solitude" hat kleine, aber feine Momente. Betagte, aber begabte Akteure. Und ein angenehmesKlima zwischen Ironie, Schwermut und Schrulligkeit. Kein grosser Wurf, aber bekömmlich.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: When You Are Alone; Sweet Sixties; Godoki momburin childae
Regie: Su-in Lee

Tragikomödie

Humor * *

Spannung *

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D a n c e   W i t h   t h e   W i n d   ~   B a r a m u i   j e o n s e o l

Reviewed 7.7.04

Südkorea 2004 Die Polizistin Yeon-hwa Song (Sol-mi Park) soll Pung-shik Park (Sung-jae Lee) überführen. Der Tänzer und Gigolo hat anscheinend die Frau des Polizeichefs verführt und wollte sie ausnutzen. Nun sitzt er im Spital. Yeon-hwa schleicht sich undercover ins Spital und freundet sich schnell mit Pung-shik an. Sie ist fasziniert von dem geschmackvollen Mann. Er erzählt ihr, wie er einst ein Versager war, an dem das Leben vorbei ging. Erst sein Schulfreund Man-su (Su-ro Kim) brachte ihn zum Tanz. Von da an blühte Pung-shik auf. Der Jive weckte Talente in ihm, die er nie kannte. Als er merkt, dass Man-su ein Gigolo ist, der nur tanzt, um an Geld und Sex zu kommen, verlässt er ihn und reist jahrelang durchs Land, um von verschiedenen Lehrern das Tanzen beigebracht zu bekommen. Nun ist er eine Legende. Yeon-hwa ist fasziniert - und bittet ihn, ihr Tanzschritte beizubringen ...
"Dance With the Wind" floppte an den südkoreanischen Kinokassen gehörig. An der Qualität des Streifens kanns nicht liegen. Am Namen des Regisseurs auch nicht - Jeong-woo Park, der sein Regiedebüt gibt, ist einer von Koreas bekanntesten Autoren. Auf seine Kappe geht etwa das Drehbuch von Attack the Gas Station. Der Grund ist wohl eher das Tanz-Thema. Ball- und Gesellschaftstanz hat in Korea nämlich einen schlechten Ruf. Die Tänzer werden als Gigolos angesehen, die
Cabaret Bars, in denen getanzt wird, als verrucht und unsittlich. Erst Ende der 90er Jahre trat eine Wende ein. Zusammen mit der Einführung des Ausdrucks "Dance Sports", der auch im Film vorkommt, wurde der Gesellschaftstanz erfolgreich neu etabliert. Er ist immer nicht so hoch angesehen wie im Westen, doch der Schritt ist gemacht. "Dance With the Wind" wollte diesen Schritt noch stärken. Pung-shik sagt einmal "Ich musste die Ehre der Tanzkunst wieder herstellen!". Diese Mission gelingt absolut.
Ich selbst bin ja ein Tanz-Banause mit zwei linken Füssen. Aber ich habe grössten Respekt für Leute, die ihre Körper im Rhythmus so bewegen können, dass es sexy oder elegant wirkt. In "Dance With the Wind" gibt es ein paar sexy Szenen, doch der Fokus ist auf Eleganz. Schliesslich will er ja die Ehre herstellen. Erhaben wird getanzt, aber auch mit Freude. Es ist beachtlich, wie sicher die Akteure übers Pakett gleiten. Da steckt garantiert manche Tanzstunde dahinter. Sung-jae Lee (Public Enemy) entpuppt sich nicht zuletzt seines Tanztalents wegen als Idealbesetzung. Er ist zudem suave genug, um den Part zu meistern - denn immerhin muss bis zum Schluss offen bleiben, ob er Gigolo oder Tanz-Poet ist. Klar ist, er hatte gute Absichten, kam jedoch in Versuchung und wurde zu einem dieser gefürchteten Tanz-Scharlatane. Das alles entwickelt sich erst im zweiten Teil des Films.
Es kommt insofern etwas zu spät. Wenn "Dance With the Wind" nämlich ein Problem hat, ist es seine Überlänge. Der Mittelteil hängt durch, das Finale ist etwas gedehnt. Der Film ist wunderbar gefilmt, schön erzählt, toll gespielt und versetzt mit einem Schuss leisen Humors - aber der letzte Funke, der ihn zu einem "Strictly Ballroom" à la Korea machen würde, der fehlt. Dennoch ein sehenswerter Film, gar keine Frage.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
AlternativerTitel: Baramui jeonseol;
바람의 전설
Regie: Jeong-woo Park

Tanzfilm

Humor * *

Spannung *

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D e a d   F r i e n d   ~   R y e o n g

Reviewed 31.8.04

Südkorea 2004 Die College-Schülerin Ji-won Min (Ha-Neul Kim, Too Beautiful To Lie) hat ihr Gedächtnis verloren. Sie lebt alleine bei ihrer Mutter und hat nur einen richtigen Freund, Jun-ho Park (Jin Ryu). Da sie es in dieser Umgebung nicht mehr aushält, will sie im Ausland studieren. Doch noch wird sie geplagt von Albträumen. Da sterben nacheinander ihre ehemaligen Freundinnen von der Rang-Rim-Highschool: Eun-seo Kim (Sängerin Bin aka. Hye-bin Jeon), Mi-kyeong Shin (Yi Shin, Great Expectation) und Yu-jeong Oh (Hie-ju Jeon). Alle scheinen sie ertrunken zu sein. Langsam kommen die Erinnerungen zurück zu Ji-won. Und sie alle sind verbunden mit einem toten Mädchen: Su-in Han (Sang-mi Nam, Spy Girl).
Die nicht enden wollende Horror-Welle mit den schwarzhaarigen Geistermädels geht in die nächste Runde. Die Koreaner sind in diesem alles-dominierenden asiatischen Horror-Subgenre mitlerweile fleissiger als die Japaner, die das Ganze mit Ring ins Rollen gebrach haben. Und so folgt nun nach Whispering Corridors, The Uninvited, Unborn But Forgotten, Face & Co. "Dead Friend". Es ist bezeichnend, dass dessen gruseligster Moment keiner ist, in dem der langhaarige Geist wirklich zu sehen ist. Zugegeben, dessen Auftritte sind recht gefürchig, doch der beste Schauder lief mir über den Rücken, als beim Entwickeln eines Fotos ein Schatten zu entstehen scheint und der sich bewegt. Was ist es, was will es? Das sind Sekunden der Unsicherheit, des Unwohlseins seitens der Zuschauer. Doch solche Momente sind extrem rar. Der Rest besteht aus typischen falschen Schocks und eben: viel viel Haar.
Die Geschichte ist ziemlich schlampig erzählt, ohne ein gewaltiges Spannungsmoment zu entwickeln. Und das Finale, das sich immerhin um Andersartigkeit bemüht, strapaziert die Logik etwas gar zu sehr und ist an den Haaren herbeigezogen. "Dead Friend" würde ich um eine Spur besser einstufen als Face, doch das ist Haarspalterei. Beide sind ein Abklatsch, beide halbwegs unterhaltsam und kurzweilig, beiden mangelt es an Ideen. Das ist schade, zumal die Akteure solide Arbeit leisten und Regiedebütant Tae-kyeong Kim allemal inszenatorische Standfestigkeit beweist. Die Atmosphäre baut er nämlich geschickt auf und es gibt ein paar Sequenzen, die sind richtig geglückt. Jene mit dem Foto habe ich genannt, andere sind primär mit Wasser verbunden. Mehr sei nicht verraten.
Einmal versagt der Regisseur jedoch masslos. Er hat nämlich eine Idee, die ist grauenhaft in ihrer Vorstellung aber halbherzig in ihrer Ausführung: Ein scheinbar irres Mädchen bekommt einen Anfall, weil es den Geist sieht. Es wird in der Irrenanstalt am Bett festgebunden und noch während die Ärzte dies tun, sehen wir den Geist. Die Vorstellung, festgebunden zu sein, während sich der Geist langsam nähert, ist beklemmend - doch Kim schafft es nicht, das Maximum aus dem bedrohlichen Setup herauszuholen. Vielleicht symptomatisch für einen solchen Film, der einige interessante Ausgangslagen liefert und dann nach Schema F verfährt. Also liebe ostasiatische Filmemacher: Vergesst mal für ein Weilchen die langhaarigen Geister-Weiblein und sucht was Neues, was uns in die Knochen fährt.

Hier auf DVD erhältlich (SK)
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1, DTS mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen
Alternative Titel: Ghost; The Ghost; Ryeong; Ryung; Deadfriend;
Regie: Tae-kyeong Kim

Horrorfilm

Spannung * *

Action *

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T h e   D o l l   M a s t e r   ~   I n h y e o n g s a

Reviewed 21.10.04

Südkorea 2004 Der Kurator Jin-wan Choi (Ho-jin Chun) lädt fünf Leute in sein Puppenmuseum ein, damit die gehbehinderte Mrs. Im von ihnen Puppen herstellen kann. Die Gäste bestehen aus der Bildhauerin Hae-mi Park (Yu-mi Kim), dem Model Tae-sung Kim (Hyeong-tak Shim), der Autorin Young-ha Jung (Ji-young Ok), dem Fotografen Jung-ki Hong (Hyeong-jun Lim) und der Schülerin Sun-young Lee. Sie alle wissen nicht genau, was sie in dem unheimlichen Haus sollen. Schon bald passieren seltsame Dinge. Hae-mi etwa begegnet einem geisterhaften Mädchen namens Mina (Eun-kyeong Lim) und die seltsame Young-ha, die von ihrer Puppe "Damien" unzertrennlich ist, wird ermordet. Die anderen geraten langsam in Panik ...
Ich bin kein grosser Freund von Puppen-Horrorfilmen - und "The Doll Master" ist, wie der Titel ja sagt, ein Mitglied dieses Genres. Meine Gleichgültigkeit gegenüber diesem Untergenre wird durch diesen sauber gemachten aber durch und durch uninspirierten Streifen bestätigt. Er beginnt ganz akzeptabel im Stile von "The Haunting", wenn ein Kerl ganz verschiedene Leute in ein unheimliches Haus einlädt. Die Akteure sind okay, einige der Puppen, die bewegungslos aber doch irgendwie lebendig herumstehen, sind richtig unheimlich.
Doch der wahre Grusel kommt nie. Zwei, höchstens drei Mal zuckt man schnell zusammen oder es läuft einem ein Schauder über den Rücken, der Rest isn hingegen dominiert von Langweile. Richtige Überraschungen bleiben genauso aus wie blutige Morde - denn die meisten Tötungen finden Offscreen statt. Und das Ende ist eigentlich ziemlich doof, geschweige denn voraussehbar. "The Doll Master" ist kein komplett übler Film, dazu ist er einfach zu solide inszeniert. Doch wenn ein Film keine Aussage, keine Spannung und keinen Inhalt hat, dann ist die beste Machart letztendlich überflüssig.

Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch DTS und 5.1. mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Inhyeingsa;
인형사
Regie: Yong-ki Jeong

Horrorfilm

Spannung * *

Gewalt *

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D o n ' t   T e l l   P a p a

Reviewed 4.11.04

Südkorea 2004 Chul-soo Kim (Woong-in Jeong) und Ae-ran (Min-seo Chae) haben eine kurze Affäre am College. Der Verlierer und die toughe Schönheit haben aber kaum Zeit, sich wirklich nahe zu kommen, denn Ae-ran verschwindet nach Amerika. Nur etwas lässt sie zurück: ihr Baby! Der völlig verdutzte Chul-soo bekommt seinen Sprössling eines Tages zugestellt. Er gibt aber deshalb nicht auf, nennt ihn Cho-won und zieht ihn gross. Viele Jahre später arbeitet Chul-soo mehr schlecht als recht in einer Disco als Animator. Cho-won (Seung-ho Yun) ist acht und bereits recht erwachsen: Er flucht, steht seinem Vater bei, wenn er besoffen ist, und weiss mehr über Sex, als seine Klassenkameraden. Doch da tritt etwas Unerwartetes in die Vater-Sohn-Idylle: "Linger Rhee", eine Unterwäsche-Managerin aus Amerika, die die Vorgesetzte von Chul-soos Schulfreund Jul-gu ist. Hinter dem Pseudonym steckt Ae-ran. Natürlich trifft sie bald auf ihren Sohn ...
"Don't Tell Papa" trifft einfach nicht immer den richtigen Ton. In der ersten Filmhälfte langt Regisseur Sang-hun Lee vor allem beim Humor daneben. So putzt sich der Papa mal mit einem Toilettenpapier die Nase, mit dem er vorher seinen Hintern gereinigt hat. In einer anderen Szene hat Chul-soo einen feuchten Traum und befummelt unkontrolliert seinen neben ihm schlafenden Sohn. Die Idee ist ein paar Sekunden lang witzig, doch wenn er ihm auch noch in die Hose langt, fragt man sich, wie pädophil ein Film sein darf. Zumal fast alle Beteiligten mit dem Buben baden dürfen, er Rücken schrubbt, Sex-Witze macht und Dinge tut, die eine moderne Gesellschaft nicht als jugendfrei anschaut. Die Filmemacher glauben, es sei lustig, doch das Ganze ist arg an der Geschmacksgrenze.
"Don't Tell Papa" ist nie widerlich, aber einfach fragwürdig. Das gilt jedenfalls für eine Hälfte. Die andere verwandelt die Klamotte plötzlich ein ein Drama. Wenn Cho-won sich kühl von seiner Mutter verabschiedet, um die Ecke rennt und "Mutter, Mutter" zu weinen beginnt, ist das ein zärtlicherer Moment, als ein solcher Film ihn überhaupt verdient hat. Und gegen Schluss, als er seine Mutter anruft, habe ich sogar kurz geweint. Darauf hat nun wirklich nichts hingedeutet. Man kann diesen dramaturgischen Wechsel hin ins Melodramatische als amateurhaft abtun, doch viele asiatische Filme vollziehen solche Brüche - und meist effektiv. Das gilt auch halbwegs für "Don't Tell Papa", dessen problematischen Gags aus der einen Hälfte beinahe negiert werden durch die Gefühle der anderen. "Don't Tell Papa" ist dennoch kein wirklich gelungener Film. Hauptdarsteller Woong-in Jeong ist zu unsympathisch, der Plot zu voraussehbar und eben, ein paar Pointen unter aller Sau. Doch der liebenswertere kleine Seung-ho Yu aus
The Way Home und eine vergossene Träne machen ihn immerhin nicht zur Zeitverschwendung.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Raising My Dad; Dontelpapa; Appahago nahago;
돈텔파파
Regie: Sang-hun Lee

Tragikomödie

Humor * * *

Action *

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E v e r y b o d y   H a s   S e c r e t s   ~   N  u g u n a   b i m i l e u n   i t d a

Reviewed 22.10.04

Südkorea 2004 Mutter Han (Yongnyeo Seonwoo) hat drei grundverschiedene Töchter und einen Sohn: Den pupertierenden Dae-yeong (Jae-hyeong Jeon), die Partygöre und Sängerin Mi-yeong (Hyo-jin Kim), die mit 27 Jahren immer noch jungfräuliche Studentin Seon-yeong (Ji-Woo Choi) und Ji-yeong (Sang-Mi Chu), die mit einem langweiligen Arzt (Hae-gon Kim) verheiratet ist. Eines Tages verlässt Mi-yeong ihren Liebhaber Sang-il (Jae-hun Tak), da sie sich nach einem reichen und attraktiven Mann sehnt. Der tritt auch prompt in ihr Leben - in Person von Su-hyeon Choi (Byung-hun Lee). Schon bald machen sich die beiden einen Heiratsantrag. Doch Mi-yeongs Schwestern sind dem Charmeur längst ebenfalls verfallen. Sogar Dae-yeong macht seine Erfahrungen mit dem Casanova ...
"Everybody Has Secrets" ist das koreanische Remake des irischen Films "About Adam" mit Kate Hudson Stuart Townsend und Frances O'Connor. Da ich den nicht gesehen habe, konnte mich die asiatische Neufassung doch hie und da überraschen. Aber die Twists sind nicht der eigentliche Antrieb der solide gemachten Liebeskomödie. Es ist vielmehr das erotische Knistern, das in etlichen Szenen unter der Oberfläche schlummert. "Everybody Has Secrets" schafft es, recht explizit und schlüpfrig zu sein, ohne viel Haut zu zeigen oder richtig billig zu werden.
Und wenn Regisseur Hyeon-su Jang Pilze und Muscheln zu Sex-Illustratoren macht, Seon-yeong ein Buch mit Penis-Abbildungen durchlesen und ihrem Bruder, der gerade mit errigierter Männlichkeit schläft, die Pornofilme klauen lässt - dann bettet er dies stets ein in etwas Kultur. Eine Oper da, ein Ballet hier und Literatur dort. Sogar ganze Zitate von Balzac, Doppler und Rolland Romain leiten die einzelnen Episoden ein. Derart edel verpackt verkommen auch die Schlüpfrigkeiten nicht zum total infantilen Schmuddelmaterial à la Sex Is Zero.
Auch die Besetzung hilft dabei mit. Byung-hun Lee (Bungee Jumping of Their Own, "Three Extremes") sieht dufte aus und scheint einem Groschenroman für Frauen entspungen. Er verführt eine Partynudel genaus wie eine Intellektuelle und eine verheiratete Mutter. Sang-Mi Chu (Say Yes) versprüht den etwas reiferen Sexappeal einer Frau, die sich von ihrem Mann Sprüche anhören muss wie "Sex mit der eigenen Frau zu haben ist fast wie Inzest". Hyo-jin Kim (Legend of Evil Lake) porträtiert ein typisch modernes Korea-Girl, das der älteren Schwester erklärt, wie gesung Sex ist. Ji-Woo Choi (Nowhere to Hide) hat als Denkerin im Team einige der besten Lacher auf ihrer Seite - insbesondere, als sie Bücher studiert, um für ihr erstes Mal gewappnet zu sein, und dann den Sex Schritt für Schritt praktizieren will.
"Everybody Has Secrets" ist hormongesteuert und sexy, daran besteht kein Zweifel. Doch dank charmanten Akteuren, gediegener Präsentation, hochkulturlicher Einbettung und einem einfachen jedoch beinahe moralischen Ende kommt nie das Gefühl auf, man gucke etwas Verdorbenes - sondern einfach eine launige Korea-Komödie.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1., 2.0, DTS mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen
Alternative Titel: Nuguna bimileun itda;
누구나 비밀은 있다
Regie: Hyeon-su Jang

Liebeskomödie

Humor * * *

Spannung *

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F a c e

Reviewed 16.8.04

Südkorea 2004 Hyeon-min Lee (Hyeon-jun Shin) ist Spezialist für die Rekonstruktion von Gesichtern bei der Polizei. Als seine Tochter nach dem Tod seiner Frau eine Herztransplantion benötigt und in der Folge immer kränker wird, verliert Hyeon-min das Interesse am Job und kündigt. Eines Tages taucht die junge Gesichts-Rekonstrukteurin Seon-yeong Jeong (Yun-a Song) bei ihm auf, lässt sich nicht abwimmeln und übergibt ihm einen Schädel zur Rekonstruktion. Er weigert sich erst, daran zu arbeiten, aber als er von einem Geist heimgesucht wird, glaubt er, in der Wiederherstellung des Gesichts die Lösung zu finden. Der Schädel gehörte dem letzten Opfer eines Serienkillers, der die Ermordeten in Säure auflöst. Die Polizei hat bald Dr. Yoon als Verdächtigen im Visier, den Herzchirurgen, der auch Hyeon-mins Tochter operiert hat ...
Unter den koreanischen Thrillern und Horrorfilmen fand sich in letzter Zeit kein schlechter Beitrag - aber leider auch immer seltener ein Meisterwerk. Es zeigt sich, dass den Machern von asiatischem Horror langsam die Ideen ausgehen. Das gilt für Hongkong mit Filmen wie The Eye 2, das gilt für Japan, wo jeder noch immer versucht, Ring nachzuäffen - und eben auch in Korea, wo sich Filme wie The Uninvited, Unborn But Forgotten und "Face" bedrohlich zu ähneln scheinen. Wer glaubt, die bleichgesichtigen, weiblichen Geister mit dem langen schwarzen Haar seien endlich ausgestorben, muss sich leider eines Besseren belehren lassen. In "Face" stört dieses Asia-Horror-Klischee ganz besonders, denn es ist bloss ein Gimmick. Der Rest des Films hat mit diesem Geist wenig zu tun, sondern widmet sich anderen Formen von Geistern. Es gibt einen kleinen Twist und nach 82 Minuten ist alles vorbei.
Die Kürze ist definitiv ein Pluspunkt. Der Vorspann, der ein wenig an "Se7en" erinnert, ist auch nicht schlecht. Hauptdarsteller Hyeon-jun Shin (Bichunmoo) ist okay, Yun-a Song auch ganz gut. Es gibt ein paar Blut-Effekte und ein paar Handlunsideen, die in eine interessante Richtung weisen - der Organdiebstahl etwa, oder das Auflösen der Leichen in Säure. Aber letztendlich ist der Film halt eben doch ziemlich hohl und die Buh-Effekte sind abgedroschen, ja peinlich. Die Bitte an asiatische Horrorfilmer kann also nur lauten: Lasst euch mal wieder etwas Neues einfallen, sonst ist der Trend hin zu fernöstlichem Horror so schnell erloschen, wie er entflammt ist.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel:
페이스
Regie: Sang-Gon Yoo

Horrorfilm

Spannung * *

Action *

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A   F a m i l y   ~   G a j o k

Reviewed 30.12.04

Südkorea 2004 Zwei Jahre lang sass Jeong-eun Lee (Ae Su) wegen Diebstahls und Körperverletzung im Knast. Nun kommt die junge Frau frei. Sie besucht umgehend ihren Vater, den Fischverkäufer Ju-seok (Hyeon Ju). Der ehemalige Cop lebt seit dem Tod seiner Frau zurückgezogen und widmet sich ganz seinem kleinen Sohn Jeong-hwan (Jin-bin Park). Von Jeong-eun will er nichts mehr wissen. Sie von ihm auch nicht wirklich. Er ist ein Krüppel, hat nur noch ein Auge und ist ständig grantig. Doch da erfährt sie, dass Ju-seok nur noch wenige Monate zu leben hat: Er leidet an Leukämie. Während sie versucht, ihm zu helfen, gerät sie an den Gangsterboss Chang-won Park (Hie-sun Park). Sie hat den schmierigen Kerl einst ausgeraubt und nun fordert er das Geld zurück. Ansonsten wird ihre Familie dran glauben müssen. Jeong-eun ist auf sich alleine gestellt, Chang-wons Schläger Dong-su (Tae-woong Eom), mit dem sie befreundet ist, getraut sich nicht, für sie zu sprechen. Aber immerhin wächst in dieser Krisensituation die Familie zusammen.
"A Family" ist ein schamloser Film: Ein angeschlagener Papa mit Leukämie, der bald sterben wird. Ein süsser kleiner Bub, eine entfremdete Schwester. Einfache Leute, eine tote Mutter, Geldsorgen. Beinahe jedes Klischee aus dem Melodrama-Einmaleins wird herbeigezogen. Und trotzdem hab ich Rotz und Wasser geheult wie ein kleines Baby. Mir ist es eben egal, wenn ich von einem Film manipuliert werde, solange ich in kompetenten Händen bin. Regisseur Jeong-cheol Lee ist sogar sehr kompetent. Der Regiedebütant nimmt eine Story, die ansonsten als TV-Schmonzette à la Rosamunde Pilcher durchgehen würde, und macht die Charaktere real. Er verleiht ihnen Natürlichkeit und Echtheit, wodurch wir an ihr Schicksal gekettet werden - und mit ihnen mitleiden.
An ein paar Stellen konnte ich regelrecht spüren, wie mein Körper sich zusammenzog und sich mit Tränenausguss wieder entspannte. Man weiss als Zuschauer, was kommen wird. Man versucht sich vorzubereiten - doch es geht nicht. Einmal etwa, haben mich Jeong-euns weit aufgerissene, feuchten Augen gekillt, als ihr Dad von den Gangstern aus dem Wagen geholt wird. Gedemütigt, die wenigen Haare durch das abgerissene Toupet zerwühlt. Es ist eine ganz leise und voraussehbare Szene. Mit maximaler Wirkung. Oder wenn Papa dem Bub in aller Ruhe erklärt, was er tun muss, wenn Daddy beerdigt wird. Regisseure, die solche Dialoge schreiben, sind Sadisten. Als Zuschauer ist man in solchen Momenten erschlagen. Entweder, weil man sich durch die sentimentale Manipulation angewidert fühlt, oder eben, weil man die Emotionen nicht zurückhalten kann. Jeong-hwan weint leise, während ihr Vater erzählt - und das ist eben das Geheimnis des Films. Leise, still, natürlich. Das Melodrama wird dirck aufgetragen, aber subtil inszeniert. Erst daraus ergibt sich die wahre Kraft.
Und auch, weil die Darsteller ihre Rollen so umwerfend spielen. Der alte Hyeon Ju (Dance With Solitude) spielt nie den Leidenden. Er versucht, stark zu bleiben trotz zerfallendem Körper und kaputter Familie. Das macht ihn zum wahren Helden. Weniger seine Aktion am Schluss. Und die junge TV-Darstellerin Ae Su (23) ist einfach herzerwärmend süss. Wenn sie ihren Vater rasiert und endlich erlösend umarmt, ist man voll bei ihr, weil man sie mag. Das Trio komplettiert der kleine Jin-bin Park. Er spielt den Buben mit Frische, stets optimistisch - oder nichts ahnend. Der Kontrast macht die Familie lebendig. Die Erwachsenen wissen mehr als das Kind und wenn er naiv fragt, löst das bei ihnen (und dem Publikum) natürlich eine andersartige Reaktion aus.
Wenn das Melodrama Probleme hat, dann sind es zwei: Die Klavier- und Geigenmusik des Soundtracks ist nicht nur manipulativ, sie ist arg gewöhnlich. Und der Gangster-Subplot ist zu billig. Hätte nicht ein anderes dramatisches Element gefunden werden können als schon wieder Gangster? Aber das sind kleine Mängel. Wer bereit ist, sein Herz weit zu öffnen, wird mit einer Heul-Orgie belohnt. Na ja, sofern man das will. Ich empfand den Film als sehr bewegend, sehr befreiend und einfach schön. Einer übermässigen Analyse hält er nicht stand, einer zynischen Diskussion ebenfalls nicht. Aber in Sachen ernst gemeinten Gefühlen kann man ihm einfach nicts absprechen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1., DTS, 2.0 mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Gajok; Famil
y; 가족
Regie: Jin-min Kim

Melodrama

Gefühl * * * *

Spannung *

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F a t h e r   a n d   S o n :   T h e   S t o r y   o f   M e n c i u s   ~   M a e n g b u   s a m c h e o n   j i g y o

Reviewed 24.6.04

Südkorea 2004 Da seine Frau kurz nach der Niederkunft verstarb, ist sein Sohn Sa-seong alles, was der Fischhändler Man-su Maeng (Jae-hyeon Jo) im Leben hat. Der Kleine kann Singen, doch da schon Man-su so sein Leben versaut hat, verbietet er ihm, zu singen und trichtert ihm stattdessen ein, pickelhart zu studieren. Als Sa-seong (Jun Lee) zum Teenager geworden ist, will Man-su ihn unbedingt an die Eliteschule SNU bringen. Dazu muss er jedoch in die Nähe der Schule in das teure Quartier Gangnam ziehen. Man-su verschuldet sich - und zügelt. Doch im neuen Wohnblock gibts Probleme: zum einen verliebt sich Sa-seong in seine Nachbarin Hyeon-jeong (Yi-hyeon So) und deren Onkel Kang-du Choi (Chang-min Son) ist auch noch ein Gangsterboss, der sein Mädchen genauso auf Händen trägt wie Man-su seinen Sohn ...
Die Zutaten von "Father and Son" sind altbekannt für Kenner koreanischer Komödien: ein paar skurrile CGI-Effekte, rabiate Schüler, witzige Gangster, beschützerische Väter, verliebte Kinder. Nichts Neues an dieser Front. Überhaupt wirkt der Film etwas hastig abgespult. Es fehlt an Innovation. Witzig ist der Streifen bisweilen schon. Vor allem Hyeon-jeongs Attacken gegen zickige Mitschüler. Oder Kang-dus skurrille Befehle an seine Untergebenen ("I'm playing human tetris"). Doch so richtig in Schwung kommt die Geschichte nie - und nach 101 Minuten ist sie bereits vorbei.
Die Akteure sind nicht übel: Jae-hyeon Jo (Mokpo, Gangster Paradise) agiert zwischen hysterisch und beschützerisch, Chang-min Son bleibt meist ruhig, Debütantin Yi-hyeon So spielt sexy und doch unberührbar. Bloss der ebenfalls debütierende Jun Lee bleibt schrecklich blass und leblos. Vom Film als Ganzes kann man das nicht behaupten: Er hat genügend anarchische Stellen, um Humor-verwöhnte Seelen einigermassen zu unterhalten. Doch nicht genug, um wirklich als gut durchzugehen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Father and Son; Maengbu samcheon jigyo; The Story of Mencius
Regie: Ji-yeong Kim

