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Drama. Indien. Hindi
Alternativer Titel -

Regie Sudipto Chattopadhyay
Drehbuch Sudipto Chattopadhyay
Produktion Sanjay Gupta
Songs Raju Singh
Kamera Somak Mukherjee
Choreografie Terence Lewis, Harshal-Vitthal
Darsteller Maradona Rebello, Bipasha Basu, Lillete Dubey, Mahesh Manjrekar,
Ronit Roy, Asha Sachdev, Amit Purohit, Sanjeeda Shaikh, Daya Shankar Pandey
Länge 97 Min.

Kinostart 2.4.2010
Box office classification
Desaster
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 16

 

 

Humor Spannung Action Gefühl Anspruch Erotik
()

©  Text Marco, molodezhnaja 16.6.10
©  Bilder Eros Entertainment, Screenshots molodezhnaja


STORY
Eine ehemalige Schauspieldiva (Lillete Dubey) ist besessen davon, ihren Sohn Jerry unter dem Namen Jai zum Kinderstar zu machen. Um die erste Rolle zu ergattern, muss sich der Kleine in Mädchenkleider schlüpfen - und wird Baby Kusum getauft. Sein Auftritt ist ein Grosserfolg, er kriegt sogar den National Award. Also spielt er die Rolle weiter, obwohl er verwirrt ist und gar von den Regisseuren befummelt wird. Als Erwachsener leidet
Jerry (Maradona Rebello) unter seinen forcierten Geschlechterwechsel. Er wird von Erinnerungen geplagt - und von der Vision einer bildschönen Frau (Bipasha Basu), die im als spirituelle Führerin dient.

 

REVIEW
Um eines klarzustellen: "Pankh" ist nur bedingt ein Kunstfilm. Die Arthouse-Zugehörigkeit wollen zwar viele indische Kritiker einem einreden und selbst die Produktionsgesellschaft von Sanjay Gupta schreibt sie sich ins Logo - doch in Wahrheit ist das Drama etwas ganz anderes: hemmungsloser Trash. Ein Film irgendwo zwischen "Showgirls", einem schlechten Drogentrip und einem Musikvideo oder etwas, was ein Protegé von Andy Warhol in den 70ern mit Udo Kier und Joe Dallesandro verfilmt hätte. Nur viel schlechter. Eine ungewöhnliche Story, ein paar abstruse optische Spielereien und methodische Langeweile machen einen Film noch lange nicht zum Arthaus-Spektakel. Vielmehr sorgen sie für laute Lacher. Unfreiwillige versteht sich.

"Pankh" ist ein mit solcher Forciertheit inszenierter und halluzinogener Unsinn, dass man gar nicht kann, als sich halber totzulachen. Das soll alles ernst gemeint sein? Eine Anklage an die seelische Grausamkeit gegenüber Kinderstars? Ein kritischer Blick auf Bollywood? Keine Chance, was hier gezeigt wird, ist derart überzogen, abstrahiert und überdreht, dass man nicht einmal an das Schicksal realer Kinderstars denkt. Dabei diente als Inspiration ein realer Fall: jener des Mädchens Ahsaas Channa.

Es spielte in drei Filmen, darunter Kabhi Alvidaa Naa Kehna, einen Buben, bevor sie in Phoonk endlich ihr wahres Geschlecht auf der Leinwand repräsentieren durfte. Doch daraus wurstet der Regiedebütant Sudipto Chattopadhyay ein verkünsteltes Ego-Projekt. Nichts ist hier emotional echt, nichts ist nachvollziehbar auf einer logischen Ebene. Dafür funktioniert "Pankh" nicht schlecht als Fiebertraum. Wenn man sich nicht entscheidet, das Ganze als unfreiwillige Komödie anzuschauen (und 97 Minuten durchzulachen) ist dies der beste Ansatz, um den Film zu überleben.

So kann man auch aushalten, dass die Kamera nahezu den ganzen Film hindurch schräg gehalten bleibt. Das ist eine grässliche Unsitte mancher indischer Filmemacher, die nicht kapiert haben, dass eine schräg gehaltene Kamera Unbehagen hervorrufen soll - aber man dies nicht konstant einsetzen kann. Sonst muss man dem Publikum gleich Kotztüten mitliefern. Und um die Sache noch schlimmer zu machen, rotiert in einer Szene die Kamera unentwegt um die Protagonisten, wie in einer schlechten Michael-Bay-Parodie. Was Kameramann Somak Mukherjee (Ugly Aur Pagli) hier bietet gehört bestraft.

