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4 : 3 0

Singapur 2005 Ausführliche Kritik: hier.

 

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Reviewed 24.6.05

Singapur 2003 Singapur. Melvin (Melvin Chen) und Vynn (Vynn Soh) sind ausgestossene 15-Jährige. Das einzige was sie haben, ist einander. Sie nehmen Drogen, fantasieren über Frauen und tätowieren sich den Körper. Einer ihrer Kumpels ist der am ganzen Körper gepiercte Shawn (Shaun Tan), der sich jedoch einer anderen Clique angehängt hat: Den Straw Cats. Sein bester Kumpel ist Erick (Erick Chun), ein glatzköpfiger Rebell, der nur in Shawns Nähe Halt findet. Die beiden freunden sich eines Tages mit Armani (Melvin Lee) an, der sie auf eine Stadtrundfahrt mitnimmt - um das beste Gebäude zu finden, von dem es sich in den Tod springen lässt.
Für die meisten Menschen ist Singapur jener Staat, der das Kaugummi auf die Strasse Spucken unter strenge Strafe gestellt hat. Die heile Welt der klinisch sauberen Moderne, sozusagen. Umso schockierender muss deshalb "15" wirken, ein krasser Blick auf die abgestürzte Jugend des vermeintlich blitzblanken Stadtstaates. Doch nicht nur landesunkundige Filmfans trifft der Film wie ein Faustschlag - auch die mitfinanzierende Filmbehörde von Singapur war "not amused" und verbot den Streifen kurzerhand wegen Sex, Gewalt und Pöbelei gegen das Image des Landes. Jungregisseur Royston Tan verdient deshalb Lob für seinen Mut.
Doch Mut alleine macht noch keinen guten Film. Der im Ausland von etlichen Kritikern mit Lobeshymnen eingesäuselte Streifen mischt neorealistisches Amateur-Casting mit MTV-stilisierter Inszenierung und versucht sich gleichsam als Gesellschaftssatire, hippes Jugenddrama und Melodrama voller Teen Angst. Das Resultat ist etwa so orientierungslos wie die Jugendlichen. Erst einmal können die Jungs nicht schauspielern. Klar hat Tan sie von der Strasse aufgelesen, aber das entschuldigt nicht ihr Mangel an Talent. Nur hin und wieder überzeugen sie, etwa, wenn sie direkt in die Kamera ihre Botschaften rappen, losgelöst vom Plot ein paar Tränen vergiessen (die sind zwar echt, aber im Kontext unpassend) oder wenn sie kurze Momente von Intimität geniessen. Dies nie mit Mädchen (kommen nicht vor), sondern brüderlich untereinander. Homoerotischer Subtext rutscht dabei immer wieder hinein, aber Tan umgeht eine Betrachtung von Homosexualität in Macho-Männergemeinschaften leider weitgehend und so wirkt auch diese Intimität etwas aufgedrückt, der Hipness Willen.
Verdient haben es sich die Charaktere nämlich nicht. Man nimmt ihnen die Gefühle, die sie zwischendurch haben, gar nie ab. Klar versucht Tan zu zeigen, dass die spindeldürren Teen-Rebellen ihre Macker-Hüllen ablegen können und dann sehr verletzlich sind - aber diese Dualität funktioniert auf dem Papier besser als im Film, wo ansonsten alles derart überzeichnet, derart ästhetisiert wird, dass leise Gefühle wie ein Trick wirken, um den Protagonisten mehr Tiefgang zu verleihen. Das Laute und Direkte ist in "15" beinahe ehrlicher. Ein rabenschwarzes "suicide manual" etwa, bei dem sich ein animierter Teen-Boy in bester "Happy Tree Friends"-Manier abmurkst. Oder eben die Rap-Sequenzen, die riesigen Text-Einblendungen von prätentiösen Lebensweisheiten.
Diese "lauten" Elemente haben dafür ein anderes Problem: Sie langweilen schnell. "15" war ursprünglich ein 20-minütiger Kurzfilm und ich kann mir gut vorstellen, dass er so besser funktioniert. Für 90 Minuten hat Royston Tan schlicht nicht genug Ideen und gar keinen Plot. Die durch MTV-Editing, hippes Getue und ein paar reale Selbstverstümmelungen (echtes Durchpiercen der Lippen, echtes Aufschneiden der Arme) zusammengehaltenen Episoden werden von Minute zu Minute leerer und "15" wirkt schnell wie ein Abklatsch von "Kids" oder besserer Urban-Teen-Angst-Stoffe. Chuck Palahniuks Helden sind zwar älter, aber für mich ist der Autor von "Fight Club" und "Survivor" immer eine Art Messlatte für "trendige, messerscharf beobachtete Gesellschaftsphobie" - und Tan springt nicht halb so hoch wie diese Latte. Tan ist wie gesagt mutig, aber hinter dem Mut steckt auch der Werbefilmer, der er ist, welcher mehr an Stil und Kontroverse als an Inhalt interessiert ist. Rebellieren ist cool, eine Gummipuppe durch Singapur tragen ist cool, Pornobildchen im Zimmer aufzuhängen und halb knuddelnd davor einzuschlafen ist cool, als Jungs gegenseitig die Pimmel zu messen ist cool, Selbstmord ist irgendwie auch noch cool - doch was will uns diese Werbesendung sagen? Nach etwa 20 Minuten Bild-Beschuss weiss man das nicht mehr und beginnt sich zu langweilen.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (GB): Code 2 PAL. Mandarin / Hokkien 5.1, DTS und 2.0 mit englischen Untertiteln.
Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: 十五
Regie: Royston Tan

Teeniedrama

Gewalt * *

Humor * *

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Singapur 2005 Ausführliche Kritik: hier.

 

B e   W i t h   M e

Singapur 2005 Ausführliche Kritik: hier.