Komödie

Humor * * *

Spannung *

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F i g h t e r   i n   t h e   W i n d   ~   B a r a m u i   P a i t o

Reviewed 29.10.04

Südkorea 2004 Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs träumt Bae-dal Choi (Dong-kun Yang) davon, Luftwaffenpilot zu werden. Dazu schmuggelt er sich nach Japan, wo er jedoch gefangen genommen wird. Bei Kriegsende platzen seine Flugträume und er wird vom japanischen Karate-Offizier Kato (Masaya Kazo) übel gedehmütigt. Seine Demütigung geht auch nach dem Krieg weiter, als Bae-dal in Tokyo von Yakuzas gehänselt wird und in einer Gefahrensituation sogar in die Hosen macht. Um nicht mehr solche Schmach durchmachen zu müssen, bittet Bae-dal seinen ehemaligen Mentor Beom-su (Doo-hong Jung), ihn im Kampfsport weiter auszubilden. Doch Beom-su überreicht ihm nur ein Buch des japanischen Kämpfers Miyamoto Musashi. Als Beom-su von den Yakuzas getötet wird, setzt Bae-dal sein Wissen ein und übt Rache. Langsam wächst der Mut in ihm. Er befreit die Geisha Yoko (Aya Hirayama) aus den Fängen gieriger US-Soldaten und verliebt sich in sie. Doch letztendlich drängt ihn seine Ambition in die Natur, wo er im Selbststudium das härteste Kampftraining durchmacht. Danach zieht er von Dojo zu Dojo und fordert die japanischen Elitekämpfer heraus ...
Mit "Fighter in the Wind" huldigt Regisseur Yun-ho Yang (Libera me) dem Martial-Arts-Helden und
Kyokushin-Begründer Bae-dal Choi (1923-1994) alias Masutatsu "Mas" Oyama, der in Japan ebenso verehrt wird wie in Korea. Der Film selbst basiert jedoch nicht primär auf Fakten sondern auf einem Manga, der das Leben Chois verarbeitete. Das merkt man an mehreren Stellen, nicht zuletzt bei der Geschichte und der rassigen Actionchoreografie. Letztere wurde geleitet von Beom-su-Darsteller Doo-hung Jung, einem der wichtigen Kampf-Koordinatoren im koreanischen Kino. Markenzeichen der Kämpfe sind das Aufeinanderprallen von kultivierter Technik und rabiatem Prügeln, die von Yang etwas auf die Spitze getriebene Stilisierung (Zeitlupe, Freeze Frames, Schwarz-Weiss-Wechsel, Strobo-Effekt) sowie typisch koreanische Grobheit. Die Schläge tun weh und das ist gut so.
Denn das ist auch Teil der Moral des Films, die jener des japanischen Schwertmeisters
Miyamoto Musashi nachempfunden ist. Martial Arts ist Kraft. Kraft ohne Gesetz ist jedoch nur noch Gewalt. Und während sich Bae-dal lange an diese Grundsätze hält, wird seine "Mission" immer diffuser. Logische Argumente mischen sich mit einfachen Rachegelüsten. Sympathien kann man eigentlich keine mehr für den Kerl entwickeln, denn er ist definitiv kaputt. Einer, der nur noch in der Gegend rumzieht, um Gegner zu besiegen, hat ein paar Schläge zuviel aufs Hirn bekommen. Der Film thematisiert dies eigentlich nicht, sondern verkauft dies als tragisch angehauchten Heldenmut. Selbst die letzten Bilder, die ihn beim Bezwingen eines Stiers zeigen, sind heldenhaft gedacht, wirken in diesem Kontext aber nur noch groteskt und zeigen einen Mann, der in seiner Fixion gefangen ist. Das ist kein Held, das ist ein Irrer. Und alle moralische Rechtfertigung hat er längst über Bord geworfen.
Diese verschwommene Haltung gegenüber Bae-dal Choi reduziert den Reiz des Films leider beträchtlich. Die Action ist grundsolide, die Kamera ästhetisch und Dong-kun Yang (Wild Card) eine Idealbesetzung voller Power. Ich mochte auch den Umstand, dass viel Japanisch gesprochen wird und dass die in Korea noch immer verhassten Japaner diesmal nicht so schlimm wegkommen. Dem Film wird vorgeworfen, er sei nationalistisch. Das stimmt zum Teil, doch mit der Zeit hat Bae-dal keine Nation mehr. Er kämpft des Kämpfens willen - und da die meisten Gegner in Japan halt Japaner sind, besiegt er diese. Ich habe in meiner Karriere schon viel reaktionärere Anti-Japan-Filme gesehen. Dieser hier ist fast schon versöhnlich in einer "Fight Club"-mässigen "wir messen unsere Kräfte"-Art und Weise.
Doch der Plot ist letztendlich halt doch sehr dünn, die Charakterisierung schwach und die Moral schwer fassbar. Auch die Liebesbeziehung zwischen Bae-dal und der süssen Yoko (gespielt von Aya Hirayama, Waterboys) ist leider nur eine Randnotiz. "Fighter in the Wind" bietet zwei Stunden fetzige und visuell eindrücklich inszenierte Action-Unterhaltung, doch mit Tiefgang ist es nicht weit her. Und mit Innovation letztendlich auch nicht ...
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (SK)
Hier auf DVD erhältlich (GB)
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Baramui Paito; Paramui Paito; Wind-Fighter;
바람의 파이터
Regie: Yun-ho Yang

Actionfilm

Action * * *

Spannung * *

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F l y i n g   B o y s   ~   B a l l e t   g y o s e u b s o

Reviewed 26.2.05

Südkorea 2004 Ming-jae Kang (Gye-sang Yung) fährt mit seinen zwei Kumpels in Papas Auto umher. Der Vater ist Pilot und selten daheim, deshalb können die drei Jungs die Sau rauslassen, trinken und fahren. Doch auf dem Heimweg fährt Ming-jae an eine Leiche heran. Der Mann wurde angefahren, der Täter beging Fahrerflucht. Eine Lehrerin ist auch am Tatort und da die Situation für Ming-jae brenzlig werden könnte, nutzt sie diese schamlos aus: Sie zwingt die drei Freunde, ihrem Ballet-Kurs beizuwohnen. Nach anfänglichem Horror vor dieser Vorstellung, finden die drei Gefallen. Vor allem Ming-jae, denn im Kurs ist auch seine Nachbarin Soo-jin Hwang (Min-jeong Kim), die er seit Jahren anbetet.
Die sympathische Tragikomödie vereint Alltagsproblematik mit dem im Film immer beliebten "you can do it"-Thema, ähnlich verarbeitet etwa wie in "Billy Elliot". Der Ballet-Kurs steht bei "Flying Boys" jedoch eigentlich im Hintergrund. Der Tanz ist vielmehr ein Mittel, um Ming-jae und Soo-jin zu verbinden und um Ming-jae neues Selbstvertrauen zu geben, damit er die Probleme in der Familie und in seiner Zukunftsplanung angehen kann. Dadurch wird das "coming of age"-Thema bedeutend wichtiger. Regisseur Young-Joo Byun (Ardor) macht sich denn auch ein paar Spässe daraus, sich über die Tänzer lustig zu machen - nicht ohne ihnen jedoch später die Würde ganz zurückzugeben.
"Flying Boys" ist ein unterhaltsamer, kurzweiliger, aber doch etwas schematischer Film. Die Charaktere sind nicht ungewöhnlich, die Ereignisse auch oft gesehen. Es ist die gelassene Präsentation, die die zwei Stunden im Nu vergehen lässt: Dazu tragen auch die Akteure bei, nicht zuletzt Popsänger Gye-sang Yung von der Band G.O.D., der hier sein beachtliches Schauspieldebüt gibt. Er spielt mit einfühlsamer Dramatik und kriegt ein paar auflockernde Pointen ebenso gut hin. So etwa in einer Szene, bei der sein Dad glaubt, er masturbiere zu Save the Green Planet. Dank solchen schrägen Momenten verliert sich "Flying Boys" nicht in einem Überlass an Sentimentalität. Grossartig ist der Film kaum - aber sehr bekömmlich und gut verdaulich.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Ballet gyoseubso;
Ballet Studio; 발레 교습소
Regie: Young-Joo Byun

Tragikomödie

Humor * *

Spannung *

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G h o s t   H o u s e    G w i s h i n i   s a n d a

Reviewed 22.12.04

Südkorea 2004 Der Ingenieur Pil-gi Park (Seung-won Cha) ist überglücklich: Er hat für wenig Geld ein idyllisch gelegenes, grosses Haus gekauft. Darin will er mit seiner Freundin Soo-kyung Hun die Zukunft verbringen. Doch schon bald der Schock: In dem Haus spukt es! Erst versucht Pil-gi, gegen die übersinnlichen Einflüsse anzukämpfen, doch er hat keine Chance. Die Polizei will ihm nicht glauben, das Haus lässt sich nicht mehr verkaufen. Als der seit seiner Kindheit Hühner-traumatisierte Pil-gi einmal durch eine Hühner-Armee aufs Dach gescheucht wird, trifft ihn zweimal der Blitz. Er überlebt - und kann fortan den Geist in seinem Haus sehen: Es ist die hübsche Yeon-hwa (Seo-hee Jang), die auf ihren Mann "wartet".
Regisseur Sang-Jin Kim zeichnet für einige von Koreas erfolgreichsten Filmen verantwortlich, darunter den von mir nicht gerade geschätzten Kultstreifen Attack the Gas Station und den ganz hübschen Kick the Moon. Sein neustes Werk "Ghost House" wurde von den Kritikern als sein bissher schlechtestes eingestuft. Ich kann mich dem nicht anschliessen. Es ist vielmehr sein bisher bester Film. Sicher keine Meisterleistung, aber herrliche Unterhaltung. Das widerspiegelte sich auch an den Kinokassen, wo die Geisterkomödie in die Top fünf der südkoreanischen Jahrescharts vorstiess.
Das Rezept und damit der Plot sind simpel. Ein Mann zieht in ein Geisterhaus und kann nach einem Blitzschlag den (weiblichen) Geist sehen. Die Möglichkeiten für Comedy sind endlos. Kim nutzt sie seltsamerweise vor allem im ersten Teil. Mit Hilfe von einigen überzeugenden und anderen weniger gelungenen CGI-Trickeffekten lässt er eine Hühner-Armee auf Pil-gi los, lässt Messer auf ihn fliegen und seine Füsse zu Händen werden. Und umgekehrt. Alles witziger, niveauloser Spass. Dazu ein paar Insidergags wie Anspielungen auf Attack the Gas Station und Ring. Das reicht für wirklich gelungene Unterhaltung. Auf der anderen Seite ist "Ghost House" mit über zwei Stunden klar zu lang und das melodramatisch angehauchte Ende sicher nicht der Brüller.
Den Schauspielern macht das Ganze sichtlich Spass.
Seung-won Cha (My Teacher, Mr. Kim) ist ebenso sympathisch wie hysterisch. Seine Reaktion auf die Hühner-Armee ist Gold wert. Die niedliche Seo-hee Jang taucht erst nach der Filmmitte auf und kann nicht ganz mit ihrem Co-Star mithalten. "Ghost House" ist ja auch beinahe eine One-Man-Show für Cha. Eine belanglose, schnell verdaute One-Man-Show - aber eine mit hohem Unterhaltungswert. Und das zählt.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1., DTS und 2.0 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Ghost Lives;
Guishini Sanda; 귀신이 산다
Regie: Sang-Jin Kim

Gruselkomödie

Humor * * *

Action *

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H e   W a s   C o o l   ~   G e u n o m e u n   m e o s h i t e o t d a

Reviewed 15.9.04

Südkorea 2004 Ye-won Han (Da-bin Jeong) ist nicht gerade das beliebteste Mädchen an der Schule. Nur mit ihrer Freundin Kyeong-won Lee (Hae-su Ahn) hängt sie ständig rum. Und auch zu Hause fühlt sie sich eher allein, ihr Bruder und ihre Eltern suchen ständig Wege, sie blosszustellen. Von daheim aus tippt sie einmal einen bösen Kommentar ins Schulforum, der prompt vom Addressaten zu ihr zurückverfolgt wird. Er heisst Eun-song Ji (Seung-heon Song), ist älter als sie und als Schläger bekannt. Er legt seine Feinde im Dutzend flach und wird von allen Mädchen angehimmelt. Als er Ye-won eine Lektion erteilen will, fällt sie versehentlich auf ihn und küsst ihn. Er reagiert seltsam: Durch diesen Kuss seien sie gebunden! Fortan tauchen Eun-seong und Ye-won allerorts als Pärchen auf, obwohl sie sich ununterbrochen streiten. Doch sie beginnen, sich immer besser zu verstehen. Ye-won erweicht Eun-songs Macho-Herz und er beschützt sie vor Angriffen. Da erfährt Ye-won, warum der Kuss Eun-song so viel bedeutete ...
Nach dem Erfolg von My Sassy Girl folgte eine ganze Serie von Filmen, die auf Internetromanen basieren. Diese Geschichten stammen meist von relativ jungen Frauen - und richten sich auch primär an solche. "He Was Cool" fusst auf dem Roman von Guiyeoni (
Yun-se Lee), erreicht aber nicht das Niveau von Internet-Roman-Streifen wie My Sassy Girl und My Tutor Friend. Das liegt an der Überlänge und einer zu unkonzentrierten Erzählweise. "He Was Cool" scheitert dementsprechend als Liebesfilm, als Komödie und als Drama. Am schlimmsten wiegt das Versagen im Romanzen-Bereich. Regisseur Hwan-kyeong Lee ("Saulabi") macht nie klar, wieso die zwei sich eigentlich verknallen, was Eun-seong in ihr sieht. Natürlich ist da Ye-wons Kuss, doch überzeugend wird der nicht eingefädelt.
Es fehlt auch ein wenig an Chemie. Seung-heon Song ist sicherlich ein heisser Kerl und die ganze Anziehungskraft dieser Filme resultiert schliesslich aus dem Begehren junger Girls, zu sehen, wie eine "von ihnen" einen solch geilen Hengst abeschleppt - doch er versprüht keinen wirklichen James-Dean-Charme. Eun-seong ist gedacht als sympathischer Schläger-Macho, doch wirkliche Sympathie verspürt man zu Beginn kaum für ihn. Und deshalb will es auch nicht funken zwischen ihm und Ye-won. Später erfährt man mehr über Eun-seongs Vergangenheit. Der Kuss wird dadurch wichtiger, Eun-seongs Aussenseiter-Rolle klarer, doch dennoch wird der Film dennoch nicht besser. Sein Versuch, im Drama-Terrain Fuss zu fassen, ist eher bemüht und erzeugt nie wahre Emotionen.
Es hat gute Passagen in "He Was Cool". Die Fights von Eun-seong sind recht geil. Die Musik ist schön, die kleinen Texteinblendungen immer willkommen - wenn auch langsam abgegriffen. Ja und trotzt fehlender Chemie sind auch Song und Jeong charmant. All das reicht für ein harmlos-sinnloses Filmvergnügen, doch rechtfertigt in keiner Weise eine Lauflänge von 115 Minuten. In der letzten halben Stunde ist die Langeweile deshalb akut. Einzig die herzallerliebsten Zwergkaninchen, die Ye-won kauft, halten das Interesse aufrecht. Wenn man schon auf solche Viecher achten muss, kann mit dem Film ja etwas nicht stimmen. Unter all den gefälligen Korea-Komödien, die ich ansonsten wirklich mag, ist "He Was Cool" jedenfalls ein schwächerer Eintrag.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: The Guy Was Gorgeous; Geunomeun meoshiteotda;
The Guy Was Gorgeous: He Was Cool; Keu nom-eun Meoshit seot da; The Guy Was Cool; Geunomeun Meoshit seot da; 그 놈은 멋있었다
Regie: Hwan-kyeong Lee

Liebeskomödie

Humor * *

Spannung *

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H i ,   D h a r m a   2 :   S h o w d o w n   i n   S e o u l   ~   D a l m a y a ,   S e o u l   g a j a

Reviewed 2.11.04

Südkorea 2004 Die drei Mönche Jeong-myeong (Jin-yeong Jeong), Hyeon-gak (Won-jong Lee) und Dae-bong (Jin-woo Yang) vom Eunha Tempel müssen nach Seoul, da es Probleme im Mushin-Tempel gibt. Dort wohnt nur noch der junge Mönche Mu-jin (Jin-woo Yang), der dem Trio erklärt, der Tempel habe 500 Millionen Won Schulden. Wenn das Geld nicht in drei Tagen an den Gangster Beom-shik Lee (Hyeon-jun Shin) bezahlt ist, wird der Tempel abgerissen und an seiner Stelle ein Wolkenkratzer gebaut. Die Mönche versuchen auf alle Arten, an das Geld zu kommen, jedoch ohne Erfolg. Da hat Dae-bong, der ein Schweigensgelübde abgelegt hat, unerwartet Glück: Seine Lotto-Zahlen gewinnen. Er verdient 30 Milliarden Won! Dummerweise liegt der Schein im Opferstock - und den hat Beom-shik beschlagnahmt!
Drei Jahre nach dem Kassenhit Hi! Dharma! folgte die Fortsetzung, die nicht mehr annähernd so lukrativ war und es in den Jahrescharts nicht in die Top 10 brachte. Tatsächlich ist die Idee mitlerweile abgestanden und man kann es den Machern anrechnen, dass sie immerhin versucht haben, dem Film so etwas wie Frische zu geben. Mit bescheidenem Erfolg. Inhaltlich ist "Hi, Dharma 2" voraussehbar und die Pointen drängen sich vielfach zu sehr auf, um wirklich zu überraschen. Natürlich machen die Mönche all das, was sie nicht dürfen - inklusive einem Kuss seitens des attraktiven Neulings
Jin-woo Yang, der wohl nur zu der Rolle kam, damit auch ein paar Teenie-Mädchen ins Kino zu locken sind.
Was die Show jedoch halbwegs unterhaltsam macht, sind die drei Hauptdarsteller, die aus dem ersten Teil übernommen wurden:
Jin-yeong Jeong, Won-jong Lee und Mun-shik Lee. Sie bieten dezidierten Slapstick mit ein paar wenigen wirklich erleuchteten Momenten. Da der Film nur 99 Minuten lng ist, wird es den Zuschauern garantiert nie langweilig. Zum Hit reicht es damit genausowenig wie zum grossen Schenkelklopfer. Korea hat jedenfalls bessere Komödien zu bieten. Ein dritter Teil dürfte uns deshalb erspart bleiben.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Dharma Goes to Seoul; Dalmaya, Seoul gaja; Hi! Dharma 2;
달마야, 서울가자
Regie: Sang-Hyo Yook

Komödie

Humor * * *

Spannung *

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H o w   t o   K e e p   M y   L o v e   ~   N a e   n a m j a u i   r o m a n c e

Reviewed 9.11.04

Südkorea 2004 Seoul: Sieben Jahre sind die 29-jährige U-Bahn-Angestellte Hyeon-ju Kim (Jeong-eun Kim) und der Kammerjäger So-hoon Kim (Sang-kyung Kim) bereits liiert. Langsam droht, Routine in die Beziehung einzuschleichen, weshalb das Thema Heirat in der Luft liegt. Doch just als Hyeon-ju glaubt, ihr Schatz würde ihr endlich einen Antrag machen, bleibt der mit der schönen Schauspielerin Da-young Eun (Seung-hyeon Oh) im Lift stecken. Sie ist von seiner offenen Art angetan und willigt ein, für seine Firma einen Werbespot zu drehen. So-hoon ist hin und weg. Hyeon-ju dagegen merkt, dass sie um ihre Liebe kämpfen muss.
Etliche Vergleiche mit Hollywood-Filmen musste "How to Keep My Love" über sich ergehen lassen. Von "Pretty Woman" (weit hergeholt) über "My Best Friend's Wedding" (na ja) bis "Bridget Jones's Diary" (ein wenig). Doch am ehesten hat er eigentlich mit "Notting Hill" gemein - man muss sich einfach vorstellen, Hugh Grant sei bereits liiert. So in etwa ergibt sich die Dreieckskonstellation in der koreanischen Liebeskomödie: Ein bereits vergebener Kerl wird zum Traummann einer Leinwand-Göttin. Der Rest ist aber sehr koreanisch und entzieht sich allen Vergleichen ...
"Koreanisch" heisst hier vor allem kitschig, süss und herzerwärmend. Zugeschnitten ist dies ganz klar auf die weiblichen Zuschauer von 14 bis 24. Ich zähl nicht dazu, aber ich mag koreanische RomComs - "How to Keep My Love" bildet da keine Ausnahme. Besonders gefiel mit die Interaktion der drei Hauptfiguren. Die beliebte TV-Darstellerin
Jeong-eun Kim (Spring Breeze) beginnt ihre Part als typisches Korea-Girlie mit Lebenslust und Naivität, muss im Laufe des Filmes aber erkennen, dass ihre 7-jährige Beziehung in Gefahr ist. Ihr Film-Lover Sang-kyung Kim (Memories of Murder) bleibt etwas passiver, aber damit lässt er schauspielerisch offen, zu wem er sich hingezogen fühlt. Und die wunderschöne Seung-hyeon Oh überrascht nicht nur mit ihrem Aussehen und zurückhaltenden Spiel, sondern damit, dass sie nicht die verwöhnte Schlampe gibt. Sie scheint So-hoon wirklich zu mögen und dadurch, dass das Publikum sie nicht hassen kann, entsteht das reizvolle Dreiecks-Dilemma.
Natürlich ist die Auflösung nicht das Gelbe vom Ei, aber es entlockte mir dennoch ein paar Tränen der Rührung. Bei einem solchen Film kann ich das durchaus als Gradmesser akzeptieren. "How to Keep My Love" erfindet das Rad nicht neu, fährt aber liebevolle Akteure auf, ist recht erfrischend gemacht und bis auf ein paar Längen sauber inszeniert. Der "Normalo verliebt sich in Star"-Plot ist immer wieder gut und die Gags um Kakerlaken, stecken gebliebene Lifte und übliche Verwechslungen sind Regisseur Je-hyeon Park (Oh! Lala Sisters, Gingko Bed 2) auch gelungen. Ein richtig schönes, harmloses Date-Movie für unverbesserliche Romantiker und Korea-RomCom-Fans.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: My Boyfriend's Romance; Nae namjaui romance;
Nae Namja-ui Romance; 내 남자의 로맨스
Regie: Je-hyeon Park

Liebeskomödie

Humor * *

Gefühl * *

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H y p n o t i z e d   ~   E o l g u l e o b t n e u n   m i n y e o

Reviewed 30.10.04

Südkorea 2004 Jin-su Yu (Hye-su Kim) hat sich vorgenommen, jeden Monat einen Roman zu schreiben. Die jüngste Wahnvision der schönen Frau. Sie dreht immer wie mehr durch, weshalb ihr Mann, der Devisen-Anleger Min-seok Yu (Chan Yoon), sie in eine psychiatrische Klinik bringt. Min-seok fühlt sich mitschuldig an Jin-sus Zustand, denn er betrügt sie schon seit längerem mit einer anderen Frau. Die Diagnose lautet denn auch auch Borderline Personality Disorder BDP - die ständige Angst Jin-sus, abgelehnt zu werden, könnte im Extremfall zur Schizophrenie führen. Der untersuchende Psychiater Seok-won (Tae-woo Kim) ist fasziniert von Jin-su, doch sie bleibt der Klinik bald fern. Ein Jahr später kehrt Seok-won zurück aus den USA und trifft auf Jin-su. Sie droht inzwischen Min-seok mit der Scheidung. Seok-won verfällt der Schönen, getraut sich aber nicht richtig, sein Herz zu öffnen. Als er sie hypnotisiert, erfährt er von ihrem Ex-Liebhaber und während sie von ihm erzählt, vergewaltigt Seok-won sie. Der Arzt ist längst selbst zum Pflegefall geworden: Seine Frau hat sich nach einer Affäre umgebracht, wodurch er Anzeichen von BDP entwickelt.
"Hypnotized" ist ein frustrierendes Erlebnis. Zum einen ist der visuelle Ansatz überwältigend, zum anderen ist im Film jedoch kein narrativer Fokus auszumachen. Elemente von Psychodrama, Mysterythriller, Liebesfilm und Geistergeschichte kreuzen sich in unmöglichen Momenten, ohne als Ganzes zu funktionieren. Einzelne Episoden für sich betrachtet vermögen die Zuschauer durchaus zu fesseln - ob Erotiksequenz, grotesker Unfall, Wahnsinnsfantasien, Geistererscheinung, Liebesprobleme oder Hypnose-Vergewaltigung, all dies packt, bewegt oder fasziniert für ein paar Minuten. Doch Regisseur In-shik Kim (Road Movie) weiss weder, was er damit erreichen will noch wie er es erreichen will. Böse gesagt: Sein Film voller Zeitsprüngen, Realitäts-Fiktions-Wechseln und erzwungenen Handlungsparallelen ist ein attraktives aber unverständliches Chaos.
In Korea sorgte im Vorfeld vor allem die Ankündigung für Trubel,
Hye-su Kim (Kick the Moon) würde ein Comeback wagen und dabei erstmals ihren Busen zeigen. Das tut sie fürwahr, doch die Sexszenen sind alle sehr ästhetisch gefilmt. Hye-su Kim vermag auch sonst komplett zu überzeugen. Manchmal ist ihr betörendes Gesicht unter einem riesigen Haar-Urwald versteckt, dann mysteriös freigelegt. Die "richtige" Ji-su lernt man nie kennen, denn sie wirkt stets distanziert, traumatisiert oder lügt den Gegenüber geradlinig an. An manchen Stellen sagt sie sogar "machen wir weiter mit dem Lügen". Damit wird ihre Figur reizvoll unheimlich. Die anderen Personen in dem Liebeskarussell sind weniger faszinierend, aber von ihren Darstellern kompetent verkörpert.
Visuell kommt ihnen In-Shik Kim wie erwähnt sehr entgegen. Er filmt die Charaktere in entfremdenden Räumen, in erotischen Posen und Wahnvorstellungen. Stilistisch ist es sehr reizvoll, wie der Film zwischen verschienenen Formen und Stilen hin- und herwechselt, wie er die Zuschauer alleine durch Bilder aufs Glatteis führen will und gleichzeitig als sinnliches Erlebnis funktionierne möchte. Doch die bereits komplizierte Handlung wird dadurch komplett unverständlich. An manchen Orten erinnerte ich mich an "Mulholland Drive", wenn In-shik versucht, die Verwirrtheit der Zuschauer zu seinem Vorteil zu nutzen. Doch die Ausbeute ist einfach zu gering, denn was letztendlich passiert, ist schlicht zu banal. Darum das grosse Tohuwabohu? Darum so viel Mystery? Und wieso überhaupt den Geisterplot einbringen? Der bringt keinerlei zusätzlichen Reiz in die sperrige Angelegenheit.
"Hypnotized" bleibt trotz allen inhaltlichen und dramaturgischen Schwächen ein hypnotischer Film, den es wegen der Darbietungen der Akteure und des Kameramanns unbeingt anzuschauen lohnt. Doch die Entfremdung der Zuschauer durch Möchtegern-Lynch'sche Inszenierung resultiert zu einfach in Langeweile und Desinteresse. Das haben die edel komponierten Bilder nicht verdient ...
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1, 2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Eolguleobtneun minyeo; Faceless Beauty;
Olgulopnun Minyo; Eolgul eomneun minyeo; 얼굴없는 미녀
Regie: In-shik Kim

Drama

Erotik * * *

Spannung * *

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I c e   R a i n   ~   B i n g w o o

Reviewed 1.4.04

Südkorea 2004 Woo-sung (Seung-heon Song), Myung-keon und Joong-hyun (Sung-jae Lee) machen sich auf, den Berg Asiaq in Alaska zu bezwingen. Drei ihrer Kollegen bleiben im Basislager zurück. Nach langem Marsch zieht ein Gewitter auf. Myung-keon wird von einem Blitz getroffen, stürzt in die Tiefe und reisst die beiden anderen mit. Der Getroffene ist tot, Joonh-hyun schwer verletzt. Woo-sung pfelgt ihn in einer Höhle. Erst nun merken die beiden Männer, dass sie, ohne es bisher geahnt zu haben, die gleiche Freundin haben: die zierliche Kyung-min Kim (Ha-Neul Kim), Woo-sungs Jugendfreundin und die spätere Geliebte des verheirateten Joong-hyun ...
"Ice Rain" suggeriert ein auf Action getrimmtes Bergsteiger-Abenteuer. Doch dieser Teil des Plots macht gerade mal etwas weniger als die Hälfte aus. Einen grösseren Teil nimmt das Liebesleben der drei Protagonisten ein. Erzählt in Rückblenden und komplett in die Bergsteiger-Story eingeflochten, vermag jedoch keine der beiden Handlungsstränge wirklich zu packen. Der melodramatische Wendung ist voraussehbar, die Action am Berg nichts Neues. Die alpinen Effekte halten etwa mit jenen von "Vertical Limit" mit, sind also nicht sonderlich späktakulär. Die schönen Aufnahmen der eisigen Berglandschaft kommt schon viel besser rüber.
Die Akteure sind ganz okay. Seung-heon Song, bekannt wegen seinem Gastauftritt im Hongkongfilm So Close, ist etwas bubenhaft, aber gut für die Rolle - vor allem im romantischen Teil. Sung-jae Lee (Public Enemy) macht dagegen im Gebirge eine bessere Figur. Auch er spielt passabel. Und im Zentrum steht die zierliche Ha-Neul Kim (My Tutor Friend), die sich mit Leichtigkeit durch den Film manövriert. Weil die drei Charaktere sympathisch gespielt sind, nimmt man Anteil an ihrem Schicksal. Aber besonders bewegt haben sie mich nicht - was vor allem daran liegt, dass das Drehbuch so schrecklich forciert daherkommt. "Ice Rain" ist sicher kein übler Film, aber ein insignifikanter. Ein vorhersehbarer. Und letztendlich auch etwas langweiliger.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Bingwoo; Bingu; Ice Shower
Regie: Eun-sook Kim

Abenteuer-
Drama

Spannung * *

Gefühl * *

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I n f l u e n z a

Südkorea 2004 Ausführliche Kritik: hier.

