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Thriller. NL/D/GB/B 2006
Alternativer Titel
Zwartboek

Regie Paul Verhoeven
Drehbuch Paul Verhoeveb, Gerard Soeteman
Produktion Jeroen Beker, Teun Hilte, San Fu Maltha, Jens Meurer, Jos van der Linden, Frans van Gestel
Musik Anne Dudley
Kamera Karl Walter Lindenlaub
Darsteller
Carice van Houten, Sebastian Koch, Thom Hoffman, Halina Reijn, Waldemar Kobus,
Derk de Lint, Christian Berkel, Dolf de Vries, Peter Blok, Michiel Huisman, Roman Armbrust

Länge 140 Min.

NL-Kinostart 14.09.2006
CH-Kinostart
10.05.2007

   

 

Humor Spannung Action Gefühl Anspruch Erotik

©  Text Marco, molodezhnaja 13.5.07
©  Bilder Tartan, Screenshots molodezhnaja


STORY
Die jüdische Sängerin Rachel (Carice van Houten) hofft im September 1944, aus Holland fliehen zu können. Doch ihr Flüchtlingsboot gerät an eine Nazi-Patrouille: Alle Passagiere, darunter auch Rachels Familie, sterben. Nur Rachel selbst kann entkommen. Sie schliesst sich einer Widerstandstruppe um Hans Akkermans (Thom Hoffman) an und färbt ihre Haare blond. Unter dem Namen Ellis
de Vries macht sie sich nun an den Hauptsturmführer Ludwig Müntze (Sebastian Koch) heran, in dessen Umfeld sie auch Günther Franken (Waldemar Kobus) erblickt - den Mann, der die Flüchtlinge erschiessen liess. Sie sinnt auf Rache.

 

REVIEW
20 Jahre nach seinem Hollywood-Durchbruch mit "RoboCop" kehrt der Holländer Paul Verhoeven mit einem Knall in seine Heimat zurück: "Black Book", nach Angaben seiner Macher lose basierend auf Tatsachen, mischt mit viel Gusto europäisches Kino mit Hollywood'scher Blockbuster-Mentalität zu einem mitreissenden und aufwändig produzierten Weltkriegsthriller. An seine besten Werke wie die brachiale Sci-Fi-Satire "Starship Troopers" oder den Action-Compicstrip "Total Recall" kommt Verhoeven damit zwar nie heran, doch es ist eine willkommene Energiespritze für das europäische Kino.

Das grösste Manko des Unterfangens ist sein Skript. So wissen wir von Anfang an, dass Rachel überleben wird, weil Verhoeven die Ereignisse in eine völlig unnütze Rahmenhandlung bettet. Gerade bei einem Verhoeven-Film, wo auch den Helden Schlimmes widerfahren kann (in "Starship Troopers" krepiert die Heldin und die Schlampe kriegt den Helden), hätte die Unklarheit über Rachels Schicksal für zusätzlichen Nervenkitzel gesorgt. Auch den Rest des Films über tun Verhoeven und Co-Autor Gerard Soetman oft überraschend viel, um das Suspense-Level zu drücken. So schafft es Rachel mit derselben Leichtigkeit, beim Widerstand und bei den Nazis unterzukommen und zu oft wird sie rasch aus Gefahrensituationen wieder befreit. Am Ende wirkt das Auf und Ab ihrer Mission fast schon episodisch. Den prickelnden Spannungslevel eines "Basic Instinct" erreicht der Film dadurch nicht.