 

B u f f a l o   B o y   ~   M u a   l e n   t r a u

Reviewed 14.4.06

Vietnam / F / B 2004 Das Mekong-Delta im Süden des französisch besetzten Indochinas: Der 15-jährige Kim (The Lu Le) lebt mit seinem Vater Dinh (Huu Thanh Nguyen ) und seiner Mutter in einer kleinen Hütte. Ihr Land bestellen sie mit zwei Wasserbüffeln, die sie hüten wie einen Schatz. Ohne sie könnten sie ihre Schulden nicht zahlen. Als die jährliche Flut die Felder unter Wasser setzt, ist die Familie gezwungen, die Büffel in höhere Lagen zu bringen. Den Büffeltreibern möchte der Vater die Tiere nicht mitgeben, doch letztendlich ist er doch gezwungen, Kim mit den Tieren loszuschicken: Er soll sich einer Büffelgruppe anschliessen. Kim landet bei den Männern des wortkargen Lap (Nhan Vo Hoang) und lernt einen neuen Lebensstil kennen. Er freundet sich mit dem Khmer Det (Zan Sram Kra) an und lernt die hübsche Ban (Thi Kieu Trinh Nguyen) kennen, die Det vor fünf Jahren geschwängert hatte.
Das Beachtlichste an diesem Film ist das Wasser. Es ist überall: Auf den Körpern, auf dem Boden, in der Luft. Und obwohl darum alles so saftig, ja fruchtbar aussieht, gibt es kaum einen Flecken Erde, auf dem genug Gras für die Büffel wächst. Dass Menschen dort überhaupt leben, ist beeindruckend und Teil der Faszination, die "Buffalo Boy" ausübt. Die Story des Dramas basiert auf einer Kurzgeschichte aus der Sammlung "Scent of the Cà-Mau Forest" des Autors Nam Son und handelt zwar auch von den Menschen, die sich dem Zyklus von Flut und Trockenzeit unterwerfen - aber genauso auch von der Natur selbst, der die Probleme der Menschen egal sind.
Die meiste Handlung spielt während der Flut. Man sieht also kleine Häuschen, die beinahe auf dem Wasser treiben, Menschen, die bis zum Hals im Wasser stehen, Büffel, die sich durch das Wasser kämpfen. Den Kampf gegen das nasse Element führt auch der Protagonist Kim, lebensecht gespielt von The Lu Le. Vom schüchternen jungen Mann wandelt er sich zum eigensinnigen Kerl, der kurz davor steht, auf die "dunkle Seite" zu fallen und seine animalischen Triebe stärker auszuleben. Irgendwie kann man ihn dabei fast verstehen. Keinesfalls möchte ich Gewalt und Vergewaltigungen rechtfertigen, doch die lebensfeindliche Atmosphäre, die suggeriert wird, drängt die Männer beinahe in diese Rolle des Überlebenskämpfers, der sich nimmt, was er will.
Den Kontrast bilden die alten Pärchen - die Eltern und das Ehepaar im einsamen Häuschen. Sie führen trotz Armut harmonische Leben und dienen Kim als Alternative zum brutalen Lebensstil der Büffeltreiber. Das Dilemma des Mannes, welche Lebensweise er annehmen will, ist das wichtigste dramaturgische Element des Films. Der Rest folgt dem Zyklus des Wassers: "Buffalo Boy" hat keine dichte Story, keine immense Spannung, sondern er zeigt in nüchterner, aber ungemein kraftvoller Bildsprache das Leben im Mekong-Delta. Es ist ein relativ simpler Film von eindrücklicher Schönheit, ein Film, dessen Szenerie alleine schon das Ansehen wert macht. Es gibt viele Flecken auf dieser Erden, bei denen man sich wundert, warum dort überhaupt Menschen leben. Wenn Filmemacher diese Orte als Schauplatz von Filmen auswählen, ist meist ein Grundpotential an Faszination garantiert. Das Mekong-Delta ist zweifelsfrei ein solcher Ort.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Vietnamesisch 2.0 mit englischen Untertiteln. Anamorphic Widescreen.
Alternativer Titel: Mua len trau
Regie: Minh Nguyen-Vo (Nguyên-Vo Nghiêm-Minh)

Drama

Spannung *

Anspruch * *

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D i   a m b a n g   m i s t e r i

Reviewed 18.5.06

Malaysia 2004 Die Fernsehjournalistin Natasha (Elaine Daly) bekommt von Miss Geena den Auftrag, die Insel Pulau Indah Kayangan zu untersuchen. Geenas Boss Mr. Long plant dort ein Ressort, doch seine Leute kommen durch mysteriöse Zwischenfälle ums Leben. Natasha reist mit ihren Begleitern Adam Tony Eusoff) und Dino (Raja Azery) auf das Eiland, wo sie der Führer Coke (Zamarul Hisham) in Empfang nimmt. Er erklärt, dass die Einheimischen glauben, Geister würden den Wald vor Eindringlingen beschützen. Tatsächlich wird das Quartett bald von unheimlichen Kreaturen und zwielichtigen Eingeborenen belästigt.
Die Akteure sind attraktiv, die Kameraarbeit überraschend solide - doch dieser malaysische Gruselfilm gibt nicht viel her. Zu zäh das Tempo, zu dünn der Plot. Trotz der bescheidenen Lauflänge von etwas über eineinhalb Stunden kommt einem "Du ambang misteri" deswegen richtig lang  vor. Nicht einmal ein grosses Finale entschädigt für den Durchhaltewillen. Stattdessen plätschert Regisseur Silver Chung langsam aus und bietet als Zuschlag einen mutlosen Twist.
Die Geister selbst, die das VCD-Cover so zahlreich bevölkern, aber kaum vorkommen, sehen nicht übel aus - wenn sie still stehen. Sobald sie sich bewegen, wirken sie wie auf einem Wagen gezogen und erscheinen entsprechend läppisch. Von Unheimlich keine Spur. Eine andere potentiell unheimliche Szene ist jene, in der Mr. Long mit einer Dame Sex hat, die sich in eine Schlange verwandelt. Sie erwürgt ihn auf so sinnliche Art, dass Homoerotik zwingend ist. Chung drückt sich auch nicht darum - im Gegenteil: Die Schlange wird liebkost und gehandhabt wie ein grosser, fleischiger Phallus. Unheimlich? Keine Spur. Aber immerhin sexier als John Abrahams Schlangen-Wrestling im Bollywood-Grusler Kaal, das ebenfalls (wohl unfreiwillig) beste homoerotische Unterhaltung liefert.
Zwei Sterne als Bewertung bekommt "Di ambang misteri" deshalb nur ganz knapp. Wie erwähnt: Gefilmt ist die Sache noch stattlich, trotz ein paar Cutting-Problemen. Auch die Schauspieler sind nicht allzu übel und auf Comic-Relief-Szenen wird dankbarerweise weitgehend verzichtet. Das alles ist kaum als Lob aufzufassen, vielmehr als Aussage im Stil von "es hätte alles noch viel schlimmer kommen können". "Di ambang misteri" ist nicht schlimm. Bloss langweilig, banal und alles andere als unheimlich. 