 

L a s t   Wo l f   ~   M a j i m a k   n e u k d a e

Reviewed 18.6.04

Südkorea 2004 Der Polizist Cheol-kwon Choi (Dong-kun Yang) hat genug von der Grossstadt. Er lässt sich von Seoul in seinen Heimatort versetzen: das Kaff Jeongson, das eigentlich gar keine Polizeistation bräuchte. So verbringen die Gesetzeshüter den Tag mit Faulenzen oder Arbeiten auf dem Feld. Genau so, wie Choi sich das vorgestellt hat. Doch da flattert ein Regierungsschreiben herein, das ankündigt, alle Polizeistationen würden geschlossen, die keine Kriminellen fassen. Chois komplett friedlicher Station droht somit das Aus. Während sein Kollege Jeong-shik Goh (Jeong-min Hwang) dies freudig zur Kenntnis nimmt und hofft, nach der Schliessung nach Seoul verlegt zu werden, will Choi eine Rückkehr in die Metropole um jeden Preis verhindern. Er sucht nach Straftaten, wo er nur kann. Ja er arrangiert sogar Situationen, die eskalieren sollten - jedoch ohne Erfolg: die Dörfler sind zu friedliebend ...
"Last Wolf" ist schrecklich banal. Ich habe mich ja sporadisch amüsiert, der Film hat einen sympathischen Rhythmus, nette Akteure und eine ausgesprochene Lockerheit - doch es bleibt nichts hängen. Dass die Koreaner solche Filme machen können, wissen wir. Es braucht mitlerweile schon etwas mehr, um noch für ein gutes Filmvergnügen zu sorgen. Ich hätte vor allem erwartet, dass Choi noch mehr Pläne schmiedet, wie er zu Kriminellen kommt. Die Szenen, in denen er Leute in kriminelle Situationen zu locken versucht, gehören jedenfalls zu den Highlights des Films - doch es ist zu wenig.
Hauptdarsteller Dong-kun Yang spielte einen wilden Cop bereits im letztjährigen Wild Card, eigentlich knüpft "Last Wolf" genau daran an und dreht die Lage ins Gegenteil: ein städtischer Supercop flieht aufs Land. Das ist der sympathische Startpunkt von "Last Wolf". Doch zum Schluss hin bleibt davon nicht mehr viel übrig. Die ganze Dieb-Story und selbst das Liebesdreieck zwischen Jeong-shik, seiner Freundin und dem vergaunerten Abschleppdienst-Betreiber Kwang-su Park (Hie-bong Jo) birgt kein Potenzial mehr. Und wenn der Film nach knapp 97 Minuten vorbei ist, hat man ein paar Lacher hinter sich ... aber eben: hängen bleibt davon nix.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: The Wolf Returns; Majimak neukdae
Regie: Ja-hong Ku

Komödie

Humor * *

Spannung *

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L o v e l y   R i v a l s   ~   Y e o s e o n s a e n g   v s .   y e o j e j a

Reviewed 28.1.05

Südkorea 2004 Mi-ok Yeo (Jung-ah Yum, Big Swindle, Cut) ist die unbeliebteste Lehrerin der Songrim Elementary School. Die frustrierte Single-Frau, die noch immer bei ihrer Mutter lebt, ist bei ihrer Klasse denn auch als Diktatorin verschrien. Doch die Frau hat durchaus Herz. Dieses blüht auf, als der junge Sang-choon Kwon (Ju-hun Lee) als Kunstlehrer anfängt. Mi-ok versucht, ihn zu erobern. Doch sie kriegt Konkurrenz aus ihrer eigenen Klasse! Die aus armem Hause stammende, 12-jährige Halbwaise Mi-nam Ko (Se-yeong Lee) hat sich in den Lehrer verliebt. Als sie merkt, dass Mi-ok ihr den "Fang" wegschnappen will, beginnt ein Krieg zwischen den "Frauen".
Der Schulalltag hat es Regisseur Gyu-seong Jang angetan: Nachdem er 2003 mit der gefälligen Tragikomödie My Teacher, Mr. Kim Erfolg hatte, schob er ein Jahr darauf diese Schulkomödie nach, in deren Zentrum die Rivalität einer Lehrerein und einer Schülerin steht. Es geht natürlich um einen Mann, einen jungen Lehrer. Sowas könnte man im Westen kaum drehen! Ein Mädchen verliebt sich in den Lehrer und der kappiert nicht mal, was abgeht. "Lovely Rivals" geht in dieser Beziehung völlig scheulos vor und manchmal hatte ich Angst, das Ganze gleite in pädophile Scherze ab. Diesen Trend zur Ausschlachtung romantischer Träume ganz junger Teenager-Mädchen kann man im koreanischen Kino durchaus feststellen, nicht zuletzt seit dem Kassenschlager My Little Bride.
Doch wie auch "Bride" schafft es "Lovely Rivals" mit der Zeit, die kritischen Gewässer zu umschiffen - und vor allem Spass zu machen. Ist nämlich die Idee, dass sich eine Schülerin in einen Lehrer veriebt so abwägig? Buben, die sich in sexy Lehrerinnen verlieben, kommen eh schon in etlichen Filmen vor und so mancher dürfte eigene Erinnerungen an eine Lehrerin oder einen Lehrer haben, den man gerne aus Freund gehabt hätte. In einer politisch korrekten Welt verbannt man derartige Gedanken natürlich schnell, doch in der Realität ist dies eigentlich unmöglich, nicht zuletzt, weil der Hormonausstoss der Teens gerade in diesem Alter gigantisch ist und sie mitten in ihrer Pupertät stecken.
Genau darauf spielt "Lovely Rivals" denn auch mehrfach an und macht sich auf alle Seiten hin lustig. Über die "alte" Lehrerin, die gegen eine Schülerin kämpfen muss, über die Schülerin, die glaubt, sie hätte Chancen bei einem Lehrer, und beim Lehrer, der nicht weiss, wie er auf die Avancen reagieren soll. Das birgt alles ein paar herrliche Lacher. Und dann kippt alles. Nicht etwa ins Schlechte, sondern ins Melodrama. Das kriegen die Filmemacher in keinem Land so gut hin wie in Korea. Dieser plötzliche Wechsel des Tons. Schlagartig muss man die Charaktere ernst nehmen und quasi mit ihnen leiden. Kann man das, nachdem man sich zuvor über sie amüsiert hat? Erstaunlicherweise ja, und genau deshalb verdient Regisseur Jang Respekt. Doch nicht nur er, auch die tollen Akteure, die Comedy-Momente genauso transportieren können, wie Melancholie und Gefühle. Die beiden besten Szenen, um dies zu illustrieren, kommen gegen Schluss. Einmal, als die kleine Se-yeong Lee (When I Turned Nine) vor der Klasse ein Anti-Lehrerinnen-Gedicht liest. Und später, wenn besagte Lehrerin im Auto von einem Lächeln zu Weinen wechselt. Subtiles, schönes Spiel, das man in einer Teenieklamotte kaum vermuten würde.
"Lovely Rivals" ist deshalb auch ein absolut empfehlenswerter Film. Vielleicht sogar noch ein Spürchen besser als My Teacher, Mr. Kim. Die wenigen doch etwas zu gewagten Witze stören nur bedingt, der nicht ganz glaubwürdige Wandel der Lehrerin vom Biest zum herzensguten Wesen auch nicht ganz. Ja selbst über den blassen männlichen Hauptdarsteller kann man hinwegsehen, da er den halben Film hindurch eh verschwindet und den Ladies Platz macht. Wer ein wenig grinsen will und doch ein paar Momente mit feuchten Augen nicht scheut, der ist hier blendend aufgehoben.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Yeoseonsaeng Vs. yeojeja;
Yosonsaeng VS Yojeja; 여선생 vs 여제자
Regie: Gyu-seong Jang

Komödie

Humor * * *

Spannung *

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L o v e ,   S o   D i v i n e   ~   S h i n b u   s u e o b

Reviewed 9.10.04

Südkorea 2004 Gyu-shik "Peter" Kim (Sang-woo Kwon) und sein Freund Sun-dal "Thomas" Shin (In-kwon Kim) sind Anwärter auf das Priesteramt. Nun geht ihre Ausbildung in die Endphase: Sie müssen für ein Jahr ein Praktikum bei einer Kirche auf dem Land absolvieren. Doch schon kurz nach der Ankunft findet Gyu-shik in der Kirche die betrunkene Bong-hie Yang (Ji-won Ha) vor und endet in einer ungünstigen Position. Nach der ersten Aufregung erfährt Gyu-shik, dass Bong-hie die Nichte von Pater Nam ist und gerade aus Amerika heimgekehrt ist. Sie zieht temporär in die Kirche, bis ihr Freund Jinho sie heiratet. Doch der trennt sich von ihr! Beim Versuch, sie zu trösten, entwickelt Gyu-shik unerwartet Gefühle für sie.
Es fehlt an jeglicher Innovation in "Love, So Divine", einer von Anfang an schematischen Liebeskomödie, deren Ende wohl nur jene nicht erahnen können, die 10 Jahre lang kein TV geguckt haben. Was den Film immerhin unterhaltsam macht, sind ein paar freche Gags, die sich natürlich meistens um den Sex-Mangel der Priester-Anwärter drehen. Auch das Aufeinandertreffen der katholischen Geistlichen und der sexy Teenie-Gören, die immer um die Kirche herum sitzen, sorgt für ein paar gelungene Momente. Doch "Love, So Divine" erreicht weder die Spritzigkeit des vergleichbaren "Keeping the Faith" noch erarbeitet er sich jeglichen Tiefgang bezüglich der Kirche, ihrer Rolle und dem Sinn- oder Unsinn des Zöllibats. Was "Love, So Divine" will, ist lediglich: unterhalten. Mission erfüllt. Aber eben ohne den Hauch von Frische. Fans der frechen Ji-won Ha (100 Days With Mr. Arrogant) kommen zum Zug, auch Sang-woo Kwon (Once Upon a Time in Highschool) kann sich von seiner besten Seite zeigen. 110 Minuten charmantes, belangloses, romantisches Kino. Mehr gibt es ja eigentlich nicht zu berichten.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Shinbu sueob; Love So Divine;
신부수업
Regie: In-mu Heo

Liebeskomödie

Humor * *

Spannung *

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M a r r y i n g   S c h o o l   G i r l   ~   Y o g o s a e n g   S i j i b b o n a e g i

Reviewed 22.2.05

Südkorea 2004 Mehrere Wahrsager erklären Mal-hee Kang, ihre Tochter Pyongang würde sterben, wenn sie nicht vor dem 16. Geburtstag einen Kerl namens Ondal heiraten und innerhalb eines Jahres schwanger werden würde. Sie sei nämlich vom Dämon der Prinzessin Pyongang besessen, die als Teenagerin den Prinzen Ondal geehelicht hat. Die Mutter schenkt diesem Gewäsch keinen Glauben. Doch als Pyongang (Eun-kyeong Lim, Resurrection of the Little Match Girl) auf ihren 16. Geburtstag zugeht, häufen sich die Fast-Unfälle und tödlichen Situationen. Rettung naht bereits: An der Schule kommt ein neuer Schüler in Pyongangs Klasse, der süsse Ondal Park (Sänger Ji-Won Eun). Umgehend macht sich Pyongang daran, sein Herz zu erobern.
"Marrying High School" bekam vom Rating-Board Koreas eine "ab 15"-Einstufung und erreichte damit das Zielpublikum nicht. Aber die Entscheidung ist durchaus verständlich, wenn im Zeitalter von ungewollten Teenie-Schwangerschaften ein Film die Heirat von Minderjährigen propagiert. Das Ganze fällt in den bereits öfters angesprochenen Trend im koreanischen Kino, Teenager zu sexualisieren. Das kann ja durchaus mal in guten Filmen resultieren (
My Little Bride) oder in Ramsch wie "Marrying School Girl". Die plumpe Klamotte ist einer langen Diskussion den auch kaum würdig.
Die Darsteller sind halbwegs überzeugend, ihr Comedy-Timing durchschittlich. Um das Publikum trotzdem abzuholen, streut Regiedebütant Deok-hwan Oh allerlei Fäkalgags ein. Es wird gefurzt und gekackt. Vor allem Letzteres, denn Pyongang darf zweimal einem Kerl den Schuh so weit ins Gesäss kicken, dass er danach ein kleines Schliessmuskelproblem hat. Ja, von dieser Art ist der Humor in "Marrying High School". Ein paar Lacher sind durchaus drin, doch generell bleibt alles reichlich dümmlich und langweilig. Vor allem aber voraussehbar.
In eine ähnliche Kerbe schlägt Pyongangs Kampftalent. Sie kickt und schlägt wie eine Martial-Arts-Weltmeisterin. Dies ist in ein bis zwei Szenen lustig, doch der Film repetiert es wieder und wieder bis auf der Letzte Pepp raus ist. Spätestens von der Mitte an hängt "Marrying School Girl" durch. Gelungene Momente haben fortan Seltenheitswert und jede noch so kleine Verbesserung fällt auf. So etwa eine witzige Montage als visueller Ersatz für eine Sexszene. Der Rest ist Slapstick der dümmlichen Art und den Kauf der DVD nicht wert.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 2.0. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel:
Yogosaeng Sijibbonaegi; Marrying High School; 여고생 시집가기
Regie: Deok-hwan Oh

Komödie

Humor * *

Spannung *

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M a t e o :   T h e   G r e a t   P i g   P i r a t e   ~   N a r e u n e u n   d o e i j i   -   h a e j e o k   M a t e o

Reviewed 14.8.05

Südkorea 2004 Um den Planeten Gopplegrain schweben etliche Felsformationen, die vor langer Zeit durch eine geheimnisvolle Erfindung abgehoben sind. Auf diesen Himmelskörpern leben allerlei Kreaturen. Im Dorf Oinka zum Beispiel Schweine. Vier davon sind Mateo, Lump, Iggy und Snout - vier junge Möchtegern-Piraten, die von Schätzen und Abenteuern träumen. Da fällt die Prinzessin Kotelett vom Himmel zu ihnen. Sie war auf der Flucht vor den Schergen des Piraten Wolfsbart, der ihr eine Schatzkarte abgenommen hat. Um die vier Jung-Piraten dazu zu animieren, ihr zu helfen, verspricht sie ihnen einen grossen Schatz. Sie ahnen nicht, dass sie dazu den grössten Piraten ausrauben müssen. Im letzten Moment fliehen sie vor Wolfsbarts Kanonen, doch der dicke Lump hat zuvor einen Abdruck der Schatzkarte auf seinem Hintern gemacht, als er drauf gesessen hat. Anhand der Karte suchen die vier mit Kotelett den Schatz. Doch Wolfsbart ist ihnen auf den Fersen.
Dass dieser Trickfilm für vier Millionen Dollar geschaffen wurde, verdient Respekt. Aber besser wird er deshalb auch nicht. Die äusserst steifen Bilder und Figuren aus dem Computer erwachen kaum richtig zum Leben, die Sprecher mit ihren verstellten Stimmen sind etwas ärgerlich und die Story ein wildes Gewusel aus "Star Wars", Hayao Miyazaki und Kindergartenfantasie. Ja, der Film richtet sich ausschliesslich an die ganz Kleinen. Kein Wunder, ist doch "Pokémon"-Autor Hideki Sonoda einer der Mitverantwortlichen dieses Trickfilm-Experiments.
Da es nur 83 Minuten lang und temporeich geschnitten ist, stellt sich selten Langeweile ein. Aber das ist bereits der grösste Vorteil des Films. Auch ein paar der Hintergründe und Landschaften sind hübsch anzusehen. Der Rest ist ebenso plump wie die Dialoge im Stile von "Piraten auf sechs Uhr!" - "Es ist doch erst zwei Uhr?" Auch die obligaten Furzgags und "lustigen Namen" haben ihre Auftritte. Soweit, so klischeehaft.
Aber das Ärgerlichste bleiben die rudimentär animierten Figuren. Der Schurke mit seinem starren Blick bleibt ein Pixel-Gebilde, die Ferkel entwickelt nur dank der rasanten Inszenierung so etwas wie Dynamik. Wobei diese Inszenierung manchmal auch weit übers Ziel hinaus schiesst: Kameraschwenks sind so schnell und billig per Knopfdruck programmiert, dass sie eher einem Videogame ähneln, als einer ausgeklügelten Kameratechnik. Es muss halt alles schnell gehen, lautet das Motto. Und in dieser Hatz gehen alle Nuancen, alle Freude an der Fantasie schnell einmal verloren. "Mateo" ist kein kompletter Reinfall, aber für das koreanische Animationskino kein besonders grosser Schritt nach vorne.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1 und DTS. mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel:
Mateo; The Great Pig Pirate Mateo; Flying Pig - Pirate Mateo; Flying Porky - Mateo the Pirate; Nareuneun doeiji - haejeok Mateo; Mateo, who would be Pirate; 날으는 돼지 - 해적 마테오
Regie: Geun-sik Song

Trickfilm

Humor * *

Action * *

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M o k p o ,   G a n g s t e r   P a r a d i s e   ~   M o k p o n e u n   h a n g g g u d a

Reviewed 26.5.04

Südkorea 2004 Detective Soo-cheol Lee (Jae-hyeon Jo, Bad Guy) aus Seoul gilt bei seinen Kollegen als Versager. Um sich endlich zu beweisen, bietet sich Lee bei der Staatsanwältin Cha-kyeong Lim (Seon-mi Song, Silver Knife) freiwillig für einen Undercover-Job an. Er soll sich in die Bande von Sung-ki Baek (In-Pyo Cha) einschleichen, die die Hafenstadt Mokpo, das "Gangsterparadies" des Landes, kontrolliert. Anfänglich blamiert sich Lee bei dem Versuch, doch schon bald klettert er die Karriereleieter nach oben und freundet sich mit Baek an ...
Regiedebütant Ji-hun Kim macht von Beginn weg einiges falsch: er verlässt sich zu sehr auf schlechte Witze, verzichtet auf Spannung und inszeniert lustlos. Besonders die Gags sind teilweise wirklich daneben. Ich erwähne etwa eine Szene, in der ein Klodeckel zu früh herunterfällt und alle flüssige Scheisse durch die Wohnung fliesst. Oder ein gemeinsames Pinkeln und anschliessendes ins-Gesicht-fassen. Wirklich daneben und einer Gangsterkomödie mit Format absolut unwürdig. Der Film wirkt relativ frisch und ich hatte immer das Gefühl, es könne noch etwas draus werden. Aber es passierte nie, etwa eine Stunde lang regiert eine unausgewogene Ballance aus Gangsterfilm und Gross-Out-Klamotte.
Dann, in der zweiten Stunde, wird "Mokpo" etwas besser. Wenn sich Regisseur Kim mehr auf den Gangster- und Loyalitäts-Aspekt konzentriert hätte, wäre der Streife besser geworden, das macht die zweite Hälfte ziemlich klar. Dann gibts ein paar interessante Szenen, die letztendlich "Mokpo" immerhin auf einer positiven Welle enden lassen. Der Gesamteindruck kann aber nur "enttäuschend" lauten, da der Humor so abgegriffen ist und die Story als Ganzes nicht nur altbacken ist, sondern auch sehr leer. Vielleicht hab ich ja einfach den Beat des Films nicht gespürt, denn er gewann u. a. den Jugendpreis beim Filmfestival von Hokkaido (Japan) und schaffte es mit fast zwei Millionen Zuschauern für längere Zeit in die Top 10 der koreanischen Kinocharts. Fakt bleibt aber: mich hat er enttäuscht, selten amüsiert und so gut wie nie beeindruckt. Letztendlich ist es wohl einfach ein 08/15-Film. Da hat Korea bedeutend Besseres zu bieten!

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Mokponeun hangguda; Mokpo the Harbor;
Mokpo-nun Hanguda; 목포는 항구다
Regie: Ji-hun Kim

Gangsterkomödie

Humor * *

Spannung *

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A   M o m e n t   t o   R e m e m b e r   ~   N a e   m e o r i s o k u i   j i w o o g a e

Reviewed 5.3.05

Südkorea 2004 Su-jin Kim (Ye-jin Son, The Classic) vergisst im Laden ihre Cola-Dose. Als sie zurückkehrt, hat ein Fremder die Dose in der Hand. Su-jin packt sie, trinkt sie leer - und merkt erst später, dass dies nicht ihre war. Viele Monate später erblickt sie den Fremden wieder: Er heisst Cheol-su Choi (Woo-sung Jung, Musa) und arbeitet als Handwerker auf der Baustelle ihres Vaters (Sang-gyu Park). Su-jin und Cheol-su kommen sich näher. Sie motiviert ihn, sich weiterzubilden, er baut ihr dafür ein Haus. Doch da Su-jin immer öfters Kleinigkeiten vergisst, sucht sie einen Arzt auf und bekommt eine erschütternde Diagnose: Sie leidet an einer speziellen Version von Alzheimer, die auch eine Frau wie sie heimsuchen kann, die erst 27 ist.
Die Ähnlichkeit des Titels zum Mandy-Moore-Film A Walk to Remember ist nicht unpassend, denn auch im koreanischen Gegenstück "A Moment to Remember" geht es darum, dass ein junger Mensch an einer niederschmetternden Krankheit erkrankt. Es ist nicht die selbe wie im Hollywood-Film, sondern ironischerweise eine, die besser zum Titel passt: Alzheimer. Diese vererbbare Version der heimtückischen Krankheit gibts, doch der Verdacht drängt sich trotzdem auf, dass Regisseur John H. Lee extrem kalkuliert vorgeht, wenn er zwei der schönsten und bekanntesten Jungstars Koreas mit diesem Schicksal konfrontiert. Ein Instant-Tränendrücker für die Handy-Generation ist geboren.
Doch allen Zweifeln zum Trotz ist "A Moment to Remember" ein bewegender, gut gemachter Film. Die 3½ Sterne suggerieren vielleicht einen fast zu guten Film. Ich gebe die Sterne nur knapp und habe weniger geweint, als beim Mandy-Film - doch Tränen sollen hier nicht Gradmesser für die Qualität sein. "A Moment to Remember" ist der reifere Film als das US-Gegenstück und verzichtet glücklicherweise auf religiöse Untertötene. Auch die Figur des Mannes an der Seite der leidenden Frau ist besser ausgearbeitet als in "A Walk to Remember".
Die beiden Akteure liefern überzeugende Arbeit, ihr Nähertasten am Anfang ist extrem reizvoll, ihre Liebe wirkt unverbraucht. Erst mit dem Auftauchen der Krankheit schleichen sich ein paar Klischees ein und aufs Ende hin lädt Lee ganz klar zuviel Kitsch auf den Plot. Natürlich weiss man als Zuschauer, dass jegliches Happy Ende nur eine Farce sein kann, da Alzheimer nicht heilbar und der Absturz programmiert ist - aber wieso denn das nicht zumindest nochmals klar machen? Aufs Ende hin verfällt Lee einem Kitsch-Schwall, der unerwartet jegliche Dramatik abdeckt, ja beinahe verdrängen will. Als würde Lee besagter Generation ein schwermütiges Ende nicht zutrauen.
Es gibt weitere Defizite, etwa die Länge oder die typische Klaviermusik (diesmal Chopin und Paganini), die in 95% aller koreanischen Melodramen zum Zug kommt. Aber das sind letztendlich Kleinigkeiten, denn "A Moment to Remember" bewegt. Spätestens wenn Cheol-su die Frage stellt "was bringt deine Liebe, wenn meine Erinnerung weg ist?" ist das emotionale Eis zum Zuschauer gebrochen und man zieht die Taschentücher näher. Denn Emotionen zu wecken ist das ursprüngliche Ziel des Films und da er es erreicht, kriegt er auch eine Empfehlung. Natürlich nur für jene, die auch auf diese Art von klebrigen, aber doch süssen und blendend gemachten Korea-Melodramen stehen.
PS: Der Kino-Cut ist mit 117 Minuten schon etwas zu lang. Deshalb habe ich mir den Director's Cut (144 Minuten), der ebenfalls in der DVD-Box drin ist, nicht angeschaut.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Nae meorisokui; The Eraser in My Head;
Nae Meori Sogui Jiugae; 내 머리 속의 지우개
Regie: John H. Lee

Liebes-
Melodrama

Humor * *

Spannung *

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M r .   G a m ' s   V i c t o r y   ~   S u p e r s t a r   G a m   S a - Y o n g

Reviewed 2.1.05

Südkorea 2004 Sa-yong Gam (Beom-su Lee, Au Revoir, Ufo!) lebt mit seiner Mutter und seinen faulen Geschwistern in einfachen Verhältnissen. Er träumt davon, Baseball-Profi zu werden. Als sich die Chance bietet, an einem Pitching-Test teilzunehmen, nutzt er sie. Tatsächlich wird er vom firmeneigenen Team "Sammi Superstars" anegeheuert. Das Team ist zwar das schlechteste der ganzen Liga und liefert fast 20 Misserfolge ab, aber Gam ist stolz, spielen zu können. Nicht ganz so glücklich ist er darüber, immer nur kurz vor Ende eingesetzt zu werden. So kann er nie zeigen, dass er so gut ist wie der Spitzen-Pitcher Cheol-su Park (Yu Kong, Spy Girl) der "Bears". Doch bei Parks gross angekündigten möglichen 20. Siegesspiel bekommt Gam von seinem Trainer die Chance. Die Mutter fiebert mit, der Bruder und die Freundin Eun-a Park (Jin-seo Yun). Und tatsächlich: Gam pitcht wie ein Gott.
Sportmelodramen haben immer etwas Formelhaftes - ob der Held am Schluss verliert oder siegreich bleibt. "Mr. Gam's Vicotry" macht da keine Ausnahme. Der Film, der auf dem realen Pitcher Sa-yong Gam basiert, der 1982 im noch jungen koreanischen Baseballsport Fuss fasste, hat sie alle, diese berühmten Sport-Momente: Die Zeitlupen-Einstellung vom wichtigen Wurf, die bangende Menge, der schöne Moment, wenn das Stadion erstmals den Namen ruft, die Kommentatoren, die erstaunt sind über das Talent des Neulings und die Kamera, die episch um den Helden herumkreist. Dazu noch ein weiteres Dutzend Sportfilm-Klischees wie Ausbildungs- und Liebesmontagen.
Der Streifen von Regiedebütant Jong-hyeon Kim ist deshalb sicher nicht der Inbegriff der Innovation. Aber es ist ein solides Filmchen. Zum einen ist die Hauptfigur einfach liebenswert. Zum anderen sind diese Sportfilm-Konventionen so verbreitet weil sie ja gut funktionieren. Man bangt also durchaus mit Gam mit. Zwei Stunden Kurzweile ergeben sich durch die solide Mischung aus Humor, Sport-Spannung, Drama und Romantik - wobei Letzteres sicherlich der Schwachpunkt des Films ist: Die Liebe zwischen Gam und Eun-a bleibt oberflächlich und dient der Charakterisierung von Gam ebenso wenig wie der Dramaturgie. Aber es ist nichts, was den Gesamteindruck völlig sabotieren würde.
Zum Schluss bekommt "Mr. Gam's Vicotry" (DVD-Untertitel) aka. "Superstar Gam Sa Yong" (DVD-Cover) auch noch eine Dosis Gefühl. Die bewegendste Geste im ganzen Werk ist Park Cheol-sus Reaktion. Ein kurzer, kleiner Moment, aber der, der in mir am ehesten eine Gefühlsregung provoziert hat. Und einer, der sich vom Routine-Rest abhebt. Böses über "Mr. Gam's Victory" zu sagen, würde mir weh tun, weil er das Herz einfach auf dem rechten Fleck hat. Aber es ist sicher kein Meisterwerk ...

