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Heimatdrama. Schweiz, 1958
Alternativer Titel
Wildwest im Emmenthal

Regie Franz Schnyder
Drehbuch
Franz Schnyder, Richard Schweizer nach dem Roman von Jeremias Gotthelf
Produktion
Franz Schnyder
Musik Robert Blum

Kamera
Konstantin Irmen-Tschet 
Schnitt René Marinet

Darsteller
Annemarie Düringer, Franz Matter, Heinrich Gretler, Hedda Koppé, Margrit Winter,
Erwin Kohlund, Margrit Rainer, Ruedi Walter, Max Haufler, Emil Hegetschweiler, Christian Kohlund
Länge
102 Min.

Kinostart 1958

 

Humor Spannung Action Gefühl Anspruch Erotik
. .

©  Text Marco, molodezhnaja 29.1.2011
©  Bilder Praesens, Screenshots molodezhnaja


STORY
Im Emmental haben viele Gemeinden in Käsereien investiert. Nun rollt der Rubel. Das Kaff Vehfreude will auch am Boom teilhaben - und errichtet auf Drängen des Gemeindeammanns (Heinrich Gretler) auch eine Käserei, statt der geplanten Schule. Die Frauen im Dorf sind unzufrieden, der Pfarrer (Emil Hegetschweiler) ebenso. Und tatsächlich gibts bald Probleme, denn die Bauern liefern mit Wasser gestreckte Milch oder mittelmässige Ware. Ein "Käsefürst" (Willy Fueter) aus Langnau will den Käse trotzdem abnehmen. Als der Ammann den Käse anderweitig verkauft, gibt’s Zoff im Dorf. Das belastet auch die aufkeimende Liebe zwischen Felix (Franz Matter), dem Sohn des Ammans, und dem Verdingkind Änneli (Annemarie Düringer).

 

REVIEW
Mit angeblich 1.6 Millionen Zuschauern ist "Käserei in der Vehfreude" einer der erfolgreichsten Filme in der Schweiz überhaupt. Genaue Zahlen sind schwer zu bekommen (und die mancherorts kolportierten 2.5 Millionen Zuschauer von Geld und Geist lassen sich kaum belegen) - doch ob nun auf Platz eins, zwei oder drei, die Jeremias-Gotthelf-Adaption war ein Kassenschlager sondergleichen, den in der Deutschschweiz rein statistisch gesehen drei von vier "kinotauglichen" Einwohnern gesehen haben muss. Eine unglaubliche Zahl.

Erklären lässt sie sich durch die Popularität der Macher: Was Franz Schnyder damals anfasste, das wurde zu Gold. Er hatte aus zwei Flops die Lehren gezogen und sich ganz dem guten alten Gotthelf zugewandt, der ihm die Blockbuster Uli der Knecht und Uli der Pächter bescherte. Doch diesmal sollte alles noch viel grösser sein: Gedreht im Breitbildformat in einer riesigen Halle in Burgdorf und in der Umgebung, mit einem immensen Budget von einer Million Franken, besetzt mit grossen Namen des Schweizer Kinos.

Solch kalkulierter Erfolg macht kritisch - und tatsächlich hält der Film bei näherer Betrachtung nicht allen Qualitätsprüfungen stand. Am wenigsten die Story. Gotthelfs Vorlage von 1850 mag unantastbar sein, der Film ist es nicht. Denn Schnyder, der mit seinem langjährigen Wegbegleiter Richard Schweizer auch als Drehbuchautor waltete, schafft es nur schwer, die vielen Einzelepisoden unter einen Hut zu bringen. Wunderbar funktioniert die Hauptgeschichte um die Käserei: Wer will sie, wer will sie nicht, wer liefert verdünnte Milch, wer nicht. Das sind kleine Dramen mit grosser Wirkung.

Doch schon die Liebesgeschichte dahinter lahmt. Annemarie Düringer, die in Deutschland und Österreich Filmkarriere gemacht hatte, sieht zwar blendend aus, aber mit dem blassen Franz Matter entwickelt sie kaum Chemie. Ein paar kokette Dialoge (der Felix will ganz offensichtlich vorehelichen Sex) helfen da auch nicht. Noch schlimmer erwischt es die Nebenhandlung um die angeblichen Hexen im Dorf. Zwar wurden damals keine Hexen mehr verbrannt, aber die Brandmarkung einer Frau als Hexe hatte noch immer schwerwiegende Folgen. Die werden gestreift - und gehen dann schlicht vergessen.

Doch "Die Käserei in der Vehfreude" hat ihren Reiz. Da wäre etwa die Besetzung, angeführt vom robusten Heidi-Star Heinrich Gretler und der eben zauberhaften Annemarie Düringer. Ruedi Walter liefert etwas Humor - als ein der Gattin völlig unterwürfiger Bauer. Auch technisch gibt es wenig auszusetzen: Robert Blum (1900-1994), seit den 30ern in unzähligen Schweizer Klassikern als Komponist involviert, steuert einen mitreissenden klassischen Soundtrack bei. Der Russe Tschet, ebenfalls ein alter Hase im Schweizer Erfolgskino, liefert die dazu passenden Bildern mit ländlichem Charme.

Sogar für Action ist gesorgt, wenn in Massenszenen Tumulte ausbrechen, oder zwei Rivalen ein Wagenrennen à la "Ben-Hur" liefern (wenn auch im etwas kleineren Rahmen). Wohl deshalb kam der Film in Deutschland zur unrühmlichen Ehre, unter dem Titel "Wildwest im Emmenthal" vermarktet zu werden. Noch mehr Wildwest hätte dem Film indes gar nicht schlecht getan: Er wirkt bisweilen etwas träge. Tempo, Action, Tumulte - das würde auflockern. Doch wirklich öde wird es auch so nie, dafür sorgen alleine schon die urchigen Dialoge in bester Gotthelf-Manier.

Für Freunde des Schweizer Kinos ist "Käserei in der Vehfreude" ein Fixpunkt. Alleine schon seines Erfolgs wegen. Doch auch reguläre Kinofans kommen bisweilen auf die Kosten, denn der Film sorgt mit Witz, Romantik, Drama und Action dafür, dass Langeweile gar nie einkehren kann. Für Schnyder war es selbstverständlich nicht die letzte Goffhelf-Verfilmung: Es folgten die beiden Anne Bäbi Jowäger-Teile und der bereits genannte Superhit Geld und Geist. Der Mann hatte seine Goldader gefunden.

 

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Soundmedia (Liefert aus CH)

 

EXTERNE REVIEWS 
imdb.com

 

SCREENSHOTS

Screenshots der DVD mit TotalMedia Theatre 3, verkleinert und leicht geschärft mit CorelPaint


 

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