Hier auf VCD erhältlich
Meine Disk (Malaysia): VCS. Malaiisch mit englischen Untertiteln. Widescreen (nicht anamorph).
Regie: Silver Chung

Gruselfilm

Spannung *

Action *

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F i r s t   M o r n i n g   ~   B u o i   S a n g   D a u   N a m

Reviewed 24.9.06

USA 2004 Die in Amerika lebende Vietnamesin Kim-Anh (Catherine Ai) erleidet einen Herzinfarkt. Ihr erwachsener Sohn Tuan (Johnny Nguyen) kehrt deshalb nach Hause zurück, um sich zu informieren. Sein Vater Minh (Dang Hung Son) gibt sich zugeknöpft, weist nur darauf hin, dass Tuans Schwester Linh (Kathleen Luong) das Haus verlassen habe. Erst Onkel Nam (Long Nguyen) erzählt Tuan, dass Linh ein seelisches Wrack war und alle Versuche, sie auf die richtige Bahn zu holen, fehlschlugen.
"First Morning" ist eine US-Produktion von Exil-Vietnamesen in Vietnamesisch, deshalb bespreche ich sie in dieser Sektion. Regisseur Victor Vu ("Spirits") versucht darin, ein Familiendrama mit einem Drama über die seelischen Folgen des Vietnamkriegs zusammen zu packen. Das schlägt leider auf fast ganzer Linie fehl. Zum Schluss hat der Film kaum etwas zu sagen über das Trauma der Boat People, trägt nicht viel zur Diskussion über des Fremdseins in einem anderen Land bei und schafft es nicht einmal, als echtes Familiendrama zu bewegen und überzeugen.
Immerhin: Gefilmt ist "First Morning" für sein kleines Budget ganz stattlich und es gibt ein paar Szenen, die in sich funktionieren. Doch die Liste der Mängel ist leider um ein vielfaches länger - eher schnell abhaken kann man etwa die lästigen Popsongs in den emotionalen Montagen, das steife Spiel von Stuntman und Schauspieler Johnny Nguyen (Tom-Yum-Goong), das oberflächliche Spiel von Kathleen Luong ("Green Dragon") und die klischeehafte Zeichnung des Vaters. Weitaus stärker ins Gewicht fällt die schlecht erzählte und psychologisch unhaltbare Story.
Dies zeigt sich besonders in der Figur der Linh, die ohne nachvollziehbaren Kick vom schüchternen Mädchen zum Männer vernaschenden Partygirl wird. Und wieder zurück zum suizidalen Nervenbündel. Das alles wird erklärt durch eine "Überraschung", die den ganzen Film hindurch in der Luft und eigentlich auf der Hand liegt. Nur: Sie erklärt ihr Handeln nur bedingt und es ist eine Fehlkalkulation Vus, dass wir uns für eine schlecht gezeichnete Figur eine Stunde lang interessieren sollen, die in Selbstmitleid versinkt, ohne dass wir wissen, wieso. Natürlich war da was in ihrer Vergangenheit - also zeigt es uns doch, damit wir versuchen können, zu verstehen. Doppelt dumm, dass die Erklärung so plump ist und, als sie endlich ans Licht kommt, der Film nochmals kippt, da nun die Zeit gekommen ist, zur Schlussbotschaft überzugehen. Das ist sehr bemühtes Filmemachen.
Vu nimmt sich hier ein Thema vor, das ihm am Herzen liegt. Und es birgt interessante Ansätze: Ein Film über Traumata vietnamesischer Einwanderer - das hat was. Viele Kritiker liessen sich denn auch eher von dieser Idee an sich einlullen, anstatt zu hinterfragen, ob es wirklich so tiefgründig ist, was uns der Regisseur hier vorsetzt. Ich meine nein. "First Morning" steht psychologisch auf enorm wackeligen Beinen, hat schauspielerischen Nachholbedarf und ist zu allem Übel langweilig. Das hängt ganz besonders damit zusammen, dass wir uns für Linh nicht gross interessieren, da wir viel zu lange nichts über sie erfahren. Leidende, selbstzerstörerische Leute sind nicht bewegend, wenn wir nicht Teil ihres Leids werden. Besonders dann, wenn sie auch noch so emotionslos gespielt sind wie Linh. Der Film fällt deshalb schnell in sich zusammen und auch die "Lösung" baut ihn nicht mehr auf, da sie extern bedingt ist, statt intern, auf Klischees aufbaut und eben viel zu spät kommt.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 1 NTSC. Vietnamesisch + Englisch 2.0 mit nicht ausblendbaren englischen Untertiteln. Letterboxed Widescreen.
Alternativer Titel: Buoi Sang Dau Nam
Regie: Victor Vu