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1 und DTS mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Superstar Gam Sa-yong; Superstar Gam Sa Yong;
슈퍼스타 감사용
Regie: Jong-hyeon Kim

Sportmelodrama

Humor *

Spannung * *

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M r .   H a n d y   ~   H o n g   B a n - j a n g

Reviewed 28.5.04

Südkorea 2004 Wegen einer dummen Angelegenheit hat die 30-jährige Hae-Jin Yun (Jeong-hwa Eom) ihren Job als Ärztin in einem Spital von Seoul verloren. In der Provinzstadt, in der ihr Grossvater lebt, will sie deshalb als Zahnärztin selbstständig werden. Dazu braucht sie erst einmal eine Praxis. Die besorgt ihr der allseits beliebte Du-shik Hong (Ju-seok Kim). Hong malt auch die Wände und besorgt die Einrichtung. Der Waise, der ein Jahr älter ist als Hae-Jin, ist der Mann für alles im Ort. Die hochnäsige Hae-Jin fühlt sich durch ihn etwas belästigt, doch schon bald ist sie auf seine Hilfe angewiesen. Er sorgt für Kunden, er holt sie aus dem Knast, er macht sie in der Stadt bekannt. Ganz langsam kommen Gefühle ins Spiel ...
"Mr. Handy" ist eine herzensgute Liebeskomödie für ältere Generationen, gemächlich, charmant und doch ganz leicht schräg. Der gigantisch lange Originaltitel
"Eodiseonga nugungae museunili saengkimyeon teulrimeobshi natananda Hong Ban-jang" bezieht sich auf das Titellied eines 70's-Cartoons, doch mit Cartoons hat "Mr. Handy" ansonsten wenig zu tun. Es sind vielmehr reale Personen in halbwegs realen Situationen. Nur ganz selten durchbricht Regisseur Seok-beom Kang den Alltagshumor für ein paar "filmischere" Momente - massgeblich jene, in denen er auf bekannte Filme anspielt: Ring, Shiri und Double Agent. Sogar George Bush (senior) hat einen Gastauftritt.
Der Rest ist 08/15, das ist in diesem Fall nicht unbedingt negativ zu werten. Die Akteure (Debütant Ju-seok Kim und die süsse Singles-Frau Jeong-hwa Eom) haben nämlich eine ganz reizende und ungemein natürliche Chemie miteinander - was die eigentlich gewöhnliche Fast-Liebesgeschichte glaubwürdig macht. "Fast", weil die beiden ja eigentlich bloss Freunde bleiben und ihre Annäherungsversuche entweder abgeblockt oder unterdrückt werden. Zum Schluss fragt man sich, was denn nun das Ganze eigentlich sollte und in der Tat ist es letztendlich bloss ein kurzer Ausschnitt aus dem Leben zweier Personen - aber man verbringt gerne Zeit mit ihnen. Das zählt. Nicht der Mangel an Tiefgang oder der Umstand, dass man den Film schnell vergisst. Es ist ein Werk für den Moment, für diese warme, flüchtige Gefühl in der Magengegend. Ein reifer, unspektakulärer Streifen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1 und DTS. mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel:
Eodiseonga nugungae museunili saengkimyeon teulrimeobshi natananda Hong Ban-jang; Hong Ban-jang; Mr. Hong
Regie: Seok-beom Kang

Liebeskomödie

Humor * *

Spannung *

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M y   B r o t h e r   ~   U r i   h y e o n g

Reviewed 26.1.05

Südkorea 2004 Eine Geldeintreiberin (Hae-suk Kim) in Busan hat zwei Söhne. Der jüngere kommt mit einer Hasenscharte zur Welt, weshalb das Geld der Familie für Operationen draufgeht. Viele Jahre später ist der ältere Sohn, Jong-hyun Kim (Bin Won), der "König" der Dongsung Highschool. Wenn seine Fäuste sprechen, hören die Schüler zu. Sein jüngerer Bruder Sung-hyun (Ha-kyun Shin) ist dagegen der schwächliche Aussenseiter. Die Liebe der Mutter hat er auf seiner Seite, auch, weil er grossartige Noten nach Hause bringt und Mutter für ihn eine grosse Arztkarriere vorsieht. Jong-hyun glaubt sich immer wie mehr übergangen. Deshalb macht es ihm auch nichts aus, die hübsche Mi-ryeong Cho (Bo-young Lee) aus dem Literatur-Club anzubaggern - und dies mit Gedichten, die der ebenfalls in sie verliebte Sung-hyun geschrieben hat!
Der Titel ist Programm und Warnung zugleich. "Mein Bruder" - das hört sich nach einem sentimentalen Drama à la Friend an und genau das ist es auch. Prinzipiell ist dagegen ja nichts einzuwenden. Der Film beginnt wie es so oft in diesem Genre der Fall ist: mit geschmeidiger Klaviermusik, die eine nostalgische Rahmenhandlung inklusive Voice Over begleitet. Danach gehts in den eigentlichen Plot. Der ist insofern voraussehbar, dass die beiden ungleichen Brüder irgendwann Streit haben werden und sich irgendwann in die Arme fallen. Was wie wo wann geschieht, baut der Film aber reizvoll auf.
Der schweigsame Sung-hyun wird von Ha-kyun Shin (Save the Green Planet) dezent und rührend gespielt. Sein Co-Star Bin Won (Taegukgi) wird sich sicher in die Herzen weiterer Mädchen torpedieren. Doch der 28-jährige Teenieschwarm ist mehr als nur der "Coolest Korean Boy" (Elle Magazine), er lässt hinter dem Macho-Gehabe auch Herz und Neurosen erahnen. Er hat eine der verstörendsten Szenen des Films auf seiner Seite, als er den bereits am Boden liegenden behinderten Du-Sik kickt und prügelt. In dieser Sequenz steigert er sich in Rage und es tut einfach nur weh für alle Beteiligten. Es gibt noch ein paar weitere sehr gelungene Momente und ein berührendes, schön fatalistisch aufgebautes Finale. Leider lässt Regisseur Kwon-tae Ahn danach den Film mit mehreren Voice-Over-Enden und Fade-to-Black-Ausblendungen ausklingen. Dadurch wird der Film nochmals zünftig melodramatisch.
Dieser Aspekt wird so manchen Zuschauer abschrecken. Mir ist das eher egal. "My Brother" ist schliesslich eine Ode an die Brüderlichkeit, an die Ungleichheit und die Familie an sich. Da ist derartige Sentimentalität, gemischt mit Nostalgie, durchaus erlaubt, wenngleich der Tonfall manchmal zu rapide zwischen Gangstergewalt (muss das in jeden Korea-Film?), Romanze, Schulproblemen und Familienkrach wechselt. Mich störte eher die verkappte Moral im Film. Vor allem eine seltsam uninspirierte Aussage von Jong-hyun, wonach er sich "bessern" würde. Der Film wird unnötig wertend und zwingt Jong-hyun gegen Schluss einen Lebenswandel eher auf, anstatt ihn natürlich rüberzubringen und dem Publikum nicht alles regelrecht aufzubinden. "My Brother" ist aber eben reichlich manipulativ - und dies in allen Belangen. Er ist schön, ich hatte jedenfalls feuchte Augen. Zudem ist er ist gut gespielt und inszeniert. Aber wer diese klebrigen Korea-Dramen nicht mag, sollte den hier lieber überspringen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Uri hyeong;
우리 형
Regie: Kwon-tae Ahn

Melodrama

Spannung * *

Action *

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M y   G e n e r a t i o n

Reviewed 16.4.04

Südkorea 2004 Byeong-seok Kim (Byeong-seok Kim) will Filmemacher werden und kauft sich vom letzten Geld eine teure Kamera. Seine Freundin Jae-kyeong Yu (Jae-kyeong Yu) ist darüber nicht gerade glücklich. Die finanzielle Situation des Paares spitzt sich zu, als Jae-kyeong ihren Job bei einem Kredihai verliert - weil sie immer zu "depressiv" aussehe. Ganz dick kommt es, als Byeong-seoks Bruder Hyung-seok (Seong-jin Choi) einen Kredit in Byeong-seoks Namen aufnimmt.
"My Generation" ist sicherlich ein gut gemeinter Film, der durch sein Mini-Budget noch etwas an Sympathie gewinnt. Aber für mich als Zuschauer war er trotzdem ein frustrierendes Erlebnis. Um es etwas technisch auszudrücken: Ich mag "werden"-Filme besser als "ist"-Filme. Werke also, in denen ein Erzählbogen existiert, ein Wandel stattfindet - irgendwas geschieht. Es gibt sehr wohl auch gute Filme, die einen "ist"-Zustand beschreiben, doch im Normalfall gefallen sie mir weniger gut. Ist wohl eine Geschmacksache. Und für mich gehört "My Generation" ganz eindeutig zur "ist"-Gruppe. Das ist kein filmtechnisch korrekter Ausdruck, aber mein Empfinden. Die Charaktere verharren den Film hindurch in derselben Stimmung, die erst noch kaum refkeltiert oder erklärt wird. Kinodebütant Dong-seok No filmt einfach den Alltag und die Personen ab. Das ist schlicht nicht mein Ding.
Anderen gefällts. So hat "My Generation" in Rotterdam den
FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritikervereinigung abgeräumt. Das ist bezeichnend, denn FIPRESCI-Preise werden an etlichen Festivals vergeben und meistens handelt es sich beim Gewinner um den schlechtesten Film im Wettbewerb. Brown Bunny gewann einen in Venedig, das sollte zu denken geben. "My Generation" ist nicht so prätentiös wie Brown Bunny, macht aber einige der gleichen Fehler mit scheinbar amateurhaftem Look und melancholischer Beschreibung des "ist"-Zustands.
Doch es steckt ein wenig was drin in dem Film. Der Umgang der Leute mit Geld ist lebensnah, ihre alltäglichen Sorgen um das Geld greifbar. Tatsächlich geht es vielen Menschen so, dass sie nicht verarmt sind, aber am Existenzminimum leben und jeden Tag die Geldsituation neu überdenken müssen. Geld macht bekanntlich nicht glücklich - aber es nimmt einem manche Sorge. Die Menschen in "My Generation" haben Sorgen weil sie kein Geld haben. Das ist greifbar, das ist berührend - doch dieses Thema hätte einen besseren Film verdient.
"My Generation" liefert kaum Neues, kaum Innovatives, Interessantes. Er pläschert auf Amateurniveau zum offenenen Ende hin, ohne das eine der Figuren irgendwan greifbar würde. Ihre wortarme, melancholische Existenz ist derart drehbuchgesteuert, dass keine echten Gefühle aufkommen können. Das ist ironisch, da "My Generation" sich durch seinen Billig-Stil so "echt" vorkommt. Ist er nicht. Er wirkt wie ein Studentenfilmchen, das bestenfalls die Kritiker der FIPRESCI-Jury begeistern kann.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 2.0 und 5.1. mit englischen Untertiteln. Vollbild
Alternative Titel: Spying Cam;
Frakchi; 마이제너레이션
Regie: Dong-seok No

Drama

Anspruch * *

Spannung *

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M y   L i t t l e   B r i d e   ~   E o r i n   s h i n b u

Reviewed 22.6.04

Südkorea 2004 Sang-min Park (Rae-won Kim) kommt nach langem Englischstudium nach Korea zurück. Zu Hause zitiert ihn seine Familie zu sich. Er soll heiraten! Und zwar nicht irgendwen, sondern seine Jugendfreundin Bo-eun Seo (Geun-yeong Mun). Deren Grossvater (In-mun Kim) liegt nämlich scheinbar im Sterben und will nun die Abmachung erfüllen, die er mit seinem Kriegskumpel, Sang-mins verstorbenem Grossvater, einst getroffen hat - nämlich ihre beiden Familien zu verbinden. Der Gedanken an eine Heirat ist schrecklich für den Weiberhelden Sang-min. Besonders, weil Bo-eun erst 15 Jahre alt ist! Da beide Eltern einverstanden sind, kann die Ehe legal geschlossen werden. Doch nun türmen sich die Probleme. Gemeinsam ins Bett geht das frisch getraute Paar nicht, die Hochzeitsreise verbringen sie getrennt und an der Schule muss Bo-eun die Ehe als Geheimnis hüten. Das wird schwierig, als Sang-min als Aushilfslehrer ihre Klasse übernimmt ...
Ich schäme mich ja ein bisschen, dass ich diesen Film so gut finde. Aber was soll ich machen: das Zwerchfell siegt. Und wenn es so oft zu jucken beginnt, kriegt ein Film bereits eine gute Ausgangslage. Die Bewertung ist schwierig, denn "My Little Bride" würde ich in dem Grenzbereich zwischen 3 und 3½ ansiedeln, in dem andere jüngere Korea-Komödien wie 100 Days With Mr. Arrogant, Please Teach Me English oder My Tutor Friend anzusiedeln sind. Die Unterschiede zwischen diesen Filmen sind demenstrpechend marginal, das halbe Sternchen kommt wohl auf die Stimmung an. Und nach "My Little Bride" war meine Laune gut. Na also.
Doch ich bin nicht alleine: in Korea sahen über 3 Millionen Zuschauer den Film, was ihn ganz nach vorne in den Top 10 katapultierte. Er ist ja auch herzlich witzig. Doch bevor ich dazu komme, muss ich halt doch die brennende Frage thematisieren: ist der Plot nicht grauenhaft pädophil? Ich weiss es ehrlich gesagt nicht. Natürlich scheint die Idee, eine 15-Jährige mit einem Erwachsenen zu verheiraten, aus einem pädophilen Hirn zu stammen und es gibt tatsächlich ein paar Szenen, die zu suggestiv sind - doch ansonsten umschifft Regisseur Ho-joon Kim die gefährlichen Klippen. Sex gibts auch nach der Ehe keinen auch wenn stets mit der Vorstellung gespielt wird. So unschuldig "My Little Bride" das Thema auch anpackt, es wird der Sexualisierung von Schulmädchen noch weiter Vorschub leisten. Was diesbezüglich in Korea abgeht, hat längst die japanischen Verhältnisse eingeholt. Doch es ist ein Geben und Nehmen: die Schulmädchen sind so forsch und zielstrebig darauf aus, Mr. Cute zu finden, dass "My Little Bride" schon fast das Alltagsgefühl bzw. die Tagträume einiger Schulmädchen trifft. Ist der Film nun also pädophiles Lustgebilde oder Schulmädchentraum? Die Gratwanderung ist heikel - doch in meinen Augen ist "My Little Bride" so witzig, süss und "kinky", dass man ihn nicht verurteilen muss.
Verdienst daran tragen auch die Akteure. Der 23-jährige Rae-won Kim (...ing) ist ein TV-Liebling und die Girls sind hin und weg von ihm - ein Fingerzeig, dass der Film wohl doch eher Teenie-Traum sein will. Er macht seinen Part charmant und ungezwungen. Die während dem Filmdreh tatsächlich erst 16-jährige Geun-yeong Mun (A Tale of Two Sisters) ist ebenso überzeugend und für ihr Alter reif, obwohl sie ihre kindliche Unschuld nie verliert. Sie meistert die Gratwanderung, die den ganzen Film auszeichnet, so blendend. Dabei helfen auch ihre Flirts mit dem gleichaltrigen Schulschatz Jung-woo, der jenseits eines abschreckenden Altersunterschieds spielt. Und dann ist da noch Sun-yeong Ahn als verzweifelte Lehrerin Kim. Ihre Versuche, Sang-min zu verführen, sind köstlich.
Das Fazit? "My Little Bride" ist auf den ersten Blick bedenklich und treibt die Sexualisierung der Jugend noch weiter als 100 Days With Mr. Arrogant. Doch wenn man ehrlich ist, hat die Realität dieses Szenario längst eingeholt. Und was zerbricht man sich über solch moralische Fragen den Kopf, wenn der Film so witzig ist? Man kann "My Little Bride" anschauen, um die koreanische Gesellschaft zu studieren. Oder einfach grauenhaft Spass haben. Ich tat Letzteres. Und eben: etwas schämen tut man sich dafür ja schon.

Hier auf DVD erhältlich
Hier auf DVD erhältlich (US)
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Eorin shinbu; Young Bride;
어린신부
Regie: Ho-joon Kim

Liebeskomödie

Humor * * * *

Spannung *

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M y   M o t h e r ,   t h e   M e r m a i d   ~   I n e o   g o n g j u

Reviewed 30.9.04

Südkorea 2004 Die junge Na-young Kim (Do-yeon Jeon) arbeitet in einer Poststelle. Zuhause hat sie ständig Zoff: Ihre übellaunige Mutter Yeon-soon (Du-shim Ko), die als Rückenschrubberin und Masseuse arbeitet, feindet die Tochter genauso an wie ihren stillen Ehemann Jon-kook (Bong-gun Kim) und flucht ununterbrochen. Na-young hat genug davon und will die Chance nutzen, nach Neuseeland zu verreisen. Doch just an dem Tag der Abreise wird ihr Vater vermisst. Na-young bleibt - und landet im Inseldorf Ha, in dem ihre Eltern aufgewachsen sind. Sie geht in ein Haus und trifft auf ihre Mutter, wie sie noch jung ist! Die junge Yeon-soon Jo (Do-yeon Jeon) kann weder lesen noch schreiben und freut sich über den "Besuch". Sie hat sich zudem in den jungen Postboten verliebt, der sich anbietet, ihr Unterricht zu erteilen - es ist Jin-kook (Hae-il Park).
In seiner Heimat bekam "My Mother, the Mermaid" sehr wohlwollende Kritiken. Der Film hat ja auch ein recht grosses Herz und bietet sich für nostalgische Exkurse an. Doch ist er wirklich so gut? Ich behaupte nein. Die Idee, eine Fantasy-Ausgangslage zu nehmen, aber diese unkommentiert zu lassen, empfinde ich ja noch als reizvoll. Na-young reist auf die Insel, steht plötzlich vor einer jungen Frau, sagt "Mutter?" und damit ist der Zeitsprung vollzogen. Ohne was-wieso-wann, einfach die Zuschauer vor vollende Tatsachen stellen. Das ist mutig und schlau.
Doch was macht Regisseur Heung-Sik Park daraus? Ich habe gehofft, er zeige uns die junge Yeon-soon und erklärt später, was passiert ist, das sie zum Ekelpaket gemacht hat. Nichts da. Wir sehen nur, dass auch Yeon-soon mal lieben konnte. Zugegeben, die Flirts sind sehr sympatisch, hübsch gefilmt und subtil gemacht, doch wozu? Es gibt im Film eigentlich keinen dramaturgischen Bogen, vielmehr werden wir Zeugen von zwei Zuständen: Dem Jetzt und dem Früher. Der bösen Mutter und der netten Mutter. Das eigentlich Spannende (wie das Leben einen Menschen komplett verändert) wird ausgelassen. Nun haben Kritiker argumentiert, das mache den Film ungewöhnlich und gut. Ich stimme mit der ersten Aussage überein, nicht jedoch mit der zweiten: Traditionelle Kausalitätsketten und Dramaturgien einfach ausser Acht zu lassen, kann reizvoll sein, doch bloss, wenn es einem Zweck dient. Das ist hier eben leider nicht der Fall. Der Zuschauer nimmt bloss eine beobachtende Funktion ein.
Für sich gesehen sind die Sequenzen in der Vergangenheit die besseren. Sie sind erfrischend, die Akteure (vor allem Do-yeon Jeon in ihrer Doppelrolle) sind bezaubernd. Die Passagen in der Gegenwart sind weniger gelungen. Man wundert sich zwar über Papa Kims schwachen Lebenswillen und würde gerne mehr darüber wissen - aber eben, da beginnt dann bereits der Frust: Auch dieser Teil der Geschichte gehört zum ausgeblendeten Material. Dann gibts zum Schluss noch eine kurze Szene in der Zukunft, aus der leider auch viel zu wenig gemacht wird.
"My Mother, the Mermaid" hat poetische Momente, reizende Elemente und ein angenehm nostalgisches Grundgefühl - doch er enttäuscht auf erzähltechnischer Ebene. Ein Film, der ein elaboriertes Konstrukt aufbaut, ohne darus Nutzen zu ziehen. Wer ein generationsübergreifendes Familiendrama dieser Art sucht, sollte lieber zu Zhang Yimous The Road Home greifen. Der ist auch melancholisch und nostalgisch, macht aber eben dramaturgisch auch Sinn.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: My Mother Is a Mermaid; Ineo gongju; My Mother the Mermaid - Little Mermaid;
Ino Kongju; 인어공
Regie: Heung-Sik Park

Drama

Humor * *

Spannung *

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N o n e   o f   Y o u r   C h e e k   ~   K a b u l k i m a

Reviewed 13.2.05

Südkorea 2004 Ein Gangsterboss übergibt die Leitung seines Clans an Buykdol (Bul-am Choi) und Gaedduk (Ji-Myeong Oh), zwei ältere Kerle in seiner Organisation. Als die beiden untereinander ausprügeln wollen, wer die Leitung bekommt, verpfeift sie ihr Freund Dongpol Jo an die Bullen. Die beiden Alten kommen mit Hilfe ihres Freundes Sambok (Ju-Hyeon No) bald frei und wollen Rache an Jo nehmen. Doch der wird eingebuchtet. Nun bereut er alles und übergibt sein Vermögen an das alte Trio. Dafür müssen sie ihm versprechen, seine Tochter zu beschützen: Eunji Jo ist Teenie-Sängerin und will mit ihrem Vater nichts zu tun haben. Die drei alten Gangster beschützen sie trotzdem. In Buykdol, dessen Tochter sich nach Amerika abgesetzt hat, erwachen sogar Vatergefühle.
Ach, schon wieder eine Gangsterkomödie aus Korea. Besonders hoch waren meine Erwartungen ja nicht. Und diese Einstellung hat sich leider bestätigt. Regisseur, Autor und Hauptdarsteller
Ji-Myeong Oh ist zwar eine Comedy-Legende in seiner Heimat, doch seine Geschichte hier ist reichlich abgenutzt, die Inszenierung bieder und das komödiantische Potenzial doch eher bescheiden. Am besten kommt Ohs Co-Star Bul-am Choi weg, der mit seiner Darbietung immerhin ein paar Emotionen weckt. Ansonsten ist der Film so blass wie Eun-jis Poplieder. Oder Eun-jis Lover.
Die witzigsten Szenen sind die, in der Gaedduk seinen Ronaldo-Haarschnitt bekommt oder die, in der die alten Kerle zum ersten Mal eine Horde junger Typen verprügeln. Letzteres wiederholt sich so oft, dass es nicht mehr lustig ist. Der ganze Film verliert sowieso schnell an Schwung und verkommt zur Alibi-Übung, bevor das Finale nochmals ein bisschen anregt. Sicher nichts, was man gesehen haben muss.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. und 2.0 mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Shut Up!;
Don't Challenge Me; Kabulkima; 까불지마
Regie: Ji-Myeong Oh

Komödie

Humor * *

Spannung *

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P o s s i b l e   C h a n g e s   ~   G a n e u n g h a n   b y e o n h w a d e u l

Reviewed 6.6.05

Südkorea 2004 Moon-ho (Chan Jung, Road Movie) und Jong-kyu (Yu-seok Kim) sind Mitte Dreissig und beste Freunde seit Kindertagen. Beide sind verheiratet und frustriert vom Leben. Was sie antreibt ist nur der Sex. Sie machen Frauen bei jeder Gelegenheit an - im Bus, im Restaurant. Moon-ho lässt sich auf ein Blind Date mit der schönen Yoon-jung Lee (Ji-hye Yun, Spring Bears Love) ein, die bald nach Amerika ziehen will. Und der körperlich leicht angeschlagene Jong-kyu sucht seine Jugendliebe Soo-hyun (So-mi Shin) auf, die aber mittlerweile mit einem angesehenen Anwalt verheiratet ist.
Schon wieder ein koreanisches Drama, das sich durch relativ explizite Erotikszenen mehr Aufmerksamkeit erhofft. Die drei gewagten Sequenzen, von denen eine ein flotter Dreier ist, sind gut in die Ereignisse eingebunden - doch wirklich nötig sind sie trotzdem nicht. Da nur in diesen paar Sekunden überhaupt beim Zuschauer etwas ausgelöst wird, machen sie sogar umso deutlicher, wie öde der ganze Rest ist. Regiedebütant Byeong-guk Min erzählt seine Geschichte nicht ohne leisen Humor und vage Gesellschaftskritik, aber letztendlich zelebriert er die Verlorenheit des koreanischen Mittelkassemannes auf prätentiöse, weil nichtssagende Art und Weise.
Der Schluss gibt überhaupt nichts her und entlässt die Zuschauer mit einem verschieden deutbaren, aber völlig aufgesetzten Ende. Selbst der Regisseur soll bei der Pressekonferenz gesagt haben, er wisse nicht, was das Ende bedeuten soll. Na toll. Ein Film dieser Art braucht halt ein wenig Mysterium - doch verdient hat er es sich nicht. Es gibt ein paar gute Aspekte an "Possible Changes". Ganz besonders die enorme Lockerheit der Akteure, die die Sexszenen mit einer alltäglichen und trotzdem aufgeheizten Nonchalance absolvieren. Sex ist für die beiden Protagonisten scheinbar das einzige, was noch erstrebenswert ist. Die zwei attraktiven Frauen hängen ihn weniger an die grosse Glocke. Yoon-jung nimmt ihn sich "so zwischendurch" und Soo-hyun realisiert schnell, dass diese Art von Beziehung keinerlei Zukunft hat. Die Frauen sind entsprechend vernünftiger.
Die beiden triebgesteuerten Kerle dagegen tun alles, um beim Publikum unsympathisch zu werden. Besonders seltsam ist ein Gewaltsausbruch beim Dreier. Oder bei einer Sexszene der Dialog im Stile von "Komm nicht in mir, ich werde leicht schwanger" - "Ja, werd schwanger! Werd schwanger!" Das hört sich skurriler an, als es tatsächlich ist, denn Min tut wenig, um das Ganze in einen Kontext zu stellen. Wir werden eigentlich bloss Zeugen des langweiligen Lebens der zwei Kerle, in denen Sex den kurzen Höhepunkt darstellt. Doch leidet man mit? Kaum. Sie haben eigentlich weder eine besonders schwere Situation, noch eine irgendwie dramatische. Diese völlige Lustlosigkeit (abgesehen vom Sex) macht sie weniger zu Figuren, mit denen man irgendwelche Emotionen teilen kann, als leere Hülsen für eine fadenscheinige Gesellschaftskritik.
Und eben: Der Sex ist bloss dazu da, um das Ganze aufzupeppen. Koreanische Regisseure wurden in diesem Bereich in den letzten Jahren mutiger und nun wird dies nicht nur als "revolutionär" verkauft, sondern auch als gewagt, kontrovers und ungeschönigt. Gut, es gibt drei in ihrer Direktheit "ungeschönigte" Sexszenen. Aber machen die den Film in irgendeiner Form spannender? Besser? Tiefgründiger? Kaum. "Possible Changes" hat vielleicht tatsächlich was zu sagen. Doch nach ein paar Minuten ist es längst gesagt. Danach kann man schlafen gehen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1 und 2.0 mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Possible Change; Ganeunghan byeonhwadeul;
가능한 변화들
Regie: Byeong-guk Min

Drama

Humor *

Erotik * * *

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T h e   P r e s i d e n t ' s   B a r b e r   ~   H y o j a d o n g   i b a l s a