Ebenfalls passend zu Fiebertraum: Die fragmentierte Story mit einer Haupthandlung in der Gegenwart und etlichen Rückblenden. Und das rüde Verhalten der Figuren. So wird etwa ständig geflucht und dies dürfte auch einer der ersten Bollywoodfilme sein, bei dem man (andeutungsweise) einen Mann onanieren sieht. Oder schreien "hier siehst du mein pulsierendes Glied, Mama!". Diese vermeintliche Direktheit soll den Independentcharakter von "Pankh" unterstreichen, wirkt aber nur verkrampft. Dasselbe gilt für etliche der Szenen, in denen Bipasha Basu auftaucht. Sie spielt eine mysteriöse Erscheinung in edlen Klamotten.

Manchmal guckt sie ganz meta in die Kamera, während irgendwelche Mimen um sie herumtänzeln. Meist schreitet sie aber nur um unseren Helden herum und labert kryptisches Zeug. Viel bedeuten soll das nicht, es soll Atmosphäre und eben dieses Kunstfilm-Feeling aufkommen lassen. Beides funktioniert nicht. Aber immerhin gibt es Bips in edelsten Roben zu sehen - das hat per se etwas Magisches. Was machts da schon, dass nichts dahinter steckt? Das Ganze wie Traumdeutung aus dem Kindergarten wirkt? Wie eine Nachhilfe-Psychologiestunde? Auf dem Niveau spielt ja der ganze Film, passt also gut.

Weitere Beispiele für diese Brecheisen-Psychologie: Mahesh Manjrekar als Parodie einer Tunte, Lillete Dubey als hyperhysterische Glucke, religiöse Ikonographie ohne Aussage und ein Macho-Schauspieler, der umgehend in eine sexuelle Orientierungskrise gerät, als Jai ihm beichtet, dass er die Kusum ist, die er als Kind so mochte. Das hat irgendwie "schwul auf Knopfdruck"-Charakter. Aber in "Pankh" handelt ja eh niemand realistisch, redet niemand normal oder passiert nichts nachvollziehbar. Dies ist das Produkt eines klassisch überambitionierten Auteurs, der alles mögliche in sein Werk packen will, vom Ödipuskomplex über Geschlechteridentität bis Traumdeutungen.

Doch was Debütant Sudipto Chattopadhyay daraus zimmert, ist wahrhaft grotesk. Vielleicht hätte ihm mal jemand sagen sollen, dass er kein Musikvideo dreht. Oder dass es sinnvoll wäre, die handelnden Figuren einigermassen lebensnah zu schreiben. Es hätte wohl eh nichts genützt, denn ein selbsternannter Kunstfilm-Auteur hat per Definition einen Dickkopf. Einen, den er hier durchsetzt, koste es was es wolle. Daher hat "Pankh" durchaus eine gewisse Faszination: So etwas Abgedrehtes sieht man in Bollywood selten. Debütant Maradona Rebello spielt überkandidelt, aber speziell. Und Bipasha Basu zeigt einmal mehr Reife, Schönheit und Mut in einem.

Doch die Faszination dafür gleicht der eines Zugsunglücks. Wagen für Wagen entgleist, ein Crash folgt dem nächsten. Und irgendwann sieht man diesem Laientheater des Bizarren nur noch zu mit einer Mischung aus unendlicher Langeweile und leiser Neugier auf das, was noch Abstruseres kommen könnte. Das gilt, wenn man sich "Pankh" als Fiebertraum antut. Wenn man sich jedoch auf den Mitlach-Zug setzt, dann ist dies ein Trash-Trip voller Hysterie, Konfusion, Wut und Schwachsinn. Ein wahres Prunkstück der Selbstüberschätzung und der narrativen Ahnungslosigkeit. Erzählt in visueller wie geistiger Schieflage. Alles, was es zu wirklich grandiosem Trash noch brauchen würde, wäre tatsächlich ein Gastauftritt von Udo Kier.

 

SONGS
1) Jala Ji Jala - Erotisch gesungen, aber ohne einprägsame Melodie (Suinidhi Chauhan).
2) Mamaa - Englischsprachiges Stück, das an der Stelle fast parodistisch klingt (Dibyendu Mukherji).

 

MEINE DVD
Eros Entertainment (USA), Code 0, NTSC
Bild: Anamorphic Widescreen
Ton: Hindi 5.1 mit englischen und arabischen Untertiteln (Film und Songs).
Disk Rating * * ½ (Starkes Bildrauschen und daraus resultierende Unschärfen)

 

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EXTERNE REVIEWS 
imdb.com

Bollywood Hungama (1/5)
Rediff (2½/5)

 

SCREENSHOTS

Screenshots der DVD mit TotalMedia Theatre 3, verkleinert und leicht geschärft mit CorelPaint


 

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