Drama

Anspruch * *

Spannung *

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H o m e r u n

Reviewed 26.11.04

Singapur 2003 Der zehnjährige Chew Kiat Kun (Shawn Lee) lebt in den 60er-Jahren mit seiner kleinen Schwester Seow Fang (Megan Zheng) und seinen Eltern (Xiang Yun, Huang Wenyong) in einem armen Dorf in Singapur, damals noch Teil von Malaysia. Eines Tages verliert Kun die Schuhe seiner Schwester. Ein neues Paar kann sich die Familie nicht leisten. Deshalb zieht Fang die Schuhe des Bruders am Morgen an, rennt nach Hause, wo sie die Schuhe austauschen. Kun kommt fortan ständig zu spät. Er bekommt in der Schule auch noch Ärger mit dem älteren Tan Beng Soon (Joshua Ang).
Nach seinem Superhit I Not Stupid ging Singapurs erfolgreichster Regisseur, Jack Neo, auf Nummer sicher. Er inszenierte erneut einen Film mit Kindern als Stars und nahm sich ein Vorbild an jenem Streifen, der ihn zuletzt zu Tränen gerührt hatte: dem iranischen "
Children of Heaven" (1997). "Homerun" ist ein treues Remake dieses sympathischen Films. Doch zum einen stopft Neo zuviel Nebensächlichkeiten in den Plot, zum anderen wirkt er forciert, ja melodramatisch. Am besten funktioniert er, wenn die Kinder die Szenerie für sich haben. Dann entwickelt "Homerun" Charme. Das sahen auch die Kritiker: Kind-Darstellerin Megan Zheng holte sich als erste Singapur-Schauspielerin die Auszeichnung als bester neuer Schauspieler bei den "Golden Horse Awards" in Taiwan.
Die Handlung hat ein liebevolles Zentrum mit der ganzen Schuh-Geschichte, doch der ganze Rest funktioniert nicht so richtig. Der Kampf der Schulkinder untereinander, die immer mal wieder zelebrierte Freundschaft unter Kun und seinen Freunden, Fangs Verlust der Schuhe am immergleichen Ort - "Homerun" wirkt an vielen Stellen einfach holprig. Auch Neos Versuch, zeitgeistige Gesellschaftskritik einzubringen, ist nicht sehr erfolgreich. Vor allem für nicht ortsansässige Zuschauer. Neo thematisiert nämlich an mehreren Stellen den Wasserkonflikt zwischen Singapur und Malaysia (der Stadtstaat bezieht fast die Hälfte seines Wassers aus dem Nachbarland). Die Anspielungen stiessen in Malaysia sauer auf, der Film wurde verboten. Als uneingweihter Zuschauer sieht man jedoch das Wasser höchstens als immer wieder auftretendes Element in Form von Schlamm, Kanälen oder Wasserflaschen. Für die Story ist dieser Einbezug aber höchstens hinderlich oder dann einfach unmotiviert.
"Homerun" hat bis auf die sympathische Kindergeschichte eigentlich auch nichts zu bieten. Ein wenig Drama, ein bisschen Humor, ein wenig Spannung, alles präsentiert in bekömmlichen kleinen Häppchen. Probleme lösen sich schnell auf, Konflikte halten nie so lange an, dass es für jemanden wirlich gefährlich werden kann. Und bevor sich alles in Wohlgefallen auflöst, fragt man sich, wieso man nicht gleich zum iranischen Original gegriffen hat.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (HK). Code 3 NTSC. Kantonesisch 2.0 und 5.1, Mandarin 2.0 mit engl. UT. Letterboxed.
Alternativer Titel: Home Run
Regie: Jack Neo

Tragikomödie

Humor * *

Spannung *

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I   N o t   S t u p i d   ~   X i a o h a i   b u   b e n

Reviewed 1.8.04

Singapur 2002 Wer in Singabpurs Schule schlechte Noten hat, kommt ab dem 12. Lebensjahr in die EM3-Klassen. Diese Schüler werden nicht auf eine akademische Ausbildung hin geschult, sondern müssen ihre Defizite aufarbeiten - vor allem in Englisch und Mathematik. Drei solche Schüler sind Terry Khoo (Pu Ju Huang), Kok Pin Liu (Shawn Lee) und Boon Hock Ang (Joshua Ang). Sie stammen aus unterschiedlichen Gsellschaftsschichten, werden in der Klasse aber die besten Freunde. Terry ist etwas dick, weshalb er gehänselt wird. Zudem ist er krankhaft obrigkeitshörig. Seine reichen Eltern (Richard Low, Selena Tan) geben ihm alles - nur keine Freiheit. Terrys pupertierende Schwester Selena (Cheryl Chan) rebelliert deswegen bereits offen. Boon Hock kommt aus einer armen Familie, seine Eltern (Choi Yeng Wong, Xian Bin Zheng) müssen an allen Ecken sparen. Kok Pin ist ein begnadeter Maler, doch seine Mutter (Yun Xiang) prügelt ihn ständig, damit er in Mathe und Englisch besser wird. Sein Vater (Regisseur Jack Neo) hat andere Probleme: Er arbeitet in einer Werbefirma, die einen neuen Art Director (Harlow Russell) aus Amerika angestellt hat. Obwohl dessen Werbeidee für die Vermarktung von "Ba Gua"-Fleischsnacks schlechter ist, wird ihr der Vorzug vor jener von Mr. Liu gegeben. Zum einen, weil Lius Gegner aus dem Westen kommt, zum anderen, weil der Auftraggeber Terrys Vater ist - und der liegt mit Liu im Streit.
"I Not Stupid" startete im Februar 2002 in Singapur und hielt sich vier Wochen lang auf Platz eins. Insgesamt spielte er 3.8 Millionen Dollar ein und avancierte somit zum zweiterfolgreichsten Film des Landes hinter "Money Not Enough". Bei beiden Filmen schrieb Jack Neo das Drehbuch, bei "I Not Stupid" führte er auch Regie. Der Film kam gut an, weil er lokale Themen so wunderbar in die Geschichte einbettet. Massgeblich den Konflikt zwischen Moderne (Englisch) und Tradition (Chinesisch). Zwischen Gehorsam und Individualismus. Das Schlachtfeld dieses Kulturkriegs ist das Ausbildungssystem Singapurs. Das hört sich trocken an - ist es aber nicht.
Zwar erscheinen die Dialoge hie und da allzu lehrmeisterlich, doch sie sind gut gemeint. Neo zeigt, wie die Schüler unter extremem Leistungsdruck stehen. Wer in Englisch und Mathe versagt, wird geradezu aus der Gesellschaft verabschiedet. Der Staat züchtet erfolgreiche Bürger; jene, die es nicht schaffen, stehen hinten an. Doch "I Not Stupid" klagt nicht nur über die Missstände, er zeigt auch, dass man es trotz EM3 im Leben zu etwas bringen kann. Vielleicht ist dies etwas blauäugig, aber man akzeptiert es gerne. Schliesslich ist die Realität hart genug und Neo weicht dieser nicht aus. Im Gegenteil: Er geht soweit und thematisiert sogar den Kinderselbstmord, ein Phänomen aller zivilisierten Länder, das aber in Singapur primär durch den Leistungsdruck entsteht und scheinbar noch früher auftritt als im Westen.
Zum Glück ist "I Not Stupid" eine Tragikomödie, denn so gibts immer wieder Humor, der diese eigentlich düstere Bestandsaufnahme von Singapurs Gesellschaft auflockert. So gereicht es den Charakteren selbst zum Happyend, das man ihnen vollumfänglich gönnt. "I Not Stupid" ist kein Geniestreich, da er inszenatorisch brav bleibt, so manche Handlungsentwicklung voraussehbar ist und einige Klischees sich einschleichen - doch als humorvolle Analyse des Singapurer Naturels ist der Streifen eine Entdeckung wert.