Reviewed 5.8.04

Südkorea 2004 1960: Der Friseur des Hyoja-Quartiers in Seoul, Han-mo Seong (Kang-ho Song, Memories of Murder), überredet seine schwangere Frau Min-ja Kim (So-ri Moon, Oasis), das Kind nicht abzutreiben. Es sei nach dem neuen Gesetz nicht legal, nach dem fünften Monat abzutreiben. Aus diesem Grund kriegt der Sohn den Übernamen "Five plus". Richtig heisst er Nak-han und hat eine turbulente Kindheit. Er bekommt nicht mit, wie der erste Präsident Südkoreas, Syng-man Rhee, nach einem Wahlskandal zurücktreten muss und wie das Militär am 16. Mai 1961 putscht. Doch Nak-han wird als Kind (Jae-eung Lee) Zeuge, wie der neue Präsident (Yeong-jin Jo) seinen Vater ins "Blaue Haus", den Regierungssitz, einlädt. Han-mo wird offzieller Friseur des Staatschefs und wird im Quartier fortan hoch geachtet. Doch auch er ist nicht vor der Willkür des Staates geschützt: Nak-hab wird eines Tages der Spionage verdächtigt und verhaftet. Obwohl er noch ein Kind ist, foltern ihn die Agenten. Han-mo wendet sich erfolglos an den präsidialen Sicherheitschef Hyeok-su Jang (Byung-ho Son). Wird er seinen Sohn je wieder sehen?
"The President's Barber" ist Südkoreas Antwort auf "Forrest Gump". Wie im berühmten amerikanischen Vorbild wird scheinbar naiv ein Stück Geschichte aufgerollt und dabei ebenso amüsant wie dramatisch kommentiert. Sogar den Spezialeffekt aus "Forrest Gump", den Hauptdarsteller in vermeintlichen Archivaufnahmen neben bekannten Persönlichkeiten zu zeigen (hier: Richard Nixon), kommt vor. Der Film von Regiedebütant Chan-sang Lim nimmt sich viele historische Freiheiten und die Präsidenten in der Story sind wohl etwas zu nett geraten - doch vor den Greueltaten schreckt "The President's Barber" dennoch nicht zurück.
Der erste Präsident Südkoreas,
Syng-man Rhee (1875-1965), wird nur kurz angesprochen. Ein Hauptteil der Story dreht sich um Chung-hee Park, der von 1963 bis 1979 regierte. Diese Ära gilt als "Opression Years", denn der demokratisch gewählte Park verwandelte das Land immer mehr in einen autoritär geführten Polizeistaat. Er war bekannt für seine ausländerfeindliche Haltung und brachte Korea voran, weil er keine Rücksicht auf andere nahm. Obwohl die Zeit politisch und freiheitlich als düsteres Kapitel in die Geschichte einging, war es Park, der die Wirtschaft auf Trab brachte und Südkorea zur Industrienation machte. Diesen Yin-Yang-Ansatz vom bösen Präsidenten, der auch Gutes tat nimmt der Film auf. Park wird als umgänglicher Mann gezeigt - doch seine Aktionen sind oft brutal.
Bestes Beispiel ist eine McCarthy-ähnliche Situation Mitte der 60er-Jahre, die teilweise von der Realität inspiriert ist: Nordkoreanische Agenten, so behauptete die Regierung, seien ins Land eingedrungen. Sie seien mit dem "Marxus"-Durchfall-Virus infiziert gewesen. Jeder, der in der Folge mit Durchfall erwischt wurde, war damit als jemand gebrandmarkt, der mit den Nordkoreanern Kontakt hatte. Diese vermeintlichen Kollaborateure wurden gefoltert, mussten die Namen anderer "Dünnscheisser" angeben - und wurden letztendlich exekutiert.
Doch "The President's Barber" schildert nicht nur solche schockierenden Momente in Koreas Geschichte. Gefiltert durch den kindlichen Nak-han lernen wir auch eine einfache Familie kennen, die versucht, sich staatstreu durchs Leben zu bringen. Wir beginnen deren Oberhaupt zu lieben, das jahrelang den Präsidenten verwöhnt und ehrt, auch wenn es seine schwärzesten Taten kennt. Wir sehen aber auch humoristische Szenen die ins Tragische kippen: Nak-han wird mit Elektroschocks gefoltert und spürt dabei nichts, weshalb der Folterer ihm Glühbirnen in den Mund steckt und sich amüsiert. Ganz naiv sagt er Bub, andere hätten im Gegensatz zu ihm sehr wohl gelitten bei der Folter. Und selbst für ihn bleibt die Folter letztendlich eben doch nicht ohne Folgen.
Auf derart lockere und nostalgische Art erzeugt "The President's Barber" einen atmosphärischen Ereignis-Teppich, der Fakten und Fiktion, Humor und Tragik, Satire und Verkitschung verbindet - zu einem sehr unterhaltsamen, liebevollen Film. In Korea kam der Streifen gut an und verbuchte 2 Millionen Kinoeintritte.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. / DTS mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Hyojadong ibalsa; Hyoja-dong Ibalsa
Regie: Chan-sang Lim

Tragikomödie

Humor * *

Spannung * *

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R a g i n g   Y e a r s   ~   H a r y u   i n s a e n g

Reviewed 3.11.04

Südkorea 2004 Myungdong, Soul, 1957: Der Schläger Tae-woong Choi (Seung-woo Cho, H) kriegt bei einem unfreundlichen Schulbesuch von Seung-mun Park (Ha-jun You) ein Messer ins Bein. Er schleppt sich zu Seung-mun nach Hause, wo die beiden nach Entfernung des Messers Freunde werden. Choi verliebt sich zudem in Seung-muns Schwester Hye-ok (Min-sun Kim). Ihr Vater ist Il-won Park, ein wortgewandter, unabhängiger Politiker, der ins Parlament einziehen will. Als General Park 1961 putscht und seine antikommunistische Doktrin durchsetzt, gerät Park ins Schussfeld. Choi indes hat sich in Myungdong als Gangster etabliert.
Mit seinem 99. Film widmet sich der preisgekrönte Regisseur Kwon-taek Im (Chihwaseon) der turbulentesten Zeit in der südkoreanischen Geschichte sowie seiner eigenen Vergangenheit. Doch entweder hat er sich damit übernommen oder er besass kein ausgefeiltes Drehbuch - denn das Resultat ist ernüchternd. "Raging Years" ist nicht nur ziemlich langweilig, er ist auch holprig inszeniert. Entstanden ist der Film in riesigen Sets mit erlesenen Akteuren und Im versucht auf ambitionierte Art, Nostalgie und Systemkritik unter einen Hut zu bringen. Dabei fällt er aber leider zuwischen Stuhl und Bank.
Um richtig nostalgisch zu sein, müssten die Figuren liebenswerter wirken. Der nicht unumstrittene President's Barber, der sich einer ähnlichen Epoche annimmt, hat deshalb in meinen Augen besser funktioniert. Ims Idee, seine eigene Vergangenheit als Actionfilm-Regisseur in den Streifen einzubeziehen, ist hübsch, wirkt aber nur auf koreanische Zuschauer, denn die meisten Filme, die angesprochen werden, kennt man als Laie nicht. 007 und James Dean sind die Ausnahmen. Aber für einen Aussenstehenden wird dadurch nicht klar, welche Akteure Im aufs Korn nimmt und was er mit den Film-Referenzen erreichen will. Das Resultat lässt deshalb leider kalt.
Die Gesellschaftskritik letztendlich ist ebenso blass. Die Kritik an der CIA und der damaligen Militärdiktatur ist oberflächlich und dient nur als Hintergrund für die Ereignisse um Tae-woong. Da der ein ausgesprochen öder Charakter ist, wünschte ich mir irgend eine Form von spannenderem Background, doch der kam nie. Im Gegenteil: Gegen Schluss rast Im derart durch die Story, dass man nicht nur allen Kontakt mit den Figuren verliert, sondern auch alles Interesse. Von der Politik kriegt man nur noch wenig mit, vom Leben der Charaktere nicht viel mehr. "Raging Years" ist, soweit ich das sehen kann, ambitioniert, aber keine seiner Ziele erreicht der versierte Regisseur. Er inszeniert am Publikum vorbei und erzählt Geschichten, die von belanglos bis emotionslos rangieren. Eine Enttäuschung.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1, DTS mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Lowlife; Haryu insaeng; Low Life; Low Class Life; A Life Downstream;
Third Rate Life; 하류인생
Regie: Kwo-taek Im

Drama

Spannung *

Action *

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R i k i d o z a n   ~   Y e o k d o s a n

Reviewed 10.4.05

Südkorea / Japan 2004 Sin-Rak Kim (Kyung-gu Sol) wurde 1924 im heutigen Nordkorea geboren, zog aber bereits vor dem Zweiten Weltkrieg nach Japan. Dort wurde er als Koreaner von den Einheimischen fertig gemacht, vor allem, als er sich dem japanischen Nationalsport Sumo widmen will. Als ihm seine Kollegen auch noch einen Diebstahl anhängen wollen, wendet er sich an den einflussreichen Kano Takeyo (Tatsuya Fuji), der beeindruckt ist von Kims Willensstärke. Er gibt ihm den Namen Rikidozan und lässt ihn Sumo kämpfen. "Riki" heiratet die schöne Aya (Miki Nakatani) und kämpft sich nach oben. Doch als er nach einem Bar-Fight im Ring einem Pro-Wrestler unterliegt, weiss Riki, dass er eine andere Zukunft hat: Er lässt Aya von 1951-1953 alleine in Japan und zieht nach Amerika, wo er professionelles Wrestling trainiert. Schon in Amerika wird er zum Star, nach seiner Rückkehr nach Japan sogar zum Nationalhelden, da er im Ring etliche "böse" Amerikaner besiegt. Rikidozan macht Pro-Wrestling, oder puroresu, wie es in Japan genannt wird, beinahe im Alleingang populär.
Die koreanisch-japanische Co-Produktion von Failan-Regisseur Hae-sung Song erzählt die faszinierende Geschichte des Koreaners Sin-Rak Kim (oder
Sin-Nak Kim), der in den 50ern in Japan unter dem Namen Rikidozan zum Wrestling-Helden avancierte. Die Parallelen zum Leben von Kyokushin-Begründer Bae-dal Choi, das zuletzt in Fighter in the Wind verfilmt wurde, sind auffällig. Doch während Fighter in the Wind zu einer beinahe spirituellen Reise wird, ist "Rikidozan" eher eine klassische Aufstiegs-Biografie mit nostalgischem Flair. Visuell ein mit einfachen, aber erlesenen Kompositionen absolut eindrücklicher Film. Der Inhalt ist indes weniger euphorisch.
Zwar hat Rikidozans Aufstieg viele dunkele Seiten und ruft Erinnerungen an Martin Scorseses Genre-Klassiker "Raging Bull" (1980) wach, doch hae-sung Song geht nie soweit, seinen Helden beinahe zu demontieren. Er zeigt seine Schattenseiten und die Gewalt im Ring - bricht aber scheinbar immer im letzten Moment ab, um allfällige Fans der Legende nicht zu sehr zu verärgern. Die Schuld an seinen emotionalen Ausbrüchen schieben die Macher denn auch etwas allzu plump in Richtung der westlichen "Medizin", die Rikodozan in seiner späteren Karriere einnimmt.
Mit dem Protagonisten konnte ich deshalb auch nicht richtig mitfühlen. Sie ist keine gescheiterte Figur, kein richtiger Held - sondern einfach ein verdammt sturer Kopf, der eine Trotzigkeit entwickelt, die manchmal nur noch ärgerlich wirkt. Zu Beginn des Films wird er tatsächlich von den Japanern wegen seiner Herkunft misshandelt, später jedoch leuchtet Song seinen Antrieb kaum mehr sauber aus. Da Motivation und Gefühlsleben des Helden schwer greifbar sind, hatte ich mehr Mitleid mit seiner liebenden Frau, die er konstant abweist. Sie bekommt viel zu wenig Zeit im Film, obwohl sie eine der interessanteren Figuren der ganzen Geschichte wäre.
Rikidozan dagegen erschien mir nicht so interessant. Vielleicht auch, weil man derartige Figuren aus hunderten von Biografien kennt. Ich als Rikidozan-Laie hätte gerne noch etwas mehr über seine Herkunft erfahren, die er während seiner ganzen Karriere geheim hielt. Oder seine Trainingsmethoden, sein soziales Umfeld.  Das soll aber nicht Kyung-gu Sols Spiel schlecht machen. Der Star aus Public Enemy, Oasis und Silmido hat 20 Kilogramm zugenommen und gibt für den Part alles. Seine Co-Stars, meistens Japaner, leisten ebenfalls solide Arbeit. Von der schönen Miki Nakatani (Chaos, Ring, Ring 2) hätte ich einfach gerne etwas mehr gesehen.
Für Wrestling-Fans ist der Film trotz allen Mängeln absolut zu empfehlen. Er ist etwas lang (137 Minuten), manchmal etwas beliebig - aber immer schön anzusehen, stark gespielt und aufwändig in Szene gesetzt. Zudem ist die reibungslose Zusammenarbeit der koreanischen und japanischen Filmemacher, die je etwa 50% der Crew ausmachen, aus historischen Gründen beeindruckend. "Rikidozan" der Film ist deshalb nicht gar so faszinierend wie Rikidozan die historische Figur, aber ein sehenswerter Streifen ist er allemal.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Japanisch (und koreanisch) 5.1 mit engl. UT. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Yeokdosan; Rikidozan: A Hero Extraordinary;
Yeok Do-San; 역도산
Regie: Hae-sung Song

Biografie

Action * * *

Spannung * *

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R - P o i n t

Reviewed 24.11.04

Südkorea 2004 Vietnam 1972. Bei einem Zwischenfall auf Urlaub kommt ein Freund des koreanischen Lieutenants Choi Tae-in (Woo-seong Kam, Spider Forest) im Bordell ums Leben. Der unbeliebte Einzelgänger Choi hat schon einige seiner Männer verloren, weshalb ihn sein Kommandant zwingt, eine neue Einheit und einen bizarren Auftrag zu übernehmen. Choi soll mit einigen Männern, darunter dem knallharten Sgt. Jin Chang-rok und dem erst 18-jährigen Sgt. Chang, auf die einst strategisch wichtige Insel R-Point, 150 Kilometer südlich von Saigon, ziehen, um eine verschwundene Einheit zu suchen. Sechs Monate sind die Soldaten schon verschwunden, doch nun wurde ein Signal von ihnen aufgefangen. Chois Trupp stösst bald ins Zielgebiet vor, ein Areal, in dem Chinesen einst Vietnamesen abgeschlachtet und im See versenkt haben. Seither scheint das Areal verflucht. Im ersten Vietnamkrieg verschwanden hier etwa etliche Franzosen. Und sie liessen ein riesiges Haus auf einem Feld zurück. Darin errichten die Koreaner ihre Basis. Ein paar amerikanische GIs kommen vorbei und erzählen, im Haus spuke es. Tatsächlich haben die Soldaten bald grauenhafte Angst - und als Private Jung tot aufgefunden wird, drehen die Koreaner langsam durch.
Der britische Film "The Bunker" hat das Thema "Horror im Kriegsbunker" zwar bereits abgedeckt, doch trotz Parallelen ist "R-Point" ein eigenständiger Film. Und ein sehr überzeugender noch dazu. Regiedebütant Su-chang Kong, der zuvor an die Drehbücher von Tell Me Something, White Badge und Ring Virus verfasst hat, nimmt diese drei Skripts quasi zusammen und legt die Handlung in den Vietnamkrieg. Dieser Krieg gilt als einer der filmisch best abgedeckten. Zudem hat er einen psychedelischen Aspekt. Einerseits, weil er in der Hippie-Zeit stattfand, die Soldaten viel Drogen konsumierten und Amerika traumatisierte. Andererseits weil ihn "Apocalypse Now" und "Full Metal Jacket" so surreal abgehandelt haben.
Bei dieser Wahrnehmung hakt "R-Point" ein. Schon der Gedanke, als kleiner Trupp irgendwo in diesen schwülen Dschungel zu gehen, wo Vietcong hocken könnten, hat etwas Unheimliches. Und dann steht plötzlich dieses Haus vor den Soldaten. Kong hat bereits dadurch, dass er den Film derart arrangiert, einen stilistischen Pluspunkt. Und den nutzt er voll aus mit einigen betörenden und schauderlichen Bildern. Hier ein paar Screenshots. Eingefangen auf grobkörnigem Film entwickelt "R-Point" einen gruseligen Look, selbst dann, wenn gar nichts passiert. Wenn ein Blitz etwa um Choi herum weisse Kreuze aufhellt, entwickeln die Bilder die alleinige Kraft. Schliesslich ist die Geschichte sehr vage - und bleibt es bis zum Schluss. Kong hat mir mit einer vagen Geschichte ja schon mal gehörig den Genuss verdorben (Skript von Tell Me Something), doch im Gegensatz zu jenem Film verlangt "R-Point" nicht nach Auflösung. Es gibt keinen Twist, bei dem das Puzzle zusammenkommt. Es gibt vielmehr einen unheimlichen Moment nach dem anderen. Und der Zuschauer bleibt ähnlich ratlos wie die Protagonisten.
Zuviel Struktur-Analyse hält "R-Point" gar nicht aus. So sind die Szenen vor Chois Rekrutierung höchstens assoziativ mit dem Rest des Films verknüpfbar. Auch die Teilauflösung am Ende ist eigentlich keine. Wir wissen nichts darüber, was das übersinnliche Element wirklich ist. Ich will nicht spoilern, aber ich kann sagen, dass Kong die Ereignisse auf etwas zuspitzt - und dies als Antwort darauf liefert, was denn in "R-Point" passiert ist. Aber er lässt das Warum weg. Er lässt die Vorgeschichte weg und begnügt sich mit den Folgen. Tote Franzosen, tote Vietnamesen, tote Amis, tote Koreaner. Das alles ist unheimlich genug und auf eine psychedelische Art schlüssig, gerade weil der Film nicht alles schön bündeln will. Der Film ist cineastisch abgeschlossen, aber nicht erzählerisch. Tell Me Something zeigte ein Photo, worauf alles plötzlich Sinn machen sollte. Das machte es aber genau nicht und der Film stürzte zusammen. Ein solcher Moment fehlt in "R-Point" zum Glück.
Man könnte auch sagen, er sei nur Stimmung, nicht Substanz - und damit läge man nicht mal stark daneben. Wenn man durch die unheimliche Stimmung nicht gepackt wird, bleibt wohl vor allem Langweile. Die leise Antikriegsbotschaft (Kong meint, er wollte ein Statement gegen die Involvierung in Irak reinpacken) ist sehr diffus, der psychologische Horror unter den Soldaten letztendlich zu Gunsten einer klassischeren Horrorstory aufgegeben. Sorry wenn ich auch hier vage bleibe, aber die wenigen Überraschungen, die der Film bietet, will ich nicht auch vermiesen.
Es bleibt also bloss zu sagen: Schaut euch "R-Point" an. Mit einem relativ hohen Budget von vier Millionen US-Dollar präsentiert Kong einen visuell ausgeklügelten, spannenden und vor allem atmosphärischen Gruselfilm, der von der Location genauso profitiert wie von der souveränen Besetzung. Inhaltlich und logisch hat er seine kleinen Mängel, aber die kann man getrost vergessen. "R-Point" ist Schauderkino für die Sinne, nicht primär für das Hirn - und dies auf hohem Niveau. Das ist allemal einen Kauf wert!
Hier auf DVD erhältlich (D)
Hier auf DVD erhältlich (SK)
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: R Point; Romeo Point; Ghost Soldiers;
Ghosts of War; 알 포인트
Regie: Su-chang Kong

Kriegs-Gruselfilm

Spannung * * *

Gewalt * *

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S a m a r i t i a n   G i r l   ~   S a m a r i a

Reviewed 28.4.04

Südkorea 2004 Die Schülerin Jae-yeong (Min-jeong Seo) arbeitet als Hobby-Prostituierte, während ihre Freundin Yeo-Jin (Jin-min Kwak) die Termine organisiert und als Aufpasserin dient. Die Mädchen machen so viel Geld. Doch eines Tages wird Jae-yeong von der Polizei überrascht. Sie spingt aus dem Fenster und schlägt sich den Schädel auf. Im Spital bittet sie Yeo-Jin, einen Freier, einen Musiker, zu holen. Der will nur mitgehen, wenn Yeo-Jin mit ihm schläft. Aus Freundschaft zu Jae-yeong lässt sich Yeo-Jin entjungfern und holt den Mann ins Spital. Doch die Freundin ist tot. Nun geht Yeo-Jin ihr Adressbuch durch, schläft mit jedem von Jae-yeongs Freiern - und gibt ihnen das Geld zurück. Dabei wird sie einmal von ihrem Vater, dem Polizisten Young-Q Kang (Lee Uhl) beobachtet. Er folgt ihr zu ihren Treffen und droht, durchzudrehen ... er begibt sich auf einen Feldzug zwischen Rache und Vergebung.
Die gute Bewertung von "Samaria" täuscht darüber hinweg, dass ich unglücklich bin über den Weg, den Ki-duk Kim eingeschlagen hat. Der Autodidakt ist bei seinem zehnten Film mittlerweile technisch absolut selbstsicher. Doch während er stilistisch auf dem Zenit ist, wiederholt er seine alten Themen und verliert an Punch. Klar sind seine neuen Filme schön und bedrückend, doch sie haben nicht die Power der früheren, aggressiveren Filme. Schon mit seinem 2003er-Film Spring, Summer, Fall, Winter bin ich im Nachhinein immer unglücklicher. Der gemächliche Streifen biedert sich beim Arthaus-Publikum an, ohne eine wirklich sinnige Geschichte erzählen. Er ist mehr cineastische Meditation als Kinofilm. Und für "Samaria" gilt das Gleiche. "Samaria" hat einen Vorteil und einen Nachteil gegenüber dem vorangegangenen Werk.
Der Vorteil ist, dass er nicht so religiös verbrämt ist. Klar ist "Samaria" (wie auch der Titel suggeriert) eine katholische Erlösungsgeschichte und Kim platziert nicht gerade subtil Anspielungen an internationale Heilige. Doch Spring, Summer, Fall, Winter war eine buddhistische Indoktrination mit erzkatholischem Einschlag - eine verheerende Mischung, die einen Mord als Faux-Pas hinstellt, den man seelisch korrigieren kann und den Fortschritt und die Zivilisation als Ursprung allen Übels ausmacht. Soweit geht "Samaria" eben nie. Er gibt nicht vor, eine Parabel auf das Leben und die Menschheit zu sein. Er erzählt dafür eine Geschichte. Eine, die bewegt, die packt, die amüsiert. Sie mag nicht ganz ausgereift sein, aber sie ist immerhin geglückter als der Missionarsfilm Spring, Summer, Fall, Winter.
Der Nachteil von Samaria" ist, dass wir das von Kim alles schon kennen. Seine Fixierung auf Prostituierte ist langsam plump - schon The Isle, Bad Guy und Birdcage Inn nahmen sich dem Thema an. Und auch das Hineinschlittern in Depression und Verlorenheit kennt man aus jedem vorangegangenen Kim-Film. Insofern bringt "Samaria" nichts Neues. Dennoch ... ich gebe ihm knapp 3½ Sterne. Er ist er wunderbar inszeniert. Die Bilder sitzen, der Schnitt ist rhytmisch-meditativ, die Musik leicht und hypnotisch. Die Akteure sind top, Kims Umgang mit Gewalt nüchtern und nicht mehr so plakativ wie in früheren Werken. Meist schneidet Kim vor dem Gewaltakt weg, wählt eine verhüllende Einstellung oder zeigt das Blut erst nach dem Akt. Was ihm diesmal so gut gelingt wie nie zuvor, ist, dass wir Mitgefühl haben mit den Opfern. In Coast Guard war der Protagonist zu kaputt, in Spring, Summer, Fall, Winter zu introvertiert, in Bad Guy zu böse. Doch in "Samaria" sind die drei Hauptpersonen beseelt von Güte. Wie der Vater für seine Tochter sorgt, wie die beiden Mädchen sich gegenseitig waschen, wie sie lachen - alles zeugt von grenzenloser Liebe. Umso mehr leidet man mit, wenn sie zerbrechen. Ein paar Schläge können sie einstecken: Yeo-Jin verkraftet den Tod der Freundin, indem sie den Freiern ihr Geld zurück gibt. Und Young-Q versucht bei den ersten Freiern noch, mit ihnen zu reden. Doch alles gerät, wie üblich bei Kim, aus dem Ruder. Am krassesten ist das bei Young-Q zu sehen. Einen Freier bedroht er, den nächsten besucht er daheim. In einer der beklemmendsten Szenen des Films stellt er einen Familienvater am Mittagstisch und konfrontiert ihn mit seiner Tat. Er ohrfeigt ihn, der Mann steckt alles ein. Die Momente, in denen die Männer erst erkennen, was sie getan haben, sind unbezahlbar. Die Schande, das Schuldgefühl wird regelrecht spürbar. Besonders in dieser Szene. Und man weiss, das kann nicht gut enden.
Gegen das Finale hin verliert "Samaria" leider wieder etwas an Kraft. Die stillen Szenen zwischen Vater und Tochter sind wunderbar, doch die eigentliche "Auflösung" ist plump. Arthaus-Melancholie, sozusagen, ohne grossen Tiefgang. Aber es macht sich gut, weil das Ende in gewissem Sinne die Liebe wieder aufgreift und doch sehr düster ist. Young-Q gibt seiner Tochter etwas auf den Weg - mehr darf ich nicht verraten. Doch diese Tat will nicht ganz als Ende herhalten. Es fehlt etwas. Nicht wirklich Erklärungen, aber ein Gefühl der Abgeschlossenheit. Der Film plätschert auf unbefriedigende Weise aus. Doch den Kritikern gefiels - immerhin holte Kim den Silbernen Bären als bester Regisseur in Berlin. Und da bin ich wieder am Anfang. Ich sehe nicht gern, wie Kim zum Arschkriecher der Feuillton-Kritiker wird. Der Mann hat Preise verdient  - aber nicht für Filme wie "Samaria" oder Spring, Summer, Fall, Winter. Immer wenn ich sehe, wie rebellische Regisseure "erwachsen" werden, ist das ein trauriger Moment. Perdro Almodovar tat es, Ki-duk Kim tut es. Ihre Filme werden erwachsener, ausgereifter, anspruchsvoller und künstlerischer. Doch die Energie haben sie irgendwie verloren. Sie sind keine Rebellen mehr, sie sind Arthaus-Mainstream. Der ist zwar reizvoll, aber auch nicht besser, als der komerzielle Mainstream ...

Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Samaria
Regie: Ki-duk Kim

Drama

Gewalt * * *

Spannung * *

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T h e   S c a r l e t   L e t t e r   ~   J u h o n g   g e u l s h i

Reviewed 24.1.05

Südkorea 2004 Der Besitzer eines Fotolabors wird tot aufgefunden. Wahrscheinlich ermordet. Der ermittelnde Polizei-Hauptmann Ki-hoon Lee (Suk-kyu Han) verdächtigt die Ehefrau, Kyeong-hee Ji (Hyeong-a Seong, Woman Is the Future of Man). Sie soll eine Affäre gehabt haben. Doch auch Ki-hoon selbst ist kein Engel: Er führt mit der Cellospielerin Su-hyein (Ji-won Uhm) eine harmonische Ehe und wird bald Vater von ihrem Kind. Doch nebenbei hat er eine heisse Affäre mit Su-hyeons Schulkollegin, der Klavierspielerin Ka-hee (Eun-ju Lee). Als diese ebenfalls schwanger wird, türmen sich die Probleme für Ki-hoon auf.
Der Film sieht klasse aus, keine Frage. Das beginnt schon beim Cover der koreanischen DVD: Der Karton ist zarter als ein Baby-Po. Und auch der Film darin macht seinem Titel auch alle Ehre. Edel komponierte Bilder, gediegener Einsatz von klassischer Musik und von nicht minder klassischen Themen wie Versuchung, Verführung und Vergebung. "The Scarlet Letter" war als Comeback für Suk-kyu Han (Tell Me Something, Shiri) gedacht und zeigt den Schauspieler tatsächlich in einer beeindruckenden Rolle. Zeigen müsste man gross schreiben, denn er offenbart sehr viel von sich. Er und die schöne Eun-ju Lee (Taegukgi) geben sich heissen und freizügigen Erotikszenen hin.
Doch "The Scarlett Letter" will nicht nur attraktiv daherkommen, er gibt sich auch als Krimi aus. Genau da scheitert er. Die Ermittlungen sind sekundär, die Auflösung trivial. Regisseur Hyuk Byun ("Dogma #7: Interview") geht es vielmehr um den Drama-Aspekt seiner Geschichte. Ein Mann, drei Frauen, viele Probleme. So manches ist dabei voraussehbar, anderes forciert. Doch dann fällt die letzte halbe Stunde unerwartet über die Zuschauer herein. Wow. Einen erotischen Twist bekommen wir geboten und ein brutales Setup. Der Blutdurst der Zuschauer wird genauso gestillt wie das Verlangen nach einer psychologisch intensiven Szene. Diese letzte halbe Stunde mache "Scarlet Letter" jedenfalls schon sehenswert, denn sie bietet Ereignisse, die man in dieser Form noch nie gesehen hat.
Mehr sei nicht verraten über den Plot. Er hat seine Reize in den zwei Stunden, doch eine Mehrzahl konzentiert sich auf das Ende. Die Akteure sind gut, die Optik und Akkustik ebefalls. Ganz besonders gelungen sind auch die fliessenden Übergänge zwischen Gegenwart und Rückblenden, bei denen Personen miteinander zu interagieren scheinen, dabei dient diese Kommunikation oder Aktion als Bindeglied für den Zeit- und Raumsprung. Sehr gewitzt. Doch zum Knüller fehlt es ihm eigentlich an Substanz. Und an Spannung. Bei aller ästhetischen Brillanz vergisst Byun, seine Story packend zu halten und verheddert sich mit seinen mässig interessanten Handlungssträngen in einem melodramatischen Dickicht. Empfohlen - aber nicht vollumfänglich.
Nachtrag: Wegen der freizügigen Szenen im Film kam es offenbar zum Streit zwischen Eun-ju Lee und ihrer Familie. Die sensible Schauspielerin nahm sich deshalb am 22.2.2005 im Alter von nur 24 Jahren das Leben.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1 und DTS mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Juhong geulshi;
주홍글씨
Regie: "Daniel" Hyuk Byun

Krimidrama

Erotik * *

Gewalt * *

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S - D i a r y

Reviewed 5.1.05

Südkorea 2004 Jin-hee "Jinny" Na (Seon-a Kim, Happy Ero Christmas) trennt sich von ihrem Freund und erinnert sich an ihre ersten Liebschaften. Mit Hilfe einem Tagebuch, das ihre Mutter (Mun-hee Na) ihr geschenkt hat, frischt sie die Erinnerungen auf. Da ist Gu-hyeon (Hyeo-woo Lee), ein Priesteranwärter und ihre erste Liebe. Danach kommt der etwas tollpatschige Heong-seok Lee (Su-ro Kim, Dance With the Wind) gefolgt vom jüngeren Graffiti-Künstler Yu In (Yu Kong, Spy Girl). Doch alle drei verlassen sie. Das will sie sich nicht gefallen lassen und schlägt zurück.
Männer sind Schweine. Auch in Korea. Das will uns "S-Diary" einreden. Aber eigentlich sind die "bösen" Kerle ganz okay und ihre Trennungen von der Heldin etwas, was jedem jungen Menschen blüht. Meistens wiederholt. Aber der Film richtet sich primär an junge Frauen - und so sind diese Boyfriends natürlich kleine Machos mit Mankos, die irgendwann einmal ihr Fett wegkriegen müssen. Grosse feministische Botschaften braucht man da nicht zu suchen. Ebenso wenig tiefe Einblicke in Koreas moderne Gesellschaft, in der die Männer und Frauen auch nicht mehr nach dem ersten Sex heiraten. Eine Begleiterscheinung des sozialen Fortschritts auf der ganzen Welt. Auch in Korea.
Nein, "S-Diary" ist nur oberflächlich ein engagierter Film. Selbst seine psychologischen Glückskeks-Weisheiten, die er immer mal wieder in die Welt setzt, sind höchstens rudimentär. Der Film ist vielmehr eine weitere süsse Korea-Komödie mit wenig Anspruch. Die erste Hälfte zeigt Jinny beim Anbändeln. Dabei entstehen ein paar sexy Szenen, doch anders als das Cover der DVD suggeriert, bleibt der Film extrem zahm. Ein paar Scherze sitzen, andere verpuffen. Danach gehts in den Rache-Teil. Jinny schlägt zurück und stellt die abgebrochenen Beziehungen in Rechnung. Da die Jungs nicht zahlen wollen, rächt sie sich mit Fiesetaten à la Amélie. Ein paar sind witzig, andere infantil.
Die Lacher machen aber die Sympathieverteilung etwas zunichte und der Film verliert seine zuvor ganz gelungene Dramaturgie. Er wird langfädiger, die Probleme aufgesetzter. Und am Ende verdient er sich deshalb die Melancholie nicht richtig. "S Diary" ist letztendlich nicht besonders gut. Der unbeholfene Mix aus "Bridget Jones's Diary", "Amélie" und Korea-Comedy auf Internet-Novel-Niveau amüsiert leidlich, hebt sich aber nie aus dem Meer von romantischen Kicherfilmen Südkoreas hervor.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: S Diary;
S 다이어리
Regie: Jong-kwan Kwon

Liebeskomödie

Humor * *

Erotik *

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S h i n   S u k - k i   B l u e s

Reviewed 3.4.05

Südkorea 2004 Der Wirtschaftsanwalt Suk-ki Shin (Jong-hyeok Lee, Once Upon a Time in High School) hat alles im Leben: Einen blendend bezahlten Job, einen gestählten Körper, Kenntnisse von Karate und Jazz-Trompete, eine Luxuswohnung und eine schöne Freundin. In seiner Firma muss er Entscheide mittragen, die hunderte von Leuten den Job kosten, doch das raubt ihm nicht den Schlaf. Nur eine betet ihn trotzdem an: die Empfangsdame Jin-yeomg Seo (Hyun-joo Kim). Suk-ki nutzt ein Geburtstagsgeschenk von ihr, um mit ihr zu schlafen und sie danach fallen zu lassen. Die gedemütigte Jin-yeong verflucht ihn. Tatsächlich stürzt er kurz darauf im Lift ab. Mit ihm fuhr der ärmliche und alles andere als gut aussehende Anwalt Suk-ki Shin (Sung-jae Lee). Im Spital merken die Ärzte, dass beide Verletzten am gleichen Tag Geburtstag haben und gleich heissen. Doch während der reiche Suk-ki ins Koma fällt, wacht der arme Suk-ki wieder auf. Dies jedoch im Körper des anderen! Suk-ki ist ausser sich. In seine Wohnung kommt er mit diesem Aussehen nicht rein, in sein Büro schon gar nicht. Und Arbeit hat er auch keine richtige. Bis er Jin-yeong entdeckt, der gekündigt wurde. Er übernimmt ihren Fall und versucht, im neuen Körper ihr Herz richtig zu erobern.
Bodyswitch-Filme, in denen zwei Figuren ihre Körper tauschen oder eine in einen neuen schlüpft, sind oft verkappte Moral-Geschichten. Sei es "Big", der sagt, es lohne sich, Kind zu sein, oder "Freaky Friday", der Mutter und Tochter versöhnt. Das Gefäss eignet sich einfach gut für derartige Vergleiche. "Shin Suk-ki Blues" macht es nicht anders. Die koreanische Bodyswitch-Romanze lässt einen angesagten Kerl mit Knete, Top-Body und Luxus-Wohnung erkennen, dass ihm das Wichtigste im Leben fehlte: Liebe und Freundschaft. Das könnte klebrig daherkommen, doch Regideütant Do-hyeok Kim setzt den Stoff mit Ironie, Romantik und Spass um. Eine kurzweilige Sache also!
Die Akteure sind sympathisch und talentiert, die Inszenierung geschmackvoll, der Humor bekömmlich. Die Moral ist leicht verständlich und deshalb sicher kein Umhauer. Abzug gibts dafür aber nur bedingt, denn es geht hier um die Liebe und die Einzigartigkeit des Menschen. Eine Gerichtseinlage, Wirtschaftskriminalität und Fantasy-Aspekt dienen lediglich als Hintergrund für die Vermittlung dieser Werte auf höchst charmante, typisch koreanische Art. Wenn ein Schauspieler herausgepickt werden müsste, wäre es sicher Sung-jae Lee. Der Star aus
Attack the Gas Station und Dance With the Wind zeigt Bereitschaft zur Hässlichkeit mit seinen Stellungs-behinderten Zähnen und seiner Locken-geschädigten Kurzhaar-Frisur.Doch nicht allein er macht den Film sehenswert. Es ist das ganze Bodyswitch-Setup. Wer auf dergleichen Geschichten steht, kommt jedenfalls nicht zu kurz!
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Shinsukki blues; Shin Suk-Gi Blues;
신석기 블루스
Regie: Do-hyeok Kim

Liebesfilm

Humor * *

Spannung * *

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S i s i l y ,   2 k m

Reviewed 14.12.04

Südkorea 2004 Der Gangster Suk-tae (Oh-jung Kwon) bestiehlt seinen Boss um einige wertvolle Diamanten. Er flieht und verunfallt auf dem Land in der Nähe des Ortes Sisily. Er kommt in einer Herberge unter. Dort gerät er durch einen Scherz, den ihm die Bewohner spielen, in Panik und stösst sich den Kopf derart stark, dass ihn die Bewohner für tot halten. Nun entdecken sie einen der Diamanten und beschliessen, sie zu behalten und die Leiche zu entsorgen. Da wacht Suk-tae auf. Den Dörflern ist das egal. Sie mauern ihn einfach lebendig ein. Derweil haben Suk-taes Kollegen seine Spur aufgenommen. Der Gangster Yang-e Kim (Chang Jung Lim, Great Expectation, Jakarta) taucht mit seinen Schergen auf und quartiert sich in der Herberge ein. Schnell merkt er, dass die Bewohner ihm einiges verheimlichen. Und ebenso schnell merkt er, dass in der Gegend ein Geist (Yi Shin, Dead Friend, Great Expectation) sein Unwesen treibt.
"Sisily, 2km" ist eine überaus witzige Parodie auf Gangster- und Geisterfilme. Die erste Stunde ist besonders gelungen, was durchaus überrascht: Koreanische Parodien sind oft zu laut und schrill, um die Massen wirklich begeistern zu können. "Sisily" nimmt sich dagegen etwas zurück und mischt geschickt die Genres. Die Bewohner des Hauses erinnern etwas an den rabenschwarzen Quiet Family dazu gesellen sich bald Gangster und eben Geister. Letztere nimmt Regiedebütant Jeong-won Shin genüsslich auf die Schippe, schliesslich wird der Markt momentan ja von asiatischen Horrorfilmen überflutet, die langhaarige Geister-Mädels präsentieren. In "Sisily" ist das untote Mädchen nicht sehr unheimlich und gerade daraus macht sich der Film später einen Spass.
Doch der lustigste Aspekt sind die Bewohner im Haus. Sie wollen den Kerl loswerden, aber der ist gar nicht tot. Immer wieder lebt die "Leiche" auf und muss auf unmöglichste Art beseitigt werden. Die Aufgabe kompliziert sich mit dem Auftauchen der Gangster wodurch die Turbulenzen am Höhepunkt angelangt sind. Ein zusätzlicher Reiz entsteht, weil man nie sicher ist, mit wem man mitfiebern soll: Bewohner, Gangster oder Geister? Erst gegen Schluss zerfällt das Konstrukt etwas, doch "Sisily, 2km" gehört sicherlich zu den lustigsten Parodien, die Korea hervorgebracht hat. Kurzweilig inszeniert, hübsch gefilmt, gespickt mit Überraschungen und nicht zuletzt auch souverän gespielt.
In einer der besten Szenen versuchen die Dörfler die Leiche zu verbuddeln während die Killer gerade von ihrer Konfrontation mit dem Geist zurückkehren. Einer aus der Bande meinte, jungfräuliche weibliche Geister hätten Angst vor dem männlichen Geschlechtsteil, weshalb sie nackt übers Feld rennen. Beide Fraktionen - die nackten Gangster und die buddelnden Bewohner - versuchen, so cool und natürlich zu agieren, wie nur möglich, damit ihre ungemütliche Position nicht auffällt. Derartig gelungene Momente gibts in der ersten Stunde mehrere und sie bleiben im Gedächtnis. "Sisily, 2km" hätte gegen Schluss noch etwas cleverer sein können, doch Nörgeln beiseite: Der Film macht mehr Spass, als Plot und Cover suggerieren würden. Anschauen!

Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: To Catch a Virgin Ghost; Sicily 2km; Sisili 2km;
시실리2km
Regie: Jeong-won Shin

Parodie

Humor * * *

Spannung * *

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S o   C u t e   ~   G w i y e o w o

Reviewed 5.2.05

Südkorea 2004 Soo-ro Jang (Sun-Woo Jang) glaubt, sein Penis sei besessen. Deshalb sieht sich der Einzelgänger als Schamane. Er hilft den Frauen auf ganz besondere Weise - indem er Sex mit ihnen hat. Bei dreien schlägt es ein und sie werden schwanger. Viele Jahre später wohnt Jang mit zwei seiner Söhne in einem abbruchreifen Haus in Cheonggyechon, Seoul: Shitface 963 (Seok-hun Kim) und Kaeko "Dog Nose" (Seon-Woo Park). Eines tages bringt Dog Nose die Prostituierte Sun-Yi (Ji-won Ye) nach Hause, damit sie mit Vater schläft. Doch im Handumdrehen hat sie alle Mitglieder der Familie gefügig gemacht. Da taucht auch das letzte auf: Kosigi "So-and-so" (Jae-yeong Jeong). Er arbeitet für einen Gangster und soll den Wohnblock, in dem die Jangs Wohnen, leerräumen. Auch er verguckt sich bald in Sun-Yi.
"So Cute" findet während 116 Minuten weder den richtigen Stil noch den richtigen Ton. Der Film ist ziemlich bizarr und entwickelt seinen Humor aus seltsamen Situationen, doch er langt so oft einfach daneben. Gleich am Anfang hat er einer seiner besten Sätze, als Jang zu einem seiner Besamungsopfer sagt "here comes your son". Das hat eine humoreske Direktheit, die der Film danach nie mehr erreicht. Trotz absurdenIdeen und skurrilen Figuren. Vielleicht liegt es aber genau an diesen Charakteren. Denn so wie sie gezeigt sind, findet man nie Zugang zu ihnen - weder in positiven Sinne in Form von Sympathie, noch im negativen Sinne in Form von Ablehnung. Sie lassen einfach kalt.
Und damit hat man als Zuschauer auch kaum eine Verbindung zu den Ereignissen. Vor allem wenn diese so absurd sind wie in "So Cute", wäre es dringend nötig, ein paar Figuren zu haben, an die man rankommt. Am ehesten schafft dies noch Ji-won Ye (
First Amendment of Korea), die eine positive Energie ausstrahlt. Die anderen sind meist passiv oder so abgehoben von der Realität, dass sie wie vor sich her existieren und ihnen alles Gute und Schlechte der Welt nichts anhaben kann. Das gilt auch für  Papa Jang, gespielt von Regisseur Sun-Woo Jang (Resurrection of the Little Match Girl, Lies).
Was ist es denn, was so bizarr ist an dem Film? Zum einen die Vermischung allerlei Stile, von verfremdeten Bildern bis Comic-Sequenzen. Dann die Grund-Idee, dass eine Frau einfach eine ganze (männliche) Familie durchpoppt. Aber vor allem sind es die kleinen Dinge, plötzliche Morde, pyromanische Kids, seltsam unpassende Vergewaltigungen. Oder die kleine, minderjährige Nachbarin, die auf Dog Nose steht. Die Sexualisierung von Kindern im koreanischen Kino hat 2004 wirklich einen grossen Schritt vorwärts gemacht. Ob dies eine gute Entwicklung ist, möchte ich mal nicht werten - aber es hinterlässt zweifelsfrei einen seltsamen Nachgeschmack, wenn dies als Comedy gedacht ist.
"So Cute" funktioniert letztendlich einfach nicht. Zu uneinheitlich, zu leer, zu emotionslos, zu seltsam. Irgendwo in dem Film stecken ein skurriles Familiendrama und eine Bizarro-Komödie, doch beides kriegt nicht genug Raum, sich zu entfalten. Der Film ist letztendlich nichts von allem und lohnt sich das Anschauen definitiv nicht.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel:
Gwiyeowo; Kwiyowo; 귀여워
Regie: Su-hyeon Kim

Tragikomödie

Humor * *

Erotik * *

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S o m e

Reviewed 26.1.05

Südkorea 2004 Beschlagnahmte Drogen im Wert von 10 Millionen Dollar verschwinden auf dem Weg zur Polizei. Chief Oh (Shin-il Kang) soll verantwortlich dafür sein. Sein Protégé, Detective Seong-ju Kang (Soo Go), kann dies nicht glauben, und ermittelt fieberhaft. Als er einen unter Drogen stehenden Verdächtigen verfolgt, verunfallt der Wagen vor ihm. Kang kommt an ein Mobiltelefon, das ihm neue Hinweise gibt. Eine Person namens Kwon Jong-min scheint in die Sache verwickelt zu sein. Oder ist dies bloss eine Wortspiel-Erfindung für die drei Kleingangster Cheol-woo Kwon (Cheol-Ho Park), Chan Jong (Min Kwon) und Jae-il Min (Dong-kyu Lee)? Bei den Recherchen im Umfeld dieser drei kommt Kang der Verkehrsreporterin Yu-jin Seo (Ji-hyo Song) auf die Spur, die anscheinend ungewollt in den Fall verwickelt wurde. Sie haust in der Wohnung, die einer der drei zuvor besass und kam an einen MP3-Player, hinter dem nun alle herzusein scheinen: Die Mafia, Kang und die Person, die für den Drogenklau verantwortlich ist. Yu-jin hängt sich an Kang, weil sie das Gefühl hat, ihn schon getroffen zu haben. In seiner Gegenwart hat sie immer mehr Déjà-vus.
Unglaublich, wie viele koreanische Regisseure Top-Debüts absolvieren. Man guckt bei imdb nach und staunt. Der hat noch nie einen Film gedreht? So auch bei Yun-hyeong Jang. "Some" ist sein Debüt, er hat bisher nur Filme wie R-Point und Wild Card produziert. Doch Moment mal, wenn man diesen Namen ein wenig anders schreibt
, dann erscheinen plötzlich zwei sehr bekannte Filme bei imdb: "The Contact" und Tell Me Something. Yep, es ist Yoon-Hyun Chang. In ein paar Wochen sind die beiden imdb-Einträge vielleicht zusammengelegt und dann dürften auch die Kritiken ein Ende haben, die "Yun-hyeon Jang" einen Debütanten nennen. Ist er nicht, er ist ein Veteran. Und "Some" sieht man das auch an - was nicht heissen soll, dass Koreaner nicht tolle Regiedebütanten haben. Haben sie nämlich.
Aber nun zu "Some", Changs bisher kommerziellstem, wenn auch nicht erfolgreichsten Film. Die ersten paar Filmminuten erinnern enorm an "Fight Club", doch damait hat es sich mit den Parallelen. Danach folgt ein hochgestylter Actionthriller mit fantastischen Akteuren und ein paar coolen Auto-Karambolagen - trotz offensichtlichem CGI-Einsatz. Die Darsteller tragen den Film spielend über zwei Stunden. Der TV-Serienstar Soo Go spielt mit seinen immer etwas ratlosen Augen perfekt. Wishing Stairs-Girl Ji-hyo Song absolviert die nicht minder eindrückliche Nebenrolle.
Wo es indes hapert ist, wie bei Chang wohl üblich, der Plot. Der McGuffin des MP3-Players ist ziemlich schwach, doch am plumpsten sind die Visionen von Yu-jin. Wieso hat sie sie? Einfach so - damit das Drehbuch Sinn macht. Es ist ein billiger und unmotivierter Trick, um die Ereignisse voranzubringen. Bis zum Schluss habe ich diesen Trick nie ganz akzeptiert. Dann gibts einmal mehr etliche kleine Logiklöcher und Fragezeichen, doch keines davon so gravierend wie in Tell Me Something. Ich bewerte "Some" aus diesem Grund etwas besser, weil er micht nicht so frustriert zurückgelassen hat. Ich werde mich aber hüten, "Some" als den besseren Film zu bezeichnen. Tell Me Something ist auf jeden Fall ein paar Grade faszinierender als dieser doch eher hemdsärmlige Streifen.
"Some" ist denn auch Mainstream-Unterhaltung mit ein paar hübschen Twists, blitzblanker Inszenierung, gehörig Spannung und tollen Akteuren. Mehr nicht - aber sicher auch nicht weniger. Wenn Yoon-Hyun Chang nun einen Blut- und Spannungs-getränkten Film wie Tell Me Something mit der linearen und halbwegs logischen Erzählweise von "Some" kuppeln könnte, er wäre bereit für einen der besten koreanische Thriller überhaupt. Momentan macht er jedoch erst gute und spannende aber problembehaftete Filme.

Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1., DTS, 2.0 mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel:
Regie: Yoon-Hyun Chang (Yun-hyeon Jang)

Thriller

Spannung * * *

Action * *

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S o m e o n e   S p e c i a l   ~   A n e u n   y e o j a

Reviewed 27.9.04

Südkorea 2004 Der Arzt erklärt dem Baseballprofi Chi-seong Dong (Jae-yeong Jeong), dass sich der Krebs in seinem Körper ausgebreitet hat und er nur noch wenige Monate zu leben hat. Der eben gerade von seiner Freundin verlassene Mann fällt in eine tiefe Krise und betrinkt sich. Dabei trifft er die Barkeeperin Yi-yeon Han (Na-yeong Lee), die seit 10 Jahren in ihn verliebt ist, sich aber nie getraute, ihn anzusprechen. Während Chi-seong einen Weg sucht, noch ein letztes (oder erstes) Mal in seinem Leben Liebe zu finden, will Yi-yeon ihre Schwärmerei endlich umsetzen. Doch Chi-seong scheint niemanden an sich heran zu lassen.
"Someone Special" ist eine weitere gelungene Liebeskomödie aus Korea. Doch sie folgt nicht ganz den gängigen Mustern sondern bringt je einen Schuss Melodrama und Weisheit mit. Über knapp 100 Minuten wird eine zärtliche Liebesbeziehung aufgebaut, die dank glaubwürdigen Charakteren nie langweilig wird. Leise Töne dominieren, nur hie und da hat Regisseur Jin Jang (Guns and Talks) bizarre Einfälle. Einer der gelungensten ist der Film im Film, der auf gewitzte Weise Strömungen im koreanischen Liebesfilm-Genre auf die Schippe nimmt.
Auf gewisse Art ist der ganze Plot höchst ironisch. Schon in den ersten Minuten, als wir die Charaktere noch kaum kennen, wird das Drama eingeführt. "Krankheit des Monats"-Film denkt der alarmierte Zuschauer, doch der Krebs ist nur ein Trick, um uns an Chi-seongs Gefühlsleben zu aklimatisieren. Der Film macht sich über Sentimentalität in den Melodramaen lustig, bedient sich aber selbst der Sentimentalitäten. Dies ist ein einfacher, aber effizienter Weg. Erst durch einen Twist gegen Schluss, den man erahnen kann, wird der melodramatische Aufbau entschärft, doch das mindert nicht seine Raffinesse. Durch die Krankheit kann sich Chi-seong eben all die bizarren Dinge einfallen lassen, die er sonst nie tun würde - wie "Selbstmord durch Marathon". Zum anderen erlaubt es Jang, einige Wahrheiten über das Leben auszuloten. Ganz wichtig sind dabei die Akteure.
Jae-yeong Jeong (Silmido) entspricht nicht dem romantischen Leading Man heutiger Korea-Komödien, doch er repräsentiert den Durschnittsmenschen blendend. Na-yeong Lee (Please Teach Me English)  ist fast noch besser. Sie hat eine alltägliche Art und ist einfach reizend. Wenn Chi-seong sie einmal als "eine Frau, die er kennt" bezeichnet, sollte man ihren Gesichtsausdruck beachten. Es scheint Overacting zu sein, doch dahinter verbergen sich subtile Regungen. Und als er später meint, sie sei die einzige Frau, die er "einfach nur kennt", dann leuchtet sie auf wie ein Käfer. Wunderbar.
"Someone Special" ist kein grosser Film, kein lautes oder herausragendes Werk. Aber eines, das das Leben nicht zu ernst nimmt und dennoch gerade die ernsten Dinge im Leben anpackt. Fast schon könnte man von Galgenhumor reden, doch das hört sich zu schwarz an. "Someone Special" ist lockerer und gefälliger. Ein Film halt, der einem dieses warme Gefühl im Herzen gibt und trotzdem nicht zu klebrig ist. Keineswegs die beste Romanze des Jahres aus Korea, aber ein absolut empfehlenswertes Werk.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. und 2.0. mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Aneun yeoja; A Woman I Know;
아는여자
Regie: Jin Jang

Liebesfilm

Humor * *

Spannung *

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S p i d e r   F o r e s t   ~   G e o m i   s u p

Reviewed 18.11.04

Südkorea 2004 Kang Min (Woo-seong Kam, R-Point) wacht im Spider Forest auf und findet in einer Hütte die zwei übel zugerichteten Leichen seines Bosses und seiner Freundin Su-yeong Hwang (Kyeong-heon Kang). Da taucht ein Mann auf, dessen Verfolgung Kang aufnimmt. Dabei gerät er in einen Tunnel und wird von einem Auto angefahren. Nach der Operation liegt er zwei Wochen lang im Koma. Der Cop Seong-hyeon Choi (Hyeon-seong Kang), ein Bekannter Kangs, nimmt die Ermittlungen auf. Hauptverdächtiger im Mordfall ist Kang selbst. Das Motiv: Eifersucht auf den Boss. Und angeschlagen genug wäre Kang, denn er hat seine Frau Eun-ah bei einem Flugzeugabsturz verloren. Während Choi recherchiert, erinnert sich Kang, dass er den Spider Forest besucht hat, um eine TV-Dok über die Geheimnisse des Waldes zu erarbeiten. Er interviewte dazu Su-jin Min (Jung Suh, The Isle), die ihm erzählte, dass die Spinnen im Wald die Seelen der vergessenen Toten sind.
"Spider Forest" stellt mit traumwandlerischem Tempo und verstörend-schönen Bildern Fragen über das Wesen von Erinnerungen, Seele und Schuld. Das alles macht Regisseur Il-gon Song ("Flower Island") für fast zwei Stunden sehr überzeugend und mysteriös, doch in den letzten 15 Minuten fällt sein Film auseinander. Es ist kein "das macht keinen Sinn"-Finale, aber ein unbefriedigendes. Zum einen kann man die Überraschung am Ende schon von Beginn weg erahnen, zum anderen fehlt es an dramaturgischer Raffinesse und an Logik. Inszenatorisch stellt sich zum Beispiel die Frage, wieso der Mörderplot und der Geisterplot nicht besser verbunden sind. Das Bindeglied ist Su-jin Min und ihre Figur tatsächlich interessant - doch der Geisterplot könnte genauso gut ohne den Mordplot funktionieren. Und umgekehrt. Wird der eine wichtiger, verliert der andere an Gewicht. Der Mangel an Verknüpfungspunkten und Interaktion schwächt den Film gehörig.
Dann hält die Handlung auch nicht ganz zusammen. Klar ist vieles, was wir sehen, nicht real (das ist kein richtiger Spoiler, denn man merkt schnell, dass der Film Traum und Realität mischt), aber selbst wenn einige Dinge nur im Kopf passieren, müssen sie doch halbwegs Sinn ergeben. Wer zum Beispiel die Tat begangen hat, wer Kang ohnmächtig geschlagen hat und wer die Tat beobachtet hat vermischt zum diffusen Bild. Der Film gibt eine Antwort, doch die klärt nicht alle Fragen. Offene Probleme werden mit dem Verweis "es war nur ein Traum" ignoriert. Das wirkt enttäuschend, denn zuvor wird auch vieles nur angedeutet, zielt aber auf ein kausaleres Ende hin, auf Lösungen der vielen Rätsel.
"Spider Forest" ist aber dennoch ein sehenswerter Film wegen den soliden Darstellerleistungen, ein paar deftigen Gewaltausbrüchen und der geglückten Mystery-Atmosphäre. In Verbindung mit dem symbollastigen Plot ergibt sich ein spannendes Mystery-Psychospiel. Leider ist sich Il-gon Song am Schluss zu sicher, glaubt, mit Verwirrung die Zuschauer zum Nachdenken anzuregen. Doch wenn man tatsächlich zuviel nachdenkt, entdeckt man bloss die Löcher in der Logik. "Spider Forrest" mag nicht immer Sinn machen, aber kribbeln tut er auf alle Fälle.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. / DTS mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Geomi sup;
거미숲
Regie: Il-gon Song

Thrillerdrama

Spannung * *

Gewalt * *

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S p i n   K i c k   ~   D o l r y e o c h a g i

Reviewed 27.9.04

Südkorea 2004 Die Man-Sae-High-School hat eine 50-jährige Tradition von erfolgreichen Taekwondo-Teams. Doch keiner scheint sich mehr für die Sportart zu interessieren, weshalb Trainer Koh das Handtuch wirft und zur rivalisierenden Haekang-Schule wechselt. Seinen besten Mann, Min-kyu Lee (Bin Hyeon), will er mitnehmen, doch der Schüler lehnt ab. Der neue Trainer ist Chung-geun Song (Yeong-ho Kim). In seiner Blütezeit hat er einmal Koh geschlagen, heute ist er ein Versager. Aber er will noch einmal einen Treffer landen und ein Team aufbauen. Ein paar Spieler dafür hat er: Die Gang von Yong-gaek (Popstar Dong-wan Kim) und Jeong-dae (Tae-hyeon Kim) hat sich zum Unterricht verpflichtet - um dem Gefängnis zu entgehen. Zu Beginn gibt es Reibungen zwischen den Junggangstern, Min-kyu und dem Trainer. Doch als sie zum ersten Mal gegen die Haekang-Schule verlieren ist der Ehrgeiz geweckt.
"Spin Kick" ist ein hübsch gemachter, angenehm unterhaltender und nostalisch gefärbter Sportfilm mit humoristischem Einschlag. Das alles hört sich ja sehr gut an, doch in diesem Fall ist der Film weniger als die Summe seiner Einzelteile. Der Sportfilm von Regiedebütant Sang-guk Nam bedient sich nämlich bei allen Klischees, die das Genre zu bieten hat: Der abgewrackte Trainer, das Underdog-Team, der finale Zweikampf, die anstrengenden Trainingsstunden ...
Vorbilder gibt es zuhauf: "A League of Their Own", "
Slap Shot", "The Bad News Bears" sind nur drei US-Beispiele. Der populäre japanische Comic "Slam Dunk" ein anderer. Aber nach Inspiration zu suchen, ist müssig. Es scheint, als seien die Regeln dieses Genres schon von den alten Römern geschrieben worden, so eingemeisselt sind sie in unseren Gedanken. "Spin Kick" folgt ihnen geradezu abgöttisch und lässt der Geschichte keinen Freiraum, keinen Platz, sich individuell zu entfalten. Klar sind die männlichen Stars adrett anzusehen (sie dürfen ihre antrainierten Muckis auch mehrmals entblössen), klar sind die Fights ohne CGI überzeugend und die klar ist die Geschichte ebenso aufbauend wie melancholisch. Doch braucht man noch so einen Film? Die Antwort darauf ist ein klares "nein". Und genau deshalb enttäuscht "Spin Kick". Wo keine Innovation ist, ist auch keine Existenzberechtigung.
Wie gesagt: Übel ist der Streifen nicht. Man wird sich kaum betrogen vorkommen, wenn man ihn anguckt. Aber besonders mitreissend ist er eben auch nicht, die Frauenrollen (An Jo, Ji-Yeon Park) sind erbärmlich und die Voraussehbarkeit hoch. Die Reaktion auf das Titellied ist vielleicht bezeichnend: Es ist "Life Is Life" von Opus. Das kennt man nun wirklich auswendig. Man fragt sich unweigerlich, ob man diesen 80's-Gassenhauer überhaupt jemals wieder hören wollte. Dem Film gehts genauso ...