Auch nicht dessen Erotik: "Black Book" zeigt zwar in typischer Verhoeven-Manier jede Menge fast beiläufig eingebaute und unbekümmerte Nacktheit, doch Knistern kommt dabei nur selten auf. Das liegt daran, dass der Regisseur, etwas salopp ausgedrückt, eher auf der Schiene seines "Showgirls" fährt. Getrieben von Rachsucht, Überlebenswillen oder blanker Gier arbeiten sich hier alle, vom Fickhäschen bis zum Nazi-Offizier, auf eigensinnige Weise nach oben oder zumindest in Sicherheit. Sympathien verteilt Verhoeven dabei sehr ungewöhnlich und so erscheinen selbst Widerständler nicht gerade heldenhaft, wenn sie antisemitische Parolen poltern. Gut und Böse wird durchmischt. Heilige Huren, nette Hauptsturmführer und sadistische Nazis gibt es hier gleichermassen. Das ist typisch Verhoeven und passt zum leicht trashigen Ambiente, das oft durchblitzt. Verhoeven mag es, zu provozieren und durch den Einbezug von in ihrer Direktheit ungewöhnlichen Momenten zu schocken - das gilt für eine Schamhaarfärbung ebenso wie für ein unfreiwilliges Fäkal-Bad und lüsterne Nazi-Orgien. Der Film geht zwar nicht ganz so weit, dem Nazi-Exploitationfilm vergangener Jahrzehnte zu huldigen, doch hin und wieder hält das verruchte Element jenes Genres hier Einzug und macht "Black Book" schön deftig und fleischig.

Langeweile kommt dadurch in 140 Minuten gar nie auf. Zu vorwärtsgerichtet ist die Inszenierung, die mit Schauwerten und Verhoeven'schen Eskapaden gleichermassen begeistert. Auch die restlichen Beigaben sind oft überragend: Das Ensemble etwa glänzt, angeführt von der verführerischen und resoluten Carice van Houten in einer für sein Genre atypischen Judenrolle. Das Lob für die Akteure erstreckt sich bis in die Nebenrollen wie jene des kühl-destruktiv agierenden Christian Berkel. Die Bilder um sie herum sind eine Pracht, Verhoeven hat dazu seinen langjährigen Partner Jost Vacano, ein Spezialist für hell ausgeleuchtete, kalte Bilder, gegen seinen deutschen Landsmann Karl Walter Lindenlaub ("Independence Day") ausgetauscht, der für den erdigen Look der Produktion bestens geeignet ist. Die Action ist dank Verhoevens Erfahrungen in Hollywood natürlich auch von erster Güte und weil man nie weiss, wer falsch spielt, behält der Film trotz den oben genannten Drehbuchproblemen immer ein solides Spannungslevel.

"Black Book" dürfte daher all jenen noch etwas besser gefallen, die (anders als ich) "Soldier of Orange" einem Film wie "Starship Troopers" vorziehen. Verhoeven mischt schliesslich Handlungselemente aus seinem Frühwerk "Solider of Orange" mit der in Hollywood angeeigneten technischen Raffinesse und einer deftigen Dosis Exzentrik. Das gefällt, allen Widrigkeiten zum Trotz, noch allemal besser als die wiederholte Aufarbeitung deutscher Kriegsvergangenheit in einem trockenen TV-Film. Insofern ist sein Mata-Hari-Spektakel "Black Book" seelenverwandt mit "Enemy at the Gates", ein anderer dreckiger Weltkriegsfilm eines europäischen Regisseurs, der mit Hollywood-Methoden inszeniert, und dadurch das diesem Genre oft auferlegte Unterhaltungs-Verbot durchbricht. Verhoeven durchbricht es nicht nur, er trampelt es in den Morast. Sein "Black Book" geniesst es, mit allen Mitteln zu unterhalten, die ihm zur Verfügung stehen - Sex, Action, Spannung, Ausstattung, Sarkasmus. Und er stört sich nicht daran, eine Welt voller Opportunisten, Schlampen und niederträchtigem Gesindel zu zeigen. Wer sich darin einen Hauch von Menschlichkeit bewahrt, der taugt für einen Verhoeven-Film schon als Held, denn mehr als das scheint im zynischen Menschenbild des Regisseurs nicht möglich zu sein. Dafür lieben wir ihn ja so.

PS: Dies ist die zweite Textfassung. Ich hatte bereits eine längere geschrieben, als ich die Screenshots machen wollte und mein DVD-Player am Computer abschmierte. Der Text war futsch, der Frust gigantisch. Sorry also, wenn sich die neue Fassung nicht gar so geschmeidig liest - ich war entsprechend genervt über meine eigene Dummheit.

 

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EXTERNE INFOS & REVIEWS 
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James Berardinelli (3½/4)

 

SCREENSHOTS

 


 

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