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Drama. Frankreich 1925
Alternativer Titel Kindergesichter

Regie Jacques Feyder
Drehbuch Jacques Feyder, Françoise Rosay
Produktion Dimitri De Zoubaloff, Arturo Porchet

Kamera Léonce-Henri Burel, Paul Parguel
Schnitt Jacques Feyder
Darsteller Jean Forest, Victor Vina, Pierrette Houyez, Jeanne Marie-Laurent,
Rachel Devirys, Henri Duval, Arlette Peyran, Suzy Vernon
Länge
116 Min.

Kinostart 1925

 

Humor Spannung Action Gefühl Anspruch Erotik
. .

©  Text Marco, molodezhnaja 15.10.2011
©  Bilder arte, Screenshots molodezhnaja


STORY
Saint-Luc, ein kleines Bergdorf im Oberwallis: Die Frau des Dorfvorstehers Pierre Amsler (Victor Vina) ist verstorben. Nach kurzer Trauer denkt er bereits wieder daran, sich neu zu verheiraten. Seine Tochter Pierrette (Pierrette Houyez) ist noch zu klein, um all das zu verstehen, aber der zehnjährig Sohn Jean (Jean Forest ) ertrinkt im Leid. Deshalb zieht er mit dem Pfarrer für einige Zeit in die Berge. Doch als er zurückkehrt, hat der Vater tatsächlich eine neue Frau: die Witwe Jeanne Dubois (Rachel Devirys). Jean begegnet ihr und ihrer Tochter Arlette (Arlette Peyran) mit tiefer Ablehnung. Er steigert sich in einen immer tieferen Hass, was ihn zu einer schlimmen Tat bringt.

 

REVIEW
Wer heutzutage hört, dass die Marke "Schweiz" einer der lukrativsten der Welt ist, das Land eines der reichsten des Planeten, vergisst gerne, dass die Lage Anfang des 20. Jahrhunderts ganz anders aussah. Zwischen 1850 und 1914 wanderten rund 400'000 Schweizer aus (mehr als 15% der Bevölkerung), viele davon in die USA. Zwar baute sich in der rohstofflosen Binnen-Nation langsam die Industrie auf, aber auf dem Land lebten die Leute noch arm und rückständig, und die unterdrückten Arbeiter lieferten sich Strassenschlachten mit dem Militär - in trauriger Erinnerung bleibt der Landesstreik 1918. Das Wirtschaftswunder kam, wie in grossen Teilen Europas, erst nach dem Zweiten Weltkrieg, auch dank des Bankwesens und dem Umstand, dass das Land von der Zerstörung verschont blieb. Das Grosseltern-Mythos ist zumindest halb wahr: Die Schweiz hat sich nach oben gearbeitet.

Und die Zeit davor? Da die Eidgenossenschaft vor dem Zweiten Weltkrieg über kein funktionierendes Filmeschaffen verfügte, ist es schön, doch noch ein paar cineastische Dokumente aus dieser harten Ära zu haben - etwa in Form von Jacques Feyders "Visages d'enfants" Der französisch-belgische Filmemacher, der 1948 im schweizerischen Exil verstarb, drehte den Film vor Ort im Oberwallis, unter anderem in Grimentz, und erreicht so eine ungeheure Authentizität. Er porträtiert eine Welt der einfachen Regeln, katholischen Moral und sozialen Einheit. Das Dorf ist Dreh- und Angelpunkt des Lebens, gegen Aussen ist man abgeschottet durch die Berge.

Die Familie als nächstkleinere Einheit ist hier in ihren Grundfesten bedroht, weil sich das Kind nicht einordnen will. Es ist kein Akt der Rebellion, sondern einer des Herzens. Der Bub, famos gespielt vom Pariser Strassenjungen Jean Forest, den Jacques Feyder für seinen vorherigen Film "Crainquebille" entdeckt hatte, empfindet Leid und Einsamkeit. Etwas, was ihm der Vater nicht goutiert. Für ihn muss das Leben weitergehen, und man mag es ihm nicht einmal verübeln, angesichts der Umstände. Doch Feyder und seine Ehefrau Françoise Rosay, die zusammen das Drehbuch schrieben, klagen die Kälte und Härte an, die mit dieser Pflichterfüllung einhergehen. "Visages d'enfants" ist ein Manifest für mehr Menschlichkeit, auch in harten Situationen.

Doch nicht nur das: Es ist auch ein vorzüglich in Szene gesetztes Drama. Erfolgskameramann Léonce-Henri Burel, der auch für Abel Gance und später Robert Bresson filmte, bettete die Geschichte in zeitlos anmutende Bilder, selten stilisiert, aber immerzu kraftvoll. Die Akteure liefern dazu ein nüchternes und absolut überzeugendes Spiel. Ein paar Stummfilm-übliche Übertreibungen schleichen sich ein, doch sie reissen nicht aus dem Film heraus. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Geschichte an sich simpel gehalten ist für einen Zweistunden-Film. Aber es sind die Facetten, emotionaler wie sozialer Art, die man hinein lesen kann, welche die Story richtig dicht machen.

Doch letztendlich ist "Visages d'enfants" primär schon. Bewegend, bildprächtig, einfühlsam gespielt. Das zeitgenössische Publikum konnte damit indes nichts anfangen: Der Film floppte und blieb die einzige Arbeit der Lausanner Produzenten Dimitri de Zoubaleff und Arthur-Adrien Porchet aus Lausanne. Vielleicht lag es auch daran, dass es wegen eines Streits mit derVerleihfirma fast 2 Jahre brauchte, bis der Film ins Kino kam (gedreht wurde er 1923). Woran es auch lag, die Ehre kam später. Und heute gilt das Drama als einer von Jacques Feyders besten Filmen - angesichts der Qualität des Films eine verdiente Einschätzung.

 

 

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EXTERNE REVIEWS 
imdb.com

 

SCREENSHOTS

Screenshots der DVD mit TotalMedia Theatre 3, verkleinert und leicht geschärft mit CorelPaint


 

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