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1, DTS, 2.0. mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Spin Kick - Taekwon Boys; Dolryeochagi;
Tollyochagi; 돌려차기
Regie: Sang-guk Nam

Sportfilm

Humor * *

Action * *

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S p i r i t   o f   J e e t   K u n e   D o :   O n c e   U p o n   a   T i m e   i n   H i g h   S c h o o l

Reviewed 7.5.04

Südkorea 2004 1978: Hyun-soo Kim (Sang-woo Kwon) zieht mit seinem Vater, einem Taekwondo-Lehrer, ins Gangam-Quartier von Seoul. Der junge Mann geht in die strenge militärische Schule von Jungmoon. Dort verprügeln Soldaten, Lehrer und Schüler einander. Auch Hyun-soo kriegt seine Schläge ab. Der Bruce-Lee-Fan freut sich deshalb, als der ältere Woo-shik (Jeong-jin Lee) für ihn Partei ergreift. Die beiden werden Freunde und geraten immer öfters an den Studenten-Anführer Jong-hoon Cha (Jong-hyeok Lee). Da erblickt Hyun-soo im Bus ein zierliches Mädchen: Eun-ju (Ga-in Han) und verliebt sich in sie. Doch es ist Woo-shik der vorprescht und sich an Eun-ju heranmacht ...
Filme über koreanische Schulen gibt es wie Sand am Meer. Und eine Vielzahl der Streifen handelt von Gewalt: Unter den Schülern. Von Lehrer zu Schülern. Von Eltern zu Schülern. Wer wie ich die koreanischen Schulen nur aus Filmen kennt, dürfte da keinen Fuss hineinwagen. Tatsächlich sind die Schilderungen auch nicht immer übertrieben. Es geht tough zu an koreanischen Bildungsstätten, das bestätigt auch Regisseur Ha Yu. Und ganz besonders war das 1978 der Fall, als das Land unter der authoritären Militärherrschaft zur Wirtschaftsmacht aufstieg und Schüler auf Erfolg getrimmt wurden.
In dieser Zeit spielt "Spirit if Jeet Kune Do". Der Titel bezieht sich auf Bruce Lees Kampfstil, dessen Motto zu Filmbeginn eingeblendet wird: "Jeet Kune Do lehrt nicht, zurückzuschauen, sondern vorwärts sowald der Weg klar ist". Gleichzeitig informiert der Erzähler am Anfang aber auch, dass Jeet Kune Do als böser Kampfstil verpöhnt war - und im Finale kommt das durchaus zum Vorschein. Doch dazu später. Denn zu Beginn ist der Film klar eine Hommage auf den grossen Bruce Lee. Das Werk beginnt auch mit der wunderbaren Musik von
Fist of Fury sowie ein paar Ausschnitten aus dem Klassiker.
Danach kommen ganz neue Aspekte ins Spiel. Liebe, Drama, Action und Sozialkritik. "Spirit of Jeet Kune Do" hat ein angenehmes Tempo, genügend Humor, um nie zu langweilen. Was mich besonders berührt hat, waren kleine aber doch hintersinnige Gedanken des Protagonisten. Wenn Hyun-soo etwa sagt "Woo-shik bekam das so leicht, was ich so dringend wollte". Die Situation dürfte allen von uns schon einmal widerfahren sein, weil es immer jemanden gibt, der besser ist: Attraktiver, sportlicher, selbstbewusster, intelligenter, beliebter ... ganz besonders dumm ist das, wenn es um Liebe geht. Und wenn der "Bessere" auch noch der Freund ist. Woo-shik schleppt Hyun-soos Mädchen ab, weil er selbst den Mut nicht hatte, den ersten Schritt zu machen. Da die meisten Zuschauer solche oder ähnliche Erinnerungen auch irgendwo gespeichert oder verdrängt haben, entwickelt "Spirit of Jeet Kune Do" eine nostalgische Sogwirkung. Die Elemente fügen sich so locker zu einem Ganzen. Die Liebesgeschichte ist sehr subtil und zärtlich, wenn zum Schluss hin auch etwas unausgegoren. Die Szenen in der Schule sind deftig, insbesondere, wenn man sieht, wie die Soldaten und Lehrer mit den Schülern umgegangen sind.
Und unter einander wird geprügelt, was das Zeug hält. Da kommt wieder Bruce Lee ins Spiel - und einer der moralischen Fragezeichen im Film: Hyun-soo trainiert sich nämlich durch pickelhartes Training einen Muskelkörper mit Kampftalent an. Er macht sich zum Bruce Lee und fordert den Schul-Rowdy heraus. In jedem Film würde dies das grosse heroische Finale, doch Ha Yu läuft nicht in diese Falle. Man bewundert Hyun-soos Training schon und die Idee, dass erst Gewalt ihn zum Mann macht ist fragwürdig - aber der Fight wirkt eher wie eine Resignation. Wie ein Akt der Verzweiflung, der die aufgestauten Sorgen wegprügeln soll. Danach ist jedenfalls nichts gelöst. Grosses Lob geht an Schauspieler Sang-woo Kwon (My Tutor Friend), der den Moment nicht als Triumph spielt, sondern als Drama. Auch die Nebendarsteller sind vorzüglich: Jeong-jin Lee (Hae-jeok, Disco King) verkörpert seinen Macho-Schüler wie jemanden, den man wirklich gerne als (beschützenden) Freund haben möchte, der aber zu Überheblichkeit und Arroganz neigt - ohne es richtig zu merken. Und Ga-in Han muss man in ihrem Kinodebüt einfach lieben.
"Spirit of Jeet Kune Do" hat seine Probleme - massgeblich Überlänge, holprig inszenierte letzte halbe Stunde und eine etwas diffuse Moral. Aber er ist nostalgisch, melancholisch und witzig. Die Kämpfe sind gespickt mit Martial-Arts-Einlagen, aber ansonsten auf roher Faust-Vs-Faust-Basis inszeniert. Die Schläge tun richtig weh. Ein Film, der den Jungs sehr wahrscheinlich eher gefallen wird, weil sie mit Hyun-soos Charakter mitfühlen können. Mir gefiel er jedenfalls - dem koreanischen Publikum auch: er avancierte zu einem der erfolgreicheren Filme 2004 ...

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Once Upon a Time in High School; Maljukgeori janhoksa; Spirit of Jeet Keun Do 
Regie: Ha Yu

Drama

Action * *

Humor * *

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S p r i n g t i m e   ~   G g o t p i n e u n   b o m i   o m y e o n

Reviewed 11.12.04

Südkorea 2004 Der Trompeter Hyeon-woo Lee (Min-sik Choi) hat sich von seiner Freundin Yeon-hee (H-jung Kim) getrennt und lebt wieder bei der Mutter (Yeo-Jong Yun). Sein Leben ist geprägt von Langeweile und Ziellosigkeit. Eines Tages nimmt er den Job als Musiklehrer in der "Dogye Middle School" in der Bergbau-Stadt Samchuk an. Er soll eine Klasse von scheinbar drittklassigen Schülern für einem Wettbewerb rüsten. Die Trommler und Trompeter sind nicht sonderlich motiviert, doch es sind gute Kids. Hyeon-woo freundet sich mit ihnen an und bringt ihnen bei, dass Musik mehr zählt als Gewinnen. Dadurch blüht auch sein Herz auf und er trifft sich mit der Apothekerin Su-yeon (Shin-yeong Jang). Die hat einen Freund namens Ju-ho (Kang-woo Kim), der eifersüchtig wird. Dabei will Hyeon-woo nichts von der jüngeren Su-yeon sondern träumt eigentlich davon, zu Yeon-hee zurückzukehren,
Regiedebütant Jang-ha Ryi nimmt sich etwas gar viel Zeit für sein gemächliches Melodrama "Springtime", das an musikalische Dramen wie "Brassed Off" (1996) oder "Mr. Holland's Opus" (1995) - mit dem sozialen Gewissen von Ersterem und der nostalgischen Melancholie von Letzterem. "Springtime" ist sicherlich kein grosser Film oder einer, der mehrmaliges Anschauen rechtfertigen würde, aber dank dem überzeugenden Spiel der Darsteller und dem Herzen am richtigen Fleck bereitet er zaghaftes Vergnügen für rund zwei Stunden.
Min-sik Choi, der Hauptdarsteller von Oldboy, zeigt einmal mehr sein Talent, diesmal in einer herzensguten Rolle. Alle anderen Akteure sind daneben relativ unwichtig, machen aber das Kleinstadtleben lebendig. Eine der besten Szenen war für mich jene, in der die Kids "Pomp and Circumstance" spielten für die Arbeiter, die gerade aus der Mine kommen. Das majestätische Lied für ein paar Tieflohn-Arbeiter mit Dreck im Gesicht - wirklich sehr gelungen. Eine derartig ungezwungene Sichtweise auf soziale Probleme in kleinen Dörfern und die gesellschaftliche Ablehnung von musischem Talent als unwichtig und unproduktiv machen "Springtime" zum sehenswerten Film. Aber eben: Vom Hocker dürfte er niemanden hauen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. und 2.0 mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: When Spring Comes; Ggotponeun bomi omyeon;
Kkotpinun Pomi Omyon; 꽃피는 봄이 오면
Regie: Jang-ha Ryi

Drama

Humor * *

Spannung *

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S p y   G i r l   ~   G e u n y e o r e u l   m o r e u m y e o n   g a n c h e o b

Reviewed 27.5.04

Südkorea 2004 Eine Spionin aus Nordkorea wird in den Süden geschleust, um einen Überläufer zu schnappen. Sie nimmt den Namen Hyo-jin Park (Jeong-hwa Kim) an, wohnt beim Nord-Sympathisanten Mu-sun Park (Il-seob Baek) und arbeitet bei einem Burger King, wo sie die Kunden genau unter die Lupe nehmen kann. Der Job bringt jedoch seine Probleme mit sich: zum einen nervt sie ihre Kollegin Jin-a Nam (Sang-mi Nam, Too Beautiful to Lie), zum anderen ist sie so hübsch, dass die Jungs der benachbarten Schule total auf Hyo-jin abfahren. Besonders der mehrfach durchgefallene Ko-bong Choi (Yu Kong, My Tutor Friend) verliebt sich Hals über Kopf. So sehr, dass er auf der Website seines Kumpels ein Bild seines "Engels" platziert. Dieses droht jedoch, die Tarnung von Hyo-jin auffliegen zu lassen, weshalb sie Ko-bong zu umgarnen beginnt ...
Oder kürzer zusammengefasst: eine typisch koreanische Komödie mit etwas Romantik, ganz wenig Action und Nord-Süd-Annäherung. Nicht der grosse Wurf, aber ziemlich unterhaltsam. Und dank den Akteuren auch sehr charmant - vor allem wegen Jeong-hwa Kim. Die Debütantin ist wirklich ein Sonnenschein und wenn immer sie im Mittelpunkt steht, blüht der Film richtiggehend auf. Sie macht spielend vergessen, dass der Plot sehr wenig hergibt, dass zum Schluss die melancholische Romantik allen Humor erdrückt und dass zwei Gags (1x Kotzen, 1x Hundekacke anfassen) schlicht nicht in den Film gehören. Zum Glück ist das Level an Toilettenhumor ansonsten bescheiden.
Regiedebütant Han-chun Park konnte mit "Spy Girl" im Kino keinen Hit landen, was auch ganz okay geht, denn Korea hat Besseres zu bieten. Wer aber einen unbeschwerten Abend mit charmanten Schauspielern verbringen will, ist hier gut aufgehoben. Mann, ist diese Kritik kurz. Aber mehr gibts eigentlich wirklich nicht zu sagen ...

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Geunyeoreul moreumyeon gancheob; A Spy Girl
Regie: Han-chun Park

Liebeskomödie

Humor * *

Action *

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T a e g u k g i   ~   T a e g u k g i   h w i n a l r i m y e o

Reviewed 14.10.04

Südkorea 2004 1950: Als die kommunistischen Nordkoreaner den 38. Breitengrad überqueren, beginnt der Krieg zwischen den beiden Korea. Im Süden wird der erst 18-jährige Student Jin-seok Lee (Bin Won) zwangsrekrutiert. Sein älterer Bruder, der Schuhputzer Jin-tae Lee (Dong-Kun Jang) kann ihn nicht alleine lassen und lässt sich ebenso zum Soldaten machen. Seine Verlobte Young-shin Kim (Eun-ju Lee) und seine stumme Mutter muss er hilflos zurücklassen. Die Brüder gelangen schnell an die Front. Jin-tae zeigt beim Beschützen seines Bruders Mut - doch schon bald wird er angetrieben von anderen Kräften. Er wird zum Star der Einheit, holt sich die Tapferkeitsmedaille und merkt nicht, dass sein Bruder sich immer mehr von ihm entfernt ...
Ob Shiri-Regisseur Je-gyu Kang nun mit "Taegukgi" den teuersten koreanischen Film aller Zeiten drehte, ist umstritten. Aber an einem Fakt kommt niemand vorbei: "Taegukgi" ist der erfolgreichste. Fast 12 Millionen Zuschauer, das entspricht einem Drittel der kinotauglichen Bevölkerung. Der Hype um den Film erreichte ein unglaubliches Ausmass, weshalb man als nicht-Koreaner im Nachhinein etwas enttäuscht sein kann von dem Werk. Doch keine Angst: Wer Kriegsfilme mag, der wird auch an diesem Epos Gefallen finden. Kang bringt sein Budget wirklich auf die Leinwand.
Seit "Saving Private Ryan" hat sich die Art, den Krieg abzubilden, grundsätzlich geändert - und daran orientiert sich auch "Taegukgi". Er ist extrem brutal und weckt mit strobo-artiger Wackelkamera das Gefühl, man sei als Zuschauer ganz nah dran. Das Ausmass des Blutbads ist an gewissen Orten unglaublich. Bei einem Selbstmord jagt sich ein Kerl Gehirn und Schädeldecke weg, einer sucht nach seinem Bein, ein anderer nach dem Arm. Leichen explodieren, lebende Menschen explodieren, Schüsse durchbohren zuckende Leiber, Maden tummeln sich auf Wunden, aus denen zuvor noch die Gedärme herauszuquellen drohten. Sicher kein Film für Warmduscher.
Doch ein Kriegsfilm braucht einen emotionalen Anker. Den liefert "Taegukgi" mit dem Brüderpaar. Die Analogie der auseinander driftenden Brüder ist etwas gar plump ein Abbild der beiden auseinander driftenden Nationen, doch ansonsten taugt ein solcher Aufhänger natürlich allemal. Zudem erlaubt er Kang, viel Melodrama in den Plot einzubauen. Sagen wir mal so: Ein koreanisches Epos dieser Grösse braucht ein wenig Kitsch und Heroismus, um zu funktionieren. Es ist diese für westliche Augen manchmal an Klebrigkeit grenzende Nostalgie mit einem Schuss Melancholie, die die eigentümlich koreanische Note erzeugt, die viele ansonsten krasse Filme haben. So wechselt sich dann eben knallharter Realismus mit leicht überhöhter Brüderlichkeit ab.
Mit 148 Minuten ist das Epos etwas auf der langen Seite. Der Anfang ist geglückt, das Auseinanderreissen der Familie und der erste Kontakt mit dem Krieg zeigen Wirkung. Im mittleren Abschnitt schleichen sich Wiederholungen ein, doch dieser Part wird dadurch interessant, dass die Bilder diffuser werden. Zuvor findet keine Reflektion statt: Südkoreaner metzteln böse Kommunisten ab - doch dieses Schema wechselt. Plötzlich begehen Südkoreaner Kriegsgräuel, die südkoreanische Bürgerwehr knallt vermeintliche Kommunisten auf offener Strasse ab und Südkoreaner misshandeln ihre nördlichen Kriegsgefangenen. Sicher kein Bild, das nur den Helden zelebriert. Solche Momente dienen vielmehr dazu, einmal mehr zu zeigen, dass Krieg die Hölle ist.
Erst ganz gegen Ende haut Kang ein paar Mal daneben. Jin-taes Aktionen machen nicht viel Sinn und es benötigt zu viel Goodwill Seitens der Zuschauer, all die Ereignisse zu schlucken. Was dabei hilft sind die Darsteller: Dong-Kun Jang machte schon in Coast Guard eine gute Figur als gequälter Soldat und brilliert auch hier. Teenie-Idol Bin Won mausert sich ebenso überzeugend vom schüchternen Schüler zum seelisch angeknacksten Krieger. Und sieht dabei selbst mit Dreck im Gesicht noch fein aus. Damit nicht nur Testosteron vorkommt, hat die süsse Eun-ju Lee (Unborn But Forgotten) eine eher kurze, aber bewegende Nebenrolle.
Letztendlich erfindet "Taegukgi" den Kriegsfilm nicht neu, ist aber ein durch und durch solider und kompetenter Streifen. Episch angelegt, blendend inszeniert, angereichert mit Gewaltexzessen, Heroismus, Bruderliebe, starken Bildern und Patriotismus ("Taegukgi" ist immerhin der Name der südkoreanischen Flagge) sowie veredelt durch starke Schauspielleistungen und den Mut zur nationalen Selbstkritik. Es ist einzusehen, wieso der Film die Koreaner in Massen ins Kino locken konnte. Im Westen erzeugt er vielleicht nicht die selben Reaktionen - aber einen gut gemachten Film erkennt man ja eigentlich unabhängig von der Nationalität.

Hier auf DVD erhältlich (SK)
Hier auf DVD erhältlich (US)
Hier auf DVD erhältlich (D)

Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. und 2.0 mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen
Alternative Titel: Tae Guk Gi: The Brotherhood of War; Taegukgi hwinalrimyeo;
태극기 휘날리며
Regie: Je-gyu Kang

Kriegsfilm

Gewalt * * *

Action * * * *

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T e m p t a t i o n   o f   W o l v e s   ~   N e u k d a e u i   y u h o k

Reviewed 16.11.04

Südkorea 2004 Die Provinz-Teenagerin Han-kyung "Nuna" Jung (Cheong-a Lee) kommt an eine High School in Seoul, wo sie sofort die Aufmerksamkeit zweier Jungs weckt: Hae-won Bahn (Han-seon Jo) und Tae-Sung Jung (Dong-won Kang, Too Beautiful to Lie). Die beiden Rivalen kämpfen erbittert um die nicht sondelrich attraktive Aussenseiterin. Tae-Sung probiert es als Charmeur, Hae-won als cooler Macho. Nuna kann sich nicht entscheiden, denn beide liegen ihr am Herzen. Doch da merkt Nunu, dass hinter Tae-Sungs beschützerischer Zuneigung mehr steckt als nur Liebe ...
"Temptation of Wolves - Romance of Their Own" ist der jüngste Liebesfilm, der auf einem Internetroman basiert, wie zuvor etwa My Sassy Girl oder My Tutor Friend. Die Autorin von "Temptation of Wolves" heisst
Lee Yun-se, bekannt unter dem Pseudonym Guiyeoni, und zeichnet auch für den Netzroman He Was Cool verantwortlich. Jener leidet etwa an denselben Problemen wie dieses Liebesdrama: Totale Ausrichtung auf das 15-30-jährige weibliche Publikum, Macho-Männer in Cool-Guy-Rollen, unfokusierte Handlung. Die Ausgangslage, wonach zwei der umschwärmtesten Männer der Stadt ein mittelmässiges Mädel anhimmeln, mag die Zielgruppe ja in den siebten Himmel bringen, doch sie ist weder glaubwürdig noch besonders moralisch.
Nicht glaubwürdig, weil diese zwei Hengste nie erklären, wieso sie auf die durchschnittliche Nuna abfahren. Solche Fantasien seien ja jedem Mädchen gegönnt, doch rein dramaturgisch braucht es etwas, was diese Anziehungskraft erklärt. Moralisch ist das Ganze auch nicht, weil die Kerle über Nana verfügen und um sie kämpfen, als sei sie ein brünstiges Reh. Aus feministischer Sicht kein geglückter Zustand. Dann himmelt Nana auch zwei Typen an, die eigentlich nur blöd sind. Klar sehen sie dufte aus, doch sie bestätigen ihre Männlichkeit ausschliesslich durch Prügeln und Saufen. In einem Film könnte man das noch durchgehen lassen, doch das Männerbild zieht sich mittlerweile durch fast alle koreanischen Jugendfilme. Ein Mann muss ein Macker sein, muss dreinschlagen können und die Frau auch mal wie eine Ware behandeln - und dafür himmeln ihn die Girlies an. Es ist ein seltsamer Trend, der emanzipatorische Errungenschaften der letzten Jahre auf den Kopf zu stellen scheint.
Dass die Jungs attraktiv sind, steht ausser Frage. Regisseur Tae-gyun Kim (Volcano High, First Kiss) beweist es den Zuschauern auch immer wieder, wenn die Mädchen der Schule sie mit "oh, er ist so cool" begrüssen und ihn gleich mit ihren Handys abfotografieren. Das wäre so hübsch für eine Satire, doch auf dieses Gleis fährt "Temptation of Wolves" nie. Dafür unternimmt er an der Filmmitte ein paar seltsame Sprünge in Melodrama-Gefilde. Ein paar abstruse Twists sollten aber gar nicht logisch erklärt werden - es geht nur darum, die Jungs auch noch weinen zu lassen. "Seht ihr, die sind gar keine Machos" werden die liebestrunkenen Missen verkünden, doch eine Träne macht noch kein Herz. Es geht nur darum, dem Publikum ein paar Seufzer zu entlocken. Nicht aus wahrem Mitgefühl, sondern weil es ja sooo süss ist, wenn diese Traummänner eine Träne vergiessen. Richtig zum Abfotografieren.
"
Temptation of Wolves" ist ein ziemlich langweiliger, bedenklicher und handwerklich plumper Film, der einmal mehr zeigt, dass Regisseur Tae-gyun Kim zu den schwächeren Exponenten aus Korea gehört. Das Konzept des Werks durchschaubar und es wird nur dadurch gerettet, dass die Akteure Charme haben, die Strassenkämpfe der Jungs mit Schmiss inszeniert sind und die erste Hälfte hin und wieder ganz witzig ist. Von allen Internetromanen, die bisher verfilmt wurden, ist "Temptation" aber sicherlich einer der schwächeren und keiner, den man gesehen haben muss. Ausser man ist 18 Jahre alt, weiblich und bis über beide Ohren verknallt in Jan-seon Jo oder Dong-won Kang.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. und DTS mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Romance of Their Own; True Romance; Lure of the Wolf; Neukdaeui yuhok;
Nukdae eui Yoohok; 늑대의 유혹
Regie: Tae-gyun Kim

Liebesdrama

Humor *

Action * *

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T h i s   C h a r m i n g   G i r l   ~   Y o j a ,   j e o n g - h y e

Reviewed 6.5.05

Südkorea 2004 Die 29-jährige Jeong-hye (Ji-su Kim) arbeitet in einem Postbüro in Seoul. Sie macht ihre Arbeit korrekt, aber meistens in völliger Stille. Ihre Kolleginnen betrachten sie als Aussenseiterin, weil sie immer ins selbe Restaurant essen geht und kaum soziale Kontakte pflegt. Am wohlsten fühlt sie sich in ihrer Wohnung, die sie seit dem Tod der Mutter alleine bewohnt. Ein kleines Kätzchen, das sie gefunden und hochgepäppelt hat, leistet ihr Gesellschaft. Kaum ein Mann dringt in ihre emotionale Isolation vor. Ihr Ex-Mann, den sie in der Hochzeitsnacht verlassen hat, erklärt ihm im Restaurant, dass er heiraten wird. Nur ein schüchterner Autor (Jeong-min Hwang) weckt Jeong-hyes Interesse. Er schaut immer wieder in der Poststelle vorbei, bis Jeong-hye sich getraut, ihn anzusprechen. Lieben kann die traumatisierte Frau ihn aber nicht richtig.
"This Charming Girl" ist kein Film für mich, das wusste ich eigentlich schon, bevor ich ihn angeschaut habe. Nicht nur, weil manche Kritiker ihn mit dem Schaffen von Michelangelo Antonioni verglichen hat. Er gewann auch einige Nebenpreise an bekannten Festivals, wo eher die Förderung eines Films im Vordergrund steht als dessen Qualität. "This Charming Girl" reichte es In Berlin immerhin zur
Netpac-Auszeichnung (Network for the Promotion of Asian Cinema) - und tatsächlich hat er einige positive Überraschungen zu bieten. Primär ist es die Schauspielerin: Die TV-Actrice Ji-su Kim gibt ihr Kinodebüt und ist in ihrer zurückhaltenden Art schlicht formidabel. An einem späten Punkt im Film, an dem sie eine grosse Entscheidung treffen soll, stauen sich die Tränen in ihren grossen Augen, ohne abzulaufen - und dies über quälend lange Sekunden. Es ist eine fantastische Szene.
Aber der Film selbst ist trotzdem nicht mein Ding. Zum einen liegt mir dem ständige Herumgewackle mit der Kamera nicht. Dem Regisseur will man die ganze Zeit ein Stativ schenken. Das glaziale Tempo verhindert zudem den Zugang. Ich bin kein Freund davon, wenn Langweile und Routine im Leben einer Figur als Langeweile und Routine wiedergegeben werden. Filmemacher müssen doch eine Art finden, uns die Ödnis zu vermitteln ohne zu langweilen. Das ist eine Knacknuss, die manche Independent-Filmer nicht knacken und deshalb Langeweile auch exakt als Abbild porträtieren.
Jeong-hyes Leben ist jedenfalls geprägt von Alltagstrott, von Einsamkeit und Langweile. Aber genau so mag sie es. Wieso? Das will ich natürlich nicht verraten, aber Regiedebütant Yoon-ki Lee gibt in interessant verwobenen Kurz-Rückblenden Hinweise, bevor die "Offenbarung" kommt. Sie gehört zu diesen freudianischen Klischees, die im Kino schon so oft behandelt wurden. Und erst noch besser. Überhaupt gibt es viele psychologische Klischees vom kleinen Kätzchen-Ersatzfreund bis zum angeknacksten Frau in einer scheinbar maskulinen Gesellschaft.
Diese Versuche, den Ereignissen Tiefgang zu geben, sind an mir völlig vorbeigegangen. Ich habe mich für Jeong-hae interessiert, aber nicht genug, um mir ihr trostloses Leben in trostloser Form anzutun. Es gibt Momente von Charme, von kleinen, gelungenen Gesten. Und es gibt umwerfende Stellen, wie die Szene, die ich oben beschrieben habe. Aber das reicht nicht. Am Schluss steht man vor offenen Fragen und blickt zurück auf einen lethargischen Film, der sich clever vorkommt und trotzdem nur ein einig wirklichen Pluspunkt hat: Ji-su Kim. Aber an Festivals kommen Filme dieser Art bestens an.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. und 2.0 mit engl. Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Yoja, jeong-hye;
Yeo-ja, Jeong-hye; 여자, 정혜
Regie: Yoon-ki Lee

