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Comicverfilmung. USA 2007
Alternative Titel
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Regie Sam Raimi
Drehbuch Sam Raimi, Ivan Raimi, Alvin Sargent
Produktion Laura Ziskin, Avi Arad, Grant Curtis
Ausführende Produzenten Stan Lee, Kevin Feige, Joseph M. Caracciolo
Musik Christopher Young
Kamera Bill Pope
Darsteller Tobey Maguire, Kirsten Dunst, James Franco, Thomas Haden Church,
Topher Grace, Bryce Dallas Howard, Rosemary Harris, J.K. Simmons, James Cromwell,
Bruce Campbell, Dylan Baker, Theresa Russell, Bill Nunn, Ted Raimi, Willem Dafoe
Länge 140 Min.

US-Kinostart 04.05.2007
CH-Kinostart
01.05.2007

 

 

Humor Spannung Action Gefühl Anspruch Erotik

©  Text Marco, molodezhnaja 20.4.07
©  Bilder Columbia, Screenshots molodezhnaja


STORY (Spoiler)
Peter Parker ist im Hoch: Als Spider-Man (Tobey Maguire) ist er der Star von New York, alle lieben ihn, alle respektieren seine Arbeit als Gesetzeshüter mit Superkräften. Die Euphorie schwappt nicht auf Peters Freundin Mary Jane (Kirsten Dunst) über, die wegen schlechter Performance ihren Traum von der Musical-Karriere platzen sieht. Peters Versuch, sich mit MJ zu verloben, fällt daher ins Wasser, nicht zuletzt auch darum, weil MJ eifersüchtig ist auf die hübsche Gwen Stacy (Bryce Dallas Howard), der Peter im Spider-Man-Kostüm öffentlich einen Kuss gab. Als seien diese privaten Probleme nicht schon genug belastend, bekommt Peter es mit einer ganzen Serie von Rivalen zu tun: Sein ehemals bester Freund Harry Osborn (James Franco) sinnt immer noch auf Rache für den Tod seines Vaters (Willem Dafoe). Der windige Fotograf Eddie Brock (Topher Grace) hofft darauf, sich Peters Job bei Daily Bugle zu angeln. Und der entflohene Sträfling Flint Marko (Thomas Haden Church), der sich nach einem Unfall in einer Testanlage in den monströsen Sandman verwandelt hat, sorgt in der Stadt für Terror. Das tut er zwar nur, um seiner todkranken Tochter zu helfen - doch Peter hat es trotzdem auf ihn abgesehen. Auch darum, weil Flint der wahre Mörder von Peters Onkel ist! In Peter wächst der Frust wegen des kaputten Privatlebens, der Hass auf Eddie Brock und die Wut auf Flint. Genau diese Emotionen macht sich ein ausserirdischer Parasit zu nutzen, der Spider-Man befällt und aus ihm einen arroganten Schnösel macht - inklusive neuem, schwarzen Anzug.

 

REVIEW
Auch drei Jahre nach Erscheinen halte ich Spider-Man 2 für eine der besten Comicverfilmungen aller Zeiten. Die Inszenierung ist virtuos, die Erzählweise dynamisch, die Story dicht gesponnen. Davon ist die neue Fortsetzung denn auch weit entfernt: "Spider-Man 3" ist ein durchaus würdiger Beitrag zur Reihe, ein in Action und Humor beachtliches Werk, ein unterhaltsamer Superheldenstreich, doch ihm fehlt diese Dichte, diese aus jeder Einstellung berstende Vitalität, die den zweiten Teil auszeichnete. Sam Raimi baut zwar auf das beliebte Sequel-Motiv: grösser, lauter, mehr - doch in dem übertriebenen Aufmarsch von Figuren geht der Plot etwas unter und die Actionszenen, sieht man von einer ab, erreichen gerade wegen ihrer Grösse und Überladenheit nicht das Schweisstreibe-Niveau der U-Bahn-Sequenz im zweiten Teil.