Hier auf DVD erhältlich (Malaysia, Limited Ed.)
Hier auf DVD erhältlich (Thai)
Hier auf DVD erhältlich (HK)
Meine Disk (HK): Code 3 NTSC. Kantonesisch 2.0, Hokkien 5.1 mit engl. UT. Widescreen (nicht anamorph)
Alternativer Titel: Xiaohai bu ben
Regie: Jack Neo

Tragikomödie

Humor * *

Spannung *

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T h e   M a i d

Reviewed 12.3.06

Singapur 2005 Im siebten Monat des chinesischen Kalenders öffnen sich für 30 Tage die Pforten der Hölle. Die Geister wandeln auf Erden, weshalb die Einwohner von Singapur sich durch traditionelle Riten wie Geld-Verbrennungen schützen. Rosa Dilmaar (Alessandra de Rossi), eine 18-jährige Philippinin, die frisch nach Singapur kommt, weiss davon nichts. Als sie eine Stelle als Haushälterin bei Herr (Chen Shucheng) und Frau Tan annimmt, die mit ihrem geistig zurückgebliebenen Sohn Ah Soon (Benny Soh) leben, wird sie erstmals mit Geistern konfrontiert. Einer scheint sogar in ihrem Zimmer zu hausen.
Mit "The Maid" legt Regisseur und Ex-Kritiker Kelvin Tong sicher keinen innovativen Geisterfilm vor, auch keinen wirklich spannenden. Doch er ist routiniert inszeniert und die Geschichte taugt für kurzweilige 90-Minuten-Unterhaltung. Sie nimmt Inspirationen aus anderen asiatischen Geisterfilmen auf, doch es handelt sich glücklicherweise nicht um Ideen-Diebstahl. Vorhersehbar ist das Ganze dennoch. Also warum sich den Film überhaupt antun?
Da ist Alessandra de Rossi. Die philippinische Schauspielerin (Mano Po 2, Hubog) leistet gute Arbeit und sieht natürlich auch ganz niedlich aus. Sie spricht im Film meist Englisch und ein wenig Tagalog. Die Einheimischen sprechen mit ihr Englisch, untereinander jedoch meistens den Min-Nan-Dialekt
Teochew, der sich vom staatlich bevorzugten Mandarin unterscheidet. Dadurch ergibt sich ein relativ authentisches Flair, das dem Film auch einen gewissen Reiz verleiht. Unterstrichen wird dieser Realismus durch den Kontrast aus moderner Fassade auf der einen Seite und traditionellen Riten sowie weniger gelackten Hinterhöfen auf der anderen.
Wo "The Maid" am meisten enttäuscht, ist leider der Grusel-Faktor. Er ist einfach nicht sonderlich unheimlich, da die meisten Geister-Erscheinungen von der "Buh"-Machart geleitet sind. Das heisst die Kamera zeigt plötzlich auf einen Geist, die Musik jault auf, jemand schreit und vorbei ist der Spuk. Der bessere asiatische Horror lebt eben gerade vom Draufhalten: Dem "Anti-Buh", wenn also zum Beispiel die Kamera einen langen Gang zeigt und hinten aus der Türe ein Geist kommt und langsam auf den Protagonisten im Vordergrund zugeht, der davon nichts mitbekommt. Dies ist nur eine Illustration, aber die Grundidee ist eben eine andere als beim plötzlichen Schock. Ein Film, der nur aus "Buh"-Schrecks besteht, ist meist eine Enttäuschung.
Wenn zum Schluss die Karten auf dem Tisch liegen, gewinnt "The Maid" immerhin etwas an Spannung und auch die Ereignisse werden packender. Das Aufbäumen gegen Ende sowie die bereits erwähnte routinierte Machart reichen denn auch für 2½ Sterne. Wirklich grosses Kino ist dieser in seiner Heimat erfolgreiche Grusler allerdings nicht.

Hier auf VCD erhältlich
Hier auf DVD erhältlich (US)
Meine Disk (Malaysia): VCD PAL. Teochew/Englisch/Mandarin/Tagalog 2.0
Mit englischen Untertiteln. Letterboxed Widescreen.
Regie: Kelvin Tong

Horrorfilm

Spannung * *

Gewalt *

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M e m o r i e s   o f   D i e n   B i e n   P h u

Vietnam 2004 Ausführliche Kritik: hier.

 

P e r t h

Singapur 2004 Ausführliche Kritik: hier.