Drama

Anspruch * *

Spannung *

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T h r e e . . .   E x t r e m e s :   C u t

Reviewed 5.11.04

Südkorea 2004 Pan-asiatische Horror-Anthologie aus:
Box (Japan) - Takashi Miike
Dumplings (Hongkong) - Fruit Chan
Cut (Südkorea) - Chan-wook Park

Der Regisseur Ji-ho Ryu (Byung-hun Lee, JSA) kommt nach einem anstrengenden Dreh nach Hause in sein grosses Haus. Dort überrumpelt ihn ein Kerl (Won-hie Lim). Der entpuppt sich als ehemaliger Statist, den Ryu immer ignoriert hat. Er hat Ryus Frau (Hye-jeong Kang, Oldboy), eine Pianistin, ans Klavier gebunden und ihre Finger festgeleimt. Ryu selbst ist mit einem Gummiband an der Wand befestigt. Der Kidnapper erklärt, er könne nicht akzeptieren, dass ein reicher Schnösel wie Ryu auch noch so nett sei. Reiche Menschen dürfen nicht nett sein, das würde sein Weltbild zerstören. Also solle Ryu etwas Böses tun: Im Raum sitzt ein kleines Mädchen. Ryu soll es erwürgen. Tut er es nicht, schneidet der Kidnapper der Gattin alle paar Minuten einen Finger ab. Als er bei drei angelangt ist, eskaliert die Situation ...
"Three... Extremes" ist die Fortsetzung der multi-asiatischen Horror-Anthologie Three. Thailand ist diesmal nicht dabei, dafür konnte Produzent Peter Chan drei der versiertesten Regisseure Asiens gewinnen: Takashi Miike für Box, Chan-wook Park für "Cut" und Fruit Chan für Dumplings. Der koreanische Beitrag von Chan-wook Park (Oldboy) nimmt den mittleren Platz auf dem Podest ein: "Cut" ist ein rabenschwarzes Theater des Grauens. Minimalistisch in seiner Ausgangslage, maximal in seinem Effekt. 45-minütige Filmchen müssen so sein, damit eine Anthologie funktionieren kann.
"Cut" ist ganz klar die brutalste Episode in "Three... Extremes". Finger werden abgeschnitten und gemixt, Menschen erwürgt und brutal in den Hals gebissen. Ein Grossteil der Handlung spielt in einem perfekt gestylten Raum, in dem die Frau des Regisseurs wie eine Puppe an Seilen hängt. Dieses Setup unterstreicht den theatralisch-künstlichen Aspekt der Episode. In typischer Chan-wook-Park-Manier werden Menschen zu einem Spielball in einem sadistischen Spiel. Oldboy lässt grüssen. Und damit kommt man schnell zur Frage: Was würde ich tun? Park schöpft den Reiz dieser Frage aus und überrascht mit immer neuen teuflischen Wendungen. Das Finale ist blutrünstig, danach setzt Park noch einen "Gag" drauf, der nicht ganz nötig gewesen wäre.
Mit Oldboy ist der Film auch visuell verwandt. Schon der wurde vielerorts mit David Fincher verglichen und dieser Vergleich drängt sich in den ersten Minuten erneut auf. Die Kamera rast durch Gegenstände und Wände, nicht unähnlich jener in "Panic Room". Der brillante Look und die groteske Brutalität machen "Cut" bereits absolut sehenswert. Doch dazu kommt noch der rabenschwarze satirische Aspekt, den sich "Cut" mit
Dumplings teilt. So erzählt Park etwa mit einem Grinsen, der Name des Regisseurs setze sich aus Seung-wan Ryu (No Blood No Tears), Ji-hun Kim  (Mokpo, Gangster Paradise) und Joon-ho Bong (Memories of Murder) zusammen. Der Kerl ist vielleicht als Seitenhieb auf Parks Kollegen entstanden. Daneben nimmt er auch den in Korea leider noch immer beliebten Furzgag auf die Schippe und attackiert in der Film-Glitzerwelt besonders verbreitete Phänomene wie Bottox und Fremdgehen. So ist man nie ganz sicher, auf welcher Seite eigentlich Parks Sympathien liegen. Beim verwöhnten Yuppie-Pärchen wohl kaum. Dank diesem Sakrasmus, der blendenden visuellen Präsentation und dem Sadismus ist "Cut" ein Muss. Er erreicht nicht ganz die stille Brillanz von Dumplings, schlägt aber Takashi Miikes Box mit links.
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Kantonesisch / Japanisch / Koreanisch  5.1
Mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Three 2: Cut; Three, Monster: Cut; Three, Extreme: Cut; Sang geng 2; 쓰리, 몬스터
Regie: Chan-wook Park

Horrorfilm

Gewalt * * *

Spannung * *

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T o o   B e a u t i f u l   t o   L i e   ~   G e u n y e o r e u l   m i d j i   m a s e y o

Reviewed 9.5.04

Südkorea 2004 Yeong-ju Joo (Ha-Neul Kim) sass wegen Betrugs im Knast. Nun gibt sie ihre beste Darbietung und erweicht die Herzen der Bewährungskommission - sie kommt frei. Umgehend will sie ihre Schwester in Pusan besuchen, die bald heiraten will. Im Zug trifft sie auf Hee-cheol Choi (Dong-won Kang). Der schüchterne Kerl lässt versehentlich den Familienring, den er seiner Freundin Jae-eun übergeben will, zwischen die Beine der schlafenden Yeong-ju fallen. Sie erwacht und verprügelt ihn. Danach sieht sie, wie ein Gauner den Ring klaut. Um nicht als Verdächtige dazustehen und ihre Bewährung zu riskieren, klaut sie den Ring zurück - und verpasst den Zug. Mit ihrer Tasche drin. Sie will die Tasche zurück und reist in Hee-cheols Heimatort Yongkang. Er ist nicht da, doch da sie seinen Ring trägt, meint das ganze Dorf, sie sei seine Verlobte! Yeong-ju kann nicht mal richtig widersprechen, da wohnt sie schon bei Hee-cheols Eltern, nennt seinen Papa "Vater" und hat das Gerücht in die Welt gesetzt, sie sei schwanger. Da kommt Hee-cheol an ...
Die Ausgangslage erinnert an den Steve-Martin-Streifen "Housesitter", doch die Stimmung ist anders. "Too Beautiful to Lie" beginnt schräg und wird immer liebenswerter. Im ganzen Chaos ist Yeong-ju nie nervig, sondern eigentlich stets sympathisch. Und wenn die Situation eskaliert, wird der Tumult zum Schreien komisch. Der Mix zwischen Humor und Gefühl ist perfekt, so wie das viele koreanische Komödien jüngerer Zeit scheinbar spielend hinzukriegen scheinen.
Doch das Gelingen des Streifens ist wohl der Hauptverdienst der beiden Hauptarsteller, Ha-Neul Kim (My Tutor Friend) und TV-Star Dong-won Kang. Die zwei ergänzen sich perfekt und sind trotz (oder gerade wegen) ihrer kleinen Fehler so liebenswert. Trotz minimer Überlänge und einer gewissen Vorhersehbarkeit ist die sympathische Verwechslungskomödie eine Freude für alle Fans des kommerziellen koreanischen Humors. Mehr gibts dazu eigentlich gar nicht zu sagen ... ah doch, der Erfolg im Heimatland: der blieb weitgehend aus. Mit rund 1.1 Millionen verkauften Tickets blieb die Komödie weit hinter ähnlichen Hits wie My Tutor Friend (4.8 Mio.) oder My Sassy Girl (4.9 Mio.) zurück und landete im Mittelfeld, zusammen mit dem im gleichen Jahr erschienenen 100 Days With Mr. Arrogant (1.5 Mio.)

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Don't Believe in Her; Geunyeoreul midji maseyo
Regie: Hyeong-jun Bae

Liebeskomödie

Humor * * * *

Spannung *

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A   W a c k y   S w i t c h

Reviewed 9.9.04

Südkorea 2004 Der Schriftsteller Dong-hwa Lee (Jun-ho Jeong, North Korean Guys) hat Probleme mit seiner Frau In-oc, mit dem örtlichen Ladenbesitzer und mit seinem Verleger. Der weist seinen neuen Roman eiskalt zurück und meint, sein letztes Buch "Ich und Kafka" habe sich auch nicht gut verkauft. Dafür bietet er Lee einen anderen Job an: Er soll als Ghostwriter die Biografie eines reichen Kerls schreiben. Der in Geldnöten steckende Lee nimmt an. Sein Kunde ist niemand anderes als Man-chul Yoon (Chang-min Song, Father and Son), der Chef eines grossen Gangstersyndikats. Lee will zuerst von seinem "Amt" zurücktreten, doch nach und nach lernt er die Vorzüge des Gangsterlebens kennen: Geld, Schutz und Macht. Er erarbeitet sich sogar das Ansehen innerhalbt des Clans.
Ich habs an anderer Stelle schon erwähnt, doch es bedarf einer Wiederholung: Koreanische Filmemacher fahren spätestens seit dem Erfolg von My Wife Is a Gangster auf Komödien ab, die einen "Zivilisten" in Gangsterkreisen porträtiert. Neben dem "Tough-Girl verliebt sich in Loser-Boy"-Stoff ist dieses Konzept vielleicht das liebste der koreanischen Filmer dieses noch jungen Jahrtausends. Es ist von beiden auch jenes, das schneller ausgelutscht war. Man kann diese Ausgangslage nur auf ein paar verschiedene Varianten durchspielen und mit "A Wacky Switch" wird klar, dass es bereits auf alle witzigen Arten durchgespielt wurde.
Der Film von Hyeon-Won Jeong bietet nichts Neues und ist von A-Z durchschaubar. Die Akteure mühen sich ab, das Tempo ist angenehm, ein paar der Gags sitzen - das bestätigt eine andere frühere Aussage meinerseits, dass die Koreaner fast keine schlechten Komödien drehen können. "A Wacky Switch" ist dennoch eine Enttäuschung, denn wenn man 105 Minuten lang nur milde amüsiert auf dem Sofa sitzen kann, ist das Ziel nicht ganz erreicht worden. Zu Beginn stellt sich Dong-hwa im Angesichte der Gangster bisweilen sogar so doof an, dass ich mir an den Kopf langte. Ist ja klar, dass er besoffen zuviel plappert, aber kein Mensch bei normalem Verstand würde mordlustige Gangster bei einem Essen anfeinden und aufstacheln. Nicht einmal betrunken.
Zu den Gangstern muss gesagt sein, dass sie diesmal noch "netter" erscheinen als in anderen Gangsterkomödien. Viele koreanische Kritiker haben zu Recht bemängelt, dass die einheimischen Mafiaklamotten die oft sehr gefährlichen Syndikate zu sympathisch darstellen. Das ist in vielen Fällen egal, doch in "A Wacky Switch" sind diese Killer tatsächlich nicht viel mehr als harmlose Kumpels. Gross gemordet wird nie. Im Gegenteil: Man wünscht sich, man hätte doch zwei so Gangster, die einem die Sorgen vom Hals halten würden und mal ihre Fäuste einsetzen könnten. Ganz wie ein privater "Terminator" in Camerons T2. O je, wenn ich einen meiner liebsten Filme mit einem mittelmässigen Korea-Produkt vergleiche, ist es Zeit aufzuhören. "A Wacky Switch"? Spassig ... aber gesehen haben muss man ihn kaum.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Me2Go;
나두야 간다
Regie: Hyeon-Won Jeong

Komödie

Humor * *

Spannung *
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W h e n   I   T u r n e d   N i n e    A h o b s a l   i n s a e n g

Reviewed 16.5.04

Südkorea 2004 Yeo-min Baek (Seok Kim) lebt in der südkoreanischen Provinz. Sein Vater (Dae-han Ji) ist ein einfacher Arbeiter, seine Mutter (Seon-kyeong Jeong) seit einem Unfall auf einem Auge blind. In der Schule ist Yeo-min nicht der beste, hat mit Ki-jong Shin (Myeong-jae Kim) und Keum-bok Oh (Ah-hyeon Na) aber zwei treue Freunde. Zudem ist er der beste Kämpfer und deshalb hoch angesehen. Eines Tages kommt die hübsche Woo-rim Jang (Se-yeong Lee) in ihre Klasse. Sie sitzt neben Yeo-min und entpuppt sich als eingebildete Tussi. Sie komme aus Seoul und ihr Vater lebe in Amerika, von wo er ihr all die schönen Dinge schickt. Sie distanziert sich von den anderen Kindern, ekelt sich vor ihren nackten und dreckigen Füssen. Doch Yeo-min mag sie dennoch. Selbst als er ihr seine Gefühle beichtet und dafür vor der ganzen Klasse lächerlich gemacht wird, hält er zu ihr ...
"When I Turned Nine" basiert auf dem koreanischen Bestseller von
Kee-cheul We - und ist einfach herzerwärmend schön. Ich mag es sonst nicht, wenn Kinder gezeigt werden, die ihrer Zeit voraus sind. Das trifft in "When I Turned Nine" auf etliche der Kids zu - doch das ist Teil des Leitthemas: die Schwelle zum Erwachsenwerden, das Bewusstsein der eigenen Existenz, das noch vor der Pupertät erwächst. Und Themen, die einen von Jung bis Alt begleiten - wie etwa das Wahren des eigenen Images, die Waage zwischen individueller Abgrenzung und Integration in die Gruppe, die Lügen für das eigene Ansehen und das Aufbauen eines eigenen Charakters. Immer wieder fallen die Kinder jedoch in kindliche Schemata zurück, was dem Film erst sein Herz gibt.
Das tönt jetzt alles etwas technisch, doch wer den Film anschaut, wird bald mitgerissen. Die erste Stunde ist relativ locker erzählt, man weiss noch nicht genau, wo Regisseur In-ho Yun hin will. Einige Ideen werden bereits deutlich - so Yeo-mins Liebe zu seiner Mutter, Woo-rims Eitelkeit als Abwehrmechanismus und die Angst von Yeo-mins Freunden, ihn zu verlieren. Wenn sich in der zweiten Hälfte die Ereignisse auf scheinbar unspektakuläre Weise zuspitzen, gewinnt der Film an Kraft und zum Schluss überwältigte er mich mit Wehmut und einem seltsamen Glücksgefühl. Die Tränen konnte ich nicht mehr zurückhalten.
Dies ist die emotionale Qualität des Films, die intellektuelle ist auch nicht zu vernachlässigen. So zieht In-ho Yun Parallelen zwischen einem Mann, der eine oberflächliche Frau liebt (die Piano-Lehrerin), ähnlich wie es Yeo-min mit Woo-rim tut. Doch die Piano-Lehrerin ist nicht wirklich oberflächlich - ebenso wenig, wie Woo-rim es ist. Dazu kommt das fast beiläufige Sinnieren über Armut, über soziale Stellung und Hierarchie in der Schülerschaft. Diese wird durch Gewalt festgelegt: der beste Schläger ist der "Boss". Dieses Element wird leider bald vernachlässigt und die beiden anderen Boss-Anwärter werden aus dem Plot ausgeklammert. Überhaupt werden einige Nebenhandlungen zum Schluss hin gekippt, was man dem Film vorwerfen könnte. Doch sein Charme ist zu gross, um ihm wirklich böse zu sein.
"When I Turned Nine" ist ein toll gespielter, nostalgisch-melancholisch inszenierter und routiniert erzählter Jugendfilm, der eigentlich eher an die älteren Zuschauer mit ihren Jugenderinnerungen gerichtet ist. Ein wahnsinnig schöner Film, den man nicht verpassen sollte.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Ahobsal insaeng
Regie: In-ho Yun

Jugenddrama

Humor * *

Spannung * *

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W h o ' s   G o t   t h e   T a p e ?    E o g g a e d o n g m u

Reviewed 2.7.04

Südkorea 2004 Tae-sik Kim (Dong-geun Yun) und seine beiden Handlanger arbeiten für den Gangsterboss Jang. Für den müssen sie auch auf ein brandgefährliches Videoband aufpassen. Dummerweise deponiert Tae-shik dieses in der Videothek seiner Freundin. Als es dort zum Tumult kommt, haut der junge Dong-mu Na (Seong-jin Lee) mit dem Tape ab, im Glauben, er habe einen Pornofilm abgestaubt. Als Tae-sik und seine Kumpels den Teenager aufgestöbert haben, ist der Schock gross: er weiss nicht, wo das Tape ist. Also geben die drei sich als Polizisten aus, um mit Dong-mu nach dem Teil zu suchen. Dabei geraten sie in haarsträubende Situationen und werden für echte Polizisten gehalten ...
Jin-gyu Cho drehte einer der bekanntesten Filme Südkoreas: My Wife Is a Gangster. Erst drei Jahre später wagte er sich wieder hinter die Kamera und blieb dem Genre der Gangsterkomödie treu. Doch das Resultat liegt weit hinter dem Vorläufer zurück. Es heisst "Who's Got the Tape?" und hat kaum einen Höhepunkt zu bieten. Stattdessen plätschert die Geschichte mit halbwegs akzeptablem Tempo vor sich hin, bietet ein paar Szenen zum Schmunzeln, ein paar Passagen mit Action und zum Schluss etwas Melodrama. Also alles, was koreanische Filme meistens zu bieten haben. Bloss diesmal in allzu stromlinienförmiger Art. Nichts bleibt hängen.
"Who's Got the Tape?" ist kein schlechter Film. Aber einer ohne Ecken und Kanten, zu dem es auch gar nicht viel zu sagen gibt. Einer, der gut gespielt ist, aber keine überwältigenden Performances bietet. Einer, den man schnell vergisst und den man kaum in einer Bestenliste finden wird. Also das glatte Gegenteil von My Wife Is a Gangster, der von ein paar Kritikern gehasst wird aber national wie international eine beeindruckende Karriere machte. Mal sehen, ob sich Jin-gyu Cho in wiederum drei Jahren etwas Besseres einfallen lässt.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Eoggaedongmu
Regie: Jin-gyu Cho

Gaunerkomödie

Humor * *

Action *

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W i n d s t r u c k   ~   N a e   y e o j a c h i n g u r e u l   s o g a e   h a b n i d a

Reviewed 6.9.04

Südkorea / Hongkong 2004 Die übereifrige Polizistin Kyung-jin Yeo (Ji-hyun Jeon) und der Lehrer Myung-woo Ko (Hyuk Jang) treffen durch ein Misverständnis aufeinander. Als sie auch noch mit Handschellen aneinandergekettet einige brenzlige Situationen überstehen, verlieben sie sich. In dieser Beziehung gibt klar die toughe Kyun-jin den Ton an, die Dinge sagt wie "Entschuldigung steht nicht in meinem Wörterbuch". Und Myung-woo folgt ihr wie ein treuer Hund - selbst wenn sie auf Streife geht, taucht er mitten in einer Schiesserei auf. Doch da passiert ein Unfall, der die beiden auseinanderreisst ...
Jae-young Kwak gilt als einer der Gründerväter des modernen koreanischen Kinos. Sein Debüt My Sassy Girl von 2001 startete nämlich zu einem weltweiten Triumphzug, der noch nicht abgeschlossen ist - schliesslich ist noch ein US-Remake unterwegs. Doch Kwaks Kassenschlager war auch ein Fluch. Zum einen für die Regisseure, die nun im Monatstakt Klone von My Sassy Girl abdrehten, die meisten bloss ein Abklatsch des Originals. Zum anderen auch für den Regisseur, dessen Nachfolgefilm The Classic weit weniger Zuspruch fand.
Für "Phase zwei nach Sassy" wollte er deshalb auf Nummer sicher gehen und castete für "Windstruck" das sassy Girl gleich höchstpersönlich: Ji-hyun Jun. Die kesse Schauspielerin in den ersten 50 Minuten zu sehen, macht Freude. Sie hat noch immer Schmiss und obwohl die Comedy-Momente mit ihrem Co-Star Hyuk Jang (Please Teach Me English) doch etwas abgegriffen sind, bleibt das Tempo gut. Die Rolle als toughes aber attraktives Girl, ein Part, der spätestens seit My Sassy Girl ebenso zum Standardrepertoire des koreanischen Kinos gehört, meistert sie mit Leichtigkeit. Es gibt ein paar Probleme mit dem Tonfall: So ist etwa eine lebensgefährliche Schiesserei mit dem zusammengebundenen Pärchen eher deplaziert - doch diese erste Hälfte macht weitgehend Spass.
Dann türmen sich die Fehlentscheidungen. Kwak steuert nun nämlich auf ein Melodrama zu. Eine der Hauptfiguren stirbt. Ich verrate nicht welche. Es ist recht reizvoll, zu raten, welche, denn zu Beginn sieht man Kyung-jin vom Hochhaus fallen, später macht Myung-woo Andeutungen, dass er ableben könnte ("If I die, I want to become the wind"). Der, der danach übrig bleibt, darf den halben Film lang trauern. Hier trägt Kwak zu dick auf mit übersinnlichen Elementen, Seelenpein und etwas Comedy. Der Schauspieler, der übrig bleibt, ist masslos überfordert mit diesem schweren Plot.
Und dann kommt das klebrige Finale. Ich bin ja fürwahr kein Verächter von Kitsch (ich betreibe eine Bollywood-Webseite, wink wink), doch was Kwak hier aufsetzt, ist gaga. Ich war nicht gerührt, nicht bewegt, sondern nur ermüdet. Eine ganze Stunde verschwendet er mit dem Aufbau dieses nicht sonderlich neuen und doch enttäuschenden Finales. Und danach ist noch nicht einmal fertig! Es wird noch ein Epilog aufgetischt, der aufgesetzt ist und den halben Film ruiniert. Kwak erlag dem modernen Hollywood-Syndrom, dass Filmemacher nicht mehr wissen, wann sie aufhören sollen.
Diese zweite Hälfte zieht "Windstruck" runter. Soviele Unfälle, soviele Tode und Suizidversuche, dass man irgendwann überladen ist. "Genug, komm zum Ende" dachte ich immer wieder, doch Kwak gibt erst nach 126 Minuten auf. Ein Publikum erreichte er damit dennoch: In Korea hatte "Windstruck" über 2 Millionen Zuschauer. Damit lag er zwar hinter den Erwartungen aber noch vor The Classic. Und in Hongkong, wo "Windstruck" co-produziert wurde, nicht zuletzt, weil My Sassy Girl und Ji-hyun Jun extrem beliebt sind, waren die Zahlen auch nicht berauschend. Ist es Zeit für eine neue Sassy-Formel? Jae-young Kwak sollte über die Bücher und was Neues finden, was koreas Filmindustrie dann wieder vier Jahre lang kopieren kann.

Hier auf DVD erhältlich (D)
Meine Disk (HK): Code 0 NTSC. Koreanisch 5.1. und DTS sowie Kantonesisch 5.1
Mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternative Titel: Nae yeojachingureul sogae habnida; Yeochinso; I Got You Babe; 내 여자친구를 소개합니다; 野蠻師姐
Regie: Jae-young Kwak

Liebes-
Tragikomödie

Humor * *

Spannung *

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W o m a n   I s   t h e   F u t u r e   o f   M a n    Y e o j a n e u n   n a m j a u i   m i r a e d a

Reviewed 26.7.04

Südkorea 2004 Der unlängst aus den USA zurückgekehrte Filmemacher Heon-jun Kim (Tae-woo Kim) trifft auf seinen alten Freund Mun-ho Lee (Ji-tae Yu, Oldboy), der jetzt als Kunstprofessor arbeitet. Die zwei Männer um die 30 beschliessen, essen zu gehen. Schon bald sprechen sie über Seon-hwa Park (Ex-"Miss South Korea" Hyeon-a Yeong), eine hübsche Frau, mir der beide vor sieben Jahren im College zusammen waren. Unabhängig voneinander beschliessen sie, Seon-hwa zu besuchen. Sie finden heraus, dass sie nun eine Bar leitet. Sie ist nicht mehr die Person, die sie einst war. Aber das trifft auch auf die beiden Kerle zu ...
Was will uns dieser Film sagen? Damit bin ich leider übrfragt. 88 Minuten lang kriecht der Film voran, ohne Ziel, ohne Inhalt, ohne Spannung. Koreas selbst ernannter Auteur Sang-soo Hong ist bekannt dafür, lethargische Filme mit coolen Titeln, viel Alltagsbanalität, wenig Substanz aber viel vermeintlicher Cleverness zu drehen. "Woman Is the Future of Man" ist diesbezüglich sogar noch missratener als sein bekanntestes Werk Virgin Stripped Down by Her Bachelors. Die Geschichte ist schwach erzählt. Über die exakte Chronologie der Ereignisse rätselt man, doch kaum jemand dürfte zur Klärung den Streifen zweimal anschauen. Die Darsteller sind mässig, ausser zu improvisieren haben sie eh nicht viel zu tun. Es handelt sich vielleicht um realistische Figuren - aber auch um schrecklich langweilige. Ihre Jobs, ihre Lebenssituation, all dies ist egal. Sie existieren nur für den Moment, für diese eine Szene, die gerade läuft. Eine Einbindung, ein Kontext, ist für Sang-soo Hong nicht wichtig. Und dann gibts immer wieder diese Hong-Momente, in denen die Personen aus dem Nichts schnell ein wenig Sex haben. "Hey, kannst du mir eins blasen" meint Mun-ho eines Nachts zu Seon-hwa und sie tuts. In den Sexszenen entdeckte ich manchmal etwas Ironie, doch zu mehr reicht es nicht.
Ich bin mir sicher, Hong will mit seinen Filmen jeweils etwas Gewichtiges vermitteln - doch dies gelingt ihm einfach nicht. Ob es die Einsamkeit in der heutigen Gesellschaft ist? Das Fehlen an Visionen unter den Männern Koreas? Ein Film über Freundschaft und Beziehungen? Über das Älterwerden? Ich würde wirklich gerne eine Antwort liefern, aber es gibt keine. Denn "Woman Is the Future of Man" hat nichts zu sagen. Natürlich wird so mancher Kritiker etwas Nachvollziehbares hineindichten, doch das ist müssig. Der Streifen ist leer, leer wie ein Blatt Papier. Auf ein solches Blatt kann man was draufmalen, das vielleicht etwas hergibt. Doch das Blatt selbst ist dennoch kein Kunstwerk. Etwa so kommt mir "Woman Is the Future of Man" vor. Selbst der Titel (nach einem Gedicht von
Louis Aragon) ist ein weisses Blatt Papier. Genug der Metaphern: Lasst diesen amateurhaften Streifen sausen, ihr werdet es nicht bereuen ...
Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (SK): Code 3 NTSC. Koreanisch 5.1. mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Yeojaneun namjaui miraeda
Regie: Sang-soo Hong

Tragikomödie

Humor *

Erotik * *

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