Doch mal der Reihe nach. Das Intro ist gespickt mit Szenen aus den vorherigen Filmen, was durchaus Sinn macht, wenn auch nicht so schick wirkt wie in Teil zwei, wo Comicbilder zur Illustration beigezogen wurden. Das Leitmotiv von Danny Elfman ist da, leicht modifiziert vom neuen Komponisten Christopher Young, aber immer noch sehr wirkungsvoll. Seit dem ersten Teil hab ich die Melodie lieben gelernt und mittlerweile gerät das Blut doch schon leicht in Wallung, wenn die Klänge angestimmt werden. Die Einstimmung funktioniert jedenfalls, der Plot kann sich entfalten.

Das tut er aber relativ langsam. Wir sehen wie Peter im Hoch ist, wie alle Spider-Man vergöttern. Dagegen scheitert Mary Janes Musicalkarriere, was wohl an dem schlechten Playbackstück liegt, das Kirsten Dunst absolviert. Der Grund für den Beziehungszwist ist damit rasch gelegt. Dazu das Übliche: Tante Mays etwas lehrmeisterliche Philosophien, die Rivalität mit Harry, der Stress im Büro - all das hat eine Familiarität und ist deshalb ganz nett. Doch richtig voran kommt der Plot trotzdem nicht, zu oft fällt Raimi wieder in dieselben Adoleszenz-Motive, die wir schon aus den vorangegangenen Episoden kennen. Peter und MJ sollten mittlerweile erwachsen sein, doch ihre Liebe wird immer noch durch dieselben Mechanismen gestört. Vor allem MJ verkommt diesmal zum Plot-Werkzeug und ist keine echte Figur mehr. Sie ist nur noch dazu da, sich mal zu trennen oder die Loyalitäten zu wechseln, um für Dramatik zu sorgen. Vielleicht liegt mein auf null abgestürztes Interesse an MJ auch daran, dass ich Kirsten Dunst für eine katastrophale Fehlbesetzung halte. Schon in Teil zwei war sie einer der wenigen Schwachpunkte, doch diesmal ist sie eine leere Hülle, Peters Interesse für sie ist nicht nachvollziehbar, vor allem in Angesicht von Bryce Dallas Howard, die sie mühelos an die Wand spielt.

Die Lady in the Water Howard verkörpert Gwen Stacy, die in der Comicreihe eine wichtige Funktion einnimmt und nun etwas verspätet auch in die Filmserie geschrieben wurde. Die erblondete Rothaarige ist wunderbar in dem eigentlich noch unausgearbeiteten Part und lässt Dunst gehörig alt aussehen in vielerlei Hinsicht. Die beste Szene des ganzen Films gehört denn auch ihr: In einem spektakulären Action-Setup demoliert ein Kran das Hochhaus, in dem Gwen gerade ein Shooting durchführt - und Spidey muss rettend eingreifen. Für mich das Actionhighlight des Films, weil es bei Tageslicht spielt, einfach strukturiert und virtuos inszeniert ist. Das dunklere, gedrängtere Finale kann da nicht mithalten.

Die anderen Action-Pluspunkte holen sich die Szenen mit dem Sandman, kernig interpretiert von Thomas Haden Church. Die Effekte sind dabei durchwegs gelungen und es wird rasch deutlich, dass an dieser Figur die Leitmotive des Films aufgehängt sind, massgeblich Rache, Sühne und Vergebung. Der solide spielende Maguire, der bei ein paar Szenen im Spidey-Anzug kleine Speckröllchen am Bauch zeigt (nicht weiter schlimm, aber im Kontrast zu Teil 1), harmoniert sehr gut mit dem rauchigen Church. Das thematische Herz des Films, das die beiden bilden, wird noch ausgeweitet auf Harry, der ebenfalls in den Rache/Schuld/Vergebung-Komplex hineingezogen wird und nach einem (etwas plumpen) Gedächtnisverlust für ein paar interessante Wendungen sorgt.

Inhaltlich sind das die beiden Komplexe: Liebe und Rache. Ersteres umfasst Tobey, Kirsten, James Franco und Bryce Dallas Howard, ein zum Liebesviereck angewachsenes Netz, das Raimi in den langsameren Szenen durchaus gefällig entfaltet. Den Rache-Teil machen Tobey, Thomas Haden Church und James Franco aus. Die Motivation des Sandmans wurde gegenüber den Comics etwas verwässert, doch das passt thematisch wunderbar in den Film. Verziert wird das Ganze dann noch durch witzige Auftritte (J.K. Simmons, Bruce Campbell), kleine, aber fein besetzte Füll-Rollen (James Cromwell, Theresa Russell, Dylan Baker etc.) und Cameos, etwa von Willem Dafoe als Osborn Senior und Marvel-Ikone Stan Lee in einem der hölzernsten Gastauftritte der Spidey-Geschichte.