 

T h e   P r i n c e s s   o f   M o u n t   L e d a n g   ~   P u t e r i   g u n u n g   l e d a n g

Reviewed 10.1.05

Malaysia 2004 Im 15. Jahrhundert: Der hinduistische Herrscher von Majapahit auf Java, Gusti Adipati Handaya Ningrat (Alex Komang), will seine Schwester Gusti Putri Raden Adjeng Retno Dumilah (Tiara Jacquelina) an den Prinzen seines Erzfeindes Demak verheiraten, um Frieden zu stiften. Doch Putri liebt Lord Admiral Hang Tuah (M. Nasir) vom muslimischen Reich Melaka und weist die Verlobung zurück. Demak rüstet daraufhin zum Angriff, Gusti Adipati steht unter Zugzwang. Er bittet Melakas Sultan Mahmud (Adlin Aman Ramlee), Gusti Putri zu heiraten. Da Hang Tuah seinem Herrscher treu ergeben ist, kann er die Heirat nicht blockieren und die beiden Reiche wären gegen Denmak vereint. Doch Putri lässt sich nicht einfach zur Schachfigur machen und flieht auf den Berg Gunung Ledang.
"The Princess of Mount Ledang" ist Malaysias teuerster Film (US$ 5 Mio.) und der Landesbeitrag für die "Oscar"-Verleihung 2005. In seinem Heimatland war der Streifen ein Hit und wird bereits als Ausgangspunkt für ein Revival des klassischen malaysianischen Kinos angesehen. Insofern drängen sich Vergleiche zum thailändischen Epos Suriyothai auf, doch vom Inhalt her empfand ich ihn näher beim Bollywood-Epos Asoka. Einfach mit weniger Action, weniger Songs und weniger Grandeur. "The Princess of Mount Ledang" ist ein eindrücklicher und sehenswerter Film. Für Fans des asiatischen Kinos sicher einen Abstecher wert. Aber er ist kein richtig ausgereiftes Werk.
Werbe- und Videofilmer Saw Hin Teong hätte bei seinem Regiedebüt zum Beispiel gut daran getan, die Schere etwas öfters einzusetzen. Mir ist klar, dass der Film epische Grösse bekommen musste, schliesslich ist diese Legende ein patriotisch angehauchter Dauerbrenner. Aber müssen es wirklich zweieinhalb Stunden sein? Es gibt Passagen, da passiert nichts oder einfach nichts Neues. Der Held trennt sich von seiner Geliebten, sinniert ein wenig und kehrt zu ihr zurück. Dies wird endlos wiederholt und erst noch in unnötig komplizierter Rückblendenstruktur wiedergegeben. Solche Szenen ziehen den Film arg in die Länge. Überhaupt hat micht die zentrale Lovestory nicht vom Hocker gehauen - unter anderem auch, weil ich zwischen den beiden Hauptdarstellern keine Chemie spürte. Viel besser gelungen ist die historische Seite aus Politik, Ausstattung und kulturellen Beigaben.
Dazu gehört Tanz, Gesang und Martial-Arts. Eine der eindrücklichsten Szenen zeigt zwei der Kämpfer bei einem Duell auf dem See, zeitweise stehend auf dürren Baumstämmen im Wasser. Der Fight hat etwas poetisches, etwas anderweltiges. Wirklich eine sehr gelungene Sache. Ebenso superb gefiel mir eine kurze Szene, in der Putri die Lianen im Urwald kontrollierte und sie wie Schlangen um ihre Opfer krochen. Es gibt noch mehr eindrückliche Passagen, doch die meisten muss man als Zuschauer erst freilegen. Manche Minute mit argwöhnischem Blick auf die Uhr vergeht, bis mal wieder ein kleines Juwel auftaucht. Und manch andere Szene, wie etwa Gusti Putris telepathische Kommunikation mit ihrem Bruder, ist unfreiwillig komisch. Wie gesagt: Her mit der Schere. Die Lovestory muss Gewicht haben, das steht ausser Frage, doch Länge allein macht noch kein Gewicht.
"The Princess of Mount Ledang" erfindet das Kino nicht neu. Aber Liebhaber des romantisierten, mystischen und epischen Kinos kommen auf ihre Kosten. Die Sprache ist ungewöhnlich, die Martial-Arts-Choreografie auch, der Tanz ebenso - selbst für mich als Bollywood-, Thai- und Hongkong-geschulten Filmfan. Doch das macht ja einen Teil des Reizes aus. "The Princess of Mount Ledang" hat, wie in Malaysia üblich, keinen Sex und keine Gewalt, deshalb wirkt er etwas keimfrei. Und auch die Überlänge ist ein gewaltiges Hindernis - doch ansonsten sollte euch nichts davon abhalten, dieses gross aufgezogene Werk anzuschauen.

Hier auf VCD erhältlich
Meine Disk (Malaysia): VCD. Malaiisch 2.0 mit nicht ausblendbaren englischen Untertiteln.
Anamorphic Widescreen. Die Qualität der 3 VCDs ist sehr gut (Bild und Untertitel)
Alternative Titel: Puteri gunung ledang; A Legendary Love
Regie: Saw Hin Teong

Historien-
Liebesdrama

Action * *

Spannung *

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Q a i s y   &   L a i l a

Reviewed 10.3.06

Malaysia 2005 Laila (Nur Fazura) ist die Tochter des reichen Dato (Ridzuan Hashim) und lebt in Kuala Lumpur. Doch in ihrem Leben fehlt etwas. Deshalb verlässt sie die Familie und ihren Freund Arman (Fahrin Ahmad) und reist nach Kandahar. Dort tritt sie in die Dienste von Dr. Duria (Umie Aida), die die örtliche Vertretung von "Merit", der malaysischen Hilfsorganisation. Bei ihrer Arbeit freundet sie sich unter anderem mit dem Übersetzer Qaisy (Jehan Miskin) an und lernt eine neue Welt kennen.
"Qaisy & Laila" hörte sich viel versprechend an, da das Budget des malaysischen Dramas recht hoch war und der Blickwinkel interessant schien: Was hält ein Regisseur aus einem muslimischen Land von den Ereignissen in Afghanistan? Ich war auf alles vorbereitet, sei es eine heftige US-Attacke oder Gutheissung der
Intervention. Worauf ich indes nicht gefasst war, war die akute Langeweile. "Qaisy & Laila" ist extrem schleppend, fad inszeniert und lustlos gespielt. Manche der Akteure wirken wie in einem Laientheater und Regisseur Raja Ahmad Alauddin bleibt trotzdem lange auf ihnen drauf. Um die schläfrige Atmosphäre zu verstärken, werden wir mit schrecklichem Voice-Over beider Hauptdarsteller eingelullt. Das zwei Stunden durchzuhalten, braucht Kraft.
Denn Alauddin hat nicht viel zu erzählen. Die Romanze der beiden titelgebenden Figuren wirkt bemüht und ihr fehlt jeglicher Esprit. Besonders der Neuling Jehan Miskin, der afghanische Wutzeln hat, spielt steif. Die Charaktere sind zudem alle so naiv, dass es weh tut. Besonders natürlich Laila, die im modernen Malaysia ihr Leben nicht schätzen kann und darum nach Afghanistan geht, um zu helfen. Die daraus resultierende politisch-historische Komponente geriet leider auch sehr naiv. Dass Afghanistan lange der Spielball der Supermächte war, ist klar und bedauerlich. Doch der Film suggeriert, dies gehe nun weiter und zeigt amerikanische Helikopter bei mehreren Gräueltaten. Von unterdrückter Freiheit wird geredet, von den bösen Absichten der Mächte - nur die Taliban werden nicht erwähnt. Das würde wohl nicht ins schematische, polemische Bild der Filmemacher passen. Wenn sich manche Personen nach den "guten alten Tagen" sehnen, hoffe ich einfach, sie meinen die Zeit vor der russischen Invasion und nicht die Herrschaft der islamistischen Fortschrittshasser.
Wäre "Qaisy & Laila" eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Nachkriegsleids in Afghanistan, er würde vielleicht funktionieren. Doch selbst da langt Alauddin daneben: Seine Stars reisen ständig umher, wirklich helfen tun sie selten und das Leid wird deshalb nur selten sichtbar. Auch hier dominiert also eine Verklärung. Um dies auszugleichen, kommen immer wieder die nervtötenden Erzählstimmen, die erklären, wie arm dran man ist und welch Leid man tagtäglich durchmacht. Nicht erzählen, zeigen bitte - das soll schliesslich ein Film sein, kein Hörspiel. Ausserdem wirken die immergleichen Klagetexte mit der Zeit plump und erwecken mal wieder den Eindruck, es sei in vielen muslimischen Regionen populär, sich als ewig leidendes Volk aufzuspielen. Die Moslems sind da aber nicht allein - Leid gehört anscheinend zur Definition der meisten Religionen. Egal ob Katholiken, Juden oder eben Moslems. Das geht bei mir zu einem Ohr rein und zum anderen wieder raus.
Vielleicht habe ich für den Film schlicht die falschen Voraussetzungen. Wenn man sich mit den Personen besser identifizieren kann, ist eventuell auch die Wirkung heftiger. Das ändert allemal nichts daran, dass "Qaisy & Laila" langweilig und talentfrei inszeniert ist, dass die Akteure bestenfalls durchschnittlich und der Inhalt mehr als dünn ist. Die polemisch angehauchte Abhandlung des Afghanistan-Konflikts ist also nur das kleinste Problem an dieser Seifenoper.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (Malaysia): VCD. Malaysisch/Englisch/Paschtu 2.0 mit eingebrannten englischen Untertiteln.
Letterboxed Widescreen.
Regie: Raja Ahmad Alauddin

Drama

Spannung *

Humor *

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R e t u r n   t o   P o n t i a n a k

Reviewed 7.2.05

Singapur 2001 Pontianak, eine Industriestadt im Westen der Insel Borneo: Die Asia-Amerikanerin Charity Yamaguchi (Hiep Thi Le, "Heaven and Earth") vermutet, dass ihre leibliche Mutter im Dschungel nahe der Stadt lebt. Mit ihrem Internet-Freund Raymond Kok (Victor Khong) will sie der Sache nachgehen. Der englische Partygänger Luke (Steve Banks) und seine Kurzzeitfreundin Uzi (Eleanor Lee) schliessen sich der Gruppe an. Als Führer heuern die vier Teenager den dubiosen Eye (Fadali) an. Doch Eye verschwindet schon bald und die Gruppe verirrt sich trotz Raymonds GPS-Ausrüstung. Sie gelangen zu einem abgelegenen Haus, in dem ein seltsamer alter Mann lebt. In der Umgebung des Hauses erblicken die Teenager immer wieder eine mysteriöse Frau (Fadzlina Mohamad Shafie). Angst macht sich breit.
"Return to Pontaniak" wurde als US-DVD unter dem Titel "Voodoo Nightmare" veröffentlicht. Da der Originaltitel eine Verbindung zum Ort des Geschehens aufbaut und die zweite Bedeutung des Wortes "Pontaniak" für den Plot geradezu zentral ist, bleib ich bei dem. Es handelt sich bei dem in Englisch gedrehten Ultra-Low-Budget-Film um ein Ripoff von "The Blair Witch Project": Ein paar mässig talentierte Schauspieler schleppen sich durch den Urwald, verlaufen sich und werden Opfer einer mysteriösen Frau. Alles im verwackelten Digi-Look gefilmt. "Return to Pontianak" hat nicht den gleichen dokumentarischen Ansatz wie das bessere US-Vorbild, aber die Parallelen sind dennoch schwer zu übersehen. Leider schafft es Regisseur Djin trotzdem nicht, jemals wirkliche Spannung aufkommen zu lassen.
Zum einen sind die Darsteller schwach und ihre Figuren kleine Nervensägen. Sie quasseln in abgestandenem Teen-Slang der 90er ("hey, man!") und quälen sich durch unnütze Wortwechsel. Den Film hätte man auch in 30 Minuten abhaken können. Dann wird der Background der zentralen Geisterfigur kaum geklärt; eine Einblendung am Schluss des Films gibt ein wenig Auskunft. Doch besser wäre es halt schon, im Laufe des Films Spuren zu legen. Immerhin muss man auch ein wenig was über den Mythos der "Blair" Hexe wissen, um mit den Protagonisten mitzuleiden und zu befürchten, es gäbe eine solche Hexe. Hier sieht man die Frau recht bald, dadurch bleibt nur das Rätsel um ihre Absicht. Und dies wird nicht einmal im Ansatz erörtert, was ein wenig frustriert.
Es gibt gute Momente, etwa Lukes Insektengekotze oder ein paar Herumirr-Szenen im Wald. Doch letztendlich hinterlässt der Film ein "been there done that"-Gefühl und wirkt noch amateurhafter als der absichtlich auf amateurhaft getrimmte "Blair Witch Project" - der eben gerade nicht amateurhaft war, sondern geschickt so eingefädelt. Diese Taktik kapiert Djin nicht. Oder versucht einen anderen Weg. Wie dem auch sei, das Resultat ist enttäuschend.