Wer in dieser Auflistung fehlt ist Topher Grace. Er spielt den erst 1988 als Bösewicht in die Comics gekommenen Fan-Liebling Venom. Doch man merkt, dass Raimi die Figur gar nie wirklich wollte. Sie wirkt angehängt und fast schon unnötig. Der Symbiont, der aus Tophers Reporter Eddie Brock den Venom macht, hängt erst an Peter Parkers Anzug und macht ihn zum arroganten "schwarzen Spider-Man" bzw. zum Gothic-Emo-Peter mit Eyeliner und etwas frecherer Frisur (fragt nicht). Das wäre eigentlich genug spannend, denn das führt zu Peters Faszination mit dem Bösen, zur Kanalisation seiner Rachegefühle. Doch wenn der Symbiont den Wirt wechselt, wirkt das wie eine angeheftete Idee - zudem gefiel mir der Venom, der nicht viel anders rüberkommt, als ein etwas degenerierter Spidey-Klon, nicht wirklich gut. Da doch lieber Sandman. Oder noch besser, Doc Ock aus Teil zwei, der bleibt der beste Bösewicht der bisher drei Folgen.

Immerhin liefert Venom ein paar schicke Tricks, ein paar düstere Szenen und ein actiongeladenes Finale. Doch Venom würde ich in die Liste der Schwachpunkte setzen - ebenso wie Kirsten Dunst, den Figuren-Overload, Stan Lees Cameo, die etwas leblosen Bilder (etwa im Vergleich zum comic-bunten ersten Teil) und den zerstückelten Plot. Auf der Haben-Seite die Kran-Actionszene, die Spezialeffekte, Thomas Haden Church, J.K. Simmons, der witzige Auftritt von Bruce Campbell, die noch immer coole Musik, Bryce Dallas Howard, der Humor generell und ein paar Szenen, in denen die Charaktere etwas realisieren. Das klingt vage, doch die Momente, in denen Figuren entweder ihre Meinung ändern, in denen ihnen etwas klar wird oder sie eine Folgerung schliessen, oft begleitet von dramatischer Musik, die fahren ein. Als Gegensatz dazu die Szenen, in denen Charaktere etwas sagen, die sind oft nur halb so gut. Sei es Tobeys letzter Satz zu Sandman, seien es Tante Mays Weisheiten oder nahezu alle von Kirstens Dialogen. Ausnahmen sind die witzigen One-Liner, wie jener, den Peter ausstösst, als er nach einem Kampf mit Sandman den Sand aus den Schuhen leert und sinngemäss etwas seufzt wie "woher kommen diese Superschurken eigentlich immer?" - in einem Film, der bald mehr Figuren hat als "X-Men", eine berechtigte Frage.

Und weil ich mich bei den "Spider-Man"-Filmen leider einfach nie kurz fassen kann und trotzdem gerade mal die Hälfte von dem anschneide, was ich eigentlich sagen wollte, ziehe ich brüsk eine Schlusslinie. Teil drei gefiel mir, er hat vieles, was zum Staunen anregt, er lässt das Herz anschwellen, er macht Geeks glücklich und ist ein toller Einstieg in die diesjährige Blockbuster-Saison. Doch an Teil zwei kommt er nicht heran, der war dynamischer, virtuoser, stringenter. Raimi tut wohl gut daran, falls er nach einer Pause sich (hoffentlich) doch an einen vierten Teil macht, sich auf das Wesentliche zu beschränken, das ist manchmal effektiver, als immer nur noch mehr zu wollen. "Spider-Man 3" bietet noch mehr. Und auch noch mehr vom Selben. Die 250 Mio. - 300 Mio. Dollar Budget sieht man nie und nimmer, doch der Film liefert, was man erwartet - und er unterhält dabei. Das ist auch nicht zu unterschätzen. Qualitativ siedle ich ihn einen Stern unter Teil zwei an und immer noch deutlich unter Teil eins. Dreieinhalb Sterne sind vielleicht sogar etwas grosszügig.

 

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