Hier auf DVD erhältlich
Meine Disk (US): Code 0 NTSC. Englisch 2.0. Widescreen (nicht anamorph).
Alternativer Titel: Voodoo Nightmare
Regie: Djin

Horrorfilm

Spannung * *

Gewalt *

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R i c e   R h a p s o d y

Singapur / HK 2004 Ausführliche Kritik: hier.

 

S e p e t

Reviewed 16.4.06

Malaysia 2004 Orked (Sharifah Amani) ist eine 16-jährige Musterschülerin aus wohlhabendem malaysischem Hause. Lee Seow-Loong (Ng Choo-Seong) ist ein VCD-Verkäufer mit chinesischen Wurzeln. Als Orked mit ihrer Freundin Lin auf dem Markt VCDs mit Takeshi-Kaneshiro-Filmen kaufen will, begegnen sich die zwei. Loong nennt sich aus Scham Jason und gibt Orked seine Nummer. Die zwei kommen sich langsam näher, was Orkeds Eltern (Ida Nerina, Harith Iskander) weniger beunruhigt, als jene von Jason.
Yasmin Ahmads zweiter Spielfilm "Sepet" avancierte in seiner Heimat Malaysia zu einem kommerziellen und künstlerischen Überraschungshit und verzauberte auch auf etlichen Festivals seine Zuschauer. Das feinfühlige Liebesdrama hat den Erfolg zweifellos verdient. Die Chemie zwischen den beiden Jungschauspielern ist hervorragend und sie wirken in allen Belangen ungekünstelt. Meine Favoriten dürften jedoch Orkeds Eltern gewesen sein - alleine ihre Dialoge mit Haushälterin Yam sind herrlich und bieten die wohl witzigsten Momente im ganzen Film.
Ansonsten gibt es auch immer mal wieder etwas zu Schmunzeln - auch bei den vielen Filmverweisen. So diskutiert Jason mit seiner Mutter über Bollywood-Star Amitabh Bachchan, Orked vergöttert Takeshi Kaneshiro und beklagt den Niedergang des malaysischen Kinos ebenso wie jenen von John Woo. Dieser breit gefächerte Filmgeschmack der Protagonisten ist auch eine Manifestation der kulturellen Vielfalt des Landes. Die Bevölkerung besteht aus etwa zwei Dritteln Malays, 24% Chinesen und 7% Indern (primär Tamilen). Die wichtigste Religion ist der Islam mit 60%, etwa 20% folgen dem Buddhismus, 6% dem Hinduismus, 9% dem Christentum - dadurch ergeben sich auch gesellschaftliche Spannungen, die Ahmad thematisiert. Es beginnt schon bei der Charakterisierung.
Orked ist islamisch, Malay und spricht oft Englisch. Sie betet in einem weissen Hijab und kleidet sich im Alltag mit einem bodenlangen Rock. Privat gibt sie sich weniger religiös, ihre Familie ist tolerant. Jason ist Chinese, der sich aus Scham seinen westlichen Namen zulegt. Religiös scheint er nicht zu sein, seine Familie wird jedoch als klassenbewusst gezeigt. Die Beziehung dieser aus verschiedenen Kulturkreisen stammenden Menschen löst denn auch weitgehend Unverständnis, ja sogar Hass aus - etwa bei Orkeds Schulkollegen. "Sepet" packt dieses Thema manchmal etwas didaktisch an und lässt die Dialoge dazu etwas gar spezifisch und ausführlich wirken, doch es funktioniert ganz gut und verleiht dem Film einen aufgeschlossenen Charakter.
Zentral ist jedoch jederzeit die Liebesbeziehung, die einfach funktioniert und mit ihrer züchtig-romantischen Art das konservative Publikum ebenso begeistern kann wie das aufgeschlossene - nur die Zensoren anscheinend nicht: Sie schnitten ein paar Szenen aus dem Film heraus. Ahmad gelang aber trotzdem ein beklatschenswerter Spagat in einem Land, in dem man auf viele Sensibilitäten Rücksicht nehmen muss und in dem derartiges einheimisches Kino mittlerweile nicht mehr gefragt ist. Darum schaut man gerne über die etwas statische und billige Inszenierung hinweg und die meist zu lange ausführenden Dialoge. Nur das Ende liess mich wirklich ratlos zurück.
Zum einen erscheint es mir wie ein plumper Ausweg, um die vorher angepackten Probleme sauber unter den Teppich zu kehren. Zum anderen wird mit einem Telefonanruf ein aufgesetztes Mystery-Element aufgebaut, das nicht zum Film passt und wohl lediglich dazu dient, dass die Zuschauer diskutierend aus dem Kino gehen. Es hat geklappt, denn das Ende von "Sepet" gehört im Zusammenhang mit dem Film zu den
meistdiskutierten Themen. Ich gehöre zur Fraktion, denen es nicht gefallen hat. Es ist ungewöhnlich - aber auch unbefriedigend.
Ahmad nahm sich 2006 dem Thema abermals an und zeigt im deutlich teureren Box-Office-Hit "Gubra", was viele Jahre später aus Orked geworden ist. Neue Charaktere, neue Themen kommen dazu, aber der Geist von "Sepet" ist noch da.

Hier auf VCD & DVD erhältlich
Meine Disk (VCD). Malay / Englisch 2.0 mit nicht ausblendbaren engl. Untertiteln. Letterboxed Widescreen.
Die DVD soll nicht untertitelt sein!
Regie: Yasmin Ahmad

Liebesdrama

Humor * *

Spannung *

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S o n g   o f   t h e   S t o r k

Vietnam / Singapur 2001 Ausführliche Kritik: hier.

 

 

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